Wahlverzicht v2

Au weia. Ich haette hier gar nicht erst drin stochern duerfen – da kommt nur Frust hoch…
Nichtwaehler haben keine Lobby.
Wir haben „nichts zu melden“ (Na hauptsache plakativ, gelle VZ?)
Wir haben „kein Recht sich [uns] zu beschweren“ (Im Gegenteil: Das Recht verwirken diejenigen, die sich fuer eine Seite festlegen, nicht die, die aus Gruenden der Unvereinbarkeit von Meinung und Politik ihre Stimme nicht dem vermeintlich geringeren Uebel spendieren)
Wir haben „kein Interesse an der Demokratie“ (Das Gegenteil ist der Fall – wir haben nur kein Interesse an der zur Verfuegung stehenden Interpretationen der Demokratie. Wir haben also keine Lust auf eure Demokratie, das mag wohl stimmen. Aber das gilt fuer die Waehler ja gleichfalls – Zufrieden mit der erwirkten Politik ist letztlich kaum jemand)

Oft lese ich wueste Behauptungen, Nichtwaehler waeren die lautesten Klager, Noeler, Beschwerer.
Liebe Waehler. Uns Nichtwaehlern ist klar, dass es euch wurmt, dass wir unsere Stimmen nicht in eurem Interesse an die Partei eures Vertrauens verschenken. Uns ist darueberhinaus auch klar, dass euch das Potenzial der riesigen Zielgruppe „Wahlverzichter“ klar ist und dass ihr es gerne fuer eure Zwecke genutzt sehen wollt.
Bedenkt aber bitte immer auch das Eine: Sollten wir uns tatsaechlich einst dazu hinreissen lassen, geschlossen zu waehlen, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht eure Partei sein, der wir die Verantwortung anvertrauen, fuer uns mit zu entscheiden (andernfalls haetten wir die Option ja schon heute gezogen und tun es nicht).

Die Tatsache, lieber Herr Muentefering und alle, die ins gleiche rhethorische Erdloch schielen, dass wir nicht waehlen obwohl wir uns unserer politischen Verantwortung bewusst sind, spricht fuer sich. Die Optionen sind nicht, was wir erwarten.
Versteht mich nicht falsch – mir ist klar, dass man es in einem riesigen Land wie Deutschland niemals allen wird rechtmachen koennen. Es muessen Kompromisse geschlossen, harte Entscheidungen durchgefochten und diverse Vor- und Nachteile abgewogen werden, bis man zu einem Konsens gelangt, der Mehrheitsfaehig erscheint. Das mag sicherlich alles schwierig sein. Und doch, solange der schale Beigeschmack des Lobbyismus und der Willkuer bei so vielen politischen Entscheidungen mitkommt, wie wir, das Volk im Ganzen, den Eindruck haben, solange werdet ihr uns Nichtwaehler nicht ueberzeugen koennen, dass nicht zu waehlen nicht die beste Moeglichkeit ist, unserer Meinung Ausdruck zu verleihen.

Es mag sein, dass es eine nicht wenig beachtliche Menge Nichtwaehler gibt, die in dieses Profil nicht passen.
Die vllt wirklich aus Desinteresse nicht waehlen. Oder denen ihre Verantwortung nicht bewusst ist.
Mit denen habe auch ich nichts gemein.

Ich bitte, diese Meinung zu respektieren – ebenso, wie ich die Wahlentscheidung jedes einzelnen Waehlers, und zwar unabhaengig vom Gewaehlten, akzeptiere und respektiere. Beiderseitiges Verstaendnis fuer die getroffenen Entscheidungen ist in meinen Augen Teil demokratischen Grundverstaendnisses.

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