Verwertungswahn!

Die ZPÜ will Mobiltelefone teurer machen. Sie will bis zu 36€ Abgaben auf Mobiltelefone erheben – 12€ für die billigen mit den großen Knöpfen und 16 bis 36 Euro für beliebige Smartphones unterschiedlicher Speichergröße (alle Preise zzgl. Umsatzsteuer von 7%).
Die ZPÜ will damit die auf diesen Geräten offenbar vermuteten Privatkopien urheberrechtlich geschützten Bild-, und Videomaterials (wundersamerweise sind nur die VG Wort und die VG Bild und Kunst hier im Boot – VG Mucke weilte wohl grad zur Betriebsfeier auf ner Insel im Südpazifik) zugunsten der Käufer der Geräte pauschal abgelten. Die derart beim Kauf abgeführten Gebühren würden entsprechend anteilig…ach nee, das geht weder aus der Pressemitteilung der BITKOM noch aus der Pressemitteilung der ZPÜ hervor, in welchen dunklen Kanälen die Kohle letztlich versacken soll, nach welchen Kriterien welche Urheberrechteinhaber bedient werden sollen. Vermutlich nach dem selben Schlüssel wie alles bei den Verwertern: Erst mal die 2,6 Millionen Mitarbeiter der VGs bezahlen, ne Extrarunde Urlaubsgeld, dann noch zwei Managerabfindungen, dann was neues ausdenken weil die Kohle weg ist.
Wertfrei bemerkenswert an der Stelle das Datum der Veröffentlichung der Pressemitteilung der ZPÜ (07.07.2010), das im Tarifschreiben angegebene Datum des Beginns der Gültigkeit für diese Abgabe (01.01.2011), der letzten Änderung im Dokument (22.07.2011, offenbar nachträglich, also NACH Geltungsbeginn?) sowie das Datum der Pressemittelung der BITKOM (28.10.2011 zu einem Zeitpunkt also, zu dem bereits fast ein Jahr lang derartige Abgaben fällig sind…?).
Wer die ZPÜ ist fragt ihr euch? Ist doch klar – die ‘Zentralstelle für private Überspielungsrechte’. Habt ihr noch nie gehört? Ist n Ding. Ich auch nicht.
Laut GEMA ist es die “älteste […] und aus wirtschaftlicher Sicht bedeutendste Form der Zusammenarbeit der deutschen Verwertungsgesellschaften”ein Sammelbecken unterschiedlichster Schmarotzergesellschaften, die sich am Erfolg anderer fett reiben wollen also, ein Zusammenschluss verschiedener Verwertungsgesellschaften die sich mit der Vergütung von Bagatellabgaben auf diverse Leermedien (sie selbst nennen es ‘Vergütung für private Vervielfältigung’ und berufen sich dabei auf die §§ 54 und 54a im Urheberrechtsgesetz der Bundesrepublik Deutschland) befassen – und entsprechend aufmerksam beobachten, auf welch innovativen und kreativen Arten die wirtschaftlich orientierten Tech-Unternehmen dem Markt Funktionen zuführen, mit denen User urheberrechtlich geschützten Scheiß kopieren können, um anschließend, im Namen der Vertretenden, die Hand aufzuhalten.

Ich bin in dem Thema nun sicher kein Insider und kein intimer Kenner der Verwerterszene, bilde mir aber doch ein, so grundlegen die Struktur zu verstehen: Seit anno zopp verlangen Verwerter von Urheberrechten von Herstellern von Kopiergeräten gleich welcher Art – also bspw Druckern, Kopiergeräten, Faxe, MP3-Player, Festplatten, CD-, DVD- und BluRay-Brennern, USB-Sticks, DVD-, und CD-Rohlingen und so weiter und so fort – Abgaben zur Abgeltung von mit den Geräten erzeugten Privatkopien. Entgegen der von Urheberrechtsvertretern gerne verbreiteten Ansicht sind diese nämlich nach wie vor erlaubt, legal und ja ohnehin bereits abgegolten. Da je Medium eine individuelle Vergütungshöhe anfällt sollte man auch meinen, die Abgeltung erfolgte angemessen.
Nun stelle ich mir grade vor, ich kauf mir irgendein Grabbelsmartphone ausm Aldi, dazu ne passende micro-SDHC-Karte, stöpsel das daheim an meinen PC und überspiele einen zuvor bei Amazon gekauften Song von meiner Festplatte auf das Telefon, nachdem es bereits mit meinem MP3-Player synchronisiert wurde.
Auf diese Weise zahle ich für die geduldete (und nicht unbedingt gern gesehene) mehrfache Verwendung ein und desselben Stückes Binärcode vielfach: Der Song selbst kostet Geld. Auf die Geräte (PC), Festplatte, MP3-Player entfallen Gebühren. Die Smartcard hat ebenfalls einen Anteil Privatkopiegestattungsgebühr implizit. Nun noch das Mobiltelefon. Auf diese Weise kostet mich ein Song im Worst Case – ich kaufe und kopiere nur einen einzigen Song – 100€ und mehr. Für den Preis bekomme ich auch ein Album, müsste dann aber noch Kosten für den Download und das Ausdrucken des Covers addieren, Urheberrechtsabgaben für den Drucker natürlich auch (Kopierpapier auch? Weiß ich nicht, wundern tät’s mich nicht)

Ich verstehe ja, liebe Urheber, euren Antrieb. Ihr wollt an dem, was ihr da so urhebt, Geld verdienen. Einige mehr, andere weniger (wollen, nicht Geld). Gar nichts ist den meisten zu wenig (Geld, nicht wollen).
Mir ist klar, dass es schwierig bis unmöglich ist, zu überwachen oder gar zu kontrollieren oder zu sanktionieren, wo welche Form von Kopie eurer Werke rumgeistert. Mir ist klar, dass ihr darüber hinaus gerne andere Arbeiten lasst, damit ihr in Ruhe weiter urheben könnt. Aber das hier ist einfach Irrsinn.
Hier wuchert ein Gestrüpp aus Verwertungsgesellschaften rund um eure Werke, ernährt sich durch euren Erfolg und verunglimpft letztlich euch. Wann immer jemand bei der GEMA vorfühlt und drauf hinweist, dass sie dreiste, schmarotzende Abzocker sind, verweisen die an euch und sagen, sie würden nur euch und eure Interessen vertreten. Ihr müsst unbedingt die Hoheit eurer Werke zurück erlangen. Ich weiß, es bricht sich nicht so leicht mit alten, liebgewonnen Gewohnheiten, zumal mit jenen, die einen so weich betten und vermeintlich Einnahmen einspülen, die man andernfalls mühsam selbst generieren müsste. Aber die hier führt in die falsche Richtung.

OK2013 setzt sich unbedingt dafür ein, Verwertungsgesellschaften zu entwerten und möglichst mittelfristig komplett aufzulösen. Diese staatlich geförderte Beschäftigungstherapie samt Kundenabzocke ist einer marktwirtschaftlichen Demokratie ausgesprochen unwürdig. Da muss es andere Möglichkeiten geben – und auch wenn der Gaul schon totgeritten ist: Die Kulturflatrate wäre so eine Möglichkeit…

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