Die Unvollkommenheit der anderen

Douglas Adams popularisierte einst den Begriff “Problem anderer Leute(-Feld)” (frei uebersetzt von “Somebody Else’s Problem”) und definierte damit etwas, was fuer ‘den Menschen’ nicht sichtbar ist, da er es nicht sehen moechte, erklaeren kann oder erwartet hatte zu sehen. Im Anhalter ist es damit eine kostenguenstige Alternative zur herkoemlichen Unsichtbarkeitsfeldern.

Diesen Feldern recht aehnlich ist mir am Wochenende eine Entdeckung zuteil geworden, die ich euch nicht vorenthalten moechte. Es ist das “Unvollkommenheit anderer Leute”-Symptom.

Ich neige ja dazu, meiner eigenen Unvollkommenheit ein Mass an Beachtung und Wert beizumessen, dass (nach meinem Verstaendnis) sicherlich auf den ersten Blick okay scheint, auf den zweiten aber womoeglich doch unangemessen hoch ist. Ich bin kein Masochist, bin nichtmal ernstzunehmend ein Pessimist. Insofern ich das fuer mich so definiere ist eine Reflektion der eigenen Unvollkommenheit natuerlich schon generell schwer machbar – schliesslich gehe ich, narzisstisch und egozentrisch wie ich nunmal bin, davon aus, dass meine Unvollkommenheit einmalig und grandios ist. Da ich, widerum narzisstisch und egozentrisch, quasi empathiebefreit diejenige Unvollkommenheit Anderer in einer Weise wahrnehme, dass Nuancen und Subinformationen kaum bis gar nicht vorhanden sind, faellt es mir entsprechend schwer, nicht gesagtes ueberhaupt nur zu erkennen – Dinge zwischen Zeilen und unter Wahrnehmungsschwellen zu deuten.
Dieser Umstand fuehrt automatisch dazu, dass ich in der Annahme feststecke, andere Menschen um mich herum waeren vollkommener als ich. Ihnen unterliefen weniger Irrtuemer. Weniger Fehler. Grundsaetzlich unterstelle ich das fehlen fast aller menschlicher Schwaechen, die ich mir selbst zuschreibe. Lediglich ‘epic fails’ fallen mir auf – wenn anderen schon laengst klar ist, dass das irgendwann so kommen wuerde, bin ich ueberrascht und irritiert ob des aufgetretenen Verhaltens & Passierens.
Das ist den meissten ganz recht, einigen kommt es entgegen und recht wenigen geraet es zum Nachteil. Mir selbst beweist es allzuoft nur das konstante Fehlen von empathischen Skills – ein krasser Mangel an Schluesselkompetenz in der Welt des 21sten Jahrhunderts…

Wie auch immer. Am letzten Wochenende jedenfalls “entdeckte” ich wieder ein solches Aufblitzen fehlender Vollkommenheit. Ein Umstand, der mir die zugehoerigen Menschen logischerweise ein Stueckchen vertrauter gemacht hat. Aber auch fremder. Und nicht zuletzt sympathischer.
Und die Erinnerung daran verschafft mir ueberdies das gute Gefuehl, doch nicht so krass viel unvollkommener zu sein, als all die Menschen um mich herum.

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