Null Toleranz!

Jaja, was sind wir deutschen Super darin, ueber die politischen Entscheidungen zum Einmarsch nach Libyen zu flamen.

Wir, die wir als groesztes europaeisches Land natuerlich auch eine grundsaetzliche militaerische Verantwortung der Welt und unseren Nachbarn gegenueber besitzen.
Wir, die wir als Militaerregime einst der groeszte Schrecken der Welt waren, also zwangslaeufig historisch bedingt etwas von der Materie verstehen muessen, und auch davon, was es bedeutet, wenn irgendwo machthungrige Despoten ihr Unwesen treiben.

Ja sicher, Libyen wollte unsere Hilfe nicht, bis sie in Bedraengnis gerieten. Sie verbaten sich sogar das eingreifen der UN, der NATO und auch sonst jede externe Intervention, mit Ausnahme vielleicht von Waffenlieferungen – Selbstjustiz nennt man sowas im Rest der Welt, Buergerwehr mit Blick auf Situationen wie Libyen, Aegypten, Tunesien, Syrien und Jemen und wie sie alle heiszen. Politisch kann man dazu stehen wie man will, menschenrechtlich ist der gewaltgefuehrte Putsch ebenso veraechtlich wie die Verwendung von Streubomben zur Kontrolle desselben. Libyen soll hier aber auch gar nicht das Thema sein.

Ja sicher, im internationalen Vergleich sind wir militaerisch betrachtet unwesentlich. Keine ordentlichen Bomben, kaum Erfahrung, veraltetes Waffenmaterial, dadurch ungeuebt und untauglich fuer nahezu jedes militaerische Manoever, zudem historisch belastet und damit stets doppelt beaeugt. Dennoch sehen die pazifistischen Weltverbesserer dieser Nation das Land in der Verantwortung fuer den Weltfrieden, notfalls mit allen dafuer noetigen Mitteln. Wir haben ja schlieszlich ~82.000.000.000 Einwohner, wovon immerhin einige hundertausend aktiv an der Waffe ueben – das kann ja nicht angehen dass ein Dorf wie die Niederlande ueberall international mitmischt wenn’s was zu toeten gibt, die deutschen sich aber vornehm zurueckhalten.

Gleichzeitig tolerieren wir U-Bahn-Schlaeger und ‘aggressive Stimmung’ als Alibi fuer ausrastende Teenager, die unmotiviert Leute krankgenhausreif pruegeln oder, wie in Muenchen, so zurichten dass die Opfer dabei sterben.

Ich denke, dass man im Innern beginnen muss, um nach Auszen eine Wirkung erzielen zu koennen. Solange in Deutschland derartig asoziales Handeln mit Bewaehrungsstrafe geahndet wird, ueberfuehrte, gestaendige und verurteilte Kinderschaender, wenn ueberhaupt, nach wenigen Jahren Freiheitsentzug wieder frei umherlaufen duerfen, Steuerhinterzieher nur verfolgt werden, solange sie keinen politischen Einfluss besitzen und grundsaetzlich irgendwie alles ueber Beziehungen und Geld geregelt werden kann (Korruption gibt’s aber natuerlich nur in anderen Laendern, naeh is klar), solange kann man sich nicht hinstellen und in der Gemeinschaft der freiheitsliebenden Nationen der Welt eine Fuehrungsrolle beanspruchen. Ja nicht einmal daran teilhaben sollte man.

Kinderschaender gehoeren, wenn die Pietaet der Weltcarta Hinrichtungen schon verurteilt, wenigstens zweifelsfrei lebenslang hinter Gittern. Menschen, die anderen Menschen mit Hinweis auf eine “aggressive Stimmung” das Bewusstsein aus dem Schaedel treten gehoeren lebenslang in Behandlung und unter permanente Beobachtung gesetzt – und zuvor einige Zeit hinter Gittern. Vielleicht so 20 Jahre sicherheitsverstaerkter Strafvollzug. Null Toleranz gegenueber Menschen, die keine Achtung vor dem Leben und der Gesundheit anderer haben. Jeder weisz, dass es gegen das Gesetz ist, Menschen bewusstlos zu pruegeln. Die Bestrafung fuer derartiges Verhalten kann unmoeglich eine irgendwie erzeugte Entschuldigung plus Bewaehrung sein.

Ich bin freiheitsliebend und bestehe auf die mir in diesem Land zugestandene Privatsphaere. Aber ich bin auch der Ueberzeugung, dass ich ein Recht auf koerperliche Unversehrtheit habe. Ich laufe nicht rum und trete Menschen. Ich laufe nicht rum und ziehe scheinbar wahllos Flaschen ueber Koepfe. Ich laufe auch nicht rum und vergewaltige irgendwen, erschiesse niemanden und finde es einigermassen befremdlich dass Elektroschocker und Reizgas scheinbar gaengige Methoden sind, in Deutschland unbehelligt durch die Nacht zu kommen. Ich finde, dass mindeste, was ich von einer Gesellschaft erwarten kann, die fuer sich beansprucht, in fremden Laendern Menschenrechtsverletzungen militaerisch zu begegnen, ist, dass sie dem faulen Kern in sich selbst begegnet.

Alles andere ist Heuchelei – und in einer Gesellschaft, die eigene Taten und die von dritten mit zweierlei Masz misst, moechte ich eigentlich nicht leben. Egal ob das Verhaeltnis hier nicht stimmt – es ist eher eine Frage des Prinzips.

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4 Kommentare zu “Null Toleranz!

  1. Pelikan 27. April 2011 um 15:22

    Tja, was macht man mit solchen Leuten, die andere mindestens ins Koma prügeln, oder sich kleine Jungen greifen, um sie zu vergewaltigen und später töten?
    Man könnte sie nach Fukushima, oder Tschernobyl schicken, um dort auf zu räumen…..
    Aber tot machen, nö – ginge viel zu schnell – !
    Nur kann ich gerade keinen Zusammenhang mit Libyen sehen.
    Geht mir im übrigen auch alles zu durcheinander im Nahen Osten.
    Wie kommen die eigentlich gerade heute darauf, aller orten zu rebellieren?
    Nachher wollen die noch in die EU….. :-D
    Also ganz ehrlich: die Geldverschwendung für eben diese EU ist eigentlich schon haarstreubend genug, da muss nicht auch noch unter der fernen Sonne Geld für Sold, Bomben und Granaten ausgeben werden.

  2. sph1nxxx 27. April 2011 um 17:54

    Der Zusammenhang ist ein psychologischer:
    „Wir“ bilden uns ein, andere Regime, die wir zuvor ueber Jahrzehnte ignoriert haben, beurteilen zu koennen. Wir maszen uns an, die dort defintiv geschehenen Ungerechtigkeiten ermessen und anprangern zu koennen. Wir schicken nur allzu gerne Soldaten ins Gefecht zur Niederschlagung einer Militaerdiktatur – notfalls auch einfach nur einer militaerischen Machthaberschaft. Wichtig ist nur, dass der Druck eines Volkes auf den Machthaber so gross wird, dass wir’s nicht mehr ignorieren koennen.

    Gleichzeitig erhaelt man in Deutschland drei bis vier Jahre geschlossenen Strafvollzug, wenn man als Gruppe junger Erwachsener ein 13-jaehriges Maedchen ueber Wochen seiner Freiheit beraubt, sie in dieser Zeit dutzendfach vergewaltigt und an ‚Freunde‘ vermietet, die sie ebenfalls schaenden. Hinterher ist man per Gesetz rehabilitiert.
    Auf die illegale weitergabe urheberrechtlich geschuetzter Musik stehen in Deutschland meiner letzten Info nach bis zu drei Jahre Freiheitsentzug im Strafgesetzbuch – zusaetzlich zu den zivilrechtlichen Forderungen der geprellten.
    Steuherhinterziehung in dreistelliger Millionenhoehe bleibt straffrei, wenn man sich auf Aufforderung freiwillig ’stellt‘ und nachzahlt – nachdem bekannt wurde, dass man in Kuerze dabei erwischt wird.
    Hier herrscht eine massive Schieflage in der Gerechtigkeit.
    Und mit diesem ganz offensichtlich fehlenden Rechtsbewusstsein, in deren Wolke ‚wir‘ als Volk ganz offenbar losgehen und Leute in Bahnen tot treten, bilden wir uns ein, fuer andere Voelker und Regime, Regionen und Religionen (man lausche nur dem Stammtischstreit um die Burka…) beurteilen zu koennen, was das beste fuer sie ist.

    Ich glaube, Deutschland als Land, Volk und als Gesellschaft hat Probleme in sich, die es nicht zu loesen in der Lage ist. Wer wie Deutschland von innen heraus fault, der kann sich nicht hinstellen und gleichfalls als Volk die Gerechtigkeit im Rest der Welt erzwingen wollen. Wir verstehen ueberhaupt nichts von Gerechtigkeit. Freiheit verstehen wir als Option gegen alles zu sein und wir halten ‚asozial‘ fuer ein Schimpfwort.
    Niemand wuerde einem bekannten Tierquaeler seinen Hund ueber die Ferien dalassen. Wir sind dieser Tierquaeler – was koennen wir unseren abfahrbereiten Nachbarn schon anbieten, damit sie uns ihren Hund doch dalassen?

  3. Pelikan 28. April 2011 um 09:01

    Also , wer in diesem Land aus blosser Notwehr nicht versucht, so viel wie möglich am Fiskus vorbei zu bekommen, ist selber Schuld! Das kann man als asozial, oder Schmarotzertum abhaken, aber die in Berlin können und konnten noch nie mit dem ihnen anvertrauten Geld umgehen!
    Ein X-beliebiges Geschäft jedenfalls wäre pausenlos von der Insolvenz bedroht., bzw. deren Inhaber müsste sich per Gesetz selber beim Amtsgericht zur Anzeige bringen…
    Ja, und was die Aussenpolitik angeht, da muss man sich nicht wundern, bei einem Land wie Deutschland, dass sich wohl noch in zehntausend Jahren für den Holocaust entschuldigen muss. Da bleibt nur noch die Scheckbuchpolitik und das Einreihen in der Achse der Gutmenschen.
    Da ist es so bequem und für alle sog. Verantwortlichen fällt auch noch etwas ab.
    Dass sich diese Mentalität auf den einen, oder anderen abfärbt, ist da nur konsequent.
    Worüber also noch wundern?
    Ich bin ja ansonsten gänzlich Deiner Meinung, aber auch traurig davon überzeugt, dass dieser Zug ‚abgefahren‘ ist.
    Eins noch; diese Regime wurden eben nicht über die Jahre ignoriert, sondern man machte bisher glänzende Geschäfte mit ihnen. In einer Art Wechselwirkung der Globalisierung aber, möchte sich nun das jeweilige Volk nicht mehr alles bieten lassen.
    Und wir hier? Wir wurden in den vergangenen Jahrzehnten damit ruhig gestellt, demonstrieren zu dürfen, Kleidung nach unserem Geschmack zu tragen, alle paar Jahre pseudodemokratische Stimmen abgeben zu dürfen usw. Nur, was wir alles nicht dürfen und vor allem, was wir alles nicht wissen dürfen, eröffnet sich uns stets erst NACH einem Skandal.
    Ist es in unserer so tollen Welt also wirklich so himmlisch, an der langen Leine laufen zu dürfen? Können wir mit der Demokratie umgehen?
    Ist es an jedem Einzelnen, etwas zu ändern, oder lassen wir dann doch lieber wieder den Staat alles richten?
    Hartz IV vs A13, oder schwarz gegen weiss – SO sieht das bei uns aus!

  4. sph1nxxx 28. April 2011 um 15:19

    Das ist sehr plakativ – denn natuerlich ist eine Hinterziehung oeffentlich erhobener Gebuehren und Steuern kein gangbarer Weg zur Optimierung der Finanzen eines Staates. Laender die auf Steuern weitgehend verzichten sind bettelarm und leben ueberwiegend von den Gebuehren, die sie bei der Einrichtung von Fonds & Trusts erheben. In dieser Beziehung ist es in Deutschland auch Jammern auf hohem Niveau.
    Grundsaetzlich sei dem ‚gemeinen Buerger‘ der Versuch des Bescheissens auch gegoennt, habe ich keine Bauchschmerzen mit. Ich bin nur genervt, wenn tatsaechlich hunderte Millionen von Privat ausser Landes geschafft werden und damit dem Fiskus entgehen. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Verbesserung der Lebensqualitaet und wilder Habgier.
    Denn die derartig nicht abgefuehrten Abgaben sind dennoch in Haushalten beruecksichtigt und werden dann halt anderweitig aufgebracht – hier schliesst sich dann der Kreis wieder.

    Es ist ja nicht so, dass diejenigen Menschen, die mit dem Handel mit diktatorischen Regimen reichlich Geld verdient haben und noch heute verdienen, heute nach dem Kopf von al-Gaddafi rufen – nein, es ist eben jenes Volk, dass sich normalerweise lieber ueber den Abstieg von Hertha in die zweite Liga echauffiert als ueber den nationalen Voelkermord in der Haelfte der afrikanischen Staaten. Diese Menschen sind es, die ueber Jahre und Jahrzehnte ignorieren, wie der Rest der Welt seine Buerger behandelt. Und die sind es, die heute jede platte Phrase nachquatschen ohne zu verstehen, was sie da eigentlich verlangen.
    Es braucht nur ein Leitmedium zum Marsch auf Tripolis aufrufen, schon plappern es die geistlosen ueber Wochen und Monate nach, prosten sich dann kraeftig zu und wissen zwei Stunden spaeter nichtmal mehr, wie der Trick mit dem Schluessel funktionierte. Geschenkt, sollen sie machen, ich find ja auch, man hat nur ein Leben, das kann man, wenn’s denn die Moeglichkeit gibt, ruhig auch durchweg feiernd verbringen.
    Aber ich bin reichlich angewidert von der Art, in der wir uns dennoch hinstellen und meinen beurteilen zu koennen, was das Beste fuer diese Welt ist. Um dann Stunden spaeter, morgens um halb vier, als Volk gemeinsam jemandem solange auf den Kopf zu knueppeln bis der das Bewusstsein verliert – im besten Fall.

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