„Wir wuenschen Ihnen alles Gute!“… (KD II)

Kabel Deutschland hat geschrieben. Sie wuenschen mir „alles Gute in meinem neuen Zuhause“. Ausserdem haben sie schon „alles fuer mich in die Wege geleitet“. Und das geht bei KD so:

09.09.2010 – Kabel Deutschland Kundenserviceabteilung, irgendwo in Erfurt:

gaehnende Leere. Ein Busch wandert ueber den Gang – da ihn niemand bemerkt geht er weinend in den Kopierraum und drueckt wahllos Knoepfe auf den Geraeten.

09.09.2010 – Kabel Deutschland Kundengaengelungsabteilung, irgendwo in Erfurt – eine Etage weiter oben also:

Betriebsamkeit. ‚Mein‘ Kabel Deutschland Service-Team hat mein Schreiben erhalten. Erheiterung in der Fruehstuecksrunde – die „Top 5“ der allmorgendlich einfliegenden Frust-, Terror-, Verzweiflungs- und Hassmails werden unter tosendem Applaus zwischen Kaffee, Gebaeck und der Geburtstagsrunde von Achim, dem Hausmeister, gevotet.
Mein Schreiben
landet auf Platz 3 – ich komme trotz kreativer Phase nicht an der jungen Dame vorbei, die zum achten mal binnen 13 Monaten versucht, den Vertrag ihrer verstorbenen Grossmutter zu kuendigen. Direkt nach dem Ableben verschickte Kabel Deutschland einen opt-out-Vertrag fuer das Mega-Paket. Das Haus der Verstorbenen wurde inzwischen abgerissen, das Dorf in dem sie lebte wegen Bergbauarbeiten um 14 Kilometer nach Westen versetzt und liegt mittlerweile auf franzoesischem Boden – Kabel Deutschland hat hier zwar keine Bauerlaubnis und leistet ergo auch keine Vertragserfuellung – aber zur Kuendigung fehlt aergerlicherweise ein Authentizitaetsnachweis der Verstorbenen – in Form von persoenlicher Anwesenheit.
Das von der Ahnin angebotene Treffen im Krematorium lehnte der Kundenservice von Kabel Deutschland hoeflich, aber bestimmt ab – wegen Pietaetlosigkeit. Die Plakette fuer den genialsten Vertragskniff seit Beginn der KD-Zeitrechnung haengt seither ueber dem Arbeitsplatz von Ulla.
Aber dieses Schreiben landet auch nur auf Rang zwei.
Platz 1 belegt an diesem Morgen eine reichlich aufgeloeste Antwort aus dem Kongo, in das „Wire Germany Africa“ an die, auf einer von Menschenhaendlern zugekauften Adressliste stehenden, im Kongo lebenden Familien, eine umgehende Zahlungsaufforderung geschickt hat – mit der einfachen Begruendung, dass der Kongo zu weit weg sei, als dass „Kabel Deutschland Germany“ zweifelsfrei pruefen koennte, ob nicht vielleicht eine Leitung angezapft wird. Peter, dem dieser geniale Einfall eines morgens beim, wie er selbst sagt, Bierschiss kam,  gilt als heisser Kandidat fuer den „Laissez-faire-Award“ im September.

Mein Schreiben erreicht also das Treppchen und wird von Monika (mit dem wundervoll klingenden Beinamen SechsPeZwoSchraegerKaSechsAcht) in die Kategorie „weinerlich“ einsortiert – der billige Versuch, mit einem drittklassigen Machwerk am Ende vielleicht doch noch einen Monats-Preis – nebst Provision – abzustauben.
Natuerlich entgeht sowohl Monika als auch den andern Fruehstueckspfeifen der subtile Hinweis, dass sie alle Arschgeigen sind. Stattdessen erliegt man der Versuchung, ausgelassen zu feiern, waehrend das Schriftstueck von den neuen Azubis – selbstverstaendlich  im Powerpoint-Format – vorgetragen wird.

Den zwischenzeitlich wegen Patentsverletzung umfunktionierten Textbaustein-Antwort-Generator (kurz: FDDSDA) wirft Moni, wie sie liebevoll von Ihren Kollegen genannt wird, dann direkt selbst an:
„Blablabla – denn diese Produkte koennen wir Ihnen an Ihrer neuen Adresse nicht anbieten“. Ach nee. Monika und das Team „Servicevergewaltigung Dreizehn“ erreichen hier ein Mass an nachweisbarem Verstand, dass so nicht zu erwarten war – zumal nach der vorherigen Vertragsbetreuung meinerseits davon ausgegangen werden musste, dass bei KD nur halbwegs dressierte Affen arbeiten.
Inzwischen haben wir den 13.09.2010 – vor vier Monaten wurde im Buergeramt die Meldebestaetigung unterzeichnet. Dorthin zurueck datiert man nun meine Kuendigung:
„Wie gewuenscht“ (schonmal falsch, aber da auf meine Wunschtermine ja eh nicht eingegangen wird, betrachte ich es einfach als das Limit an Intelligenz bei Mitarbeitern von KD, irgendein wildes Datum zu nehmen und in den Generator zu kippen) „enden [meine] Vertraege ueber das eine wie das andere Paket am 14.05.2010.“
„Ganz wichtig: Unsere Smartcard muss innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsende bei uns eingegangen sein“.

Zur Erinnerung: Heute ist der 18.09.2010, das Schreiben ist vom 13.09.2010, die Kuendigung – und damit das Ende der Vertraege – {ist/war/wird gewesen sein} am 14.05.2010.
Liebe Kundengaengeler bei KD: So sehr ich mir wuenschte, durch die Zeit reisen zu duerfen (zumal es dann einige von euch gewiss nicht geben wuerde…), so unwahrscheinlich ist es jedoch, dass mir das gelingt. Dass ich von euch ueberhaupt keine Smartcard habe und ergo ihr auch keine von mir zurueckerhaltet, kann mich nicht darueber hinwegtroesten, dass ihr von mir verlangt, nachdem ihr zunaechst meine Kuendigung ignoriert habt, sie dann erneut ignoriert habt, eure scheiss Smartcard rueckwaerts durch die Zeit zu schicken.
Haettet ihr Flachzangen meine Kuendigung wie gewuenscht akzeptiert, haette der Termin in der Tat in einer dann entfernten Zukunft stattfinden koennen. So aber nervt ihr mich mit einem Termin zur „rechtzeitigen“ Rueckgabe der Smartcard in „unbeschaedigten, unbeklebtem“ Zustand – und zwar vier Monate in der Vergangenheit.
Ich gebe einen Dreck auf eure Ausreden „Standardschreiben“ oder „auf Textbausteine dressierter Affe“ – Laut Schreiben 35€ berechnen zu wollen, weil IHR es verpasst, auf ordentliche Kuendigungen zu reagieren, um dann, Monate und diverse Hasstiraden spaeter, eine verspaetete Kuendigung ‚anzubieten‘, in der ihr direkt den Zeitraum als unmoeglich definiert, die Karte puenktlich zurueckzuschicken, widerum nur, weil ihr irgendeinen wilden Termin als Stichtag zur Kuendigung rauspickt, der vier Monate in der Vergangenheit liegt – womit automatisch der letzte Termin zur rechtzeitigen Ruecksendung dreieinhalb Monate in der Vergangenheit liegt. Schlussendlich droht ihr dann die Berechnung von 35€ – witzigerweise nicht etwa fuer den Verlust, sondern fuer den Fall, dass ihr keine Ruecksendung verzeichnen koennt. Bei eurem Gebahren, eingehende Post zu behandeln, hat’s garantiert noch niemand geschafft, eine Karte bei euch loszuwerden, sofern er nicht persoenlich vorbeigekommen ist und sie euch auf den Tisch geworfen hat.
Tolles Brot KD – ihr habt echt allem Erlebten in diesem Jahr noch einen draufgesetzt. Ich ziehe meinen Hut vor eurer Merkbefreitheit – und beneide euch um eure Dummheit, mit der es sich sicherlich gut schlafen laesst.
Fernsehen macht halt bloed – offenbar tut’s auch schon der Umstand, bei einem Anbieter von Fernsehdiensten zu arbeiten. Stolze Leistung.

* Nur um sicherzugehen: Namen, Orte, Handlungsstraenge sind frei erfunden und nicht mit lebenden Personen, Orten, Unternehmen, ganz gleich wie realistisch es klingt, verwandt, verschwaegert oder verwurmt.
Mehr davon gibt’s dann, wenn sie die 35€ einziehen ^^

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3 Kommentare zu “„Wir wuenschen Ihnen alles Gute!“… (KD II)

  1. …and the winner is… « manticora 25. September 2010 um 10:38

    […] habe neue Post von Kabel Deutschland bekommen. Eine Rechnung. Offenbar obligatorische Handhabe nach mehr oder weniger fruchtbaren Verhandlungen aus der Rubrik „KD kann zwar nicht liefern, aber […]

  2. […] Deutschland hat geschrieben (vgl 1, 2 und 3 in chronologischer Reihenfolge). Humorlos, ohne Begleitschreiben, ohne offizielle oder […]

  3. 1. Mahnung (KD VII) « manticora 14. November 2010 um 17:52

    […] Anschluss bereits gesperrt sein, wir gar keinen Anschluss bereitstellen oder Sie in einem kleinen zentralafrikanischen Land leben, so drohen wir prophylaktisch mit der Abteilung “Bonecrush”. Wir lassen gar nix auf sich […]

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