Alle 7 Jahre…

Alle sieben Jahre veraendert der Mensch sein Leben. Ist das wirklich so?

Ich blicke in letzter Zeit oft und neugierig auf die letzten zehn Jahre meines Lebens und analysiere, reflektiere, vergleiche und kommentiere. Ich bin noch nicht sehr gut darin, mich selbst um eine zweite Meinung zu bitten, grade dann nicht, wenn ich bisweilen voreilig und unueberlegt Entscheidungen faelle, deren Tragweite sich nicht unmittelbar erahnen laesst.

Immerhin, ich hab’s erkannt und arbeite daran.

Vor einigen Tagen war ich in der Berliner Urania, eine Freundin hatte zu einem Vortrag eingeladen – Thema war ihr persoenlicher Mount Everest: die Begehung eines Jakobswegs. Im Anschluss daran unterhielt ich mich eine Weile mit einer weiteren Freundin, deren Leben – ganz der von Neon oft beklagten Praktikumsgeneration entsprechend – in ganz aehnlichen 2-Jahres-Befristungs-Haeppchen verlaeuft wie meins. In diesem Moment wurde mir ein neuer Blickwinkel zuteil, der meinem Streben nach Glueck ein weiteres kleines Mosaik beimengt: In der Art und Weise, wie ich mein Leben lebe, komme ich doch keinen Schritt voran. Ich pflege einen finanziell nicht eben sparsamen Lebensstil und bezahle den mit Einstiegsgehaeltern – da man in diesen Tagen keine Anstellung auf Zeit erhaelt – jedenfalls ich tue das nicht und ich beobachte es bei vielen Freunden. So beginne ich jeden Job bei Null. Klar, es mehren sich Erfahrung, Qualifikation, vermeintlich relevante Weiterbildungsscheine. Inzwischen kam ja auch ein Ausbilderschein dazu. Ich habe durchaus sehr interessante Projekte inszeniert und umgesetzt, die aber halt allesamt komplett auf den zugehoerigen Kunden ausgerichtet waren. Neue Arbeitgeber interessieren sich nur selten fuer individuelle Konzepte anderer. So argumentieren sie dann auch. Toll, dass ich eine Exchange 2010-Umgebung etablieren kann. Irrelevant, dass ich dafuer Squirrelmail, Communigate abschalten muss, moeglichst silent, damit nur ja kein Kunde den Umzug bemerkt. Dass ich aus einer verkorksten DNS-Welt heraus agiere. Mit AD-Altlasten aus einer MSX-2003-Welt kollidiere. Mir arrogante Arschkriecher und Speichellecker Steine in den Weg werfen und aus einer Position der Goennerhaftigkeit seitens der in dieser Welt so gewollten und historisch gewachsenen Hierarchie agieren koennen. Irrelevant, dass ich ueberdies selbst innerhalb meines Teams, meiner Abteilung keine uneingeschraenkte Rueckendeckung geniesse – weil es in dieser kleinen Welt allgemein ueblich ist, jedem Konzept das maximale Misstrauen entgegenzubringen, sofern auch nur der Hauch einer Moeglichkeit besteht, dass bisher bekannte Arbeitsweisen und die guten “das haben wir schon immer so gemacht”-Milestones mit ueber Bord gehen.
All das spielt nur insofern eine Rolle, als dass sie meine so hochgelobten und in der Arbeitswelt so vielbeschworenen und so gerne gesehenen Softskills foerdern. Es aergert mich kollossal, dass meine Soziophobie mehr wiegen soll als meine Fachkenntnis. Das ich lieber nett und hoeflich als kompetent sein soll. Dass es wichtiger ist, puenktlich am Arbeitsplatz zu sitzen statt meinen Job gut zu machen. Wenn ich das, was allgemein als “Flurfunk” bekannt ist so hoere, bekomme ich das kalte Grausen. Da werden Nichtigkeiten ueber Kollegen besprochen, die mich nichtmal bei Menschen interessieren wuerden, fuer die ich mich persoenlich interessiere. Ich moechte nicht wissen, welche Art von Geruechten ueber mich kursieren…
Anyway. Da stehe ich also erneut vor dem Routineproblem, dass mein befristeter Vertrag auslaeuft und ich demnaechst wieder bei Null anfange. Und ich erkenne, dass, wenn ich auf diese Weise weitermache, ich irgendwnan vor ganz neuen Herausforderungen stehen werde – zwangslaeufig. Denn auch wenn ich das nicht wahrhaben will und mich mit fadenscheinigen und wilden Ideen um Soziologie- und Psychologiestudien beschaeftige: Irgendwann werde ich in Bewerbungsgespraechen nicht mehr den frischen, elangeladenen und ausgeruhten Eindruck machen, den ich bisweilen heute mache. Irgendwann wird man sich fragen, ob der Kreth nicht vielleicht doch schon ein wenig zu alt ist fuer den Job – zumal sein Vorgesetzter, der Sohn vom Chef, ganze fuenfzehn Jahre juenger ist.

Das’ doch Scheisse alles. Warum nur habe ich mich fuer dieses konventionelle Leben entschieden, in dem alles den selben, unveraenderlichen Wertvorstellungen zu folgen scheint, denen ich so ueberhaupt gar nicht zu genuegen scheine. Es ist zum Verruecktwerden.

Ich danke euch, meine lieben und geschaetzen Freunde, die ihr das hier wohl ueberwiegend niemals lesen werdet: Ihr seid immerhin die Sorte Inspiration fuer mich, die ich so sehr an mir selbst vermisse.

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