Fachkraeftemangel? Schwachsinn!

Soso. Die ‘deutsche Wirtschaft’ sucht also nach wie vor ‘haenderingend’ nach Fachkraeften – weil’s hier angeblich keine mehr gibt.
~4.000.000 Arbeitslose (zusaetzlich zu den Niedrigloehnern und den in irgendwelchen zwielichtigen Weiterbildungsmassnahmen haengenden) und die Wirtschaft beklagt sich ueber fehlende Fachkraefte? Dem kontinuierlichen Rueckgang der dualen Ausbildung in allen Bereichen steht (bei insgesamt gleichzeitig abfallenden Schulabgaengern) der konstante Anstieg an Hochschulabsolventen und Studenten gegenueber, hinzu kommen die dramatischen Zahlen der Jugendarbeitslosen – alles passt irgendwie nicht zusammen in ein Bild.
Schuldige gibt’s natuerlich auch (immerhin eine Auswahl): der demografischer Wandel, die abwerbenden Hochlohn- bzw Niedrigsteuerlaender, Neuseeland mit seiner zum verhexen schoenen Landschaft, das schlechte Bildungssystem, die dummen Bewerber, der klamme Staat der einfach nicht bereit ist die Betriebe noch staerker im Bereich Ausbildung zu subventionieren, die fiese IHK, die die Barrieren fuer die Zulassung zum Ausbilder so unendlich hoch ansetzt.
Stattdessen uebernimmt der Staat die Kosten fuer Studenten (jaja, weint doch ueber Studiengebuehren ihr Studierenden – macht euch lieber ernsthaft Gedanken darueber was eure Ausbildung kostet und wer’s mitfinanziert) und entlaesst gut gebildete, aber lebensfremde Menschen in den ersten Arbeitsmarkt, in dem sie dann Luecken stopfen die es nicht gibt und Jobs annehmen die das Land nur historisch bedingt aufrechterhaelt (Steuerberater…). Ja, hier schwingt etwas Subjektivitaet mit und ja, mir ist klar, dass es rein technisch durchaus moeglich waere auf die Haelfte der Arbeiter im produzierenden Sektor zu verzichten, wenn man die Ablaeufe und Wegstrecken optimieren wuerde. Es gibt also auch in anderen Bereichen Potenzial zur Optimierung, nicht nur bei den Uniabsolventen.

Besonders populaer ist der Bedarf an “Ingenieuren” und das Fehlen der “IT-Fachleute” – beides so wischiwaschi dass ich’s Kotzen bekomme wenn ich das hoere. Ich selbst bin IT-Fachmann und Ausbilder in meinem Beruf. Ich kann also auf mehreren Ebenen mit Fug und Recht behaupten, dass “Fachkraeftemangel” eine urbane Legende ist.
Richtig ist ganz gewiss, dass die Anzahl der ‘brauchbaren’ Anwaerter auf eine Stelle abnimmt. Das gilt nicht nur (aber auch) im Bereich der Nachwuchsrekrutierung, in diesem Segment kann ich’s selbst beobachten. Aber das ist auch ganz natuerlich – schliesslich ist der demographische Wandel ja keine Fiktion – wenn im Durchschnitt 100% fuer einen Job in Frage kommen sind das bei absoluten 1.000 Schulabgaengern eben immer noch 200 mehr als bei absoluten 800 Schulabgaengern. 
Dennoch ist auch in diesem Bereich noch ausreichend Potenzial fuer eine angemessene Ausbildung. Aber da die meissten Betriebe ja ohnehin glauben, dass “Ausbildung” ein anderes Wort ist fuer “guenstige Hilfskraft mit geringstmoeglichem Impact fuer die regulaeren, unterbezahlten Mitarbeiter”, ist man womoeglich gar nicht an der Ausbildung (und damit der ‘Aufzucht’ von Nachwuchskraeften) interessiert – sondern vielmehr an der Abschoepfung von fertigen Wollmilchsaeuen vom Markt. Sei’s drum. Passiert ja auch nicht. Ausbildung ist Ruecklaeufig und infolgedessen konstatieren die Betriebe dem Arbeitsmarkt quasi als Quittung die Handlungsunfaehigkeit – gaenzlich ungeachtet der realen Umstaende…

Eine Zeitlang habe ich nicht verstanden, was es dem Arbeitgeber nutzt, diese Maer aufrechtzuerhalten. Eine suggerierte Mangelerscheinung an Fachkraeften muesste doch zwangslaeufig eine Erhoehung der Loehne zur Folge haben – hatte es aber nicht – jedenfalls ist es nicht auf meinem Konto messbar.

Heute aber ergibt alles einen Sinn. Natuerlich kann man im angeschlagenen Europa diejenigen Fachkraefte einsammeln, die daheim auf noch desolatere Zustaende schauen als sie es hier im Land der Fluesse aus Milch und Honig wuerden. Polen hat nach Oeffnung der Grenzen mit einem herablassenden Laecheln abgewunken (fuer den Hungerlohn koenne man auch daheim arbeiten), also muss man seine Fuehler eben nach Griechenland, Spanien, Italien und Portugal ausstrecken. Da wird’s auch trotz der Mutmaszung unserer Kanzlerin durchaus den einen oder anderen nicht komplett arbeitsfaulen geben – wenn man den erwischt steht ja einer Bilderbuchkarriere samt Sarranzinkonformer Integrations-Mustergeschichte nichts mehr im Wege. Die gleiche Story verkauft man vermutlich auch den ungarischen Maedels wenn man sie in deutsche Puffs verschleppt…
Sei’s drum. Ich find’s einigermassen erschreckend was derzeit in Deutschland passiert. Lohndumping wird hier als Schutzschild gegen Verantwortung und Entwicklung verwendet – alles auf dem Ruecken der “Exportnation” und natuerlich der Wirtschaftskrise – jedenfalls jetzt. Mal sehen was in fuenf Jahren als Primaerargument herhalten muss, keine Deutschen zu angemessenen Loehnen einstellen zu muessen…

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