Hoch hinaus (reloaded)

Kaum ist der aegyptische PharaoPraesident erfolgreich aus dem Land getraellertzwitschert und der zarte Folgeaufstand in Algerien niedergeknueppelt, verschwindet der Glanz der globalenregionalen (thnx @ opalkatze) Revolution dermeiner gebildeten und ideologiebetrunkenen Generation kosmopolitischer Smartphonejuenger – und schaerft stattdessen den Blick fuer den eigenen, verdorbenen Abgrund egomanischer & gesellschaftssuizidaler Bedeutungsschwere.

Ja, Michael Seemann mag durchaus etwas uebertrieben weit ueber dem Erdboden schweben, wenn er mit seiner Vision der ‘Mittelstands-Eliten’ ueber die Distanz der iGen von deren nationalen Wurzeln orakelt, aber so sehr (/sofern) man sich auch der Versuchung zu entziehen versucht, sich nicht selbst zu einer ‘Elite’ zu addieren, kommt man – bei objektiver Ernsthaftigkeit – nicht umhin zu bemerken, dass auch in so platten Selbstueberschaetzungen ein Kernchen Wahrheit liegen moegen.
Klar, es faellt zusehends leichter auf dem Rueckenwind der egozentrischen Ueberschaetzung zu surfen (beispielhaft: 1, 2), eben genau so wie es immer viel leichter ist, die offensichtlichen Schwaechen anderer gegen die eigenen aufzuwiegen.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist es ein fataler Irrglaube, anzunehmen, diese Generation sei ‘wie alle vorherigen’ und das ‘werde sich schon alles relativieren’. Das wird es nicht. Ich wuerde nicht soweit gehen, mich aufgrund des Besitzes eines Smartphones zu einer Elite zu zaehlen, aber ich sehe durchaus auch die Unterschiede zu meinem Umfeld. Und viel amuesanter: Ich sehe reflexartiges Anpassen. Das Ende des 20igsten Jahrhunderts und insbesondere der Start des 21sten Jahrhunderts stehen wie keine andere Epoche der Menschheit fuer rasanten Wandel, unfassbar schnelle Entwicklung, ueberschallartiges an- und abschwellen von Trends und Modeerscheinungen. Diese Geschwindigkeit kann lange nicht jeder gehen – und wo das nicht moeglich ist, wird nach Etablierung von Trends umgehend die Breitentauglichkeit konzipiert und umgesetzt. Klar, auch hier treffen auf einige gute tausende und abertausende schlechter Ideen – der Unterschied ist aber, dass eine Generation von Menschen ueber diese Tauglichkeit entscheidet, die so noch nie in diese Verantwortung genommen wurde – schlicht und einfach, weil sie als erste davon erfaehrt.

Ob sie diejenige ist, die auch am ehesten dazu taugt, Segen von Fluch zu unterscheiden muessen andere entscheiden. Vornehmlich ‘Nachfolger’. Aber das ist an sich auch unerheblich. Es ist der Status quo, der ‘die Welt’ und alle in ihr verfuegbaren Optionen eine anderen Klientel eroeffnet, als dies noch vor 50 Jahren der Fall war.
Davor die Augen zu verschliessen ist toericht und meiner demuetigen Meinung nach fatal. Andererseits obliegt diese Einschaetzung auch nicht nur dieser einen Generation – die Selbstreflektion und die Moeglichkeiten zu deren externer Wahrnehmung alleine genuegen bei weitem nicht, diese Recht exklusiv einzustreichen.

ich jedenfalls bin gespannt, ob und wann meine Nachbarn mich besuchen und mit mir gemeinsam durch die Blogs dieses Landes surfen – so lange kann das ja nicht mehr dauern.

~2ct

 

/Edith spuckte mir grad auf den Teller:
Waehrend ich vorhin so an der Zapfsaeule stand und fuer horrende 1,449€ Super in meinen Tank pladdern lies, schlug mir meine Selbstverliebtheit auf den Kopf und erinnere mich daran, dass ich diese Woche eines nicht tun wollte: Die Augen verschliessen vor Offensichtlichem.
Natuerlich hat Michael Seemann recht. Und wieder nicht. Klar ist er Teil einer elitaeren Bewegung. Das mag letztlich je nach Betrachtungswinkel auch auf Bowler, Kinderriegelkaeufer und Spaziergaenger gelten. Insbesondere aber gilt es fuer Mitlaeufer einer Generation, die zu grossen Teilen nicht zu fassen vermag, welche elementare Rolle sie in der Entwicklung der Spezies Mensch spielt. Das Gejammer in der allmonatlichen NEON ist ja ein recht eindeutiger Hinweis darauf, dass eben noch immer ewig viele aus der Generation glauben, sie koennten’s wie ihre Eltern machen. Nein, koennen sie nicht. Und nein – das macht sie auch zu nix besonderem. Es ist einfach wie die Welt heute funzt. Dazu zaehlt zweifelsohne auch, sich (wenigstens ein Stueck weit) mit den Techniken auseinanderzusetzen, die uns gegeben sind – inklusive aller Verantwortung, die damit einhergeht.

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