Ode an die Schrulligkeit

27 03 2012

Ich weiss ja, man sagt mir gewisse Eigenheiten nach. Ich gelte ungeachtet meines noch recht überschaubaren Alters als exzentrisch, schrullig und “irgendwie seltsam”. Das liegt nicht zuletzt sicherlich an meiner Art, mich mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten auseinanderzusetzen – oder vielmehr, sie zu ignorieren, torpedieren oder ihr wenigstens übel nachzureden.
Tatsächlich empfinde ich’s gar nicht als unhöflich, den Verpflichtungen, die “nun mal so sind”, die mir die Gesellschaft in der ich lebe also aufnötigt, nicht nachzukommen. Ich selbst empfinde es eher als widernatürlich, es doch zu tun. Und es kostet mich nicht nur Überwindung, mich über meine, womöglich eigenwilligen, Empfindungen hinwegzusetzen, es widerstrebt mir geradezu. Es ist also nicht so, dass ich hier auf der Revolutionsschiene fahre – ich beleidige meine Mitmenschen nicht der Beleidigung wegen, ich stoße sie nicht vor den Kopf des Vor-Den-Kopf-Stoßens wegen. Ich folge den auferlegten Regeln nicht aus Gründen des geplanten Ungehorsams. Ich handle einfach nur instinktiv.

Ich folge den Erwartungen meiner Mitmenschen demnach eher aus Gründen des gruppendynamischen Zwangs und um meine Freunde nicht zu blamieren. Wobei mir ja immer etwas unklar ist, wieso es meine Freunde blamiert, wenn ich nicht unwidersprochen jeden Scheiss mitmache nur weil es “schon immer so gemacht wurde”. Aber das ist wohl eher ne andere Geschichte. Nervtötend ist letztlich vor allem, dass mir das gleiche Verständnis nicht entgegengebracht wird. Wenn ich etwas erwarte, was nicht “alle anderen” auch so erwarten oder automatisch tun, gilt das als exzentrisch. Wenn ich etwas nicht tue, weil es mir zuwider ist, obwohl die Gesellschaft es erwartet (und es halt Usus ist), gilt das als unhöflich – im besten Fall. Es wird hier also mit zweierlei Maß gemessen und vermeintlich demokratisch entschieden, dass Randgruppendynamik zu vernachlässigen und zeitgleich auszugrenzen ist – zugunsten des bestehenden Mehrheitskonsens. In der Folge begegnet man mir mit diesen Ritualen die mich verletzen und auf die ich keinen Wert lege, und erwartet im Umkehrschluss, dass ich das auch tue – worauf ich wieder keinen Wert lege und was mich massive Überwindung kostet.

Leute, entspannt euch mal. Nichts von dem, was ihr als “normalen gesellschaftlichen Umgang” bezeichnet, ist in Stein gemeißelt. Die meissten Dinge sind gar überholt und einige medizinisch betrachtet sogar gefährlich. Und nur weil ihr euch an so kleinen Dingen festhalten müßt, um nicht den Halt zu verlieren, sind sie nicht minder deplatziert. Nur weil ihr sie unreflektiert und stoisch wiederholt, sind sie nicht minder überholt.

So, bis hierhin werden die meissten nicht wissen, was ich damit eigentlich sagen wollte. Daher hier ein paar Beispiele:

> Jemandem zum Gruß die Hand geben.
- Gesellschaftlich betrachtet unverzichtbar, gilt gar als unhöflich wenn’s nicht angeboten wird, als Affront, wenn’s abgelehnt wird.
* Wenn ich jemanden berühren möchte, berühre ich ihn/sie. In allen anderen Fällen verzichte ich doch lieber darauf. Ich will ja auch nicht, dass mir jeder ins Gesicht langt, nur weil er den Wunsch nach Nähe verspürt. Die Japaner erledigen das mit einer kurzen Verbeugung, na geht doch…

> Jemandem am Telefon / via SMS / via Facebook / via Messenger [zum Geburtstag] gratulieren
- da gibt’s die buntesten Reaktionen drauf, wenn das mal ausbleibt. Es gilt gemeinhin als super unhöflich, nicht am Tag des Ereignisses zu gratulieren
* nnnnnnnnnnnnervt. Ich telefoniere sowieso nur ungern. Und wenn ich’s dann tue, weil ich “muss”, telefoniere ich noch weniger gern. Meinen Geburtstag (und alles andere, was ich so zu feiern habe) darf man getrost ignorieren bis man mir persönlich gegenübersteht. Und wenn es dann nicht erwähnt wird, kann ich damit auch prima umgehen. Ein Gruß am Telefon, eine hingeklierte SMS im Vorbeigehen erzeugen bei mir eher das Gefühl der Ablehnung und der Verärgerung. Kaum vorstellbar, dass meine Mitmenschen wollen, dass ich mit der Ahnung, dass es für andere das gleiche bedeutet, dennoch derartigen Gruß produziere. brrt.

> Folgeerscheinung des fernmündlichen Grußes: der erwartete Rückruf bei Nichterreichen
- da wird lieblos ein Gruß auf einem AB hinterlassen, eine Fire’n'forget-SMS geschickt, an eine Pinnwand gepostet. Und dann wird erwartet, dass das honoriert wird? Mittels Rückruf? Einer Rück-SMS? Einem Comment, Like, Rundum-Nachricht mit dem Gruß an alle Pinnwandposter?
* in anderem Zusammenhang wird sowas als Nötigung gewertet und nach §§wasweissich mit Schlägen auf die nackten Fußsohlen bestraft -.-

> Smalltalk
- oah. Das ist glaube ich der absolute Höhepunkt. Das Wetter? Fussball? Politik an der Oberfläche?
* GRU-SE-LIG. Entweder ich hab was zu sagen, oder nicht. Wenn nicht, dann einfach mal Fresse halten -.- Es ist echt bedauerlich, dass die Menschen dieser Gesellschaft verlernt haben, miteinander zu schweigen. Naja, oder vielleicht konnten sie es nie. Dann ist es bedauerlich, dass sie es nicht ERlernen.

Echt, ich bin, glaube ich, kein unhöflicher Mensch. Ich halte fast jedem fast jede Tür auf, ich grüße herzlich und mit einem Lächeln, ich betreibe Smalltalk wenn er mir aufgezwängt wird (ohne ihn zu initiieren und ohne ihn zu forcieren). Aber das, was als gesellschaftlich unverzichtbare Höflichkeit gilt, ist mir nicht nur oft ein Rätsel, sondern allzuoft auch ein Gräuel.





Gesellschaftsbrechreiz

29 01 2011

Es ist soweit. Ich verliere meine Freunde an die Gesellschaft. 15 Jahre Konditionierung auf diesen Moment  waren nicht genug, zu spaet erst begann ich offenbar die akribischen Vorbereitungen auf diesen Zeitpunkt, zu lange ignorierte ich die sich mehrenden Vorzeichen.
Eine ganze Generation Akademiker verlaesst die Universitaeten, im Gepaeck Bafoeg-Schulden aber auch anstaendig dotierte Vertraege und vor allem eines: Neue Leben.
Meine Freunde, viele, sind darunter.
Seit 10 Jahren arbeiten sie stur und strebsam auf diesen Punkt hin. Sie wollen hoch hinaus, haben einen Lebensplan, Traeume, Visionen und unbaendige Kraft fuer 70+-Stunden-Wochen.

Der Fokus wechselt jetzt. Ich sehe ihr vieles Geld und betrachte die Arbeit dahinter als notwendige Investition. Das muss man wissen, das kann man planen – naiv, wer glaubt, dass es anders kommt.
Sie sehen die Arbeit und betrachten das viele Geld als gerechten Ausgleich fuer die Arbeit. jede Nuance neuer Belastung, die sich, wie es typisch ist fuer diese Generation, insbesondere in den ersten Berufsjahren staendig erweitert und veraendert, selten konstant ist und noch seltener an Intensitaet abnimmt, bringt sie neu in Noete – um Zeit, Wuensche, Vorstellungen und ein Stueck weit Lebensqualitaet.
Das ist nebenbei bemerkt unbestritten und durch mich zweifelsfrei anerkannt. Wesentlich ist lediglich, dass es nicht ueberraschend kommt – kommen kann.

Ich beginne mich zu fragen, ob es Neid ist, der mich ueber diese Veraenderung so wuetend werden laesst. Sie veraendern ihre Leben, und manipulieren meines gleich mit. Ploetzlich, das erste mal, sind Freizeitaktivitaeten nicht mehr nur vom “Spassfaktor” abhaengig – nein, jetzt werden Jahresplanungen rund um “Projekte” gelegt.
Ich ertappe mich dabei, dass ich hier falsch reagiere. Ich weiss, wie eine 60-Stunden-Woche aussieht, hatte ich schon. Habe ich hinter mir. Fuer sie beginnt das jetzt erst. Ich weiss, dass man sich daran gewoehnt. Ich weiss auch, dass die Belastung insbesondere von “null auf hundert” enorm ist und viel Disziplin erfordert. Das alles weiss ich, und doch reagiere ich mit Anfeindung und ueberheblicher Arroganz auf diese Veraenderungen. Das aergert mich.

Die letzten Jahre waren spassdominiert. Klar, Studenten haben nicht viel Kohle, aber dafuer reichlich Freizeit und auch mal Ausnahmsweise Gelegenheit fuer Verruecktes. Jetzt hat, natuerlich, der Job Vorrang. Zeit ist relativ, Freizeit nicht existent und wird ohnehin nur auf Bewaehrung gewaehrt. Es sind die anderen Entscheider ueber diese Zeit, die diese Veraenderung so unverrueckbar erscheinen lassen.
Meine Freizeit gestaltet sich nun aber infolgedessen auch um – und das passt mir so ueberhaupt nicht. Ja, das ist egoistisch. Und dennoch: ich habe ein Recht auf diesen Egoismus. Als ich noch 60 Stunden gearbeitet habe, wurde trotzdem gefeiert. Notfalls auch mal ohne mich. Aber als “Ausnahme” in der durchschnittlichen Lebensentwicklung dieser Gemeinschaft ist man das eben auch dann noch, wenn ein beachtlicher Teil einen neuen Lebensabschnitt beginnt: Eine Ausnahme.

Ploetzlich werden eigentlich klare Events, die von Teilen schon traditionell seit 10 Jahren regelmaessig durchgefuehrt werden, in Frage gestellt, weil ein Teil der Gemeinschaft u.U. keinen Urlaub bekommt. Ploetzlich werden woechentliche, traditionelle Events umgeplant, weil auch am Wochenende gearbeitet wird. Ploetzlich veraendern Anforderungen der Arbeitgeber den Alltag und alle sind ueberrascht darueber, ausser mir. Immer haeufiger hoert man die Totschlagargumente “ich bin zu erschoepft dafuer” oder “Wir haben da grad so ein Projekt” und vor allem halt “ja, muessen wir dann mal schauen”. “Mal schauen” kann mich mal –.-

Ich weiss, dass ich dafuer Verstaendnis haben muss, weil auch diese Form von Umgang mit Veraenderung gelernt werden will. Aber es faellt mir einigermassen schwer, eben weil ich mich irgendwann entschlossen habe, nur noch Dinge zu tun, die mir Spass machen – statt Dinge zu tun, die mir womoeglich langfristig nutzen, die aber kurzfristig derart negativ in mein Leben eingreifen, dass sie mich belasten.

Wie geht man damit um, wenn die Menschen, mit denen man bisher seine Freizeit verbracht hat, “ploetzlich” nicht mehr in der Form zur Verfuegung stehen, dafuer aber eines Morgens mit dem Maserati vor der Tuer stehen werden.
Nun, vielleicht beginnt ja jetzt auch fuer mich ein neue Lebensabschnitt, in dem ich herausfinden werde, wie man mit so einer Situation umgeht. Vielleicht ist’s auch hier wieder nur der Balken in meinem Auge, den ich nicht erkenne, weil ich kleinlich, ja pedantisch auf andere Splitter achte. Vielleicht unterscheidet sich meine Reaktion gar nicht so sehr von der ihren. In dem Fall gebe ich kein gutes Vorbild ab muss ich gestehen.

Nunja, auch diese Phase wird vergehen. Ganz sicher. Oder nicht. Auch egal. Wer bin ich, dass ich Kontinuitaet von dieser lieb- und leblosen Gesellschaft erwarte – nur um meine innere Ruhe zu befriedigen. Vielmehr habe ich in ihr zu schwimmen und mich mittragen zu lassen – wohin auch immer die Reise gehen mag.

An meine geschaetzten Freunde, die ihr das womoeglich lesen werden: Dies ist ausdruecklich KEIN Vorwurf, auch wenn’s beizeiten so klingen mag. Es ist nur, wie so oft, loser Funkenflug.





Turbulente Wochen…

8 01 2011

Tjo. Seit gestern Nachmittag steht so ein asozialer Penner auf meinem Parkplatz – auf Privatgelaende, im markierten (wenn auch vereisten und daher nicht sichtbaren) Rahmen. Natuerlich weiss er, dass er da falsch steht – er kurvt hier schon seit Wochen rum und parkt mal hier und mal dort – sehr zu meinem Aerger, da er eigentlich immer so stand, dass er mich bei einer irgendwie gearteten “natuerlichen Bewegung” behindert hat. Nun also die Kroenung – statt mich zu stressen nimmt er mir einfach mein bezahltes Recht, auf meinem Stellplatz zu parken. Habe natuerlich instant einen Zettel an die Windschutzscheibe gepappt, aber der ist nicht unbedingt freundlich (aber durchaus angemessen) und wird wohl nicht unbedingt zur Aufloesung dieses schwelenden Konflikts gereichen. Aber mir ging es fuenf Minuten lang besser.
Hat iwer Erfahrungen mit dem Abschleppen von fremden KFZ vom eigenen Stellplatz? Ich weiss so ungefaehr wie’s laeuft – man muss auslegen und sich die Kohle zurueckholen. Verstehe aber nicht, wie ich erfahre, von wem ich die Kohle zurueckholen muss, und ob ich damit genoetigt waere, einen Anwalt damit zu beschaeftigen, das zu besorgen… Dann kann ich die Kohle auch gleich verbrennen…
Ich find’s ja mal wieder typisch deutsch (und nicht unerheblich unnoetig) dass einem Privatemenschen hier nur wenige Moeglichkeiten bleiben. Wenn man so googlet, findet man neben den Rattenfaengeroptionen (“Schreiben Sie uns, wir machen das fuer Sie…”) vor allem halt die rechtlichen Rahmenbedingungen, die da bedeuten: Polizei & Ordnungsamt machen nix, zustellen is nat. keine Loesung und fuers Abschleppen muss man die Kosten vorstrecken – ob man sie zurueckerhaelt is entsprechend ungewiss. Stellt man sich die Frage, wieso das so gehandhabt wird. Natuerlich ist das ein Fall fuer die Polizei. Ich mein, wenn einer in meiner Bude hockt wenn ich nach Feierabend nach Hause komme, ist die doch auch zustaendig. Albernes System.

Ausserdem hab ich mir gestern beim Salat-Schnibbeln eine kleine Mittelfinger-Fleischbeilage dazu geschnitten – ausgerechnet linker Mittelfinger. Kann nun nicht mehr vernuenftig W-A-S-D bedienen – ‘s wird Zeit fuer die neuronalen Spielsteuerungen –.-

Vielleicht bin ich deswegen ueber die Geschehnisse der letzten Wochen noch eine Ecke weniger Happy als ohnehin angemessen waere.

  • Da waere zum einen der unsaegliche Zoff um Gebuehren fuer’s Liedersingenkopieren (ist nur der einpraegsamste Beitrag zum Thema – aktuell wurde es nochmal in der juengeren Vergangenheit) in Kindergaerten (wenngleich das GEMA-Bashing natuerlich etwas relativiert wird, wenn man die Geschichte mal von einer anderen Seite betrachtet ^^). Das fuehrt natuerlich unmittelbar in die etwas fernere Vergangenheit zurueck – zum Weihnachtsmarkt-GEMA-Bashing. Scheissegal, wer hier tatsaechlich Rechteverwerter ist, scheissegal, wer hier tatsaechlich Initiator von erhobener-Zeigefinger-Briefen ist, das ganze Theater beweist ja nur, wie sehr die Welt im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen den Fokus fuer Wesentliches verlieren. Mehr und mehr erwachsen wir zu einer Nation von Kleingeistern – das digitale Zeitalter uebersteigt meiner bescheidenen Meinung nach den Verstand der meissten Menschen. Also schlagen wir uns mit analogen Grundsaetzen durch, bis irgendwann alles im Chaos versinkt. Niggemeiers Versuch, zu schlichtenerklaeren untermauert ja nur die Hilflosigkeit und den stoischen Aktionismus, zu dem sich so viele Menschen genoetigt sehen, um dem Informationszeitalter, in dem Produzieren mehr und mehr dem Multiplizieren weichen muss, gerecht zu werden.
  • Dann war da noch die Sache mit unserem Verkehrsminister. Die deutsche Bahn ist im (schon wieder…) schrecklich spontan einbrechenden Winter zu immerhin einem Fuenftel verlaesslichpuentklich – das laesst hoffen, denn weniger geht ja kaum. Die naechste Statistik wird also vermutlich besser aussehen. Die Berliner S-Bahn spielt derweil den Hampelmann der Nation, streicht Silvester-Sonderzuege und glaenzt zu Jahresbeginn durch PuenktlichkeitPreiserhöhung. Der Flugverkehr lahmt, die Autobahnen werden nicht ordentlich geraeumt und in vielen Staedten ist (schon wieder…) das Salz am Limit (wo waren die Verantwortlichen im letzten Winter?). Der dafuer zustaendige Mensch mit hoechsten Befugnissen im Land ist Verkehrsminister Ramsauer, der sich derweil lautstark dafuer einsetzt, seine zum Amtsantritt angekuendigten Bemuehungen, in seinem Ministerium die guten, deutschen TugendenSprache zu etablieren. So sehr man fuer oder gegen diese Offensive sein kann, so unzweifelhaft ist, dass Herr Ramsauer derzeit wohl besseres zu tun hat, als sich in Interviews damit zu profilieren, dass er die deutsche Sprache zu retten versucht. Aber nach eigener Aussage hat er die “Noete und Sorgen” der Menschen ja durchaus im Blickfeld – insofern ist die Sache mit den Verkehrsmitteln vielleicht auch einfach nur ueberdramatisch in der Presse dargestellt…
  • Toll fand’ ich ja auch Merkels Neujahrsansprache. Davon abgesehen, dass ihr nun auch wirklich der letzte Funke Glamour abhanden gekommen ist, lohnt sich durchaus der Blick hinter die vermeintlichen Fakten, die sie so grosszuegig mit uns teilt. Dabei stellt man dann ernuechtert fest, dass selbst vermeintliche Grundfesten des Landes nur Nebelkerzen zu sein scheinen. Nicht unbedingt ein Grund, an Vertrauen in dieses Land und seine gewaehlten Volksvertreter zu gewinnen…
  • Wenn wir vorhin das GEMA-Bashing angesprochen haben, muessen wir natuerlich unbedingt das GEZ-Bashing noch hinzuziehen. Ab 2013 veraendert sich das Abzockmodell (sigh!) des oeffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die “Rechteverwerter” der GEZ. Ab 2013 wird jeder Haushalt zur Kasse gebeten. War’s bisher schon schwer genug, den Schnuefflern der GEZ auszuweichen, wird das kuenftig zwar unnoetig, dafuer aber auch unmoeglich sein. Ueber den Sinn und Nutzen des OeRR will ich gar nicht reden, das ist aus vielen Blickwinkeln Ansichtssache und die regen Debatten im Internet beweisen, dass hier ein bunter Strauss Argumente zusammengetragen werden kann – fuer beide Seiten. Man geraet im Sog dieser Gebuehrenmodifizierung eindeutig zu schnell in ein “Verbotene Liebe”-Bashing, das ist einigermassen nervig. Ich selbst bin ja ein grosser Fan der Kulturflatrate – die GEZ in allen Haushalten ist ein Schritt in diese Richtung. Zwar wird der falsche Content bezahlt, aber das Gebuehrenmodell, an eine Steuer angelehnt, erscheint mir grundsaetzlich logischer, als einen Apparat wie die GEZ zu beschaeftigen, die wiederum nix anderes tun als Buerger zu gaengeln. So wird sich mittelfristig auch die GEZ selbst subtrahieren, denn der naechste, folgerichtige und konsequente Schritt wird ein Wechsel von OeRR-Gebuehren zur OeRR-Steuer sein. Mal schaun, wann’s soweit ist.
  • Was unbedingt in die GEZ-Debatte gehoert (im krassen Gegensatz zum Inhalte-Geheule) ist der Auftritt der neuen ARD-Intendantin Piel, die sich zum Amtsantritt direkt mal zwischen Groessenwahn (“wir sind bereit fuer Google”) und dem Wunsch, den Menschen noch mehr Kohle aus den Rippen zu leiern (“Tagesschau-App muss kostenpflichtig werden”) verlaeuft – und weil das fuer eine Intendantin der ARD zum Einstieg noch nicht genug Leuchtfeuer ist, wird direkt mal auf den “Geburtsfehler des Internets” hingewiesen – kostenloses. Traumhaft nachzulesen und fuer die Ewigkeit im Herzen und Kopf der Menschen eingebrannt. Wenn solche Sorten Mensch so zentrale Stellen in Deutschlands oeffentlichen Sektoren besetzen duerfen, dann haben wir’s bald geschafft und begeben uns ins digitale Seitenaus. Macht aber auch nix, auf Youtube gibt’s ohnehin nix anstaendiges mehr zu sehen, wenn man aus Deutschland hinsurft und die Pornoseiten werden ja kuenftig sowieso nur noch nachts offen sein (jaja, das Gesetz ist eingefroren – es wird auf die eine oder andere Weise dennoch zurueckkommen, erinnert euch an meine Worte…). Es ist also nur konsequent, die Evolution des digitalen Zeitalters anderen zu ueberlassen.
  • Last but not least kotzt mich derzeit mal wieder dieses latente Terrorgefahr-Gehabe an. Dass wir Deutschen (!) uns ueber Rasterfahnundsartige Selektionen an Check-In-Bereichen auf Flughaefen aufregen, die ja sowieso schon immer vorgenommen wurden (nur bisher schlauerweise, ohne drueber zu reden…), ist nur ein Aspekt. Ja, es gab mal wieder Anschlaege. Ja, es gibt vielleicht viele vereitelte Versuche, Anschlaege zu verueben. Ja, auch in Aegypten schepperts wieder. Ja, die Welt ist ein unruhiger Ort – und ja, das kann einen vollkommen zurecht erschrecken und betroffen machen. Aber ich fuer meinen Teil werde nicht in Angst leben. Diese Entwicklung, die die Menschheit derzeit durchmacht, besorgt mich viel mehr als diese verirrten Seelen, die sich aus welchem Antrieb auch immer mit maximaler Streuwirkung zur Waffe von Extremisten oder extremen Ideen machen. Ich ahne, dass Orwell mit seinen Visionen nicht etwa thematisch daneben liegt – sondern nur zeitlich. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, meiner Frau dafuer zu danken, dass sie, wie ich selbst ja auch, keine Kinder in diese kaputte Welt zu setzen bereit ist. Ich frage mich, welche Sorte Mensch offenen Auges durch’s einundzwanzigste Jahrhundert spaziert und trotzdem Kinder in diese verlorene Welt setzt. Mehr und mehr verliere ich den Glauben an diese Spezies. Und mehr und mehr druecke ich der Natur die Daumen, dass ihre Bemuehungen, die Menschen vom Erdball zu fegen, baldmoeglichst Erfolg haben werden. Moeglichst noch bevor wir irreparablen Schaden anrichten…




Wenn das Chaos sich lichtet…

15 05 2010

…bin ich nuechtern oder tot.

Mein Kopf dreht extrarunden um diesen Planeten und es scheint, als wuerde er eher an Fahrt gewinnen denn verlieren. Ist das der Preis fuer ein vermeintliches Mastermind? Die absolute Nichterfuellung des Wunsches nach totalem Frieden? Nach absoluter Ruhe? Einem fehlendem Punkt, in einem selbst, der einem verspricht: Hier ruhst Du in Dir selbst. Naehre Dich davon, es ist Deine ergiebigste, stetige Quelle?
Frueher dachte, ich waere lieber dumm als intelligent. Das gaebe mir das Gefuehl, leichter gluecklich zu sein. Heute denke ich, das war ein Irrtum. In beiden Welten ist man nicht leichter gluecklich als in der anderen. Jedenfalls nicht automatisch. Die Arbeit, die implizit ist, definiert sich nur anders. Sie orientiert sich an anderen Milestones, hat andere Grenzen, andere Ausdehnungen.

Ich glaube heute, dass Glueck, Zufriedenheit und Selbstverstaendnis einzig mit dem Zusammentreffen von Mensch und Bestimmung zu erklaeren ist.

…ich bleibe auf der Suche…





Ich wuenschte, ich haette mehr Zeit gehabt…

14 05 2010

Nein, kein Abschied, kein Nachruf – liebe Freunde, die ihr mich auch in RL kennt: Es folgt kein Requiem, kein Abgesang, keine makaberen letzten Worte, nicht die Enthuellung eines schon immer geahnten, doch nie nachweisbaren tennisballgrossen Tumors in meinem Kopf, der auf die Bereiche des Gehirns drueckt, in denen bei den Menschen Empathie, Mitgefuehl, Einfuehlungsvermoegen liegen.

Irgendwann gestern lief mir dieser Spruch ueber den Weg, und ich dachte: Wow, ein deja-vu. Doch weit gefehlt. Ein Deja-vu ist ja mehr als nur das Wiederklingen einer Andeutung eines Gedankens, den ich mal hatte.
Tatsaechlich war’s also wohl nur eine Ahnung von “ja, kenn ich…”
Urploetzlich schlug die groesse der Welt und des Universums auf mich ein, erdrueckte mich in ihrer Absolutheit, seinem unfassbaren, meinen Verstand weit ueberschreitenden Ausmass.
Immer, wenn ich diesen Gedanken habe – eine schoene Abwandlung davon ist auch: “ich wuenschte, ich haette mir die Zeit genommen” – lehne ich mich gedanklich zurueck und erfreue mich insgeheim an der Entscheidung, etwas nicht getan zu haben. Und ich frage mich nun ernsthaft: Wieso zum Henker?
Die beiden Herzen in meiner Brust streiten ja recht haeufig um den Alphaplatz an der Sonne – nicht selten liegt hier der Unterschied nur zwischen “vorm PC hocken” und “aufm Balkon hocken”. Oft liegen aber auch Welten dazwischen. Dann bin ich kurz davor, rein impulsiv Leute anzurufen und zum Sushi einzuladen. Oder auf ein Bierchen in einem Biergarten. Meisstens lass ichs. Und dann, vierzehn Tage spaeter, denke ich mir: haette ich mir mal die Zeit genommen.
Ich glaub ernsthaft, das Leben is zu schade, um es zu zwei Dritteln mit solch banalem Kram wie schlafen und arbeiten zu verbringen. Ich glaube, ich bin langsam an dem Punkt, an dem ich mir als Lehrer ein Sabbat-Jahr genehmigen wuerde. Oder als Student ein Irland-Semester. Oder als Mensch, der ich nicht bin, ein faules Jahr in Neuseeland.
Wird wohl mal Zeit fuer eine Veraenderung, einen Tapetenwechsel… Welch Glueck, dass ich derzeit umziehe ;)





Die Unvollkommenheit der anderen

5 05 2010

Douglas Adams popularisierte einst den Begriff “Problem anderer Leute(-Feld)” (frei uebersetzt von “Somebody Else’s Problem”) und definierte damit etwas, was fuer ‘den Menschen’ nicht sichtbar ist, da er es nicht sehen moechte, erklaeren kann oder erwartet hatte zu sehen. Im Anhalter ist es damit eine kostenguenstige Alternative zur herkoemlichen Unsichtbarkeitsfeldern.

Diesen Feldern recht aehnlich ist mir am Wochenende eine Entdeckung zuteil geworden, die ich euch nicht vorenthalten moechte. Es ist das “Unvollkommenheit anderer Leute”-Symptom.

Ich neige ja dazu, meiner eigenen Unvollkommenheit ein Mass an Beachtung und Wert beizumessen, dass (nach meinem Verstaendnis) sicherlich auf den ersten Blick okay scheint, auf den zweiten aber womoeglich doch unangemessen hoch ist. Ich bin kein Masochist, bin nichtmal ernstzunehmend ein Pessimist. Insofern ich das fuer mich so definiere ist eine Reflektion der eigenen Unvollkommenheit natuerlich schon generell schwer machbar – schliesslich gehe ich, narzisstisch und egozentrisch wie ich nunmal bin, davon aus, dass meine Unvollkommenheit einmalig und grandios ist. Da ich, widerum narzisstisch und egozentrisch, quasi empathiebefreit diejenige Unvollkommenheit Anderer in einer Weise wahrnehme, dass Nuancen und Subinformationen kaum bis gar nicht vorhanden sind, faellt es mir entsprechend schwer, nicht gesagtes ueberhaupt nur zu erkennen – Dinge zwischen Zeilen und unter Wahrnehmungsschwellen zu deuten.
Dieser Umstand fuehrt automatisch dazu, dass ich in der Annahme feststecke, andere Menschen um mich herum waeren vollkommener als ich. Ihnen unterliefen weniger Irrtuemer. Weniger Fehler. Grundsaetzlich unterstelle ich das fehlen fast aller menschlicher Schwaechen, die ich mir selbst zuschreibe. Lediglich ‘epic fails’ fallen mir auf – wenn anderen schon laengst klar ist, dass das irgendwann so kommen wuerde, bin ich ueberrascht und irritiert ob des aufgetretenen Verhaltens & Passierens.
Das ist den meissten ganz recht, einigen kommt es entgegen und recht wenigen geraet es zum Nachteil. Mir selbst beweist es allzuoft nur das konstante Fehlen von empathischen Skills – ein krasser Mangel an Schluesselkompetenz in der Welt des 21sten Jahrhunderts…

Wie auch immer. Am letzten Wochenende jedenfalls “entdeckte” ich wieder ein solches Aufblitzen fehlender Vollkommenheit. Ein Umstand, der mir die zugehoerigen Menschen logischerweise ein Stueckchen vertrauter gemacht hat. Aber auch fremder. Und nicht zuletzt sympathischer.
Und die Erinnerung daran verschafft mir ueberdies das gute Gefuehl, doch nicht so krass viel unvollkommener zu sein, als all die Menschen um mich herum.





Wenn das Herz den Verstand auffrisst

4 04 2010

…Projektionen eines Fremden…

Deine Lippen scheinen zweckdienlich geformt zu sein – sie passen auf meine. Geschmeidig schmiegen sie sich an meine, geben nach, erzeugen Gegendruck. Ohne Einfluss auf ihr Handeln sitzen wir einander gegenueber, unsere Lippen suchen einander – forschend, begehrend, verzehrend.
Ich sauge Deinen Duft auf – gepraegt von allem, was diesen Abend so perfekt macht brennst Du Dich mit ihm in meine Nerven. Abrufbar ja, aber doch verblassend. Ich verfluche die beschraenkten Faehigkeiten meines Verstandes, diesen Moment zu konservieren, in eine Zeitblase zu sperren und nie wieder zu beenden, loszulassen. Wenn ich waehlen duerfte waere dies der Moment, den ich erleben moechte, wenn ich in vielen Jahren einmal von dieser Welt gehe. Ein zeitloser Kuss mit Dir, dort, wo wir uns wiederfanden.

Dein heisser Atem geht Deinen Fingern voraus, sie streifen mein Gesicht, meine Seele, meinen Geist.
Instinktiv moechte ich… Doch Instinkte regieren nicht. Niemals. Ich, Herr meiner Sinne, Gewalt ueber mein Handeln. Instinkte unterwandern dieses Gefuehl der Kontrollierbarkeit, der Herrschaft ueber mich und die Situation.
Waehrend wir dort sitzen, einander umschlingend und diese zarte Pflanze neu begiessend, deren Samen ueber viele Winter nicht zu wachsen bereit war, den wir beide mit vereinten Kraeften daran gehindert haben, sich weiterzuentwickeln, geraet meine Welt aus den Fugen. Mir schwinden die Sinne, alle Mauern, die ich aufgebaut habe, Dich aufzuhalten, wenn das wieder passiert, brechen zusammen. Ich verliere meine Beherrschung.
Meine Augen oeffnen sich, es ist dunkel. Einen Moment lang fuerchte ich um mein Augenlicht, doch dann lichtet sich der Nebel. Ein wenig nur, denn wo wir sind ist keine Sonne – doch genug, Dich zu sehen. Unsere Augen finden einander, in ihnen ist zu lesen, was wir einander noch fragen und erklaeren sollten, bevor wir hier den naechsten Schritt gehen.
Wir schweigen.
Ein glitzern tritt in Deine Augen, Deine wunderschoenen Augen, die einem Feuerwerk zu gleichen scheinen. Schelmisch lachend macht mein Herz einen Sprung, wenn Du laechelst – nach diesem Kuss.

Wir haben einander schon einmal gekuesst. Damals, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit. Damals entfachte dieser Kuss ein Inferno – flaechenbrandartig liessen wir nur Asche zurueck, innerhalb kuerzester Zeit war alles aufgebraucht, was uns haette naehren koennen. Unweigerlich fuehrte das zu Dissonanzen in diesem orchestralen Armageddon, diesem epochalen Crescendo.
Beben, erst unwirklich und fern, wuchsen an zu Erschuetterungen biblischen Ausmasses. Alsbald verstummte der Chor, verliessen nacheinander die Instrumente der Ewigkeit den inneren Kreis. Sie hinterliessen nachtoenend einen Klang der Versoehnung, der ueberlagerten Schuldeingestaendnisse.
Heute ist das Orchester leer. Zurueck blieb ich, mit einer Querfloete in der Hand und einem Ausdruck der Verwirrung auf dem Gesicht. Querfloete zu spielen liegt ausserhalb meines Faehigkeitenbereichs. Gelegentlich kommen befremdliche Toene aus dem Instrument, die meisste Zeit aber schweigt es mich an – vorwurfsvoll und mitleiderregend. Ich uebe irrsinnig und unbeholfen weiter, doch klingen will es nicht.
Und doch wuensche ich mir nichts sehnlicher als diesen Ton zu treffen, der dann, vom Wind fortgetragen, von einer Violine empfangen wird und sie ermutigt, sich mir anzuschliessen, eine neue Strophe dieser Sinfonie zu intonieren – denn nur gemeinsam sind wir in der Lage, Facetten zum Klingen zu bringen, die uns einzeln versagt bleiben, und die letzten Endes ein Lied fuer die Ewigkeit zu werden in der Lage sind.

Fuer Dich, die ich Dich vermisse. Schon wieder.

~~ i.A. ~~





Die unreife Feder…

26 10 2009

eben beim Durchstoebern gefunden:

Jahrelang schon frage ich mich, ob es tatsaechlich so ist, dass “SIE” anders sind.

Warum auch nicht – ich bin ich, der Mittelpunkt der Welt, die Sonne dreht sich um mich und wenn ich Furze stirbt in China ein Mensch.
Ich regiere, ich herrsche, ich fuege mich, ich diene. Wuerde ich nicht sein, wuerde irgendjemand existieren? Nein.
Waere ich nicht hier, waere auch sonst niemand hier.
Das sind die Fakten.

Nun, da es so ist wie es nunmal ist, stelle ich mir irgendwann die Frage, warum “SIE” alle anders sind.
Sind “SIE” nur hier, um mich glauben zu machen, es gaebe eine Alternative zu dem, wie und wer ich bin? Sind “SIE” vllt nur Abbilder meiner Selbst? Fotokopien?
Schlechte Kopien wuerde ich meinen. Grauschleier, Falten, defekter Einzug, leere Materialfaecher. Ein mieses Geraet. Und doch – die Aehnlichkeit ist zunaechst frappierend. Ein Kopf, zwei Arme, zwei Beine, ein Torso. Innen Gedaerme, Lebenserhaltungssysteme – spendiert von mir – ein tolles Kopiersystem. Aber mit Fehlern behaftet.
Wenn ich perfekt bin – also die Kroenung der Schoepfung, “SIE” aber sind nur Nachahmungen – hier und da anders. Warum gefaellt mir dann ab und zu, was ich sehe? Warum missfaellt mir ab und zu, was ich an mir entdecke?

Nun, ich sehe “SIE” also an, taeglich, stuendlich – manchmal auch minuetlich und sekuendlich. Ich beobachte “SIE”. “SIE” sind anders. Zweifelsfrei. Oder sind “SIE” nicht anders? Wenn “SIE” es aber nicht sind – bin dann ich es? Bin ich vllt doch nicht der Mittelpunkt der Welt? Bin ich das Abfallprodukt – zusammengebastelt aus allem, was niemand sonst wollte? Eine Collage “IHRER” Negativa?
Nun, diese Ueberlegung fuehrt mich im Kreis – einem Kreis, der sich ebenfalls um mich dreht. Also doch der Mittelpunkt.

Dann aber erkenne ich, was ich nie hatte sehen wollen. Nicht “ab und zu” gefaellt mir, was ich sehe – nein, immer. Es ist immer nur eine Nuance. Ich bin nur die Summe von millionen Einzelheiten. Sekuendlich fuegt sich ein neues Fragment hinzu – eine neue Kopie entsteht, ein neues Mosaik passt zu mir.
Wann werde ich vollstaendig sein? Beruht die Theorie, dass eine Zahl unendlich viele Nachkommastellen haben kann einzig auf meiner Existenz? Immerhin – und soviel ist klar – ist Pi nur eine theoretische Zahl. Das fuehrt mich weiter – wenn ich also Pi bin – wozu das alles? Ich kann unendliche viele Mosaiksteinchen in mich aufnehmen, und bin doch nie vollstaendig. Welchem Zweck dient das? Bin ich die Ratte im Labor? Schaut man von oben herab und verfolgt, wie ich reagiere? Was ich tue, wie ich Entscheidungen faelle – wo ich Fehler begehe, wo ich mich inkorrekt verhalte, Menschen verletze – mich damit selbst verletze. Wenn ich ein Mosaik aufnehme, hinzufuege – erkenne ich mich ein Stueckchen mehr? Sehe ich klarer? Vllt sollte ich einmal drauf achten…

Aber das fuehrt mich weit weg – zurueck also zu “IHNEN”. Wenn also nicht “SIE” anders sind – sondern ich bin es – und das macht Sinn, wenn ich die Summe jedes Einzelnen bilde, so unterscheide ich mich zwangslaeufig auch von allen. Sie aber sind alle gleich. Sie sind je eine Kopie, die eine Nuance von mir in sich traegt – und sonst gar nichts. Diese Nuance erkenne ich. Und ich mag sie. Natuerlich mag ich sie – sie ist ich.
Wenn nun aber alle anderen gleich sind – dann bin zweifelsohne ich anders. Vllt erklaert das, warum ich “SIE” nicht verstehe. Vllt verstehen “SIE” mich? Aber nein – tun “SIE” nicht. Das immerhin weiss ich – “SIE” wollen nicht, die anderen koennen nicht. Sie haben ihren Auftrag erfuellt – “SIE” offenbarten mir ihre Nuance von mir – ihr Auftrag ist erfuellt. Warum gebe ich mir dann Muehe, zu verstehen, warum “SIE” mich nicht verstehen?

Was ist dort am Rande meiner Wahrnehmung, dass ich nicht zu greifen vermag. Staendig huepft es hervor und lacht mich aus – schaue ich hin, ist es weg. Es frustriert mich. Und wieder stirbt ein Fragment, eine ganze Kolonne an Fragmenten. Um welchen Preis? Damit ich “IHNEN” das hier aufschreiben kann? Arm. Wirklich arm.

Kacke, ich brauch ‘n Drink. Moechte mir jemand sein Fragment offenbaren?

kwt








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