Damit rechnen wir nicht (1&1 I)

1&1, Servicesumpf, Technikwueste und Dauergast bei Heise in der Rubrik “Vorsicht, Kunde” wirbt zuletzt mit ihrem Kundenbetreuer Marcel D’Avis und dessen harter Hand in der offenbar angeschlagenen Kundenbetreuung vom Internetserviceprovider. Das begann relativ schonungslos mit der Offenbarung, man haette in der Vergangenheit einiges falsch gemacht und werde das nun aendern.

Dieser verbale Strip muss so grandios eingeschlagen haben, dass die sich vor neuen Vertraegen nicht mehr retten koennen, anders kann ich mir den neuen Spot von denen einfach nicht erklaeren.

Der Kerl aus den Spots stellt sich galant auf ne Treppe und wedelt mit einem angeblichen Haufen ausgedruckter Mails von Kunden. Er kommentiert das mit folgendem – und ich muss euch bitten, aufmerksam zu lesen, was bei den Aufnahmen und im TV nur allzuoft ueberhoert zu werden scheint:

“Hallo. Das sind die Mails, die mein Team und ich täglich bekommen. Mit guten Ideen, Wuenschen und Erwartungen. Aber niemand erwartet das, was ich Ihnen jetzt zeige…”

Im Anschluss driften die Mails in ihr vermutlich alltaegliches Schicksal (aus dem Blick…) und er wedelt mit auffaellig zu klobig geratenen “schlauen Polster (hoffentlich knallts da noch namenstechnisch…)” rum und meint, das waer’s, auf was die Welt kuenftig nicht mehr verzichten kann.
Blenden wir aber noch einmal zurueck:

“…taeglich bekommen…” – der gute Mann ist laut Spot der “Leiter Kundenzufriedenheit”. Das ist im besten Fall wohl leicht geschoent – ich bekomme mehr Kundenmails, und verzapf weniger Unsinn als die Leute bei 1&1 o_0

”…Ideen, Wuenschen und Erwartungen…” – Ja doch, die Erfahrung habe zuletzt ich bei Versatel und in noch juengerer Vergangenheit ein Arbeitskollege bei Vodafone gemacht: Wer vom First Level verscheissert wird, wird selbst auf Nachfrage und unter Androhung von physischer Gewalt nicht mehr zum Vorgesetzten durchgestellt. Ich muss mir unbedingt das naechste mal die Namen der Leute aufschreiben, mit denen ich’s zu tun hatte – dann kann ich die wenigstens guten Gewissens als Begruendung auf meine Kuendigung schreiben. Anyway. So landen also auch bei 1&1 nur halbwegs zufriedene Kunden in der Kundenbetreuung die ins Fernsehen darf – eben jene, die im Grunde alles toll finden und darueber hinaus den netten Leuten von 1&1 auch noch das Denken abnehmen moechten und die Optimierungen gleich mal selbst einschicken – auf das 1&1 das direkt nach Umsetzung in Vertragserhoehungen umsetzen kann o_0

Wirklich grandios ist aber das folgende:
”…aber niemand erwartet das, was ich Ihnen jetzt zeige…”. gemeint war das sicher knuffig und man wollte alte Damenherzen gewinnen – hoeren kann ich folgendes:

1. “mein Gott – kein Kunde eines ISP hat an die Kundenbetreuung des ISP jemals den Wunsch gerichtet, einen Klon eines unnuetzen Proll-Gadgets eines vollkommen abgehobenen Obsthaendlers auf den Markt zu werfen. Schwache Leistung liebe Kunden von 1&1”

2. “All die Ideen, Wuensche und Erwartungen die Sie mir unnoetigerweise laufend mailen muessen leider unbedient bleiben. Wir haben stattdessen all unsern Hirnschmalz investiert, die Optik eines Snobspielzeugs nachzuempfinden und ein zerbrechliches Ein-Seiten-Buch herzustellen. Alle unsere chinesischen 1€/Tag-Arbeiter muessen derzeit Hochglanztouchpads zusammenfalten – wir haben zur Finanzierung auf grade einmal 50% aller Stromphasen in den Rechenzentren verzichten muessen – die Ausfallzeiten beim Kerngeschaeft werden sich also grade einmal verdoppeln. Aber keine Sorge – das bekommen mein Team und ich eh nie zu hoeren, dafuer gibt’s ja den First Level – also werde ich Ihnen hier im Fernsehen auch nie davon vorjammern.”

Um das abzurunden ergibt sich fuer mein Verstaendnis leider ueberhaupt gar kein Zusammenhang aus den Mails der Kunden (0:00 bis 0:07) und einem bestenfalls als Schwanzverlaengerung und anschliessend als Untersetzer fuer den Fussballabend mit den Kumpels nuetzlichen Angebergadgets. Ich verstehe grundsaetzlich durchaus, dass 1&1 sein Portfolio erweitert, ich verstehe sogar, dass sie das mit dem einigermassen sympathischen und einigermassen populaeren Gesicht aus der “Asche-auf-unser-Haupt”-Kampagne machen – aber wieso beginnt die Werbung mit Kundenmails? Zum Wiedererkennen? “Ach, das is doch der, der…der Dings, der da schon vor einiger Zeit…” – ja, bis man hier is, sind die 7 Sekunden um, und der glaenzende Taschenrechnerersatz rollt ins Bild. Koennte sich ein Fuchs in der Werbeagentur durchaus so ausgedacht haben. Aber is dennoch sinnlos bis grenzwertig schwachsinnig. Zumal das Geraet technisch ein Krueppel ist, wie im Internet mit minimalster Recherche muehelos nachzulesen ist. Vom tatsaelichen Nutzen ganz zu schweigen – aber die Frage stellt sich ja nicht, Tablet-PC braucht man jetzt und gut ist…

Ach und ihr Mitlesenden Wissenden: Mein Tablet ist nebenbei noch ’n voll funktionstuechtiger PC und aelter als dieser Hype – der faellt nich in die Kategorie “beautiful & useless” ;P

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Ein Kommentar zu “Damit rechnen wir nicht (1&1 I)

  1. […] D’avis ist wieder in der Flimmerkiste. Soooooper. Also erstma […]

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