Turbulente Wochen… (II)

Mein Seelenfrieden ist in Gefahr. Das ist, ja, erstmal mein Bier. Aber nein, letztlich, dann doch nicht. Nicht nur. Immerhin: Ich spiele Killerspiele. Und ich hoer “SatanMusik”. Glaub ich jedenfalls. Vielleicht nur ne Frage des Standpunkts, wann genau “Musik” endet und “Satan” beginnt o_0. Anyway. Wenn‘ ich also dereinst austicke, dann, so weiss man aus “dem Fernsehn”, dann gibt’s Tote, und zwar nich zu knapp.

Also ist’s ein Stueckweit auch euer Bier. Problem. Ding.

So. Was also nervt mich diese Woche? na is doch klar. An sich. Der Gutti. Der schummelt beim Lernen.
Hm naeh, das is mir an sich egal. Soller doch. Als Minister mag ich ihn eh nicht, dieser neue ‘Skandal’ aendert daran nicht das Geringste. Aber ich hoffe instaendig, dass es in diesem Land der ewigen Stammtischwaehler dazu fuehrt, dass dieses Musterbeispiel einer Ikone fuer all das, was an Problemen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten besteht, niemals, NIEMALS, NIEMALS zum Kanzler gewaehlt wird. Aber wie ich meine 82.000.000 Nachbarn einschaetze, wird er’s doch. Irgendwann. Denn der Gutti, der is doch so sympatisch. Und der sagt immer so toll offene Sachen, der sagt, was andere nur denken. *kotz*
Aber, und das ma ganz unvoreingenommen: Das ist meine erste volle Woche, in der ich Twitter nutze: Es ist ultralustig, wie der da durch den Kakao gezogen wird. Alleine fuer diesen Mehrwert muss es woechentlich nen peinlichen Skandal geben. Die ‘Gemeinde’ ist ausgesprochen kreativ ;)

Es macht mich ausserdem wuetend, dass ich kein Kuenstler bin. Denn alles, was ich gut kann, verachte ich mit jeder Faser meines Seines, und das, was ich glaube, gerne zu machen, vermag ich nicht in Geld umzusetzen.

 

Was mir grad noch einfaellt. Seit ich ‘social media’ pervertiere, ertappe ich mich dabei, mehr Musik denn je zu kaufen. Natuerlich profitieren davon diejenigen, die zwei Kriterien erfuellen:

1. Sie bespassen mich via Social Network (Twitter, Facebook, seltener auch die Websiten der Bands) und
2. – eher zufaellig: sie sind nicht die top-5% der Musikindustrie.

Das ist eure Chance, Ihr Kuenstler, Musiker und kreativen – vermarktet euch selbst. Ihr braucht dieses Agentur-Verwertungsgesellschaft-Produktions-Marketing-Koloss nicht, der sich da gerne zwischenschiebt. Der Verschwendet nur wertvolle Ressourcen zwischen euch und [mir].

 

und noch eine Randnotiz, da ich zuletzt verstaerkt an diese nervige Laermgrenze stosse:

Dieses ewige Gejaule um Contentklau, Ideenklau, geistigen Diebstahl, Tweetklau etc – macht mich kirre.
Die Welt war einfacher zu begreifen, als es sowas wie “digitale Kopien” noch nicht gab. Aber: Die Welt war auch schwerer zu erreichen.
Ganz ehrlich, ich stehe auf einem verlorenen Posten. Alles, wirklich alles, was ich veroeffentliche, unterliegt by-nc – und auch das nur aus Werbegruenden, weil ich das Lizenzmodell von CCC gerne ueberalle verwenden wuerde – also besonders dann, wen ich “recycle”. 
Das beginnt immer im Kleinen. Waehrend der Superheldenwochen bei Facebook hatte ich versuchsweise ein Dutzend Avatare – alles Comichelden aus meiner Kindheit und Jugend. Alle 12 unterlagen irgendwelchen wilden Copyrights. Um es grob zu umreissen, haette ich letztlich keinen der Avatare verwenden duerfen.
Warum? Weil die Bilder irgendwann (sigh!) geschuetzt wurden. Etwas zu “schuetzen” bedeutet im WWW: die Rechte zu kassieren, zu beurteilen, wann und wo und wie oft etwas…ja was…kommuniziert?…vllt… werden darf.
Was soll das? Okay, klammern wir die Trivialitaet dieses speziellen Falles einmal aus. Es ist (zumindest mir) kein Fall einer Belangung fuer die Facebookwochen der Superhelden bekannt. Aber alleine die Tatsache, dass das Damoklesschwert ueber de Aktion hing, ist doch der mindfuck.
Fakt ist: Wer etwas verkaufen moechte, muss es vermarkten. Es genuegt nicht, die Rechte an etwas zu besitzen. Das hat noch nie gereicht.
Merkmal des digitalen Zeitalter ist, dass es einfach ist, etwas zu vermarkten. Theoretisch genuegt es, etwas zu veroeffentlichen und eine irgendwie geartete Diskussion darum loszutreten. Die kann provokant sein, kreativ, amuesant – je nach Zielgruppe halt. Wenn ich das gut beherrsche, werden sich die angedockten Vertriebskanaele automatisch auftun und ich brauche sie nur noch einzusammeln.

Selbstverstaendlich haben mit den Moeglichkeiten auch die Gefahren zugenommen. Wenn ich etwas ganz leicht einstellen kann, kann jemand anderes es aehnlich leicht wieder aushaengen und weiterverarbeiten.
Aber: damit muss man einfach rechnen. Es geschieht eh. Von den Superhelden, die ich zu meinen Avataren machen wollte, gibt’s im Web hunderttausende Bilder. Und das sind nur die, die entsprechende Bildersuchen zutage foerdern. Weitere Millionen und Abermillionen Kopien werden auf privaten Rechnern liegen. Das ist der Lauf der Dinge. Die Leute horten, sichern, legen Links und Kopien an. Und das ist auch gut so. Denn: Es erzeugt breite Debatte, Fanclubs, Sympathie – eben ‘crowd’.

Kreative, die heute von den Vertriebsmoeglichkeiten des Internets profitieren, haben zu akzeptieren, dass es ihre Moeglichkeiten einschraenkt, zu kontrollieren, was damit passiert.

Ja, es ist ist nicht okay, wenn die eigenenen Veroeffentlichungen kopiert werden und dann als Leistung von anderen ausgelegt werden. Aber: Wen juckts.
Wenn jemand hingeht und meine Texte zu seinen erklaert, dann entlarvt ihn spaetestens ein Zusammentreffen zwischen ihm (oder ihr) und mir – denn nur ich schreibe, lebe, sehe aus, bin, wie ich nunmal bin. Und hier endet es auch schon.

Das Internet ist nicht kontrollierbar – und das ist gut so. Die Performance des Webs nutzen, aber die Vertriebswege der analogen Welt beibehalten wollen? Nein. Fail.

Wer meine Tweets recycelt und als die seinen ausgibt, unterstuetzt letztlich meine Meinung. Da ich keine kommerzielle Verwertung anstrebe, ist es mir egal – nein, ich gehe noch weiter: Wer meine Texte 1:1 uebernimmt, den unterstuetze ich sogar noch. Denn: Er vertritt meine Meinung. Der Inhalt meiner Messages erscheint mir wichtiger als der Name, der hinten drunter steht.

Und selbst wenn ich eine kommerzielle Verwertung anstrebte: Dann ist es so. Es ist meine Aufgabe, aus “Informationen” einen Content zu generieren, fuer den andere Menschen bereitwillig Geld bezahlen wuerden. Diese Aufgabe kann ich nicht einfach auslassen und stattdessen drueber jammern, dass die Raubkopierer ja jede Geschaeftsgrundlage vernichtet haetten.

Das Internet ist ein riesiger Marktplatz, und er waechst jede Sekunde weiter. Der Trick ist, diesesn Marktplatz so zu verwenden, dass die angebotenen Melonen die saftigsten sind. Nicht nur, sie als die saftigsten zu beschreiben…

Und um das ein fuer allemal klarzustellen: Jede Verwendung meiner Texte ist verhandelbar. by-nc ist nur ein Feigenblatt, um die ‘Freigabe’ von kommerziellen Artikeln zu erzwingen. Jeder darf zu jedem Zeitpunkt und nach jeweils eigenem Ermessen meine Texte verwenden – egal in welcher Form.

So viel Text, um so wenig Nutzen. *soifz*

Fakt ist: Ich will alles, was im Internet zur Verfuegung steht, auch nutzen. Wenn ihr nicht wollt, dass es digital benutzt wird, veroeffentlicht es nicht. Basta.

Falls es iwer nich bemerkt hat: das ist fast ausschliesslich ein ‘deutsches Problem’. Wer haette das gedacht…

nja. eat this.

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3 Kommentare zu “Turbulente Wochen… (II)

  1. Jutta 19. Februar 2011 um 07:34

    “Falls es iwer nich bemerkt hat: das ist fast ausschliesslich ein ‘deutsches Problem’. Wer haette das gedacht…“

    Ich verweise ja nicht gern auf Wikipedia, aber habe keine Lust, lange suchen, aber schau mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Copyright

    Mit dem Thema Urheberrechtsverletzungen außerhalb Deutschlands habe ich mich noch nicht beschäftigt, aber sogar die 1611 erschienene englische Bibelübersetzung und auch Peter Pan sind immer noch geschützt. Und schau Dir mal die Seite von Astrid Lindgren an, da packt einen ja fast das kalte Grausen „http://www.astridlindgren.se/de/copyright“

  2. sph1nxxx 19. Februar 2011 um 13:17

    Jopp. Der Unterschied geht daraus ja auch hervor. Copyright ist der Schutz kommerzieller Prozesse. Klar hat Disney was dagegen, wenn jemand Tshirts mit grossen Maeusen drauf verkauft und drunter schreibt „Mickey Mouse“, denn den kommerziellen Erfolg dieser, seiner, Marke, will er natuerlich alleine abschoepfen. Es dient bei aller kommerzieller Orientierung aber auch dem Schutz des Konsumenten. Wenn ich ein Getraenk namens „Coca Cola“ kaufe, will ich auch „Coca Cola“ trinken – und nicht etwas, was so klingt, aussieht und heisst – aber letztlich nur gefaerbter Schweine-Urin ist…

    Das deutsche Urheberrecht (+ der ganze Rattenschwanz der dran haengt, sei es der Zitate-Kram, die GEMA-Abgaben auf Kopierer oder das kommende Leistungsschutzrecht) aber geht einen Schritt weiter und stellt pauschal jede Form von „Verwertung“ auf den Schande-Felsen – und das ist es, was mir zu weit geht. Hier wird alles so weit runtergekaut, um Ausnahmen bereichert und kaputtdiskutiert, bis eine Sache in allen Einzelheiten klar, aber eben auch verboten ist. Es bereitet mir entsprechend Sorgen, wenn ich, weil ich 10.000 Worte in einen Blogbeitrag kippe, gefahr laufe, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit darin einen (Neben-)Satz zu verwenden, den vor mir schonmal jemand gesagt hat – und der infolgedessen das ‚Recht‘ haette, mich wahllos zu verklagen…

  3. Skaar 22. Februar 2011 um 17:44

    1. „SatansMusik“…..ich liebe diesen Begriff !!^^

    2. „das internet ist nicht kontrollierbar“ …..seit wann ?

    3. mmhhh…..gefaerbter Schweine-Urin…..

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