“Das ist kein Problem der Kirche…”

… – ja natuerlich ist es das nicht. Misshandlung von Schutzbefohlenen ist ein gesellschaftliches Problem – mit profanen Ursachen, simplen Beweggruenden und recht eindeutigem Schema.
Eines der meisstgenannten Zitate in den letzten Wochen und Monaten, in denen mehr und mehr und mehr und mehr Faelle von Missbrauch in kirchlich betreuten Schulen, Internaten, Haeusern und weiss-der-Geier-wo-noch bekannt wurden ist: “Missbrauch ist kein kirchliches Problem. Es ist ein gesellschaftliches Problem”.

Liebe Kirchenheuchler: Natuerlich ist das so. So wie die Kirche selbst ein mentales Problem ist – kein gesellschaftliches.
Der wesentliche Unterschied in der Logik besteht darin: Die Gesellschaft ist, was die Gesellschaft nunmal ist. Sie ist moralisch nicht intakt, beherbergt als Quersumme zwangslaeufig alle kaputten Kinderschaender, Moerder, Vergewaltiger und was sich da noch einreihen moechte.
Die Gesellschaft meint ihr doch gar nicht. Was ihr meint, womit ihr die Verantwortung abzuwiegeln versucht, ist folgendes: Die Kirche hat hier einen Status erreicht, der sich in Aussmass und Niedertracht noch unter der Durchschnittsgesellschaft befindet. Und um das einigermassen zu polieren und den verursachten Schaden unmittelbar einzugrenzen setzt ihr euch gleich mit einem Konstrukt, dem ihr zu jedem anderen Zeitpunkt moralisch, werteorientiert und vor allem auch kontrollierend eher vorzustehen sucht.

Wirklich toedlich fuer euch wird schlussendlich nichtmal diese Jungsnascherei sein – das ist naemlich in der Tat ein rein gesellschaftliches Problem, dem auch ihr euch irgendwann sowieso haetten stellen muessen. Wirklich schaden wird euch – hoffentlich jedenfalls – eben genau diese moralische Isolation und das vielbeschworene Alleinstellungsmerkmal “Unantastbarkeit”.

Die Kirche (im Allgemeinen) betrachtet sich ja gerne losgeloest von eben jener Gesellschaft, die sie nun in ihre schmutzigen Faenge zu ziehen versucht. Sie gefaellt sich in der Rolle der statischen Dekadenz und herrschaftlichen Ueberordnung. Dass sie nun ausgerechnet jetzt, wo sie eben diese gewollte Vormachtstellung den Kopf zu kosten droht, so argumentiert, als waere sie schlussendlich doch nur ein Raedchen im grossen Kosmos – ist bezeichnend und vor allem durchaus amuesant.
Das strampeln um rueckwirkende Integration in eine Welt, die die Kirche noch vor wenigen Monaten lediglich als Spielplatz fuer die Manipulationsoptionen ihrer Topmanagergeistigen Fuehrer betrachtet hat gleicht dem verzweifelten Versuch eines Hundes, seinen eigenen Schwanz zu fangen. Die Unbeholfenheit der Redeschwinger ist dabei gleichfalls diesem Prozess angemessen – unreflektiert und unmotiviert schicken sie die immer neuen Parolen ueber die Kommunikationskanaele: Nicht die Kirche habe ein Problem mit Misshandlung von Schutzbefohlenen – die Gesellschaft hat das Problem.

Klar, das stimmt natuerlich – nur behauptet die Gesellschaft von sich auch nicht, ueber eben jenen irdischen Geluesten zu stehen und den normalen, menschlichen Sehnsuechten, Wuenschen und emotionalen Bindungen unterworfen zu sein.
Genau dieser Unterschied macht es so schwer, euch Glauben zu schenken, oder gar Vertrauen.
Ihr beansprucht eine moralische Immunitaet fuer euch die seinesgleichen sucht – wenn’s dann aber darum geht, Probleme aufzuarbeiten und gleichsam die Fehlbarkeit der Kirche objektiv zu beleuchten – um kuenftige Verbrechen dieser Art zu verhindern, aber natuerlich auch zur Aufarbeitung vergangener – da kneift ihr dann und verweist auf die Gesellschaft.

Ein heuchlerisches, verantwortungsloses Pack seid ihr.
Klar ist die Gesellschaft als solche nicht perfekt – aber ihr seid noch elender – ihr suggeriert Perfektionismus und zeigt auf andere, wenn man euch an den Kragen kann. Stolze Leistung…

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