Gewaehlt, nicht zu waehlen. Neverending -.-

Bin eben ueber http://www.gehnichthin.de/ gestolpert geworfen worden. Jaha, alle Legislaturperioden wieder eine Initiative zur Ermutigung der Nichtwaehler, waehlen zu gehen.
Und wie ueblich muss ich euch, liebe kulturschaffende, politische, unterhaltende und bisweilen geistlose enttaeuschen: Nein, auch dieses Aufgebot an B-Promis kann mich nicht ueberzeugen.
Es ist nicht so, dass ich mich mit dem Thema nicht auseinandersetzen wuerde – vielmehr ist es so, dass sich damit auseinanderzusetzen wie Don Quijotes oder Sisyphos‘ endlose Qualen anmutet:

„Wer nicht waehlen geht, darf sich hinterher nicht beklagen“. Tut niemand. Jedenfalls nicht im Kreis derer, die ich als Nichtwaehler persoenlich kenne. Es gilt allerdings inzwischen als „nicht schicklich“, nicht zu waehlen – es mag also sein, dass zwischenzeitlich der eine oder andere hier abgedriftet ist und der Tarnung gerecht werdend doch meckert, gleichwohl er seinen Stimmzettel zuletzt nicht gueltig abgegeben hat. Und gewiss wird’s auch da draussen den einen oder anderen geben, der sich an den dogmatischen Grundsatz „ich waehle nicht und mecker trotzdem nicht“ nicht haelt; aber Kafkas – in dem Vid gezeichneten – Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit und Wahlverzicht erscheint mir unangemessen und falsch – aber natuerlich werbewirksam.

„Wer etwas veraendern will, muss waehlen gehen“. Falsch. Wer waehlt, erhaelt offenbar das automatisch das Recht, sich darueber zu beklagen, wenn dann doch nicht alle Wuensche erfuellt werden. Das erscheint mir absurd, zeigen doch Jahrzehnte der Lehre, dass Politik eben genau das nicht tut: Wuensche erfuellen. Korrekt muesste der Satz heissen „wer etwas veraendern will, muss Politik machen“. Und selbst dort ist die Chance, etwas zu aendern, gering. Politik ist ein Geschaeft mit Kompromissen – die widerum sind naturgemaess eher der „kleinste gemeinsame Nenner“ – oder im schlimmsten Fall das Kaleidoskop der Lobby hinter dem Thema. Ergo waere die tatsaechlich korrekte Aussage wohl „wer etwas aendern will, muss Lobbyismus betreiben“…

„wer nicht waehlt, waehlt rechts“. Was fuer ein Schwachsinn. Nicht zu Waehlen bedeutet nicht zu Waehlen – sonst nichts. Die abgegebenen, gültigen Stimmen ermitteln die Ergebnisse. In welchem Ausmass diese zur Zahl der abgegebenen im Verhaeltnis stehen mag womoeglich einen Einfluss auf die schlussendliche Verteilung der Macht haben – aber viel wichtiger finde ich zu erwaehnen, dass nicht die Zahl der Wahlverzichtenden relevant ist, sondern die Tatsache, dass die gefuerchteten Randgruppen ihre Waehler leichter zu mobilisieren vermoegen.
Klar, man mag ihnen Populismus vorwerfen – aber das tun ausnahmslos alle Parteien. Diejenigen, die sich um eine Randgruppe bemuehen haben hierbei nur einen entscheidenen Vorteil den grossen Volksparteien gegenueber: Ihnen sind nicht _alle_ Meinungen gleich wichtig. Sie vertreten ihren Standpunkt und scheren sich nicht um den Verlust von Waehlerstimmen aus rivalisierenden politischen Richtungen. Volksparteien koennen das nicht. Jede Zielgruppe koennte schlussendlich die Entscheidung beeinflussen, ob man kuenftig regiert oder nur torpediert…

Mein gewichtigstes Argument, nicht zu waehlen, ist demzufolge auch ganz simpel: Mit meiner Stimme waehle ich nicht nur „meine“ Optionen – sondern auch viele Optionen, die ich nicht vertrete. Keine Partei deckt sich mit meiner Meinung – manche tun es punktuell, andere an anderen Punkten. Ergo muss ich gewichten um das „bestmoegliche“ Ergebnis zu erzielen.
Damit verrate ich meinen Standpunkt jedoch, da ich eine Partei waehlen soll, die an Punkten, denen ich womoeglich in einem Anflug von Entscheidungsfreude eine zu geringe Prioritaet eingeraeumt habe, mit meiner Grundeinstellung kollidiert.
Hier beisst sich die Katze in den Schwanz: Um diesen Umstand zu eliminieren _und_ mein Grundrecht, an demokratischen Wahlen teilzuhaben, wahrzunehmen, braeuchte ich eine eigene politische Plattform. Weder habe ich die Popularitaet, noch das Durchhaltevermoegen oder die finanziellen Mittel fuer solche ein Unterfangen.

Btw: Zu Volksentscheiden – sofern ihr Ausgang mich interessieren wuerde – wuerde ich gehen. Ich finde das System in der Schweiz hochinteressant, da es besonders dem Lobbyismus kaum eine Chance laesst, sich zu entfalten.

Tjo. Was ist nun die Quintessenz hier? Na is doch ganz einfach: Es ist gar nicht so sehr wichtig, Menschen wie mich zum Waehlen zu ueberreden – es ist viel wichtiger, zu ermitteln, wieso wir das nicht sowieso tun…

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