Relationen

Je suis Charlie. Kennste? Klar kennste das. Immerhin hat sich entweder der Politiker Deines Vertrauens, der Popstar Deines Vertrauens, der Klugscheisser in Deiner Klasse (respektive in Deiner Frühstücksrunde oder am Stammtisch, je nachdem wo Du halt morgens um 10 so rumgammelst) oder gut ein viertel Deiner rund 250 Facebook-Kontakte dazu bekannt, Charlie zu sein.

Haste mal was von Boko Haram gehört? Nein? Nicht mal jüngst? Merkwürdig. Dabei haben die zwei Tage NACH dem Anschlag in Paris, bei dem zwei Polizisten und zehn Mitarbeiter einer Satirezeitschrift getötet wurden, in mindestens elf Dörfern in Nigeria regelrechte Hinrichtungen durchgeführt. Nicht zwei oder drei, so dass man meinen könnte, der „Terrorakt“ in Paris sei schon aus statistischen Gründen populärer. Nicht nur dutzende, und man müsste unterstellen, dass die Nähe zu Frankreich den Ausschlag über die Bedeutung für „unsere westlichen Medien“ gibt. Nein, hunderte. Unbestätigte Meldungen sprechen von 2.000 Toten. Unbestätigt deshalb, weil Boko Haram nicht nur die Menschen in den Dörfern systematisch abschlachtet, sondern weil sie auch gleich noch die Infrastruktur zerlegt haben. Informationen von dort dringen nur schwer und hauptsächlich als Berichte von Betroffenen nach draußen.
Wo sind denn die Freunde dieser Toten? Warum stellt sich niemand auf die Seite der hingerichteten Männer und Frauen, Alter und Kinder? Warum sehe ich keine „Boko Haram muss weg“-Profilbilder bei Facebook?

Im Dezember mal was spannendes aus Pakistan vernommen? Wo Mitglieder der Taliban eine Armeeschule angriffen und 141 Menschen mit gezielten Schüssen töteten? Unter den Toten waren 132 Kinder. Söhne und Töchter von Soldaten und Armeemitgliedern. Ja, damals gab es eine kleine Welle der Anteilnahme in den Medien. Grade groß genug, um in der Vorweihnachtszeit daran zu erinnern, wie gut es uns geht. Aber dann doch nicht groß genug um Millionen und Abermillionen auf die Straßen zu locken, dabei Schilder hochhaltend, die suggerierten, sie wären pakistanische Kinder. Und dass der Anschlag es überhaupt in die Medien geschafft hat kann man relativ getrost der Tatsache überlassen, dass er der IS zugerechnet wird – also dem erklärten Feind des Friedens und der Freiheit der westlichen Welt. Also. Einem der Feinde halt. Die sind ja inzwischen zahlreich. Jedenfalls spielt er den selbsterklärten „Prinzen gegen den Terror“ direkt in die Hände – verdeutlicht er doch kurz vor Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Vielsamkeit und Ruhe, Eintracht und der Gemeinschaft, worum es bei aller Liebe zur Freiheit zu gehen hat für uns: Tod dem Widerstand.

Oder erinnert sich noch jemand an die NSA? Guantanamo und so? Foltern von Gefangenen? An Dick Cheney (der war mal zweitgefährlichster Mann der Erde zweiter Heerführer der gefährlichsten Armee der Welt), wie er sagt, er sorge sich mehr um die entlassenen „bad guys“ als um die, die sein Regime gefoltert hat, obwohl sie sich hinterher als nachweislich unschuldig und nutzlos für die Informationsbeschaffung erwiesen haben? Nein? Ja klar, ein paar Randgruppenberichterstattungen erinnern sich. Aber im Big Picture? Nicht mehr? Aber wer Weltfussballer ist, das weisste, ne?

Sommerloch? Am Arsch. Es regiert das Medienloch. Was nicht gefällt, wird nicht berichtet. Was entweder gänzlich trivial ist oder ganz offenbar politisches Potenzial hat, weitere Persönlichkeitsrechte zu beschneiden oder weitere Grundrechte einzuschränken um die Kontrolle über die Konsumierenden zu behalten, wird großflächig bedient. Klar, Pressefreiheit und so, alles wichtig, will ich gar nicht abstreiten. Ob’s im Namen der Pressefreiheit nun aber Vorratsdatenspeicherung braucht? Kaum. Was es braucht ist Aufklärung. Objektive Berichterstattung darüber, dass nicht jeder, der dem Islam zugehörig ist, automatisch ein Terrorist ist. Der Islam ist eine Religion wie andere auch (egal wie man jetzt zu einer  konkret stehen mag…), und es gibt innerhalb dieser religiösen Mauern eben auch Systemfeinde und Schädlinge, die im Namen dieser Religion und im irre geführten Aberglauben gegen ihre Feindbilder antreten. Diese Sorte Fundamentalist gibt’s aber in jeder Religion (und jeder anderen Organisation dieser Größenordnung)… Damit will ich nicht sagen, dass es keine dem Islam angehörigen (Selbstmord-)Attentäter gibt. Die gibt es. Es gibt aber auch katholische Kinderficker. Und es gibt jüdische Auftragsmörder. Und es gibt atheistische Serienmörder. Alles eine Suppe. Die Zugehörigkeit zu einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft von Glaubensbrüdern und -schwestern substantiiert für niemanden die zu erfahrene Gerechtigkeit im Falle von Aktionen die gegen die Menschlichkeit im Allgemeinen geht.

Und wie um das zu unterstreichen melden sich just zum medienwirksamen Händchenhalten gegen den Terrorismus die Außenminister und Vertreter von Ländern, die in ihren eigenen Ländern Pressefreheit eher als Angebot verstehen und den Grad der erlaubten Kritik an der eigenen Regierung oder deren Handeln als Verhandlungsmasse. Und auch hier gilt, dass nicht etwa ein schwarzes Schaf darunter ist – nein, man muss eher nach den Perlen suchen.
Nun ist die Welt ein schlechter Ort und Politik nunmal ein schmutziges Geschäft. Das alleine stimmt mich nicht mehr nachdenklich, zu hoch ist die Frequenz der Ausreisser in dieser Farce des Märchenlandes, zu abgestumpft ist man inzwischen als mittelmäßig situierter Mittelstandsbürger des westlichen Kapitalismus. Was mich nachdenklich stimmt ist die Frequenz, mit der wir, als Gesellschaft, in diese futuristischen Modelle gezwungen werden. Unbequeme Gesetze werden inzwischen nur noch während Fussballgroßereignissen durchgewunken. Auf unangenehme Enthüllungsgeschichten geheimen Regierungsmaterials folgen lokale Sensationen für die Medien. Heute noch lemmingen wir unseren Twittervorbildern ein „#nobärgida“ nach, morgen schon wird irgendwo ein zweiköpfiger Eisbär geboren. Es ist eine Formel der Trivialität, die sich unsere allzu menschliche Eigenschaft der Bequemlichkeit zunutze macht.
Hast Du Dich niemals gefragt, wie mächtige Politiker mächtige Politiker werden? Oder wieso sich die Welt praktisch gänzlich in der Hand von vielleicht einem Dutzend Familien und Firmen befinden kann? Wie(so) Modelle existieren, die international agierenden Firmen die Gelegenheit einräumen, praktisch ohne nennenswerte Einbußen der in Milliardenhöhe liegenden Gewinne keinerlei Steuern zu bezahlen, wo doch jeder von euch meine lieben Leser, gezwungen ist, einen beachtlichen Anteil des erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen? Die Dimensionen sind dabei ungefähr so dramatisch wie es die Einzigartigkeit der Erde im Vergleich zu den hunderten Millionen Galaxien mit abermillionen anderer Sterne und Planeten da draußen ist. Unser Kopf kann das gar nicht fassen. Weder das eine noch die andere. Klar, wenn wir ein Parkticket für 25€ bekommen, wissen wir, das sind 25€, die sind weg. Bekämen wir eine Steuerbefreiung in Höhe von 500 Mrd. €, könnten wir uns diese Zahl nichtmal vorstellen, geschweige denn in eine ordentliche Relation setzen.

Terrorismus ist kein deutsches Problem. Er ist nicht mal ein europäisches Problem. Ja nicht mal das Problem der Welt. Er ist das Problem von Entscheidern, von Machern und von In-Die-Wege-Leitern. Von Leuten, die sich bedroht fühlen von jedem, der nicht an ihren Schnüren zappelt – von Leuten also, denen man etwas wegnehmen kann. Letztlich ist er ja auch nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf eben diese Kontrollfreaks, die in ihrem Streben nach Macht und Einfluss beliebig über moralische und ethische Grenzen hinwegsetzen. Klar, einige wenige sind auch einfach nur kranke und verwirrte, die ganz anderen Motiven folgen als dem Kampf gegen den Kontrollwahn westlicher Regierungen. Aber gefühlt ist das die Ausnahme.
Terrorismus hat seit 2001 zu rund 250 Gesetzen in der EU geführt, die sich dem „Kampf gegen den Terrorismus“ zum Gegenstand machen. Jetzt mal Butter bei die Fische: Niemand, der in der „freien Welt“ lebt, möchte terrorisiert werden. Das ist schon klar. Niemand möchte Angst haben – auch nicht vor Terror. Und niemand möchte sich in seinem Tun und Treiben einschränken lassen. Da dieser ausgesprochen Ich-bezogene Denkansatz in einer Welt mit knapp sieben Milliarden Menschen nicht funktionieren KANN, gibt’s halt Gesetze. Aber das Durchjagen von persönlichkeitsrechtsfeindlichen und kontrollorganbegünstigenden Gesetzen unter dem dogmatischen Deckmantel des „Kampf gegen den Terrorismus“ ist nichts anderes als Terrorismus – er findet nur auf einer anderen Ebene statt und wird von innen aus geführt. Am Ende führen beide in vergleichbare Käfige aus Furcht und Gefolgschaft – der Unterschied ist vor allem die Sichtbarkeit dieser Symptome.

 

/update: jetzt mit Kommentar

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2 Kommentare zu “Relationen

  1. sph1nxxx 21. Februar 2015 um 02:29

    zu diesem Beitrag gab es eine Reaktion, die ich gerne veröffentlichen möchte – ich äußere mich später nochmal dazu ;)

    Relationen mal anders.
    Was nicht gefällt wird nicht berichtet? Gewagte These… Gerade Boko Haram ist doch ein gutes Beispiel. Bring back our girls. Kennste? 238.103 „Gefällt mir“ – Angaben auf Facebook… Geht um die 230 Mädchen, die am 14ten April 2014 von Boko Haram entführt wurden. War eine Weile weltweiter Usus, dass sich jeder mit so einem schicken Plakat auf Twitter zeigte . Ein bisschen Michelle Obama irgendwer?
    Die Mädchen sind leider nicht zurück und das Interesse an der Sache hat doch stark nachgelassen . Woran liegt das? Und der Mangel an Berichterstattung in den westlichen Medien über die von Boko Haram getöteten Zivilisten in Nigeria? Steckt dahinter eine diabolische Verschwörung der westlichen Medien , die nur das berichten, was gänzlich trivial ist oder ganz offenbar politisches Potenzial hat weitere Persönlichkeitsrechte zu beschneiden oder weitere Grundrechte einzuschränken, um die Kontrolle über die Konsumierenden zu behalten? Stecken die westlichen Medien demnach unter einer Decke mit der politischen Klasse, um die Verblödung der Menschen voranzutreiben , bis sie wie blökende Schafe leicht von ein paar Schäferhunden kontrolliert werden können? „Bauer sucht Frau“ als Teil einer weltumspannenden Verblödungskampagne? Drehen wir dieses Rad doch etwas weiter. Wer könnte noch dahinter stecken? Die Welt befindet sich doch ohnehin in der Hand von vielleicht einem Dutzend Familien und Firmen. Die Logik diktiert, dass diese Familien und Firmen an solch einer globalen Verschwörung gegen die Freiheit beteiligt sind . Beweise gefällig? Kein Problem, immerhin zahlen die international agierenden Firmen aufgrund von Modellen, die ihnen die als Mitverschwörer beteiligten Politiker ermöglicht haben praktisch keine Steuern , obwohl sie Milliardengewinne erwirtschaften. Wie ungerecht ist doch diese Welt, wo Sie, liebe Leser, als brave, unbescholtene und unschuldige Bürger gezwungen sind, einen beachtlichen Anteil des von Ihnen erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen .
    Gibt es vielleicht nur einen Ausweg aus dieser Ungerechtigkeit? Müssen wir alle anstreben selber zu diesem kleinen Kreis der Verschwörer zu gehören . Aber wie? Haben Sie sich jemals gefragt, wie mächtige Politiker mächtige Politiker werden? Ein schlimmer Verdacht drängt sich auf… Ist es etwa bereits durch den Kreis der Verschwörer festgelegt, wer in diesen elitären Verschwörerkreis aufgenommen wird ? Wurde Barack Obama in Wirklichkeit gar nicht gewählt, sondern von einem Gremium der Verschwörer zum Präsidenten der USA bestimmt? War schon zu Zeiten der DDR klar, dass Angela Merkel eines Tages eine der mächtigsten Frauen auf der Welt wird? Ist Bill Gates in Wirklichkeit nicht durch die Erfindung von Windows steinreich geworden? War Steve Jobs in Wirklichkeit kein besessener Visionär, sondern lediglich das Ergebnis eines Verschwörer-Ausscheidungsprozesses? Ähnlich wie bei der Mafia in den 30er Jahren, als Aktivitäten und Territorien im „National Crime Syndicate“ von Lucky Luciano und seinen Mafiakollegen festgelegt wurden .
    Lieber Leser, wenn es Ihnen soeben wie Schuppen von den Augen fällt und Sie ob der unwiderleglichen Beweisführung zustimmend nicken, dann lesen Sie jetzt lieber nicht weiter. Der Rest des Textes wird Ihnen nicht gefallen.
    Die Wahrheit ist viel unbequemer und unerfreulicher für Sie, für mich und für jeden anderen mittelmäßig situierten Mittelstandbürger des westlichen Kapitalismus. Es ist nämlich nicht so einfach und bequem. Wer ist tatsächlich für den geistigen Dünschiss verantwortlich, der in den westlichen Medien tagein und tagaus gesendet wird? Wer trägt die Verantwortung dafür, dass internationale Großkonzerne praktisch keine Steuern zahlen? Und wer ist schuld an einer Politik, die sich augenscheinlich nicht an den Bedürfnissen ausrichtet? Sie, Ich, Wir alle!!! Beweise? Gerne. Wie funktionieren Medien? Wenn wir den Gedanken der Weltverblödungsverschwörung Mal beiseitelassen. Wie bei (leider) fast allem im Leben geht es ganz simpel um Geld. Wie machen Medien ihr Geld? Werbung! An wen richtet sich Werbung? An Sie, an mich, an uns alle, die wir konsumieren. Einfache Rechnung: Werbung ist erfolgreicher, je mehr Personen sie zur Kenntnis nehmen. Jetzt verbinden Sie die Punkte… Wenn Werbung sich an möglichst viele Menschen richten soll, was wird also gesendet? Trommelwirbel…. Genau! Das was die meisten Menschen erreicht, weil es die meisten Menschen sehen wollen. Scheiße, nicht wahr. Der geistige Dünschiss, der uns jeden Tag aus den Medien entgegenschlägt ist das Ergebnis unseres eigenen Konsumverhaltens . Ach menno, kann nicht irgendein gesichtsloses Verschwörungsgremium dafür verantwortlich sein, dann muss ich (Sie, Wir) nicht meine Mitschuld an den (medialen) Zuständen einräumen.
    Und was ist mit den internationalen Großkonzernen, die keine Steuern zahlen, fragen Sie. Etwas komplizierter, aber auch dämlich gelaufen. Auch hier liegt die (Haupt-) Schuld wohl bei Ihnen, mir, uns. Wie funktioniert das eigentlich mit der Steuervermeidung durch internationale Großkonzerne? Da der tatsächliche Sachverhalt etwas komplizierter ist, verzeihen Sie mir, wenn ich es etwas vereinfacht darstelle. Das Problem, vor dem die internationalen Großkonzerne stehen ist leicht erklärt. Sie machen den Großteil ihres Gewinns in Ländern, in denen sie hierfür (eigentlich) hohe Steuern zahlen müssten (in Deutschland z.B. i.d.R. 15,825 % Körperschaftssteuer (einschließlich Solidaritätszuschlag) (für alle Kapitalgesellschaften), + Gewerbesteuer (diese setzt sich zusammen aus der Steuermesszahl (bundesweit einheitlich 3,5%) und dem Gewerbesteuerhebesatz (der örtlich verschieden ist)). Es gibt aber Länder auf der Welt, die besteuern Unternehmensgewinne (fast) gar nicht (z.B. Luxemburg und Liechtenstein). Der Trick ist also die Gewinne dorthin zu verschieben, wo sie nicht besteuert werden. Dies geschieht vereinfacht gesagt dadurch, dass die deutsche Gesellschaft des internationalen Großkonzerns mit der luxemburgischen Gesellschaft des Großkonzerns einen Vertrag schließt, z.B. über die Nutzung des Firmennamens (die Rechte an dem Firmennamen wurden zuvor auf die luxemburgische Gesellschaft übertragen), und die Gegenleistung der deutschen Gesellschaft hat (durch alle solchen Verträge zusammengefasst) in etwa die Höhe des hier erzielten Gewinns. Schwups sind alle Gewinne in Luxemburg erzielt und können hier nicht der Steuer unterliegen. Ist das gerecht? Nein. Ist das moralisch verwerflich? Ja. Bedenken Sie aber bitte kurz, lieber Leser, dass sich eine Unternehmensführung, die solche Steuersparmöglichkeiten bewusst nicht nutzt, der Untreue an dem Vermögen der Gesellschaft strafbar macht. Ganz zu schweigen davon, dass sie ihren Job verlieren würde. Warum sind Sie, ich, wir jetzt daran schuld? Ganz einfach, international agierende Großkonzerne kann man nur mit einer internationalen Steuerpolitik in den Griff bekommen. Das aber bedeutet, dass wir uns von unserem hohen Ross herab bequemen müssten und mit den anderen Ländern dieser Welt eine gemeinsame Anstrengung unternehmen, um solche Steuersparmodelle auszutrocknen. Wollen Sie, ich, wir das wirklich? Seien Sie vorsichtig mit einer zu schnellen Antwort. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Versuch eine europäische Politik zu etablieren lassen nicht viel Optimismus zu. Das schimpfen auf Brüssel ist doch mittlerweile Volkssport geworden. Je nachdem, welcher Umfrage Sie glauben schenken (wollen), wollen zwischen 27 – 90 Prozent der Deutschen die Deutsche Mark zurück . Der Willen zur globalen Politik ist (noch) nicht besonders ausgeprägt. Solange das so bleibt, werden weiterhin irgendwelche Kleinstländer internationale Großkonzerne goutieren.
    Muss ich zu der Frage, wie man ein großer Politiker/ Wirtschaftsboss wird, wirklich irgendetwas sagen? Es ist doch offensichtlich, dass z.B. weder Barack Obama noch Angela Merkel einem vorgezeichnetem Weg zur Macht folgten. Oder hätten Sie, liebe Leser, erwartet, dass Barack Obama der erste schwarze Präsident der USA wird. Denken Sie bitte kurz an den seinerzeitigen Wahlkampf innerhalb der Demokraten im Jahr 2008 zurück. Wer hätte zu Beginn dieses Wahlkampfes gegen Hillary Clinton gewettet ? Neben dem ausgeprägten Willen zur Macht gehört schlichtweg das richtige Timing und auch eine gehörige Portion Glück dazu, um es nach ganz oben zu schaffen (egal in welchem Bereich). Gehen Sie die Lebensläufe der großen Politiker/ Wirtschaftsbosse durch und es werden Ihnen solche Momente des guten Timings und der gehörigen Portion Glück auffallen (z.B. die Ernennung von Angela Merkel zur Parteichefin im April 2000 oder der Umstand, dass ihr innerparteilicher Widersacher Edmund Stoiber war).
    Haben Sie, liebe Leser, den ersten Schock verdaut? Dann lassen Sie mich Sie ein bisschen aufmuntern, denn es ist nicht alles verloren. Bei aller (berechtigten) Kritik an der westlichen Gesellschaft, haben wir es in dieser Gesellschaft in der Hand Dinge zu verändern. Lassen Sie sich nicht einreden, dass Ihr Konsumverhalten gesteuert wird. Man versucht es zu manipulieren, klar. Aber letztlich entscheiden nur Sie über Ihr Konsumverhalten. Wir müssen schlichtweg anfangen bewusster zu konsumieren, dann ändern sich die Dinge (fast) von selbst. Die Nachfrage regelt in diesem Fall das Angebot. Verweigern Sie sich also dem geistigen Dünschiss in den Medien, strafen Sie schlechte Politik mit Liebesentzug und kaufen Sie nicht stupide jedes neue Model einer gerade angesagten, aber moralisch verwerflich handelnden, Marke. Sie wären überrascht, wie schnell sich die Dinge ändern…
    Sie, ich, wir alle haben jeden Tag die Freiheit, sich für eine Änderung unseres Verhalten zu entscheiden. Ich habe die Freiheit, diesen Text zu verfassen, so wie Sie die Freiheit haben diesen Text zu lesen, zu ignorieren oder ihn zu verteufeln. Diese Freiheit ist nicht selbstverständlich! Leider wird ihr Vorhandensein aber viel zu oft als selbstverständlich betrachtet. Unser aller Freiheit ist ständigen Gefahren ausgesetzt. Moment, will er jetzt etwa auch Panik machen? Nein, will ich nicht. Ich wünsche das Bewusstsein zu schärfen. Die Feinde der Freiheit sind vielfältig, manche leichter zu erkennen als andere. Wir sollten aber nicht den Fehler machen und alle über einen Kamm scheren. Pauschalierungen vereinfachen zwar, werden der Komplexität der gesellschaftlichen und politischen Realität aber nicht gerecht. Zeigen Sie Trennschärfe in der Beurteilung von verschiedenen Sachverhalten. Was unterscheidet den islamischen Selbstmordattentäter, den katholischen Kinderficker oder den jüdischen Auftragsmörder, oder sind sie alle eine Suppe? Zunächst unterscheidet sich die Motivation. Oder glauben Sie ernsthaft, dass sich einer aus denselben Motiven an Kindern vergeht wie derjenige, der sich mittels eines Bombengürtels in die Luft sprengt. Vielen Pädophilen ist das Verwerfliche ihres Handeln bewusst. Bei einer Präventionskampagne aus dem Jahr 2008 mit dem Titel „Kein Täter werden“ meldeten sich mehr als 500 Betroffene, die sich freiwillig therapieren lassen wollten. Ich wäre gespannt, wie viele islamische Selbstmordattentäter sich bei einer Kampagne (z.B. mit dem Titel: „Keine Bombe werden“) melden würden.
    Pädophilie ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft und die Betroffenen leiden ein Leben lang unter den an ihnen begangenen Missetaten. Das Ziel eines Pädophilen ist es aber nicht, die gesellschaftliche Freiheit, derer wir uns alle erfreuen, abzuschaffen. Gleiches gilt für den staatlich beauftragten Auftragsmord. Im Gegenteil wird als Rechtfertigung der staatlich verordneten Tötung in der Regel gerade die Verteidigung der Freiheit als (zweifelhafte) Rechtfertigung beschworen.
    Anders ist es mit religiösen Terror. Religiöser Terror ist keinesfalls nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf unsere vermeintlichen Kontrollfreaks von Politikern . Diese Rechtfertigung würde den Terroristen gut schmecken. Ich gebe zu, dass nicht jedes Gesetz unserer Politiker, dass die Freiheitsrechte (weiter) einschränkt, meine Zustimmung findet. Aber wer glaubt denn wirklich, dass unsere Politiker ein gesteigertes Interesse an den Daten der 0815-Bürger hat. Insbesondere da der 0815 Bürger diese Daten ohnehin preis gibt. Jeder Gang aufs Lokus wird mittels einer Statusmeldung der Umwelt mitgeteilt, ob es diese interessiert oder nicht. Scheinbar ist den Leuten völlig egal, was die Unternehmen, denen sie diese Daten geben, damit anfangen. Ich bin kein großer Freund der Vorratsdatenspeicherung, aber es geht zu weit, wenn diese mit religiösem Terror gleichsetzt wird. Bei der Vorratsdatenspeicherung haben wir die Freiheit, die Parteien, die sie umsetzen mit Liebesentzug zu strafen und eine Partei zu wählen, die die Vorratsdatenspeicherung wieder abschafft. Das geht mit religiösen Terror nicht so einfach. Dessen Zielsetzung ist auch eine ganz andere.
    Jetzt mal Butter bei die Fische. Die Freiheit des Einzelnen ist den Anführern solcher Religionsterroristen ein Dorn im Auge . Schauen Sie sich die Länder an, in denen solche Religionsterroristen die Oberhand gewonnen haben (hatten). Afghanistan (falls sich noch jemand an Mullah Mohammend Omar und sein Terrorregime erinnern kann) oder die von dem Islamischen Staat eroberten Gebiete. Die Liste ist beliebig zu verlängern. Die Freiheit ist das Erste was abgeschafft wird. Religionsterroristen zielen nicht auf einzelne Personen, auch wenn einzelne Personen gezielt getötet werden. Der Zweck des Terrors ist ein anderer. Letztlich dient der Terror der Abschaffung der Freiheit und der Unterjochung der freien Menschen unter das Joch eines religiösen Weltbildes , in dem die Freiheit des Einzelnen keinen Platz hat. Religiöser Terrorismus ist daher (leider) nicht nur das Problem von Entscheidern und Machern. Es ist ihr, liebe Leser, mein, unser Problem. Wir müssen bereit sein unsere Freiheit zu verteidigen. Die Freiheit wird aber nicht durch Abschottung oder Verunglimpfung aller Moslems verteidigt. Wiederum eine zu einfache Antwort auf eine komplexe Frage. Unsere Freiheit kann nicht dadurch verteidigt werden, dass wir die Freiheit anderer einschränken (auch nicht unsere eigene; ein kleiner Hinweis an unsere Politiker). In unserem Kampf für die Freiheit haben wir die moralische Überlegenheit auf unserer Seite. Diese moralische Überlegenheit gilt es zu nutzen. Befreien wir die Unfreien und ermöglichen Ihnen ein Leben in Freiheit. Wer einmal (wirklich) frei war, der lässt sich die Freiheit nicht so leicht wieder nehmen. Ich weiß, dass dies leichter gesagt ist, als getan. Aber wir dürfen unsere Augen nicht (weiter) verschließen.

    Verfasser bekannt

  2. Relationen III | manticora 21. Februar 2015 um 15:55

    […] Dieser Text ist eine Reaktion auf diesen Kommentar – ich halte ihn aber angesichts der Vielfältigkeit für hinreichend prominent, ihm eine eigene […]

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