[Urban Legend] – Atomstrom, Oekostrom – ja was denn nun?

Ich will einmal versuchen, mich an dieses schwierige Thema zu wagen. Hintergrund ist, dass ich mich (wie vermutlich jeder) in sehr vielen Debatten zum Thema wiederfinde, und sehr oft nicht recht weiss, ob dass, was ich hoere und wiedergebe, aus einer Propagandaecke stammt, Tatsache oder schlicht Legende ist. Ich unterstelle, so geht’s den meissten, auch wenn nur wenige das zugeben wuerden. Jedenfalls sehe ich mich recht haeufig den ueblichen Verdaechtien – SABVA und der latente “das ist jetzt nicht Dein ernst, oder?”-Blick – gegenueber und es beschleicht mich dieses fiese Gefuehl, hier besser informiert sein zu muessen.
Die sich stets anschliessende, immer halbherzig durchgefuehrte Suche nach weiteren Informationen laeuft muehsam, da nicht wirklich vorurteilsfrei oder gar objektiv ueber das Thema berichtet wird.
Offenbar kann man nicht einfach geteilter Meinung sein bei solchen Themen – dabei waer’s so einfach: Atomstrom ja, bis Oekostrom flaechendeckend und guenstig zur Verfuegung steht. Die Richtung waere damit auch klar: Regenerativ rules, dafuer wird’s wohl grundsaetzlich eher ausschliesslich Zustimmung geben.

Da ich zugegebenermassen nicht recht weiss, wie man in so ein Thema startet, beginne ich mal einfach mit dem, was ich glaube, ueber dieses Thema zu wissen und reflektiere es in lehrbuchmaessiger Pro- und Kontradebatte – weiteres ergibt sich dann gewiss im Nachgang

These 1a: Atomstrom ist billig (fuer den Endverbraucher)
Zunaechst mal ja, in bereits abgeschriebenen Kernkraftwerken kann Strom offenbar guenstig produziert werden (bspw welt.de) – das streitet auch aus der Oekofraktion niemand so wirklich ab.
Gibt man bei beliebigen Strompreisvergleichern im Internet wilde Zahlen ein, erhaelt man zuvorderst bei den guenstigsten Angeboten auch immer Tarife mit vergleichsweise hohem Kernkraft-Anteil. Die Angebote mit 100% “Oekostrom” (wobei hier die Auslegung dieses Begriffs offenbar sehr individuelle Blueten treibt – zwischen “100% aus erneuerbaren Energien” und “minimaler CO2-Ausstoss” gibt’s hier reichtlich Verhandlungsmasse) liegen eigentlich nie vorne.
Wir sprechen hier von Endkundenpreisen, die zuvor getaetigte Subventionen ebensowenig implizieren wie etwaigen Austausch von Zertifikaten zur Erreichung irgendwelcher prozentualen Anteile im Strompaket.
Fazit: nicht von der Hand zu weisen – im direkten Blick auf den Endkundenpreis ist Atomstrom unschlagbar guenstig.

These 1b: Oekostrom ist teuer (fuer den Endverbraucher)
haarig. Haarig, weil ja erstmal klar sein muss, was genau Oekostrom ist.
Nach landlaeufiger Meinung ist es “sauberer Strom” der aus “erneuerbaren Energien”  stammt.
Fuer den Stromanbieter ist “Oekostrom” jeder Strom, den er rausgibt – sofern dieser durch die Zuleitung von Strom aus regenerativen Quellen, Kraft-Waerme-Kopplungs-KW oder wenigstens Oekozertifikaten im Stromsee aufgeht.
Dem Anbieter ist’s demnach egal und jeder Kunde erhaelt ohnehin den gleichen Strom. Unterschieden wird hier am Monatsende, wenn Oekokunden mehr zahlen als Atomkunden.
Der Anteil des verkauften Oekostroms am Gesamtvolumen des verkauften Stroms muss der Stromanbieter dann halt nachweisen – das kann er mittels vorhalten eigener Kraftwerke machen, aber halt auch durch den Zukauf von Zertifikaten oder schlicht die subventionierte Investition in den Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien am Strommarkt.
Wie das bewiesen wird – keine Ahnung. Es wuerde in’s Bild passen, wenn diese Nachweise den geheimen und entscheidungsunfaehigen Gremien des Bundestags muendlich mitgeteilt wird.
Gut moeglich also, dass hier Ueberbuchungen entstehen, die niemand merkt – am allerwenigsten der Kunde, der, aus welchem Antrieb auch immer, Oekostrom bestellt.
In diesem Zusammenhang MUSS man sich die Frage stellen, was passiert, wenn 100% aller Kunden in Deutschland von heute auf morgen Oekostrom ordern – also solchen Strom, der ohne Atomanteil daherkommt. Die Atomindustrie besteht auf den Standpunkt, dass 100% des Strombedarfs gar nicht durch regenerative Energien erzeugt werden kann – wenn sie dann aber muessten…?
Bewaffnet mit diesen Informationen bleibt also noch der flinke Blick in die gleichen Tabellen wie oben – und vielleicht nehmen wir die Randnotiz noch mit, dass ein tapferer Anbieter alles besser machen moechte – und man dort klar sehen kann: Ja, status quo kostet Oekostrom (fuer was auch immer dieser Begriff jeweils steht…) mehr als Atomstrom. Nicht im Einzelnen, das laesst sich fuer Endkunden nicht ermitteln – aber ein Mix mit Atomstrom is guenstiger als einer ohne. Aber auch deren Tarife liegen in meinen Stichproben ueber denen ordinaerer Atomangebote.
Fazit: Ja. Schaut man (wie bei den Atompreisen in 1a) nur auf den Preis, ist Oeko teuer.

Zu 1a und 1b muss man auf jeden Fall noch dazurechnen, dass sekundaerkosten entstehen – der Abbau von Uran ist recht aufwendig, der Neubau von riesigen Offshore-Farmen stark subventioniert – vielleicht geben sich (derzeit) beide in dieser Hinsicht nichts – das nachzupruefen wuerde aber mehr Zeit kosten, als ich aufzubringen bereit bin. Letztlich muessten alle nachweisbaren Kosten gegenuebergestellt werden – und da jeder Hausbesitzer potenziell Strom erzeugen und ins Netz speisen kann ist das eine Fuelle an Informationen, die mir schlicht nicht zugaenglich ist.

These 2: Ohne AKW entsteht derzeit potenziell die sogenannte “Versorgungsluecke”
Tja. Das ist sicherlich der schwierigste aller Punkte. Die Atomler verwenden es als gewichtigstes Argument, die Oekos halten mit einem trotzigen “stimmt ja gar nicht” dagegen.
Kann ich nicht beantworten. Ich vermute aber, dass die Antwort weder Ja noch Nein lautet. Ich denke, Kraftwerke fuer regenerativen Wertstoffe haben Schwierigkeiten bei Erbringung der Grundlast – weil diese eben auch erfuellt werden muss, wenn grad kein laues Lueftchen durch die Uckermark streift.
Und ich denke, dass andere Kraftwerke das durchaus loesen koennten. Kraft-Waerme-Kopplungs-Kraftwerke, Gaskraftwerke, notfalls gar Kohlekraftwerke oder diese Biogasthermen. Alle koennen kontinuierlichen Strom liefern und relativ kurzfristig gedrosselt werden, wenn die Leitungen grade mit Oeokostrom geflutet werden. So muss die finale Antwort wohl lauten “Nein, aber”. Denn diese alternativen Kraftwerke muessten ja auch erstmal gebaut werden.

These 3a: AKW sind gegen Unfaelle versichert
Ganz klares Jein. Ich habe gelesen, es gibt vier moegliche Risikostufen fuer Betriebsstoerungen in Atomkraftwerken. Das reicht von “hier ist ne Schraube locker” bis hin zu “und hier in der Hand halte ich einen 1900°C heissen Brennstab”. Gegen die ersten drei der vier Stoerstufen ist ein AKW imho zwangsversichert, gegen die vierte, den Gau, gar nicht. Liegt wohl daran, dass Versicherungen das nicht anbieten und Versicherungsnehmer dafuer so viel bezahlen muessten, dass es nicht mehr rentabel waere. Klar, die Kosten dafuer wuerden umgelegt und Strom damit ein Luxusgut werden, also schluckt der Staat die Restrisiko-Pille und sozialisiert die Verluste, wo er zuvor die Gewinne privatisiert hat.
Es gibt also definitiv keine Versicherung gegen eine Kernschmelze.
Gegen Folgeerscheinungen von Reaktorpannen wird auch nur rudimentaer versichert, aber das den AKW-Betreibern anzulasten waere zu einfach. Hier sind natuerlich alle Verwerter und deren Versicherungen in der Pflicht. Natuerlich wuerden aber auch in solchen Faellen (Autozulieferer in der Naehe eines AKW kann nach Strahlenkatastrophe nicht mehr fertigen, der Autobauer sanktioniert den Zulieferer, zehntausende werden arbeitslos und alles endet in einer desastroesen Schuldzuweisungssuppe) Schaeden entstehen, die irgendwer bezahlt. Notfalls halt der Staat und damit alle so ein bisschen. Klappt bei Opel, klappt bei Banken – wird auch andernorts klappen. Versicherungen zahlen es jedenfalls nicht.

These 3b: AKW sind sicher
Nein. Siehe Fukushima in Japan im Maerz 2010, aber natuerlich auch das immer wieder genannte Tschernobyl. Atomkraftwerke sind vor allem ein konstantes Risiko.
Natuerlich gibt es ‘Gruende’ fuer beide Katastrophen, und beide Unfaelle werden von Atomkraftbefuerwortern als individuelles Versagen, das nur in diesem einen Kraftwerk haette vorkommen koennen, abgetan.
Fakt ist aber, dass es, folgt man dieser Logik, fuer ausnahmslos jedes Kernkraftwerk ein “individuelles Risiko” gibt, das offenbar nicht beherrschbar ist.
Und in einem sind sich irgendwie alle einige: Fukushima im Besonderen und die Japaner im Allgemeinen sind mit der Technologie zur Sicherung von Atomkraftwerken gegen aeussere Einfluesse deutlich besser vertraut als die Deutschen. Das stimmt mich doch etwas nachdenklich…
Egal wie oft man ein Atomkraftwerk ‘sicher’ nennt – alleine die Tatsache, dass die darin befindliche Kernspaltung an sich schon ein hochriskanter Job ist, laesst ein Restrisiko offen.
Bei meinem Arbeitgeber, einem Forschungszentrum mit Forschungsreaktor, werden seit Fukushima interne Informationsmappen verteilt, in denen leicht verstaendlich der Unterschied zwischen einem Atomkraftwerk und unserem Forschungsreaktor erklaert wird. Nicht, damit wir das wissen, sondern damit wir ggf. auftretende Fragen unserer Verwandten und Freunde sicher beantworten koennen.
In diesen internen Infomappen wird erklaert, wie harmlos unser Forschungsreaktor im Vergleich zu einem Atomkraftwerksreaktor ist, dass eine 4000x geringere Reaktion erzeugt wird, dass eine x-fach geringere Menge Abwaerme erzeugt wird, dass grade einmal ein tausendstel Anteil radioaktiven Materials verbraucht wird um den Reaktor zu betreiben, dass eine Abkuehlung automatisiert werden kann und nur 20 Minuten benoetigt, notfalls durch Betriebsfeuerwehr und diverse Sicherheitsschleusen betreut wird.
Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass eine Abkuehlung eben 20 Minuten braucht. In diesen 20 Minuten scheint also ein Restrisiko von dem radioaktiven Material auszugehen – andernfalls wuerden die Kollegen vom Strahlenschutz das Uran wohl auch als Anhaenger um den Hals tragen.
Wenn nun also klar ist, dass das verwendete Material zur Energieerzeugung in Atomkraftwerken gefaehrlich fuer den Menschen ist, und wenn darueber hinaus klar ist, dass die Umstaende, unter denen es in den AKW behandelt wird, nicht binnen Sekunden, sondern eher binnen Stunden und Tagen auf “normalniveau” heruntergefahren werden koennen, wie kann man dann, angesichts der realen Gefahr herunterstuerzender Jumbojets und beliebiger Marschflugkoerper aus 4000 Kilometer entfernten militanten Laendern davon sprechen, Atomkraftwerke waeren ein berechenbares Risiko mit kalkulierbarer Sicherheit? Vielmehr ist es ein kalkulierbares Risiko mit einer unberechenbaren Schadensgroesse.
Angesichts der Verstrickung der Politiker, die derartige Technologien pushen, mit den jeweiligen Betreibern der AKW erscheint mir die Objektivitaet in solchen Wahlkampfansagen ohnehin eher ein Wunschtraum zu sein.

These 4: Es gibt eine Endloesung fuer nuklearen Restmuell
Daran gibt’s derzeit nichts zu ruetteln: Nein. Der Muell bleibt hier auf der Erde und es gibt offenbar mittelfristig keine Moeglichkeit, ihn nachhaltig zu lagern. Liegt sicher zu grossen Teilen an der Zusammensetzung, der Abfall strahlt wie nix gutes – aber zu Teilen natuerlich auch an der schieren Menge. Eine kleine Bleikiste fuer eine handvoll Klumpen gefaehrlich nachstrahlenden Abfalls waer sicher kein Ding. Die realistischeren hunderttausende oder gar zigmillionen Tonnen radioaktiven Abfalls sind schon etwas schwerer endgueltig wegzusperren. Zu diesen Mengen tragen natuerlich nicht nur AKW bei, sondern alleine beim Uranabbau fallen auffaellige Mengen schwach strahlenden Materials an, die unbrauchbar fuer die Energieversorger, Medizin und Forschung sind und infolgedessen entsorgt werden muessten.
Es ist wohl in der Tat so, dass es weltweit kein geeignetes Endlager gibt. Weder im kleinen, lokalen, noch im grossen, globalen Blickwinkel.
Alle bisherigen Zwischenlager sind als Endlager ungeeignet (ungeeignet sind sie auch als Zwischenlager, aber mangels Alternativen werden sie dennoch genutzt). Insbesondere nahezu ueberall vorkommendes, korrosionsfoerderndes  Wasser, aber auch fehlender Schutz gegen die grossen Einfluesse der Natur machen es unwahrscheinlich, dass es auf der Welt einen Ort gibt, an dem man radioaktiven Muell sicher & endgueltig entsorgen kann – oder wenigstens fuer eine Million Jahre sicher einschliessen kann, ohne befuerchten zu muessen, dass der Kram irgendwann ins Grundwasser gelangt und damit ganze Generationen Menschen nachhaltig schaedigt.
Es gibt theoretische Endloesungen (Erdumlaufbahn, in der Sonne vergluehen), die aber mit dem derzeitigen Stand der Technik teuer und riskant sind. Vielleicht brauchen wir also gar kein Endlager und es genuegt ein Zwischenlager, bis es sicher und finanzierbar ist, den atomaren Restmuell in der Sonne zu entsorgen oder auf den Pluto zu schiessen.

These 5: Atomstrom ist klimafreundlich
Wieder: Ein klares Jein. Nein, denn alleine den radioaktive Abfall kann man schwerlich guten Gewissens “biologisch abbaubar” nennen, selbst wenn er in einigen hundertausend Jahren zerfallen wird. Hinzu kommt die wesentliche Umweltbelastung beim Abbau (wo widerum 80% des radioaktiven Materials noch vor der sinnvollen Verwendung aussortiert werden). Die CO2-Belastung beim Abbau ist auch nicht unerheblich.
Dem gegenueber arbeiten die reinen Kraftwerke in der Tat recht sauber. Da nichts verbrannt wird, entweicht auch nichts giftiges oder schaedliches in die Umwelt. Solange alles normal laeuft jedenfalls.
Insgesamt, also inkl. des Baus der Kraftwerke, und der Lagernotwendigkeit des radioaktiven Abfalls ist die Oekobilanz von Atomkraftwerken also doch deutlich negativ, trotz relativ guter Werte im Betrieb.

These 6: (Nur) AKW sichern die Unabhaengigkeit vom Ausland
Nunja. In Deutschland scheint da etwas dran zu sein. “Das ganze Land” ist ueberzogen mit Windraedern und doch ist das nennenswerteste Projekt fuer Windenregieerzeugung ein Offshore-Projekt in der Ostsee.
Fuer flaechendeckende Solarenergieerzeugung haben wir jahrsuebergreifend zu wenig Sonnenstunden, und offenbar sind die “Akkus” in Deutschland dafuer auch nicht vorbereitet. So etwas wie “Nachtwaermespeicher”, in denen Energie, die tagsueber bei Sonne im Ueberfluss erzeugt wuerde, gespeichert werden koennte, um sie abends und an Regentagen abzurufen, scheint es nicht zu geben.
Zwar haben wir noch Kohle fuer einige Jahrzehnte Oeko-Ausbau, aber wer will schon ernsthaft Kohlekraftwerke.
Bleibt noch Gas, was in Deutschland auch quasi gar nicht existent ist, den dafuer noetigen Rohstoff muesste man also auch umstaendlich importieren.
Wirklich autonom kann man im Sinne dieser Frage nur arbeiten, wenn man nicht auf irgendwie geartete aeussere Einfluesse angewiesen ist – und hier scheinen bestehende Atomreaktoren eine durchaus sinnvolle Antwort auf diese Frage zu sein.
Zwar muss man sich fragen, ob es in einem vereinten Europa noetig ist, vom “Ausland” zu sprechen, von dem man “unabhaengig” sein moechte – aber das steht auf einem anderen Blatt. Wenn die Landesgrenzen den Massstab bilden, muss die Antwort hier im Moment wohl lauten: Ja. Nur Atomkraftwerke gewaehleisten (derzeit) eine Autonomie in Fragen der Energieversorgung.
Allerdings muss man klar anmerken: Auch Uran gibt’s nicht in Deutschland abzubauen. Hier kann man sicherlich groessere Vorkommen Lagern um einen laengere Zeit “zu ueberwintern” – aber unabhaengigkeit von anderen Laendern ist damit nur bedingt gegeben.
Das Argument, dass man lieber Strom von deutschen, ‘sauberen’ und qualitativ hochwertigen Atommeilern akzeptiert, statt andernfalls Strom von ‘schmutzigen” franzoesischen AKW ist allenfalls ein ideologischer – im Worst-Case-Szenario nehmen sich beide Typen nichts.

These 7a: AKW sichern Arbeitsplaetze
unklar

These 7b: AKW gefaehrden Arbeitsplaetze
unklar

These 8: Die derzeitige Zwischenlagerzulieferung erfolgt auf Kosten des Steuerzahlers
Das ist in der Tat so. Sowohl die Bergwerke selbst, deren Erschliessung als auch die Anfahrt und Betreuung der Castor-Behaelter werden vom Steuerzahler getragen.
Die Betreiber der AKW uebernehmen weder die Kosten fuer den Abtransport noch fuer die Sicherung. Inwiefern sie an der Erschliessung neuer Zwischenlager beteiligt sind ist unklar, erscheint mir aber angesichts des grundsaetzlichen Kuschelkurses der deutschen Regierungen der letzten Jahrzehnte mit den relevanten Energieunternehmen nicht wahrscheinlich. 

These 9: Wo Oekostrom draufsteht, ist auch Oekostrom drin
In 1b schon grob angerissen: “Oeko” heisst im liberalen Modell, dem sich der deutsche Markt unterordnet, dass Strom aus regenerativen Ressourcen gewonnen werden muss.
Es ist aber egal, wo dieser Strom produziert wird. Die Schweden etwa verkaufen einen Teil ihres immensen Stromanteils aus regenerativen Energien und kaufen im Gegenzug nicht wenig Atomstrom aus den atomproduzierenden und –exportierenden Laendern.
Wirklich befremdlich an diesem Procedere: Strom laesst sich relativ schlecht transportieren. Statt also Strompipelines zu bauen, wird der Strom “virtualisiert” – er wird auf kleine Scheinchen gedruckt, die dann entweder verfeuert werden – oder verkauft. funktioniert ein bisschen wie der Handel mit Wertpapieren, auf denen auch jede beliebige Zahl stehen kann, deren Wert dieses Papier dann uebernimmt.
Beim Strom kann man sich auf diese Weise also quasi gruen kaufen. Man verkauft fuer wenig Geld diejenigen ‘Zertifikate’, deren Gegenwert als ueberproduzierter Strom freigegeben wird, an andere Laender, die ihn gebrauchen koennen. Im Gegenzug kauft man Zertifikate fuer Atomstrom und drueckt so die lokalen Preise fuer den teuer hergestellten Oekostrom. Fuer die schwedischen Kunden bedeutet das, dass sie fuer Atomstrom bezahlen, obwohl sie keinen erhalten. Umgekehrt zahlen wir in Deutschland demnach teilweise fuer Oekostrom, den niemand liefert.

These 10: Wir haben ein Ueberangebot an Solarstrom
An sonnigen Tagen, offenbar. Jedenfalls macht uns das die Netzagentur glauben, die aufhoert, den privaten Besitzern von Solaranlagen Abschlaege fuer ins Netz eingespeisten Strom zu bezahlen um so die Monatsabrechnungen etwas glimpflicher zu gestalten.
Auf der anderen Seite herrscht in Mitteleuropa ein raues Klima, Solaranlagen sind vielleicht zu zwei Dritteln der Zeit nahezu nutzlos und produzieren dafuer im restlichen Drittel eine Uebermenge. Ein Teil der Argumentation koennte also in der fehlenden Konservierungsmoeglichkeit der Energie liegen.

These 11: Schuld an der Oekoblockade sind nur die schlecht ausgebauten Netze
unklar

These 12: Ist Atomstrom eine Brueckentechnologie?
Eine ‘Bruecke’ sollen Atommeiler vor allem zwischen windigem und windstillem Wetter bilden. Sie sollen also ausgleichen, wo Kraftwerke, die auf unberechenbareschwankende natuerliche Ressourcen angewiesen sind, ihre offenbaren Schwaechen haben: Strom liefern wenn Windraeder keinen Wind sehen.
Von den Betreibern der AKW wird dies gerne auch als ‘Grundlast’ hingestellt, die die nachhaltigen gruenen Kraftwerke nicht zu leisten in der Lage sind.
In diesem Standpunkt finden sich grundsaetzlich auch Atomkraftgegner wieder, das scheint also durchaus ein Problem zu sein.
Ob nun aber Atomkraftwerke, die nicht beliebig wieder heruntergefahren werden koennen, wenn der Wind dann wieder loslegt, sondern technisch bedingt zwangslaeufig immer laufen, also auch, wenn die Windraeder alleine schon mehr Strom liefern, als wir brauchen oder speichern koennten, die richtige Wahl solcher “Grundlasterzeuger” darstellen darf indes bezweifelt werden.
Hier schwoeren die Kritiker auf Gaskraftwerke und natuerlich den neuen Joker, Kraft-Waerme-Kopplung.

 

 

Tja, das ist, was ich ueber AKW zu wissen glaube und was in der einen oder anderen Debatte zum Thema gewiss hilfreich sein koennte.

Und noch das: Ich habe nicht viele Leser, aber vielleicht koennen die zum einen oder anderen Punkt noch was Zielfuehrendes beitragen. Immerhin ist die Urban-Legend-Kategorie der Quotenrenner bei mir, waer ja schon schoen, wenn die Daten darin dann 100%ig stimmig sind Smiley mit geöffnetem Mund

Mit Tag(s) versehen:

2 Kommentare zu “[Urban Legend] – Atomstrom, Oekostrom – ja was denn nun?

  1. Skaar himself 22. März 2011 um 15:38

    Sagt dir WordPress oder google-ads dass urban-legend deine renner sind ?
    :)

  2. sph1nxxx 24. März 2011 um 10:26

    WordPress natuerlich. powered by eon atomstrom ^^

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: