Relationen III

Vorab: Dieser Text ist eine Reaktion auf diesen Kommentar – ich halte ihn aber angesichts der Vielfältigkeit für hinreichend prominent, ihm eine eigene Bühne zu geben :)
Eventuelle textliche Unklarheiten, verwirrende Querbezüge oder dergleichen ergeben sich also auf jeden Fall nach der Lektüre des o.a. Kommentars, der sich seinerseits erst nach der Lektüre des zugehörigen Artikels vollends klärt.

Im April 2014 entführt Boko Haram mehr als 200 Mädchen in Nigeria. Anschließend entsteht eine Bewegung der Anteilnahme, es werden Facebookseiten erstellt und es wird international um Unterstützung gebeten. Von Medien(vertretern), Aktivist(inn)en, Politikern, Prominenten. Die Geschichte geriet in die Mühlen der Ermüdung – heute drückt der Newsstream der zugehörigen Website eher Resignation aus als den unbedingten Willen, gegen diese Greueltaten wenigstens mit typisch westlich-konservativem Mahnwache-Stehen Wiederstand anzuzeigen.
Dieser Blickwinkel soll klarmachen, dass in der Welt durchaus auch über Nigeria berichtet wird [– wenn’s grad nichts wichtigeres im Fernsehen gibt].
Beim eröffnenden Beitrag ging es die Relation zwischen der Aktion in Form von Gewalt (Frankreich vs Nigeria) unter Berücksichtigung des Bezugs hinter der Gewalt (Angriff auf die Meinungsfreiheit [in westlichen Ländern] vs Despot in einem weitgehend unbeachteten Teil der Welt) zur Reaktion der (westlichen) Welt. Ich habe nun ne ganze Reihe Tiraden ent- und verworfen, habe Texte geschrieben und entsorgt. Ich denke, letztlich genügt ein Link, um nochmal zu verdeutlichen, worauf ich hinaus wollte…
Dem folgend habe ich beim ersten Lesen an den Text an dieser Stelle folgende Notiz geheftet, die ich hier gerne ungefiltert einrücken möchte:

Wundervolles Beispiel für Relationen (und damit den Aufhänger für den ursprünglichen Beitrag):
1. Sind „Gefällt mir“-Angaben kein Massstab für mediales Interesse – Beispiele gibt’s ja in der Breite: „Die Partei“ – 178k Likes. Netzpolitik.org – 30k Likes. Foodwatch – 260k Likes. Abgeordnetenwatch: 35k Likes.
Und 2. Sagt ja niemand, dass nicht über Boko Haram berichtet worden wäre, wenn nicht zufällig kurz zuvor in Frankreich eine Schießerei gewesen wäre. Plus: Massenmorden in Nigeria erreicht nicht einmal im Ansatz einen so breiten Strauß an Forderungen nach verstärkter innerer Sicherheit wie es ein Anschlag im Nachbarland tut – auf eine Satirezeitschrift. Die mal Mohamed-Karikaturen gemalt hat. Und jetzt von Islamisten dafür angegriffen wurde.

Wenn übrigens einige dieser Zahlen nicht hoch erscheinen, obwohl ihre Interessen jeden Bürger dieses Landes tangieren, liegt das auf jeden Fall am verschlossenen zweiten Auge – aber es ist Aufgabe von freien, gebührenfinanzierten Medien, diese Wissenslücken zu schließen. Dass man sich heute selbst am Informationspool bedienen kann, entbindet die Presse nicht davon, diese Stimme der Unabhängigkeit und der Unkäuflichkeit zu sein – im Gegenteil, es zementiert diesen Anspruch sogar noch. Denn in einer Welt, in der jeder esoterische Aluhutträger seine Thesen ungeprüft in die Welt pusten darf, muss ein Zusammenschluss aus unabhängigen Faktenprüfern Gewehr bei Fuß stehen, diesem Informationsejakulat Einhalt zu gebieten

ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass

es ist zutiefst menschlich, seinen Fokus in dieser Welt der Überbelichtung den neuen Signalfeuern zuzuwenden – andernfalls drohen wir, um bei diesem Bildnis zu bleiben, beim Kampf gegen eine Windmühle Schiffbruch zu erleiden, neben der zig tausende andere unsere Freiheit auf unterschiedlichste Weise bedrohen…

Stichwort “diabolische Verschwörung der westlichen Medien” – ist es so, dass Medien gezielt Falschinformationen streuen, um die Horden Tunnelblickleser in Schach zu halten? Der Kommentar entbindet die Medien von ihrer Verantwortung, übergibt sie dem Leser, Zuschauer, Zuhörer, Konsumenten – der entscheidet ja noch immer darüber, wie stark er manipuliert wird.
Das ist meiner Meinung nach wenigstens teilweise nicht weit genug gedacht. Wie kommt es denn, dass die Berichterstattung zur Krim von den öffentlich-rechtlichen (die qua Definition keinerlei kommerziellen Zwängen unterworfen sind) wochenlang so einseitig war, dass sie sich hinterher selbst weitgehend revidieren mussten – natürlich erst, nachdem sich die Mehrheit der Deutschen neuen Problemen zugewandt hat und natürlich auch nur mittels eines Protokollresümees des Programmbeirats. Wie naiv anzunehmen, dass der durchschnittlich talentierte [und interessierte] Deutsche jede Aussage einer jeden Tageszeitung kritisch hinterfragen muss um sich letztlich selbst auf die Suche nach “wahrer” Information zu begeben. Genau dafür kaufen die Menschen ja Zeitungen und schauen die Tagesthemen: Weil’s einen Berufsstand und eine Institution gibt, der sich dafür bezahlen lässt, diese Aufgabe zu übernehmen und den daraus entstehenden Informationswust gehirngerecht aufzubereiten. Ich würde also eher sagen, dass die Verantwortung für die Aufbereitung UND die Recherche von Fakten zum Weltgeschehen (im Großen wie im Kleinen) dem Berufsstand obliegt, der das mal gelernt hat. Zur ethischen Grundvoraussetzung dieses Berufsstandes sollte meiner Meinung nach unbedingt zählen, dass man seine Informationsempfänger nicht über den Nuckel schubst, nur weil die besseres zu tun haben, als das eigene Treiben zu recherchieren. Dass es anders ist, zeigt ja nur, wie beschädigt der Beruf des “Journalisten” inzwischen ist. Auch an dieser Stelle wieder ein von mir direkt nach dem Lesen eingebundene Kommentare zum Thema:

Nope [es steckt nicht eine diabolische Verschwörung der westlichen Medien hinter der mangelnden Berichterstattung über Boko Haram, Erg. d. Verf.]. Die Medien sind ja nur ein Puzzleteil. Der NSU-Prozess ist doch eine ganz hilfreiche Größe beim Ermessen vom Einfluss von sogenannten „Verfassungsschutzorganen“ auf lebensverkürzende Maßnahmen von Bürgern. Oder nehmen wir das, was Snowden über die NSA zu berichten weiß. Die Augen davor zu verschließen, dass es auch im Innern Feinde der Freiheit und der Gesellschaft gibt, ist so bequem wie fatal. „Terrorismus“ grenzt ja ärgerlicherweise das „den mussten wir jetzt umlegen, der war ein Problem – mfg, Ihre CIA“-Phänomen aus.

Will sagen: Nee, die Verschwörung reicht tiefer. Und es ist eigentlich auch keine Verschwörung. Verschwörungen versuchen, unerkannt zu bleiben. Dass in der westlichen Welt eher auffällig fehlinformiert als unterschwellig manipuliert wird, sollte spätestens, aber wirklich allerspätestens, klar sein, nachdem die Welt weiß, wie stark Saddam Hussein mit 9/11 in Verbindung stand und was daraus folgte, dass das den Amis scheissegal war…

Stecken die westlichen Medien demnach unter einer Decke mit der politischen Klasse um die Verblödung der Menschen voranzutreiben […]”?

Eindeutig ja. Anders ist es nicht zu erklären, dass die wesentlichen Informationen inzwischen nur noch von freuen Journalisten, Bloggern und „Menschen wie Du und ich“ an die Öffentlichkeit dringen – wo doch der komplette Berufsstand hier sowohl ein Identitäts- als auch ein Glaubhaftigkeitsproblem hat. Statt sich aber um den Bedarf der Menschen nach Informationen zu kümmern, verliert man sich im Grabenkampf mit Google um das Leistungsschutzrecht – was für ein fahrlässiges Signal ist das denn bitte an die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes?

Ich könnte jetzt hier einen Monat lang gestreute Fehlinformationen und anschließende “Richtigstellungen”, “Korrekturen”, “Faktenchecks”, “Enttarnungen” etc aufzählen – aber wer nicht komplett blind durch’s Leben geht, findet die selber. Mir fallen täglich mehrere davon in den Schoß…

Und damit kommen wir zur “herrschenden Rasse” – zu den Raubtieren unter den Menschen. Den Einflussnehmern, den Puppenspielern, den High-Rollern. Das es sie gibt, ist unbestritten. Aber dann folgt: “Die Logik diktiert, dass diese Familien und Firmen an solch einer globalen Verschwörung gegen die Freiheit beteiligt”.
Puuh. Starker Tobak. Nee. Soweit würde ich nicht gehen. Mein erster Impuls beim Lesen war dies:

Nee. Aber sie diktiert, dass diese Personengruppe ihre Privilegien zu erhalten versucht. Da steckt kein Vorwurf drin – es sind halt Raubtiere…

Das mag im einen oder anderen Fall zusammenzugehören – aber ich sehe hier nicht zwangsweise Verbindungen wo vielleicht keine sind. Es gibt auch Visionäre. Es gibt auch schlicht geniale Menschen. Und manche von denen machen ihre Genialität zu Geld. Dass im markwirtschaftlich geprägten 21. Jahrhundert der Gewinn von wenigen immer zum Verlust von vielen führt würde ich hier nicht mal als ignoriertes Problem betrachten, und noch weniger als Kalkül. Es ist eher eine Folge der Wirtschaftspolitik, der wir uns unterwerfen (und an dem Punkt stimme ich btw weitgehend zu: Das Konsumverhalten der Mittelschicht IST das entscheidende Kriterium für die Richtungswechsel eben dieser Wirtschaftspolitik). Zu dem Stichwort auch noch eine Notiz:

Das eine (Steuern sparen) hat mit dem anderen (Macht erhalten) sicherlich zu tun, aber diese Punkte muss man dennoch trennen. Ganz ohne Zweifel ist Geld ein Mittel zur Macht – aber es gibt weitere (Wissen, Beziehungen, Patente u.v.m.). Die Bestrebungen der elitären Kaste sich nicht verdrängen zu lassen haben nur am Rande mit Steueroasen zu tun. Aber richtig ist auch: Steuermodelle zur Vermehrung von Vermögen stehen dem Mittelstand [praktisch] nicht zur Verfügung. Wieso ist das so?

Also nein, Steve Jobs ist nicht der Teufel in Person. Bill Gates auch nicht. Nicht mal die Rockefellers. Oder die Kennedys. Es ist eher so, dass manche dieser Personen(-gruppen) bereit sind, für die Erhaltung ihrer Privilegien über Leichen zu gehen… Das macht sie eben zu den angesprochenen Raubtieren…
Daran unmittelbar anschließend: “Wie ungerecht ist doch diese Welt, wo Sie, liebe Leser, als brave, unbescholtene und unschuldige Bürger gezwungen sind, einen beachtlichen Anteil des von Ihnen erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen”.
Tjo. Mein erster Gedanke dazu war:

Zuviel Sarkasmus ;) Die Welt ist nicht ungerecht zu „braven, unbescholtenen und unschuldigen Bürgern“ – sie ist ungerecht zu jedem. Aber das heißt nicht, dass man die Augen davor verschließen sollte, dass global agierende Unternehmen ihre Gewinne in dem Land versteuern, in dem es ihnen grade passt. In einer perfekten Welt versteuern sie sie dort, wo sie anfallen. Zu den Konditionen, die dort vorliegen – denn die steuern weitgehend den dort vorhandenen Lebensstandard – marktwirtschaftlich ist das abziehen von Geld aus dem Umlauf eines der schlimmsten Dinge, die einer gesunden Wirtschaft passieren können. Diese Unternehmen tun aber genau das, zum eigenen Vorteil und ohne Rücksicht auf Verluste. Und diese Möglichkeiten zur „Optimierung“ von Gesellschaftskapital stehen eben NICHT dem [blubb, s.o.] Bürger zur Verfügung. Klar ist, dahin kann man ja kommen, es ist eine Frage von Engagement und Aufwand, den man zu betreiben bereit ist (das betrifft Kapital – nicht Macht, dazu später noch mehr). Aber dorthin zu gelangen ist halt eine moralische Falle (und eine Frage der Bequemlichkeit…)

Ist es etwa bereits durch den Kreis der Verschwörer festgelegt, wer in diesen elitären Verschwörerkreis aufgenommen

Ja. Einfach nur Ja. Das bestreitet ja nicht mal jemand der dazugehört ernsthaft…

Am schönsten kann man das bei Studentenverbindungen in den USA beobachten. Mitglied einer Studentenverbindung wird man, indem man sich zutiefst demütigend unterwirft. Es genügt aber auch einfach der Sohn eines Senators zu sein, um beizutreten. Natürlich wird der Grundstein dazu schon wesentlich früher gelegt (Stichwort private Grundschulen und vermutlich sogar noch davor) – und der Prozess transportiert lediglich eine einzige Aussage: Du bist besser. Legitim, dass Eltern aus ihren Sprösslingen ebenfalls elitäre Menschen machen wollen – wenn man erst mal weiß, wie das geht, wird man die damit einhergehenden Privilegien zu genießen wissen. Und abgesehen von der eigenen Brut wird man einen Teufel tun, mit anderen zu teilen – zumal damit die Gefahr wächst, dass das eigene Kuchenstück umso kleiner wird, je mehr in diesen Kreis gelangen.
Es kommt dann die Frage auf, ob “Barack Obama […] von einem Gremium der Verschwörer zum Präsidenten der USA bestimmt [wurde]”.
Ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht. Wieso sollte man daran zweifeln? Ist ja nicht so, dass Obama nicht Mitglied einer Partei gewesen ist, der er sich von Tag eins an untergeordnet hat. Ja selbstverständlich ist er das Produkt von Entscheidungen im Parteienumfeld (in dem wiederum Lobbyisten und Einflussnehmer ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen und ihren eigenen Einfluss nehmen – das ist hinlänglich klar und ja wohl unzweifelhaft?) – und mit diesen Entscheidungen gehen auch Verpflichtungen und Verbindlichkeiten einher. Der Vergleich mit Lucky Luciano hat mich damals zu dieser Notiz verleitet:

Was ist daran so schwer zu glauben? Natürlich ermöglichen westliche Wertesysteme den Zugang – theoretisch. Aber frag Dich doch einmal, wieso es in den relevanten westlichen Demokratien beinahe ausschließlich Angehörige eines kleinen elitären Kreises Nachwuchs in diesen Kreisen erzeugen? „Scheisse tropft nach unten“ sagte mal einer meiner Ausbilder vor einigen Jahren. Das ist natürlich richtig, aber nur ein kleiner Ausschnitt. Zoomt man raus, sieht man, dass von oben halt dann geschissen werden muss, damit das unten tropfen kann…

Dann folgt eine Beweiskette, die letztlich auf dem wackeligsten aller möglichen Beine steht – “Wie machen Medien ihr Geld? Werbung”. Dazu direkt und ungefiltert meine Notiz von damals:

Falsch und ein fataler Irrglaube. Unabhängige Medien [in Deutschland] werden über Gebühren finanziert. Dass der ganze dazugehörige Komplex grade implodiert und eben nicht funktioniert ändert nichts an der ursprünglichen Idee: Sich [an den Markt] zu binden um bestmögliche Konditionen fürs Marketing zu erhaschen krankt ja an der Vereinbarkeit mit Unabhängigkeit. Genau deshalb gibt es ja zentral finanzierte, vermeintlich unabhängige Medienhäuser. Und was tun die? Sich im 24h-Rhythmus entschuldigen, dass ihre Berichterstattung hier und dort zu einseitig und unvollständig war. Natürlich tun sie das erst nach einem anständigen Shitstorm über eben jene Berichterstattung.
Unbedingt erwähnt werden muss auch die digitale Boheme, die sich eben so lange finanziell unabhängig machen kann, bis sie zu groß wird und vom Markt aufgesaugt wird. Alles darunter mag rhetorisch und journalistisch fragwürdig sein, übertrifft den Genauigkeitsgrad der bezahlten Medien aber um Lichtjahre. Wieso ist das denn bitte so? Wieso berichten aus Krisengebieten Twitterer statt Korrespondenten? Fragt euch doch mal, wieso Kinder Krieg so toll finden – weil er ihnen jahrelang in medienreiner Form dargeboten wird. Würde Krieg als das dargestellt werden, was er ist, fände die niemand mehr erstrebenswert. Und das Gute ist: In Zeiten von Twitter und Facebook gibt es das. Es wird nur ignoriert wo es multipliziert werden könnte – in der Presse. Bringt uns zurück zu „jeder kann sich ja selbst informieren“ – das ist auch so. Aber das sprengt das Konzept der bezahlten Medien. Ergo gibt’s von dort eine Nebelkerze nach der anderen, um die verbliebenen Leser und Zuhörer bei der Stange zu halten. Hauptsache groß, bunt und blöd – „Bauer sucht Frau“ als Teil der unmittelbaren Verblödungsstrategie – ganz genau. Damit möchte ich nicht mal unbedingt sagen, dass der Zugang erschwert wird. Aber die Manipulation von Konsumenten ist praktisch das Butter-und-Brot-Geschäft von Medienhäusern. Informationen interessengerecht aufzubereiten ist hier nur eine von vielen Spielwiesen dieses Komplexes.
Zur Verdeutlichung: Es gab vor Jahren mal Werbung im Kino und im Fernsehen, die sich an das Unterbewusstsein richtete. Sie wurde nur Sekundebruchteile eingeblendet – das Auge nahm es gar nicht wahr. Hinterher beim Einkaufen erinnerte sich aber ein Teil des Gehirns daran und griff schwuppdiwupp zum beworbenen Produkt.
Zu diesem Ausmaß bereite Manipulationsbereitschaft ist schon aus Prinzip nicht zu trauen. Sie nicht zu konsumieren führt aber nicht zu besserer Qualität. Das Leistungsschutzrecht ist ein wundervolles Beispiel für das komplette Versagen von “Liebesentzug” bei einflussreichen Anstalten. Es führt niemals zur Einsicht oder Besserung. Es führt immer nur zum Anziehen der Daumenschrauben um zu binden, was einst als selbstverständlich galt aber aufgrund von Veränderungen im Lebensumfeld der westlichen Gemeinschaft nun in Gefahr gerät. Auch so ein Beißreflex.
Medien, die sich über Werbung finanzieren, sind nur eine Seite dieser Medaille – wenngleich die relevante, weil ärgerlicherweise marktbeherrschende…

Daran schloss sich an: “Der geistige Dünnschiss, der uns jeden Tag aus den Medien entgegenschlägt ist das Ergebnis unseres eigenen Konsumverhaltens

das seinerseits ist die Folge von dem, was uns in unserer Lethargie hingeworfen wird…Was war zuerst – Henne oder Ei? Wo beginnt der Widerstand gegen diese Form der Beeinflussung? Genau hier… Aber alleine die Anerkennung der Manipulation des Konsumverhaltens werte ich als Zugeständnis an meine Manipulationsvorwürfe gegen die Gestalter dieser Medien ;)

Dann eine Überleitung zur Steuersparpolitik der sogenannten “global player”. Einer bekannten und unerheblichen Erläuterung über die mechanischen Grundlagen der Betriebswirtschaft folgt die Frage, ob denn europäische [Wirtschafts-]politik ans Ziel führen könnte. Und dann der Hinweis, dass die Europäer hier noch Vertrauensdefizite haben: “Je nachdem, welcher Umfrage Sie glauben schenken (wollen), wollen zwischen 27 – 90 Prozent der Deutschen die Deutsche Mark zurück”. Mein Impuls von damals:

Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Die Deutschen wollen „die D-Mark zurück“ weil ihnen das EU-Konzept über den Verstand wächst. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die EU in ihrem Evolutionsprozess vollkommen zurecht Kritik ausgesetzt ist, weil sie eben Entscheidungen trifft, die zu Lasten der Gemeinschaft gehen – und zugunsten von kurzfristigem Erfolg (CETA, TTIP und wie sie alle heißen mal als Prominente Beispiele). Das ist unvereinbar mit dem Verständnis des „kleinen Bürgers“ für volksvertretende Politik. Und dem stimme ich zu, ohne mich der Meinung anschließen zu wollen, die D-Mark wiederhaben zu wollen. Die D-Mark ist ebenso wie die Glühbirne und die Gurke nur ein Symbol.

Und dieses Symbol wiederspricht ja nicht der Wirtschaftspolitik im Einzelnen. Es wiederspricht der Politik im Ganzen. Das heißt aber nicht, dass ordentlich informierte Bürger es gut fänden, wenn sie wüssten, was TTIP für sie bedeuten kann. Es ist nur sehr schwer, zumal unter gänzlichem Verzicht auf Einsicht in die Inhalte, ein “einfaches” Bild dieses Ausmaßes zu zeichnen. Im Grunde ist die Antwort auf jede Frage zu solch riesenhaften Konstrukten wie TTIP (oder europäischer Finanzpolitik) immer entweder “ja, aber” oder “nein, aber” – und an diesem endlosen Strom an Unverbindlichkeiten scheitert irgendwann das ungeschulte Hirn. Und von den >80.000.000 Deutschen haben recht viele ein ungeschultes Hirn für diese Dimension. Und warum ist das so? Naja. Man stelle sich mal vor, TTIP würde in der Breite so diskutiert werden wie die fragwürdige Entscheidung, Thomas Müller erst zur zweiten Halbzeit einzuwechseln. Das funktioniert bei trivialem Scheiss – bei lebensverändernden Maßnahmen auf politischer Ebene KANN das nicht funktionieren. Und erinnern wir uns: Auch Politiker wollen Macht, Geld, Einfluss…

Es folgt die Frage, wer denn “zu Beginn des Wahlkampfes [von Barack Obama] gegen Hillary Clinton gewettet hätte” und ob der Sieg Obamas also entsprechend einem “vorgezeichneten Weg zur Macht” folgte. Hatten wir oben schon, finde ich dennoch nochmal erwähnenswert:

Zu spät eingestiegen. In den USA regiert ein Zwei-Parteien-System. Wie naiv wäre es anzunehmen, dass Geschäftemacher, Politiker, Lobbyisten, Gewerkschaften und einflussreiche Menschen ihre [mediale, informelle und bisweilen nachrichtendienstlichen] Kräfte nicht mobilisieren, um ihre Schachfiguren in diesen Parteien nach eigenem Ermessen zu positionieren. Zu sehr „House of Cards“? Dann empfehle ich ganz dringend mal die Lektüre von, na sagen wir mal exemplarisch, der Dominanz der NRA in den USA. Manipulation und Steuerung dieses Konstruktes beginnt nicht am Tag des Wahlkampfbeginns um die Präsidentschaftswahl – er beginnt mit Einschlagen einer politischen Karriere. Das muss man nicht glauben, aber wie gesagt: ich persönlich halte alles andere für ausgesprochen naiv.

Und nun der große Bogen zum Terrorismus. “Religiöser Terror ist keinesfalls nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf unsere vermeintlichen Kontrollfreaks von Politikern”. Als ich das gelesen habe, hatte ich grade “Die Anstalt” gesehen. Und ich musste unmittelbar daran denken:

Grad erst neulich in „die Anstalt“: Ein Gespräch mit einer Freundin aus Pakistan. Claus von Wagner unterhält sich mit einer Freundin aus Pakistan. Er fragt sie, was denn Länder wie Pakistan gegen den Frieden in Ländern wie Deutschland haben – und wieso es bisweilen vorkomme, dass Radikale aus Pakistan in Ländern wie Deutschland Terror verüben. Die Antwort ist verblüffend (und ja, vermutlich fiktiv):
„Wir haben nichts gegen eure Freiheit. Es ist nur beängstigend, wie eure Freiheit hier ankommt“…und dann blickt sie in den Himmel auf der Suche nach Drohnen…
Der unmittelbare Zusammenhang zwischen westlichem Herrschaftsdenken und der Reaktion nicht dazugehöriger Staaten und Menschengruppen ist ja kein Geheimnis – beispielsweis super hier nachzulesen. Am eindrucksvollsten ist hier die Grafik auf Seite 13 (PDF seite 15). Terrorismus(c) gab es vor 2001 gar nicht…

Also entweder haben wir das früher anders genannt, oder es gibt eine auffällige Steigerung von (islamistischem) Terrorismus seit 2001 (gegen den Westen). Und was war 2001? Exakt… Aber wer weiß, vielleicht ist “Globalisierung” auch einfach nur spät im religiösen Umfeld angekommen. Die sind ja bisweilen schon etwas bequemer als andere Gemeinschaften…

Dem Hinweis, dass man Parteien mit “Liebesentzug” dazu bringen könnte, die eigenen Entscheidungen (in diesem Fall die VDS) sorgsam abzuwägen in Zusammenhang mit der folgenden Aussage: “Bei der Vorratsdatenspeicherung haben wir die Freiheit, die Parteien, die sie umsetzen mit Liebesentzug zu strafen und eine Partei zu wählen, die die Vorratsdatenspeicherung wieder abschafft” möchte ich gerne mit dem Verweis auf die Sektsteuer entgegnen. Das ganze Argument politischer Freiheit in der westlichen Welt ist ja unglaubwürdig. Das gilt natürlich auch bei uns…
Und wenn man dann einfach mal vor Augen lässt, dass sich Terrorismus gegen die westliche Welt erst in den letzten 15 Jahren so richtig wohlfühlt in der Welt, und so richtig entwickeln konnte, wird auch deutlich, dass Terror nicht durch das Wechseln von Politikern entmachtet wird (soweit korrekt), sondern womöglich mit dem Unterlassen kriegerischer Handlungen gegen eben diese Gemeinschaften. Tja, aber das Kind ist im Brunnen und die Gewaltspirale unaufhaltsam. Ich vermute, dass ist jetzt schon längst zu spät.
Abschließen möchte ich mit meinem Impuls auf diesen Auszug: “Letztlich dient der Terror der Abschaffung der Freiheit und der Unterjochung der freien Menschen unter das Joch eines religiösen Weltbildes

Mal abgesehen vom religiösen Weltbild ist das genau das, was in Europa passiert (250 Gesetze gegen den Terror? Wirklich? Bin gespannt auf die Putin-Enthüllungen zu 9/11…).

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