Wacken 2011 – von Osmose und dem Schluckmuskel

Wacken 22 ist Geschichte. Mir liegt der Staub und Schlamm noch im Haar, die Musik noch in den Ohren, Doublebass im Nacken und irgendwie Alkohol im Blut. Ich kann NICHT zurueckblicken auf geistreiche Gespraeche, tiefgruendige Gedanken oder gar den Geistesblitz fuer ein [neues] Buch. Aber dafuer faehrt man ja auch nicht nach Wacken, nech…

Hier also Wacken 2011 aus meiner Feder – und ich werd’ mal ganz untypisch mit “Wacken bei Tag” beginnen:

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Abreise diesmal anders, entspannt und ausgeruht. Hilft aber alles nix, vorm Startschuss entbrennt Hektik weil noch dies fehlt und das fehlt und bla. Aber alles halb so wild. Abmarsch nahezu im Zeitplan. Kurztrip zu Getraenke Hoffmann und dann ab durch die Mitte. Alles toll bis…aeh…ja, weiss gar nicht. Jedenfalls noch ne Ecke weg :). Ploetzlich fliegt aus dem liebevoll Viehtransporter genannten Miet-Kleinbus vor mir ein faustgrosses Stueck Reifen quer ueber die Fahrbahn und knallt gradewegs in den hinterherfahrenden Fiesta, den ich fuhr. Meinen Beifahrer hat der Einschlag ungefaehr 5 Jahre seines Lebens gekostet – aber immerhin pennt der nie wieder als Beifahrer, soviel is klar :D

Also aufn Rastplatz und mit der Vermietung crossflamen. Die schicken uns nach zaehen Verhandlungen zu einer Werkstatt 20 Kilometer ueber die Landstrassen – naja, immerhin, es ist Bewegung drin. Wir nutzen den Moment und ziehen den Fleischkauf aus HH vor. Einsammeln, ab damit. Zurueck zur Autobahn und rein ins schoene Schleswig-Holstein. Dort schnell noch zwei weitere Chaoten aufm Parkplatz abgreifen (!) und weiter gehts. Ab hier laufen die Geschichten etwas diffus auseinander – Fakt ist, dass man Wacken von HH aus via Festland erreicht, wir aber zwei Faehren benutzt haben und ich entgegen der Aussagen meiner lieben Freunde der festen Ueberzeugung bin, dass wir in Daenemark waren. Wo sonst faehrt man denn bitte mit ner Faehre hin? :D
Das hat (natuerlich) die Anreise leicht verzoegert, wir wurden dann irritierenderweise auf Campground R eingewiesen – den vorletzten aller Campgrounds. Gut ausgeschildert is anders aber mit etwas Umdrehen hier und Einfaedeln dort, Durchwurschteln hueben und Reinzwingen drueben geht’s. Auf dem Campground dann unnoetige Diskussionen mit den Ordnern, die unseren 11 Mannen eine Flaeche von vielleicht 4×10 Metern “zuweisen” statt sich mal mit den notwendigen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Wir haben kurz die Moeglichkeit geprueft alle Zelte zu einem zusammenzunaehen und oben ein Ablufloch fuer den Grill-Im-Zelt-Eventmarathon einzurichten, den Gedanken aber kurzerhand verworfen und stattdessen entgegen der Anweisung der Ordner etwas rustikal Platz geschaffen. Flott noch Zelte aufbauen (naja, ein Zelt brauchte eeeeeeeeeeetwas laenger) und Fleisch aufn Grill. Der Mittwoch ist gerettet, Metallerherzen sind eben minimalistisch.
Binnen Minuten werden Biere und totes Tier dem Erdboden gleichgemacht, was bleibt ist wohlige Waerme im Magen und das Gefuehl, dass das Wochenende nun starten kann.

Natuerlich nutzen wir den Mittwoch Abend trotz der spaeten Anreisezeit noch fuer einen kurztrip auf’s Festivalgelaende, Baendchen abholen und Biergarten besuchen – in der Regel der einzige Tag an dem das zuverlaessig klappt. Das tolle am spaeten Anreisen: Beim Anstehen fuer’s Baendchen braucht man nicht selbst zu stehen – fuer die noetige Stabilitaet sorgen die Massen um uns herum o_0

Den Abend beschliessen noch mehr Bier und die ersten tiefsinnigen Gespraeche ueber Koerperausscheidungen in Wacken.

Donnerstag gibt’s was auf die Ohren – planmaessig startet der Tag um 15:45 mit Kvelertak, vorher planen einige wenige noch einen Kurztrip durch’s Dorf. Gesagt, getan – jedenfalls bis ich merke wie schrecklich wenig Platz in einem Zirkuszelt ist, wenn aufstrebende Musiker drinnen feiern. Der Eingang ins Bullhead ist hoffnungslos ueberlaufen, wir hoeren uns ein, zwei Songs von draussen an und schlendern anschliessend kurz ueber den Mittelaltermarkt. Puenktlich zu Severenth sind wir wieder im Zelt und Schwuppdiwupp – das erste hammermaessige Highlight des Festvalwochendes bretzelt uns in die Ohren.
Die Buehne ist zwar ein Witz – vorne gibt’s ne Art Catwalk, davor den Wrestling-Ring – aber da Severenth irgendwie zumindest auf “meiner” Seite der Buehne so ziemlich gar keinen Zuspruch findet hat man ueberall geile Sicht und Severenth rocken so richtig. Eine Impression die nicht ansatzweise einfaengt was da los war – aber ich will halt textauflockernde Bildelemente einflechten, also seht es euch gefaelligst an ;P:

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Ich erhalte (und nutze :D) ausserdem die Moeglichkeit zwei Scheiben direkt von der Band zu kaufen und im Anschluss signieren zu lassen – wie nice ist das denn bitte. Von der Band wird man noch hoeren, da bin ich sehr sicher – ich fuer meinen Teil werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen…

Im Anschluss gibt’s dann auch schon die dicken Brocken – Helloween begeistern mit Stromausfall und in Metallaune, Blind Guardian zimmern so richtig solides Handwerk auf die Wackenbuehnen und Ozzy, ja Ozzy – hat immerhin Gus G. bei sich ;D
Ich muss aber gestehen, dass ich mir Ozzy nichtmal Ansatzweise naeher angesehen habe, einfach weil’s mich echt nicht interessiert hat.
Noch einmal torkeln wir durch’s Wackinger Village und naehren uns, dann geht’s ab zum Zeltlager. Der Weg ist mehr als abenteuerlich, eine Zustandsbeschreibung die fuer mich bis zum letzten Tag gelten wird. Allen denen ich am Wochenende mit meiner Frage auf die Nerven gegangen bin, wo sie verdammt nochmal hier sind, an dieser Stelle meine Entschuldigung. Ich glaube, ebenfalls am Donnerstag bin ich auch indurch dieses Zeltlager gerannt, dass nicht meins war – sorry an die Zeltinhaber, aber lasst es euch eine Lehre sein: Naechstes mal nicht frotzeln sondern Bier ausgeben –.-

Freitag ist pickepackevolles Programm – der Tag beginnt mit Ensiferum – lang erwartet, dann leider nicht so prall. Der Sound war einfach unterirdisch, die unmenschliche Zeit und mein Level an Dehydrierung taten ihr uebriges. Im Anschluss in’s W.E.T., Pussy Sisster lief noch und machten in Tradition von Mötley Crue und Konsorten Glamrock vom Feinsten. Lustig anzuhoeren, aber insgesamt doch eher nicht mein Ding. Anschliessend wollten Skalmöld vorspielen. Haben sie dann auch. Und wie. Hammerharter Gig und die zweite extrem gute Moeglichkeit, die traege Nackenmuskulatur mal ordentlich durchzuwalken. Freue mich schon auf’s Heidenfest wo die auch angesagt sind.
Direkt weiter, As I Lay Dying haben geladen – da stelle ich mich doch mal bequem in’s Infield und lausche den bekehrenden Worten von Tim Lambesis. Wirklich umgehauen hat’s mich nun nicht, aber das war vielleicht zu erwarten. Sie sind halt gut in dem was sie tun, und das ist das wichtigste ;). Wenn ich schonmal im Infield rumluemmel, kann ich mir ja auch Trivium anhoeren – sicher eine der Bands die auf meiner Prioliste ganz weit oben standen. Die enttaeuschen mich auch nichtmal im Ansatz, mir klingeln noch jetzt die Ohren. Selbst von meinem Standpunkt aus (so ungefaehr Reihe 29.041) waer Matt Heafy ohne Mic gut angekommen – mit Mic hat’s mir glatt die Haare gefoent. Absoluter Top-Gig!
Im Anschluss geb ich mir zehn bis zwanzig Minuten Bullet und geniesse das Futter im Wackinger Village ;).
Suidakra sind dran, spielen solide aber nicht ueberragend. Immerhin steigen sie in meiner Gunst mit dem Auftritt. Direkt startet Judas Priest, Rob Halford macht die paar Songs, von denen man glaubt, dass er wirklich singt, zum Niederknien gut. Insgesamt ist mir das Infield aber zu voll, ich verziehe mich noch vor Ende des Konzerts (und leider auch vorm Painkiller :/) vom Infield und damit zum Campground. Naechstes Jahr werf ich einfach ein Safety-Light in die Luft und lass mich einsammeln – dieses Umherirren auf dem Campground geht mir schon gehoerig auf den Kranz –.-

Der Samstag startet leider etwas durchwachsen – eigentlich sind die ersten wichtigen Bands schon “morgens” ab 12 dran, aber ich schulde meinen mueden Knochen offenbar etwas und lasse gleich sechs moegliche Acts aus :(. Zu Shining geht’s dann doch zur Festival-Site – die sind leider derbe enttaeuschend, ich lausche noch zehn Minuten Iced Earth, die oeden mich aber auch an. Also Futtern und zu Sepultura vor die Leinwand – ganz offenbar bin ich an diesem Samstag zu ausgelutscht fuer’s Infield. Vor der Leinwand treffen sich dann fast alle Pandas wieder – das Bild ist etwas frueher aufgenommen worden und in der SHZ veroeffentlicht – danke an dieser Stelle fuer die Aushaendigung und Genehmigung zur Verwendung:

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© SHZ / 2011

Sepultura sind lala, Avantasia im Anschluss aber ganz grosses Kino. Das Konzert ist, so sagt Tobias Sammet jedenfalls waehrend des Auftritts, das letzte Erscheinen von Avantasia, das Projekt ist nun beendet. Insofern freue ich mich umso mehr, dabei gewesen sein zu duerfen bei der finalen Metal Opera. Wenn auch nur vor der Leinwand :D

Von Kreator im Anschluss geb ich mir noch zwei Songs, die sind leider nicht so mein Fall, dann war’s das auch fuer mich. Ich verpasse noch Children of Bodom und Subway to Sally – beide sollen wohl im Samstaeglichen Monsun vor ausgeduennter Kulisse gespielt haben. Da ich diesen Regen auf meinem Zelt spueren konnte bin ich nicht wirklich traurig, nicht dabeigewesen zu sein. Irgendwo sollen auch Motörhead rumgelaufen sein, hab ich allerdings auch nur von Dritten gehoert. Hab mir lieber auf dem Campground noch eine Zigarre gegoennt :D

Abfahrt ist unspektakulaer, daher kann ich Wacken 2011 wohl hiermit auch abschliessen. Als Fazit muss ich sagen, Wackinger Village rockt total, selbst wenn mir dieses Mittelalterzeugs nicht so wirklich nahe geht – aber die Leute dort waren netter als andernorts, das Essen besser.
Electric Hotel macht einen tollen Job, mein Telefon wurde eine Stunde geladen und konnte auf diese Weise (und mit etwas haushalten) das gesamte WE ueber meine Termine verwalten. Zwar waren einige Einstellungen hinterher veraendert, was mir ein etwas mulmiges Gefuehl verschafft (zumal ich wirklich dachte, ich haette das Telefon gelockt abgegeben, habe es aber ungelockt zurueck erhalten), aber das wird ja dann die naechste Telefonrechnung zeigen ;)
Ich bedanke mich natuerlich bei all meinen Mitfahrern, Mittrinkern, gruesse alle, die sich mit mir haben Fotografieren lassen, wuensche dem Dieb meiner Maske dass er an Duennschiss sterben moege und bin ganz sicher 2012 wieder mit von der Partie – was bleibt mir auch, die Karte is schon bestellt. Dann sicher ohne Maske, aber mit ebensoviel Spass dabei ;D
Natuerlich bleiben einige Sachen noch ne Weile haften, wie beispielsweise:

– Osmoooooooooooooose
– Schluckmuskel(-training)
– Reduzierung von “kacken in Wacken” auf nur noch 85% aller Gespraechsinhalte
– Lopi’s lost
– irgendeinen behaemmerten Lachanfall dessen Grundlage mir grad nicht einfallen will
– “Hey, bist Du nackt?” – “Ja” – “Glaub ich nicht – Hey, Du bist ja nackt”

DSC01541Ich hoffe, WOA bringt zu 2012 die Sache mit der Orientierungshilfe auf den Campgrounds in Ordnung und reduziert das Bullhead wieder auf Titten und Muskeln, lasst die Bands woanders auftreten – ansonsten kann’s meinetwegen bleiben wie es ist. Ich verabschiede mich mit Wacken bei Nacht:

In diesem Sinne: Wacken 2012
Rain or Shine

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