Wacken 2011 – von Osmose und dem Schluckmuskel

8 08 2011

Wacken 22 ist Geschichte. Mir liegt der Staub und Schlamm noch im Haar, die Musik noch in den Ohren, Doublebass im Nacken und irgendwie Alkohol im Blut. Ich kann NICHT zurueckblicken auf geistreiche Gespraeche, tiefgruendige Gedanken oder gar den Geistesblitz fuer ein [neues] Buch. Aber dafuer faehrt man ja auch nicht nach Wacken, nech…

Hier also Wacken 2011 aus meiner Feder – und ich werd’ mal ganz untypisch mit “Wacken bei Tag” beginnen:

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Abreise diesmal anders, entspannt und ausgeruht. Hilft aber alles nix, vorm Startschuss entbrennt Hektik weil noch dies fehlt und das fehlt und bla. Aber alles halb so wild. Abmarsch nahezu im Zeitplan. Kurztrip zu Getraenke Hoffmann und dann ab durch die Mitte. Alles toll bis…aeh…ja, weiss gar nicht. Jedenfalls noch ne Ecke weg :). Ploetzlich fliegt aus dem liebevoll Viehtransporter genannten Miet-Kleinbus vor mir ein faustgrosses Stueck Reifen quer ueber die Fahrbahn und knallt gradewegs in den hinterherfahrenden Fiesta, den ich fuhr. Meinen Beifahrer hat der Einschlag ungefaehr 5 Jahre seines Lebens gekostet – aber immerhin pennt der nie wieder als Beifahrer, soviel is klar :D

Also aufn Rastplatz und mit der Vermietung crossflamen. Die schicken uns nach zaehen Verhandlungen zu einer Werkstatt 20 Kilometer ueber die Landstrassen – naja, immerhin, es ist Bewegung drin. Wir nutzen den Moment und ziehen den Fleischkauf aus HH vor. Einsammeln, ab damit. Zurueck zur Autobahn und rein ins schoene Schleswig-Holstein. Dort schnell noch zwei weitere Chaoten aufm Parkplatz abgreifen (!) und weiter gehts. Ab hier laufen die Geschichten etwas diffus auseinander – Fakt ist, dass man Wacken von HH aus via Festland erreicht, wir aber zwei Faehren benutzt haben und ich entgegen der Aussagen meiner lieben Freunde der festen Ueberzeugung bin, dass wir in Daenemark waren. Wo sonst faehrt man denn bitte mit ner Faehre hin? :D
Das hat (natuerlich) die Anreise leicht verzoegert, wir wurden dann irritierenderweise auf Campground R eingewiesen – den vorletzten aller Campgrounds. Gut ausgeschildert is anders aber mit etwas Umdrehen hier und Einfaedeln dort, Durchwurschteln hueben und Reinzwingen drueben geht’s. Auf dem Campground dann unnoetige Diskussionen mit den Ordnern, die unseren 11 Mannen eine Flaeche von vielleicht 4×10 Metern “zuweisen” statt sich mal mit den notwendigen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Wir haben kurz die Moeglichkeit geprueft alle Zelte zu einem zusammenzunaehen und oben ein Ablufloch fuer den Grill-Im-Zelt-Eventmarathon einzurichten, den Gedanken aber kurzerhand verworfen und stattdessen entgegen der Anweisung der Ordner etwas rustikal Platz geschaffen. Flott noch Zelte aufbauen (naja, ein Zelt brauchte eeeeeeeeeeetwas laenger) und Fleisch aufn Grill. Der Mittwoch ist gerettet, Metallerherzen sind eben minimalistisch.
Binnen Minuten werden Biere und totes Tier dem Erdboden gleichgemacht, was bleibt ist wohlige Waerme im Magen und das Gefuehl, dass das Wochenende nun starten kann.

Natuerlich nutzen wir den Mittwoch Abend trotz der spaeten Anreisezeit noch fuer einen kurztrip auf’s Festivalgelaende, Baendchen abholen und Biergarten besuchen – in der Regel der einzige Tag an dem das zuverlaessig klappt. Das tolle am spaeten Anreisen: Beim Anstehen fuer’s Baendchen braucht man nicht selbst zu stehen – fuer die noetige Stabilitaet sorgen die Massen um uns herum o_0

Den Abend beschliessen noch mehr Bier und die ersten tiefsinnigen Gespraeche ueber Koerperausscheidungen in Wacken.

Donnerstag gibt’s was auf die Ohren – planmaessig startet der Tag um 15:45 mit Kvelertak, vorher planen einige wenige noch einen Kurztrip durch’s Dorf. Gesagt, getan – jedenfalls bis ich merke wie schrecklich wenig Platz in einem Zirkuszelt ist, wenn aufstrebende Musiker drinnen feiern. Der Eingang ins Bullhead ist hoffnungslos ueberlaufen, wir hoeren uns ein, zwei Songs von draussen an und schlendern anschliessend kurz ueber den Mittelaltermarkt. Puenktlich zu Severenth sind wir wieder im Zelt und Schwuppdiwupp – das erste hammermaessige Highlight des Festvalwochendes bretzelt uns in die Ohren.
Die Buehne ist zwar ein Witz – vorne gibt’s ne Art Catwalk, davor den Wrestling-Ring – aber da Severenth irgendwie zumindest auf “meiner” Seite der Buehne so ziemlich gar keinen Zuspruch findet hat man ueberall geile Sicht und Severenth rocken so richtig. Eine Impression die nicht ansatzweise einfaengt was da los war – aber ich will halt textauflockernde Bildelemente einflechten, also seht es euch gefaelligst an ;P:

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Ich erhalte (und nutze :D) ausserdem die Moeglichkeit zwei Scheiben direkt von der Band zu kaufen und im Anschluss signieren zu lassen – wie nice ist das denn bitte. Von der Band wird man noch hoeren, da bin ich sehr sicher – ich fuer meinen Teil werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen…

Im Anschluss gibt’s dann auch schon die dicken Brocken – Helloween begeistern mit Stromausfall und in Metallaune, Blind Guardian zimmern so richtig solides Handwerk auf die Wackenbuehnen und Ozzy, ja Ozzy – hat immerhin Gus G. bei sich ;D
Ich muss aber gestehen, dass ich mir Ozzy nichtmal Ansatzweise naeher angesehen habe, einfach weil’s mich echt nicht interessiert hat.
Noch einmal torkeln wir durch’s Wackinger Village und naehren uns, dann geht’s ab zum Zeltlager. Der Weg ist mehr als abenteuerlich, eine Zustandsbeschreibung die fuer mich bis zum letzten Tag gelten wird. Allen denen ich am Wochenende mit meiner Frage auf die Nerven gegangen bin, wo sie verdammt nochmal hier sind, an dieser Stelle meine Entschuldigung. Ich glaube, ebenfalls am Donnerstag bin ich auch indurch dieses Zeltlager gerannt, dass nicht meins war – sorry an die Zeltinhaber, aber lasst es euch eine Lehre sein: Naechstes mal nicht frotzeln sondern Bier ausgeben –.-

Freitag ist pickepackevolles Programm – der Tag beginnt mit Ensiferum – lang erwartet, dann leider nicht so prall. Der Sound war einfach unterirdisch, die unmenschliche Zeit und mein Level an Dehydrierung taten ihr uebriges. Im Anschluss in’s W.E.T., Pussy Sisster lief noch und machten in Tradition von Mötley Crue und Konsorten Glamrock vom Feinsten. Lustig anzuhoeren, aber insgesamt doch eher nicht mein Ding. Anschliessend wollten Skalmöld vorspielen. Haben sie dann auch. Und wie. Hammerharter Gig und die zweite extrem gute Moeglichkeit, die traege Nackenmuskulatur mal ordentlich durchzuwalken. Freue mich schon auf’s Heidenfest wo die auch angesagt sind.
Direkt weiter, As I Lay Dying haben geladen – da stelle ich mich doch mal bequem in’s Infield und lausche den bekehrenden Worten von Tim Lambesis. Wirklich umgehauen hat’s mich nun nicht, aber das war vielleicht zu erwarten. Sie sind halt gut in dem was sie tun, und das ist das wichtigste ;). Wenn ich schonmal im Infield rumluemmel, kann ich mir ja auch Trivium anhoeren – sicher eine der Bands die auf meiner Prioliste ganz weit oben standen. Die enttaeuschen mich auch nichtmal im Ansatz, mir klingeln noch jetzt die Ohren. Selbst von meinem Standpunkt aus (so ungefaehr Reihe 29.041) waer Matt Heafy ohne Mic gut angekommen – mit Mic hat’s mir glatt die Haare gefoent. Absoluter Top-Gig!
Im Anschluss geb ich mir zehn bis zwanzig Minuten Bullet und geniesse das Futter im Wackinger Village ;).
Suidakra sind dran, spielen solide aber nicht ueberragend. Immerhin steigen sie in meiner Gunst mit dem Auftritt. Direkt startet Judas Priest, Rob Halford macht die paar Songs, von denen man glaubt, dass er wirklich singt, zum Niederknien gut. Insgesamt ist mir das Infield aber zu voll, ich verziehe mich noch vor Ende des Konzerts (und leider auch vorm Painkiller :/) vom Infield und damit zum Campground. Naechstes Jahr werf ich einfach ein Safety-Light in die Luft und lass mich einsammeln – dieses Umherirren auf dem Campground geht mir schon gehoerig auf den Kranz –.-

Der Samstag startet leider etwas durchwachsen – eigentlich sind die ersten wichtigen Bands schon “morgens” ab 12 dran, aber ich schulde meinen mueden Knochen offenbar etwas und lasse gleich sechs moegliche Acts aus :(. Zu Shining geht’s dann doch zur Festival-Site – die sind leider derbe enttaeuschend, ich lausche noch zehn Minuten Iced Earth, die oeden mich aber auch an. Also Futtern und zu Sepultura vor die Leinwand – ganz offenbar bin ich an diesem Samstag zu ausgelutscht fuer’s Infield. Vor der Leinwand treffen sich dann fast alle Pandas wieder – das Bild ist etwas frueher aufgenommen worden und in der SHZ veroeffentlicht – danke an dieser Stelle fuer die Aushaendigung und Genehmigung zur Verwendung:

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© SHZ / 2011

Sepultura sind lala, Avantasia im Anschluss aber ganz grosses Kino. Das Konzert ist, so sagt Tobias Sammet jedenfalls waehrend des Auftritts, das letzte Erscheinen von Avantasia, das Projekt ist nun beendet. Insofern freue ich mich umso mehr, dabei gewesen sein zu duerfen bei der finalen Metal Opera. Wenn auch nur vor der Leinwand :D

Von Kreator im Anschluss geb ich mir noch zwei Songs, die sind leider nicht so mein Fall, dann war’s das auch fuer mich. Ich verpasse noch Children of Bodom und Subway to Sally – beide sollen wohl im Samstaeglichen Monsun vor ausgeduennter Kulisse gespielt haben. Da ich diesen Regen auf meinem Zelt spueren konnte bin ich nicht wirklich traurig, nicht dabeigewesen zu sein. Irgendwo sollen auch Motörhead rumgelaufen sein, hab ich allerdings auch nur von Dritten gehoert. Hab mir lieber auf dem Campground noch eine Zigarre gegoennt :D

Abfahrt ist unspektakulaer, daher kann ich Wacken 2011 wohl hiermit auch abschliessen. Als Fazit muss ich sagen, Wackinger Village rockt total, selbst wenn mir dieses Mittelalterzeugs nicht so wirklich nahe geht – aber die Leute dort waren netter als andernorts, das Essen besser.
Electric Hotel macht einen tollen Job, mein Telefon wurde eine Stunde geladen und konnte auf diese Weise (und mit etwas haushalten) das gesamte WE ueber meine Termine verwalten. Zwar waren einige Einstellungen hinterher veraendert, was mir ein etwas mulmiges Gefuehl verschafft (zumal ich wirklich dachte, ich haette das Telefon gelockt abgegeben, habe es aber ungelockt zurueck erhalten), aber das wird ja dann die naechste Telefonrechnung zeigen ;)
Ich bedanke mich natuerlich bei all meinen Mitfahrern, Mittrinkern, gruesse alle, die sich mit mir haben Fotografieren lassen, wuensche dem Dieb meiner Maske dass er an Duennschiss sterben moege und bin ganz sicher 2012 wieder mit von der Partie – was bleibt mir auch, die Karte is schon bestellt. Dann sicher ohne Maske, aber mit ebensoviel Spass dabei ;D
Natuerlich bleiben einige Sachen noch ne Weile haften, wie beispielsweise:

- Osmoooooooooooooose
- Schluckmuskel(-training)
- Reduzierung von “kacken in Wacken” auf nur noch 85% aller Gespraechsinhalte
- Lopi’s lost
- irgendeinen behaemmerten Lachanfall dessen Grundlage mir grad nicht einfallen will
- “Hey, bist Du nackt?” – “Ja” – “Glaub ich nicht – Hey, Du bist ja nackt”

DSC01541Ich hoffe, WOA bringt zu 2012 die Sache mit der Orientierungshilfe auf den Campgrounds in Ordnung und reduziert das Bullhead wieder auf Titten und Muskeln, lasst die Bands woanders auftreten – ansonsten kann’s meinetwegen bleiben wie es ist. Ich verabschiede mich mit Wacken bei Nacht:

In diesem Sinne: Wacken 2012
Rain or Shine





3D? Das Leben ist doch nervtoetend genug –.-

11 07 2011

Liebe Filmindustrie,

dieser 3D-Hype muss aufhoeren, wirklich.
Ich war gestern in Transformers 3. Natuerlich 3D. Seit Anfang der 90iger damit meine erste echte 3D-”Erfahrung”, damals hiess das ganze noch “virtual reality” und war ein Erlebnis (die paar Ausnahmen im Kino mal aussen vor gelassen). Bei Thor vor einigen Wochen konnte ich mich noch druecken, zufaellig liegt das einzige Kino in Berlin, dass Thor in 2D angeboten hat, in unmittelbarer Naehe zu meinem Wohnort.

Bei Transformers nun war es eine gruppendynamische Entscheidung und ich nahm es als willkommenen Anlass meine Vorbehalte gegen 3D auszuraeumen, zu bestaetigen oder wenigstens gegen neue einzutauschen.

Also sass ich dann mit dieser albernen Shutterbrille im Kino. Vorneweg: die paar armseligen 3D-Effekte haette man sich schenken koennen, das wertet den Film beim besten Willen nicht auf. Die Brille selbst war halt so ein “one size fits all”-Modell, entsprechend unkomfortabel war sie (Druck auf der Nase, zu lange Buegel).
Viel schlimmer aber ist: Da Shutterbrillen eben technologisch so funktionieren, dass sie wechselweise abgedunkelt werden, kann man genau das auch “sehen”: Es flackert. Und zwar nervtoetende 150 Minuten lang (inklusive Pause, die offenbar ebenso wie 3D-Brillen wieder in Mode kommen – frage mich, wieso keine Werbespots gezeigt wurden sondern nur ein Standbild eines Sportartikelherstellers…).
Die paar 3D-Momente die sich gelohnt haetten wurden mit Unschaerfe (jedenfalls mir gelingt es nur schwer zu fokussieren hinter dieser Brille) und Flackern getruebt, die gesamte Zeit ueber war es total anstrengend durch diese Brille zu gucken und diese Unschaerfe zu ignorieren. Hinterher war ich total ausgelutscht (was allerdings auch am vorabendbedingten Wasserentzug liegen koennte ^^) und muss sagen: Das is wie Anfang der 90iger, keine Veraenderung zu den 3D-Sachen von damals. Ja gut, ein bissl mehr wird schon gemacht als damals – aber dann wird’s halt auch oft wieder uebertrieben. Einige Szenen und Einstellungen vermitteln den unbedingten Eindruck, nur gedreht und geschnitten worden zu sein, um dieses 3D-Erlebnis zu pushen. Total unnoetige Kamerafahrten wurden in den letzten 20 Jahren einfach weggelassen, man nahm sich Zeit fuer’s Wesentliche. Heute werden sie wieder eingefrickelt um etwas raeumliche Tiefe zu erzeugen und dem Kunden so das Gefuehl zu geben, in einem echten dreidimensionalen Event zu sitzen. Als Ausgleich verlaengert man den Film und kann Pausen einbauen (Standbild hin oder her, ein Spot wurde gezeigt und beides zusammen wird’s sicher nicht kostenfrei geben..) und Ueberlaengeueberschlag einstreichen.

Und das alles fuer 14€. 14€ fuer einen Kinofilm mit Unterbrechung, der gewollt unscharf ist und ueber die gesamte Laufzeit flackert…Grandios.

Das war auf jeden Fall mein letzter 3D-Film. Alleine das Flackern ist zum aus der Haut fahren, aber in Verbindung mit der Unschaerfe und dem Preis ist das definitiv ein Grund, diesen Hype wie schon vor 20 Jahren einfach vorueberziehen zu lassen. Und ich freue mich auf Transformers auf BluRay – diesmal in 2D und ohne Pause…

Naja mal schaun, vielleicht schaue ich ihn mir auch vorher noch auf irgendeinem Downloadportal an – ich finde, fuer 14€ habe ich das Recht erkauft, ihn wenigstens einmal auch “richtig” sehen zu koennen…

Bei 14 € fuer einen Film duerft ihr euch nebenbei bemerkt nicht wundern, wenn die Leute den Kram lieber downloaden als regelmaessig zu bezahlen. Das ist einfach zu viel. Zumal wenn man hinterher sieht, wie gross die Diskrepanz zwischen Produktion und Erloes ausfaellt. Etwas mehr Fairness waer mal nett…





Way to Wacken – ein postapokalyptischer Rückblick

18 08 2010

Ein zarter Kuss im vorbeifliegen, dann ist sie zur Tür raus. Ein letzter Appell: “Pass auf Dich auf” – und natürlich: “und viel Spaß”

Mittwochmorgen, 6:15 – Der Countdown läuft. Kaffee ist aufgebrüht und schmeckt wie eine Henkersmahlzeit – das Aroma ist der mit Abstand betörenste Duft dem ich, für etwa eine Woche, erliege. Im Flur und im Arbeitszimmer türmen sich Taschen, Kunststoffsäcke und kleinere Kartons. Zelte, Schlafsäcke, obligatorische Sitzgelegenheiten und Reisetaschen. Ich gehe zum sicher hundertsten Male meine Checklisten durch. Zunächst im Kopf, zähle die Taschen, forsche in den Abstellkammern nach Übersehenem. Wenn ich hier etwas vergesse, gibt’s kein Zurück mehr – niemand warnt einen hier, dass muss intuitiv beim ersten Mal direkt sitzen.
Ich hole die Checklisten auf Papier zur Hilfe. Fein säuberlich unterteilt in “Unterkunft”, “Verpflegung”, “Kleidung”, “Hygiene” und “Medizin”. Auf diesem Stück Papier herrscht eine Ordnung und ein System, bei dem mir beim Gedanken an gänzlich unmöglichen “Zufall” flau im Magen wird. So funktioniert mein Hirn eigentlich nicht, hier obsiegt der kleine, verwundbare Junge in mir, der auf keinen Fall in der Pampa stehen möchte und dem dort einfällt, dass es sinnvoll gewesen wäre, Klopapier mitzunehmen – und das nur vergessen wurde, weil ich, wie gewöhnlich und fast alles, was ich beginne, den Einpackvorgang mit Spontanität und Zufall nährte.
Überall ein Häkchen dran, selbst beim Zusatzpunkt “Bier”, angesiedelt unter “Sonstiges”. Gefährlich, denn eben das ist zwar – natürlich – schon gekauft, aber noch nicht bei den abzutransportierenden Dingen sondern liegt bei +4°C im Kühlschrank und feiert eine Privatparty.
ich lerne über mich, dass ich lieber gut vorbereitet als unschön überrascht bin. Und ich lerne über mich, dass ich offenbar penibel bin, wenn ich Vorbereitungen treffe. Das sagt man ja über Männer im Allgemeinen – dass sie die Dinge, die sie anfangen, gar nicht oder gründlich zu Ende bringen.

In den letzten Monaten habe ich quasi meinen Hausstand verdoppelt. Ich kann nun theoretisch eine Weile in die Wüste ziehen und müsste nur auf wenig Komfort verzichten. Boots, BDU-Hosen, Regenklamotten, Zelt, Luftmatratze, Klappstuhl, Isomatte, Zeltleuchten, Schlafsack – fast alles jüngst erstanden um gewappnet und bestmöglich vorbereitet zu sein auf – einfach alles. Kaum ein Gedanke ist erschreckender als die Vorstellung, eines Morgens in einem Zelt aufzuwachen und festzustellen, dass man (lebens-)Notwendiges vergessen hat.

Geschwind’ nochmal aufs Klo – Numero dos, der Kaffee entfaltet seine volle Wirkung. Zwischen heute morgen und einem Zeitraum soweit in der Zukunft, dass er derzeit noch unrealistisch fern ist, liegen unangenehme Stunden voller Druck, Völlegefühl, generellem Unwohlsein. Das paart sich, soviel lässt sich absehen, mit fettigem Essen und natürlich dem Hauptnahrungsmittel: Bier. Ein vermutlich letztes mal Duschen für eine lange Zeit – obwohl ich mir der Bedeutung bewusst bin, beschäftigt sich mein Kopf nicht mit der wohltuenden Wirkung konstant warm fließenden Wassers, sondern ist ununterbrochen bei der Checkliste. Fehlt etwas? Ich gehe meinen Alltag nochmal durch, überfliege im Zeitraffer einige Wochen urbanen Lebens. Es fehlt nichts. Ich bin augenscheinlich gut vorbereitet.

Abmarsch. Planänderungen werden heute nicht mehr diskutiert sondern durchgeführt, sie behindern den Prozess nicht. 8 Personen lümmeln teils in meiner Wohnung, teils auf dem Parkplatz hinterm Haus rum, während ich versuche, dem Viehtransport (geliehener VW-Bus aus der Kategorie “ich war schon in Woodstock – ihr Noobs”) musikalisch unter die Arme zu greifen indem ich sie wild auf diverse Medien kopiere. Der Anblick aus meinem Küchenfenster ist wirklich nicht mit Gold aufzuwiegen. 8 Schwermetaller, ungefähr 50 Taschen, Tüten, Kartons – das macht sicher einen erheiternden Eindruck auf meine Nachbarn ;)
Kurzer Abstecher zu Getränke Hoffmann, alle noch so winzigen Lücken im Muli (mein Nissan) und dem Viehtransport  mit Bier zuschmeißen, dann geht’s schon auf die Autobahn – hinter mir die Zivilisation, vor mir zunächst Sonne, Sonne und noch mehr Sonne – und ein kleines bisschen Euphorie macht sich breit. Es ist ‘ne entspannte Fahrt, in Hamburg wird noch Grillfleisch addiert und wenige Kilometer hinter Hamburg sammeln wir noch weitere Mit-Camper aus dem fernen Kleve ein, und Schwupps sind wir schon auf dem Campground K.
Noch während des Einparkmanövers – was natürlich auch nicht “wild und unkoordiniert” geschieht sondern ganz bestimmten Regeln und Gesetzen folgt, denen ich mich bemüht anzupassen versuche – springen meine Leute wie ne Horde Teenager beim Ed-Hardy-Ausverkauf aus dem Van und werfen in hohem Bogen Schlafsäcke und Zelttaschen quer über’s Grün, um unser “Gebiet zu markieren”. Als, dank kompetenter Unterstützung der Profis (die bitter nötig ist, denn wie es scheint, habe ich ein nicht unbedingt geringes Defizit im Bereich ‘Campen’ und einfach allem, was damit zusammenhängt – inkl. dem simplen Aufbau eines simplen Zeltes), alles aufgebaut ist beginnt der gemütliche Teil des Wochenendes auch für mich – rumlümmeln und ein Bierchen zischen, wo fast alle schon einigen Vorsprung haben.
Ab hier verschwimmen meine Erinnerungen für diesen ersten Tag etwas. Ich weiß noch von Grillen, Platzregen (so genannte “Wackenwolke”), Bändchen abholen und reichlich Bier – nicht wenig davon in strömendem Regen im Biergarten. Mein Erster Schritt aufs “Holy Wacken Land” ist demnach historisch nicht belegbar – sei’s drum. Am nächsten morgen werde ich das begehrte Bändchen erkennen und die Gelegenheit haben, mich neu einzukleiden, damit meine Klamotten trocknen können. Das sind gute Nachrichten, und sie lassen mich ausgelassen feiern ;)

Der Donnerstag startet munter – mein Kater ist störrisch, aber ich bin auch nicht sehr gastfreundlich. Kurz nach dem Frühstück (welches offenbar Wackentypisch aus Keksen, Waffeln und Nutellatoast besteht) einigen wir uns auf eine vorübergehende Waffenruhe. Der Tag startet also mit dem – scheinbar je Wackenwochende obligatorischen – Catwalk durch das Dorf Wacken. Einmal Schaulaufen bis zum Edeka am andern Ende des Örtchens – Fleischreserven-Upgrade und es gibt Ficken zu kaufen – das führt bei den Einkaufenden zu maximaler Erheiterung als es eingebongt wird und zu minimaler Gesichtsentgleisung bei der Kassiererin. Ich weiß nicht recht, wieso ich den schlussendlich in die Hand gedrückt bekomme – offenbar habe ich einen Ruf als Vernichter seltsamer Getränke zu verteidigen :D
Im Laufe des Wochenendes werden sich so ungefähr 4.000 – mehr oder weniger kreative und mehr oder weniger abgedroschene – Spruchkonstruktionen um den Drink, dessen Einnahmeoptionen und natürlich die Möglichkeit, auf den Drink angesprochen und/oder eingeladen zu werden, finden. Großes Kino in einer kleinen Welt.

Vorm neuerlichen Run auf die Festival-Site gibt’s noch stark erhitztes, totes Tier und wie gewöhnlich reichlich Bier.
Meine Wacken-Historie und Wacken 2010 für mich beginnt also im Grunde bei Svartsot auf der Wackinger Stage – einer von drei Acts, die ich gar nicht kenne aber aufgrund der musikalischen Spartenzugehörigkeit (grobe Richtung Pagan) auf meiner “running order” hatte. Sie sind auch direkt mal das erste Highlight, denn die Musik is eingängig und passt wie die Faust aufs Auge auf die Wackinger-Stage.
Ich fühle mich wohl, die zuvor unangenehm wirkende Masse Menschen (ungefähr 250.000.000 Menschen sind auf dem Festivalgelände wird man Sauerland hinterher schätzen hören) gewinnt vor der Bühne der Wackinger Stage eine romantische Form von Familienbildnis – tausende wippender Köpfe und regelmäßig erhobene ‘Horns’ – ja doch, so könnt’ ich’s ne Weile aushalten.
Nach Svartsot geht’s erstmal zum Shopping. Nach ungefähr 2 kompletten Durchgängen im Metalmarkt findet sich, zur sichtlichen Erleichterung meiner Mitshoppenden, endlich ein Dark Tranquillity-Zipper als Ersatz für das komplett nasse Manticora-Edelstück. Der Metalmarkt ist reichlich groß – aber wenn man nicht grad Größe XL (Default!) hat, gibt’s an sich kaum was zu holen – so ist’s für jemanden meiner Statur in der Tat eher mühsam, Brauchbares (und überdies nicht zweitklassiges oder notgedrungenes) zu finden.
Anschließend düsen wir mehr oder weniger geordnet zu Iron Maiden – ich mach’s mir mit einigen andern draußen vor einer Videoleinwand gemütlich und wir genießen die entspannte Beinfreiheit auf der Wiese während im Infield gefühlte 500.000.000 Menschen versuchen, einen Blick auf die Altrocker zu werfen. Maiden war okay, auch wenn sie für meinen Geschmack – wie ja vorher angekündigt und daher zu befürchten war – zu wenig Klassiker gebracht haben. Ausgerechnet die vorgestellte Dekade ist leider nicht so mein Fall. Aber die Stimmung war gut und bei “Fear of the dark” gibt’s das erste mal Gänsehaut am Wochenende ;)
Abends das gewohnte Bild – maximale Druckbetankung, 2,0 im Turm sind konstantes und erwartetes Mindestmaß.

Freitag is da schon stressiger – aber mich verschont der Kater, worüber ich nicht unglücklich bin. Amorphis – oder vielmehr die früh aufgestandenen Fans in diesem Fall – sorgen mit “House of sleep” für die zweite Welle Gänsehaut – das Konzert ist allgemein eines der echten Highlights an dem Wochenende. Mir fehlt sicher etwas die Objektivität, aber Amorphis sind einfach mal ne Hammer-Liveband. Wir haben zudem maximales Glück mit dem Wetter – es ist sonnig, trocken und warm und während eines beachtlichen Zeitraums des Konzerts schiebt sich eine friedliche Wolke vor die Sonne und verhindert so den alkoholgeförderten Kollaps.
Astral Doors beweisen im Anschluss, dass selbst gestandene Musiker nur so gut sind, wie die “Profis” am Mischpult. Das Konzert ist leider hoffnungslos zu laut für das kleine W.E.T.-Zelt. Von draußen ist es erträglicher, aber es nimmt dem ganzen natürlich schon etwas die Magie, wenn man zu “Time to Rock” nur von draußen mitwippen und –grölen kann.
Ich nutze die folgende Pause für meinen ersten Wiki-Burger ever – der haut mich zwar nicht vom Hocker, ist aber durchaus gangbares Futtermittel und eindeutig “Heavy Metal” – und er besteht zur Hälfte aus saugfähigem Weißbrot – ausgesprochen wichtig für die weitere Bieraufnahme ;o)
Der nächste nennenswerte Act ist Kamelot. Die sind einfach zu cool. Sie spielen live mit einer Sängerin und haben perfekt abgestimmtes Bühnenszenario. Sehr oldschool, mit Flammen und einstudiert wirkenden Laufwegen bei den Soli. Musikalisch aber indiskutabel – Kamelot sind nicht zu unrecht ganz oben in der Hierarchie der Power-Metal-Bands gelistet.
Das Hetzen zur letzten Instanz spare ich mir, im Nachhinein höre ich, dass ohnehin kein Zugang mehr zu finden war und die letzte Instanz überdies schlecht performt haben und schlecht geklungen haben soll.
Bedauerlicherweise habe ich aber auch den dann folgenden Burner Arch Enemy nicht mitbekommen. Ich hatte kurz zuvor noch ein Horn im Markt erstanden, konnte das aber mangels funktionierender Schließfächer nicht mehr einbunkern. Also haben sich meine Leute solidarisiert und wir haben es uns weit draußen vor den Eingängen gemütlich gemacht – dort wurden wir leider von der Seite mit Mambo Kurt und dessen Faxen oder irgendeiner Karaoke beschallt. Sehr ärgerlich, auf Arch Enemy hatte ich mich sehr gefreut. Soweit man sehen konnte waren die Massen vor der Bühne jedenfalls begeistert – wie zu erwarten war.
Den Rückweg zur Wackinger-Stage hätten wir uns sparen können – Equilibriums Jünger haben die Bühne und vor allem den Zuschauerbereich vor der Bühne, und damit den gesamten Mittelaltermarkt, überschwemmt. Zwischenzeitlich haben die Jungs zudem ihren Auftritt unterbrochen – ob aus Gründen der Sicherheit und Wiederherstellung der Ordnung oder der Technik ist etwas unklar. So oder so: Wir kamen mit vernünftigem Aufwand nicht mehr aufs Gelände und sind demnach recht verdrossen zum Campground zurück.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Zustände und Verhältnisse an der Wackinger Stage generell skandalös waren – aber das wird derzeit in der “Wacken Community” bis ins kleinste Detail ausdiskutiert, da will ich nun gar groß weiter drauf eingehen. Resümierend kann man aber festhalten, dass die Bühne zu klein und zu niedrig, das Feld davor unterdimensioniert und die Bands teilweise einfach zu groß waren.
Es folgt also die übliche Betankung, diesmal mach ich das Stil-echt mit Ficken und Met :D

Am Sonnabend bin ich wieder früh los, Nightmare waren zu Besuch im W.E.T. Die Show war richtig Klasse, Nightmare sind einfach lässig. Ein “Holy Diver”-Cover gibt überdies Gelegenheit, noch einmal in sich zu gehen und einem der Großväter des Rock weiteren Tribut zu zollen. Auch Nightmare erhalten trotz fehlenden Publikums ‘standing horns’ – nach einem ausgezeichneten Auftritt auch zurecht.
Ich versuche mein Glück beim zweiten von drei Blindflügen: Caliban. Angeblich Metalcore und angesichts der Masse an Shirts, die man auf dem Wacken so gesehen hat, eine mit einem großen Fanaufgebot.
Ich muss denen leider allen unterstellen, dass sie an Geschmacksverirrung leiden oder blind dem Gepose einer Luschenband folgen. Caliban hatten zwar zunächst Pech mit dem Sound (zuviel Bass, maßlos übersteuert, im Grunde nicht-existente Gitarren etc.), aber viel schlimmer wiegt, dass der Sänger einfach ma nicht shouten kann. Das war so etwa das schlechteste, was ich jemals jemanden in ein Mikrofon habe Quäken hören. Caliban sind nach dieser peinlichen Vorstellung definitiv von meiner “muss ich mal reinhoeren”-Liste gestrichen. Zumal die gesamte Band, das Bühnenbild und allgemein das Bild, das man von Caliban verkauft bekommt, dem Versuch gleicht, mit maximaler Blendung zu überzeugen. Angesichts der Qualitäten des Sängers ist das aber auch logisch. Derbe Enttäuschung jedenfalls, da hört man auf Berliner Band-Contests besseren Metalcore. Auf Degradead warten wir dann auch nicht mehr und lümmeln zurück ins Camp. 15, 20 Minuten harter Marsch bei Mittagssonne und etwa 30°C in der Sonne – die Entscheidung fällt uns nicht leicht ;)
Zum dritten “unbekannten” Act Metsatöll geht’s wieder auf das Festivalgelände zurück – estnischer Pagan, das klingt interessant. Musikalisch einwandfrei und ein wirklich guter Act. CDs sind quasi schon bestellt ;)
W.A.S.P. hören wir uns fünf Minuten an und gehen dann enttäuscht – wirklich interessant wird das Konzert nach Studium der Setlist auch erst zum Schluss – soviel Durchhaltevermögen hätten wir angesichts einer miesen Show und miesen Sounds eh nicht bewiesen. Stratovarius liegt leider im zeitlichen Clinch mit Týr. Also machen wir es uns frühzeitig vor der Wackinger Stage gemütlich, wohl wissend, dass wir, wenn wir “pünktlich” kommen, eh nicht mehr aufs Gelände kommen. Das Konzert ist für mich auch so lala. Nette Setlist, aber insgesamt zu voll und ne bescheidene Bühne. So habe ich quasi die gesamte Stunde auf die Scheinwerfer am oberen Ende der Bühne gelinst. Headbangen mit kurzen Haaren is auch so superspannend nicht, also blieb nur friedliches lauschen. Nunja ;)
Wir lauschen noch ein wenig Edguy aus der Ferne, dann geht’s wieder aufs Infield, Robert Lowe dabei zuschauen, wie er breit über die Bühne wankt. Wir glauben ja, die gesamte Band war höllisch breit. Sehr lustig dennoch – und ein schön doomiges Konzert. Mein Überlebensinstinkt hält mich davon ab, Wacken 2010 mit Tiamat zu beenden – Candlemass sind definitiv genug Emo für ein Jahr.

Musikalisch endet mein Wacken nach 9 Konzerten in Festivallänge – das ist, wenn man sich so umhört, ein ganz ordentlicher Mittelwert.

Ein Resümee zu ziehen fällt mir relativ leicht, ich hab’ mich dazu entschlossen es als Widmung für meine Mitfeiernden zu tun:
Liebe Wackenmitfeiernden, danke für:

> Ein durch und durch progressives Wacken
> Reichlich Alkohol
> eine gesunde 80%-Quote “kacken” als zentrales Gesprächsthema am langen WE
> solidarisches draußen bleiben bei Arch Enemy
> solidarisches Mitten-In-Der-Nacht-Zu-Nightmare-Und-Amorphis-Mitkommen
> solidarisches Mitlaufen über den Metalmarkt – auch wenn ich weiß, dass ihr das nur gemacht habt, weil ihr den Met so geil fandet ^^
> IMBA-Raviolidosen
> Nutellatoast
> Ficken!

X-Mas-Ticket für 20102011 ist schon bestellt und ich wär schwer begeistert, wenn sich diese Truppe wiederträfe.

In diesem Sinne – \../,





Auf’m Wackööööööön 2010 [2]

10 08 2010

Einige (leider nur wenige) Impressionen von Wacken 201o – iwie fehlt mir noch die Souveraenitaet im Umgang mit der Cam:

Flog so ungefaehr 10 Meter ueber der Menge - sehr zum Missfallen der Secus ^^





Auf’m Wackööööööön 2010

9 08 2010

Freitag, ungefaehr 12:15 muss es gewesen sein. So etwa 15.000 Stimmen vor der True Metal Stage stehlen einem grossartigen Tomi Joutsen die Show und intonieren “House of Sleep” fast im Alleingang – Gaensehautfeeling pur. Tomi bedankt sich mit einem “must be the most beautiful voice in the world” – und hat damit wohl recht.
Fuer mich persoenlich der schoenste Moment auf Wacken 2010, allgemein waren Amorphis das beste Einzelkonzert auf Wacken. Beeindruckend waren definitiv auch Svartsot und Metsatoell, zwei Bands die ich zuvor gar nicht kannte und direkt ins Herz geschlossen habe.
Nightmare, Candlemass, Kamelot gehoerten ausserdem zu meinen persoenlichen Highlights. Hier stimmte einfach alles – Soundmischung, Buehnenblick, Licht, Show (Candlemass wurde ergaenzt durch einen total breiten Robert Lowe, der bis auf wenige Versinger dennoch eine coole Show bot und einfach toll zu Candlemass passt).

Arch Enemy hab ich weitgehend leider nicht gehoert (Securitylevel und Kirmesbuden sei Dank – hatte zuvor noch ein Horn gekauft und durfte damit nicht aufs Infield, einschliessen konnte ichs Mangels funktionierender Schliessfaecher aber auch nicht – und von draussen waren die wegen Kirmesbudengedudel eigentlich nicht zu hoeren), Astral Doors auch eher nebenbei gehoert (viel zu laut abgemischt, wir mussten das W.E.T.-Zelt verlassen und von draussen zuhoeren – dort quaekte aber die Blackstage dazwischen die rechts vom Zelt stand), zu Equilibrium kamen wir nichtmal mehr vor die Buehne weil’s zu voll war.
Gnadenlos enttaeuscht bin ich von Caliban (zuviel Bass und grottenschlechter Livegesang – so jemand waer bei Arch Enemy schon laengst gekickt worden ^^), W.A.S.P. (schlecht gemischt, schlecht performt), Tyr (falsche  Buehne, staendig nur am Draengeln gegen die 2m-Brocken die sich sowas normalerweise anhoeren) und den Apokalypsischen Reitern, deren Show mich so ueberhaupt nicht ueberzeugt – musikalisch sind die eh nich meins, aber man sagte mir, ich muesse die sehen, die sind live toll. Nunja, ich hab mich schon besser amuesiert.

Headliner Iron Maiden waren okay, allerdings war mir das Gelaber um das neue Album und Dickinsons Wunsch, es auf 1 in den Billboards zu pushen, zu nervig. Ausserdem liefen fuer ein Festival eindeutig zu wenig Klassiker – das haben andere Bands deutlich besser gebacken bekommen (Nightmare sogar mit einem Dio-Tribut “Holy Diver”, auffaellig gut war hier Amorphis eingestellt). Aber musikalisch geht da halt nix dran vorbei, Maiden ist halt Maiden.

Ansonsten sind alle worst-case-Szenarien ausgeblieben, Wetter war richtig toll, Stimmung am Campground auch, aufm Infield manchmal n bissl viel Gedraengel, aber man konnte sich eigentlich ueberall so seine Nischen suchen. An- und Abfahrt reibungslos, Futter absolut im Rahmen, Bier teuer und reichlich. shoppen geht eigentlich nur wenn man XL traegt oder n Gierlie is, ansonsten is die Auswahl eher mau. Bullhead kann mir gestohlen bleiben, zieht nur merkwuerdiges Publikum an und ist ungefaehr so attraktiv wie der Bierschiss am Morgen.
Hinzu kamen kleinere Aergernisse (grabbelwuetige und total inkonsequente Security, “defekte” Schliessfaecher uebers komplette WE, Pfandsammler die echt alles mitnehmen was nicht angebunden is) aber auch viel Bemuehung (reichlich Getraenkebuden, trotz grosser Hitze musste man nie laenger als fuenf Minuten fuer ein Getraenk anstehen).

So war also mein erstes Wacken im Jahre 2k10. Erste Bands fuer 2011 sind bestaetigt (Blind Guardian u.m.) – habe noch ein X-MAS-Ticket ergattern koennen. Dann kann ich endlich auch diese “frueher war alles {besser/anders/trver}-Vergleiche ziehen ;o)

Bis dahin: \../,





Die unreife Feder…

26 10 2009

eben beim Durchstoebern gefunden:

Jahrelang schon frage ich mich, ob es tatsaechlich so ist, dass “SIE” anders sind.

Warum auch nicht – ich bin ich, der Mittelpunkt der Welt, die Sonne dreht sich um mich und wenn ich Furze stirbt in China ein Mensch.
Ich regiere, ich herrsche, ich fuege mich, ich diene. Wuerde ich nicht sein, wuerde irgendjemand existieren? Nein.
Waere ich nicht hier, waere auch sonst niemand hier.
Das sind die Fakten.

Nun, da es so ist wie es nunmal ist, stelle ich mir irgendwann die Frage, warum “SIE” alle anders sind.
Sind “SIE” nur hier, um mich glauben zu machen, es gaebe eine Alternative zu dem, wie und wer ich bin? Sind “SIE” vllt nur Abbilder meiner Selbst? Fotokopien?
Schlechte Kopien wuerde ich meinen. Grauschleier, Falten, defekter Einzug, leere Materialfaecher. Ein mieses Geraet. Und doch – die Aehnlichkeit ist zunaechst frappierend. Ein Kopf, zwei Arme, zwei Beine, ein Torso. Innen Gedaerme, Lebenserhaltungssysteme – spendiert von mir – ein tolles Kopiersystem. Aber mit Fehlern behaftet.
Wenn ich perfekt bin – also die Kroenung der Schoepfung, “SIE” aber sind nur Nachahmungen – hier und da anders. Warum gefaellt mir dann ab und zu, was ich sehe? Warum missfaellt mir ab und zu, was ich an mir entdecke?

Nun, ich sehe “SIE” also an, taeglich, stuendlich – manchmal auch minuetlich und sekuendlich. Ich beobachte “SIE”. “SIE” sind anders. Zweifelsfrei. Oder sind “SIE” nicht anders? Wenn “SIE” es aber nicht sind – bin dann ich es? Bin ich vllt doch nicht der Mittelpunkt der Welt? Bin ich das Abfallprodukt – zusammengebastelt aus allem, was niemand sonst wollte? Eine Collage “IHRER” Negativa?
Nun, diese Ueberlegung fuehrt mich im Kreis – einem Kreis, der sich ebenfalls um mich dreht. Also doch der Mittelpunkt.

Dann aber erkenne ich, was ich nie hatte sehen wollen. Nicht “ab und zu” gefaellt mir, was ich sehe – nein, immer. Es ist immer nur eine Nuance. Ich bin nur die Summe von millionen Einzelheiten. Sekuendlich fuegt sich ein neues Fragment hinzu – eine neue Kopie entsteht, ein neues Mosaik passt zu mir.
Wann werde ich vollstaendig sein? Beruht die Theorie, dass eine Zahl unendlich viele Nachkommastellen haben kann einzig auf meiner Existenz? Immerhin – und soviel ist klar – ist Pi nur eine theoretische Zahl. Das fuehrt mich weiter – wenn ich also Pi bin – wozu das alles? Ich kann unendliche viele Mosaiksteinchen in mich aufnehmen, und bin doch nie vollstaendig. Welchem Zweck dient das? Bin ich die Ratte im Labor? Schaut man von oben herab und verfolgt, wie ich reagiere? Was ich tue, wie ich Entscheidungen faelle – wo ich Fehler begehe, wo ich mich inkorrekt verhalte, Menschen verletze – mich damit selbst verletze. Wenn ich ein Mosaik aufnehme, hinzufuege – erkenne ich mich ein Stueckchen mehr? Sehe ich klarer? Vllt sollte ich einmal drauf achten…

Aber das fuehrt mich weit weg – zurueck also zu “IHNEN”. Wenn also nicht “SIE” anders sind – sondern ich bin es – und das macht Sinn, wenn ich die Summe jedes Einzelnen bilde, so unterscheide ich mich zwangslaeufig auch von allen. Sie aber sind alle gleich. Sie sind je eine Kopie, die eine Nuance von mir in sich traegt – und sonst gar nichts. Diese Nuance erkenne ich. Und ich mag sie. Natuerlich mag ich sie – sie ist ich.
Wenn nun aber alle anderen gleich sind – dann bin zweifelsohne ich anders. Vllt erklaert das, warum ich “SIE” nicht verstehe. Vllt verstehen “SIE” mich? Aber nein – tun “SIE” nicht. Das immerhin weiss ich – “SIE” wollen nicht, die anderen koennen nicht. Sie haben ihren Auftrag erfuellt – “SIE” offenbarten mir ihre Nuance von mir – ihr Auftrag ist erfuellt. Warum gebe ich mir dann Muehe, zu verstehen, warum “SIE” mich nicht verstehen?

Was ist dort am Rande meiner Wahrnehmung, dass ich nicht zu greifen vermag. Staendig huepft es hervor und lacht mich aus – schaue ich hin, ist es weg. Es frustriert mich. Und wieder stirbt ein Fragment, eine ganze Kolonne an Fragmenten. Um welchen Preis? Damit ich “IHNEN” das hier aufschreiben kann? Arm. Wirklich arm.

Kacke, ich brauch ‘n Drink. Moechte mir jemand sein Fragment offenbaren?

kwt





…Dauerklingelnlasser

25 08 2009

Liebe Kollegen, Freunde, Fremde, Vertreter, Verwaehler, Verwunschenen, Verlassenen, Verwegenen und Verwandten:
In Zeiten von ISDN, Rufnummernerkennung fuer analoge Leitungen, Handyflatrates, VoIP und TK-Anlagen auch fuer Heimnetzwerke muesst ihr euch bitte immer eines vor Augen halten: Der- oder Diejenige, den oder die ihr anruft, weiss, dass ihr da kommt.

Wenn er oder sie also euren Anruf nicht entgegennimmt, wird das einen Grund haben. Hier eine moegliche Auswahl dieser Gruende:
> Ziel ist nicht da.
… Man glaubt’s kaum, aber ja, auch in Zeiten von Immer-und-ueberall-erreichbar sind die Menschen mal wirklich nicht in der unmittelbaren Naehe ihres Telefon-nach-dreimal-klingeln-aufs-Handy-umgeleitet-und-nach-weiteren-fuenfmal-klingeln-in-eine-Broadcastgruppe-geroutet-Mobiltelefons.
Ich hatte mal einen Chef, der formulierte das folgendermassen: “Wir sind hier fuer den Support zustaendig. Meine Leute sind eigentlich immer zu erreichen. Wir gehen binnen kuerzestem ans Telefon, loesen unmoegliches sofort und Wunder in gebotener Eile. Aber auch meine Supporter duerfen mal kacken gehn.”

> Ziel telefoniert bereits
ui, wer haette das gedacht. Besonders beliebtes Spielzeug von TK-Anlagen in mittelgrossen bis sehr grossen Unternehmen ist die “Anklopfen”-Funktion. Kein Mensch weiss, wie man die anschaltet oder, wenn sie eingeschaltet ist, wie man sie abschaltet. Und wie man sie bedient.
Die Funktion ist ganz grossartig, kann doch der Angerufene selbst ueber die Priorisierung entscheiden und/oder geeignete Massnahmen ergreifen, seine Bittsteller Anrufer abzufruehstuecken. Das hinterlistige am Anklopfen ist: Der Anrufer erkennt den Unterschied oft nicht. Grade bei Ausschreibungs-Sieger-TK-Anlagen und -Telefonen ist es mitunter kaum bis ueberhaupt gar nicht zu erkennen, ob angeklopft wird, oder der Angerufene den Call tatsaechlich verpasst. Wieso und warum das motivieren koennte, minutenlang klingen zu lassen, erschliesst sich mir zwar nicht – aber darum geht’s ja hier im Grossen und Ganzen.

> Ziel will nicht mit Dir reden
Das duerfte so ziemlich der wichtigste und vor allem auch der haeufigste Grund sein, wieso ein Call nicht entgegengenommen wird. Das Ziel moechte einfach nicht mit Dir sprechen. Er oder sie sieht Deine Nummer, u.U. Deinen Namen. Er oder sie will partout nicht mit Dir sprechen. Akzeptier das. Aber qual nicht womoeglich umstehende mit Dauerquengeln. Leg auf. Versuchs spaeter wieder. Oder schreib ne E-Mail. Sprich auf die Mailbox (bei Handys ist die meisst mit “33″ zwischen Vorwahl und Rufnummer direkt zu erreichen). Geh vorbei. Schreib n Brief. Dressier ne Taube. Mach ein Feuer und ueb Dich in Rauchzeichen. Pfeif. Irgendwie sowas. Aber lass verdammt nochmal nicht das Telefon klingeln. Du wuerdest auch nicht wollen, dass Dir gegenueber so verfahren wird…








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