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Was wählen die denn da??

Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese ganze USA-Wahl-Geschichte 2016 manipuliert ist.

Die Demokraten schicken, nachdem sie 8 Jahre halbwegs souverän und halbwegs sozial regiert haben, Hillary “lass mal noch n paar Drohnen losschicken” Clinton ins Rennen. Die disqualifiziert sich noch lange vor der endgültigen Festlegung auf sie als Kandidatin selbst indem man ihr mittels gehackter (?) Mails nachweisen kann, dass sie offenbar den Finger permanent am Abzug hat und wenig zimperlich ist, selbst im Innern. Dennoch gewinnt sie die Wahl gegen Bernie Sanders vollkommen lässig.

Die Republikaner schicken Trump ins Rennen. Der disqualifiziert sich jeden Tag aufs Neue – nicht nur politisch, sondern auch menschlich. Eigentlich gibt’s keine peer group mehr, die er noch nicht durch den Kakao gezogen hat – abgesehen von männlichen weißen Arbeitern vielleicht. Das kann man natürlich vorher wissen, insbesondere wenn man die republikanische Partei ist und abzuschätzen in der Lage sein sollte, wen man da unterstützt. Doch Trump kegelt im Vorfeld aussichtsreiche Kandidaten wie Jeb Bush, Ted Cruz oder Marco Rubio scheinbar mühelos aus dem Rennen. Heute kann man dem Mann keine zwanzig Sekunden zuhören, ohne dass man sich für ihn fremdschämt – so als Angehöriger der Gattung Mensch. Ich habe auch meine Zweifel, dass der sich von seiner Partei lenken lässt. So blöd können die Republikaner nicht sein, dass sie denken, dass Trump eine prima Strohpuppe abgeben würde.

Die Republikaner müssen doch wissen, dass sie damit keinen Stich landen werden. Sie werden hinterher hingehen und halt sagen, dass man selbst ja auch wild getäuscht wurde, dass ihnen das unendlich peinlich ist und sie ihren nächsten Kandidaten besser auswählen werden. In der Zwischenzeit wird Clinton ein halbes Dutzend Kriege irgendwo starten und die USA gegenüber NATO und Brüssel international (weiter…) in Diskredit bringen. Innenpolitisch wird sie die Divergenz, die das Land derzeit spaltet, wieder in Pre-Obama-Zeiten führen – großflächige Unzufriedenheit im Lähmungszustand statt brandherdartigem Aufruhr hier und da. Die Republikaner werden beides verwenden um nach der Hälfte der Amtszeit die Demokraten auseinanderzunehmen und einen neuen, lähmenden Kandidaten in die Spur schicken, die Hexe vom Hof zu heugabeln.
Mir stellen sich ja ein paar generelle Fragen: Wieso erst jetzt? Hillary Clinton wird gegenüber dem Volk schwieriger zu attackieren sein als Obama. Ihre internationale Härte wird noch brutaler sein (darauf stehen “die Amis”), innenpolitisch wird sie sich ungeliebte (aber nachhaltige…) Themen vom Hals schaffen oder zumindest Obama in die Schuhe schieben. Sie versammelt eine bisher stark unterschätzte Wählergemeinschaft qua Geburt hinter sich (wobei, das galt auch für Obama) und kommt aus einer politisch einflussreichen Kaste. Gut, andererseits kann man dann in 20 Jahren, wenn die Amerikaner merken, dass Pflicht-Krankenversicherungen was ganz tolles sind, sagen, man habe das nicht nur nicht verhindert, sondern Obama während dessen Regentschaft sogar unterstützt und die Themen damit befördert. Das Scheitern von TTIP, ACTA und wie sie alle heißen kann man so auch noch abwarten und den Demokraten reindrücken, solange halt noch ein(e) Demokrat(in) am Steuer sitzt. Aber so langfristig pflegen Politiker tendenziell nicht zu denken. Der persönliche und kurzfristige Erfolg ist, wenn man mal so objektiv draufguckt, oft wichtiger als die langfristige, strategische Planung. Das alleine kann es also nicht sein. Mangelt(e) es vielleicht an geeigneten Kandidaten? Ich meine klar, mit Trump hätte man Obama vor vier Jahren nicht beikommen können. Aber mit Bush durchaus. Oder mit Cruz vielleicht.

Wie gewohnt sind die anderen Parteien wirkungslos und haben durch die laufende Wahl auch nicht einen Zentimeter Land gewonnen. An dieser Stelle frage ich mich dann aber durchaus: Wieso eigentlich nicht? Also so aus der Ferne betrachtet ist, abgesehen von Bernie Sanders, kein Kandidat bei den Republikanern oder Demokraten gewesen, den man aus objektiven Gesichtspunkten hätte zur Wahl zulassen dürfen. Bei den anderen Parteien kann ich das nicht beurteilen, aber es ist kaum zu glauben, dass bei drei Parteien und einer unabhängigen Kandidatur niemand dabei sein soll, der oder die, verglichen mit Trump oder Clinton, eine Alternative darstellt? Nun ist halt auch klar, dass die anderen Parteien zu unterstützen als verschenkte Stimme gilt, was es natürlich schwieriger macht, sich dafür zu begeistern. Aber bei der Auswahl… Da lohnt doch mal ein Blick ins andere Lager?

Also mir kommt das sonderbar vor. Trump ist kein Politiker, Clinton eher so etwas wie Luzifer. Beide sind innen- und außenpolitisch eine Gefahr. Sowohl für ihre Parteien, als auch für Amerika. Ich habe mehr und mehr den Eindruck, dass es bei der Wahl gar nicht um Politik geht. Eher um Entertainment. Die letzten acht Jahre hatte ich den Eindruck, Politik sei durchaus die Liga des weißen Hauses. Inzwischen bezweifle ich das wieder. Ich bin wirklich gespannt, wohin uns das führt, was hier grade vorbereitet wird.

Wenn ich was ganz offensichtliches übersehen habe, freue ich mich über jede neue Erkenntnis, die ihr bei mir generieren könnt ;o)