Krieg in Zeiten digitaler Netzwerke

so waechst sie also zusammen, unsere grosse Welt.

Frueher, da war die Information weit weg. Ja, man konnte im Fernsehen und in Zeitungen, aber auch ausfuehrlich in Magazinen und Buechern einen starken Eindruck von der Welt und dem, was ihr zustoesst, gewinnen.

Man konnte ahnen, dass das, was da 10.000 Kilometer entfernt passiert, tatsaechlich real ist. Dass es passiert und Menschen passiert, die unter anderen Umstaenden Deine Bekannten, Freunde, Familien haetten sein koennen.

Man ahnte, dass Menschen in weiten Teilen der Welt an Hunger leiden, an Durst leiden, an Mangel an Medikamenten leiden.

Man ahnt den Schmerz und die Verzweiflung, die einem das Fernsehen in vermeintlich ‘ungeschminkter‘ Wahrheit’ als “Szenen aus dem Krisengebiet” zu erkennen gestatteten.

Man erhaelt eine Ahnung von dem Schmerz und der Verzweiflung, die Menschen uebermannt, die noch die sterblichen Ueberreste ihrer Liebsten in den Armen halten, in die Kamera weinen und anrufen, wen auch immer sie dahinter waehnen.

Ich kann das nicht sehr gut. Den Eindruck gewinne ich jedenfalls in den letzten Tagen und Wochen verstaerkt. Meine empathische Reichweite ist ausgesprochen schlecht ausgepraegt.

Waehrend ich so arbeite, laeuft, natuerlich als reine Projektstudie, Twitter nebenbei, Facebook sowieso.

Meine Neugier treibt mich auch nach #egypt und #libya
Ich wuenschte, ich haette davon die Finger gelassen.
Heute ahne ich, dass die Welt noch wesentlich haesslicher ist, als mir bisher klar war.

Der Krieg – und nichts anderes passiert dort unten, vielleicht nur in kleinen Dosen, aber fragt mal die, die da sind – gewinnt ganz offenbar dann an Format und Substanz, wenn man ihn ungeschoent serviert bekommt.

Ich kann nur ahnen, wie es Menschen dort unten geht, die unter Gefahr fuer das eigene Leben Bilder und Videos aus den Krisengebieten machen, die sie dann in diversen Netzwerken posten und der Welt zugaenglich machen – nicht zuletzt, um die Welt darauf hinweisen, dass es dort unten ganz offenbar an eben einfach allem fehlt – vor allem aber auch an der notwendigen Unterstuetzung gegen den Mord an den Menschen dieser Voelker.

Frueher war ich begeisterter Linkverfolger. Heute habe ich Angst, auf Links zu klicken. Ist selten was gutes drin dieser Tage.

Das gab es vorher nicht zu sehen. Nicht in Nachrichten, nicht in Magazinen. Das ist offenbar das wahre Leben. Grandiose Arbeit, Menschheit.

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2 Kommentare zu “Krieg in Zeiten digitaler Netzwerke

  1. Skaar 1. März 2011 um 17:12

    wieso verurteilst du diese distributions-art der informationen, statt viel mehr die herkunft und ursache der informationen ansich ?

  2. sph1nxxx 3. März 2011 um 17:13

    Das tue ich. Nur nicht so lautstark ;)

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