Nicht wirklich, oder?

#guttenberg ist in den ‘deutschen Trends’ bei Twitter unangefochten vorne – international blitzte er gestern auch kurz auf.
Aber international weiss man eben, “es gibt wichtigeres” – eben auch wichtigeres als Guttenberg selbst. Guttenberg – Doktor der Herzen – ist (angeblich) ungebrochen beliebt. Bei irgendwem jedenfalls. Geradezu reflexartig entsteht ein Band der Loyalitaet zwischen ‘da unten’ und dem Vorzeigeadeligen der deutschen Politikerfamilie.

Den kometenhaften Aufstieg verdankt der Herr Minister also einem Geflecht aus Luegen und Betruegereien – und natuerlich, nicht zuletzt, dem fatalen Fehler einer sogenannten Universitaet, die einen Titel nicht nur vergibt, nein, auf Anfrage sogar viel frueher zu fuehren erlaubt, der ganz offensichtlich nicht erarbeitet wurde.
Wenn jemand so kackdreist mindestens zwei Drittel seiner Doktorarbeit (sic!) von andern abschreibt (und auf Nachfrage erst abstreitet, dann, nachdem man diese neue Luege auch enttarnt, wenigstens noch abstreitet, es absichtlich gemacht zu haben) kann man wohl guten Gewissens davon ausgehen, dass er zuvor auch nicht viel auf ehrliches Erarbeiten von Inhalten fuer einfach alles gegeben hatte. Oder nachher. Aber davon duerfen wir uns ja jetzt selbst ein Bild machen. Man koennte nun natuerlich noch auf das auffaellige Fehlverhalten Guttenbergs in Zusammenhang mit afghanischen Brief- und Kopfschuss-Affaeren, explodierten Tanklastern und Gorch Focks hinweisen – aber wozu eigentlich? Ganz offenbar ist es administrativ gewollt, dass der geleckte Minister weitermacht. Das sind die Beduerfnisse des Volkes – und nun verwirren ein paar Nerds mit Fakten? Das geht mal gar nicht. Wenn Demokratie so funktionieren wuerde, koennte ja jeder mitmischen. Das aber darf auf keinen Fall passieren. Und aus.

Die gestrige DebatteFarce im Bundestag konnte ich leider nicht sehen, aber @einAugenschmaus war so frei, einen (fairerweise nicht ganz wertfreien) Blick auf die Geschehnisse zu werfen. Nach der Lektuere dieses Logs und den Aussagen der anwesenden Twitterer in meiner Timeline nach zu urteilen war’s auch nicht noetig, es zu sehen – man muss nur den Vorher-Nachher-Effekt mitnehmen. Und der ist einfach: politisch angeknockt aber noch mit beiden Armen am Ruder wankt der Seemann zu Guttenberg ueber’s Deck und ist drauf und dran, dass Schiff in ruhigere Fahrwasser zu bringen, dass er zuvor, genau so souveraen, in den Bundestag gelenkt hatte.

Die Ironie ist seit Beginn der Affaere staendiger, zuverlaessiger & oft stilsicherer Begleiter in den bekannteren “social networks” – schade nur, dass Ironie alleine den Minister nicht zum Ruecktritt bewegen wird.
Vielleicht brauchen wir daher noch mehr Nachdruck.

Ohne jegliche Ambition verweise ich daher mal auf eine Demo am 26.02.2011 am Potsdamer Platz in Berlin. Vielleicht nutzt es ja etwas…:
Mit Facebook & mit Route.

 

Und ja, ich weiss, ich hatte gesagt, dass ich das Thema weniger dramatisch finde. Damals bin ich aber auch von etwas anderen Voraussetzungen ausgegangen. Die aktuelle Entwicklung macht es mir einigermassen schwierig, gelassen ueber vermeintliche Jugendsuenden zu laecheln und im Text weiterzumachen. In anderen Teilen dieser Welt gehen Menschen fuer das Recht auf freie Meinung auf die Strassen und lassen sich von schwerem Kriegsgeraet wegschlachten – und wir hier, in borniertem Wohlstand gefangen, laecheln in Kameras und sagen sinngemaess “Ja, wir finden es gut, dass der kuenftige Fuehrer dieses Landes ein Meister des Luegens, Betruegens, Erfindens und Abwiegelns ist”. Tolles Prinzip.

 

Ach und an die Uni Bayreuth: Ich haette gerne auch sonen Dr. Kann ich den schonmal vorab tragen? Ich fang dann im Jahr 4012 mit studieren an. Mein Ehrenwort drauf!

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Ein Kommentar zu “Nicht wirklich, oder?

  1. feliksdzerzhinsky 24. Februar 2011 um 17:49

    Es ist halt „Der Geist der Böses will und Gutes schafft“:
    Innovation im Bildungswesen: Doktor auf Probe eingeführt!

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