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Wacken 2016 & Brutal Assault 2016

…weil ein Festival halt nicht langt, nech… ;)

So langsam hab ich ja echt die Faxen dicke vom Schlamm. 2015 war schon literweise scheiße, 2016 hat gefühlt noch eins draufgesetzt. Lediglich das Camp war trockener.
Apropos Camp… Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Abfahrtschilder vom W:O:A. Diese Zahl bitte merken, sie wird nochmal wichtig. Zuvor sind wir im gewohnten Rhythmus gegen neun zusammengekommen, um gegen halb elf loszufahren. Irgendwas ist halt immer, diesmal kam ein liebestrunkener Buddy, den wir für’s Wacken aus den USA haben einfliegen lassen, nicht schnell genug aus den warmen Federn seiner Liebeshöhle am Ku’Damm und hat sich im Anschluss daran auch noch verfahren. Mit dem Taxi. Details dazu verschweigen wir lieber.Wir machen uns also wie jedes Jahr um halb elf auf den Weg (keine Ahnung, wieso wir uns immer um 9 treffen, vollkommen Point-less. Haha. Das ist ein Insider ;)), halten an rund einem Dutzend Raststätten an, trinken gefühlte vier Millionen Biere unterwegs (also außer die Fahrer. 16:00 Uhr haste noch im Kopf? Recht so…), die wollen schließlich regelmäßig in die Freiheit entlassen werden. Etwas Drama beim Durchqueren von Hamburch – je länger so ein Autokorso wird, desto schwieriger navigiert es sich ohne nützliches Navi durch so eine Großstadt – wieso erfindet da eigentlich niemand was? So eine Brotkrumenbox für temporäres Graffiti auf der Straße oder so? – aber alles halb so dramatisch. Zwischen Hamburch und Wacken noch ein paar Autos an den Korso geschnallt und ab geht’s. Wie gewohnt, wenig später, Leitsystem Wacken. Kennenwa nix, fahrenwa raus. Doofe Idee. Es ist 16:00 Uhr und ab jetzt wird’s lustig. Also. Für die Beifahrer :D
Wir werden einmal im Kreis um’s gesamte Gelände geschickt, kein Feld will uns so recht aufnehmen. Dann stellt man uns auf ner Straße ab, die nächsten zwei Stunden passiert: Gar nix. Gut für uns Beifahrer, im Stehen trinkt es sich viel entspannter. Dann geht’s wieder n bissl voran, wieder vorbei an unzähligen Ordnern vor sichtbar unbefüllten Campingfeldern. Es ist frustrierend. Die Nerven werden angespannter, die Häute dünner, erste wüste Drohungen mit Rechtsbeistand machen die Runde – als wir um 23:45 endlich auf ein Camp gelassen werden. R2 heisst es. Die 2 darin steht für „nicht auf der Map zu finden, Du wirst schon wissen, wie Du nach Hause findest“

Naja, wir haben reichlich Platz für unser Camp (22 Leute oder so? Das ist mal gar nicht soooo leicht abzuschätzen, wieviel Platz die brauchen), bauen gemütlich auf. Bändchen holen am Mittwoch, Biergarten: Fehlanzeige. Also Bierchen im Zelt, Fluchen auf echt hohem Niveau über Wacken’sches Organisationsmismanagement und kuscheliges in-die-Nacht-gleiten auf Zeltplatz R2.
Zeltplatz R2 hat übrigens am Eingang (Gott sei dank…) zwei Ballons hängen. Und ne Gummipuppe.

Donnerstag steht wie gewohnt ganz im Zeichen von: Jägermeister. Und oh mein Gott gibt’s davon viel dieses Jahr. Haben die Leute wohl was wichtiges gelernt letztes Jahr :D
Der Tag dümpelt so vor sich hin, der Regen ist weitgehend verschwunden und wird auch im Laufe des Wochenenendes eher so „immer wieder mal kurz“ auftauchen. Aber: Er war offenbar am Montag da. Und am Dienstag. Und am Mittwoch. Mitbekommen, was das bedeutet, werden wir erst am Donnerstag Nachmittag.
Entspanntes Ziel: Foreigner. Wir laufen sehr großzügig los, ahnen bereits (und haben läuten hören…), dass sowohl die Zugangswege als auch die großen Plätze wieder mal nur aus halbwegs flüssiger Kuhkacke bestehen… Und so ist es auch. Es deutet sich wieder an: Ein langes Wochenende voller steckengebliebener Stiefel, halsbrecherischer Hüpf- und Rutschmanöver und dem konstanten, gar nicht mal wirklich unterschwelligen, aber doch irgendwann wegignorierbarem Geruch enddarmgeprüfter Kuhnahrung… Yay. \o/.
Gut, wie dem auch sei: Festivalbändchen holen, Wacken Full Metal Bag holen und – wegschmeißen. Das war ne ziemlich coole Nummer: Wacken vergibt ja jedes Jahr sone Stofftaschen, ähnlich wie Turnbeutel, mit allerlei Giveaways drin: ’n Kuli, ne Wasserflasche, Werbeprospekte, n One-Way-Regencoat etcetcetc. Dieses Jahr waren Rucksäcke und Taschen aber aufgrund akuter Terroranschlagsbefürchtungen auf dem gesamten Wacken Festivalgelände verboten. Nun muss man von R2 aus, wenn man weiß wo es ist und Glück hat, dass der Klärschlamm einen nicht verschluckt, rund ne halbe Stunde laufen, bis man bei der Bändchenausgabe steht. Diesen Weg müsste man also wieder zurück laufen, um das FMB zum Camp zu bringen. Oder man scheißt drauf und wirft es direkt neben der Ausgabe in den Müll. Kurz das Regencape rausgezuppelt und ab damit in die Tonne. Für unsere Erstlinge geht das natürlich nicht, die haben ihre FMBs in einen Schließfachcontainer vor dem Gelände eingeschlossen. Das, liebes Wacken, war wirklich eine Glanzleistung an Organisation. Geben eine eigentlich manchmal ganz nützliche Tasche mit allerhand Krimskrams aus – und verbieten den Leuten dann damit den Zugang zum zehn Meter entfernten Festivalgelände. Idioten. Muss echt mal gesagt werden. Ich könnte jetzt n Ausflug machen zu „Terror, Prävention, wichtig und so“, mach ich aber nicht. Prävention für Regentage wäre ja auch wichtig, da fällt denen ja auch schon nichts intelligentes zu ein – warum also sollte das bei der Full-Terror-Bag anders sein…
Also rein (anstehen dauert wg. Terror auch länger als sonst) und um Gottes Willen: Männer, stellt eucht NICHT in die Frauenschlange. Und Frauen: Stellt euch NICHT in die Männerschlange. Die Ansage kommt ne gefühlte Stunde, die wir da in der Line stehen, im Minutentakt. Da fragt man sich: Machen das im Minutentakt Menschen falsch, oder ist das auch eher so eine Präventionsmaßnahme? o0
Egal. Foreigner sind Spitze, die ganzen alten Säcke aufm Wacken kennen die Songs natürlich alle und gröhlen mit was das Zeug hält. Nach Foreigner: Whitesnake. Am Wochenende vorher noch gelernt, dass man im beschaulichen Manchester bei Whitesnake-Songs das Wort „love“ durch „knob“ ersetzt. Nun kann man wissen, dass Whitesnake eine Megaschnulzenband ist – praktisch jeder Song handelt von knobs. Das Wochenende ist noch in den Gliedern, also brülle ich aus vollster Lunge regelmäßig Vulgaritäten über’s Wacken Infield. Toll gemacht Luke ;p
Nach Whitesnake dann Iron Maiden – der Headliner. Sie spielen das gleiche Set wie auf der Tour – das macht sie etwas berechenbar, aber das sind Iron Maiden ohnehin. Ich find sie spitze, auch wenn sie hier und da etwas mit dem Sound hadern. Zu „Blood Brothers“ sind wir schon vor dem Infield und wackeln langsam zurück ins Zelt – gemeinsam mit allen anderen das Infield verlassen ist erfahrungsgemäß mühsam…
Nur ein bisschen verlaufen wir uns, laufen einmal um V herum, kommen aber letztlich mit nur wenig Verzögerung sicher im Zelt an. Feierabendbierchen, Abgang.

Freitag. Es ist schon Freitag o0. Ja, wenn der Mittwoch so weggesogen wird vom ewigen dumm-herumstehen, kommt der Freitag immer irgendwie schneller als normal… Freitag also. Geplant: The Haunted. Auftritt? 11:55 Uhr. Ein kurzer Blick auf die Uhr, schallendes Gelächter. Gut, was war danach? Eluveitie. 18:30 Uhr. Ja, DAS ist doch mal was realistisches. Bis dahin gammelt es sich auch super im Camp. Als wir dann zu Eluveitie runtergehen, nehmen wir Manu mit. Der hat bis dato noch kein Festivalbändchen, wir sind ein großer Mob – was kann da schiefgehen? Rund 15 Leute schaffen es, die halbe Stunde durch haarige Schlammgassen hindurch zusammen zu bleiben – nur einer geht verloren… Es hilft alles nichts, Eichhörnchen sind zugegebnermaßen ein adäquates Ablenkungsmanöver. Manu hat sich übrigens an dem Tag durchaus sein Bändchen geholt. Und ist dann ohne aufs Infield zu gehen wieder zurück ins Camp gegangen. Gerüchten zufolge hat er weder am Freitag noch am Samstag einen weiteren Versuch unternommen, im Infield ne Band zu sehen.
Naja. Wir gehen jedenfalls zu Eluveitie aufs Infield – die sind wie immer lustig und machen spaß. Dann teilt es sich – Bullet For My Valentine oder Orphaned Land ist die neue Frage: Wir gehen zu Orphaned Land. Die sind okay, aber jetzt auch nicht übertrieben gut. Aber es ist im Zelt, dort ist die Stimmung im Allgemeinen immer etwas kompakter. Hinterher wieder raus, bei den letzten Klängen von Tarja diffundiert unsere kleine Gruppe fort. Blind Guardian schicken sich an – sie starten für mich ungewöhnlich schlecht, ihre Setlist vermag meine Müdigkeit nicht zu besiegen. So verlasse ich das Infield nach rund fünf Songs bereits und mache mich auf den beschwerlichen Weg ins Camp. Diesmal auf mich gestellt laufe ich auch prompt am Eingang vorbei – extramiles kann man auf dem Wacken leider nicht gutschreiben. Schade, schade. Aber immerhin: Je länger man dafür gelaufen ist, umso glücklicher kommt man dann letztlich im Camp an und ist froh, endlich in seinen gemütlichen Schlafsack auf der gemütlichen Matratze liegen zu können… Natürlich ist aber noch jemand wach im Camp, so zischen wir noch ein, zwei Bierchen, bevor’s in die Heia geht.
Samstag. Wieder so ein frühes, mögliches Konzert: Dragonforce. Wann spielen die? 12:10 Uhr. Wieder schallendes Gelächter. Na gut, aber dann Symphony X. Das klappt auch. Von dort aus wandern wir, ich hab zwei Ersties bei mir, kurz über den Metalmarkt und dann direkt zu Devildriver. Die sind ne bekannte Größe und gewohnt gut, ich bin trotzdem übertrieben müde und mag eigentlich nur noch ins Bett ;)
Nach Devildriver wandern wir etwas übers Wackinger und gehen zu Callejon wieder aufs Infield. Nicht mein Fall und es ist auffällig, dass der Song, der die Massen am ehesten zu bewegen vermag, ein Cover von den Ärzten ist. Ich weiß nicht, wie wohl ich mich dabei fühlen würde, wenn meine Fans zu meinen Coversongs mehr abgehen würden, als zu meinen eigenen. Ich glaub, da hätte ich recht zügig Identitätsprobleme ;)
Nach Callejon zuckeln wir aufs Wackinger, die für mich letzte Band ist angekündigt: Elvenking. Auf die warte ich ehrlich gesagt schon recht lange, hab sie noch nie live gesehen, einige male waren sie für Gigs in Berlin angekündigt, haben (oder wurden?) dann aber abgesagt. Darauf habe ich mich also in der Tat sehr gefreut. Und es hat sich sehr gelohnt – live stehen die ihren Studioaufnahmen in nichts nach. Die Setlist ist recht kurz, die Überlegung, doch noch zu Twisted Sister zu gehen ist sowas von nicht realistisch… also Rückweg, kniehohe Kuhkacke, du wirst mir nicht fehlen…
Der Rest ist gewohnt unspektakulär – bissl Schlafen, bissl Autofahren, Truck austouren, fertig. Es hat schon was routineartiges. Aber: Schön wars. Wie immer. Wacken ist schon was besonderes. Neue Tickets bestellt? Nein. Erstmal abwarten. Aber allgemein ist die Euphorie dafür stark begrenzt, wir denken so in kleineren Grüppchen schon über Veränderungen nach…

Apropos Veränderungen: Mit Ende dreißig ist es wohl an der Zeit, mal den Aufstand zu proben und an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden auf zwei unterschiedlichen Festivals rumzugammeln. Gedacht, getan: Brutal Assault 2016 steckt nun ebenfalls in unseren Knochen. Von den Wackenfahrern hat sich nur eine seeeeeeehr überschaubare Menge von vier Nasen dazu durchringen können, zusätzlich hatte wir einen Festival-Frischling mit in Tschechien. Ach ja Tschechien: Brutal Assault findet statt auf der Burg Josefov in Jaromer – ein kleines Städtchen, rund 150 Kilometer östlich von Prag. Da das Festival tatsächlich IN der Burg stattfindet, hat mich im Vorfeld die Atmosphäre sehr gereizt. Und das kann ich schonmal vorweg nehmen: Das hat sich vollständig bewahrheitet. Die Atmosphäre WAR der Hammer. Doch der Reihe nach. Bereits auf dem Wacken machen wir erste Planungen. Wann abfahren? Dienstag abend schon? Mittwoch um 5? Wann wollen wir da sein? Wie lange fahren wir? Und überhaupt: Wo liegten das?
Letztlich finden wir uns Mittwoch früh, gegen 7:45 Uhr, auf einem Rastplatz an der A13 zusammen und starten in dieses kleine Abenteuer. Nur wenige (ausgewählte) Stops braucht es, bis wir ohne größere Sorgenfalten Jaromer erreichen. In Jaromer deutet zunächst NICHTS auf ein Festival hin. Sieht aus wie ein mehr oder weniger nettes Städtchen in Tschechien. Noch haben wir zwar 400 Meter auf dieser Straße, eine rechts, dann nochmal 300 Meter zu fahren, aber so ein klein wenig sind wir von Wacken aus gewohnt, dass wir bereits vier Orte vorher via Leitsystem auf unsere zugewiesenen Plätze verwiesen werden. Doch nichts. 400m weiter, rechts rum – da endlich taucht etwas auf. Auf einem Plakat an einer Hauswand prangt der Doppelkopf-Adler des Festivals. Und so ganz langsam kommen uns auch die von Metal-Festivals bekannten schwarzgekleideten Kuttenträger entgegen. Wir ahnen schon: Hier sind wir richtig ;)
Da alles recht klein und beschaulich ist finden wir irgendwann auch „unseren“ reservierten Parkplatz, wollen rauffahren…doch Halt. Ein Ordner wirft sich todesmutig zwischen uns und den Parkplatz. Zeigt in die Fahrtrichtung und murmelt etwas auf tschechisch. Vermutlich eine wüste Beschimpfung. Wir fahren also weiter. Irgendwann kommt wieder ein Parken-Schild – fahren wir halt hier rein. Sieht aber mehr so aus, als wäre das kein Parkplatz im engeren Sinne. Hat eher was von Parkstraße. Bezahlt haben wir für was anderes… Also wieder zurück zum Ordner. Der ist amüsiert uns zu sehen., schickt uns wieder in die andere Richtung. „one Kilometer“ sagt erst. Okeeeee, wenn er meint. Fahren wir also wieder hin. Passieren die Parkstraße. Irgendwann tauchen recht unscheinbar zwei Ordner auf der Straße aus. Die machen genau gar keine Anstalten, uns anzuhalten – einen Parkplatz sehen wir indes hier auch nicht. Stutzig fragen wir mal nach. Ist das hier unser Parkplatz? Der arme Kerl spricht nicht nur kein deutsch, nein, der spricht auch kein Englisch… Wie gut, dass wir Ausdrucke unserer Parktickets beihaben. So verständigt man sich mit Hand und Fuß. Wir erhalten Parkkarten. Yay. Mit denen fahren wir wieder zurück wo wir herkamen, über die Brück, erste Rechts – da ist dann „unser“ Parkplatz. Sind wir vorhin dran vorbei gefahren. Das ganze System hat was von Kolonnenbildung – ohne rechte Struktur, wenn ich ehrlich bin… Auf dem Parkplatz gibt’s das erste von vier (sic!) Bändchen an diesem Wochenende: Das Parkenbändchen. Gott sei Dank parken direkt neben uns ein paar Metalheads aus Dresden, die reden uns mal direkt aus, gar nichts mitzunehmen wenn wir unsere Campen-Bändchen abholen wollen. Man erhält die Bändchen und kann dann direkt daneben aufs Camp rollen – wenn man da schon Zelte beihat, kann man die schon aufbauen und alles ist im Fluß… Machen wir also genau so. zu Fuß dauert die Strecke vielleicht 20 Minuten – aber gefühlt sind das Stunden. Das Wetter ist angekündigt mit „bis Samstag Nachmittag ist Regen ist Penner“ – das stimmt so nicht. Wir haben im Gegenteil sogar Glück, können unser Zelt im Trockenen aufbauen. Wir können es zwar dank lehmigem und steinigem Untergrund nicht fixieren, aber es steht. Noch ein paarmal hin zum Auto und zurück, dann steht das Camp. Wir gucken uns mit nicht wenig Neugier um – wir sind praktisch das einzige Camp mit Pavillon. Alle anderen Zelte stehen dicht an dicht. Zwar haben wir den Eindruck, dass wir für den Extra-Platz bezahlt haben, aber wir ahnen schon, dass wir das nochmal werden diskutieren müssen… Und so kommt es auch. Unser Camp ist ein sogenanntes „VIP-Camp“, wir haben ein zweites Bändchen, Zäune, eigene sanitäre Einrichtungen und Ordner. Einer dieser Ordner kommt zwischendurch mal rumgeschlendert und sagt „Das Pavillon geht nicht. Das ist nur erlaubt, wenn ein Zelt drunter steht. Das muss weg“. Wir können die Dame davon überzeugen, dass wir für den Platz bezahlt haben, damit ist das Thema für den Rest des Festivals erledigt. Nachdem alles steht machen wir uns direkt auf zu Devildriver – erste Band auf der Liste am Mittwoch. Zuvor kommt aber natürlich noch Bändchen Nummer 3: Das Festivalbändchen. Heute mit RFID-Chip. Zum Ein- und Ausloggen vom Gelände – aber auch zum Bezahlen. Irgendwie cool. Irgendwie auch wieder nicht. Praktisch halt, weil man nicht permanent mit Cash hantieren muss. Andererseits braucht man das Cash eh, um den Chip aufzuladen – jedenfalls ist das der leichte Weg. Naja. Für dieses Bändchen stehen wir endlich mal auch ne Weile an – rund eine Stunde im Dauerregen. Macht nix – Regencapes und Bier erheitern uns diese Stunde… Direkt vor uns bemerkt einer erst als er dran ist, dass er sein Ticket verloren hat (und neu wird ausdrucken müssen…) – das ist doof gelaufen und echt verschenkte Zeit… Bei uns läuft alles problemlos – Bändchen holen, Geld aufladen, rein und: Devildriver. So wirklich viel bekommt man von der Burg zu dem Zeitpunkt gar nicht mit – ist halt Musik vorne. Die spielen das selbe Set wie aufm Wacken – macht aber nix, war ja n Gutes :D
Es folgt ne Futterschlacht, ein bisschen Kennenlernen der Umgebung, anschließend gibt’s, während Dying Fetus Lärm produzieren, unser viertes und letztes Bändchen: Das Natural Stand Bändchen. Das ist eine echte Besonderheit vom BA: Direkt gegenüber der beiden großen Bühnen ist eine natürliche Erhebung. Vielleicht 6-8 Meter an niedrigster Stelle, nach hinten immer höher wachsend – wie ein natürliches Stadion. Von diesem Stand aus hat man natürlich hervorragende Sicht auf die beiden nebeneinander stehenden Bühnen (und manche Jägermeisterflagge…). Absolut cool gemacht und mit Abstand der Ort, auf dem wir die meiste Zeit verbracht haben während des BA. Zu Mastodon stehen wir da schon ziemlich souverän rum, direkt danach geht’s aber ab ins Bettchen für uns – die Fahrt ist anstrengend gewesen und morgen ist auch noch ein Tag.

Und für den ist abends Dark Tranquillity angekündigt… Wir beginnen aber etws vorher mit The Black Dahlia Murder, gefolgt von Ihsahn. Natürlich beide vom Naturals Stand aus :D Danach möchte Heike gerne zum Meet & Greet von Dark Tranquillity. Machen wir. Stehen am Ende sogar ganz vorne und nehmen verwackelte Fotos mit :D
Noch ein bisschen Hin- und Hergelatsche, dann spielen Dark Tranquillity. Im Zelt. Das ist quasi die drittgrößte Bühne. Und der Bereich vor der Bühne ist so voll, dass die Menschen seitlich unten hinten aus dem Zelt platzen. Versteht keiner, wie die Leute vom BA sich so verschätzen konnten, aber hier war der Bereich vor der Bühne definitiv nicht adäquat bemessen. Macht aber nix – wir sind früh genug da und sehen einen tollen Gig. Also. Ich sehe nicht so viel, ist halt voll :D
Hinterher noch ein klitzekleines bisschen Parkway Drive – nicht mein Fall und so ergebe ich mich meiner Müdigkeit.

Der Freitag beginnt entspannt mit Septicflesh, es folgen komische Bands wie „Raised Fist“ und „Obituary„. Während Terror spielen, machen wir ne Essenspause, um pünktlich zu Coroner wieder auf dem Stand zu stehen. Coroner fackeln ein gewohnt gutes Konzert ab, ich mag die Jungs einfach. Obgleich sie aus der neutralen Schweiz kommen, lassen sie es sich nicht nehmen, die mögliche Präseidentschaft von Trump mit einem „hopefully not“ zu quitieren :D.
Es folgen die psychedelischen Kuschelrocker von Moonspell und die leicht düsteren Satyricon bevor der Headliner des Festivals aufspielt: Arch Enemy. Alyssa kommt meiner Meinung nach langsam an bei Arch Enemy, sie wirkt nicht mehr so ganz wie ne Ein-Frau-Show wie noch zu Beginn ihrer Zeit bei AE. Dadurch wirkt das ganze Konstrukt auch wieder viel stimmiger und ich kann mich langsam dran gewöhnen, die Angela-Songs auch von ihr zu hören. Der neue Kram passt nebenbei bemerkt ganz gut zu ihr, da macht AE schon das Optimum draus, die Kreationen um ihre Sänger zu stricken. Unearth skippen wir, Bierchen, Bierchen, Bettchen.

Am Samstag verlassen uns unsere drei Mitstreiter, wir bleiben aber noch. Wir bauen am frühen Nachmittag das Zeltlager ab, tragen alles zum Auto. Ziel ist, bis Insomium im Infield zu sein und nach Behemoth nach Hause zu fahren. Genau so machen wir das auch – wenngleich Insomnium auf mich die gleiche Wirkung hat wie jedes mal, wenn ich die Live sehe: Plöt! Die Zeiten dazwischen nutzen wir natürlich, um unsere RFID-Chips zu entladen – als Wechselwährung gegen Getränke und Nahrung ;D
Als Kirsche auf der Sahne spielen noch Behemoth auf. Bereits während der vergangenen Tage sind regelmäßig die sogenannten Nazgul auf den hohen Bereichen der Burg rumgerannt: Dunkle Gestalten mit tiefen Kapuzen und Schnabelmasken. Sie geben der gesamten Szenerie etwas unheimliches, mystisches. Zu Behemoth passen sie natürlich noch besser als zu allen anderen… Mit ihnen wirkt das Konzert gleich noch dunkler, satanischer. Behemoth ihrerseits brennen wieder mal alles nieder – ihre Show ist einfach gigantisch und atemberaubend.
Nach Behemoth machen wir uns auf den Rückweg. So etwa 5 Stunden Autobahnfahrt durch die Nacht. ToiToiToi, alles ist gut gegangen.

 

Was bleibt also von diesem seeeeeeehr langen Wochenende auf Wacken und Brutal Assault? Die Erkenntnis, dass man Bands auch mal skippen kann. „Seh ich aufm BA. Sind aufm Schiff. Hab ich aufm Wacken gesehen“. Klappt total super :D
Was wir nächstes Jahr machen? Mal sehen. Wacken wohl nicht. Sicherlich irgendwas Festivalartiges. Vielleicht was mit echtem Bettchen oder so? Vielleicht auch was gemischtes. Breeze ist in der Auswahl. Sicher auch das Force. Metalfest geht irgendwie immer. Mal sehen. Noch ist nichts entschieden. Vielleicht landen wir ja am Ende doch wieder auf dem härtesten Acker der Welt :D

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Wacken 2015 – Von Monsunen und zurückgelassener Unterwäsche

Uiuiui. 2012 Gab’s in Wacken schonmal Regen – aber zumindest wurden wir zum Zeitpunkt des Aufbauens davon verschont. Nicht so dieses Jahr. Wacken 2015 liegt nun also hinter mir und uns, und es ist aus vielen Gründen ein außergewöhnliches Wacken gewesen – allem voran deshalb, weil ich das erste mal mit meiner Herzdame Heike nach Wacken gefahren bin. Das an sich ist eher nicht spektakulär werdet ihr nun denken – aber wenn man etwas “schon immer so gemacht hat” ist es durchaus eine Veränderung, die gewisse Justierungen erfordert, wenn sich die Bedingungen ändern.

Doch beginnen wir ruhig ganz einfach an Tag –170 oder so, dann sehen wir ja, wohin uns das hier führt. Tag –170 ist so etwa der Zeitraum, an dem wir uns ein neues Zelt aussuchen, in dem wir dann geplant gemeinsam nächtigen wollen. Die Entscheidung fällt uns nicht wirklich leicht, letztlich nehmen wir ein günstiges mit viel Platz und einem ordentlichen Gesamteindruck – wobei Amazon-Rezensionen der Maßstab sind. Außerdem bestellen wir noch n Duschzelt (!), eine elektrische Pumpe samt Duschkopf und so weiter, und so fort. Samt und Sonders werden wir am letzten Tag vor der Abfahrt so rund zwanzig Gepäckstücke haben – Schlafsäcke, Matratzen, Zelte, Stühle, Tische, Taschen und so weiter, und so fort. Als das Muli am Vortag der Abfahrt rumkommt und alles einlädt, sind vier gestandene Männer und Frauen ne Stunde damit beschäftigt, den Kram aus der Wohnung in den Mietlaster zu bringen… Auch dabei ist der filler für die diesjährig geplante Spirituose für Marc und mich: Relentless für den Jäggimeister (von dem ich in Summe genau einen Drink abbekomme – liebe Mitreisenden: IHR WOLLTET DEN KRAM NICHT HABEN! Schaweine! Nächstes mal legen wir vorher zusammen und bringen hinterher mehr mit, dann passt das auch. Und Wenn zufällig wieder jemand Geburtstag hat, passt das dann sogar doppelt und dreifach :D).
Meine persönliche Wackenplanung wird jedes Jahr souveräner, inzwischen lasse ich praktisch alles zuhause, von dem ich genau weiß: selbst wenn ich’s mithabe und benötige, würde ich’s nicht verwenden. Das erspart irre viel Gepäck und verkürzt die Packzeit erheblich.

Abfahrt erfolgt wie gewohnt am Mittwoch morgen – wir sind schon beim Aufstehen spät dran (bzw verschlafen ^^), aber alles im akademischen Rahmen. Bei mir gepennt hat Marc, auf unserem Weg zum Muli sammeln wir Lopi (meine künftigen Erwartungen an “ich bring kurz den Müll noch raus” haben sich seither massiv verändert) und später Heike ein.
Letztlich sind wir nichtmal die letzten beim Muli, man sammelt sich, dann machen sich 5 Autos und ein Transporter auf den Weg zu…mir… Hab meine Kutte vergessen – das geht natürlich nicht :D
Also nochmal kurz zu mir, von dort auf die Autobahn und ab nach Wacken. Es dauert wie gewohnt keine Stunde, da klinkt sich der 15-Minuten-Pipi-Rhythmus in unsere Fahrt ein. Ein Autokorso mit insgesamt sechs Autos hat zudem weitere Tücken, so dass wir diesmal in Hamburg getrennt fahren und uns dann also doch auf nem Parkplatz treffen. Wieso sagt ich “also doch”? Da die Üdemer überwiegend keine Karten hatten, hat sich Lukas am Wochenende zuvor alleine nach Berlin aufgemacht (via Fernbus – das erwähne ich vor allem, um die daraus resultierende Gepäcksparsamkeit mal vor Augen zu führen), damit sollte der Stop am Parkplatz entsprechend ausfallen. Durch dann aber doch sehr unterschiedliche Numero-Uno-Bedürfnisse haben wir uns halt doch aufm Parkplatz getroffen. Von da an los nach Wacken, die letzten paar Kilometer dauern ja für gewöhnlich nicht so lange…

Diesmal durchaus…

Wir wussten um Wetterwarnungen – noch während unserer Anfahrt gab’s Bitten seitens der Wackenverantwortlichen, wir mögen doch bitte heute nicht mehr Anreisen sondern in nem Parkhaus in Itzehoe übernachten. Haben wir natürlich ignoriert – wir wissen ja, die sind immer arg hysterisch und so… Ach je, hätten wir doch mal besser drauf gehört…

So rund 10-15 Kilometer vor Wacken stellen wir uns ans Ende irgendeiner Schlange, von der wir zumindest mal hoffen, dass sie zum Leitsystem Richtung Wacken gehört. Ab hier ist es Stop and Go. Anfahren, Anhalten, Handbremse rein (ja, habe ich einmal vergessen, gsd hat Heike aber gut reagiert und statt Lucy mit nem BMW nur den Fahrersitz mit Bier besudelt. Nichts, was nicht vorher schon passiert wäre :D). Alle raus, es ist warm, dann ist es kalt, mal ist Regen, dann wieder Sonne. Alle Aussteigen, rauchen. Kaum ist die Kippe an, geht’s weiter. Das Stück laufen? Zu riskant. Beim nächsten Stop einfach mal keine Rauchen? Keine Option. Alleine auf diesem Teilstück nach Wacken sind viele, viele Zigarettenbäume gepflanzt worden. Kurz vor kurz vor kurz vorm Ende dann noch der Aufreger schlechthin: Es stellt sich raus, dass die Schiebetür eines Sprinters und Finger einer Hand zwar eine gewisse Anziehung aufeinander haben mögen – die Verbindung sollte aber tunlichst vermieden werden… Es gab auch früher schon Verletzungen bei uns auf dem Wacken – aber soweit ich mich erinnere noch nicht auf der Hinfahrt. Yeah – wir haben noch “erste Male” – das ist doch was :D

Irgendwann werden wir reingeleitet, Campground X diesmal. Wieder eher so am Ende, in Richtung nächstes Kackdorf in der Nähe von Wacken. Wacken hatte zuvor schon angekündigt, dass sie den Leuten kaum Platz einrichten würden, Pavillons aufbauen sollte vermieden werden und alle müssen zusammenrücken, da diverse Campingflächen überhaupt gar nicht bewohnbar seien. Wir sind natürlich geschlossen zu abgekocht dafür und machen so in etwa das Gegenteil: Sobald die Einweiser mal ne Sekunde nicht hingucken, bauen wir die Pavillons einfach doch auf. So rückblickend betrachtet denke ich, das war ne doofe Idee :D
Wir bauen unsere Zelt in etwas, das schon zu diesem Zeitpunkt wie das Wattenmeer aussieht – aber was soll man machen, die Ordner haben gesprochen…
Zum ersten Mal in meiner Wackenzeit bauen wir im Regen auf – lästig und schädlich für einfach alles, was wir so bei haben – weil einfach alles nass wird. Wir, die Zelte innen wie außen, draußen liegen gelassene und vergessene Gegenstände… Das Zelt steht, ist innen pladdernass und bleibt das auch, nachdem wir es trockenlegen. Liegt ganz einfach daran, dass es undicht ist. Sowohl die Zeltmembran selbst als auch die Nähte und Klebestellen osmosen (klar ist das n Verb, hab’s doch grad aufgeschrieben!) Wasser von innen nach außen… Entsprechend züchten wir eher ein Feuchtbiotop als das innere eines Zeltes zu begehen… Es hilft alles nix, Wacken muss weitergehen. Wir bauen fertig, besuchen unsere Leute im etwas abseits gelegenen Pavillon und hauen uns teilweise mariniertes Fleisch auf den Grill… Noch während wir da in Knöchelhohen Pfützen waten und uns für die kommende Nacht Mut antrinken fliegen uns die Pavillons regelmäßig fast weg – nur festhalten an allen Ecken hält sie davon ab, uns einfach pladdernass im Regen zurück zu lassen… Der Abend endet flott – statt wie üblich abends noch das Bändchen zu holen und ein paar Rumpelbands zu hören rufen Schlafsack und Wasserbett…

Die Pavillonecke ist am nächsten Morgen nicht mehr zu gebrauchen – sie steht gänzlich unter Wasser, die Pavillons sind Schrott (das ändert sich auch nicht durch die diversen Tapeversuche diverser Mitreisender) und es regnet. Wie nervig.
Heike und ich sind sehr früh wach, wir machen uns also spontan los zum Infield – Bändchen holen. Das Festivalgelände ist noch geschlossen, aber die Bändchenausgabe schiebt 24-Stunden-Schichten…
Der Weg dorthin ist vergleichbar mit einem Spaziergang im Watt – etwa 30 Minuten, nachdem das Meer zurück ist… Wir waten während ununterbrochenem Regen durch dreißig Zentimeter tiefe Pfützen aus Kuhkacke \o/

Mit dem Bändchen bewaffnet gehen wir noch was frühstücken und wieder zurück aufs Campground – ausharren bis Dark Tranquillity als Überleitung für Savatage. Die ganzen anderen, (hauptsächlich Newcomer) Bands auf meiner Liste vertröste ich auf den Moment, wo sie populär sind und so – is mir zu kalt und zu nass.
Gegen Mittag ziehen wir das Zelt um, da wir inzwischen Gefahr laufen, komplett abzusaufen. Also alles aus dem Zelt räumen und irgendwie trocken verwahren, alle Heringe ziehen und das Zelt am Stück an einen trockeneren Ort tragen. Eine echte Herausforderung und offenbar nicht ganz ohne Verluste wie sich heute, wieder daheim angekommen, herausstellt. Doof. Die Neue Position ist wenigstens am Boden trocken – vom Himmel nach wie vor nicht und entsprechend bleibt es im Zelt feucht bis nass. Ich kann schon vorweg nehmen: Das Innenzelt – also der Bereich, in dem wir geschlafen haben – blieb trocken bis zum Ende. Wenigstens das.
Dann gibt’s Absinth-Cocktails zum Gegen-Das-WasserWetter-Antrinken. Ich habe den überwiegenden Rest des Nachmittags im Auto verbracht – mit hervorragender Sicht auf die Pavillon-Taper und unser Geburtstagskind, dass es sich nicht nehmen liess, mit reichlich Drinks immer und immer wieder bei uns im Auto vorbeizuschauen. Das kann auch mal schiefgehen… Und ging es auch. Immerhin: Am nächsten Morgen erinnert er sich an nix, und gemäß gängiger Gesetzmäßigkeiten bedeutet das bei uns: Es ist nie passiert.
Abends dann Wie gesagt Dark Tranquillity – Top Set, Sound finde ich nicht so prall, bin aber auch genervt vom Tag. Aber Dark Tranquillity kann ich immer hören, egal wie mies ich drauf bin.
Das Wetter fordert nicht nur bei mir seinen Tribut sondern bei der gesamten Gruppe – viele Absprachen und Verabredungen funktionieren nur noch bedingt, alle sind etwas gestresster als sie es sein sollten, Menschen gehen verloren und werden spät erst wieder entdeckt. Wacken im Regen halt – es ist anstrengend und kräftezehrend.
Im Anschluss geht’s zu Savatage – die spielen zeitgleich mit dem Trans-Siberian Orchestra und überhaupt das erste Konzert seit so 12 Jahren oder so… Es ist zudem eine Premiere für das WOA – das erste mal werden Black- und Truestage zeitgleich bespielt. Jon Oliva gibt sich große Mühe beim Marathon von einer zur anderen Bühne nicht außer Atem zu gelangen – das Konzert insgesamt ist phänomenal und ein echtes Highlight des (diesjährigen) WOA.
Im Anschluss ins Zelt und in die Heia.

Freitag testet Heike das Duschzelt (offenbar ein voller Erfolg!), was nicht ohne eine gewisse Dauerbelustigung der anderen funktioniert, aber das kommt mit Ansage. Inzwischen ist der Regen weitgehend weg, es ist eher permanent diesig aber weitgehend trocken. Das Zelt funzt übrigens überraschend gut, kann man so machen.
Ich begebe mich zu Falconer vor die Bühne (letzte Möglichkeit für mich, die mal live zu sehen, da sie angekündigt haben, künftig nicht mehr auftreten zu wollen). Die Show ist super, die gesamte Stimmung halt mies. Zwischendurch fällt der Bass aus und während die Techniker das fixen spricht der Gitarrist mit uns und bedauert uns Fans, dass wir da unten in der Scheisse stehen müssen, während sie da oben stehen und nicht spielen können. Tja. Wo er recht hat, hat er halt recht :D
Im Anschluss lass ich sehr viel ausfallen, dafür laufen wir nach Wacken Dorf. Der Marsch ist spektakulär und bedingt durch die chaotischen Wetterverhältnisse nicht unwesentlich beschwerlich. Da mein Equipment mit den Witterungsbedingungen gut klarkommt, kann ich vermutlich den überwiegenden Teil des wütenden Mobs, der mich begleitet, nicht angemessen würdigen. Das verstärkt sich auf dem Rückweg, auf dem wir statt den gleichen Weg über die Felder zu nehmen, mit dem Taxi “über außen” fahren. Gefühlt sind wir dadurch am Ende nicht weniger gelaufen – aber immerhin fast gänzlich auf befestigtem Boden. Wie gesagt, für meine Stiefel kein Unterschied…
Wacken selbst ist halt Wacken – voll, skurril. Der Supermarkt hat neues Grillfleisch für uns und wir finden ernsthaft noch Gummistiefel im Dorf – und einige von uns schlagen direkt zu.
Nach ausgiebigem Fleischupgrade geht’s wieder aufs Infield – In Flames sind angekündigt. Deren Show ist durchwachsen – das Setup ist nicht mein Fall, der Sänger hat Mühe mit seiner Stimme, es ist kalt und ih baba. Aber letztlich ist es halt In Flames ;)
Ich bleibe danach noch zu Running Wild – steht auf der Liste “muss man mal gesehen haben” – nach vier Songs ziehen wir aber ab – es ist bitterkalt (gefühlt nah am Gefrierpunkt) und die Band vermag nicht, uns die Wärme aus den Knochen zu schütteln. Ein kurzer Umweg über das Wackinger zu diesem legendären Kaffee- und Teestand, dann ist auch dieser Tag musiktechnisch besiegelt. Wir trinken im Camp noch ein Bierchen, dann ab in die Heia.
Eine Lektion dieses Tages ist noch: Wenn man nicht auf jemanden wartet, der grade vor einem ins Dixie gerannt ist, bekommt man dafür als Belohnung einen Pavillon. Das muss man wissen, das ist elementar. Diesen neuen Pavillon bauen wir an dritter Stelle auf, da die ersten beiden beinahe gänzlich unter MüllWasser stehen. Eigentlich ein Wunder, dass wir noch freie Flächen dafür finden, und doch…

/edith sagt: Den neuen Pavillon gab’s schon Donnerstag abend. Sachen gibt’s o0

Samstag ist dann so der Tag des gemeinsamen Rumhängens vor der Bühnen. Viele sind bei Avatar, viele bei Amorphis. Avatar sind sehr gut, mit der kleinen Einschränkung, dass der Sänger halt jemand ist, der sich viel und gerne mal die Zeit nimmt, mit den an seinen Lippen hängenden Fans zu plaudern, statt Musik zu machen. Von dem ohnehin kurzen Set gehen auf die Weise mal so locker eine Songlänge dafür drauf, dass er uns fragt, ob’s uns gut geht. Es ist nicht wirklich stimmungstötend, aber mMn kann er sich das gerne schenken. Amorphis spielen wieder das Set zu ihrem Debütalbum – es ist nicht wirklich mein Lieblingsalbum von ihnen und ich hab die Show inzwischen das vierte mal gesehen – wir vertreiben uns also die Zeit mit Bierchen trinken und Faxen machen :D
Amorphis sind für Heike und mich dann auch die letzte Band auf dem Wacken. Zwar gehen wir hinterher nochmal aufs Wackinger – aber eher zum Shoppen (und wie!) und weniger zum Musik hören. Seither bin ich stolzer (zweitverwertender) Besitzer eines Schulterpanzers aus schwarzem, massivem Stahl (Danke Marc!). Oder so. Kann auch einfach Alu sein, was weiss ich. Ein bissl in der Shisha-Bar rumhängen gehört halt doch zum Wacken dazu ;)
Und was wäre Wacken in diesen Jahren ohne vorzeitige Abfahrer… Bereits Donnerstag hatten wir einen Heimfahrer, am Samstag Nachmittag folgten drei weitere. Skandalös wenn ihr mich fragt!

Abfahrt nach Berlin erfolgt wieder zu quasi nachtschlafender Zeit – und während sich der große Teil des Autokorsos direkt nach Berlin aufmacht (die herrenlose Unterhose blieb im Matsch – gemeinsam mit einer rekordverdächtigen Anzahl an Zelten und dem Rest vom Asicamp 2015 auf X), bleiben Lucy und ihre Mitstreiter noch in der Nähe (Frühstück bei Mecces und so – letztlich waren wir bei BKing weil is-doch-eh-wurscht :D). Das holen wir schon wieder auf, ist doch klar. Letztlich sogar sehr souverän – wir sind am Ende Netto rund drei Stunden vor dem Korso in Berlin.
Das war Wacken 2015. 2016 ist schon ausverkauft – wir sind wieder dabei. Rain or Shine. Aber gerne mal wieder shine ;)

P.S. I: Radler KANN man mitbringen nach Wacken – is aber pointless
P.S. II: Absinth und Relentless funktioniert tadellos. Vermutlich funktioniert auch Rattengift mit Relentless :D

Leicht verspätet noch ein paar Impressionen:

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Wacken 2014 – long story short…

…dieses Jahr WOA war leider eher enttäuschend für mich. Mittwoch Abend habe ich mich noch traditionell vom diesmal exorbitant großen Widerstand im Camp, zwischen all den das Wochenende prägenden “Kuemmerling, Kuemmerling, gute Freunde trinken gerne Kuemmerling”-Rufen und der wilden, aber lauten, Vorstellung, dass man Mittwochs nicht sein Festivalbändchen holt, loslösen können, die anschließende Suche nach Verbündeten im Biergarten war aber leider vergleichbar mit dem Durchhaltevermögen bei Bands an dem Abend: Es endete demnach im Camp, bei, was soll ich sagen, Kuemmerling (Merke: Kuemmerling wird in einem 19-Personen-Camp auch merklich dezimiert, wenn man nicht in der Nähe ist…)…

Das war btw ein Vorhaben, das vorher von einer Splittergruppe von 10-Jahres-Jubilaren zum offiziellen 25-jährigen Wacken ausgerufen haben: 5 olympische Ringe an Kuemmerlingen möge das Camp vorzugsweise am ersten Abend, definitiv aber im Verlaufe des Festivals zerlegen. Für jeden Ring braucht es ~65 Kümmerlinge, wir hatten vorsichtshalber ungefähr ~500 mit. Lange nicht jede/r im Camp trinkt diesen Kram, also bleibt natürlich mehr für alle anderen ;o)
Und ich kann mit Sicherheit sagen, dass auch Dosenstechen und Biertrichter dieses Jahr von Minute 1 an zum Alltag zählen. Nicht für mich, soweit sollten meine Erfahrungen Konsistenz aufweisen, aber im Camp. Ich kann für 2014 erstmals Rangeleien und das permanente Gefühl addieren, im unmittelbarer Nachbarschaft (und ja, auch für mein Zelt) das “oh mein Gott hoffentlich krachen die nicht besoffen in unser Camp”-Gefühl addieren – nicht jeder hat diese Stoßgebete gesprochen, also wurde auch nicht jeder erhört…)
Ich würde das sehr gerne mit einer Aussage eines Mitreisenden umschreiben, die mir dafür sehr gut gefällt: “Wacken ist ein Urlaub für die Seele”. Ich unterstreiche das mit jeder Faser meines Seins, es ist in der Tat genau das: Maximales Befreien von Konventionen, an die wir uns die restlichen 360 Tage im Jahr gebunden fühlen. Daher erfolgt das Gefühl, das diesjährige Asi-Camp in der Umgebung zu sein, wertfrei: Ich bin definitiv lieber in diesem Camp als in jedem anderen. Egal, welche Qualität es hat ;o)

Donnerstag hatte noch einige Highlights. darunter definitiv das rumhängen im Wackinger, eher belastend als erheiternd waren die enttäuschenden Bandbegehungen von Hammerfall und Steelpanther – ich bin relativ sicher, ich war abends dann noch in der Shishabar, ich erinnere mich dunkel am Met und Zigarren und so – aber ansonsten ist dort viel Dunkelheit, wo Feuer sein sollte.

Das ist bedauerlicherweise die direkte Überleitung zu Freitag, der super startete (sieht man mal vom 4-Stunden-Wartemarathin im Dorf nebenan ab, der eigentlich als Suche nach ner Dusche und nem WC begann, aber ehrlicherweise eher als Frühshoppen in brütender Hitze mit Gruselgeschichten vom Wirt, der vom am Vorabend von einem Taxi erfassten Dorfbewohner zu berichten wusste, endete), aber bitter endete: Nachdem ich mich den ganzen an der festlichen Tafel im Camp gelabt habe (und derweil diverse geplante Bands mit dekadentem Durchwinken nicht besucht habe), spürte ich abends, auf dem Weg zu den wenigen, für mich wirklich wichtigen Bands, ein nicht nur leichtes, sondern merklich bedrohliches Unbehagen in der Magengegend. Wir standen noch ein paar Minuten bei Hell rum, am Ende blieb mir leider nichts übrig, ich musste, mich Kräutertee bewaffnet (Mama Marc, Dein Sohn ist echt ein feiner Kerl, das hast Du sehr gut gemacht!!), den Rückweg ins Camp antreten. Die Nacht war entsprechend unerfreulich, der sich anschließende Samstag leider im Ganzen genauso: diverse Bands vom ohnehin eher unterdurchschnittlichen Line-Up habe ich nicht gesehen, habe mir stattdessen im Camp den Bauch gekrault. Abends habe ich mich nochmal ins Infield gezwungen – und hey, es gab dort immer noch Tee, voll super – aber außer einem ganz lustigen, aber nicht überragenden Auftritt von Amon Amarth (lustig vor allem, weil der 2,50m-Hüne von Sänger so ungefähr 2,8 im Turm hatte, was verstärkt durch die Bühnenkonstruktion und das Wetter zu sehr lustigen Effekten führte) war ich nicht mehr in der Lage, weitere Zeit auf einem superanstrengen Wacken zu verbringen.

So bin ich noch am Abend mit meinen Hinfahrern zurück nach Berlin gedüst – absolut unüblich und am Ende natürlich auch sehr anstrengend, aber durch meine Magenprobleme (und nein, das war kein Kater…) definitiv die richtige Entscheidung.

Diese Erfahrung hat mich einiges gelehrt, immerhin resultiert sie aus einer Reihe von vielleicht nicht, vielleicht doch, zusammenhängenden Ereignissen, auf jeden Fall aber legt sie mir viele Verhaltensweisen nahe, die ich im nächsten Jahr verändern sollte und werde. Klar, dann wird wieder alles anders und so, aber es ist, abgesehen vom Rookie-Jahr, das Jahr mit den wichtigsten Erfahrungen. Insofern schaue ich ich trotz weinenden Auges mit einem Lächeln zurück, denn es gab abseits meiner persönlichen Schwächen echte Lustmomente im Camp und im Rest der Erfahrung Wacken – dazu zählen sicher die “Wer schwankt, hat mehr vom Weg”-Parolen auch viel Einheit und Brüderlichkeit in einem solch großen Camp. “Klar” gab es auch Geraufe, Gepöbel, in’s Camp Gereihere – aber es ist ausgesprochen Schön, einem solchen Camp und Freundeskreis anzugehören. Ich hoffe inständig, jede/n Einzelne/n nächstes Jahr wieder zu sehen, und verspreche mich in besserer Verfassung zu präsentieren.

Wacken – Rain or Shine.

\m/

Wacken Open Air 2013 – Man kann es einem aber auch nicht recht machen…

Sonne. Bruthitze. Auf der Suche nach Abkühlung nehme ich jeden kleinen Unterschlupf mit, der, wenngleich nur für den Hauch einer Sekunde, Schatten spendet. Doch es nutzt nichts, die Sonne brennt im selben Maße unbarmherzig auf mich ein wie die sehr vereinzelten Wölkchen lethargisch am Himmel vorüberziehen.

Ich brate zwei volle Tage lang, als sich die obligatorische Wackenwolke ein Herz nimmt und die Hilferufe der 90.000 Besucher des Festivals erhört – sie entlädt sich in einem Schwung, spült Tausende hinfort aus dem Infield. Sie überschwemmt mit einem Mal die Bühne, vor der ich geduldig, summend und hocherfreut einer meiner „muss ich sehen“-Bands dieses Wochenendes begleite. Dann ist es vorbei, und die jetzt viel zahmer wirkende Sonne freundet sich mit Quellwolken an und erfreut uns mit herrlichem Festivalwetter.

Doch der Reihe nach. Wacken 2013 ist in den Knochen und Gliedern, und es begann schon mal großartig: Meine vermutlich einzige Leserin dieser Beiträge (neben mir selbst wenn ich in alten Zeiten schwelge ^^) hat mir ein Geschenk zukommen lassen – einen Flachmann, versehen mit einer Gravur meiner Vornamens-Initiale und gefüllt mit leckerem Glenmorangie Single Malt – vielen Dank dafür an Mama Marc ;). Wir haben uns dann auch nicht nehmen lassen, den Vorabend vor Wacken zusätzlich zu den obligatorischen Auftaktbierchen bei einem (oder waren es zwei? Gar mehr?) Whisky ausklingen zu lassen – standesgemäß eben :D

Am nächsten Morgen, es hilft halt nix, trotzdem früh raus. Die Nacht mies geschlafen (Wacken-Entschlacken und Whisky am Abend sind echt ne unglückliche Mischung), morgens dann Hektik weil mir auffällt, ich hab gar nicht alles gepackt o_0. Schnell die wesentlichen Dinge in den Rucksack geworfen, eine letzte Dusche, ein letzter, halbherziger Versuch, der Keramik zu zeigen, wer Herr im Haus ist, schon stehen die Horden vor der Tür. Ein Muli, 3 PKW versperren meinen lieben Nachbarn die Einfahrt und ihre Parkplätze :D
Wir verschieben ein bissl Gepäck, verstauen ein paar Menschen und sind SchwuppDiWupp hinter Hamburg. NATÜRLICH hinter Hamburg, eine offizielle Stauwarnung für diese Strecke sowie die empfohlenen Ausweichrouten ignorieren Metaller natürlich hartnäckig ;)
Auf gewohntem Parkplatz (vermutlich im Rest des Jahres ein beliebter Swingertreffpunkt ^^) treffen wir unsere Uedemer Freunde um anschließend Schnurstracks auf Campground S im Holy Wacken Land zu rollen. Kurz vor der Campsite noch dieser Schnappschuss:

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Da weiß man direkt – man is bald da… Da bedeutet dieses Jahr: Campground S. Sagte ich schon? Kann man nicht oft genug sagen…Campground S ist:

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(Foto von Ralph Larmann via wacken.com)

Zur Orientierung habe ich die Hauptbühnen auch markiert…
Nun hat jeder Standort seine Vor- und Nachteile, der offensichtliche Nachteil an diesem Standort ist seine Distanz zur Festivalsite – so wurden auch 2013 wieder beträchtliche Kilometer abgespult um vom Campground zu den Bühnen und zurück zu gelangen. Je nach alkoholischem Level wurden auch noch Zusatzkilometer angehangen – doch dazu später mehr

Das Camp ist schnell errichtet, inzwischen arbeiten wir Hand in Hand und mit der Souveränität von hundert Jahren Festivalerfahrung…Die erste gemeinschaftliche Einrichtung sind, wie jedes Jahr, Pavillon > Bierzeltgarnitur > Trichter. Den haben dann auch direkt mal einige eingeweiht – willkommen im Wackenwochenende. Der erste Grill brutzelte auch binnen Minuten die ersten Steaks, die Bierchen wurden zusehends einsamer in ihrer häuslichen Umgebung…

Ich bin mit einer Handvoll Leute noch zur Festivalsite runter, Bändchen holen, zwei, drei Trällerbands anhören, im Biergarten versacken… Es ist Mittwoch aufm W:O:A – ich betrachte das inzwischen als obligatorisch.
Amüsante Begleiterscheinung dieses Jahr ist die Bändchenausgabe, es gibt nur noch eine (statt wie üblich zwei) und sie ist zentral auf dem Wacken Plaza abgestellt. Kurz vor der Bändchenausgabe treffen wir mit einer anderen Gruppe aus unserem Camp zusammen, alles verteilt sich neu, plötzlich bin ich mit Jens isoliert. Mangels lustigerer Ideen stellen wir uns in die erstbeste Schlange und halten von dort aus Ausschau nach unseren Leuten. Aber nichts zu sehen weit und breit.
Während der Campinstallation werden einem erstmals (also bei mir erstmals) kleine Schnipselchen vom Ticket abgerissen, bei mir offenbar auf der falschen Seite. Nach einer gefühlten Stunde in der Wackenschlange erklärt mir die junge Dame von der Bändchenausgabe, dass das deshalb so nix wird, ich solle mich an die Information wenden, ich bräuchte diesen Schnipsel… Ich sehe mich dieses Jahr schon im Camp verbringen, wackel zur Information rüber (liefere mir einen wie gewohnt lustigen Dialog mit einem Secu, in der Form:

Secu: “hey, Du kannst hier nicht durch – Du brauchst n Bändchen”

Icke: “hey, ja, super – bekomm ich nicht, hab n Ticket”

Secu: “jaaa, aber das Ticket bekommste ja auch mit dem Bändchen wieder”

Icke: “na da kann ich jetzt aber auch nix für, ich wurd hierhergeschickt”

Naja, es ist ein warmer Sommertag, er lässt mich dann doch noch durch. Die Dame an der Info regelt das unbürokratisch, stellt mich nach vorne in die Schlange, gibt mir Bändchen und Full Metal Bag und am Job ist ein Häkchen.
Ich wandere wieder zu “meiner” Bändchenausgabe, wo wir inzwischen unsere Leute in der Schlange, etwa ne halbe Stunde hinter uns, stehen sehen – lustige Dialoge sind da vorprogrammiert ;)

Wir gehen uns noch ein paar Bands ansehen (darunter TRALLERY, die richtig gut klingen) und versacken anschließend standesgemäß im Biergarten. Mission accomplished :D

Der Donnerstag bringt tolles Festivalwetter, es stellt sich heraus, dass die Entfernung zum Festivalgelände ihre Sonnenseiten offenbaren kann: Die unmittelbare Nähe zum Nachbarort von Wacken, “Holstenniendorf“. Dort gibt es anständigen Kaffee, anständige WCs und einen ganz brauchbaren Duschpark. Nichts aber kann mit dem Champagner- und Kaviarfrühstück mithalten, dass sich in unserem Camp abspielt:

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Soll nur ja niemand glauben, dass wir keine Kultur hätten o_0

Der Tag plätschert so vor sich hin, ich beginne mit grausamer Musik von MYSTERIOUS PRIESTESS, es folgt der wirklich gute Auftritt von INDUSTRIAL CITY, wieder eine Perle entdeckt ;)
Anschließend bin ich aufs Infield, das erste mal vor die großen Bühnen. ANNIHILATOR haben sich angekündigt, und sie machen dem staubigen Untergrund so richtig die Hölle heiß. Große Show, große Musik. Einfach zum Niederknien.
Damit hat es sich aber leider schon mit musikalischen Highlights. Da ich meine Running Order im Zelt vergesse, verpasse ich den Auftritt von HAGGARD :/
Ich irre, alleine und ziellos, über das Festivalgelände, kleine Abstecher auf die Fressmeile im Wackinger und auf den Metalmarkt erheitern mich aber auch nur temporär. Während DEEP PURPLE noch spielen (und dabei echt gar nicht überzeugen können :/) schlendere ich zur Videoleinwand vor dem Infield, der traditionelle “Place to be” für die Bands am Donnerstag, der “night to remember” auf Wacken.
Hier sind schon diverse Leute aus meinem Camp, vor uns haben es sich zwei Leute auf Campingstühlen gemütlich gemacht. Wir beginnen zu quatschen, haben uns ja schließlich lange nicht gesehen und viel zu erzählen… Zwischendurch lästern wir auch über die grottenschlechten Deep Purple, als einer der beiden Stuhlhocker sich umdreht und loszetert, wenn’s uns nicht gefällt, sollen wir gefälligst woanders hingehen und ihn nicht nerven. Ich verkneif mir die schnippische Bemerkung, dass er hier schließlich aufm Moviefeld hockt, faul und asozial in einem Campingstuhl, und zünd mir stattdessen ne Zigarre an. Wie es das Karma so will, zieht deren Qualm direkt zu den beiden Stuhlsitzern…Nach etwa zehn Minuten eisernem Nach-Vorne-Schauen schnappen sie sich ihre Stühle und fucken andere Leute weiter vorne ab. Auch hier gilt:  Mission erfüllt. Plötzlich ist unser Sichtfeld auf die Leinwand auch viel besser. Doof nur, dass der Sound wieder nicht gut ist – zwischen der Übertragung und der Livemusik von links liegt immer gut ne halbe Sekunde. Klingt gruselig. Nach der Hälfte der Rammsteinshow – also noch vor Heino ^^ – gehe ich, hock mich in die Shisha-Bar und genieße mein persönliches Finish dieses Tages. Nach meiner Heimkehr noch ein, zwei Bierchen, dann ist der Tag gelaufen, unsere Mitternachtssonne wünscht uns ebenfalls eine gute Nacht (wir haben sie am Folgetag dann abgeklebt ^^)…

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Am Freitag wurd’s richtig brutal. Die Sonne war am Donnerstag schon warm und teilweise nervötend, aber Freitag war die Hölle. Ich bin zu spät fit geworden, statt NEAERA gab’s für mich eine späte Dusche (und dafür so etwa 90 Minuten dohv in der Sonne braten…) und irgendwann dann IHSAHN. Die sind leider nicht so spannend, bin dann doch lieber zu UGLY KID JOE getingelt – die kenne ich noch aus längst vergangenen Tagen, das Konzert war auch ganz lustig. Nach UKJ haben auf der Nebenbühne PRETTY MAIDS ihren Auftritt, die Band war mir vorher durch eine lose Bekanntschaft mit dem Keyboarder ein Begriff, gehört hatte ich sie noch nie. Muss aber sagen, live gehen die ganz gut ab. Anschließend SOILWORK, von denen ich mir irgendwie mehr versprochen hatte… Seltsames Konzert. SABATON sehe ich von gaaaaaaaaanz weit hinten, der Sänger ist ganz lustig, macht viele blöde Sprüche und tauscht, offenbar traditionell, seine Weste gegen identische Westen von Fans… Musikalisch können sie mich aber wieder nicht überzeugen. Da die Menge tobte, ist das aber offenbar eine nicht so verbreitete Meinung. Vereinzelt hörte man Unmut über den betrunkenen Zustand des Sängers, davon abgesehen ist es eher Begeisterung bis in die hinteren Reihen, die Sabaton hierzulande erfahren dürfen.

Jetzt wird’s Dunkel, irgendwann im Laufe des Tages mach ich mir ein Airbrush-Tattoo auf den Rücken – dank der fiesen Sonne ist es inzwischen ein Sonnenbrand-Negativ des W O A –Schriftzugs :D
Ich laufe auch nochmal ins Camp zurück, sammle ein paar Kräfte (und Leute) und mache mich zu AMORPHIS wieder zurück in Richtung Festivalsite auf. Amorphis haben einen amüsanten Einstand: Ihre Show ist als “Special Acoustic Set” angekündigt. Und so stellt Tomi Joutsen zu Beginn des Konzerts auch eine Background-Sängerin vor, einen Saxophonisten und andere Unplugged-Musiker. Die Band kommt mit Akustik-Gitarren auf die Bühne. Die ersten fünf Songs sind denn auch sehr gemütlich, von denen ist mir “I of Crimson Blood” noch am ehesten im Gedächtnis – er eignet sich am besten für ein solches Set… Im Anschluss an “Sign from the North Side” nehmen die Jungs sich ihre Gitarren und den Rest des Auftritts läuten sie mit einem grandiosen “Shades of Grey” ein – ab hier brennt die Luft, alle, die dageblieben sind (und es sind EINIGE gegangen), bekommen das meiner Meinung nach beste Konzert des Festivals zu hören. Mit “Hopeless Days” schmettern sie auch ihre neue Hymne von “Circle” – beinahe schon selbstverständlich… Ein wirklich gutes Konzert.
Leider geht mir bei Amorphis der Akku am Telefon aus, weitere Fotos habe ich demnach nicht. Dies hier aber möchte ich euch nicht vorenthalten – Der Beweis, dass wir es uns auf’m Wacken auch mal richtig gut gehen lassen:

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und vielleicht noch dies – auch wenn solche Fotos aus den Medien hinlänglich bekannt sind, die Dimensionen sind schon durchaus bemerkenswert:

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Der Samstag beginnt etwas gruselig, im Nachbarcamp schreit eine junge Dame wie am Spieß. Ihre Leute stehen hilflos im Camp herum, einer von ihnen kommt uns auf unserem Weg zu den Duschen entgegen und fragt nach nem Sanitäter. Als wir vom Duschen zurückkommen ist das Camp geräumt (aber nicht abgebaut) und die Sanitäter verlassen grade den Campground – immerhin mit Blaulicht, so dass nicht unbedingt das schlimmste zu befürchten ist. Dennoch verhagelt es einem den Morgen. Und sicher auch den Leuten aus dem betroffenen Camp.

Auch der Samstag bringt wieder viel Musik, darunter viel Durchschnitt und wenig berauschendes: Etwas FEAR FACTORY, reichlich DIE APOKALYPTISCHEN REITER, gaaaaaaaaaaanz viel SONATA ACRTICA… Während Sonata Arctica spielen (und auf der Nebenbühne LAMB OF GOD) gibt es einen heftigen Regenschauer. Binnen Sekunden ist jeder (der nicht gut vorbereitet ist) bis auf die Knochen nass, das Infield verwandelt sich in Sekunden in eine Schlammlagune. Zwar verschwinden diverse Leute vor den Bühnen, aber selbst Tony Kakko wird von dem Regenguss pladdernass, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und spielt ein tolles Konzert ab. Das ist auch mein persönliches Finale, ich gehe anschließend zurück ins Camp und schließe mich der großen Meute an, die grade auf dem Weg zu TRIVIUM vor die Bühnen wollte. Aber weder Trivium, noch CANDLEMASS vermögen mich noch recht zu motivieren, bis SUIDAKRA um 2 Uhr durchzuhalten…Noch während Candlemass spielen, gehen wir, mit Bogen über’s Wackinger Village (geistige Notiz: Zyklopenspieße!), zurück zum Campground. In großer Gruppe und bei einem oder zwei Bierchen beenden wir Wacken 2013… Am nächsten Morgen stehen die ersten um halb sieben (!!!) bereits im Camp und rollen ihre Zelte zusammen. Totaler Irrsinn!

Unbedingt erwähnenswert sind folgende Geschichten aus zweiter Hand:

> Eines späten Abends gehen L und M zur Pipirinne (das sind vielleicht 30 Meter vom Camp aus) – nur L kehrt zurück. Was ist das los? M bleibt Stunden verschollen. Als er schließlich zurückfindet, ist das Camp bereits im Schlafmodus.

> Ebenfalls eines späten Abends, A und L (der andere ^^) sitzen im Camp. L steht auf und geht, A denkt sich “nuja, der wird wohl schiffen gehen”. L ward Stunden nicht mehr gesehen.

> L (der erste) begeht den fatalen Fehler, tagsüber ins Zelt zu robben und zu schlafen. Als er wach wird, hält er den nächsten Tag für gekommen. Er geht los, kauft Brötchen, kauft Kaffee, begrüßt die Menschen mit “guten Morgen”. Das fällt erst mit der sehr bald einsetzenden Dämmerung auf…

/Ergänzungen:

> Obgleich der Weg vom Festivalgelände zum Camp im Grunde – im Grunde! – ein ziemlich grader Strich ist, der, wenn man ihn einmal gegangen ist, Routenfehler unmittelbar und hart bestraft, ist es eines Abends den Damen und Herren S,W,A,T gelungen, abseits der Pfade über die Dörfer – also die Dörfer… zu wandern. Also…naja, schaut’s euch im Bild oben an, es ist irgendwie selbsterklärend, wo der Fehler ist, wenn man vom Festival zum Camp will und in einem Dorf landet :D

> Es gibt eine wesentliche Neuerung im Bereich „Pimp my Tent“ – seit Wacken 2013 wissen wir, wieso es ne gute Idee ist, ein Vorzelt zu haben. Nur soviel sei dazu gesagt: Der Trichter und Bon Jovi sind unmittelbare Feinde des Vorzelts. Wenn’s nach denen ginge, gäb’s ausschließlich nur Hauptzelte :D

So geht es zu auf Campground S – man geht verloren ;)

Wacken 2014 ist btw ausverkauft. Habe mein Ticket schon. Besser ist das ;)

70.000 Tons of Metal 2013

Aufregung stellt sich im Grunde erst ein, als man in einer Schlange steht, die das Boarding auf das Schiff kanalisiert, rechts und links Menschen, Schwarz in Schwarz und doch, es scheint gibt es kleine Unterschiede zu den sonstigen, derartigen Veranstaltungen; es herrscht nervöse Spannung bei den "Freshmen", die das erste mal dabei sind und entspannte Vorfreude bei den anderen, die das Procedere kennen. In der Warteschlange neben mir taucht Masha von Arkona auf, das erste bekannte Gesicht auf dieser langen Fahrt durch die Karibik. Sie ist nicht weniger überwältigt, mehr als ein schüchternes Lächeln ist ihr nicht zu entlocken (ja gut, mir entflieht auch nur ein hysterisches "aaaaaaaaaah" als ich sie erkenne, darauf würde wohl niemand positiv reagieren :D) – und letztlich ist sie auf diesem Schiff zu diesem Zeitpunkt auch nur jemand, die in der Reihe steht um zum Securitycheck durchgewunken zu werden.

Tags zuvor sind wir im Paradies gelandet, unzählige Stunden Flug beginnen im milden Winter Berlins, machen eine Pause in London Heathrow und enden mit einem Anflug über der inzwischen im Dunkeln liegenden Stadt Miami, Florida. Bei Verlassen des Flugzeugs merkt man direkt, hier ist es wesentlich freundlicher als noch bei Antritt der Reise. Der Temperaturunterschied zwischen Berlin und Miami dürfte etwa bei 30°C liegen, vielleicht etwas darüber, die "cruise capital of the world" empfängt seine Gäste Miami_Palmenmit erfreulichen ~25°C. Das erleichtert die Annäherung mit dem fremden Land merklich – wenngleich es nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass man quasi stundenlang auf dem Flughafengelände in Warteschleifen rumgeschubst wurde, um diverse Tests zur geistigen Stabilität zu durchlaufen. Am Ende ist es aber dann doch alles friedlich und die zur Verfügung stehende Zeit gestattet noch einen kurzen Blick auf die parallel zum Strand verlaufende "Sehen und gesehen werden"-Meile in South Beach, ein Bierchen am Strand (in obligatorischer, brauner Papiertüte :D) und einem kleinen Gespräch mit anderen, die einem an diesem Abend über den Weg laufen. Man beginnt sich zu fragen, ob diese optische Zuordnung bei einer Rentnercruise auch so simpel wäre und wieso es dann so auffällig wenig andere gibt, die man "einer Randgruppe" zuordnen kann – dann aber wird mir erneut klar, dass wir eben nicht auf eine Cruise gehen, sondern auf ein Festival. Natürlich ist die Zuordnung zu einem Festival leicht, und natürlich sind wir "once in a while" das einzige Festival, dass hier abfährt – und nicht zufällig optisch eh zur Miami-Bevölkerung und den übrigen Feriengästen passt.

Sowohl der Helikopter, der mit einem Scheinwerfer den Strand entlang leuchtet als auch die Straßensperre als Folge einer "Hit and Run"-Tötung am nächsten Morgen, die im Grunde genommen den ganzen Tag lang allen Verkehr rund um unser Hotel lahmlegt, passen ins sorgfältig und liebevoll bewahrte Bild von "den Amerikanern". So sind wir also hier, unser erster Schritt auf der Majesty of the seas…

…die erste Begehung des Schiffs ist dann aber doch weniger überwältigend, man kannte schon einige wenige Fotos der letztjährigen Cruise, darunter auch das mächtige Atrium in dem man das Schiff betritt. Einzig die Sorge, ich würde mich bis zum Ende der Cruise nicht wirklich zurechtfinden, umtreibt mich – und damit sollte ich recht behalten…Cruise_Miami_Skyline_Sunset

Da wir unser Gepäck zuvor einem recht zuvorkommenden Kerl in die Hand gedrückt haben, der irgendwie zuversichtlich den Eindruck machte, er würde sich damit nun nicht vom Acker machen sondern es wohlbehalten vor unsere Türe stellen, waren wir in der komfortablen Lage, erstmal was futtern zu gehen und nebenbei das Schiff ein wenig in Augenschein zu nehmen. Natürlich gibt es noch in der Lobby auch das erste Bier angeboten – man wird im Grunde permanent unaufdringlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass man entweder keinen Drink in Händen hält, oder dieser sich bald dem Ende nähert und es wär doch schade drum, wenn man nicht direkt den nächsten Drink ordern würde. Laut den Legenden verdienen die fleißigen Bienchen je Drink 0.50$ extra (tip scheint nicht üblich zu sein), kein Wunder also, dass sie sehr an unser aller Durstlosigkeit interessiert sind.

Ein flotter Blick an Deck, eine kleine Notfallübung, Klamotten in die spärliche Kabine werfen, noch eben, offenbar traditionell, auf jeden Fall aber angemessen, ein vorbeifahrendes Kreuzfahrtschiff mit lauten "your boat sucks"-Rufen in Miami willkommen heißen, dann geht die Jagd nach lauter Musik los… Gespielt werden darf übrigens erst in internationalen Gewässern – jedenfalls von Nicht-Amerikanischen Bands. Die bräuchten ansonsten eine US-Arbeitserlaubnis (MotS Trivia 345 :D). Da die Mehrzahl der spielenden Bands NICHT aus den USA kam, ist es insofern nicht sehr verwunderlich, dass die Spielzeiten quasi selbstverständlich erst auf einen Zeitpunkt verschoben wurden, zu dem man, wenngleich vielleicht noch nicht in internationalen Gewässern, so doch außerhalb des unmittelbaren Zugriffs durch die US-Behörden war.

Apropos Kabine. Angebliche 11qm, ich würde weniger vermuten. Geschlafen wird mehr oder weniger übereinander, es gibt je eine "Koje" links und rechts am hinteren Ende des Raumes (also ziemlich über zwei Drittel der gesamten Länge der Kajüte…), dazu werden noch Kojen in zweiter Ebene von der Wand abgeklappt. Irgendwo in der Kabine versteckt sich auch ne kleine Trittleiter, hätte aber auch ohne viel Spass gemacht nehme ich an ;)

Cruise_BIA2Geschickt implementiert in das Matratzen-Stillleben ist ein Waschraum samt Toilette und vollwertiger Dusche. Dazu gibt es, wie es sich für ein All-Inclusive-Schiff gehört, vollen Zimmerservice. Alles Annehmlichkeiten, die, so minimalistisch sie teilweise auch sein mögen, den Aufenthalt gegenüber einem Besuch eines sonstigen Dixi-Schlamm-Marathons auf den einschlägigen, mehrtätigen Festivals, sehr angenehm, geradezu fürstlich gestalten.

Ein wesentlicher Unterschied zu einem Festival ist zudem, dass selbst in den Leerlaufzeiten zwischen zwei Bands, die man sehen möchte, für vollen Spass gesorgt wird: Man könnte sich, je nach Gusto, an die Kletterwand wagen, auf dem Basketballplatz ein paar Körbe werfen, sich im Spa eine Massage oder ein Peeling verabreichen lassen (Gerüchten zufolge eher ein unterdurchschnittlich genutzter Service zu dieser speziellen Cruise ^^), in den Arcade-Räumen ein paar Dollars verdaddeln, gepflegt an der Bar in der Boleros-Lounge einen Drink nehmen, im Internet-Café teure Dollars für lahmes Web ausgeben, in den Merch- oder Souveniershops rumlaufen (MotS-Trivia 453: das Schiff verschickt auf "Kosten des Hauses" (was überall an Bord bedeutet: Du hast es schon bezahlt, freu Dich, dass sie nicht doppelt kassieren – so werden Fragen nach "how much is it?" mit einem "u already paid for it" beantwortet, statt mit einem "for free"…) Postkarten. Man bekommt auch Postkarten der klassischen Reiseziele der Royal Caribbean International. Ich habe mich also auf die Suche nach einer Karte mit dem Motiv der Turk Islands gemacht, und siehe da, die gibt’s nicht. Auf Nachfragen erklärte mir die Verkäuferin des Shops, dass die Turk Islands von diesem Schiff noch nie zuvor angefahren wurden und sie somit kein übliches Ausflugsziel darstellen. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass sie dafür dann natürlich auch keine Postkarten im Angebot haben. So musste es diesmal eine Standardkarte des Schiffs tun – und wird es wohl auch tun ;o)) oder diversen anderen Aktivitäten nachgehen. Sicherlich extra attraktiv sind Sachen wie Viktoriya Yermolyevas Piano-Interpretationen von Megadeth, Metallica oder System Of A Down zu lauschen oder in der Boleros Bar während der Metal Karaoke den verrückten (oder mutigen?) zu lauschen, die sich ein Herz nehmen und die anderen Anwesenden mit ihren mal mehr und mal weniger ausgeprägten Sangestalenten bespaßen.

Ich will mein Zukunfts-Ich nicht mit Einzelheiten langweilen, kann aber sagen, dass Turisas, Lacuna Coil, Dragonforce und In Flames herausragend waren, Tiamat, die Apokalyptischen Reiter, Ensiferum, Evergrey und Arkona waren erwartet gut und im krassen Gegensatz dazu waren Subway to Sally, Helloween, Delain, 3 Inches of Blood und leider auch Tyr für mich eher enttäuschend. Wirklich entscheidend ist da für mich, dass angesichts des Festivalcharakters der Cruise die Messlatte nicht endlos weit oben liegt (Sound, Setlist, "volles Haus" und damit einhergehende Stimmung eCruise_Turisastc) und Bands dann dennoch zu enttäuschen vermögen. Schade. Besonders bei Helloween ist das bitter, da die nicht nur nicht gut gespielt haben (im Theater, was auf dem Schiff die vielleicht besten Voraussetzungen für ein Konzert bietet), sondern sich zuvor noch fast ne Stunde haben bitten lassen, bevor die Diven es auf die Bühne geschafft haben. Da hätte ich wesentlich mehr erwartet. Gerüchten zufolge sollen sie zwei Tage später auf dem Pooldeck gerockt haben, das habe ich nicht mehr gesehen. Eine Band, die auf einem Festival so verkackt, will ich aber auch kein zweites mal auf dem selben Fest sehen, das ist einfach so ein richtig satter Tritt in die Fresse derjenigen, die ihr sauer erspartes dafür investieren, auf dieses Schiff zu gelangen. Und zumindest soweit ich mit den Leuten gesprochen habe, hat das niemand aus den Ärmeln geschüttelt – selbst die Mitglieder der größeren Bands sind Economy geflogen und haben in den gleichen Hotels gehaust wie die Fans. Hinzu kommt, dass, zumindest soweit ich das sagen kann, von Helloween kein Wort der Entschuldigung zu vernehmen war nach der Pleite. Das ist einfach nur superschwach gewesen.

Witzig waren ausserdem noch "Cryptopsy" – musikalisch so gar nicht mein Fall, aber es hat Spaß gemacht, ne halbe Stunde über diese sehr eigenwillige Definition von "Musik" zu feixen ;o)

Überhaupt, ist "Spaß" zentraler Meilenstein auf der Cruise. Zwar verdunstet jede Erinnerung unter einem seichten Schleier aus Alkohol und mangelndem Schlaf, vermengen sich die Futterpausen (von denen es reichlich gab, Essen war mit ganz wenigen Ausnahmen inklusive und als erprobter Festivalgänger lässt man sich da nicht zweimal bitten ^^) und mögen Details zu Begegnungen etwas fehlinterpretiert oder -erinnert sein – im Großen und Ganzen war es aber eine lange, große Party. Und eine der ganz besonderen Art, denn auf wie vielen Partys kann man zwischendurch mal eben von Bord gehen, sich vor glasklarem Wasser an weißem Strand in einer Waikiki-Bar einen "Perfect Margarita" bringen lassen und dabei Frontsängerinnen von Szenebekannten Bands beim Schwimmen im karibischen Atlantik zusehen (hab ich natürlich nicht getan, aber ich hätte können :D). Es hat etwas von DSC01967einem Luxusproblem, den Krach von eher überschaubar guten Bands an sich abperlen zu lassen, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, auf einer Sonnenliege rumhängend, während man stattdessen die ruhige See beobachtet, wie sie schier endlos um den Schiffskorpus herum zu tanzen scheint. Die endlose See. Das ist ohnehin ein ganz gutes Stichwort. Die Bewegung des Schiffes auf dem Ozean geht alsbald auf das eigene Körpergefühl über, man beginnt sich schon zum Frühstück zu fragen, ob’s das Schiff ist, das schlingert, oder man selbst (in der Regel dürfte es eine Mischung aus beidem gewesen sein). Am Ende der Cruise, nachdem wir das schon hinter uns gelassen haben, schwankte eine Weile lang auch der Rest der Welt, insbesondere in engeren Gängen macht sich dieses Gefühl noch eine ganze Weile lang bemerkbar. So nimmt man die Nachwirkungen einer solchen Tour auch mit von Bord, und mit einem Lächeln beantwortet man dann die Frage abschließend, wer denn nun schlingert.

Ein paar letzte Impressionen:

Cruise_Miami_Sunset

 Cruise_Miami_Skyline

Cruise_Mots1

Cruise_Wasser

Miami_Palmen2

Wacken 2012 – Postmonsun-Ära

Wacken 2012 liegt hinter mir, ich blicke bereits versöhnt zurück und bereits aufgeregt nach vorne – denn nach Wacken ist vor Wacken. Aber der Reihe nach und allem voran: Anstrengend war’s…:

Dieses Jahr haben wir die Klamotten alle am Vortag in einen Sprinter gekippt und sind parallel dazu mit zwei PKW von Berlin aus aufgebrochen. Planmäßiger Treffpunkt Mittwoch morgen, 8:00 Uhr in meinem Garten. Schon das klappte nicht wirklich, aber annähernd. Abmarsch dann etwas später, anschließend Tanken, natürlich. Rauf auf die Autobahn, unterwegs vierzehn Pipistops (alle wegen Marc!). Kurz vor Hamburg noch einen weiteren Truck in die Kolonne einfädeln, in Hamburg kurz totes Tier nachladen – und natürlich Pipi machen ^^.

Hinter Hamburg die ersten shocking Moments, Stau soweit das Auge blickt. Die Armageddon-Szenarien werden besprochen, aber total freie Wahl haben wir nicht, wir müssen noch ein weiteres Auto in den Konvoi mit aufnehmen. Gesagt, getan, die Wartezeiten sind erstaunlich fast nicht vorhanden, beinahe alle, die nicht fahren müssen sind schon in einem sehr glücklichen Zustand – die pralle Sonne bei 23 Pipistops trägt das ihrige dazu bei.
Im Konvoi von 5 Autos und 22 Personen geht’s dann durch Wacken-Dorf, offenbar sind wir die allerletzten die ankommen, denn das Dorf hat schon wieder die metallische Dichte eines Sacks Osmium. Wir werden ein paar Meter über’s Grün gelotst, dabei geht mal direkt Lopi verloren, verabschiedet sich mit einem “Ich geh hier mal schiffen” und verpasst den Augenblick, als wir weiterfahren können und müssen. Naja, er kennt das ;)
Zeltplatz liegt auf einem Hang, unweit vom Dorf, unweit der Festivalsite, weit genug weg vom nächsten Sani und der nächsten Dixiinsel. Der optimale Zeltplatz also, und es wird sich noch herausstellen, dass er noch an Awesomeness gewinnen kann…

Nach der obligatorischen Zickerei mit den Ordnern wird hektisch aufgebaut. Dabei geht ein Stuhl verloren, es gibt also auch erste Zickereien im Zeltlager. Anyway, da ich gefahren bin ist dies der Moment meines ersten Bieres dieses Tages, und es schmeckt richtig gut. Der Mittwoch vergeht wie Mittwochs halt so vergehen – Bändchen abholen, Biergarten suchen, Lichter aus.

Donnerstag fällt das aufstehen schwer, aber es muss ja eh passieren. Also Konterbier und dann recht zeitnah zu Faanjefell aufs Gelände – vorher noch Bändchen holen mit denen, die Mittwoch nich wollten. bei Faanjefell stellen wir dann fest, dass sie sich anhören wie Danko Jones, aussehen wir Danko Jones und auf der Bühne sind, auf der eigentlich zuvor Danko Jones seine “spoken words” aufführen sollte. Nach diversen Hinweisen hilft ein Blick auf die Uhr und wir wissen, wir sind ne Stunde zu früh dran. Nunja. Peinliche Nummer ;)

Faanjefell spielen dann halt irgendwann, haben mich aber weder interessiert noch beeindruckt. Exuviated waren da schon besser, aber das war auch zu erwarten, die standen hoch im Kurs bei mir. Gelungener Einstand in den Donnerstag morgen also.
Danach ‘n Haufen Kram, an den ich mich nicht mehr erinnere. Das nächste wichtige Konzert wird von Amaranthe performt, die sind mal außerordentlich gut – aber das wusste ich vorher. Anschließend noch mehr Zeugs das niemand hören muss. Dann schlendern wir erstmal ins Zeltlager, wir haben’s ja nicht weit. Anschließend sind die Erinnerungen etwas konfus, offenbar hab ich aber zumindest noch Circle II Circle gesehen – die scheinen aber eher überschaubar toll gewesen zu sein. Um dem Abend die verdiente Krönung zu verabreichen habe ich noch Ordnern an zwei (!!) Mainstage-Eingängen die Meinung gegeigt, weil die das Infield gesperrt hatten, auf dem Volbeat spielten, und vor dem noch diverse Leute auf Einlass warteten. Liebe Wackenverantwortliche: Das war mal wieder nix. An jedem Abend habt ihr das Infield gesperrt, das ist echt ultrahochnervtötend. Wenn zu klein ist, baut es größer. Ihr verkauft Trillionen Tickets und werbt mit 120 Bands – und wenn man sich dann die Mühe macht, ein paar mehr davon auf verteilten Bühnen zu sehen, wird man zum Lohn nicht mehr zu den Headlinern ins Infield gelassen. Epic Fail. Und nein, ich wollte Volbeat nicht sehen, ich hab den Ordnern aus Prinzip meine Meinung gegeigt. Also Zeltlager, Bierchen, Feierabend, Lichter aus.

Freitag ist widerum etwas diffus. Es beginnt wohl mit Crimes of Passion, Darkest Hour und Black Dahlia Murder nehmen wir auch noch mit. Alles nicht sehr beeindruckend, Darkest Hour mag sich hier vielleicht noch abgehoben haben. Anschließend gemütlich zur Partystage, Coroner spielen auf. Und wie sie spielen. Grandioses Konzert, sicher das Beste, dass ich dieses Jahr gesehen habe. Obwohl sie gegen Monsunartigen Regen antreten blasen sie den Zuschauern die Ohren aus den Köpfen – groß.
Im Anschluss eine kleine Pause, dann etwas Dummi Borgir und natürlich In Flames. In Flames sind toll, leider bin ich viiiiel zu wenig nüchtern für das Konzert und muss abbrechen. Die wichtigsten Songs nehme ich noch mit, manch im Infield, manche davor. Gut zu wissen, dass ich sie auf der “Majesty of the Seas” wiedersehen werde ;)
Augenzeugenberichten zufolge soll ich noch Insomnium und Ghost Brigade gesehen habe. Unter Eid würde ich das aber abstreiten.

Samstag startet früüüüüh mit Agro, vor allem aber mit dem für mich wichtigsten Auftritt von Manticora. Die sind, obwohl sie “meine” Songs nicht spielen, erwartet gut und ich bereue nicht, ihretwegen so früh aufgestanden zu sein. Anschließend zu Paradise Lost, beim Warten auf die Band ein kurzer Plausch mit einem Schweden, der lustige Sachen zu erzählen hatte – die meissten drehten sich um lange An- und Abreisen und dass er Montag morgen wieder arbeiten muss. Awesome!
Das kann man von Paradise Lost leider nicht sagen, die sind einfach nur langweilig. Also zurück ins weltgrößte Zirkuszelt, warten auf Weto. Die sind leider auch eher mau. Aber immer noch besser als die anschließenden Kylesa, die vielleicht das schlechteste sind, dass ich aufm Wacken dies’ Jahr gehört habe. Anschließend wieder Zeltplatz, abends nochmal zu Sylosis (Groß!) und drei Songs von Amon Amarth (natürlich VOR dem Eingang zu den Stages…), dann war’s das.

Den Abend beschließt der heftigste Regenschauer des Wochenendes, die perfekte Einleitung in das Parallelthema dieses Jahr: Regen, Schlamm, Matsch.
Schon Tage vorher hat es in Wacken geregnet. Es gab Anreisewarnungen der Veranstalter, die allergrößte Mühe hatten, wenigstens einen Teil des Geländes trocken zu legen. Weder im Infield, noch auf dem Plaza oder auf den Hauptverkehrsstraßen ist ihnen das ernsthaft gelungen. Das ist kein Vorwurf, denn es war halt scheissviel Wasser und eben sehr viele Menschen und Autos, die über die immer gleichen Wege fuhren und gingen. So steckte man quasi das gesamte Wochenende knöcheltief im Schlamm, der je nach Position mal mehr und mal weniger die Duftnote einer Durchfallerkrankung bei Neugeborenen hatte. Das vermittelte auch das heimelige Gefühl, man würde nicht durch nassen Sand, sondern durch nassen Dung waten. Ist wahrscheinlich auch so.
Die Wege zwischen Zeltplatz und Festivalsite waren superanstrengend, auch wenn sie für uns sehr kurz waren. Aber jeder Schritt kostet Kraft. Auf dem Plaza und vor den Bühnen bot sich nur wenig anderes. Ich hatte dieses Jahr recht viele Bands im Bullhead Circus, dem angeblich weltgrößten Zirkuszelt. Das war eine gute Entscheidung, denn im Zelt waren die Bedingungen um Längen besser. Zwar wurde auch hier der Boden irgendwann komplett durchweicht, aber nicht annähernd so schlimm wie draußen. Und neuen Regen haben wir fast gar nicht bemerkt, erst wenn man mal wieder den Standort wechselt war der Unterschied zu erkennen – aber noch tieferen Morast vor dem Zelt.
Samstag morgen haben die ersten Besucher Versuche Unternommen, vom Zeltplatz abzufahren, nicht wenige von ihnen sind dabei im Schlamm stecken geblieben. Einige mussten zehn Stunden auf Hilfe durch die ortsansässigen Bauern warten, die mit ihren Traktoren über das bisschen Schlamm nur müde lächeln konnten.
Komplette Zelte waren voller Schlamm, hier hatten wir dank des Hangs echt Glück, dass das Wasser und der Schlamm quasi an uns vorbeifließen konnte. Andere Zelte hatten da weniger Glück.
Es war demnach permanent nass und matschig. Wenn es grad mal nicht regnete, schien die Sonne unbarmherzig und brannte direkt auf Armen und Nacken. Wettertechnisch echt ätzend. Aber: Wenn man sich erst mal damit abfindet, ist’s am Ende des Abends auch egal. Gute Schuhe und wetterfeste Kleidung und dann geht das. Doof nur, dass mir an der Regenjacke am Freitag der Reißverschluss abgerissen ist. Naja. Das gibt’s :D
Auch bei der Abreise am Sonntag hatten wir dank unserer Zeltplatzes das Glück, dass wir fast problemlos “vom Acker” kamen. Das Leitsystem funktionierte etwas seltsam, aber zuverlässig. Ein bisschen finales Gezicke um Kaffeepausen und schnelle Heimfahrt bekommt man auch noch in den Griff, dann ist Wacken 2012 Geschichte.
Als Resümee kann ich sagen, ich habe wieder unglaublich viel Zeit im Wackinger Village verbracht und die mit Abstand meisten Bands auf den kleinen Bühnen im Bullhead Circus gesehen. Auf diese Weise ist Wacken tatsächlich ausgesprochen entspannend. Und wenn die Wege zwischen Zelt und Bühne so kurz sind wie dieses Jahr, spielt es auch keine Rolle, dass einem permanent der Geruch von Kuhfladen um die Nase wedelt. Ist vermutlich auch am Samstagabend eines rein sonnigen Wackens nicht anders :D

Zu guter Letzt noch ein paar Impressionen, denn Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte…:

Wacken 2011 – von Osmose und dem Schluckmuskel

Wacken 22 ist Geschichte. Mir liegt der Staub und Schlamm noch im Haar, die Musik noch in den Ohren, Doublebass im Nacken und irgendwie Alkohol im Blut. Ich kann NICHT zurueckblicken auf geistreiche Gespraeche, tiefgruendige Gedanken oder gar den Geistesblitz fuer ein [neues] Buch. Aber dafuer faehrt man ja auch nicht nach Wacken, nech…

Hier also Wacken 2011 aus meiner Feder – und ich werd’ mal ganz untypisch mit “Wacken bei Tag” beginnen:

DSC01538

Abreise diesmal anders, entspannt und ausgeruht. Hilft aber alles nix, vorm Startschuss entbrennt Hektik weil noch dies fehlt und das fehlt und bla. Aber alles halb so wild. Abmarsch nahezu im Zeitplan. Kurztrip zu Getraenke Hoffmann und dann ab durch die Mitte. Alles toll bis…aeh…ja, weiss gar nicht. Jedenfalls noch ne Ecke weg :). Ploetzlich fliegt aus dem liebevoll Viehtransporter genannten Miet-Kleinbus vor mir ein faustgrosses Stueck Reifen quer ueber die Fahrbahn und knallt gradewegs in den hinterherfahrenden Fiesta, den ich fuhr. Meinen Beifahrer hat der Einschlag ungefaehr 5 Jahre seines Lebens gekostet – aber immerhin pennt der nie wieder als Beifahrer, soviel is klar :D

Also aufn Rastplatz und mit der Vermietung crossflamen. Die schicken uns nach zaehen Verhandlungen zu einer Werkstatt 20 Kilometer ueber die Landstrassen – naja, immerhin, es ist Bewegung drin. Wir nutzen den Moment und ziehen den Fleischkauf aus HH vor. Einsammeln, ab damit. Zurueck zur Autobahn und rein ins schoene Schleswig-Holstein. Dort schnell noch zwei weitere Chaoten aufm Parkplatz abgreifen (!) und weiter gehts. Ab hier laufen die Geschichten etwas diffus auseinander – Fakt ist, dass man Wacken von HH aus via Festland erreicht, wir aber zwei Faehren benutzt haben und ich entgegen der Aussagen meiner lieben Freunde der festen Ueberzeugung bin, dass wir in Daenemark waren. Wo sonst faehrt man denn bitte mit ner Faehre hin? :D
Das hat (natuerlich) die Anreise leicht verzoegert, wir wurden dann irritierenderweise auf Campground R eingewiesen – den vorletzten aller Campgrounds. Gut ausgeschildert is anders aber mit etwas Umdrehen hier und Einfaedeln dort, Durchwurschteln hueben und Reinzwingen drueben geht’s. Auf dem Campground dann unnoetige Diskussionen mit den Ordnern, die unseren 11 Mannen eine Flaeche von vielleicht 4×10 Metern “zuweisen” statt sich mal mit den notwendigen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Wir haben kurz die Moeglichkeit geprueft alle Zelte zu einem zusammenzunaehen und oben ein Ablufloch fuer den Grill-Im-Zelt-Eventmarathon einzurichten, den Gedanken aber kurzerhand verworfen und stattdessen entgegen der Anweisung der Ordner etwas rustikal Platz geschaffen. Flott noch Zelte aufbauen (naja, ein Zelt brauchte eeeeeeeeeeetwas laenger) und Fleisch aufn Grill. Der Mittwoch ist gerettet, Metallerherzen sind eben minimalistisch.
Binnen Minuten werden Biere und totes Tier dem Erdboden gleichgemacht, was bleibt ist wohlige Waerme im Magen und das Gefuehl, dass das Wochenende nun starten kann.

Natuerlich nutzen wir den Mittwoch Abend trotz der spaeten Anreisezeit noch fuer einen kurztrip auf’s Festivalgelaende, Baendchen abholen und Biergarten besuchen – in der Regel der einzige Tag an dem das zuverlaessig klappt. Das tolle am spaeten Anreisen: Beim Anstehen fuer’s Baendchen braucht man nicht selbst zu stehen – fuer die noetige Stabilitaet sorgen die Massen um uns herum o_0

Den Abend beschliessen noch mehr Bier und die ersten tiefsinnigen Gespraeche ueber Koerperausscheidungen in Wacken.

Donnerstag gibt’s was auf die Ohren – planmaessig startet der Tag um 15:45 mit Kvelertak, vorher planen einige wenige noch einen Kurztrip durch’s Dorf. Gesagt, getan – jedenfalls bis ich merke wie schrecklich wenig Platz in einem Zirkuszelt ist, wenn aufstrebende Musiker drinnen feiern. Der Eingang ins Bullhead ist hoffnungslos ueberlaufen, wir hoeren uns ein, zwei Songs von draussen an und schlendern anschliessend kurz ueber den Mittelaltermarkt. Puenktlich zu Severenth sind wir wieder im Zelt und Schwuppdiwupp – das erste hammermaessige Highlight des Festvalwochendes bretzelt uns in die Ohren.
Die Buehne ist zwar ein Witz – vorne gibt’s ne Art Catwalk, davor den Wrestling-Ring – aber da Severenth irgendwie zumindest auf “meiner” Seite der Buehne so ziemlich gar keinen Zuspruch findet hat man ueberall geile Sicht und Severenth rocken so richtig. Eine Impression die nicht ansatzweise einfaengt was da los war – aber ich will halt textauflockernde Bildelemente einflechten, also seht es euch gefaelligst an ;P:

DSC01485

Ich erhalte (und nutze :D) ausserdem die Moeglichkeit zwei Scheiben direkt von der Band zu kaufen und im Anschluss signieren zu lassen – wie nice ist das denn bitte. Von der Band wird man noch hoeren, da bin ich sehr sicher – ich fuer meinen Teil werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen…

Im Anschluss gibt’s dann auch schon die dicken Brocken – Helloween begeistern mit Stromausfall und in Metallaune, Blind Guardian zimmern so richtig solides Handwerk auf die Wackenbuehnen und Ozzy, ja Ozzy – hat immerhin Gus G. bei sich ;D
Ich muss aber gestehen, dass ich mir Ozzy nichtmal Ansatzweise naeher angesehen habe, einfach weil’s mich echt nicht interessiert hat.
Noch einmal torkeln wir durch’s Wackinger Village und naehren uns, dann geht’s ab zum Zeltlager. Der Weg ist mehr als abenteuerlich, eine Zustandsbeschreibung die fuer mich bis zum letzten Tag gelten wird. Allen denen ich am Wochenende mit meiner Frage auf die Nerven gegangen bin, wo sie verdammt nochmal hier sind, an dieser Stelle meine Entschuldigung. Ich glaube, ebenfalls am Donnerstag bin ich auch indurch dieses Zeltlager gerannt, dass nicht meins war – sorry an die Zeltinhaber, aber lasst es euch eine Lehre sein: Naechstes mal nicht frotzeln sondern Bier ausgeben –.-

Freitag ist pickepackevolles Programm – der Tag beginnt mit Ensiferum – lang erwartet, dann leider nicht so prall. Der Sound war einfach unterirdisch, die unmenschliche Zeit und mein Level an Dehydrierung taten ihr uebriges. Im Anschluss in’s W.E.T., Pussy Sisster lief noch und machten in Tradition von Mötley Crue und Konsorten Glamrock vom Feinsten. Lustig anzuhoeren, aber insgesamt doch eher nicht mein Ding. Anschliessend wollten Skalmöld vorspielen. Haben sie dann auch. Und wie. Hammerharter Gig und die zweite extrem gute Moeglichkeit, die traege Nackenmuskulatur mal ordentlich durchzuwalken. Freue mich schon auf’s Heidenfest wo die auch angesagt sind.
Direkt weiter, As I Lay Dying haben geladen – da stelle ich mich doch mal bequem in’s Infield und lausche den bekehrenden Worten von Tim Lambesis. Wirklich umgehauen hat’s mich nun nicht, aber das war vielleicht zu erwarten. Sie sind halt gut in dem was sie tun, und das ist das wichtigste ;). Wenn ich schonmal im Infield rumluemmel, kann ich mir ja auch Trivium anhoeren – sicher eine der Bands die auf meiner Prioliste ganz weit oben standen. Die enttaeuschen mich auch nichtmal im Ansatz, mir klingeln noch jetzt die Ohren. Selbst von meinem Standpunkt aus (so ungefaehr Reihe 29.041) waer Matt Heafy ohne Mic gut angekommen – mit Mic hat’s mir glatt die Haare gefoent. Absoluter Top-Gig!
Im Anschluss geb ich mir zehn bis zwanzig Minuten Bullet und geniesse das Futter im Wackinger Village ;).
Suidakra sind dran, spielen solide aber nicht ueberragend. Immerhin steigen sie in meiner Gunst mit dem Auftritt. Direkt startet Judas Priest, Rob Halford macht die paar Songs, von denen man glaubt, dass er wirklich singt, zum Niederknien gut. Insgesamt ist mir das Infield aber zu voll, ich verziehe mich noch vor Ende des Konzerts (und leider auch vorm Painkiller :/) vom Infield und damit zum Campground. Naechstes Jahr werf ich einfach ein Safety-Light in die Luft und lass mich einsammeln – dieses Umherirren auf dem Campground geht mir schon gehoerig auf den Kranz –.-

Der Samstag startet leider etwas durchwachsen – eigentlich sind die ersten wichtigen Bands schon “morgens” ab 12 dran, aber ich schulde meinen mueden Knochen offenbar etwas und lasse gleich sechs moegliche Acts aus :(. Zu Shining geht’s dann doch zur Festival-Site – die sind leider derbe enttaeuschend, ich lausche noch zehn Minuten Iced Earth, die oeden mich aber auch an. Also Futtern und zu Sepultura vor die Leinwand – ganz offenbar bin ich an diesem Samstag zu ausgelutscht fuer’s Infield. Vor der Leinwand treffen sich dann fast alle Pandas wieder – das Bild ist etwas frueher aufgenommen worden und in der SHZ veroeffentlicht – danke an dieser Stelle fuer die Aushaendigung und Genehmigung zur Verwendung:

IMG_0890

© SHZ / 2011

Sepultura sind lala, Avantasia im Anschluss aber ganz grosses Kino. Das Konzert ist, so sagt Tobias Sammet jedenfalls waehrend des Auftritts, das letzte Erscheinen von Avantasia, das Projekt ist nun beendet. Insofern freue ich mich umso mehr, dabei gewesen sein zu duerfen bei der finalen Metal Opera. Wenn auch nur vor der Leinwand :D

Von Kreator im Anschluss geb ich mir noch zwei Songs, die sind leider nicht so mein Fall, dann war’s das auch fuer mich. Ich verpasse noch Children of Bodom und Subway to Sally – beide sollen wohl im Samstaeglichen Monsun vor ausgeduennter Kulisse gespielt haben. Da ich diesen Regen auf meinem Zelt spueren konnte bin ich nicht wirklich traurig, nicht dabeigewesen zu sein. Irgendwo sollen auch Motörhead rumgelaufen sein, hab ich allerdings auch nur von Dritten gehoert. Hab mir lieber auf dem Campground noch eine Zigarre gegoennt :D

Abfahrt ist unspektakulaer, daher kann ich Wacken 2011 wohl hiermit auch abschliessen. Als Fazit muss ich sagen, Wackinger Village rockt total, selbst wenn mir dieses Mittelalterzeugs nicht so wirklich nahe geht – aber die Leute dort waren netter als andernorts, das Essen besser.
Electric Hotel macht einen tollen Job, mein Telefon wurde eine Stunde geladen und konnte auf diese Weise (und mit etwas haushalten) das gesamte WE ueber meine Termine verwalten. Zwar waren einige Einstellungen hinterher veraendert, was mir ein etwas mulmiges Gefuehl verschafft (zumal ich wirklich dachte, ich haette das Telefon gelockt abgegeben, habe es aber ungelockt zurueck erhalten), aber das wird ja dann die naechste Telefonrechnung zeigen ;)
Ich bedanke mich natuerlich bei all meinen Mitfahrern, Mittrinkern, gruesse alle, die sich mit mir haben Fotografieren lassen, wuensche dem Dieb meiner Maske dass er an Duennschiss sterben moege und bin ganz sicher 2012 wieder mit von der Partie – was bleibt mir auch, die Karte is schon bestellt. Dann sicher ohne Maske, aber mit ebensoviel Spass dabei ;D
Natuerlich bleiben einige Sachen noch ne Weile haften, wie beispielsweise:

– Osmoooooooooooooose
– Schluckmuskel(-training)
– Reduzierung von “kacken in Wacken” auf nur noch 85% aller Gespraechsinhalte
– Lopi’s lost
– irgendeinen behaemmerten Lachanfall dessen Grundlage mir grad nicht einfallen will
– “Hey, bist Du nackt?” – “Ja” – “Glaub ich nicht – Hey, Du bist ja nackt”

DSC01541Ich hoffe, WOA bringt zu 2012 die Sache mit der Orientierungshilfe auf den Campgrounds in Ordnung und reduziert das Bullhead wieder auf Titten und Muskeln, lasst die Bands woanders auftreten – ansonsten kann’s meinetwegen bleiben wie es ist. Ich verabschiede mich mit Wacken bei Nacht:

In diesem Sinne: Wacken 2012
Rain or Shine