Das Prinzip Hoffnungslosigkeit

Erst kuerzlich unterhielt ich mich – mal wieder – zum Thema ‘Kinder in diese Welt setzen’. Meine Argumente zum Thema sind hinlaenglich bekannt (ein bunter Strauss Gruende, bestehend aus einem ordentlichen Schub “Klimawandel”, reichlich “Existensaengste” und eine Handvoll “Egoismus” mit punktuell gesetzten “wahnsinnige Welt”-Faehnchen), und ich will euch damit nicht langweilen, wenngleich es mir stets Spass macht, sie vorzubringen – die Fassungslosigkeit meiner Gespraechspartner, wenn ich mein Plaedoyer abgeschlossen habe, ist stets Gold wert.
Nicht lange nach diesem Gespraech sah ich wieder dieses Phaenomen, dass mich immer wieder auf’s Neue in all diesen Argumenten bestaetigt: Ein Porsche, der auf den Parkplatz eines Discounters rollt.
Das ist, je laenger ich darueber nachdenke umso deutlicher, jenes Killerargument, dass selbst dann noch gegen Vermehrung spricht, wenn man mir alle anderen Argumente mit massig Alkohol und stundenlangem zutexten aus dem Kopf gekloeppelt hat.

Wenn ich also bereit bin, den Klimawandel als “handhabbar”, meine Existenzaengste als “exklusives Luxusproblem”, die wahnsinnige Welt als “ganz weit weg” zu akzeptieren – bleibt dieser eine Punkt, der mir schlussendlich so oder so das Ende der Debatte und einen ‘Sieg’ mit wehenden Fahnen einspielt:
Auf gar keinen Fall moechte ich die volle, einzige und umfassende Verantwortung fuer Leben uebernehmen, die in einer Welt aufwachsen, in der Besitzer von 150.000,00 €-Autos in Geschaeften einkaufen, in denen Mitarbeiter teilweise 3,20€ (zuletzt bei kik so prozessiert) pro Stunde verdienen. Auf keinen Fall moechte ich der Gattung Mensch die Fortpflanzung unterstuetzen und weitere Existenz vorantreiben – meiner bescheidenen Meinung nach verdient diese Art Tier nicht den Platz in der Hierarchie der Tiere dieser Welt, den es einnimmt. Es mag ihn sich durch Staerke, Intelligenz und vor allem rasanter Evolution verdient angeeignet haben – aber moralisch und ethisch gehoert diese Gattung eher in die Sonne als auf die Erde.

Jaja schon klar – wer bis hierher gelesen hat wird mich nun fuer kleingeistig und neidisch halten. Vor allem aber wird er oder sie (insofern er oder sie anderer Meinung ist…) das Argument zu torpedieren trachten, indem es die geringe Auswirkung sowohl des Einkaufenden Geltungsbeduerftigen als auch mir extrovertiertem und mitteillungslastigem unterzujubeln versucht.

Natuerlich nervt mich nicht die simple Tatsache, dass ein gut situierter Mensch im Discounter einkauft – diese Situation zeigt aber auf einen Platz im Gewissen und im Gefuehlsspektrum der Menschen, der offenbart, dass dieser Erde gut gedient waere, wuerde der Mensch sich aus dem Genpool schlagartig und restlos entfernen. Nicht Hass, Niedertracht und Neid sind es, was die Menschen so klein macht – es ist der unbedingte Wunsch, sich auf Kosten anderer einen irgendwie gearteten, besseren Standpunkt zu verschaffen.
Meine Sicht auf diese Welt praedestiniert mich sicherlich nicht, hierueber objektiv zu urteilen. Daher ich bitte meine geneigte Leserschaft doch wenigstens darum: Macht euch mal selbst ein Bild. Beobachtet die Menschen und seht sie nicht nur an. Begreift die alltaeglichen Schlagzeilen, statt sie nur zu ueberfliegen und euch anschliessend weniger deprimierendem zuzuwenden. Seht den Menschen in die Seele, statt durch sie hindurch.
In regelmaessigen Abstaenden rastet ein Mensch an irgendeinem Ort der Welt aus. Je nach erblich bedingter Intelligenz, Empathie und den verfuegbaren Mitteln, kombiniert mit verfuegbarer Geduld kommen dann Menschen zu schaden– mal mehr, mal weniger. Oder Tiere. Oder die Erde wird ein weiteres Stueckchen geschaendet. Dieser niedere Ort in den Mensche ist es, den fortzupflanzen ich mich weigere. Alles an einem Menschen mag diesem Ort nicht entsprechen – und doch ist er da. Schlummert und wartet auf den grossen Tag.
Nein, es erscheint mir folgerichtig und ich betrachte es als Dienst an dieser Welt, dass die Menschheit sich mittelfristig von dieser Ebene der Existenz verabschiedet. Nicht zuletzt wegen fehlender Mittel, Motivation und Kraft ist dies mein einziger Beitrag dazu – aber auch und allem voran die Tatsache, dass ich um diesen Ort auch in mir weiss. Doch im krassen Gegensatz zu so reichlich vielen meiner Mitmenschen muendet dieses Wissen bei mir in die einzig folgerichtige Entscheidung – mir soll niemand folgen.

Wer weiss, vielleicht irre ich ja auch. Dann wird’s auch nicht schaden, wenn mein misanthropisches Genmaterial mit mir untergeht – moege mir eine bessere Welt folgen – auf die eine oder andere Weise.

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2 Kommentare zu “Das Prinzip Hoffnungslosigkeit

  1. Skaar himself 27. August 2010 um 21:21

    ich bin erstaunt dass du noch worte wie „intelligenz“ und „rasante evolution“ in einen sinnvollen kontext mit dem begriff „menschheit“ bringen kannst ^^

  2. sph1nxxx 31. August 2010 um 19:49

    Der Grad meiner Verachtung wird nur noch getoppt von dem meiner Objektivitaet.

    Ach ja – und mein Narzissmus von der Ahnung, der Mittelpunkt der Welt zu sein :oD

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