Rettet das MHD

oha. Die ‘nationale Wegwerfstudie’ wird ergeben, dass die Menschen Lebensmittel wegwerfen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum in der Vergangenheit liegt. PANIK!

Nun will es, in vollendeter Konsequenz, das MHD abschaffen. Oder zumindest upgraden. Mit einem schon in anderen Ländern erprobten, verwirrenden Firlefanz natürlich, nicht etwa mit etwas greifbarem, hilfreichem. So soll, wenn’s nach einigen geht, künftig nicht nur ein Datum irgendwo auf die Packung gelangen, sondern auch dessen Erklärung.
Jaja klar, MHD ist ja schon heute kein Indikator für den Zeitpunkt des Verderbens von Lebensmitteln, sondern nur ein Zeitpunkt, bis zu dem die abpackende Industrie die Qualität des so limitierten Lebensmittels garantiert. Alleine die Tatsache, dass das Verbraucherschutzministerium diese Lachnummer akzeptiert ist ja blanker Hohn: Natürlich ist den meisten (gebildeten) Menschen klar, dass man das MHD mal mehr und mal weniger überschreiten kann ohne sich eine mittelschwere Lebensmittelvergiftung zuzuziehen. Spätestens beim Kauf eines Döners oder einer Pizza beim Italiener um die Ecke muss das klar sein, denn derartige Betriebe haben erstrangig ihren Profit im Auge, und nur in zweiter Linie das Wohlergehen ihrer Gäste. Also wird solange verwertet, wie es eben geht. Und das dürfte landläufig deutlich hinter dem MHD der verwendeten Zutaten liegen.
Auf der anderen Seite wird jeder, der sich am Tag vor dem MHD schon mal saure oder, besonders widerlich, klumpige Milch in den Kaffee geschüttet hat, mir zustimmen, dass es reichlich eklig ist, verdorbene Lebensmittel zu erbrechen. Klar, Wissenschaftler sagen, wir können uns so sehr auf unsere Sinne verlassen wie auch schon vor fünfhundert Jahren und werden schon merken, wenn etwas verdorben ist – aber ganz so einfach ist es in Zeiten von Konservierungsstoffen, Nahrungsersatzstoffen und natürlich Farb- und Geruchszusätzen eben nicht mehr.
Ja, eine Banane durchläuft drei einfache Stadien – grün, gelb, braun. Irgendwo auf diesem Weg hat jeder seine Schmerzgrenze und entsorgt das Obst. Bei einer 5-Minuten-Terrine wird das schon schwieriger.

Liebes Verbraucherschutzministerium: Es ist ganz simpel. Lasst konsequent zwei Datumsangaben draufdrucken und zwingt die Hersteller zur Angabe von wenigstens EINEM davon:

– Das Datum, bis zu dem der Hersteller die Qualität garantiert und
– Das Datum, an dem das Produkt verderben wird

Man wird nicht immer beides angeben können, aber wenn es konsequent in gleicher Reihenfolge auftaucht und mit einem vielsagenden Bild (was grünes und was rotes z.B. – ich weiß, ihr steht mit Ampeln auf dem Kriegsfuß, aber vllt riskiert ihr nochmal einen Blick…) verheiratet wird ist das so einfach, das schnallt jeder. Und so kann sich jeder selbst überlegen, welches Datum er für sein Wohlbefinden als Maßstab wählt.

Und lasst die Leute wegwerfen, was sie halt wegwerfen – sie haben es bezahlt und dürfen damit machen was sie wollen (mit einigen Ausnahmen). Fragt eure Kollegen im Wirtschaftsministerium, wie das mit der Marktwirtschaft funktioniert – die werden euch erklären, dass weggeworfene Lebensmittel dennoch zuvor ver- und eingekauft, hergestellt, angebaut, betüddelt, eingeräumt, kassiert und eingetütet wurden. 33 Paar Hände grabbeln die gekauften Lebensmittel durchschnittlich an. Einige Besitzer der Hände wären traurig drüber, wenn sie nur noch halb so viel sortieren dürften, weil der Markt auch mit der Hälfte hinkäme…

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2 Kommentare zu “Rettet das MHD

  1. Skaar himself 26. Oktober 2011 um 20:35

    1. man kippt keine milch in kaffee
    2. DU hast doch noch nie abgelaufenes essen gesehen, gerochen oder geschmeckt
    3. es geht schlussendlich darum dass das alles ökonomischer und ökologischer wäre, nicht um alte menschen wie dich zu verwirren

  2. sph1nxxx 27. Oktober 2011 um 08:38

    Also ökonomisch wärs nur für die Industrie, würde man das MHD wegstreichen. In dem Fall würden nämlich noch mehr – und nicht weniger – Lebensmittel vorzeitig entsorgt werden. Eben grade WEIL in D und EU zigtausende Zusatzstoffe in haarsträubenden Mengen erlaubt sind und so die natürliche Form, Farbe, den natürlichen Geruch verfälschen.
    Am ökologischen Bonus zweifle ich gleichfalls, eben weil ja noch mehr Nutzfläche für die Lebensmittelproduktion nötig wäre als bisher schon.
    Das ist am Ziel vorbeigeschossen. WENN das Verbraucherschutzministerium ausnahmsweise mal die Verbraucher in den Fokus stellt, und nicht die Parteispenden einzahlenden Unternehmen, kann der Weg nur über Information gehen – und eine Information wegzulassen, so trivial und sinnlos sie auch sein mag, ist schon aus pädagogischem Blickwinkel nicht richtig. Informationen verändern oder hinzufügen sollte und muss die Devise lauten.

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