Pfand-Desaster

Hat das Prinzip “Pfand” eigentlich einer von euch wirklich nachvollziehbar verstanden (und könnte es seiner Großmutter gleichfalls nachvollziehbar erklären, quasi als Beweis des Verstehens?)? Deutschland ist Weltmeister im Mülltrennen, da sollte doch so ein läppisches Pfandsystem der reinste Ponyhof sein!

Flaschenpfand, Dosenpfand, Pfand für Mehrweg, Pfand für Einweg, ausnahmsweise auch mal gar kein Pfand. Welcher Händler muss welche Arten von Pfandverpackung annehmen, was braucht nur zurückgenommen werden? Was entscheidet hier, dir Form der Verpackung? Der Strichcode? Das Material? Was ist mit ausländischen Verpackungen identischer Machart (betrifft natürlich nur Dosen & Einweg) – müssen die abgenommen werden?
Wieso gibt’s die Unterscheidung „Mehrweg“ und „Einweg“, woran erkennt man die beiden möglichst kurzfristig? Wem dient der Zirkus und wer profitiert davon? Gibt’s eine menschenwürdige Möglichkeit, die Abnahme von abnahmepflichtigen Artikeln zu ermöglichen (statt einen Automaten zu beschimpfen, die Flaschen (Egal ob Ein- oder Mehrweg…), die nachweislich im Geschäft gekauft wurden, gefälligst anzunehmen und dann nach einem zuständigen Mitarbeiter zu suchen, die zufällig immer alle grade zur Pause sind)?
Wieso gibt’s zu jeder Regelung ne Ausnahme (Einwegpfand muss jeder Händler zurücknehmen. Aber nur, wenn er: [x] Auch Einweg verkauft, [x] der verkaufte Kram aus dem gleichen Material ist (äh ja is klar), [x] der Strichcode noch am Behältnis ist und [x] der Strichcode noch maschinell oder wenigstens manuell lesbar ist (was ja mal gaaaaaar keine Definitionssache ist – versucht mal morgens um zwei mit dem türkischen Betreiber einer Dönerbude zu feilschen, ob die Dose nun zu kaputt ist oder nicht – und zwar OHNE dass ihr dafür ne Bestellung aufgebt…).

Habe neulich mal wieder ne halbe Stunde mit sonem Automaten verbracht, ihm meine Flaschen und Dosen und Kästen in den dunklen Rachen gedrückt. Bei etwas über zehn Euro (und gefühlten vier Stunden vor dem Alte-Biere-Mief, der einem immer aus den Flaschenöffnungen ins Gesicht pustet, jedenfalls wenn man zufällig meine Körperhöhe hat) hatte ich nur noch einige „Red Bull“-Dosen im Wagen. Ich schiebe eine Dose rein, er sagt, das Produkt würde hier im Laden nicht verkauft werden. Bei der Fehlerquote für solche Ansagen lohnt es sich, noch zwei bis zwölf neue Versuche zu unternehmen. Das ist natürlich wenig Stimmungsfördernd, weder für mich noch für die ungeduldig hinter mir wartenden Leute, die schon ihre Fingernägel in ihre PETs geschlagen haben.
Das Gerät weigert sich beharrlich, die Dose anzunehmen. Ich untersuche sie etwas genauer und stelle fest, ja, scheisse, ist aus Dänemark. Habe ich wohl bei einem kleinen Städtetrip mit nach Deutschland überführt. Ich blicke mich eben um, ob ein jemand „vom Fach“ in der Nähe ist und resigniere dann umgehend. Die Dose fliegt also in den Müll, die 0,25€ (oder sicherlich ein vergleichbarer Betrag in dänischen Krönchen) schreibe ich ab.
Der Mülleimer ist ein paar Meter weg, ich habe an dem Tag aber überdurchschnittlich soziale Laune und lasse die Dose daher nicht einfach vor dem Automaten fallen sondern bringe sie zum Mülleimer. Anschließend gehe ich einkaufen um an der Kasse zu merken, dass ich bei aller Wut über die Weigerung des Automaten, meine dänische Red-Bull-Dose anzunehmen, vergessen habe, diesen kleinen Schnipsel auszudrucken und mitzunehmen, der meinen Stundenlohn für die 15 Minuten Arbeit vor dem Automaten auswies. Das waren zu dem Zeitpunkt, wie gesagt, etwas über zehn Euro. Ein überflüssiger Blick zu den in Sichtweite stehenden Automaten bestätigt, von dem Geld wird sich jetzt jemand sein Mittagessen gönnen.

Jaja klar, das ist natürlich meine Schuld und natürlich hätte ich an ganz vielen Punkten dieser Geschehnisse das Unglück aufhalten können. Wenn man es aber auf die tatsächliche Ursache runterbricht, hat das Einweg-Pfandsystem diesen Bon auf dem Gewissen.

Auch gut fand ich das Gespräch einer Dame, die genervt war von der scheinbaren Willkür des Automaten, manche Flaschen anzunehmen um bei anderen die Zusammenarbeit zu verweigern, mit einem Mitarbeiter des Geschäfts (den sie wohl im Pausenraum abgeholt haben muss!). Ich habe nicht viel mitbekommen, aber in der Quintessenz beantwortete der Mitarbeiter die simple Frage „wieso nehmen Sie diese Flaschen zurück, die hier aber nicht?“ wie folgt: „Nun, dies hier sind Mehrwegflaschen, die nehmen wir nur zurück, wenn wir sie auch verkaufen – was wir nicht tun. Das hier sind Einwegflaschen, die nehmen wir auf jeden Fall zurück.“
Das ist sicherlich inhaltlich (zunächst) korrekt. Aber nicht die Realität. Denn
1. werden permanent auch Flaschen, die nachweislich in dem Geschäft geführt werden (und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dort gekauft wurden, es gibt nicht viele nomadische Pfandtauscher…), abgewiesen. Der Gegenwert der Flaschen ist mir immer nicht hoch genug, um den Aufwand zu rechtfertigen, einen Mitarbeiter dafür bei der Pause zu stören. Mal ganz davon abgesehen, dass man für derartigen Aufriss ja auch immer noch zusätzlich die mitleidigen Blicke der Mitarbeiter ertragen muss, die nun für eine 8-Cent-Flasche den weiten Weg vom Pausenraum in die Schaltzentrale hinter den monströsen, flaschenschluckenden Apparat auf sich nehmen müssen. Das muss man dann schon aus Prinzip machen…
2. werden alle Flaschen nur erkannt und akzeptiert, wenn der Strichcode drauf ist. Das ist insofern bemerkenswert, als dass dies in den gesetzlichen Regelungen nur für Einwegpfandflaschen vorgeschrieben ist. Für Mehrwegpfandflaschen kann der jeweilige Händler die Regeln im Grund selbst festlegen. Ja, auch hier kann man dann wegen 8 Cent rumdiskutieren…
2a. 2 gilt nicht, wenn die Flaschen ohne Etikett in einem Kasten daherkommen. Nee is klar…
3. werden Flaschen und (vorzugsweise!) Dosen nicht zurückgenommen, deren Strichcode nicht mehr lesbar ist. Zwar kann man bei einer nicht allzu schweren Deformierung (was auch immer die Definition DAVON nun wieder sein soll) drauf bestehen, dass die Dosen manuell eingebongt werden – aber wer will das schon? Und wieso erst diskutieren müssen?

Früher, als alles besser war, konnte ich Mehrwegflaschen zum Händler bringen und Einwegflaschen und -Dosen dem Müll überantworten. Der Händler hat die damals noch von Hand eingebongt (und sicherlich dabei auch allzu gerne Fehler produziert) und alle waren happy.
Einwegflaschen und -Dosen werden auch heute umgehend der Wertstofftrennung zugeführt (sprich: weggeschmissen im großen Stil), allerdings behält der Händler, der mir das Pfand abgeknöpft hat, die 25ct. Zwar gibt es ein Ausgleichssystem, dass jene Händler, die immer nur Pfand rausgeben, aber nie welches einnehmen, entschädigt. Für Kunden, die immer Pfandgeld hinterlegen, aber allzuoft keines erstattet bekommen (aus welchen Gründen auch immer), gibt’s sowas natürlich nicht. Stellt sich unweigerlich die Frage: Wohin verschwinden diese zigtausenden 25ct-Beträge, die auf diese Weise sicherlich täglich in der Republik anfallen?
Wieso ist es in diesem Land der Regeln so schwer, ein einfaches, transparentes Pfandsystem zu designen (dessen Nutzen ich btw nie abgestritten habe!)? Einfache Ansage: Händler, der Flaschen oder Dosen verkauft, muss Flaschen und Dosen annehmen. Jede Flasche und jede Dose, jedes Glas wird gegen einen Pfand von 10€c abgegeben. Keine Ausnahmen. Ist es aus Glas, PET oder Blech und ist ne Flüssigkeit drin, kommt Pfand drauf. Wenn kein Pfand draufkommt, weil’s nicht wirklich flüssig ist (Joghurt im Glas bspw.), kommt ein simples “kein Pfand” in erzwungener Größe und Farbe aufs Etikett. Einheitlich, simpel, nachvollziehbar.

Damit wäre die Industrie in der Notwendigkeit, sich dafür elegante Mechanismen einfallen zu lassen, wie sie den Kram auseinanderfriemeln und Millionen Kunden wären nicht mehr gezwungen, sich über Pfand ne Platte zu machen.
Warum passiert das nicht? Ja richtig, aus den gleichen Gründen, aus denen die deutschen Abgeordneten die Korruptionsgesetze nicht unterschreiben wollen…

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