Wacken 2012 – Postmonsun-Ära

Wacken 2012 liegt hinter mir, ich blicke bereits versöhnt zurück und bereits aufgeregt nach vorne – denn nach Wacken ist vor Wacken. Aber der Reihe nach und allem voran: Anstrengend war’s…:

Dieses Jahr haben wir die Klamotten alle am Vortag in einen Sprinter gekippt und sind parallel dazu mit zwei PKW von Berlin aus aufgebrochen. Planmäßiger Treffpunkt Mittwoch morgen, 8:00 Uhr in meinem Garten. Schon das klappte nicht wirklich, aber annähernd. Abmarsch dann etwas später, anschließend Tanken, natürlich. Rauf auf die Autobahn, unterwegs vierzehn Pipistops (alle wegen Marc!). Kurz vor Hamburg noch einen weiteren Truck in die Kolonne einfädeln, in Hamburg kurz totes Tier nachladen – und natürlich Pipi machen ^^.

Hinter Hamburg die ersten shocking Moments, Stau soweit das Auge blickt. Die Armageddon-Szenarien werden besprochen, aber total freie Wahl haben wir nicht, wir müssen noch ein weiteres Auto in den Konvoi mit aufnehmen. Gesagt, getan, die Wartezeiten sind erstaunlich fast nicht vorhanden, beinahe alle, die nicht fahren müssen sind schon in einem sehr glücklichen Zustand – die pralle Sonne bei 23 Pipistops trägt das ihrige dazu bei.
Im Konvoi von 5 Autos und 22 Personen geht’s dann durch Wacken-Dorf, offenbar sind wir die allerletzten die ankommen, denn das Dorf hat schon wieder die metallische Dichte eines Sacks Osmium. Wir werden ein paar Meter über’s Grün gelotst, dabei geht mal direkt Lopi verloren, verabschiedet sich mit einem “Ich geh hier mal schiffen” und verpasst den Augenblick, als wir weiterfahren können und müssen. Naja, er kennt das ;)
Zeltplatz liegt auf einem Hang, unweit vom Dorf, unweit der Festivalsite, weit genug weg vom nächsten Sani und der nächsten Dixiinsel. Der optimale Zeltplatz also, und es wird sich noch herausstellen, dass er noch an Awesomeness gewinnen kann…

Nach der obligatorischen Zickerei mit den Ordnern wird hektisch aufgebaut. Dabei geht ein Stuhl verloren, es gibt also auch erste Zickereien im Zeltlager. Anyway, da ich gefahren bin ist dies der Moment meines ersten Bieres dieses Tages, und es schmeckt richtig gut. Der Mittwoch vergeht wie Mittwochs halt so vergehen – Bändchen abholen, Biergarten suchen, Lichter aus.

Donnerstag fällt das aufstehen schwer, aber es muss ja eh passieren. Also Konterbier und dann recht zeitnah zu Faanjefell aufs Gelände – vorher noch Bändchen holen mit denen, die Mittwoch nich wollten. bei Faanjefell stellen wir dann fest, dass sie sich anhören wie Danko Jones, aussehen wir Danko Jones und auf der Bühne sind, auf der eigentlich zuvor Danko Jones seine “spoken words” aufführen sollte. Nach diversen Hinweisen hilft ein Blick auf die Uhr und wir wissen, wir sind ne Stunde zu früh dran. Nunja. Peinliche Nummer ;)

Faanjefell spielen dann halt irgendwann, haben mich aber weder interessiert noch beeindruckt. Exuviated waren da schon besser, aber das war auch zu erwarten, die standen hoch im Kurs bei mir. Gelungener Einstand in den Donnerstag morgen also.
Danach ‘n Haufen Kram, an den ich mich nicht mehr erinnere. Das nächste wichtige Konzert wird von Amaranthe performt, die sind mal außerordentlich gut – aber das wusste ich vorher. Anschließend noch mehr Zeugs das niemand hören muss. Dann schlendern wir erstmal ins Zeltlager, wir haben’s ja nicht weit. Anschließend sind die Erinnerungen etwas konfus, offenbar hab ich aber zumindest noch Circle II Circle gesehen – die scheinen aber eher überschaubar toll gewesen zu sein. Um dem Abend die verdiente Krönung zu verabreichen habe ich noch Ordnern an zwei (!!) Mainstage-Eingängen die Meinung gegeigt, weil die das Infield gesperrt hatten, auf dem Volbeat spielten, und vor dem noch diverse Leute auf Einlass warteten. Liebe Wackenverantwortliche: Das war mal wieder nix. An jedem Abend habt ihr das Infield gesperrt, das ist echt ultrahochnervtötend. Wenn zu klein ist, baut es größer. Ihr verkauft Trillionen Tickets und werbt mit 120 Bands – und wenn man sich dann die Mühe macht, ein paar mehr davon auf verteilten Bühnen zu sehen, wird man zum Lohn nicht mehr zu den Headlinern ins Infield gelassen. Epic Fail. Und nein, ich wollte Volbeat nicht sehen, ich hab den Ordnern aus Prinzip meine Meinung gegeigt. Also Zeltlager, Bierchen, Feierabend, Lichter aus.

Freitag ist widerum etwas diffus. Es beginnt wohl mit Crimes of Passion, Darkest Hour und Black Dahlia Murder nehmen wir auch noch mit. Alles nicht sehr beeindruckend, Darkest Hour mag sich hier vielleicht noch abgehoben haben. Anschließend gemütlich zur Partystage, Coroner spielen auf. Und wie sie spielen. Grandioses Konzert, sicher das Beste, dass ich dieses Jahr gesehen habe. Obwohl sie gegen Monsunartigen Regen antreten blasen sie den Zuschauern die Ohren aus den Köpfen – groß.
Im Anschluss eine kleine Pause, dann etwas Dummi Borgir und natürlich In Flames. In Flames sind toll, leider bin ich viiiiel zu wenig nüchtern für das Konzert und muss abbrechen. Die wichtigsten Songs nehme ich noch mit, manch im Infield, manche davor. Gut zu wissen, dass ich sie auf der “Majesty of the Seas” wiedersehen werde ;)
Augenzeugenberichten zufolge soll ich noch Insomnium und Ghost Brigade gesehen habe. Unter Eid würde ich das aber abstreiten.

Samstag startet früüüüüh mit Agro, vor allem aber mit dem für mich wichtigsten Auftritt von Manticora. Die sind, obwohl sie “meine” Songs nicht spielen, erwartet gut und ich bereue nicht, ihretwegen so früh aufgestanden zu sein. Anschließend zu Paradise Lost, beim Warten auf die Band ein kurzer Plausch mit einem Schweden, der lustige Sachen zu erzählen hatte – die meissten drehten sich um lange An- und Abreisen und dass er Montag morgen wieder arbeiten muss. Awesome!
Das kann man von Paradise Lost leider nicht sagen, die sind einfach nur langweilig. Also zurück ins weltgrößte Zirkuszelt, warten auf Weto. Die sind leider auch eher mau. Aber immer noch besser als die anschließenden Kylesa, die vielleicht das schlechteste sind, dass ich aufm Wacken dies’ Jahr gehört habe. Anschließend wieder Zeltplatz, abends nochmal zu Sylosis (Groß!) und drei Songs von Amon Amarth (natürlich VOR dem Eingang zu den Stages…), dann war’s das.

Den Abend beschließt der heftigste Regenschauer des Wochenendes, die perfekte Einleitung in das Parallelthema dieses Jahr: Regen, Schlamm, Matsch.
Schon Tage vorher hat es in Wacken geregnet. Es gab Anreisewarnungen der Veranstalter, die allergrößte Mühe hatten, wenigstens einen Teil des Geländes trocken zu legen. Weder im Infield, noch auf dem Plaza oder auf den Hauptverkehrsstraßen ist ihnen das ernsthaft gelungen. Das ist kein Vorwurf, denn es war halt scheissviel Wasser und eben sehr viele Menschen und Autos, die über die immer gleichen Wege fuhren und gingen. So steckte man quasi das gesamte Wochenende knöcheltief im Schlamm, der je nach Position mal mehr und mal weniger die Duftnote einer Durchfallerkrankung bei Neugeborenen hatte. Das vermittelte auch das heimelige Gefühl, man würde nicht durch nassen Sand, sondern durch nassen Dung waten. Ist wahrscheinlich auch so.
Die Wege zwischen Zeltplatz und Festivalsite waren superanstrengend, auch wenn sie für uns sehr kurz waren. Aber jeder Schritt kostet Kraft. Auf dem Plaza und vor den Bühnen bot sich nur wenig anderes. Ich hatte dieses Jahr recht viele Bands im Bullhead Circus, dem angeblich weltgrößten Zirkuszelt. Das war eine gute Entscheidung, denn im Zelt waren die Bedingungen um Längen besser. Zwar wurde auch hier der Boden irgendwann komplett durchweicht, aber nicht annähernd so schlimm wie draußen. Und neuen Regen haben wir fast gar nicht bemerkt, erst wenn man mal wieder den Standort wechselt war der Unterschied zu erkennen – aber noch tieferen Morast vor dem Zelt.
Samstag morgen haben die ersten Besucher Versuche Unternommen, vom Zeltplatz abzufahren, nicht wenige von ihnen sind dabei im Schlamm stecken geblieben. Einige mussten zehn Stunden auf Hilfe durch die ortsansässigen Bauern warten, die mit ihren Traktoren über das bisschen Schlamm nur müde lächeln konnten.
Komplette Zelte waren voller Schlamm, hier hatten wir dank des Hangs echt Glück, dass das Wasser und der Schlamm quasi an uns vorbeifließen konnte. Andere Zelte hatten da weniger Glück.
Es war demnach permanent nass und matschig. Wenn es grad mal nicht regnete, schien die Sonne unbarmherzig und brannte direkt auf Armen und Nacken. Wettertechnisch echt ätzend. Aber: Wenn man sich erst mal damit abfindet, ist’s am Ende des Abends auch egal. Gute Schuhe und wetterfeste Kleidung und dann geht das. Doof nur, dass mir an der Regenjacke am Freitag der Reißverschluss abgerissen ist. Naja. Das gibt’s :D
Auch bei der Abreise am Sonntag hatten wir dank unserer Zeltplatzes das Glück, dass wir fast problemlos “vom Acker” kamen. Das Leitsystem funktionierte etwas seltsam, aber zuverlässig. Ein bisschen finales Gezicke um Kaffeepausen und schnelle Heimfahrt bekommt man auch noch in den Griff, dann ist Wacken 2012 Geschichte.
Als Resümee kann ich sagen, ich habe wieder unglaublich viel Zeit im Wackinger Village verbracht und die mit Abstand meisten Bands auf den kleinen Bühnen im Bullhead Circus gesehen. Auf diese Weise ist Wacken tatsächlich ausgesprochen entspannend. Und wenn die Wege zwischen Zelt und Bühne so kurz sind wie dieses Jahr, spielt es auch keine Rolle, dass einem permanent der Geruch von Kuhfladen um die Nase wedelt. Ist vermutlich auch am Samstagabend eines rein sonnigen Wackens nicht anders :D

Zu guter Letzt noch ein paar Impressionen, denn Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte…:

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