Was treibt uns an – aka: ‘eine Sommernacht’ (not a poetry)

Eine – offensichtlich angeknockte – Motte kam durch’s offene Fenster in mein Zimmer. Es ist eine kleine Motte. Sie haemmert mit ihrem Koerper auf eine Verdienstabrechnung. Wieder und wieder. Und wieder.
Sie wechselt den Rhythmus, laeuft einen Moment ueber den Schreibtisch. Haemmert gegen die Schaumstoffblende des kleinen Subwoofers neben dem Monitor.

Ich habe sie aus den Augen verloren. Schaue mich um. Suche sie. Mein Blick wandert ueber die weissen Waende, den Kalender, eine Luis Royo-Flagge. Natuerlich halte ich Ausschau auch nach anderen Tieren. Es ist spaet, der Laerm des Tages laengst verstummt – der kuenstliche Laerm der Nacht ist nun dominant. Lachen dringt nach oben. Die Fenster sind offen. Es ist schwuel und warm. Das Licht brennt. Nachtaktive Tiere moegen das. Sie finden den Weg hinein, finden den Weg hinaus aber nicht mehr. Sie kreisen um die Lampe. Ihre kleinen Koerper werfen Schatten. Es erscheint wie ein Flackern des Lichts, ist es jedoch nicht.

Irgendein Tier haemmert gegen eine der Gluehbirnen. Es versucht noch naeher an diese Quelle der Glueckseligkeit zu gelangen. In Ihrem Bemuehen wird es irgendwann verhungern und elend hinter einem Schrank verenden.
Ich wuenschte, es wuerde stattdessen im Muelleimer verenden. Der wird ohnehin von Zeit zu Zeit geleert.

Ich trinke. Bacardi & Cola. Coke Zero. Wenig Bacardi, es ist nicht der richtige Moment fuer viel Alkohol. Ich verabschiede Menschen im IRC, die ich nicht oder nur kaum kenne. Sie gehen schlafen. Oder gehen arbeiten. Wenn ich gefragt werde, wer diese Menschen sind, fehlen mir die Worte. Ich habe kaum eine Beziehung zu ihnen. Zu den meissten noch weniger als zu einigen.
Draussen laeuft ein Autoradio. „I would do anything for love (but i wont do that)“. Meat Loaf. Habe ich nie verstanden den Song. Aber ich denke, Meat Loaf ist auch eher zufaellig in die Popularitaet geraten – sein kuenstlerischer Ausdruck erscheint mir allgemein zu verspielt, um geplant zu sein.

Ich bin ungewohnt melancholisch und weiss nicht, aus welcher Richtung das kommt. Es ist warm, schwuel. Ich mag das. Es ist wie mein eigener, kleiner, tropischer Sommer. Tropische Sommer haben etwas von. Freiheit. Unbedarftheit. Unschuld. In meiner Phantasie jedenfalls.

Ich habe grade meine Homepage geloescht. Natuerlich habe ich ein Backup. Und natuerlich habe ich nicht alles geloescht. Ein Hinweis darauf, dass ich’s geloescht habe, habe ich zurueck gelassen.
Mit diesem Step bricht ein Stueckchen Vergangenheit weg. Ueber zehn Jahre habe ich diese HP gehostet. Veraendert. Unendlich viel Zeit investiert. Ist es Wehmut, nicht Melancholie?
Ich denke an das, was mit dem Abriss dieses ‚Gebaeudes‘ verschwinden wird. Erinnerungen vor allem. Laengst beendete, nie gut gepflegt Beziehungen.
Ein Stueck von mir habe ich geloescht. Oder wieder nur eine Erinnerung an mich? Schwer zu sagen. Ich denke nicht viel ueber so etwas nach. Es erscheint mir Zeitverschwendung zu sein. Womoeglich irre ich hier. Was ist, wenn letztlich das Einzige, was am Ende, nach allem, zaehlt, das ist, worauf wir zurueckblicken?

Eine weitere Motte gesellt sich auf meinen Schreibtisch. Diese ist dunkler als die Erste. Und kraeftiger. Und ruhiger. Die Unruhe wird noch kommen. Wenn sie bemerkt, dass dieses Zimmer wohl ihr Grab sein wird.

Vergeudete Zeit. Ich klicke gelangweilt in irgendwelchen Browsergames herum. Beteilige mich am Belanglosen Smalltalk der damit einhergeht.

Es ist souveraen. Ich mache das seit Jahren. Mensch neigt dazu, sich zu ueberschaetzen. Grundsaetzlich, in fast jeder Beziehung. Understatement existiert nicht. Und doch – das scheine ich gut zu koennen.
Womoeglich stimmt das. Womoeglich stimmt es, und ich habe gewisse, beneidenswerte Qualitaeten. Ist es das, was mich antreibt? Diese Qualitaeten zu verbessern? Oder vielmehr – mit diesen Qualitaeten zu hausieren? Denn ich verbessere mich nicht gerne. Verbessern bedeutet automatisch auch immer, alte Gewissheiten zu ueberdenken oder gar zu verwerfen. Fuer mich bedeutet das automatisch, von Vorne zu beginnen.
Lustig, dass ich ausgerechnet in der IT meine berufliche Zukunft gesehen habe. Ist doch ausgerechnet hier das Wissen aus der Vergangenheit auch in der Gegenwart und Zukunft interessant?

28 Minuten tippe ich hier. Fuer einen Ruf in die Nacht, der kaum aufgenommen werden wird eine beachtliche Zeitspanne.
Ich bin muede. Und durstig. Ich weiss, welchem dieser beiden Beduerfnisse ich nachgeben werde…

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