Quote? Manipulation der Souveraenitaet

Angela Merkel ist Bundeskanzler.
Sie ist, ganz nebenbei, Ehegatte, Stiefmutter, ‘Ossi’, Mensch und, ach ja, Frau. Deswegen ist sie, natuerlich, Bundeskanzlerin. Und Ehegattin. Und Menschin?
Sie ist gewiss nicht, was sich Jugendliche in den Spind haengen und von dem sie nachts erste feuchte Traeume bekommen. Aber sie ist nachweislich eine Frau. Waere Sie ein Mann, waer sie…aeh ja doch. Gewiss auch Bundeskanzler. Vermutlich Ehegatte. Vielleicht Stiefvater. Auf jeden Fall ‘Ossi’. Mensch. Aber ein Mann. Keine Mannin.

Ich hatte in meinem Leben einige Chefs, einige direkte Vorgesetzte, manche Geschaeftsfüehrer in organisierter Ebene so weit von mir weg, dass ich sie, Zeit meiner Arbeitsperiode, nie zu Gesicht bekommen habe. Teamleiter, Gruppenleiter, Ausbildungsleiter. Eine bunte Mischung an hierarchischer Obrigkeit also.
Zurueckblickend waren darunter neben Maennern auch viele Frauen. Sicher, zahlenmaessig nicht so viele wie Maenner. Wenn ich ihre Anzahl schaetzen muesste, wuerde ich sie auf 1/3 beziffern. Das koennte hoch gegriffen sein, was simpel daran liegt, dass mir Frauen klarer in Erinnerung geblieben sind. Nicht immer in guter Erinnerung, muss ich wohl ergaenzen – aber das gilt auch fuer die Maenner. Hier gibt’s eine ausgewogene Quote an Nieten, die sowohl bei Maennern als auch bei Frauen annaehernd gleich hoch ist – gemessen an der absoluten Zahl.
Unter diesen Vorgesetzten war nur ein Mensch, der ein offensichtlichtes Problem mit dem anderen Geschlecht hat – oder es wenigstens als einzige zuzugeben bereit war. Eine junge, dynamische Frau mit Buerstenschnitt liess sich eines Tages waehrend eines Teammeeting auf die Frage hin, ob sie denn Maenner hassen wuerde, entlocken, dass ihr das eine “zu starke Emotion waere – das sind die Maenner nicht wert”.
Weder habe ich die Frage gestellt noch hatte oder habe ich ein Problem mit dieser Frau (im Gegenteil schaetze ich gar ihre professionelle Arbeitsweise) – ich behaupte also, die Situation nach wie vor objektiv beurteilen zu koennen.
Unter Maennern, und ich bin einer, die Moeglichkeit, unter ‘unseresgleichen’ loszulegen bestand also immer, habe ich nicht einen erlebt, der eine derartige Ablehnung propagierte, und auch keinen, der zwischen Saetzen, Worten oder Blicken eine derart offenbare Abwertung von Frauen beschrieb.
Auf der anderen Seite sind die Vorgesetzten, die mir am besten in Erinnerung geblieben sind, durchweg Frauen. Sie beherrschen den Job also grundsaetzlich besser als Maenner – das jedenfalls ist mein Fazit nach 32 Jahren Lebenserfahrung.

Kuerzlich sass ich also in einer zentralen Teekueche meines derzeitigen Arbeitgebers und fand mich, gaenzlich unvorhergesehen und ueberraschend spontan, in einer Diskussion zum Thema “Frauenquote” wieder. Angeregt wurde das ganze durch einen, mehr oder weniger amuesanten, Zwischenfall mit der Gleichstellungsbeauftragten meines derzeitigen Arbeitgebers, den ich wie folgt skizzieren moechte:

Als Ausbildender Fachinformatiker im zweiten Jahr erhalte ich Bewerbungen von 98% jungen Maennern und 2% jungen Frauen. Nicht selten sind pro “Bewerbungsdurchlauf” auch gar keine Frauen dabei (in der IHK Fachkraeftemesse 2010 ergab sich nebenbei bemerkt ein ganz aehnliches Bild, bin gespannt auf 2011 und ebenso auf den von mir betreuten ‘Girls Day 2011’ fuer die Abteilung IT hier im Haus).
Mein Arbeitgeber hat ein Gremium von Gleichstellungsbeauftragten und wir hatten dieses Jahr eine Bewerbung einer jungen Dame. Ihre Noten waren gut und wir Ausbilder waren einer Meinung, wann immer moeglich sollten pro Jahrgang je 50/50 Jungen und Maedchen eingestellt werden – prinzipiell, ohne naehere Argumente. Also wollten wir sie zum Gespraech einladen und haetten sich wohl auch blind eingestellt – selbst bei vergleichsweise geringerer Eignung. Aber dieses Wissen existiert, zugegebenermassen, nur in unseren Koepfen.
Es war dies der erste Fall dieser Art, also informierten wir etwas ratlos ob des normalen Ganges der Dinge die Gleichstellungsbeauftragte, dass dort eine junge Dame waere, die wir gerne zum Gespraech laden wollten, und ob denn die Gleichstellungsbeauftragten Interesse haetten, an den Gespraechen teilzunehmen (an allen wohlbemerkt, also auch denen mit den Maennern) oder es ganz unserer Fachkenntnis ueberlassen wuerde, die am besten geeigneten Kandidaten geschlechtsunabhaengig zu ermitteln.
Als Reaktion ernteten wir ruedes Ueberengagement und Vorwuerfe, wir haetten den Prozess schonmal direkt behindert, weil wir viel frueher haetten mit den Gleichstellungsbeauftragten in Verbindung treten muessen – und im Zweifel koenne eben jenes Gremium eine Einladung zu Vorstellungsgespraechen auch erzwingen. Wann und wie genau wir haetten reagieren muessen, blieb leider unklar.
Wenig spaeter erfahre ich aus einem anderen Winkel des Unternehmens, dort, wo die Bewerbungen unserer kommenden Azubis zunaechst bei Ankunft im Unternehmen landen, dass dort eine Absprache mit der Gleichstellungsbeauftragten bestehe, dass man es bei Bewerbungen fuer Ausbildungsberufe nicht so sehr eng sehen wuerde, wenn man nicht zu den Gespraechen eingeladen wuerde – also existiert auch keine klare Vereinbarung, bei Bewerbungen von Frauen fuer Ausbildungen, die Gleichstellungsbeauftragten zu informieren. Auf Wunsch der Gleichstellungsbeauftragten wohlgemerkt.
Rueckschluss ganz klar: Ja, wenn man in dieses Gremium ein aufmerksames Auge wirft, reagiert es hektisch und eifrig und ist schnell mit Konformitaetserklaerungen am Start – der grundsaetzliche Ablauf aber soll keinesfalls eine zwangslaeufige Beteiligung implizieren – warum das so ist, ueberlasse ich der Kreativitaet meiner Leserschaft – meine Gedanken dazu spielen spielen hier kaum ne Rolle.

Wie auch immer. Zurueck in die Teekueche. Ich spreche in dieser Kueche mit einer Generation von Frauen zwischen 40 und 60. Die Argumente sind schnell ausgetauscht, das mir aufgezeichnete Bild der Frau ist nach wie vor das Bild von Muettern und Hausfrauen. So sehen sich die Frauen und so beschreiben sie sich und ‘die Frauen’ im Allgemeinen auch. Von dieser Position aus konstruieren sie auch ihre Argumente.
Auf die ProFQ-Front schlaegt sich ausserdem der einzige anwesende Mann neben mir, er unterschreibt diese Argumente. Frauen bekaemen durchaus Chancen zur Karriere, nutzen diese aber zoegerlich oder gar nicht. Maenner hingegen sagen erstmal “ja, mach’ ich” und scheitern dann grandios – oder koennen halt wirklich.
Das ist in Quintessenz auch das Hauptargument an diesem Nachmittag. Es ist auch das Hauptargument dass sich, wenn der Rauch mal verzogen ist, zurueckbleibt in der grossen Debatte zum Thema.
Ja, ‘Babypause’, Elternzeit – das sind Karrierekiller. Sind sie aber auch fuer Maenner. Dass angenommen wird, dass automatisch die Frau die Elternzeit in ihre Karriere einbaut (und das dies so ist liegt nahe, weil es als Argument in der Diskussion immer wieder angefuehrt wird) ist ja kein Problem der Maenner – sondern eines der Frauen. Letztlich sucht sich jede Frau ihren Mann aus und jede Frau hat in einer Beziehung die Moeglichkeit, diese Thema auszudiskutieren.
Dass das nicht getan wird sondern erst diskutiert wird, wenn das Baby auf dem Weg oder schon vor Ort ist, ist ja auch wieder nicht die Schuld von Maennern – sondern die von mangelnder Kommunikation in einer Beziehung, zu der man selbstverstaendlich beiden Partnern, gleichgestellt, 50% Schuld geben muss.
Rein biologisch ist der Fortpflanzungsdrang bei Frauen groesser als bei Maennern – und eben auch der Wunsch, sich im Anschluss daran um den Nachwuchs zu kuemmern. Ist ja auch gut so, denn Frauen sind definitiv die besseren Eltern. Aus Sicht der Wirtschaft muss man dann aber fairerweise sagen: Ja, wenn zwei gleichstarke Kandidaten zur Verfuegung stehen, nimmt die Wirtschaft natuerlich die Option, die mehr Stabilitaet im Job gewaehrleistet.
Dass das per geschichtlicher Entwicklung dann der Mann ist, ist ja nur ein Problem in den Koepfen. Wenn man stattdessen offensiv an das Thema ranginge und in Bewerbungsgespraechen direkt beide Kandidaten fragen wuerde, ob Elternzeit geplant ist, und beide antworten “nein”, dann bin ich sicher, sehr sicher sogar, dass eher zu Gunsten der Frau entschieden wuerde – eben weil eine Frau eher Softskills wie Empathie und Einfuehlungsvermoegen mitbringt – unschlagbare Argumente.

Auch die ‘Hausfrau’-Grundsatzfrage finde ich etwas befremdlich. Henny Engels vom “Deutschen Frauenrat” spricht beispielsweise von einem “traditionellen Rollenverstaendnis” und meint damit das Bild der Frau in der Gesellschaft. Ich frage mich, und natuerlich auch Frau Engels, die eine Antwort hierauf natuerlich schuldig bleiben wird (weil sie hier nicht mitliest ^^), wieso es fuer das Loesen dieses Bildes ein Gesetz braucht? Oder Regeln? Ist es nicht Aufgabe der Gesellschaft, eine Rollengleichheit zu erzeugen? Sind es nicht eben die beklagten Strukturen, die es Frauen ermoeglichen, Kinder (also auch Toechter) in einer Weise zu erziehen, dass diese klassischen Rollen nicht weiter wachsen, sondern sich gar gaenzlich aufloesen? Ist es nicht in der Tat sogar laengst im Fluss? Haben wir nicht laengst eine beachtliche Anzahl strebende Frauen in Fuehrungspositionen? Ja, immer wieder wird auf die Vorstaende in DAX-Unternehmen hingewiesen, die sind der Massstab. Nun, vielleicht ist es dort wirklich so. Vielleicht arbeiten dort Sexisten und Frauenfeinde in den Vorstandsetagen, oder vielleicht existieren dort einfach nur zuviele gedankliche Einbahnstrassen. Vielleicht aber gibt’s auch einfach keine geeigneten, weiblichen Bewerber auf die Posten. In Erwaegung gezogen wird das natuerlich nicht, denn wo Gleichbehandlung per Gesetz garantiert wird, gibt’s per Definition auch das vorhandene Potenzial und Basta.
Wenn das aber so ist, ist es dann nicht gar ungerecht, solcherart Quoten zu fordern? Ungerecht den Unternehmen UND den Maennern gegenueber? Oder ist das der zu akzeptierende Kollateralschaden auf dem Weg zur gefuehlten Gleichstellung? Wenn Frauen einen Job ebensogut wie Maenner machen koennten, muss man es dem Entscheider ueberlassen, zu beurteilen, wer seiner (oder ihrer) Meinung nach mit weiteren Argumenten ueberzeugen kann. In der Wirtschaft haben, soweit ich das beurteilen kann, die Menschen vor allem auch wirtschaftliche Interessen. Es werden also Entscheidungen aufgrund ihrer Effizienz getroffen – und nicht wegen persoenlicher Ansichten. Und das ist auch gut so, denn nur so kann die Wirtschaft funktionieren. Wenn man in einem Wirtschaftszweig der beste sein moechte, muss man die besten fuer sich arbeiten lassen. Wenn das Frauen sind, wird jedes Unternehmen diese Frauen fuer sich arbeiten lassen wollen.
Letztlich fussen alle Argumente von sachverstaendigen Frauen in diesen Debatten auf dem Schlagwort “Chancengleichheit”. Hier muss ich leider die Waffen strecken. Was genau bedeutet denn “Chancengleichheit”?

  • Frauen duerfen ohne Einschraenkungen das gleiche Studieren und lernen wie Maenner (wuesste jedenfalls nicht, dass es hier noch Einschraenkungen gibt)
  • Frauen duerfen ohne Einschraenkungen die gleichen Karrieren anstreben wie Maenner
  • Frauen duerfen ohne Einschraenkungen die gleichen Behandlungen einfordern wie Maenner.

Wer stellt sich hin und behauptet, dass diese Rahmenbedingungen nicht umgesetzt werden – oder, wenn’s so ist, es die Schuld von verhindernden Maennern ist? Wieso sind schlechte Verhandlungsergebnisse von Frauen automatisch die Schuld von Maenner? Vielleicht ist es ein Argument, eine vermeintlich ebenso qualifizierte Frau fuer einen Job eben gerade nicht gleichzustellen, weil zur gleichen Qualifikation vielleicht wirklich zaehlt, wie absehbar jemand einen Job nach 2 Jahren (bspw wegen Babypause) unterbricht. Vielleicht ist Kontinuitaet ein faires Argument, dass man zulassen muss. Wer moechte sich hinstellen und das negieren?

Hinzu kommen natuerlich die optischen Argumente. Warum wohl werden in arabischen Laendern huebsche Frauen dafuer bezahlt, in Geschaeftsmeetings nichts anderes zu tun als huebsch zu sein? Weil schoene Dinge anzuschauen jedem Geschaeftsgespraech eine feine Note von Lockerheit verleiht. Waeren die Partner Frauen und wuerden junge, huebsche Maenner fuer den Job bezahlt, nur toll auszusehen, waer’s ebenso dramatisch?
Man stelle sich nun vor, dass, auf den deutschen Markt kopiert, diese Frauen auch noch geschaeftig waeren. Eine unglaubliche Kombination, der ohnehin kein Mann etwas entgegenzusetzen hat.
Es ist erwiesen, dass grosse, huebsche Menschen grundsaetzliche bessere Lebenslaeufe aufweisen. Schoene Menschen haben’s leichter, das ist so. Warum ist dieses Argument in der Gleichstellungsdebatte verboten? Wenn man, bei gleicher Eignung fuer einen Consultant, zwischen einem “kleinen dicken” und einer “grossen blonden” zu waehlen haette, wird jeder Entscheider mit Sachverstand die ‘grosse Blonde’ auswaehlen. Und das ist auch gut und richtig, denn die Entscheidung ist folgerichtig fuer den Erfolg des Unternehmens. Das kann man jetzt frauenfeindlich finden und mich Macho nennen – aber wenn Frau ehrlich ist, weiss sie um diese Argumente – und ich kenne einige, die sie durchaus einsetzen, wenngleich das nur die wenigsten von ihnen zugeben wuerden. Und dabei meine ich ausdruecklich keine erniedrigenden sexuellen Gefaelligkeiten!

So kommt es also, dass ich nicht wegen, sondern trotz einer Gleichstellungsbeauftragten und medialer, grund- und bedarfsloser Debatte um Quoten bevorzugt Frauen auswaehlen wuerde, eine Ausbildung zum Fachinformatiker zu durchlaufen. Gut, ich ‘zuechte’ keine “Fuehrungskraefte” und womoeglich habe ich infolgedessen auch ein anderes Verhaeltnis zu diesem Thema als man es mir per Debatte unterstellen wuerde (ich: Mann) – aber dennoch: wenn die Fronten schon ‘hier unten’ derart manifestiert sind, dass ich das Gefuehl habe, nicht Frauen, sondern Maenner braeuchten einen Gleichstellungsbeauftragten, fuehrt die Diskussion meiner bescheidenen Meinung nach in die falsche Richtung.
Toll waere eine vorurteilsfreie Basis, die alleine auf ‘Skills’, ‘Faehigkeiten’ und ‘Kenntnissen’ beruhen wuerde. Wieso wird pauschal angenommen, dass das nicht moeglich sei?

In Summe beschleicht mich der Verdacht, dass die Argumente runtergebrochen werden, auf zwei einfache Punkte:

  • Maenner bekommen die Moeglichkeiten, Frauen nutzen sie nicht.
  • Wer pausiert, verliert.

Ja, fuer beides kann man vielleicht den Maennern einfach die Schuld geben. Oder man relativiert sie mal spasseshalber. Denn Engagement & Kontinuitaet sind Argumente, die man sich wegwuenschen, aber nicht wegdiskutieren kann.

P.S.: Heute, am 8. Maerz 2011, ist 100ster internationaler Frauentag. Toll waere bald ein erster, echter und vorurteilsfreier “Tag der Gleichstellung”. Mal sehen, was noch kommt.

Advertisements

Mit Tag(s) versehen:

Ein Kommentar zu “Quote? Manipulation der Souveraenitaet

  1. Skaar 8. März 2011 um 14:27

    ich bewundere des öfteren deine objektivität (ohne mist).
    Bei jeglichen anflügen von subjektiven einflüssen reisst du das ruder grad noch rum^^
    Ansonsten zu 90% fullack, die restlichen 10% sind bestimmt nen toller gesprächsstoff, wenn wir mal wieder nach nem gig in ner bar unserer wahl landen ;)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: