Parteimanifest Nachlese – und ein paar verdeutlichende Worte

„Kompromisse“ ist das Buzzword der Politik dieser Tage.
Die Welt wird dank Internet, Mobile-Apps, Pushmail, social networking und Leaks in Benutzerdateidatenbanken alteingesessener, als vertrauenswuerdig geltender Firmen immer kleiner, waechst zusammen. Ploetzlich muss man nicht mehr nur einem „grossen Kern“ gefallen, wenn man sich als Volkspartei aufstellt – man muss ploetzlich allen irgendwie ein bisschen gefallen, weil niemand mehr nur den Parolen der Eltern oder des ersten politischen Gesinnungskreises nachquatscht.
Erstwaehler werden gekoedert indem sie geduzt werden, ihnen wird erklaert, dass ihre Themen genauso wichtig genommen werden wie die der Parteimitglieder seit „kurz nachm Kriech“.Firmen geraten mehr und mehr ins Fadenkreuz des Unmuts der deutschen, Banker sowieso, Manager, aber auch hochdekorierte Politiker. „Zukunftschancen“ werden als Errungenschaft genannt, wo sie selbstverstaendlich sind. Den jungen Nachrueckern dieses Landes wird verkauft, dass die Welt nicht mehr die selbe ist, wie noch vor 100 Jahren. Der Vergleich ist ganz sicher sogar richtig – wie irrelevant. Die jungen interessiert nicht, wie es gelaufen waere, waeren sie 100 Jahre zuvor geboren. Sie mit einer demographisch und technisch komplett veraenderten Generation aus dem letzten Jahrtausend zu vergleichen ist so unfair und unangebracht.

Die NEON-Generation wird mit Oekothemen gekoedert, mit Kinderbetreuung und Karrierechancen fuer Frauen. Eigentlich werden nur die alten nicht mehr angesprochen – ihnen wird unter vorgehaltener Hand aber klar gemacht, alles bliebe wie bisher und sie braeuchten sich um ihre Pfruende ebensowenig zu sorgen wie um ihre Reputation.

Hernach gehen die Parteien hin und stellen alles, was sie anbieten, als „Kompromiss“ dar. Selten wird gesagt, wer die einzelnen Standpunkte eines Kompromisses vertritt, noch seltener wird aufgeschluesselt, wieso es notwendig sein soll, alle Meinungen gelten zu lassen (Stichworte Subventionen & Lobbyarbeit). Es wird einfach eine irgendwie geartete Loesung hingestellt, deren Ergebnisse niemandem so recht gefallen noch einleuchten – waehrend im Hintergrund weiter fleissig Gelder fuer ueberholte Wirtschaftszweige fliessen und Dinge aus nostalgischen oder historischen Gruenden mitfinanziert werden, deren Haltbarkeitsdatum laengst ueberschritten ist.Wichtig ist nur, dass das das Wort „Kompromiss“ laut und deutlich ausgesprochen wird, damit jeder annimmt, seine persoenliche Ansicht wurde dank geeigneter – manchmal gewaehlter, manchmal nur ernannter – Volksvertreterstimme auch in Betracht gezogen.

OK glaubt, dass „Kompromiss“ schon von Anbeginn einer Debatte das falsche Wort ist, insbesondere fuer eine Generation von deutschen, denen der Zugang zu Information so einfach wie nie zuvor war – und die _TROTZDEM_ als politikverdrossen gilt.
OK glaubt, dass „Konsens“ das richtige Wort ist.
OK glaubt, dass „mehrheitsfaehig“ durchaus eine Option ist, wenngleich die Politik versucht, dass zu bestreiten, wo sie nur kann.
OK glaubt, dass Politik im 21. Jahrhundert zu einer immerwaehrenden Werbeveranstaltung f. Lobbyisten und grauen Eminenzen geworden ist.
OK glaubt aber nicht, dass damit die beste Politik fuer dieses Land erreicht wird.
OK wird sein Spektrum an Themen, zu denen es ohne Ausnahme steht, kontinuierlich ausweiten – und wir sind uns sicher, dass wir damit konsensfaehig sein. Selbst wenn wir kompromisslos sind.

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