Das seltsame Vertrauensverhältnis

neulich haben sich ein paar Banken von der EZB 500.000.000.000,- Euro geliehen. Zum Zinssatz von jährlich 1%.
Gut, 1% von einer halben Billion Euro ist immer noch ne Stange Geld (5 Mrd um präzise zu sein, also fünftausend Millionen) – andererseits weiß man ja, dass Banken einerseits offenbar gut wirtschaften können (anders sind die auch in düsteren Zeiten gezahlten Prämien einfach nicht zu erklären – die Kreation von alternativen Erklärungen dazu überlasse ich mal meinen Lesern…) und das eine % mehr oder weniger “aus dem Handgelenk schütteln” werden. Jedenfalls solange alles gut geht. Jede der partizipierenden 523 Banken könnte demnach im Schnitt 956 Millionen Euro weiterverleihen und Umsatz und Gewinn generieren (oder die Kohle einfach verbrennen, so etwas soll’s ja auch geben…). Das sind dann garantierte 5.000.000.000€ Einnahmen jährlich – besser den Spatz in der Hand… Klar, Griechenland kann man damit nicht “retten” und den europäischen Schuldenberg trägt es auch nicht ab – aber immerhin, es pumpt “Vertrauen in den Markt”. Was immer sich auch in dieser Worthülse verstecken mag…

Was war der %-Satz den ihr bekommen habt, als ihr euren letzten Kredit angefragt habt? 5,5% für eine Immobilie, 6,5% für ein Auto, 8% für ein paar tolle Weihnachtsgeschenke und 13% für spontane Gelegenheiten als Dispositionskredit? Gut, Wulff hat besonders gut ‘verhandelt’ und bekommt 4%, in dem Fall sogar ganz ohne eine Sicherheit zu hinterlegen (wann ist euch das zuletzt passiert? nie? Haus, Auto, Diamantenring gehört alles noch der Bank? Gibt’s doch gar nicht…) – aber das ist halt auch kein Maßstab – in einer Zeit, in der Korruption salonfähig gemacht wird, sind eben manche Vertragspartner nützlicher als andere.
Auf der anderen Seite der gleichen Medaille – wer hat denn erst kürzlich die Lehman Brothers ‘gerettet’? Wer hat erst kürzlich die Hypo Real Estate, die kfw, Goldman Sachs, Fannie Mae, IKB, UniCredit und, und, und ‘gerettet’ – auf die eine oder andere Weise beschützt, gestützt, getragen? Ja richtig, der Steuerzahler war’s. Oder andere Banken. Jedenfalls auf Umwegen. Und wieso? Weil im Jahr 2011 90% des weltweiten Finanzvolumens nicht mehr auf Barreserven zurückzuführen ist, sondern lediglich auf Versprechen, Zusagen, Verbindlichkeiten und Forderungen. Wenn diese Spinner an den Börsen also ihre sonderbaren Geschäfte betreiben. jonglieren sie in 9 von 10 Fällen mit Geld, das niemals ausgezahlt werden könnte, sollte mal jemand auf die kranke Idee kommen, das zu versuchen…
Und diesen Unternehmen, die mit Dingen handeln, die gar nicht existieren und sich immer neue Konstrukte ausdenken, diese annähernd wertlosen Papiere weiter aufzuwerten um sich dann, wenn alles im Arsch ist, von unseren Steuern auffangen zu lassen – natürlich nicht ohne sich vor- während und nachher noch stattliche Prämien von dem Rettungsschirm abzuzwacken, erwarten von mir, einem bescheidenen aber stets zuverlässigen und chronisch im Dispo hängenden (und damit umso lukrativeren) Kunden ein halbes Dutzend Sicherheiten für einen winzigen Kredit der dann auch noch mit beschissenem Zinssatz herabgewürdigt wird?

Eigentlich sollte es umgekehrt laufen.
Alleine dafür, dass wir, die Steuerzahler, nicht aufstehen und jeden dieser Börsenspinner aufknüpfen um mal zu sehen, wie entspannt die Weltwirtschaft wäre, wenn nicht dauernd irgendein Holzkopf auf ein Stück Papier zeigen würde und einen vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Wert für den Fetzen ausloben würde (den dann ein anderer Holzkopf bezahlt…), sollten die Banken sich darum reißen müssen, einen Kunden zu binden. Tatsache ist aber, dass Geschäfte mit normalsterblichen Kunden nur Brot- und Buttergeschäfte für die meisten Banken sind. Muss man machen, muss man aber nicht gerne machen. Und macht man deshalb auch nicht so gerne. Und der Witz ist: Das gesamte, instabile Konstrukt würde auch ohne uns funktionieren. Oder nicht funktionieren. Jedenfalls so gut wie bisher funktionieren. Skurril. Gesegnet sind die, die da durchsteigen. In Zeiten, in denen Geld alles bedeutet ist es von unschätzbarem Wert, einen Weg zu kennen, aus Nix viel davon zu generieren…

Auch nicht ganz uninteressant wäre mal die Beantwortung der Frage, woher die EZB eigentlich 500.000.000.000€ nimmt. Ein Blick auf mein Konto könnte vielleicht einen Hinweis liefern. Dort zahle ich indes 13% derzeit – das % von der EZB wird mir aber nicht etwa erstattet…
So schließt sich denn der Kreis. Unser Geld ist gar nie verloren. Es findet mittelfristig wieder den Weg zurück auf unsere Konten. Dass daran vorrangig die Zwischenhändler verdienen – faszinierend.
Wenn ich so drüber schreibe besorgt es mich Moment um Moment immer mehr, wie wenig ich von dem Thema eigentlich verstehe. Wie unglaublich komplex die Konstruktion aus Ratingagenturen, Banken, Versicherern, Staaten und global Playern ist lässt mich doch irgendwie ratlos zurück.

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