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Was wählen die denn da??

Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese ganze USA-Wahl-Geschichte 2016 manipuliert ist.

Die Demokraten schicken, nachdem sie 8 Jahre halbwegs souverän und halbwegs sozial regiert haben, Hillary “lass mal noch n paar Drohnen losschicken” Clinton ins Rennen. Die disqualifiziert sich noch lange vor der endgültigen Festlegung auf sie als Kandidatin selbst indem man ihr mittels gehackter (?) Mails nachweisen kann, dass sie offenbar den Finger permanent am Abzug hat und wenig zimperlich ist, selbst im Innern. Dennoch gewinnt sie die Wahl gegen Bernie Sanders vollkommen lässig.

Die Republikaner schicken Trump ins Rennen. Der disqualifiziert sich jeden Tag aufs Neue – nicht nur politisch, sondern auch menschlich. Eigentlich gibt’s keine peer group mehr, die er noch nicht durch den Kakao gezogen hat – abgesehen von männlichen weißen Arbeitern vielleicht. Das kann man natürlich vorher wissen, insbesondere wenn man die republikanische Partei ist und abzuschätzen in der Lage sein sollte, wen man da unterstützt. Doch Trump kegelt im Vorfeld aussichtsreiche Kandidaten wie Jeb Bush, Ted Cruz oder Marco Rubio scheinbar mühelos aus dem Rennen. Heute kann man dem Mann keine zwanzig Sekunden zuhören, ohne dass man sich für ihn fremdschämt – so als Angehöriger der Gattung Mensch. Ich habe auch meine Zweifel, dass der sich von seiner Partei lenken lässt. So blöd können die Republikaner nicht sein, dass sie denken, dass Trump eine prima Strohpuppe abgeben würde.

Die Republikaner müssen doch wissen, dass sie damit keinen Stich landen werden. Sie werden hinterher hingehen und halt sagen, dass man selbst ja auch wild getäuscht wurde, dass ihnen das unendlich peinlich ist und sie ihren nächsten Kandidaten besser auswählen werden. In der Zwischenzeit wird Clinton ein halbes Dutzend Kriege irgendwo starten und die USA gegenüber NATO und Brüssel international (weiter…) in Diskredit bringen. Innenpolitisch wird sie die Divergenz, die das Land derzeit spaltet, wieder in Pre-Obama-Zeiten führen – großflächige Unzufriedenheit im Lähmungszustand statt brandherdartigem Aufruhr hier und da. Die Republikaner werden beides verwenden um nach der Hälfte der Amtszeit die Demokraten auseinanderzunehmen und einen neuen, lähmenden Kandidaten in die Spur schicken, die Hexe vom Hof zu heugabeln.
Mir stellen sich ja ein paar generelle Fragen: Wieso erst jetzt? Hillary Clinton wird gegenüber dem Volk schwieriger zu attackieren sein als Obama. Ihre internationale Härte wird noch brutaler sein (darauf stehen “die Amis”), innenpolitisch wird sie sich ungeliebte (aber nachhaltige…) Themen vom Hals schaffen oder zumindest Obama in die Schuhe schieben. Sie versammelt eine bisher stark unterschätzte Wählergemeinschaft qua Geburt hinter sich (wobei, das galt auch für Obama) und kommt aus einer politisch einflussreichen Kaste. Gut, andererseits kann man dann in 20 Jahren, wenn die Amerikaner merken, dass Pflicht-Krankenversicherungen was ganz tolles sind, sagen, man habe das nicht nur nicht verhindert, sondern Obama während dessen Regentschaft sogar unterstützt und die Themen damit befördert. Das Scheitern von TTIP, ACTA und wie sie alle heißen kann man so auch noch abwarten und den Demokraten reindrücken, solange halt noch ein(e) Demokrat(in) am Steuer sitzt. Aber so langfristig pflegen Politiker tendenziell nicht zu denken. Der persönliche und kurzfristige Erfolg ist, wenn man mal so objektiv draufguckt, oft wichtiger als die langfristige, strategische Planung. Das alleine kann es also nicht sein. Mangelt(e) es vielleicht an geeigneten Kandidaten? Ich meine klar, mit Trump hätte man Obama vor vier Jahren nicht beikommen können. Aber mit Bush durchaus. Oder mit Cruz vielleicht.

Wie gewohnt sind die anderen Parteien wirkungslos und haben durch die laufende Wahl auch nicht einen Zentimeter Land gewonnen. An dieser Stelle frage ich mich dann aber durchaus: Wieso eigentlich nicht? Also so aus der Ferne betrachtet ist, abgesehen von Bernie Sanders, kein Kandidat bei den Republikanern oder Demokraten gewesen, den man aus objektiven Gesichtspunkten hätte zur Wahl zulassen dürfen. Bei den anderen Parteien kann ich das nicht beurteilen, aber es ist kaum zu glauben, dass bei drei Parteien und einer unabhängigen Kandidatur niemand dabei sein soll, der oder die, verglichen mit Trump oder Clinton, eine Alternative darstellt? Nun ist halt auch klar, dass die anderen Parteien zu unterstützen als verschenkte Stimme gilt, was es natürlich schwieriger macht, sich dafür zu begeistern. Aber bei der Auswahl… Da lohnt doch mal ein Blick ins andere Lager?

Also mir kommt das sonderbar vor. Trump ist kein Politiker, Clinton eher so etwas wie Luzifer. Beide sind innen- und außenpolitisch eine Gefahr. Sowohl für ihre Parteien, als auch für Amerika. Ich habe mehr und mehr den Eindruck, dass es bei der Wahl gar nicht um Politik geht. Eher um Entertainment. Die letzten acht Jahre hatte ich den Eindruck, Politik sei durchaus die Liga des weißen Hauses. Inzwischen bezweifle ich das wieder. Ich bin wirklich gespannt, wohin uns das führt, was hier grade vorbereitet wird.

Wenn ich was ganz offensichtliches übersehen habe, freue ich mich über jede neue Erkenntnis, die ihr bei mir generieren könnt ;o)

Relationen III

Vorab: Dieser Text ist eine Reaktion auf diesen Kommentar – ich halte ihn aber angesichts der Vielfältigkeit für hinreichend prominent, ihm eine eigene Bühne zu geben :)
Eventuelle textliche Unklarheiten, verwirrende Querbezüge oder dergleichen ergeben sich also auf jeden Fall nach der Lektüre des o.a. Kommentars, der sich seinerseits erst nach der Lektüre des zugehörigen Artikels vollends klärt.

Im April 2014 entführt Boko Haram mehr als 200 Mädchen in Nigeria. Anschließend entsteht eine Bewegung der Anteilnahme, es werden Facebookseiten erstellt und es wird international um Unterstützung gebeten. Von Medien(vertretern), Aktivist(inn)en, Politikern, Prominenten. Die Geschichte geriet in die Mühlen der Ermüdung – heute drückt der Newsstream der zugehörigen Website eher Resignation aus als den unbedingten Willen, gegen diese Greueltaten wenigstens mit typisch westlich-konservativem Mahnwache-Stehen Wiederstand anzuzeigen.
Dieser Blickwinkel soll klarmachen, dass in der Welt durchaus auch über Nigeria berichtet wird [– wenn’s grad nichts wichtigeres im Fernsehen gibt].
Beim eröffnenden Beitrag ging es die Relation zwischen der Aktion in Form von Gewalt (Frankreich vs Nigeria) unter Berücksichtigung des Bezugs hinter der Gewalt (Angriff auf die Meinungsfreiheit [in westlichen Ländern] vs Despot in einem weitgehend unbeachteten Teil der Welt) zur Reaktion der (westlichen) Welt. Ich habe nun ne ganze Reihe Tiraden ent- und verworfen, habe Texte geschrieben und entsorgt. Ich denke, letztlich genügt ein Link, um nochmal zu verdeutlichen, worauf ich hinaus wollte…
Dem folgend habe ich beim ersten Lesen an den Text an dieser Stelle folgende Notiz geheftet, die ich hier gerne ungefiltert einrücken möchte:

Wundervolles Beispiel für Relationen (und damit den Aufhänger für den ursprünglichen Beitrag):
1. Sind „Gefällt mir“-Angaben kein Massstab für mediales Interesse – Beispiele gibt’s ja in der Breite: „Die Partei“ – 178k Likes. Netzpolitik.org – 30k Likes. Foodwatch – 260k Likes. Abgeordnetenwatch: 35k Likes.
Und 2. Sagt ja niemand, dass nicht über Boko Haram berichtet worden wäre, wenn nicht zufällig kurz zuvor in Frankreich eine Schießerei gewesen wäre. Plus: Massenmorden in Nigeria erreicht nicht einmal im Ansatz einen so breiten Strauß an Forderungen nach verstärkter innerer Sicherheit wie es ein Anschlag im Nachbarland tut – auf eine Satirezeitschrift. Die mal Mohamed-Karikaturen gemalt hat. Und jetzt von Islamisten dafür angegriffen wurde.

Wenn übrigens einige dieser Zahlen nicht hoch erscheinen, obwohl ihre Interessen jeden Bürger dieses Landes tangieren, liegt das auf jeden Fall am verschlossenen zweiten Auge – aber es ist Aufgabe von freien, gebührenfinanzierten Medien, diese Wissenslücken zu schließen. Dass man sich heute selbst am Informationspool bedienen kann, entbindet die Presse nicht davon, diese Stimme der Unabhängigkeit und der Unkäuflichkeit zu sein – im Gegenteil, es zementiert diesen Anspruch sogar noch. Denn in einer Welt, in der jeder esoterische Aluhutträger seine Thesen ungeprüft in die Welt pusten darf, muss ein Zusammenschluss aus unabhängigen Faktenprüfern Gewehr bei Fuß stehen, diesem Informationsejakulat Einhalt zu gebieten

ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass

es ist zutiefst menschlich, seinen Fokus in dieser Welt der Überbelichtung den neuen Signalfeuern zuzuwenden – andernfalls drohen wir, um bei diesem Bildnis zu bleiben, beim Kampf gegen eine Windmühle Schiffbruch zu erleiden, neben der zig tausende andere unsere Freiheit auf unterschiedlichste Weise bedrohen…

Stichwort “diabolische Verschwörung der westlichen Medien” – ist es so, dass Medien gezielt Falschinformationen streuen, um die Horden Tunnelblickleser in Schach zu halten? Der Kommentar entbindet die Medien von ihrer Verantwortung, übergibt sie dem Leser, Zuschauer, Zuhörer, Konsumenten – der entscheidet ja noch immer darüber, wie stark er manipuliert wird.
Das ist meiner Meinung nach wenigstens teilweise nicht weit genug gedacht. Wie kommt es denn, dass die Berichterstattung zur Krim von den öffentlich-rechtlichen (die qua Definition keinerlei kommerziellen Zwängen unterworfen sind) wochenlang so einseitig war, dass sie sich hinterher selbst weitgehend revidieren mussten – natürlich erst, nachdem sich die Mehrheit der Deutschen neuen Problemen zugewandt hat und natürlich auch nur mittels eines Protokollresümees des Programmbeirats. Wie naiv anzunehmen, dass der durchschnittlich talentierte [und interessierte] Deutsche jede Aussage einer jeden Tageszeitung kritisch hinterfragen muss um sich letztlich selbst auf die Suche nach “wahrer” Information zu begeben. Genau dafür kaufen die Menschen ja Zeitungen und schauen die Tagesthemen: Weil’s einen Berufsstand und eine Institution gibt, der sich dafür bezahlen lässt, diese Aufgabe zu übernehmen und den daraus entstehenden Informationswust gehirngerecht aufzubereiten. Ich würde also eher sagen, dass die Verantwortung für die Aufbereitung UND die Recherche von Fakten zum Weltgeschehen (im Großen wie im Kleinen) dem Berufsstand obliegt, der das mal gelernt hat. Zur ethischen Grundvoraussetzung dieses Berufsstandes sollte meiner Meinung nach unbedingt zählen, dass man seine Informationsempfänger nicht über den Nuckel schubst, nur weil die besseres zu tun haben, als das eigene Treiben zu recherchieren. Dass es anders ist, zeigt ja nur, wie beschädigt der Beruf des “Journalisten” inzwischen ist. Auch an dieser Stelle wieder ein von mir direkt nach dem Lesen eingebundene Kommentare zum Thema:

Nope [es steckt nicht eine diabolische Verschwörung der westlichen Medien hinter der mangelnden Berichterstattung über Boko Haram, Erg. d. Verf.]. Die Medien sind ja nur ein Puzzleteil. Der NSU-Prozess ist doch eine ganz hilfreiche Größe beim Ermessen vom Einfluss von sogenannten „Verfassungsschutzorganen“ auf lebensverkürzende Maßnahmen von Bürgern. Oder nehmen wir das, was Snowden über die NSA zu berichten weiß. Die Augen davor zu verschließen, dass es auch im Innern Feinde der Freiheit und der Gesellschaft gibt, ist so bequem wie fatal. „Terrorismus“ grenzt ja ärgerlicherweise das „den mussten wir jetzt umlegen, der war ein Problem – mfg, Ihre CIA“-Phänomen aus.

Will sagen: Nee, die Verschwörung reicht tiefer. Und es ist eigentlich auch keine Verschwörung. Verschwörungen versuchen, unerkannt zu bleiben. Dass in der westlichen Welt eher auffällig fehlinformiert als unterschwellig manipuliert wird, sollte spätestens, aber wirklich allerspätestens, klar sein, nachdem die Welt weiß, wie stark Saddam Hussein mit 9/11 in Verbindung stand und was daraus folgte, dass das den Amis scheissegal war…

Stecken die westlichen Medien demnach unter einer Decke mit der politischen Klasse um die Verblödung der Menschen voranzutreiben […]”?

Eindeutig ja. Anders ist es nicht zu erklären, dass die wesentlichen Informationen inzwischen nur noch von freuen Journalisten, Bloggern und „Menschen wie Du und ich“ an die Öffentlichkeit dringen – wo doch der komplette Berufsstand hier sowohl ein Identitäts- als auch ein Glaubhaftigkeitsproblem hat. Statt sich aber um den Bedarf der Menschen nach Informationen zu kümmern, verliert man sich im Grabenkampf mit Google um das Leistungsschutzrecht – was für ein fahrlässiges Signal ist das denn bitte an die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes?

Ich könnte jetzt hier einen Monat lang gestreute Fehlinformationen und anschließende “Richtigstellungen”, “Korrekturen”, “Faktenchecks”, “Enttarnungen” etc aufzählen – aber wer nicht komplett blind durch’s Leben geht, findet die selber. Mir fallen täglich mehrere davon in den Schoß…

Und damit kommen wir zur “herrschenden Rasse” – zu den Raubtieren unter den Menschen. Den Einflussnehmern, den Puppenspielern, den High-Rollern. Das es sie gibt, ist unbestritten. Aber dann folgt: “Die Logik diktiert, dass diese Familien und Firmen an solch einer globalen Verschwörung gegen die Freiheit beteiligt”.
Puuh. Starker Tobak. Nee. Soweit würde ich nicht gehen. Mein erster Impuls beim Lesen war dies:

Nee. Aber sie diktiert, dass diese Personengruppe ihre Privilegien zu erhalten versucht. Da steckt kein Vorwurf drin – es sind halt Raubtiere…

Das mag im einen oder anderen Fall zusammenzugehören – aber ich sehe hier nicht zwangsweise Verbindungen wo vielleicht keine sind. Es gibt auch Visionäre. Es gibt auch schlicht geniale Menschen. Und manche von denen machen ihre Genialität zu Geld. Dass im markwirtschaftlich geprägten 21. Jahrhundert der Gewinn von wenigen immer zum Verlust von vielen führt würde ich hier nicht mal als ignoriertes Problem betrachten, und noch weniger als Kalkül. Es ist eher eine Folge der Wirtschaftspolitik, der wir uns unterwerfen (und an dem Punkt stimme ich btw weitgehend zu: Das Konsumverhalten der Mittelschicht IST das entscheidende Kriterium für die Richtungswechsel eben dieser Wirtschaftspolitik). Zu dem Stichwort auch noch eine Notiz:

Das eine (Steuern sparen) hat mit dem anderen (Macht erhalten) sicherlich zu tun, aber diese Punkte muss man dennoch trennen. Ganz ohne Zweifel ist Geld ein Mittel zur Macht – aber es gibt weitere (Wissen, Beziehungen, Patente u.v.m.). Die Bestrebungen der elitären Kaste sich nicht verdrängen zu lassen haben nur am Rande mit Steueroasen zu tun. Aber richtig ist auch: Steuermodelle zur Vermehrung von Vermögen stehen dem Mittelstand [praktisch] nicht zur Verfügung. Wieso ist das so?

Also nein, Steve Jobs ist nicht der Teufel in Person. Bill Gates auch nicht. Nicht mal die Rockefellers. Oder die Kennedys. Es ist eher so, dass manche dieser Personen(-gruppen) bereit sind, für die Erhaltung ihrer Privilegien über Leichen zu gehen… Das macht sie eben zu den angesprochenen Raubtieren…
Daran unmittelbar anschließend: “Wie ungerecht ist doch diese Welt, wo Sie, liebe Leser, als brave, unbescholtene und unschuldige Bürger gezwungen sind, einen beachtlichen Anteil des von Ihnen erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen”.
Tjo. Mein erster Gedanke dazu war:

Zuviel Sarkasmus ;) Die Welt ist nicht ungerecht zu „braven, unbescholtenen und unschuldigen Bürgern“ – sie ist ungerecht zu jedem. Aber das heißt nicht, dass man die Augen davor verschließen sollte, dass global agierende Unternehmen ihre Gewinne in dem Land versteuern, in dem es ihnen grade passt. In einer perfekten Welt versteuern sie sie dort, wo sie anfallen. Zu den Konditionen, die dort vorliegen – denn die steuern weitgehend den dort vorhandenen Lebensstandard – marktwirtschaftlich ist das abziehen von Geld aus dem Umlauf eines der schlimmsten Dinge, die einer gesunden Wirtschaft passieren können. Diese Unternehmen tun aber genau das, zum eigenen Vorteil und ohne Rücksicht auf Verluste. Und diese Möglichkeiten zur „Optimierung“ von Gesellschaftskapital stehen eben NICHT dem [blubb, s.o.] Bürger zur Verfügung. Klar ist, dahin kann man ja kommen, es ist eine Frage von Engagement und Aufwand, den man zu betreiben bereit ist (das betrifft Kapital – nicht Macht, dazu später noch mehr). Aber dorthin zu gelangen ist halt eine moralische Falle (und eine Frage der Bequemlichkeit…)

Ist es etwa bereits durch den Kreis der Verschwörer festgelegt, wer in diesen elitären Verschwörerkreis aufgenommen

Ja. Einfach nur Ja. Das bestreitet ja nicht mal jemand der dazugehört ernsthaft…

Am schönsten kann man das bei Studentenverbindungen in den USA beobachten. Mitglied einer Studentenverbindung wird man, indem man sich zutiefst demütigend unterwirft. Es genügt aber auch einfach der Sohn eines Senators zu sein, um beizutreten. Natürlich wird der Grundstein dazu schon wesentlich früher gelegt (Stichwort private Grundschulen und vermutlich sogar noch davor) – und der Prozess transportiert lediglich eine einzige Aussage: Du bist besser. Legitim, dass Eltern aus ihren Sprösslingen ebenfalls elitäre Menschen machen wollen – wenn man erst mal weiß, wie das geht, wird man die damit einhergehenden Privilegien zu genießen wissen. Und abgesehen von der eigenen Brut wird man einen Teufel tun, mit anderen zu teilen – zumal damit die Gefahr wächst, dass das eigene Kuchenstück umso kleiner wird, je mehr in diesen Kreis gelangen.
Es kommt dann die Frage auf, ob “Barack Obama […] von einem Gremium der Verschwörer zum Präsidenten der USA bestimmt [wurde]”.
Ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht. Wieso sollte man daran zweifeln? Ist ja nicht so, dass Obama nicht Mitglied einer Partei gewesen ist, der er sich von Tag eins an untergeordnet hat. Ja selbstverständlich ist er das Produkt von Entscheidungen im Parteienumfeld (in dem wiederum Lobbyisten und Einflussnehmer ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen und ihren eigenen Einfluss nehmen – das ist hinlänglich klar und ja wohl unzweifelhaft?) – und mit diesen Entscheidungen gehen auch Verpflichtungen und Verbindlichkeiten einher. Der Vergleich mit Lucky Luciano hat mich damals zu dieser Notiz verleitet:

Was ist daran so schwer zu glauben? Natürlich ermöglichen westliche Wertesysteme den Zugang – theoretisch. Aber frag Dich doch einmal, wieso es in den relevanten westlichen Demokratien beinahe ausschließlich Angehörige eines kleinen elitären Kreises Nachwuchs in diesen Kreisen erzeugen? „Scheisse tropft nach unten“ sagte mal einer meiner Ausbilder vor einigen Jahren. Das ist natürlich richtig, aber nur ein kleiner Ausschnitt. Zoomt man raus, sieht man, dass von oben halt dann geschissen werden muss, damit das unten tropfen kann…

Dann folgt eine Beweiskette, die letztlich auf dem wackeligsten aller möglichen Beine steht – “Wie machen Medien ihr Geld? Werbung”. Dazu direkt und ungefiltert meine Notiz von damals:

Falsch und ein fataler Irrglaube. Unabhängige Medien [in Deutschland] werden über Gebühren finanziert. Dass der ganze dazugehörige Komplex grade implodiert und eben nicht funktioniert ändert nichts an der ursprünglichen Idee: Sich [an den Markt] zu binden um bestmögliche Konditionen fürs Marketing zu erhaschen krankt ja an der Vereinbarkeit mit Unabhängigkeit. Genau deshalb gibt es ja zentral finanzierte, vermeintlich unabhängige Medienhäuser. Und was tun die? Sich im 24h-Rhythmus entschuldigen, dass ihre Berichterstattung hier und dort zu einseitig und unvollständig war. Natürlich tun sie das erst nach einem anständigen Shitstorm über eben jene Berichterstattung.
Unbedingt erwähnt werden muss auch die digitale Boheme, die sich eben so lange finanziell unabhängig machen kann, bis sie zu groß wird und vom Markt aufgesaugt wird. Alles darunter mag rhetorisch und journalistisch fragwürdig sein, übertrifft den Genauigkeitsgrad der bezahlten Medien aber um Lichtjahre. Wieso ist das denn bitte so? Wieso berichten aus Krisengebieten Twitterer statt Korrespondenten? Fragt euch doch mal, wieso Kinder Krieg so toll finden – weil er ihnen jahrelang in medienreiner Form dargeboten wird. Würde Krieg als das dargestellt werden, was er ist, fände die niemand mehr erstrebenswert. Und das Gute ist: In Zeiten von Twitter und Facebook gibt es das. Es wird nur ignoriert wo es multipliziert werden könnte – in der Presse. Bringt uns zurück zu „jeder kann sich ja selbst informieren“ – das ist auch so. Aber das sprengt das Konzept der bezahlten Medien. Ergo gibt’s von dort eine Nebelkerze nach der anderen, um die verbliebenen Leser und Zuhörer bei der Stange zu halten. Hauptsache groß, bunt und blöd – „Bauer sucht Frau“ als Teil der unmittelbaren Verblödungsstrategie – ganz genau. Damit möchte ich nicht mal unbedingt sagen, dass der Zugang erschwert wird. Aber die Manipulation von Konsumenten ist praktisch das Butter-und-Brot-Geschäft von Medienhäusern. Informationen interessengerecht aufzubereiten ist hier nur eine von vielen Spielwiesen dieses Komplexes.
Zur Verdeutlichung: Es gab vor Jahren mal Werbung im Kino und im Fernsehen, die sich an das Unterbewusstsein richtete. Sie wurde nur Sekundebruchteile eingeblendet – das Auge nahm es gar nicht wahr. Hinterher beim Einkaufen erinnerte sich aber ein Teil des Gehirns daran und griff schwuppdiwupp zum beworbenen Produkt.
Zu diesem Ausmaß bereite Manipulationsbereitschaft ist schon aus Prinzip nicht zu trauen. Sie nicht zu konsumieren führt aber nicht zu besserer Qualität. Das Leistungsschutzrecht ist ein wundervolles Beispiel für das komplette Versagen von “Liebesentzug” bei einflussreichen Anstalten. Es führt niemals zur Einsicht oder Besserung. Es führt immer nur zum Anziehen der Daumenschrauben um zu binden, was einst als selbstverständlich galt aber aufgrund von Veränderungen im Lebensumfeld der westlichen Gemeinschaft nun in Gefahr gerät. Auch so ein Beißreflex.
Medien, die sich über Werbung finanzieren, sind nur eine Seite dieser Medaille – wenngleich die relevante, weil ärgerlicherweise marktbeherrschende…

Daran schloss sich an: “Der geistige Dünnschiss, der uns jeden Tag aus den Medien entgegenschlägt ist das Ergebnis unseres eigenen Konsumverhaltens

das seinerseits ist die Folge von dem, was uns in unserer Lethargie hingeworfen wird…Was war zuerst – Henne oder Ei? Wo beginnt der Widerstand gegen diese Form der Beeinflussung? Genau hier… Aber alleine die Anerkennung der Manipulation des Konsumverhaltens werte ich als Zugeständnis an meine Manipulationsvorwürfe gegen die Gestalter dieser Medien ;)

Dann eine Überleitung zur Steuersparpolitik der sogenannten “global player”. Einer bekannten und unerheblichen Erläuterung über die mechanischen Grundlagen der Betriebswirtschaft folgt die Frage, ob denn europäische [Wirtschafts-]politik ans Ziel führen könnte. Und dann der Hinweis, dass die Europäer hier noch Vertrauensdefizite haben: “Je nachdem, welcher Umfrage Sie glauben schenken (wollen), wollen zwischen 27 – 90 Prozent der Deutschen die Deutsche Mark zurück”. Mein Impuls von damals:

Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Die Deutschen wollen „die D-Mark zurück“ weil ihnen das EU-Konzept über den Verstand wächst. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die EU in ihrem Evolutionsprozess vollkommen zurecht Kritik ausgesetzt ist, weil sie eben Entscheidungen trifft, die zu Lasten der Gemeinschaft gehen – und zugunsten von kurzfristigem Erfolg (CETA, TTIP und wie sie alle heißen mal als Prominente Beispiele). Das ist unvereinbar mit dem Verständnis des „kleinen Bürgers“ für volksvertretende Politik. Und dem stimme ich zu, ohne mich der Meinung anschließen zu wollen, die D-Mark wiederhaben zu wollen. Die D-Mark ist ebenso wie die Glühbirne und die Gurke nur ein Symbol.

Und dieses Symbol wiederspricht ja nicht der Wirtschaftspolitik im Einzelnen. Es wiederspricht der Politik im Ganzen. Das heißt aber nicht, dass ordentlich informierte Bürger es gut fänden, wenn sie wüssten, was TTIP für sie bedeuten kann. Es ist nur sehr schwer, zumal unter gänzlichem Verzicht auf Einsicht in die Inhalte, ein “einfaches” Bild dieses Ausmaßes zu zeichnen. Im Grunde ist die Antwort auf jede Frage zu solch riesenhaften Konstrukten wie TTIP (oder europäischer Finanzpolitik) immer entweder “ja, aber” oder “nein, aber” – und an diesem endlosen Strom an Unverbindlichkeiten scheitert irgendwann das ungeschulte Hirn. Und von den >80.000.000 Deutschen haben recht viele ein ungeschultes Hirn für diese Dimension. Und warum ist das so? Naja. Man stelle sich mal vor, TTIP würde in der Breite so diskutiert werden wie die fragwürdige Entscheidung, Thomas Müller erst zur zweiten Halbzeit einzuwechseln. Das funktioniert bei trivialem Scheiss – bei lebensverändernden Maßnahmen auf politischer Ebene KANN das nicht funktionieren. Und erinnern wir uns: Auch Politiker wollen Macht, Geld, Einfluss…

Es folgt die Frage, wer denn “zu Beginn des Wahlkampfes [von Barack Obama] gegen Hillary Clinton gewettet hätte” und ob der Sieg Obamas also entsprechend einem “vorgezeichneten Weg zur Macht” folgte. Hatten wir oben schon, finde ich dennoch nochmal erwähnenswert:

Zu spät eingestiegen. In den USA regiert ein Zwei-Parteien-System. Wie naiv wäre es anzunehmen, dass Geschäftemacher, Politiker, Lobbyisten, Gewerkschaften und einflussreiche Menschen ihre [mediale, informelle und bisweilen nachrichtendienstlichen] Kräfte nicht mobilisieren, um ihre Schachfiguren in diesen Parteien nach eigenem Ermessen zu positionieren. Zu sehr „House of Cards“? Dann empfehle ich ganz dringend mal die Lektüre von, na sagen wir mal exemplarisch, der Dominanz der NRA in den USA. Manipulation und Steuerung dieses Konstruktes beginnt nicht am Tag des Wahlkampfbeginns um die Präsidentschaftswahl – er beginnt mit Einschlagen einer politischen Karriere. Das muss man nicht glauben, aber wie gesagt: ich persönlich halte alles andere für ausgesprochen naiv.

Und nun der große Bogen zum Terrorismus. “Religiöser Terror ist keinesfalls nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf unsere vermeintlichen Kontrollfreaks von Politikern”. Als ich das gelesen habe, hatte ich grade “Die Anstalt” gesehen. Und ich musste unmittelbar daran denken:

Grad erst neulich in „die Anstalt“: Ein Gespräch mit einer Freundin aus Pakistan. Claus von Wagner unterhält sich mit einer Freundin aus Pakistan. Er fragt sie, was denn Länder wie Pakistan gegen den Frieden in Ländern wie Deutschland haben – und wieso es bisweilen vorkomme, dass Radikale aus Pakistan in Ländern wie Deutschland Terror verüben. Die Antwort ist verblüffend (und ja, vermutlich fiktiv):
„Wir haben nichts gegen eure Freiheit. Es ist nur beängstigend, wie eure Freiheit hier ankommt“…und dann blickt sie in den Himmel auf der Suche nach Drohnen…
Der unmittelbare Zusammenhang zwischen westlichem Herrschaftsdenken und der Reaktion nicht dazugehöriger Staaten und Menschengruppen ist ja kein Geheimnis – beispielsweis super hier nachzulesen. Am eindrucksvollsten ist hier die Grafik auf Seite 13 (PDF seite 15). Terrorismus(c) gab es vor 2001 gar nicht…

Also entweder haben wir das früher anders genannt, oder es gibt eine auffällige Steigerung von (islamistischem) Terrorismus seit 2001 (gegen den Westen). Und was war 2001? Exakt… Aber wer weiß, vielleicht ist “Globalisierung” auch einfach nur spät im religiösen Umfeld angekommen. Die sind ja bisweilen schon etwas bequemer als andere Gemeinschaften…

Dem Hinweis, dass man Parteien mit “Liebesentzug” dazu bringen könnte, die eigenen Entscheidungen (in diesem Fall die VDS) sorgsam abzuwägen in Zusammenhang mit der folgenden Aussage: “Bei der Vorratsdatenspeicherung haben wir die Freiheit, die Parteien, die sie umsetzen mit Liebesentzug zu strafen und eine Partei zu wählen, die die Vorratsdatenspeicherung wieder abschafft” möchte ich gerne mit dem Verweis auf die Sektsteuer entgegnen. Das ganze Argument politischer Freiheit in der westlichen Welt ist ja unglaubwürdig. Das gilt natürlich auch bei uns…
Und wenn man dann einfach mal vor Augen lässt, dass sich Terrorismus gegen die westliche Welt erst in den letzten 15 Jahren so richtig wohlfühlt in der Welt, und so richtig entwickeln konnte, wird auch deutlich, dass Terror nicht durch das Wechseln von Politikern entmachtet wird (soweit korrekt), sondern womöglich mit dem Unterlassen kriegerischer Handlungen gegen eben diese Gemeinschaften. Tja, aber das Kind ist im Brunnen und die Gewaltspirale unaufhaltsam. Ich vermute, dass ist jetzt schon längst zu spät.
Abschließen möchte ich mit meinem Impuls auf diesen Auszug: “Letztlich dient der Terror der Abschaffung der Freiheit und der Unterjochung der freien Menschen unter das Joch eines religiösen Weltbildes

Mal abgesehen vom religiösen Weltbild ist das genau das, was in Europa passiert (250 Gesetze gegen den Terror? Wirklich? Bin gespannt auf die Putin-Enthüllungen zu 9/11…).

Relationen

Je suis Charlie. Kennste? Klar kennste das. Immerhin hat sich entweder der Politiker Deines Vertrauens, der Popstar Deines Vertrauens, der Klugscheisser in Deiner Klasse (respektive in Deiner Frühstücksrunde oder am Stammtisch, je nachdem wo Du halt morgens um 10 so rumgammelst) oder gut ein viertel Deiner rund 250 Facebook-Kontakte dazu bekannt, Charlie zu sein.

Haste mal was von Boko Haram gehört? Nein? Nicht mal jüngst? Merkwürdig. Dabei haben die zwei Tage NACH dem Anschlag in Paris, bei dem zwei Polizisten und zehn Mitarbeiter einer Satirezeitschrift getötet wurden, in mindestens elf Dörfern in Nigeria regelrechte Hinrichtungen durchgeführt. Nicht zwei oder drei, so dass man meinen könnte, der „Terrorakt“ in Paris sei schon aus statistischen Gründen populärer. Nicht nur dutzende, und man müsste unterstellen, dass die Nähe zu Frankreich den Ausschlag über die Bedeutung für „unsere westlichen Medien“ gibt. Nein, hunderte. Unbestätigte Meldungen sprechen von 2.000 Toten. Unbestätigt deshalb, weil Boko Haram nicht nur die Menschen in den Dörfern systematisch abschlachtet, sondern weil sie auch gleich noch die Infrastruktur zerlegt haben. Informationen von dort dringen nur schwer und hauptsächlich als Berichte von Betroffenen nach draußen.
Wo sind denn die Freunde dieser Toten? Warum stellt sich niemand auf die Seite der hingerichteten Männer und Frauen, Alter und Kinder? Warum sehe ich keine „Boko Haram muss weg“-Profilbilder bei Facebook?

Im Dezember mal was spannendes aus Pakistan vernommen? Wo Mitglieder der Taliban eine Armeeschule angriffen und 141 Menschen mit gezielten Schüssen töteten? Unter den Toten waren 132 Kinder. Söhne und Töchter von Soldaten und Armeemitgliedern. Ja, damals gab es eine kleine Welle der Anteilnahme in den Medien. Grade groß genug, um in der Vorweihnachtszeit daran zu erinnern, wie gut es uns geht. Aber dann doch nicht groß genug um Millionen und Abermillionen auf die Straßen zu locken, dabei Schilder hochhaltend, die suggerierten, sie wären pakistanische Kinder. Und dass der Anschlag es überhaupt in die Medien geschafft hat kann man relativ getrost der Tatsache überlassen, dass er der IS zugerechnet wird – also dem erklärten Feind des Friedens und der Freiheit der westlichen Welt. Also. Einem der Feinde halt. Die sind ja inzwischen zahlreich. Jedenfalls spielt er den selbsterklärten „Prinzen gegen den Terror“ direkt in die Hände – verdeutlicht er doch kurz vor Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Vielsamkeit und Ruhe, Eintracht und der Gemeinschaft, worum es bei aller Liebe zur Freiheit zu gehen hat für uns: Tod dem Widerstand.

Oder erinnert sich noch jemand an die NSA? Guantanamo und so? Foltern von Gefangenen? An Dick Cheney (der war mal zweitgefährlichster Mann der Erde zweiter Heerführer der gefährlichsten Armee der Welt), wie er sagt, er sorge sich mehr um die entlassenen „bad guys“ als um die, die sein Regime gefoltert hat, obwohl sie sich hinterher als nachweislich unschuldig und nutzlos für die Informationsbeschaffung erwiesen haben? Nein? Ja klar, ein paar Randgruppenberichterstattungen erinnern sich. Aber im Big Picture? Nicht mehr? Aber wer Weltfussballer ist, das weisste, ne?

Sommerloch? Am Arsch. Es regiert das Medienloch. Was nicht gefällt, wird nicht berichtet. Was entweder gänzlich trivial ist oder ganz offenbar politisches Potenzial hat, weitere Persönlichkeitsrechte zu beschneiden oder weitere Grundrechte einzuschränken um die Kontrolle über die Konsumierenden zu behalten, wird großflächig bedient. Klar, Pressefreiheit und so, alles wichtig, will ich gar nicht abstreiten. Ob’s im Namen der Pressefreiheit nun aber Vorratsdatenspeicherung braucht? Kaum. Was es braucht ist Aufklärung. Objektive Berichterstattung darüber, dass nicht jeder, der dem Islam zugehörig ist, automatisch ein Terrorist ist. Der Islam ist eine Religion wie andere auch (egal wie man jetzt zu einer  konkret stehen mag…), und es gibt innerhalb dieser religiösen Mauern eben auch Systemfeinde und Schädlinge, die im Namen dieser Religion und im irre geführten Aberglauben gegen ihre Feindbilder antreten. Diese Sorte Fundamentalist gibt’s aber in jeder Religion (und jeder anderen Organisation dieser Größenordnung)… Damit will ich nicht sagen, dass es keine dem Islam angehörigen (Selbstmord-)Attentäter gibt. Die gibt es. Es gibt aber auch katholische Kinderficker. Und es gibt jüdische Auftragsmörder. Und es gibt atheistische Serienmörder. Alles eine Suppe. Die Zugehörigkeit zu einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft von Glaubensbrüdern und -schwestern substantiiert für niemanden die zu erfahrene Gerechtigkeit im Falle von Aktionen die gegen die Menschlichkeit im Allgemeinen geht.

Und wie um das zu unterstreichen melden sich just zum medienwirksamen Händchenhalten gegen den Terrorismus die Außenminister und Vertreter von Ländern, die in ihren eigenen Ländern Pressefreheit eher als Angebot verstehen und den Grad der erlaubten Kritik an der eigenen Regierung oder deren Handeln als Verhandlungsmasse. Und auch hier gilt, dass nicht etwa ein schwarzes Schaf darunter ist – nein, man muss eher nach den Perlen suchen.
Nun ist die Welt ein schlechter Ort und Politik nunmal ein schmutziges Geschäft. Das alleine stimmt mich nicht mehr nachdenklich, zu hoch ist die Frequenz der Ausreisser in dieser Farce des Märchenlandes, zu abgestumpft ist man inzwischen als mittelmäßig situierter Mittelstandsbürger des westlichen Kapitalismus. Was mich nachdenklich stimmt ist die Frequenz, mit der wir, als Gesellschaft, in diese futuristischen Modelle gezwungen werden. Unbequeme Gesetze werden inzwischen nur noch während Fussballgroßereignissen durchgewunken. Auf unangenehme Enthüllungsgeschichten geheimen Regierungsmaterials folgen lokale Sensationen für die Medien. Heute noch lemmingen wir unseren Twittervorbildern ein „#nobärgida“ nach, morgen schon wird irgendwo ein zweiköpfiger Eisbär geboren. Es ist eine Formel der Trivialität, die sich unsere allzu menschliche Eigenschaft der Bequemlichkeit zunutze macht.
Hast Du Dich niemals gefragt, wie mächtige Politiker mächtige Politiker werden? Oder wieso sich die Welt praktisch gänzlich in der Hand von vielleicht einem Dutzend Familien und Firmen befinden kann? Wie(so) Modelle existieren, die international agierenden Firmen die Gelegenheit einräumen, praktisch ohne nennenswerte Einbußen der in Milliardenhöhe liegenden Gewinne keinerlei Steuern zu bezahlen, wo doch jeder von euch meine lieben Leser, gezwungen ist, einen beachtlichen Anteil des erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen? Die Dimensionen sind dabei ungefähr so dramatisch wie es die Einzigartigkeit der Erde im Vergleich zu den hunderten Millionen Galaxien mit abermillionen anderer Sterne und Planeten da draußen ist. Unser Kopf kann das gar nicht fassen. Weder das eine noch die andere. Klar, wenn wir ein Parkticket für 25€ bekommen, wissen wir, das sind 25€, die sind weg. Bekämen wir eine Steuerbefreiung in Höhe von 500 Mrd. €, könnten wir uns diese Zahl nichtmal vorstellen, geschweige denn in eine ordentliche Relation setzen.

Terrorismus ist kein deutsches Problem. Er ist nicht mal ein europäisches Problem. Ja nicht mal das Problem der Welt. Er ist das Problem von Entscheidern, von Machern und von In-Die-Wege-Leitern. Von Leuten, die sich bedroht fühlen von jedem, der nicht an ihren Schnüren zappelt – von Leuten also, denen man etwas wegnehmen kann. Letztlich ist er ja auch nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf eben diese Kontrollfreaks, die in ihrem Streben nach Macht und Einfluss beliebig über moralische und ethische Grenzen hinwegsetzen. Klar, einige wenige sind auch einfach nur kranke und verwirrte, die ganz anderen Motiven folgen als dem Kampf gegen den Kontrollwahn westlicher Regierungen. Aber gefühlt ist das die Ausnahme.
Terrorismus hat seit 2001 zu rund 250 Gesetzen in der EU geführt, die sich dem „Kampf gegen den Terrorismus“ zum Gegenstand machen. Jetzt mal Butter bei die Fische: Niemand, der in der „freien Welt“ lebt, möchte terrorisiert werden. Das ist schon klar. Niemand möchte Angst haben – auch nicht vor Terror. Und niemand möchte sich in seinem Tun und Treiben einschränken lassen. Da dieser ausgesprochen Ich-bezogene Denkansatz in einer Welt mit knapp sieben Milliarden Menschen nicht funktionieren KANN, gibt’s halt Gesetze. Aber das Durchjagen von persönlichkeitsrechtsfeindlichen und kontrollorganbegünstigenden Gesetzen unter dem dogmatischen Deckmantel des „Kampf gegen den Terrorismus“ ist nichts anderes als Terrorismus – er findet nur auf einer anderen Ebene statt und wird von innen aus geführt. Am Ende führen beide in vergleichbare Käfige aus Furcht und Gefolgschaft – der Unterschied ist vor allem die Sichtbarkeit dieser Symptome.

 

/update: jetzt mit Kommentar

Abschalten–unmittelbar und gnadenlos!

Okay, das mag jetzt etwas drastisch daherkommen…Aber: Grad heute lese ich wieder sonen jämmerlichen Beitrag in der FAZ, die Stromnetze in Deutschland sind leider impotent.

Ich sitze hier, vollkommen unnötig läuft der Fernseher im Standby, Licht ist an, es läuft Musik in – …kleinen Augenblick bitte… – Multichannelstereo. Ich schreibe diesen Beitrag auf einem Notebook, das permanent mit Strom versorgt wird, weil ansonsten…Ach is auch egal. Ich sitze hier also im Stromkokon, und erinnere mich dann an die Horrormeldungen aus dem letzten Winter, wo wir die Franzosen um Strom anbetteln mussten, weil wir nach Fukushima (einer Stadt (?) in 8800 km Entfernung, wo vor etwa einem Jahr nen Tzunami an Land anschwamm, woraufhin…naja, ihr wisst schon. Ist jedenfalls das Land, in dem als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe am Wochenende die letzten Lichter im letzten Atomreaktor ausgehen, ohne Rücksicht auf Verluste…) knapp die Hälfte der AKWs in Deutschland abgeschaltet haben und seither offenbar eine ‘Versorgungslücke’ haben. Diese Lücke ist womöglich nur spannende Propaganda – dass das es offenbar nachweisbare Notwendigkeit gibt, Strom zuzukaufen, beweist aber entweder die kaufmännischen Fähigkeiten der Strommultis, oder das Ungeschick der beteiligten Politiker…

Anyway.

Ich bin ja für Abschalten, sofort. Dabei gehts nicht (mehr!) darum, OB es eine Versorgungslücke gibt. Es geht nicht darum, ob wir mit Wind-, Wasser- und Sonnenenergie über einen schmalen Sommer kommen – es geht um die Herstellung der Notwendigkeit von Einsatzbereitschaft (z.B. für die Bereitstellung eines besseren, ausgebauten und funktionstüchtigen Speichernetzes).

Anders gesagt:
Sagen wir, wir schalten die AKWs ab. Sofort. Das sind derzeit noch popelige 20% vom Stromsee (oder waren es 20% vor der Abschaltung der inzwischen abgeschalteten? Ja, ich glaub, das wars… anyway…). Wenn die fehlen, kommt der Strom halt woanders her. Ich kann und will nicht glauben, dass inklusive aller Solar- und Windkraftanlagen, die hier seit Jahren aus dem Boden sprießen, aber exklusive der Atommeiler der Strom plötzlich wegfiele. Aber: Selbst wenn! Dann sind die Radios still, die Mixer laufen nicht mehr, Music muss via Akku daherkommen. Oh und ja, die industriellen Betriebe haben Grund, auf ihre Verträge zu zeigen und zu sagen, die Zulieferer MÜSSEN liefern, egal was…Lasst die Lichter ausgehen. Lasst die Öfen kalt. Grad zum Frühling. Das hat nämlich dann nen reinigenden Effekt: Die Menschen ärgert es, aber hier verreckt niemand. D.h. die Leute kacken den Spacken in den Chefetagen der Stromzulieferer mal ordentlich auf den Tisch. Die Industrie stampft so richtig mit dem Fuß auf, verlangt die zugesagten Mengen. Die können die Strommultimilliardäre nicht liefern, angeblich. Also müssen sie ausbauen.

Im Moment sollen sie zwar ausbauen, aber niemand zwingt sie, es gibt keine Sanktionen…

Ganz ehrlich: Ich bin kein wirklicher Atomstromverfechter und kein Gegner. Aber die Art und Weise, wie die Strommultis uns verarschen und andererseits mit offensichtlicher Lobbyarbeit die Politiker dieses Landes schmieren…das können wir besser. Japan macht es vor. Die schalten einfach ab. Egal was.

Manchmal bewundere ich dieses Volk, echt…

Eigentlich ist doch alles gesagt…

Und dennoch nicht.

Ja, das Thema ist #Wulff. Mal wieder. Immer noch. Ist noch Präsident, ja. Will es (Status quo) auch bleiben. Ich wollte an sich nicht drüber schreiben. Beim Ausmaß des aktuellen Shitstorms ist die Chance zu groß, nicht mehr originell zu sein. Dennoch:

Habe mir das Schreiben von seinem Advokaten durchgelesen. Das hatte der BP ja gestern angekündigt, dass heute alles beantwortet wird. Meinte damit offenbar nichts, was er gestern nicht auch schon offen gelassen hat.

Also, ich versuch mal eine Zusammenfassung des relevanten Krams – also abseits des ganzen nahezu irrelevanten Urlaubsdomizilfutterneides (dazu allerdings unbedingt ein Wort zur unmittelbaren Disqualifikation von Bettina Schausten als Gesprächsführer in diesem Interview: in der aktuellen Fluter (Seite 3) gibt’s zur Mentalität vom Austausch von Gefälligkeiten unter Freunden (nicht nur im Deutschland) des 21sten Jahrhunderts eine tolle Stelle im ohnehin sehr lesenswerten Interview mit Aldo Haesler, in der er bemängelt, dass es unter Freunden so etwas wie unbeglichene Schuld nicht mehr gibt. Ich jedenfalls muss hier ganz klar mal den BP in ‘Schutz’ nehmen und hoffe, dass Frau Schaustens Ansicht zur Freundschaft sich nicht etablieren (oder dies nicht ohnehin längst haben) und nicht alle meine Freunde für jeden Gefallen eine unmittelbare Begleichung oder wenigstens Anerkennung einer Schuld einfordern. Denn in dem Fall ist der Neid ja vorprogrammiert.):

Irgendwann im Jahr 2008, zur Amtszeit als Ministerpräsident, beschließt der heutige BP, sich ein Haus zu kaufen. Als Ministerpräsident ist man notorisch klamm und beim gemeinsamen Abendessen mit dem väterlichen Freund und dessen Gattin in der Residenz Geerkens stellt sich raus: Bei Familie Geerkens sitzen die Euros lockerer. Also frickelt man aus reiner Nächstenliebe einen Darlehensvertrag (500.000 € zu 4,5% Jahreszins) zusammen, nimmt dem ganzen jeden zwielichtigen Hauch indem man nicht Herrn sondern Frau Geerkens einbindet und köpft die nächste Flasche Chardonnay (für wie bescheuert haltet ihr uns eigentlich?).

Wulffs kaufen den Laden also und legen alsbald mit der Saniererei los. Pünktlich zum Kaufvertrag wird nochmal nachverhandelt – 4,5% erscheinen angesichts der Bankenkrise zu viel, man pendelt sich bei 4% ein. Schließlich geschieht das alles aus Freundschaft und dass beim Thema Geld jene endet gilt erwiesenermaßen nur für Freundschaften, in denen das Geld nicht ganz sooo locker sitzt: Es will hier also niemand was gewinnen, da kann man dann auch mal großzügig sein. Ist ja auch nicht davon auszugehen dass Frau Geerkens in der Zwischenzeit ihren Dispo um die Summe überzogen hat…

Da Wulff 2008 noch Ministerpräsident ist, unterliegt er dem sogenannten “Ministergesetz Niedersachsen” und hier im Besonderen dem §5 Abs. 4:

Die Mitglieder der Landesregierung dürfen, auch nach Beendigung ihres Amtsverhältnisses, keine Belohnungen und Geschenke in Bezug auf ihr Amt annehmen. Die Landesregierung kann Ausnahmen zulassen. Sie kann diese Befugnis auf die Staatskanzlei übertragen.

Wulff selbst nennt das Darlehen also folgerichtig einen Freundschaftsdienst.
Gut, kann man so machen, das Gegenteil lässt sich sowieso nicht nachweisen und Lobbyismus wird in Deutschland sowieso als Kavaliersdelikt abgenickt. Sein Jurist verneint den Zusammenhang von Amt und Darlehen denn auch. Wär jetzt auch n Hammer wenn er den zugebenbestätigen würde.

4% also für einen Kredit. Das ist schon mal nicht so ganz schlecht – mein bester laufender Kredit liegt da deutlich drüber. Andererseits kann man unter Freunden natürlich ausmachen was man will, zumal solange einem der politische Schaden, den man damit womöglich nimmt, wurscht ist.
Der Vertrag wird noch veredelt indem er drei Jahre später von der BW Bank (den Kontakt vermittelt Geerkens nach Aussage des Anwalts) die annähernd gleiche Summe zu noch besseren Konditionen bekommt: 475.000 € zu 2,1%. Damit ist jedem Laien klar: das ist kein Immobilienkredit. Und jedem Profi vermutlich, dass 2,1% selbst für einen EURIBOR recht günstig sind. Wirklich wissen tu ich das natürlich nicht, aber ich ahne, dass selbst wenn er als Bundespräsident in eine Bank marschiert, würde man ihm für eine Immobilienfinanzierung einen nicht ganz so guten Vertrag anbieten – zumal wir hier von 100% Deckung sprechen, nicht von augenscheinlich üblichen 60%-80%.
Aber das passt schon, immerhin bezahlt der Steuerzahler dem aktuellen BP jährlich 200.000€ – ich erwarte sicher nicht, in einer Bank ähnlich gut behandelt zu werden wie jemand, der 200.000€ im Jahr verdient.
Skurril bleibt halt, dass Geerkens den Kontakt aufmacht und nicht etwa eine Immobilie finanziert wird mit dem Vertrag, sondern ganz augenscheinlich nur ein anderer Kredit abgelöst wird. Man sollte mal nen unvoreingenommenen und neutralen Banker fragen, wie es mit den Konditionen für derartige Kredite aussieht. Doof nur, dass es so was nicht gibt.

Kleine Anekdote am Rande ist übrigens, dass von diesen 200.000€, die von meinen und Deinen Steuern bezahlt werden, auch der Anwalt bezahlt wurde:

Das Honorar für unsere Tätigkeit zahlt Herr Wulff als Privatperson.

Doof nur, dass die Privatperson Wulff gar kein Einkommen hat. Die Kohle bringt vielmehr der Bundespräsident Wulff nach Hause.

Ja, dann kommt hinzu, dass jemand, der die Medien bedroht (egal ob er nun Aufschub oder Aussetzen erwirken wollte und egal ob er von Krieg gesprochen hat oder nicht – alleine der Anruf des Bundespräsidenten zur Intervention bei Medien sollte unter Strafe stehen), ganz sicher nicht geeignet ist, mein Präsident zu sein.
Von meinem Bundespräsidenten erwarte ich darüber hinaus 100% Professionalität. Fehler darf sein Stab machen. Oder sein Pressesprecher. Selbst seine Frau. Und auch sein Hund darf auf den Wohnzimmerteppich kacken. Aber von meinem Bundespräsidenten erwarte ich auch in heiklen Situationen die volle Kontrolle. Grade wenn es darum geht, der Regierung mal Kontra zu geben weil die ein Gesetz durchwinken wollen, dass ihnen lebenslange Regierungsbildung zugesteht, erwarte ich, dass mein Bundespräsident KEINE Fehler macht und das unterbindet. Wenn er das nicht kann und/oder sich nicht zutraut (weil keine Karenzzeit, durfte ja nicht üben, bla), sollte er den Job nicht antreten. Basta.

Kritisch ist nicht, dass Wulff einen wirklich dramatischen Fehler gemacht hat. Er hat nur viele kleine gemacht. Und jetzt will er auch noch unser Mitleid. Auf meins muss er verzichten. Ich fordere unbeirrt den Rücktritt – und nebenbei auch die freiwillige und unwiderrufliche Spende des Jahresgehalts als Bundespräsident (bis zum Lebensende) an eine gemeinnützige Stiftung.

Liebe Politiker,

was lebt ihr euren Kindern und eurem Volk hier eigentlich vor?
Da euch das offenbar nicht klar ist, nochmal in aller Deutlichkeit: Eure Positionen implizieren neben Macht und Einfluss auch Verantwortung. Ihr geltet, wenngleich nicht zwangsläufig als Ergebnis harter Arbeit, so doch ‘qua Amt’, als Vorbilder. Die Menschen orientieren sich demnach an eurer Art zu leben.
Ich bin einigermaßen entsetzt, dass ihr die Beschmutzung eurer Ämter, eurer Positionen und eurer Reputation auf eurem Weg zum Spitzenamt (oder zum Spitzenjob nach der offenbar von einigen so empfundenen Zwangsrunde in einem relevanten politischen Amt) beinahe klaglos akzeptiert und unbeirrt euren Kurs fortsetzt.
Ich verstehe, dass es mühsam ist, sich mit den rasch wandelnden Gesetzen des digitalen Zeitalters zu arrangieren. Man muss sicher nicht jeden Firlefanz mitmachen und nur weil die Piraten jetzt aus dem Landtag twittern muss das noch lange nicht zum Quasistandard erhoben werden. Ich verstehe auch, dass nicht jeder unmittelbar geäußerte, wilde Verdacht in Print- oder Onlinemedien mit Antwort und Aufmerksamkeit gewürdigt werden muss.
Ich verstehe sogar, dass der eine oder andere von euch sich bspw. gegen die unfreiwillige Einbindung in derartige Dienste erwehrt (vgl Abgeordnetenwatch oder fehlende Präsenz in digitalen Netzwerken). Ihr lebt eben zu einem beachtlichen Anteil schon so lange in diesem Land, dass ihr wisst, der beständige Deutsche wird auch ohne Facebook, Twitter und Onlinepetition einen Weg finden, mit euch in den Dialog zu treten. Naja, oder wenigstens wisst ihr, dass das auch früher schon kaum bis gar nicht möglich war aber die Deutschen gerne an etabliertem festhalten, euch das also nicht geschlossen zum Vorwurf machen sondern die Argumente für eure Entscheidung schon an eurer statt formulieren werden.
Was ich aber überhaupt nicht akzeptieren kann ist, dass ihr zulasst, dass der weitverbreitete Glaube entsteht, dass ihr alle korrupt seid und ausnahmslos alle nur mit List und Tücke zu euren Positionen (oder Privatimmobilien) gelangen konntet. Ob ihr beim Doktortitel bescheisst, konsequent ein zentrales Lobbyregister ablehnt oder euch mittels Amt messbare Vorteile beim privaten Hausbau erschleicht – schlussendlich kommt es alles aufs Selbe raus: Ihr wähnt euch in einem sichtgeschützten Kokon, aus dem ihr mehr oder weniger zwangsläufig irgendwann als Lichtgestalt schlüpfen wollt. Leider muss ich euch diese Illusion nehmen: Die Tatsache, dass nahezu jedes schmutzige Geheimnis eurer Laufbahnen inzwischen irgendwie an euren ‘Schlüsselbund’ gehangen wird, den ihr fortan mit euch herumtragt, und die Frequenz, mit der das jüngst geschieht, muss euch vergegenwärtigen, dass die Gesetze eines dynamischen, transparenten und flexiblen, globalen Netzwerks auch für euch gelten. Und doch lebt ihr noch immer vor, wie die Welt vor hundert Jahren war und ignoriert diese neuen Variablen einfach.

Ihr haltet es für gesunde Neugier und stuft es als Kernkompetenz ein, wenn Kinder und Jugendliche sich mit Politik beschäftigen. Ob das an eurer ernsthaften Überzeugung liegt oder daran, dass ihr ‘Next-Gen-Wähler-Recruiting’ betreibt, könnt indes nur ihr beantworten. Ich jedenfalls halte diese Entwicklung für bedenklich. Ihr zwingt eine Generation Menschen dazu, sich mit euren Machenschaften und Gebaren zu beschäftigen – selbst zu entscheiden, ob ihr gute Politiker oder nur grandiose Schwindler seid. Es ist inzwischen nicht mehr nur Option euch zu hinterfragen, es ist folgerichtige Notwendigkeit. Der fliegende Start in eure gehobene politische Karriere ist nicht mehr nur mit Hoffnung und Erwartung gepflastert, sondern als Ergebnis der Politiker, die vor euch in diesen Ämtern saßen, auch mit Sorge und Misstrauen.
Eltern, Erzieher und Umfeld können heute nicht mehr guten Gewissens sagen: “Das sind Spitzenpolitiker, die finden den besten Weg für ihr Volk, denn das ist ihr Auftrag”. Heute muss man annehmen, dass ihr Politiker seid und es damit quasi “per Definition” vorzieht, den für euch lukrativsten Weg zu gehen. Wie sollen wir die bestmöglichen Ergebnisse unserer Arbeit erreichen, wenn wir euch ständig nachstellen müssen?
Ja, vielleicht war das schon immer so. Und nein, das ist kein Grund, dass ihr die Klüngelei akzeptiert wie sie ist, es ist im krassen Gegenteil eher ein Grund, dass ihr anfangt, umzudenken und entgegengesetzt zu handeln. Heute sehen wir jede eurer Verfehlungen. Ihr seid so transparent wie noch nie.
Wenn ihr euch auf eurem Pfad verirrt, wissen wir das. Wir halten es euch unter die Nase. Ihr könnt die Dynamik der neuen Medien nicht aussperren wie ihr das mit klassischen Medien machen könnt. Klar könnt ihr versuchen die einflussreichen Blogger zu kaufen und euch mit Media-Experten auf einen Social-Media-Kurs einschwören. Natürlich wird jede Blendgranate die ihr zündet den einen oder anderen einfangen und konvertieren – aber das alleine ist nicht mehr genug. Ihr könnt die meisten schmutzigen Geschichten sicher aussitzen. Ihr könnt den rüden Gegenwind gelegentlich stoisch ertragen. Ihr könnt hoffen und annehmen, dass wir euch verzeihen, vergeben und eure Fehlleistungen vergessen. Aber ihr müsst ständig und allgegenwärtig davon ausgehen, dass wir nicht aufhören euch zu beobachten.

Mal ganz davon abgesehen dass es jämmerlich und erbärmlich ist, dass man es euch immer wieder sagen muss, dass eure moralische und ethische Verantwortung eurem Volk gilt und nicht euren Parteivorständen, euren Haus- und Hof-Lobbyisten, sie gilt nicht eurem Bankkonto und schon gar nicht euren überzeichneten Egos. Ihr tragt die Verantwortung für zweiundachtzig Millionen Deutsche – nicht weniger. Ihr wurdet mangels sich abzeichnender Alternativen von einem Teil von denen sogar in die Position gewählt, in der ihr euch heute befindet. Sie verzichten auf einen Teil ihres Einkommens, damit ihr euren Job gut und in ihrem Sinne macht. Sie legen all ihre Hoffnungen auf ihre kleinen und großen Träume in eure Hände – einerseits weil davon ausgegangen wird, dass ihr die Besten der Besten für diesen Job seid, und andererseits, weil das politische System in diesem Land vorsieht dass ständig irgendwer auf euren Stühlen sitzt – selbst wenn der oder  die nur wenig geeignet erscheint. Nicht selten also auch mangels Alternativen. Das befreit euch aber nicht von der Verantwortung – im Gegenteil. Wäret ihr tatsächlich die besten für den Job hätten wir lediglich ein besseres Gefühl bei der Sache.

Jedes mal, wenn ihr in diesen Teich spuckt, tragen die Wellen euer Wort bis an den kleinsten Flecken Küste. Dabei ist es in der Tag egal, wie weit über dem Teich ihr euch wähnt. Und denkt mal darüber nach, um welchen Faktor euer Job einfacher wäre, wenn ihr die Verantwortung für euer Handeln an den Bedürfnissen eures Volkes ausrichten würdet. Klar, euer Bankkonten wären nicht gar so gut gefüllt und eure Zukunft nicht gar so watteweich eingerollt – aber wir bezahlen eure Arbeit ja auch nicht zu eurem Vergnügen, sondern zur Sicherung unserer Zukunft. Das sollte euch unbedingt klar sein, bevor ihr an der Weggabelung “Politik <> freie Wirtschaft” eine Entscheidung fällt. Aber selbst wenn es das nicht war – Zeit zum Umdenken ist immer. Nur müsst ihr damit natürlich einst beginnen…

Das seltsame Vertrauensverhältnis

neulich haben sich ein paar Banken von der EZB 500.000.000.000,- Euro geliehen. Zum Zinssatz von jährlich 1%.
Gut, 1% von einer halben Billion Euro ist immer noch ne Stange Geld (5 Mrd um präzise zu sein, also fünftausend Millionen) – andererseits weiß man ja, dass Banken einerseits offenbar gut wirtschaften können (anders sind die auch in düsteren Zeiten gezahlten Prämien einfach nicht zu erklären – die Kreation von alternativen Erklärungen dazu überlasse ich mal meinen Lesern…) und das eine % mehr oder weniger “aus dem Handgelenk schütteln” werden. Jedenfalls solange alles gut geht. Jede der partizipierenden 523 Banken könnte demnach im Schnitt 956 Millionen Euro weiterverleihen und Umsatz und Gewinn generieren (oder die Kohle einfach verbrennen, so etwas soll’s ja auch geben…). Das sind dann garantierte 5.000.000.000€ Einnahmen jährlich – besser den Spatz in der Hand… Klar, Griechenland kann man damit nicht “retten” und den europäischen Schuldenberg trägt es auch nicht ab – aber immerhin, es pumpt “Vertrauen in den Markt”. Was immer sich auch in dieser Worthülse verstecken mag…

Was war der %-Satz den ihr bekommen habt, als ihr euren letzten Kredit angefragt habt? 5,5% für eine Immobilie, 6,5% für ein Auto, 8% für ein paar tolle Weihnachtsgeschenke und 13% für spontane Gelegenheiten als Dispositionskredit? Gut, Wulff hat besonders gut ‘verhandelt’ und bekommt 4%, in dem Fall sogar ganz ohne eine Sicherheit zu hinterlegen (wann ist euch das zuletzt passiert? nie? Haus, Auto, Diamantenring gehört alles noch der Bank? Gibt’s doch gar nicht…) – aber das ist halt auch kein Maßstab – in einer Zeit, in der Korruption salonfähig gemacht wird, sind eben manche Vertragspartner nützlicher als andere.
Auf der anderen Seite der gleichen Medaille – wer hat denn erst kürzlich die Lehman Brothers ‘gerettet’? Wer hat erst kürzlich die Hypo Real Estate, die kfw, Goldman Sachs, Fannie Mae, IKB, UniCredit und, und, und ‘gerettet’ – auf die eine oder andere Weise beschützt, gestützt, getragen? Ja richtig, der Steuerzahler war’s. Oder andere Banken. Jedenfalls auf Umwegen. Und wieso? Weil im Jahr 2011 90% des weltweiten Finanzvolumens nicht mehr auf Barreserven zurückzuführen ist, sondern lediglich auf Versprechen, Zusagen, Verbindlichkeiten und Forderungen. Wenn diese Spinner an den Börsen also ihre sonderbaren Geschäfte betreiben. jonglieren sie in 9 von 10 Fällen mit Geld, das niemals ausgezahlt werden könnte, sollte mal jemand auf die kranke Idee kommen, das zu versuchen…
Und diesen Unternehmen, die mit Dingen handeln, die gar nicht existieren und sich immer neue Konstrukte ausdenken, diese annähernd wertlosen Papiere weiter aufzuwerten um sich dann, wenn alles im Arsch ist, von unseren Steuern auffangen zu lassen – natürlich nicht ohne sich vor- während und nachher noch stattliche Prämien von dem Rettungsschirm abzuzwacken, erwarten von mir, einem bescheidenen aber stets zuverlässigen und chronisch im Dispo hängenden (und damit umso lukrativeren) Kunden ein halbes Dutzend Sicherheiten für einen winzigen Kredit der dann auch noch mit beschissenem Zinssatz herabgewürdigt wird?

Eigentlich sollte es umgekehrt laufen.
Alleine dafür, dass wir, die Steuerzahler, nicht aufstehen und jeden dieser Börsenspinner aufknüpfen um mal zu sehen, wie entspannt die Weltwirtschaft wäre, wenn nicht dauernd irgendein Holzkopf auf ein Stück Papier zeigen würde und einen vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Wert für den Fetzen ausloben würde (den dann ein anderer Holzkopf bezahlt…), sollten die Banken sich darum reißen müssen, einen Kunden zu binden. Tatsache ist aber, dass Geschäfte mit normalsterblichen Kunden nur Brot- und Buttergeschäfte für die meisten Banken sind. Muss man machen, muss man aber nicht gerne machen. Und macht man deshalb auch nicht so gerne. Und der Witz ist: Das gesamte, instabile Konstrukt würde auch ohne uns funktionieren. Oder nicht funktionieren. Jedenfalls so gut wie bisher funktionieren. Skurril. Gesegnet sind die, die da durchsteigen. In Zeiten, in denen Geld alles bedeutet ist es von unschätzbarem Wert, einen Weg zu kennen, aus Nix viel davon zu generieren…

Auch nicht ganz uninteressant wäre mal die Beantwortung der Frage, woher die EZB eigentlich 500.000.000.000€ nimmt. Ein Blick auf mein Konto könnte vielleicht einen Hinweis liefern. Dort zahle ich indes 13% derzeit – das % von der EZB wird mir aber nicht etwa erstattet…
So schließt sich denn der Kreis. Unser Geld ist gar nie verloren. Es findet mittelfristig wieder den Weg zurück auf unsere Konten. Dass daran vorrangig die Zwischenhändler verdienen – faszinierend.
Wenn ich so drüber schreibe besorgt es mich Moment um Moment immer mehr, wie wenig ich von dem Thema eigentlich verstehe. Wie unglaublich komplex die Konstruktion aus Ratingagenturen, Banken, Versicherern, Staaten und global Playern ist lässt mich doch irgendwie ratlos zurück.