Humanized? Oder nicht!

Neulich geriet ich, aufgrund einer etwas unbedacht gewaehlten (und sehr subjektiven) Disqualifizierung der Menschen fuer das Leben auf der Erde im Allgemeinen, in eine lebhafte Diskussion, in deren Fahrtwind ich eine Weile lang reflektierte, wie sehr ich in Polemik abgedriftet bin, als ich der Menschheit die Daseinsberechtigung auf der Erde entzog und dieser Aussage durch die Ankuendigung der Entnahme meiner DNS aus dem Genpool Ausdruck verlieh.

Nun, was soll ich sagen, die Welt ist, wie sie ist, kein guter Ort. Wie auch immer man den definiert, man findet ihn hier nicht. Einige Beispiele der letzten Tage:

  • Menschen werfen sich sehenden Auges aus Hochhaeusern,
  • sprengen sich und andere (oder schlachten auch mal nur andere) aus unterschiedlichsten Ueberzeugungen in die Luft,
  • stellen sich mit ihren Pornoautos asozial in zweite und dritte Reihen (oder gleich auf anderer Leute Parkplatz).
  • Sie marschieren in anderer Leute Hoheitsgebiete (vollkommen wurscht was die dafuer vorgeschobenen Argumente sein moegen – jeder weiss, dass Invasionen immer und zwangslaeufig mit Kollateralschaeden am Volk der Ueberrannten einhergeht – und keineswegs nur der unmittelbare, durch die Invasion blutig herbeigefuehrte Schaden angerichtet wird),

Das sind nur die Themen, die sich grad durch meinen  dynamischen RSS-Feed schlaengeln. Hinzu kommen natuerlich noch Zustaende in Tibet und weiten Teilen Afrikas, Aufstaende in Bolivien und Afrika, Oelsuche im Golf von Mexiko und auch wieder in Afrika, dioxinverseuchtes Essen, mit Blick auf das Superwahljahrden Laenderfinanzausgleich jammernde Landesregierungen, Bankenmanager, die aus Profitgier ganze Laender in die Insolvenz treiben (und ein System, das dies gestattet…), usw usf.

Es gibt sicherlich gute Gruende dafuer, wieso es beispielsweise strafbar ist, im Notfall NICHT erste Hilfe zu leisten. Das belegt doch nur, dass [alle / einige / die meissten / viele] Menschen eher ein Bierchen zischen gehen, als jemandem unter Einsatz von etwas Ekelueberwindung das Leben zu retten. Dass man die Menschen darauf erst aufmerksam machen muss, indem man die Verweigerung ahndet, statt ihnen einfach zu sagen, dass sie selbst bei erfolglosem Leisten erster Hilfe keine Sanktionen zu befuerchten haben, ist ein ganz ordentlicher Indikator dafuer, dass etwas nicht stimmt mit dem Menschen an sich. Ich nehme mich da nicht aus, ganz klar. Ich gebe sogar offen zu, dass ich, wenn’s nicht strafbar waere, jedem Menschen die erste hilfe verweigern wuerde, da ich ernsthaft der Ueberzeugung bin, dass es fuer die Balance dieser Welt besser ist, einen Menschen weniger ertragen zu muessen.
Ich wuerde auch lieber einen Wurf Welpen aus einem brennenden Haus retten, als einen x-beliebigen Menschen. Das darf man nicht, also waere ich im Zweifel wohl genoetigt, entgegen meiner Ueberzeugung den Menschen rauszuziehen – weil der Gesetzgeber mich dazu zwingt. Und damit bin ich beim besten Willen nicht alleine sondern befinde mich in reichlich Gesellschaft.

Ja, ich habe nicht wirklich eine Ahnung davon, wie die Erde funktioniert. Vielleicht ist es wirklich Zufall, dass wir, zumindest soweit wir wissen, die einzige halbwegs intelligente Lebensform im Universum sind. Bei dem, was wir vom Universum wissen, koennte das zwar ein fataler Irrtum sein, aber sei’s drum. Vielleicht ist’s auch wirklich Zufall, dass die Erde vor ein paar Millionen Jahren von einem herumirrenden Steinbrocken derart ruede getroffen wurde, dass die damals dominierenden Lebensformen schlicht weggefegt wurden um denen das Entwickeln zu ermoeglichen, die ihnen nachfolgten. Vielleicht ist es Zufall, dass tolle Entdeckungen des neugierigen menschlichen Geistes oft zwei Seiten einer Medaille offenbaren. Vielleicht tue ich den Menschen unrecht, wenn ich ihnen allen arrogante Eitelkeit unterstelle – gepaart mit egoistischer Skrupellosigkeit. Ein fataler Cocktail, wie uns die Geschichte gelehrt hat. Wir lernen aber nichts daraus. Wir trachten so sehr nach Ruhm, Macht und Reichtum, dass wir blind, taub und stumm ueber kalte Winter, warme Sommer, verseuchtes Essen und Aufstaende am andern Ende der Welt jammern, ohne zu erkennen, dass wir alle unseren Teil dazu beitragen. Oft natuerlich nur winzige Bruchstuecke, die weggeschnippte Kippe, der unbedachte irrationale Steinwurf am 1. Mai, die tolle und billige Reise nach Thailand oder oder oder… Oft beteiligen wir uns auch nur durch einfaches “Unterlassen” – aber die Schuld immer “bei den anderen” zu suchen ist so falsch wie menschlich. Das ist mir allerdings zu billig.

Der Mensch lernt nicht, Verantwortung zu uebernehmen fuer die Konsequenzen seiner Taten – er ueberlaesst es traditionell eher Nachfolgern, Spaeterkommern und Neuankoemmlingen, die Scherben des eigenen Wandelns aufzusammeln.

Es ist wie es ist – ich will die Welt ja auch nicht zu einem besseren Ort machen. Aber in meinem Kopf existiert eine Barriere, die es mir unmoeglich macht, ueber die Unzulaenglichkeit der Menschen, sich in eine Natur einzubinden, die ihm nur geliehen und mit deren Leihgabe die Verantwortung fuer sie einherging, hinwegzusehen. “Nach mir die Sintflut” – meinetwegen. Hauptsache Reset.

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3 Kommentare zu “Humanized? Oder nicht!

  1. Muriel 28. Januar 2011 um 15:38

    Ich sehe deinen Fehler ja eher woanders.
    Aber die Diskussion hatten wir schon.

  2. sph1nxxx 28. Januar 2011 um 18:21

    Joah. Wollte das auch nich neu entfachen. is nur loser Funkenflug :o)

  3. Muriel 28. Januar 2011 um 18:32

    Ich bin bei sowas eigentlich leicht entflammbar, aber heute mal nicht.

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