Kopf > Wand

Nachträgliche Rekonstruktion eines weiteren, hilflosen Hinweises darauf, dass nicht ich hier der Seltsame bin…:

Zunächst die Fakten: ich habe auf dem Grundstück meiner Mietwohnung einen Privatparkplatz angemietet – wie etliche andere Mieter auch. Dieser Parkplatz wird parallel zur Haustür auf die Straße geführt. An dieser Straße finden derzeit irgendwelche ominösen Bauarbeiten statt – ein Radweg wird versetzt, Bordsteine werden neu gelegt, eine Busspur neu geteert und irgendwas wurde verbuddelt. Bislang wurde die Ausfahrt provisorisch (und beim besten Willen nicht optimal!) bereitgestellt, meistens indem man einfach beim verlegen der kleinen Pflastersteine das Arbeiten eingestellt hat und die Autos so zwingt, über ein wackeliges Kopfsteinpflaster aus Pflastersteinen zu hüppeln. Sei’s drum.
Am Mittwoch, 08.08.2012, fahre ich zur Arbeit. 7:15 etwa. Hinter der automatischen Tür erwarten mich drei Männer, offenbar alles Profis vom Projekt Bau. Einer spricht mich an und sagt:

“am nächsten Montag machen wir hier zu. Kein rein und kein raus”.

Okay, der Tag musste kommen, ich bin also entspannt und frage zurück: “kann ich denn morgens noch raus und seid ihr bis abends fertig?” Ich erhalte als Antwort etwas in der Art:

“Jaja, wir machen erst dahinten, das is kein Problem. Wir hängen zwar auch noch was aus, aber wennde jemanden kennst, den das betrifft, gib ihm bescheid.”

So einigen wir uns und ich fahre von dannen.
Ich habe diesen Parkplatz angemietet, weil die Parksituation in meiner Straße der blanke Horror ist. Also habe ich ein berechtigtes Interesse daran, insbesondere wenn durch Bauarbeiten weitere Parkplätze wegfallen, einen möglichst präzisen Zeitplan zu haben. Ich organisiere mir also einen Platz, wo mein Auto notfalls Montag Nacht stehen wird (nicht auf dem Firmengelände, weil da mal irgendein egoistisches Arschloch sein Auto unberechtigt übers Wochenende hat stehen lassen um im Anschluss an das Wochenende einen Kratzer zu finden und die Firma daraufhin um Schadensersatz zu bitten – seither gilt (vollkommen verständlich wie ich finde) generelles Übernachtungsverbot für private PKW auf dem Gelände) und ich organisiere mir eine Mitfahrgelegenheit.
Ich bin, auch wenn man das kaum glauben mag, ein ganz netter Kerl dem man offenbar ganz gerne in solcher Situation unter die Arme greift. Meine etwas vage Ankündigung, dass das “sicherlich nur einen Tag” nötig sein wird übergeht man großzügig. Ihr könnt euch jedoch vorstellen, dass sich diejenigen, die sich hierfür umstellen müssen, über möglichst präzise Angaben zurecht freuen würden. Wie auch immer.

Ab Donnerstag bis einschließlich Montag früh suche ich die versprochenen Aushänge, doch Fehlanzeige. Ich denke mir also, ich habe exklusive Informationen und halte mich da mal lieber dran, vielleicht haben sie nur vergessen, auszuhängen.

Am Montag, den 13.08.2012 schaffe ich den Wagen also vom Hof, jedenfalls dachte ich das. Direkt vor mir tut sich ein Bauzaun auf. Es ist 7:15. Ich denke mir “wtf?” und sprinte los, nachforschen ob ich denn heute noch hier wegkomme. Ich suche mir einen der wenigen Arbeiter (links von meiner Ausfahrt!), frage ihn, ob was dagegen spricht, wenn ich den Bauzaun da mal wegräume. Er zuckt mit den Schultern, verweist mich auf einen, der noch weiter links steht. Der zuckt auch mit den Schultern und verweist mich an einen, der ganz weit rechts von meiner Ausfahrt steht. Da schwinden fünf Minuten meines Lebens, die ich nie wiedersehe.
An benannter Stelle finde ich den Kerl, der mir das Montagsmärchen erzählt hat. Ich frage ihn, ob der Bauzaun da nochmal weg kann. Er sagt “klar, machste weg. Dann geht’s aber nicht mehr rein oder raus”. Ich blicke an mir herab, mein nicht ganz günstiger Anzug überzeugt ihn nicht, mir zuvorkommend anzubieten, den Bauzaun selbst wegzuräumen (wer hätte das gedacht…)
Ich versuche etwas präziser zu erfahren, wann genau am Abend denn wieder geöffnet wird, und erhalte die Antwort:

“Nee, heute abend kannste vergessen. Das dauert sicher drei Tage”

Ich gehe kommentarlos, da habe ich eh keine Argumente gegen. Ich hebe den Bauzaun weg, fahre raus, stelle den Wagen ab und organisiere mir meine Heimreise anders – die Geduld meiner Kollegen ist belastbar, dennoch liegen die jetzt noch unpräziseren Angaben natürlich auf der Kontra-Seite meiner Zuverlässigkeitsskala. Sei’s drum.
Unter der Woche bemerke ich täglich, dass die Einfahrt frei ist – freier als am Montag morgen jedenfalls. Kein Bauzaun, keine Arbeiten, keine Sperrung. Ich akzeptiere das, ich kann es eh nicht ändern und denke mir, vielleicht dauern die Arbeiten nur ein paar Stunden, aber der Arbeiter ist nicht kalkulierbar. Ist ja beim Anknipsen eines Telefonanschlusses oder der Zustellung eines Pakets nicht besser.
Gestern, Mittwoch, mein Auto steht noch immer im schönen Wannsee, sehe ich das erste mal Aushänge an meiner Einfahrt.

“Samstag, 7:00 Uhr – 12:00 Uhr ist diese Ausfahrt gesperrt”

…?

Was mag da wohl los sein? Ich meine – ist ja nicht so, dass ich die Herren gebeten hätte, mir zu sagen, wann diese Ausfahrt gesperrt wird. Diese Information drängten sie mir förmlich auf. Offenbar aber eher aus einem Wunsch des Redens heraus als auf der Basis von Fakten.

Bin gespannt wie es weitergeht. Oder ob es weitergeht. Bleibt sicher spannend.

Advertisements

Mit Tag(s) versehen: ,

4 Kommentare zu “Kopf > Wand

  1. Anonymous 17. August 2012 um 07:07

    Hier die Lösung für dein Parkplatzproblem: http://www.bvg.de/index.php/de/3713/name/Liniennetz.html

  2. sph1nxxx 17. August 2012 um 07:36

    Ich spar mir einfach mal meine (durchaus vorhandenen) Argumente, da ich hinter diesem Kommentar eh nur einen armseligen Versuch sehe, mich zu provozieren.
    Stattdessen vielleicht der Hinweis, dass ich hier weder ein Problem skizziert habe, noch eine Lösung gesucht habe.
    Womöglich ist Dir aufgefallen, dass ich ja bereits mit Lösungen gearbeitet habe. Vielleicht aber auch nicht. In dem Fall hilft: Aufmerksames Lesen. Ist ’n bissl anstrengender als einfach nur hintendran zu klugscheißen, erzeugt aber einen wohligen Mantel der Erkenntnis wenn man fertig ist.

  3. Loverman 17. August 2012 um 18:26

    Wie kommst du darauf das ich dich provozieren wollte ( dreckig grins )? Als ich deinen Kommentar AUFMERKSAM gelesen habe, ist mir aufgefallen, das diese einfache Lösung nicht von dir in betracht gezogen wurde, es liegt in meiner Natur, unaufgefordert konstruktive Vorschläge zu machen…

  4. sph1nxxx 21. August 2012 um 11:52

    Doch doch, ich hab sie in Betracht gezogen. Aber aus diversen Gründen letztlich ausgeschlossen.
    Und unabhängig davon, wie ich letztlich zur Arbeit gekommen bin, ist entscheidend, dass ich überhaupt umständlich eine Alternative habe suchen müssen.
    Klar, BVG ist natürlich auch grundsätzlich eine mögliche Alternative und dann wär’s hier weniger akut. Aber da kommen dann leider meine guten Argumente zum Tragen. Also bei aller Sorgfalt, die ich gerne bereit bin, Dir zuzugestehen, hilft mir der Beitrag leider nicht wirklich weiter. Weder grundsätzlich noch angesichts der hier besprochenen Problematik ;)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: