Und plötzlich denk ich über’s Töten nach…

…und ich frage mich, wer macht so etwas? Wer geht hin und tötet andere Menschen. Wer meldet sich zum Dienst an der Waffe, geht, unter welchem moralischem Vorwand auch immer los, um andere Menschen zu töten? Oft im Bewusstsein, dabei selbst getötet werden zu können? Und welche Sorte Tier tötet gar ohne diese Herausforderung, einem mehr oder weniger ebenbürtigem Gegner gegenüber zu treten? Wer mordet denn? Wer schlachtet seine Mitmenschen? Klar, die kaputten, die kranken, die entmenschlichten. Aber Nein, das stimmt ja so nicht. Ein durchschnittlicher Raubüberfall mit Todesfolge wird eben nicht von einem kranken, sondern nur einem habgierigen oder verzweifelten durchgeführt. Und ja bla, da sind natürlich immer die Umstände schuld und das war nie so geplant. Oder was ist mit Banden? Die gehen los, nieten irgendwen um, der ein feindliches Tattoo trägt. Warum? Überhaupt. Die Motivation? Warum das? Die Gründe, andere Menschen zu töten, sind offenbar so vielfältig wie unglaubwürdig. Aus Vaterlandsliebe. Aus Loyalität. Aus Rache. Aus einer Laune heraus. Aus Langeweile. Aus Habgier. Aus Notwehr.

Gelegentlich träume ich davon, wie ich, um zu wissen wie es sich anfühlt, einem fremden Menschen, gesichtslos und vollkommen anonym, ein Messer in den Bauch steche. Ich sehe dann immer nur meine Hand, wie sie quasi körperlos dieses Messer hält. Filmreif, schwarzer Griff mit silbernen Nieten, lange, spitz zulaufende Klinge. So typisch Küchenmesser halt ^^. Das schieb ich dann in einen Bauch. Ohne mich an weitere Details zu erinnern wache ich auf, schweißüberströmt. Und frage mich, was zur Hölle der Scheiss nun sollte.
Wenn ich mir nun überlege, dass ich darüber hinaus auch noch die Haut meines “Opfers” abschäle, um sie als Regencape zu tragen – wird mir alleine schon beim Gedanken daran übel. Aber es muss ja Leute geben, denen das weniger Kopfschmerz bereitet.

Klar, als ich Anfang des Jahres in den USA war, hab ich mit diversen scharfen Waffen rumgeballert – auf Zielscheiben. Auf einen Menschen schießen? Niemals. Auf ein Tier? Kaum. Ich sauge Spinnen weg, zu mehr langt’s einfach nicht. Aber damit scheine ich ja recht isoliert zu stehen. Andere gehen hin und töten nicht nur einen, sondern viele. Im Krieg beispielsweise – den man sich ja gerne hinlegitimieren kann wie man möchte – ist Töten quasi indiskutable Grundvoraussetzung zum Überleben. Klar, da rennt auch mal n Sani oder n Techniker rum – aber alle wissen, wenn sie einem Gegner gegenüberstehen, aus welchem dummen, zufälligen Grund auch immer, müssen sie töten. Sie fahren in ein Gebiet (oder werden Opfer einer Invasion…), in dem es vom Feinde nur so wimmelt. Da bleibts nicht aus, dass man einander begegnet. Da zuvor auf anderer Ebene beschlossen wurde, dass man einander zu töten hat, tötet man einander. Kranker Scheiss. Wer zögert, verliert. Weil irgendein Arschloch von einem Politiker als Marionette eines Wirtschaftsmagnaten das für ne super Idee hält. Und dann geht der Soldat hin und ballert um sich. Legitimiert den Tod von feindlichen Soldaten, denen er, an anderen Orten und unter anderen Bedingungen, vielleicht ein Bier ausgegeben hätte.

Welcher Sorte Mensch muss man angehören, um das zu tun. Bin ich entweder total emotionslos, wenn ich jemanden töte? Oder besser maximal emotional? Wie legen denn Bandenmitglieder diesen Schalter um? Oder is das eher so eine individuelle Sache? Hat diesen Schalter gar nicht jeder? Besteht die emotionale Barriere, anderen Menschen das Leben zu nehmen, nur bei mir und ein paar anderen? Und der Rest klärt das dann, wenn es eben was zu klären gibt?`

Unfassbar, wie unbegreiflich mir das ist… Und es stimmt mich traurig, einer Gattung anzugehören, der Tiere angehören, denen diese Gedanken selbst dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie töten. Egel warum.

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Ein Kommentar zu “Und plötzlich denk ich über’s Töten nach…

  1. atze badekappe 4. Oktober 2013 um 16:49

    In aktuellen wissenschaftlichen Puplikationen sucht man sie vergebens. Doch alte Schriften sind voll mit Hinweisen auf die Filipendula Highlanderia, welche von Philosophen und Biologen als die schönste Blume der Welt bezeichnet wurde-und als Symbol für das ewige Leben. Weder wächst sie, noch vermehrt sie sich. Sie steht nur da und blüht. Seit Menschengedenken. Für immer. Die unsterbliche Schönheit. Es sei denn-und hier wird es richtig mysteriös-sie trifft auf ihresgleichen. Dann nämlich stirbt eine von beiden. Mache sagen zu viel Vollkommenheit an einem Ort konzentriert, sei eben physikalisch unmöglich. Andere meinen, die Highlanderblume sei so eitel, dass sie eine Schönere in ihrer Nähe nicht ertragen könne.In jedem Fall aber untermauert ihre Existenz die Schöpfungstheorie. Denn offensichtlich gab es zu Anfang ganz viele von ihnen, und erst im Laufe der Zeit löschten sie sich gegenseitig aus. Als wäre jede einzelne durch die Hand Gottes erschaffen und liebevoll über die Erde verteilt worden. Konsequenterweise war es denn auch der Homo Sapiens, der ihr Schicksal besiegelte. In freier Natur hatte jedes Individuum sein Revier und konnte dort jahrtausendelang rumstehen, ohne von einem Artgenossen gestöhrt zu werden. Doch als die Menschen begannen, sie in Blumentöpfe nach Hause holen, nahm das große sterben seinen Lauf. Schon im 17. Jahrhundert soll es keine frei lebenden Exemplare mehr gegben haben. Eine Highlanderblume im Wohnzimmer galt als absolutes Statussymbol. Und trotz aller Warnungen gab es immer wieder verantwortungslose Egozentriker, die zwei davon besitzen wollten. Es war jedesmal ein teures und kurzlebiges Unterfangen. Irgendwann hatte sich ein wahnsinniger Snob in den Kopf gesetzt, die schönste von allen zu besitzen. Heimlich drang er in die Anwesen mit Highladerblumen ein, um dort sein Exemplar auszupacken. Innerhalb von Sekunden verwelkte eine der beiden Pflanzen beim Anblick der jeweils schöneren. Danach steckte er die Siegerin ein und reiste zum nächsten Tatort. Am ende besaß er unangefochten die schönste Filipendula Highlanderia der Welt. Doch als er erkannte, dass jeder Superlativ ohne die Möglichkeit des Vergleichs bedeutungslos ist, wurde er noch wahnsinniger und schlug sich den Kopf ab. Sein Erbe-die einzig verbliebene Highlanderblume-wurde von religiösen Fanatikern an einen geheimen Ort gebracht. Inzwischen ist sie nur noch ein Mythos, doch hin und wieder behaupten Reiche oder Irre, den Standort zu kennen oder sie gar gesehen zu haben. Auch mich erreichten kürzlich vielversprechende Hinweise. Neugierig wie ich bin, machte ich mich auf den Weg, und siehe da, in einer unscheibaren Mietwohnung in Berlin erblickte ich sie. Und sie mich. Und verwelkte. Was lernen wir aus dieser Geschichte? FIGER WEG VON DROGEN!!!

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