[Review] Wuthering Heights – Far from the madding crowd / The shadow cabinet

Nils Patrik Johansson. Die Stimme. Zugegeben: Ich kannte Astral Doors bevor ich Wuthering Heights gefunden habe. Insofern war ich „vorgewarnt“. Allerdings habe ich nicht gut recherchiert, ich wusste nicht, dass Johansson bei WH mitmischt. Die Alben, in die ich zuvor reingehoert hatte, waren auch nicht mit ihm aufgenommen.
Umso ueberraschter war ich, als ich die beiden Longplayer „Far from the madding crowd“ und „the shadow cabinet“ auf dem Teller rotieren liess und es mir in den Kopf schoss, dass es so eine Stimme niemals zweimal geben kann…

Meiner bescheidenen und musik-wissenschaftlich gewiss fragwuerdigen Meinung nach hat dieser Junge die interessanteste Stimme im gesamten Musikbusiness. Selbst wenn man – wie ich – die Astral Doors eher langweilig findet und einem – anders als mir – WH auch nicht zusagen, kann ich nur empfehlen, dieser Stimme zumindest mal einen Song lang zu lauschen.
Ja, es gibt parallelen zu einem gewissen rjDio… Aber dem und dessen musikalischer Begleitung fehlt fuer meinen persoenlichen Geschmack immer das gewisse Etwas.

Anyway. Warum also stelle ich diese beiden Alben vor?
Beginnen wir mit ‚Far from the madding crowd‘.
Folkelemente die Richie Blackmore nicht gekonnter vortragen kann driften uebergaengslos in ungewitterartige Gitarrenelemente ab, die selbst die Fetischisten von Dragonforce neidvoll erblassen lassen. Episch anmutente ‚chorus‘ wechseln sich mit Theme-artigen Erzaehlungen ab.
Man denkt, man hat alles gehoert – dann schlaegt einem mit „bad hobbits die hard“ (ja, nu wird klar, dass es ein Mottoalbum ist) der progressive Teil dieses Albums mitten in die Eingeweide. Ich kenne wenige Songs, die so sehr das Gefuehl einer Achterbahnfahrt verursachen wie dieser. Ist btw rein instrumental…
Das Album verabschiedet sich ungewoehnlich ruhig mir „Lament for Lorien“ – und man ist gewillt, den Ring sofort herzugeben, wenn man nochmal von vorne beginnen duerfte…

Klarer Anspieltip in diesem Album ist das vom Evil Masquerade-Gitarrenfrickler Flyman intonierte „bad hobbits die hard“ – und ich verspreche, mit einem angemessenen Tonspur klingt das noch um Welten besser:

Zwei Jahre spaeter, offenbar bewusst ein ganzes Album an Erfahrungen und Vorstellungen hinter sich lassend, bringen WH dann „the shadow cabinet“ auf den Markt.
Die Band – sichtlich „verstaerkt“ mit Vollzeit-Bassisten Teddy Moeller, der die Funktionskrake Ravn an diesem Instrument aushebelt und Manticora-Gitarristen Martin Arendal lassen sie sowohl Tolkien als auch Folk hinter sich (eine Violine findet sich hier und da noch als Ueberbleibsel und immerhin „faith“ laesst gegen Ende aufblitzen, dass man nicht gewillt ist, diese belebenden Elemente gaenzlich wegzulassen.) und konzentrieren sich auf das, was man von einer Daenisch-Schwedischen Prog-Power-Band prinzipiell erwartet: ordentlich Wumms auf die Boxen, abgeschmeckt mit prog-Elementen, eingaengigen Songs mit viel Herz und Seele. Ohne das musikalisch gleichsetzen zu wollen erinnert mich diese Entwicklung an Blind Guardians „night at the opera“. Womoeglich muss das so sein, und womoeglich war „Far from the madding crowd“ auch genau so geplant – als Konzeptalbum fuer zwischendurch. Da ich die Alben von WH, in denen Johansson nicht mitgewirkt hat, nicht kenne, entzieht es sich meiner Kenntnis, wo WH herkamen.
‚The shadow cabinet‘ ist wesentlich druckvoller und imposanter als es ‚fftmc‘ gewesen ist – natuerlich. Es hat mit „if you can not win the day – seize the night“ ausserdem auf jeden Fall die nachhaltigere Message – zumal die Tolkien-Mitfahrgelegenheit schon zu Zeiten von ‚fftmc‘ schon eher auf der Regionalstrecke fuhr…
Das Album ist demnach weniger Folk, dafuer umso mehr Power.

Anspieltip ist natuerlich „carpe noctem“ – zeigt es doch, dass sich epischer Chorus nicht nur in MTV-Pop wiederfinden darf…

Beide Alben sind sehr unterschiedlich, wenngleich sie aus gleicher Feder kommen und mit nahezu gleichem Equipment vorgetragen werden. Ich koennte unter Androhung von Gewalt nicht sagen, welche mich mehr mitreisst. Beide tragen ein Stueck zum Mosaik meines „Soundtrack des Lebens“ bei.

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