Kabel Deutschland und die Folgen – Odyssee in drei Teilen (KD I)

Als ich vor bald drei Jahren meinen protzigen LCD kaufte, ergab sich nahezu unmittelbar die Frage, ob denn ein digitales Signal den Genuss nicht noch wuerde ‚upgraden‘ koennen.
In der Folge bestellte ich bei Kabel Deutschland „Kabel Digital“. Ein fataler Fehler, wie sich heute zeigt.

Mit dem Umzug in die neue Bude Anfang 2010 kann Kabel Deutschland seinen Vertrag nicht mehr erfuellen – schlicht, weil sie nicht liefern. Schaut man sich das auf der Website an, ist deutlich zu erkennen, dass dieser Standort hier einfach nicht beliefert wird.
Das ist bedauerlich aber fuer sich genommen erstmal kein Weltuntergang.
Was mache ich als bisher leidenschaftsloser, aber vor allem ungenervter Kunde? Ich kuendige mit Verweis auf fehlendes Signal am neuen Standort. Ich (Idiot) bitte sogar noch um eine Information, sobald am neuen Standort geliefert werden koenne, damit ich auch dort Kabel Digital bestellen kann. Nachvollziehbarerweise moechte ich aber fuer den Zwischenzeitraum, in dem nunmal nicht geliefert wird, nicht unbedingt bezahlen.

Die Eckdaten sind schnell umrissen:
monatliche 2,90€, bezahlt wird im Lastschriftverfahren (d.h., Kabel Deutschland zieht von meinem Konto ein).
Laut Website sowie gemaess mir vorliegender Vertragsdaten gibt’s fuer den Vertrag keine Laufzeit – infolgedessen auch keine Kuendigungsfristen oder dgl.

Ich werfe meine erste Kuendigung ohne Einschreiben ein, nehme behaemmerterweise an, mein freundlicher Hinweis auf fehlende Standortunterstuetzung in Verbindung mit Bitte um Information bei Aenderung dieses Umstands genuegt, um meine Kundenkartei auf Wiedervorlage zu legen und die Option, spaeter erneut in einen Vertrag zu gelangen ist Ansporn genug, die Kuendigung anzuerkennen – zumal sie ja ausschliesslich wegen (kuenftig) ausbleibender Vertragserfuellung erfolgt.
Natuerlich bitte ich, auch wenn eine Kuendigung als einseitige Willenserklaerung keiner Antwort bedarf, um eine schriftliche Bestaetigung.
Es kommt keine. Es vergeht eine Woche, zwei Wochen, vier Wochen. Es wird weiter abgebucht. Nach etwa acht Wochen wird’s mir zu bunt, ich schreibe erneut. Weniger freundlich, ohne Bitte um Information bei technischer Aenderung – verzichte ich halt auf digitales Kabelfernsehen, soll mir recht sein. Das Schreiben geht per Einschreiben (mit Rueckschein der auch brav bei mir eingeworfen wird) auf den Weg und enthaelt neben der dringenden Aufforderung, mich kuenftig nicht mehr zu belaestigen auch die erneute bitte, mir das schriftlich zu bestaetigen. Wieder: Eine Kuendigung ist eine einseitige Willenserklaerung, ich erwarte die Bestaetitung nur „pro forma“.
Wieder passiert nichts, acht Wochen spaeter wird weiter fleissig von meinem Konto abgebucht.

Mir platzt der Kragen, ich spamme die Leute mit einer deutlich unfreundlichen E-Mail ueber die Website voll – einfacher Inhalt: Beim naechsten Abbuchungsvorgang buche ich zurueck und streite mich bis auf’s Messer um dieses Recht.
Ploetzlich ist Bewegung in der Sache – ich erhalte eine umgehende Mail mit der Info, dass man mich gehoert hat und mich zum Thema noch postalisch zum Tanz bitten wird.
Soll mir ja recht sein, auf die paar Tage kommt’s da nun auch nicht an.

Eine Woche spaeter habe ich gleich DREI Briefe von Kabel Deutschland in meinem Briefkasten. Ich schnappe mir ein Bierchen und kraul mir den Bauch, mache alle drei auf und lese:
1. Eine Umzugsbestaetigung. Man heisst mich am neuen Wohnort willkommen und wuenscht mir dort alles Gute. Wie nett.
2. Eine Kuendigungsbestaetigung. Die verweist auf einen Mondtermin im Jahr 2011 – mit dem Begleitvermerk, wenn ich beweisen wuerde (mittels Meldebestaetigung bspw), dass ich nun hier wohnte und gleichzeitig Kabel Deutschland nicht in der Lage waere, hierher zu liefern, koenne ich auch umgehend kuendigen. Die Info kommt so ungefaehr 16 Wochen nach meinem Wunschtermin zur Kuendigung und kostet mich die wasweissich 7,50€ fuer Briefmarken, Einschreiben, Briefpapier, Tinte etc – was immerhin der Gegenwert fuer zweieinhalb Monate „Kabel Digital“ ist. Mir schwillt der Hals…
3. und mit Abstand der lustigste Brief: Nun, da ich am neuen Standort sei, fiele auf, dass man meine Bankverbindung gar nicht habe. Ich frage im Freundeskreis rum, ob nur bei mir zufaellig Geld von Kabel Deutschland eingezogen wird oder ob die das erstmal wahllos ueberall machen. Scheint nur bei mir der Fall zu sein. Was lustig ist, wo doch auch nur ich von all den Befragten bei Kabel Deutschland unter Vertrag stehe. Das bringt mich natuerlich zur Erkenntnis, dass meine Bankdaten wohl doch in mehr oder weniger direktem Zusammenhang zu meinem Vertrag stehen.

Ich antworte harsch, schicke eine Kopie meiner Meldebestaetigung mit inkl. Hinweis, man werde mir dann gewiss meine monatlichen Kosten von 2,90 zum Umzugstermin rueckdatiert zurueckueberweisen sowie natuerlich die verauslagten Kosten fuer alle Briefe, Rueckscheineinschreiben etc.
Ich bitte ausserdem um Ermittlung meiner Bankdaten mittels Intranet-Aufruf – da regelmaessig bei mir abgebucht wird, bin ich recht zuversichtlich, man werde irgendwie an die Daten gelangen.Rechtliche Schritte bzgl des Termins im Jahr 2011 behalte ich mir ueberdies ausdruecklich vor und erwaege nun ernsthaft eine Rechtschutzversicherung…

Das ist der Stand der Dinge – und wieder fuehle ich mich von einem Buerokratiekoloss, Gefangen im Koerper eines Servicekrueppels, verscheissert. Ich weiss nicht, ob das nur mir so geht oder ob andere Menschen derartige Schwierigkeiten auch haben. Jedenfalls haeuft es sich bei mir schon auffaellig.

Kabel Deutschland ist jedenfalls gestorben. Die halten mich ernsthaft fuer 2,90€ im Monat hin – wo ich andeute, dass ich geneigt waere, kuenftig wesentlich mehr Geld bei denen zu lassen, zumal ich gerne wieder sowas wie ESPN haette, was man ja nicht ueber beliebige Vertriebskanaele erhaelt in der monopolfixierten Servicewueste Deutschland. Das kann’s eigentlich echt nicht sein.
Schlussendlich kostet mich der Kram wieder endlos Nerven, Kraft und Geduld – und eben all die Kosten, die entstehen, wenn man bei so einem Drecksverein kuendigen moechte.
Naja, ich glaub, ich lerne was draus: „Keep it simple“ ist an Deutschlands Marketingohr noch nicht angekommen – hier muss man offenbar mit maximaler Haerte vorgehen und immer stets mit Anwalt drohen, um in gebotener Kuerze ordentlich bedient zu werden. Drecksphilosophie.

Advertisements

Mit Tag(s) versehen:

4 Kommentare zu “Kabel Deutschland und die Folgen – Odyssee in drei Teilen (KD I)

  1. […] wuenschen Ihnen alles Gute!“… Kabel Deutschland hat geschrieben. Sie wuenschen mir „alles Gute in meinem neuen Zuhause“. Ausserdem […]

  2. …and the winner is… « manticora 25. September 2010 um 10:38

    […] Post von Kabel Deutschland bekommen. Eine Rechnung. Offenbar obligatorische Handhabe nach mehr oder weniger fruchtbaren Verhandlungen aus der Rubrik „KD kann zwar nicht liefern, aber solange das […]

  3. […] ziehe nie wieder um. Is doch lame. Keiner meiner mehr oder weniger langjaehrigen Vertragspartner (Kabel Deutschland, Versatel, Deutsche Post und last but not least mein Ex-Verwalter) bekommt meine Umzuege ordentlich […]

  4. […] Deutschland hat geschrieben (vgl 1, 2 und 3 in chronologischer Reihenfolge). Humorlos, ohne Begleitschreiben, ohne offizielle oder […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: