Harmoniebedürfnis

Neulich. Ich saß mit meiner Kollegin im Büro, wir fachsimpeln. Irgendwo im Geek-News-Stream fällt die Meldung auf, dass die DHL künftig auch in die Kofferräume der Autos teilnehmender Testkunden liefern wird. Das Ganze funktioniert in etwa so: Kunde bestellt was, sucht sich einen Liefertermin aus, gibt als Lieferadresse das ungefähre Gebiet an, in dem der Wagen zum vereinbarten Zeitpunkt stehen wird und bestellt. Mit der Bestellung wird dem Lieferanten eine Art digitaler Einmalschlüssel übergeben, der einzig zum Kofferraum passt und nach der Verwendung verfällt. Der Kofferraum verriegelt sich nach der Transaktion (“Fahrer schmeißt Paket ins Auto”) selbst und der Prozess wird mit einer Mail an den Empfänger des Pakets quittiert. Irgendwie cool. Sollte man meinen. Wir sind beide ITler und so schließt sich der positiven Beantwortung der Frage “Möchtest Du eigentlich Pakete in Deinen Kofferraum geliefert bekommen?” (Ja auf jeden Fall. Wie geil ist das denn bitte?) automatisch die Befürchtung an: “Und was, wenn das missbraucht wird?”

Ich möchte jetzt gar nicht auf die unzähligen Möglichkeiten hinweisen, die einem da so zum missbrauchen zur Verfügung stehen – mir hat diese konsequente Sorge, dass es jemand missbrauchen könnte, eher so aus sozialer Sicht die Nackenhaare aufgestellt. Wir sind eine Gesellschaft des Misstrauens und der Angst, eine Spezies von Raubtieren und am Punkt in unserer Evolution, an dem wir uns lieber gegenseitig beklauen und erschießen, als uns einträchtig und friedlich Samstagnachmittags zum Grillen im Park zu verabreden. Permanent müssen wir Angst haben, dass uns jemand das Portemonnaie aus der Tasche zieht, dass einem das Fahrrad gestohlen wird, der Lack vom Auto zerkratzt wird, man vor ne U-Bahn gestoßen wird, jemand in die eigenen vier Wände einsteigt und das Tafelsilber entwendet. Man hat nirgends (mehr) Sicherheit – das gute Gefühl, sich um nichts Sorgen machen zu müssen. Überall lauern Halunken, Diebe, Mörder. Ständig will einem jemand ans Geld, die Tugenden oder die Wäsche.
Dieser Gedanke ist zutiefst deprimierend. Wir, die hochentwickelte Rasse, die Leute zum Mond schießen kann, die versteht wie Regenbögen funktionieren, die in einem Buch erfasst haben, wie die größte Pizza der Welt aussieht und was die längste Strecke ist, die je ein Mensch unter Wasser gelaufen ist – wir schaffen es nicht mal, uns gegenseitig so viel Respekt entgegen zu bringen dass wir für das Unterlassen von Hilfeleistungen sogar Strafbestände einführen müssen. Es gibt für jeden erdenklichen Kram Schilder in diesem Land. Tu dies nicht, mach das nicht, unterlass das. Wieso gibt es die? Wieso muss man das überschreiten der roten Ampel unter Strafe stellen? Wenn Rot, dann haben andere Grün. Respektiert das. Würde das jeder respektieren, könnte man sogar komplett ohne Probleme auch bei roter Ampel die Straße überqueren – nämlich immer dann, wenn die Grünhaber dabei nicht behindert werden. Stattdessen ist mal einer bei Rot rüber, einer der Grün hatte musste Notbremsen und schon gibt’s einen Grund, das Bei-Rot-Laufen zu bestrafen. Wieso kann ich mein Rad nicht einfach auf die Straße stellen? Wieso muss ich mir vom Händler sagen lassen, dass ich das mal tunlichst vermeiden sollte – selbst wenn es angeschlossen ist. “Die kommen notfalls mit der Kreissäge, halbieren das Rad und nehmen den Teil mit, der dann nicht mehr angeschlossen ist”. Einfach nur weil da der teure, wertvolle Kram dran ist. Wieso muss ich ein Kensington-Schloss für mein Notebook kaufen? Wenn es irgendwo rumsteht und jemand anderes sieht es – ja dann ist es doch noch immer mein Notebook? Wieso ist es, ausreichend kriminelle Energie voraussetzend, ein total anzunehmender Fall, dass das Notebook geklaut wird?

Ich habe als Grundschüler mal eine Lesehilfe aus der Nachbarklasse entwendet. War so ein gelber Plastikständer. Es kam raus, ich war fortan eine Woche lang der Arsch vom Dienst. Ja und danach hab ich auch noch hier und da Unsinn gemacht. Aber dieser Plastikständer war das erste, woran ich mich erinnere. Das war nicht meins. Wieso habe ich es mir genommen, wo es mir doch nicht gehört hat? Wieso ist diese Gesellschaft schon für die Kleinsten – die Grundschüler, die Kinder – ein Ort und eine Umgebung, in der wir lernen, dass ich alles darf – nur bei manchem darf ich mich halt nicht erwischen lassen. Das alleine ist doch schon falsch. Natürlich habe ich mir das nicht ausgedacht. Es wurde mir vorgelebt. Wenn Du etwas willst, nimm es Dir. Gehört es Dir nicht, nimm es Dir und verschleiere, wo es herkommt. Das ist ein total akzeptiertes Verhalten in dieser Gesellschaft. Wieso?

Ich find’s traurig, dass wir uns bei jeder innovativen Idee und Entwicklung (inzwischen?) die Frage stellen müssen, wie man es missbrauchen kann. Nicht etwa, weil’s zum “Big Picture” und der vollumfänglichen Betrachtung gehört – sondern weil zweifelsfrei jemand hingehen wird und es missbrauchen wird. Widerlich. Ich würde lieber an einem Ort und in einer Zeit leben, in der ich mich drauf verlassen könnte, dass wenn ich mal irgendwo was vergesse, es nicht direkt Minuten später den Besitzer wechselt. Ich würde wahnsinnig gerne meine Wohnung nicht mehr abschließen müssen. Oder Nachts um 2 die Straßenseite wechseln müssen, weil mir ein paar Leute entgegenkommen. Im Fußballstadion beim Auswärtsspiel ohne Polizeischutz das Spiel genießen. Jede Religion (und gerne auch keine) gut finden dürfen, die mir beliebt. Und wenn mir danach ist, in den Reichstag zu latschen und nem Politiker die Meinung zu geigen, will ich nicht am Sicherheitswall vor dem Gebäude auflaufen. Ich bin nicht sicher, ob das die Welt ist, die wir unseren Nachfahren hinterlassen wollen…

Relationen III

Vorab: Dieser Text ist eine Reaktion auf diesen Kommentar – ich halte ihn aber angesichts der Vielfältigkeit für hinreichend prominent, ihm eine eigene Bühne zu geben :)
Eventuelle textliche Unklarheiten, verwirrende Querbezüge oder dergleichen ergeben sich also auf jeden Fall nach der Lektüre des o.a. Kommentars, der sich seinerseits erst nach der Lektüre des zugehörigen Artikels vollends klärt.

Im April 2014 entführt Boko Haram mehr als 200 Mädchen in Nigeria. Anschließend entsteht eine Bewegung der Anteilnahme, es werden Facebookseiten erstellt und es wird international um Unterstützung gebeten. Von Medien(vertretern), Aktivist(inn)en, Politikern, Prominenten. Die Geschichte geriet in die Mühlen der Ermüdung – heute drückt der Newsstream der zugehörigen Website eher Resignation aus als den unbedingten Willen, gegen diese Greueltaten wenigstens mit typisch westlich-konservativem Mahnwache-Stehen Wiederstand anzuzeigen.
Dieser Blickwinkel soll klarmachen, dass in der Welt durchaus auch über Nigeria berichtet wird [– wenn’s grad nichts wichtigeres im Fernsehen gibt].
Beim eröffnenden Beitrag ging es die Relation zwischen der Aktion in Form von Gewalt (Frankreich vs Nigeria) unter Berücksichtigung des Bezugs hinter der Gewalt (Angriff auf die Meinungsfreiheit [in westlichen Ländern] vs Despot in einem weitgehend unbeachteten Teil der Welt) zur Reaktion der (westlichen) Welt. Ich habe nun ne ganze Reihe Tiraden ent- und verworfen, habe Texte geschrieben und entsorgt. Ich denke, letztlich genügt ein Link, um nochmal zu verdeutlichen, worauf ich hinaus wollte…
Dem folgend habe ich beim ersten Lesen an den Text an dieser Stelle folgende Notiz geheftet, die ich hier gerne ungefiltert einrücken möchte:

Wundervolles Beispiel für Relationen (und damit den Aufhänger für den ursprünglichen Beitrag):
1. Sind „Gefällt mir“-Angaben kein Massstab für mediales Interesse – Beispiele gibt’s ja in der Breite: „Die Partei“ – 178k Likes. Netzpolitik.org – 30k Likes. Foodwatch – 260k Likes. Abgeordnetenwatch: 35k Likes.
Und 2. Sagt ja niemand, dass nicht über Boko Haram berichtet worden wäre, wenn nicht zufällig kurz zuvor in Frankreich eine Schießerei gewesen wäre. Plus: Massenmorden in Nigeria erreicht nicht einmal im Ansatz einen so breiten Strauß an Forderungen nach verstärkter innerer Sicherheit wie es ein Anschlag im Nachbarland tut – auf eine Satirezeitschrift. Die mal Mohamed-Karikaturen gemalt hat. Und jetzt von Islamisten dafür angegriffen wurde.

Wenn übrigens einige dieser Zahlen nicht hoch erscheinen, obwohl ihre Interessen jeden Bürger dieses Landes tangieren, liegt das auf jeden Fall am verschlossenen zweiten Auge – aber es ist Aufgabe von freien, gebührenfinanzierten Medien, diese Wissenslücken zu schließen. Dass man sich heute selbst am Informationspool bedienen kann, entbindet die Presse nicht davon, diese Stimme der Unabhängigkeit und der Unkäuflichkeit zu sein – im Gegenteil, es zementiert diesen Anspruch sogar noch. Denn in einer Welt, in der jeder esoterische Aluhutträger seine Thesen ungeprüft in die Welt pusten darf, muss ein Zusammenschluss aus unabhängigen Faktenprüfern Gewehr bei Fuß stehen, diesem Informationsejakulat Einhalt zu gebieten

ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass

es ist zutiefst menschlich, seinen Fokus in dieser Welt der Überbelichtung den neuen Signalfeuern zuzuwenden – andernfalls drohen wir, um bei diesem Bildnis zu bleiben, beim Kampf gegen eine Windmühle Schiffbruch zu erleiden, neben der zig tausende andere unsere Freiheit auf unterschiedlichste Weise bedrohen…

Stichwort “diabolische Verschwörung der westlichen Medien” – ist es so, dass Medien gezielt Falschinformationen streuen, um die Horden Tunnelblickleser in Schach zu halten? Der Kommentar entbindet die Medien von ihrer Verantwortung, übergibt sie dem Leser, Zuschauer, Zuhörer, Konsumenten – der entscheidet ja noch immer darüber, wie stark er manipuliert wird.
Das ist meiner Meinung nach wenigstens teilweise nicht weit genug gedacht. Wie kommt es denn, dass die Berichterstattung zur Krim von den öffentlich-rechtlichen (die qua Definition keinerlei kommerziellen Zwängen unterworfen sind) wochenlang so einseitig war, dass sie sich hinterher selbst weitgehend revidieren mussten – natürlich erst, nachdem sich die Mehrheit der Deutschen neuen Problemen zugewandt hat und natürlich auch nur mittels eines Protokollresümees des Programmbeirats. Wie naiv anzunehmen, dass der durchschnittlich talentierte [und interessierte] Deutsche jede Aussage einer jeden Tageszeitung kritisch hinterfragen muss um sich letztlich selbst auf die Suche nach “wahrer” Information zu begeben. Genau dafür kaufen die Menschen ja Zeitungen und schauen die Tagesthemen: Weil’s einen Berufsstand und eine Institution gibt, der sich dafür bezahlen lässt, diese Aufgabe zu übernehmen und den daraus entstehenden Informationswust gehirngerecht aufzubereiten. Ich würde also eher sagen, dass die Verantwortung für die Aufbereitung UND die Recherche von Fakten zum Weltgeschehen (im Großen wie im Kleinen) dem Berufsstand obliegt, der das mal gelernt hat. Zur ethischen Grundvoraussetzung dieses Berufsstandes sollte meiner Meinung nach unbedingt zählen, dass man seine Informationsempfänger nicht über den Nuckel schubst, nur weil die besseres zu tun haben, als das eigene Treiben zu recherchieren. Dass es anders ist, zeigt ja nur, wie beschädigt der Beruf des “Journalisten” inzwischen ist. Auch an dieser Stelle wieder ein von mir direkt nach dem Lesen eingebundene Kommentare zum Thema:

Nope [es steckt nicht eine diabolische Verschwörung der westlichen Medien hinter der mangelnden Berichterstattung über Boko Haram, Erg. d. Verf.]. Die Medien sind ja nur ein Puzzleteil. Der NSU-Prozess ist doch eine ganz hilfreiche Größe beim Ermessen vom Einfluss von sogenannten „Verfassungsschutzorganen“ auf lebensverkürzende Maßnahmen von Bürgern. Oder nehmen wir das, was Snowden über die NSA zu berichten weiß. Die Augen davor zu verschließen, dass es auch im Innern Feinde der Freiheit und der Gesellschaft gibt, ist so bequem wie fatal. „Terrorismus“ grenzt ja ärgerlicherweise das „den mussten wir jetzt umlegen, der war ein Problem – mfg, Ihre CIA“-Phänomen aus.

Will sagen: Nee, die Verschwörung reicht tiefer. Und es ist eigentlich auch keine Verschwörung. Verschwörungen versuchen, unerkannt zu bleiben. Dass in der westlichen Welt eher auffällig fehlinformiert als unterschwellig manipuliert wird, sollte spätestens, aber wirklich allerspätestens, klar sein, nachdem die Welt weiß, wie stark Saddam Hussein mit 9/11 in Verbindung stand und was daraus folgte, dass das den Amis scheissegal war…

Stecken die westlichen Medien demnach unter einer Decke mit der politischen Klasse um die Verblödung der Menschen voranzutreiben […]”?

Eindeutig ja. Anders ist es nicht zu erklären, dass die wesentlichen Informationen inzwischen nur noch von freuen Journalisten, Bloggern und „Menschen wie Du und ich“ an die Öffentlichkeit dringen – wo doch der komplette Berufsstand hier sowohl ein Identitäts- als auch ein Glaubhaftigkeitsproblem hat. Statt sich aber um den Bedarf der Menschen nach Informationen zu kümmern, verliert man sich im Grabenkampf mit Google um das Leistungsschutzrecht – was für ein fahrlässiges Signal ist das denn bitte an die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes?

Ich könnte jetzt hier einen Monat lang gestreute Fehlinformationen und anschließende “Richtigstellungen”, “Korrekturen”, “Faktenchecks”, “Enttarnungen” etc aufzählen – aber wer nicht komplett blind durch’s Leben geht, findet die selber. Mir fallen täglich mehrere davon in den Schoß…

Und damit kommen wir zur “herrschenden Rasse” – zu den Raubtieren unter den Menschen. Den Einflussnehmern, den Puppenspielern, den High-Rollern. Das es sie gibt, ist unbestritten. Aber dann folgt: “Die Logik diktiert, dass diese Familien und Firmen an solch einer globalen Verschwörung gegen die Freiheit beteiligt”.
Puuh. Starker Tobak. Nee. Soweit würde ich nicht gehen. Mein erster Impuls beim Lesen war dies:

Nee. Aber sie diktiert, dass diese Personengruppe ihre Privilegien zu erhalten versucht. Da steckt kein Vorwurf drin – es sind halt Raubtiere…

Das mag im einen oder anderen Fall zusammenzugehören – aber ich sehe hier nicht zwangsweise Verbindungen wo vielleicht keine sind. Es gibt auch Visionäre. Es gibt auch schlicht geniale Menschen. Und manche von denen machen ihre Genialität zu Geld. Dass im markwirtschaftlich geprägten 21. Jahrhundert der Gewinn von wenigen immer zum Verlust von vielen führt würde ich hier nicht mal als ignoriertes Problem betrachten, und noch weniger als Kalkül. Es ist eher eine Folge der Wirtschaftspolitik, der wir uns unterwerfen (und an dem Punkt stimme ich btw weitgehend zu: Das Konsumverhalten der Mittelschicht IST das entscheidende Kriterium für die Richtungswechsel eben dieser Wirtschaftspolitik). Zu dem Stichwort auch noch eine Notiz:

Das eine (Steuern sparen) hat mit dem anderen (Macht erhalten) sicherlich zu tun, aber diese Punkte muss man dennoch trennen. Ganz ohne Zweifel ist Geld ein Mittel zur Macht – aber es gibt weitere (Wissen, Beziehungen, Patente u.v.m.). Die Bestrebungen der elitären Kaste sich nicht verdrängen zu lassen haben nur am Rande mit Steueroasen zu tun. Aber richtig ist auch: Steuermodelle zur Vermehrung von Vermögen stehen dem Mittelstand [praktisch] nicht zur Verfügung. Wieso ist das so?

Also nein, Steve Jobs ist nicht der Teufel in Person. Bill Gates auch nicht. Nicht mal die Rockefellers. Oder die Kennedys. Es ist eher so, dass manche dieser Personen(-gruppen) bereit sind, für die Erhaltung ihrer Privilegien über Leichen zu gehen… Das macht sie eben zu den angesprochenen Raubtieren…
Daran unmittelbar anschließend: “Wie ungerecht ist doch diese Welt, wo Sie, liebe Leser, als brave, unbescholtene und unschuldige Bürger gezwungen sind, einen beachtlichen Anteil des von Ihnen erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen”.
Tjo. Mein erster Gedanke dazu war:

Zuviel Sarkasmus ;) Die Welt ist nicht ungerecht zu „braven, unbescholtenen und unschuldigen Bürgern“ – sie ist ungerecht zu jedem. Aber das heißt nicht, dass man die Augen davor verschließen sollte, dass global agierende Unternehmen ihre Gewinne in dem Land versteuern, in dem es ihnen grade passt. In einer perfekten Welt versteuern sie sie dort, wo sie anfallen. Zu den Konditionen, die dort vorliegen – denn die steuern weitgehend den dort vorhandenen Lebensstandard – marktwirtschaftlich ist das abziehen von Geld aus dem Umlauf eines der schlimmsten Dinge, die einer gesunden Wirtschaft passieren können. Diese Unternehmen tun aber genau das, zum eigenen Vorteil und ohne Rücksicht auf Verluste. Und diese Möglichkeiten zur „Optimierung“ von Gesellschaftskapital stehen eben NICHT dem [blubb, s.o.] Bürger zur Verfügung. Klar ist, dahin kann man ja kommen, es ist eine Frage von Engagement und Aufwand, den man zu betreiben bereit ist (das betrifft Kapital – nicht Macht, dazu später noch mehr). Aber dorthin zu gelangen ist halt eine moralische Falle (und eine Frage der Bequemlichkeit…)

Ist es etwa bereits durch den Kreis der Verschwörer festgelegt, wer in diesen elitären Verschwörerkreis aufgenommen

Ja. Einfach nur Ja. Das bestreitet ja nicht mal jemand der dazugehört ernsthaft…

Am schönsten kann man das bei Studentenverbindungen in den USA beobachten. Mitglied einer Studentenverbindung wird man, indem man sich zutiefst demütigend unterwirft. Es genügt aber auch einfach der Sohn eines Senators zu sein, um beizutreten. Natürlich wird der Grundstein dazu schon wesentlich früher gelegt (Stichwort private Grundschulen und vermutlich sogar noch davor) – und der Prozess transportiert lediglich eine einzige Aussage: Du bist besser. Legitim, dass Eltern aus ihren Sprösslingen ebenfalls elitäre Menschen machen wollen – wenn man erst mal weiß, wie das geht, wird man die damit einhergehenden Privilegien zu genießen wissen. Und abgesehen von der eigenen Brut wird man einen Teufel tun, mit anderen zu teilen – zumal damit die Gefahr wächst, dass das eigene Kuchenstück umso kleiner wird, je mehr in diesen Kreis gelangen.
Es kommt dann die Frage auf, ob “Barack Obama […] von einem Gremium der Verschwörer zum Präsidenten der USA bestimmt [wurde]”.
Ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht. Wieso sollte man daran zweifeln? Ist ja nicht so, dass Obama nicht Mitglied einer Partei gewesen ist, der er sich von Tag eins an untergeordnet hat. Ja selbstverständlich ist er das Produkt von Entscheidungen im Parteienumfeld (in dem wiederum Lobbyisten und Einflussnehmer ihre eigenen Entscheidungen treffen dürfen und ihren eigenen Einfluss nehmen – das ist hinlänglich klar und ja wohl unzweifelhaft?) – und mit diesen Entscheidungen gehen auch Verpflichtungen und Verbindlichkeiten einher. Der Vergleich mit Lucky Luciano hat mich damals zu dieser Notiz verleitet:

Was ist daran so schwer zu glauben? Natürlich ermöglichen westliche Wertesysteme den Zugang – theoretisch. Aber frag Dich doch einmal, wieso es in den relevanten westlichen Demokratien beinahe ausschließlich Angehörige eines kleinen elitären Kreises Nachwuchs in diesen Kreisen erzeugen? „Scheisse tropft nach unten“ sagte mal einer meiner Ausbilder vor einigen Jahren. Das ist natürlich richtig, aber nur ein kleiner Ausschnitt. Zoomt man raus, sieht man, dass von oben halt dann geschissen werden muss, damit das unten tropfen kann…

Dann folgt eine Beweiskette, die letztlich auf dem wackeligsten aller möglichen Beine steht – “Wie machen Medien ihr Geld? Werbung”. Dazu direkt und ungefiltert meine Notiz von damals:

Falsch und ein fataler Irrglaube. Unabhängige Medien [in Deutschland] werden über Gebühren finanziert. Dass der ganze dazugehörige Komplex grade implodiert und eben nicht funktioniert ändert nichts an der ursprünglichen Idee: Sich [an den Markt] zu binden um bestmögliche Konditionen fürs Marketing zu erhaschen krankt ja an der Vereinbarkeit mit Unabhängigkeit. Genau deshalb gibt es ja zentral finanzierte, vermeintlich unabhängige Medienhäuser. Und was tun die? Sich im 24h-Rhythmus entschuldigen, dass ihre Berichterstattung hier und dort zu einseitig und unvollständig war. Natürlich tun sie das erst nach einem anständigen Shitstorm über eben jene Berichterstattung.
Unbedingt erwähnt werden muss auch die digitale Boheme, die sich eben so lange finanziell unabhängig machen kann, bis sie zu groß wird und vom Markt aufgesaugt wird. Alles darunter mag rhetorisch und journalistisch fragwürdig sein, übertrifft den Genauigkeitsgrad der bezahlten Medien aber um Lichtjahre. Wieso ist das denn bitte so? Wieso berichten aus Krisengebieten Twitterer statt Korrespondenten? Fragt euch doch mal, wieso Kinder Krieg so toll finden – weil er ihnen jahrelang in medienreiner Form dargeboten wird. Würde Krieg als das dargestellt werden, was er ist, fände die niemand mehr erstrebenswert. Und das Gute ist: In Zeiten von Twitter und Facebook gibt es das. Es wird nur ignoriert wo es multipliziert werden könnte – in der Presse. Bringt uns zurück zu „jeder kann sich ja selbst informieren“ – das ist auch so. Aber das sprengt das Konzept der bezahlten Medien. Ergo gibt’s von dort eine Nebelkerze nach der anderen, um die verbliebenen Leser und Zuhörer bei der Stange zu halten. Hauptsache groß, bunt und blöd – „Bauer sucht Frau“ als Teil der unmittelbaren Verblödungsstrategie – ganz genau. Damit möchte ich nicht mal unbedingt sagen, dass der Zugang erschwert wird. Aber die Manipulation von Konsumenten ist praktisch das Butter-und-Brot-Geschäft von Medienhäusern. Informationen interessengerecht aufzubereiten ist hier nur eine von vielen Spielwiesen dieses Komplexes.
Zur Verdeutlichung: Es gab vor Jahren mal Werbung im Kino und im Fernsehen, die sich an das Unterbewusstsein richtete. Sie wurde nur Sekundebruchteile eingeblendet – das Auge nahm es gar nicht wahr. Hinterher beim Einkaufen erinnerte sich aber ein Teil des Gehirns daran und griff schwuppdiwupp zum beworbenen Produkt.
Zu diesem Ausmaß bereite Manipulationsbereitschaft ist schon aus Prinzip nicht zu trauen. Sie nicht zu konsumieren führt aber nicht zu besserer Qualität. Das Leistungsschutzrecht ist ein wundervolles Beispiel für das komplette Versagen von “Liebesentzug” bei einflussreichen Anstalten. Es führt niemals zur Einsicht oder Besserung. Es führt immer nur zum Anziehen der Daumenschrauben um zu binden, was einst als selbstverständlich galt aber aufgrund von Veränderungen im Lebensumfeld der westlichen Gemeinschaft nun in Gefahr gerät. Auch so ein Beißreflex.
Medien, die sich über Werbung finanzieren, sind nur eine Seite dieser Medaille – wenngleich die relevante, weil ärgerlicherweise marktbeherrschende…

Daran schloss sich an: “Der geistige Dünnschiss, der uns jeden Tag aus den Medien entgegenschlägt ist das Ergebnis unseres eigenen Konsumverhaltens

das seinerseits ist die Folge von dem, was uns in unserer Lethargie hingeworfen wird…Was war zuerst – Henne oder Ei? Wo beginnt der Widerstand gegen diese Form der Beeinflussung? Genau hier… Aber alleine die Anerkennung der Manipulation des Konsumverhaltens werte ich als Zugeständnis an meine Manipulationsvorwürfe gegen die Gestalter dieser Medien ;)

Dann eine Überleitung zur Steuersparpolitik der sogenannten “global player”. Einer bekannten und unerheblichen Erläuterung über die mechanischen Grundlagen der Betriebswirtschaft folgt die Frage, ob denn europäische [Wirtschafts-]politik ans Ziel führen könnte. Und dann der Hinweis, dass die Europäer hier noch Vertrauensdefizite haben: “Je nachdem, welcher Umfrage Sie glauben schenken (wollen), wollen zwischen 27 – 90 Prozent der Deutschen die Deutsche Mark zurück”. Mein Impuls von damals:

Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Die Deutschen wollen „die D-Mark zurück“ weil ihnen das EU-Konzept über den Verstand wächst. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die EU in ihrem Evolutionsprozess vollkommen zurecht Kritik ausgesetzt ist, weil sie eben Entscheidungen trifft, die zu Lasten der Gemeinschaft gehen – und zugunsten von kurzfristigem Erfolg (CETA, TTIP und wie sie alle heißen mal als Prominente Beispiele). Das ist unvereinbar mit dem Verständnis des „kleinen Bürgers“ für volksvertretende Politik. Und dem stimme ich zu, ohne mich der Meinung anschließen zu wollen, die D-Mark wiederhaben zu wollen. Die D-Mark ist ebenso wie die Glühbirne und die Gurke nur ein Symbol.

Und dieses Symbol wiederspricht ja nicht der Wirtschaftspolitik im Einzelnen. Es wiederspricht der Politik im Ganzen. Das heißt aber nicht, dass ordentlich informierte Bürger es gut fänden, wenn sie wüssten, was TTIP für sie bedeuten kann. Es ist nur sehr schwer, zumal unter gänzlichem Verzicht auf Einsicht in die Inhalte, ein “einfaches” Bild dieses Ausmaßes zu zeichnen. Im Grunde ist die Antwort auf jede Frage zu solch riesenhaften Konstrukten wie TTIP (oder europäischer Finanzpolitik) immer entweder “ja, aber” oder “nein, aber” – und an diesem endlosen Strom an Unverbindlichkeiten scheitert irgendwann das ungeschulte Hirn. Und von den >80.000.000 Deutschen haben recht viele ein ungeschultes Hirn für diese Dimension. Und warum ist das so? Naja. Man stelle sich mal vor, TTIP würde in der Breite so diskutiert werden wie die fragwürdige Entscheidung, Thomas Müller erst zur zweiten Halbzeit einzuwechseln. Das funktioniert bei trivialem Scheiss – bei lebensverändernden Maßnahmen auf politischer Ebene KANN das nicht funktionieren. Und erinnern wir uns: Auch Politiker wollen Macht, Geld, Einfluss…

Es folgt die Frage, wer denn “zu Beginn des Wahlkampfes [von Barack Obama] gegen Hillary Clinton gewettet hätte” und ob der Sieg Obamas also entsprechend einem “vorgezeichneten Weg zur Macht” folgte. Hatten wir oben schon, finde ich dennoch nochmal erwähnenswert:

Zu spät eingestiegen. In den USA regiert ein Zwei-Parteien-System. Wie naiv wäre es anzunehmen, dass Geschäftemacher, Politiker, Lobbyisten, Gewerkschaften und einflussreiche Menschen ihre [mediale, informelle und bisweilen nachrichtendienstlichen] Kräfte nicht mobilisieren, um ihre Schachfiguren in diesen Parteien nach eigenem Ermessen zu positionieren. Zu sehr „House of Cards“? Dann empfehle ich ganz dringend mal die Lektüre von, na sagen wir mal exemplarisch, der Dominanz der NRA in den USA. Manipulation und Steuerung dieses Konstruktes beginnt nicht am Tag des Wahlkampfbeginns um die Präsidentschaftswahl – er beginnt mit Einschlagen einer politischen Karriere. Das muss man nicht glauben, aber wie gesagt: ich persönlich halte alles andere für ausgesprochen naiv.

Und nun der große Bogen zum Terrorismus. “Religiöser Terror ist keinesfalls nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf unsere vermeintlichen Kontrollfreaks von Politikern”. Als ich das gelesen habe, hatte ich grade “Die Anstalt” gesehen. Und ich musste unmittelbar daran denken:

Grad erst neulich in „die Anstalt“: Ein Gespräch mit einer Freundin aus Pakistan. Claus von Wagner unterhält sich mit einer Freundin aus Pakistan. Er fragt sie, was denn Länder wie Pakistan gegen den Frieden in Ländern wie Deutschland haben – und wieso es bisweilen vorkomme, dass Radikale aus Pakistan in Ländern wie Deutschland Terror verüben. Die Antwort ist verblüffend (und ja, vermutlich fiktiv):
„Wir haben nichts gegen eure Freiheit. Es ist nur beängstigend, wie eure Freiheit hier ankommt“…und dann blickt sie in den Himmel auf der Suche nach Drohnen…
Der unmittelbare Zusammenhang zwischen westlichem Herrschaftsdenken und der Reaktion nicht dazugehöriger Staaten und Menschengruppen ist ja kein Geheimnis – beispielsweis super hier nachzulesen. Am eindrucksvollsten ist hier die Grafik auf Seite 13 (PDF seite 15). Terrorismus(c) gab es vor 2001 gar nicht…

Also entweder haben wir das früher anders genannt, oder es gibt eine auffällige Steigerung von (islamistischem) Terrorismus seit 2001 (gegen den Westen). Und was war 2001? Exakt… Aber wer weiß, vielleicht ist “Globalisierung” auch einfach nur spät im religiösen Umfeld angekommen. Die sind ja bisweilen schon etwas bequemer als andere Gemeinschaften…

Dem Hinweis, dass man Parteien mit “Liebesentzug” dazu bringen könnte, die eigenen Entscheidungen (in diesem Fall die VDS) sorgsam abzuwägen in Zusammenhang mit der folgenden Aussage: “Bei der Vorratsdatenspeicherung haben wir die Freiheit, die Parteien, die sie umsetzen mit Liebesentzug zu strafen und eine Partei zu wählen, die die Vorratsdatenspeicherung wieder abschafft” möchte ich gerne mit dem Verweis auf die Sektsteuer entgegnen. Das ganze Argument politischer Freiheit in der westlichen Welt ist ja unglaubwürdig. Das gilt natürlich auch bei uns…
Und wenn man dann einfach mal vor Augen lässt, dass sich Terrorismus gegen die westliche Welt erst in den letzten 15 Jahren so richtig wohlfühlt in der Welt, und so richtig entwickeln konnte, wird auch deutlich, dass Terror nicht durch das Wechseln von Politikern entmachtet wird (soweit korrekt), sondern womöglich mit dem Unterlassen kriegerischer Handlungen gegen eben diese Gemeinschaften. Tja, aber das Kind ist im Brunnen und die Gewaltspirale unaufhaltsam. Ich vermute, dass ist jetzt schon längst zu spät.
Abschließen möchte ich mit meinem Impuls auf diesen Auszug: “Letztlich dient der Terror der Abschaffung der Freiheit und der Unterjochung der freien Menschen unter das Joch eines religiösen Weltbildes

Mal abgesehen vom religiösen Weltbild ist das genau das, was in Europa passiert (250 Gesetze gegen den Terror? Wirklich? Bin gespannt auf die Putin-Enthüllungen zu 9/11…).

Relationen

Je suis Charlie. Kennste? Klar kennste das. Immerhin hat sich entweder der Politiker Deines Vertrauens, der Popstar Deines Vertrauens, der Klugscheisser in Deiner Klasse (respektive in Deiner Frühstücksrunde oder am Stammtisch, je nachdem wo Du halt morgens um 10 so rumgammelst) oder gut ein viertel Deiner rund 250 Facebook-Kontakte dazu bekannt, Charlie zu sein.

Haste mal was von Boko Haram gehört? Nein? Nicht mal jüngst? Merkwürdig. Dabei haben die zwei Tage NACH dem Anschlag in Paris, bei dem zwei Polizisten und zehn Mitarbeiter einer Satirezeitschrift getötet wurden, in mindestens elf Dörfern in Nigeria regelrechte Hinrichtungen durchgeführt. Nicht zwei oder drei, so dass man meinen könnte, der „Terrorakt“ in Paris sei schon aus statistischen Gründen populärer. Nicht nur dutzende, und man müsste unterstellen, dass die Nähe zu Frankreich den Ausschlag über die Bedeutung für „unsere westlichen Medien“ gibt. Nein, hunderte. Unbestätigte Meldungen sprechen von 2.000 Toten. Unbestätigt deshalb, weil Boko Haram nicht nur die Menschen in den Dörfern systematisch abschlachtet, sondern weil sie auch gleich noch die Infrastruktur zerlegt haben. Informationen von dort dringen nur schwer und hauptsächlich als Berichte von Betroffenen nach draußen.
Wo sind denn die Freunde dieser Toten? Warum stellt sich niemand auf die Seite der hingerichteten Männer und Frauen, Alter und Kinder? Warum sehe ich keine „Boko Haram muss weg“-Profilbilder bei Facebook?

Im Dezember mal was spannendes aus Pakistan vernommen? Wo Mitglieder der Taliban eine Armeeschule angriffen und 141 Menschen mit gezielten Schüssen töteten? Unter den Toten waren 132 Kinder. Söhne und Töchter von Soldaten und Armeemitgliedern. Ja, damals gab es eine kleine Welle der Anteilnahme in den Medien. Grade groß genug, um in der Vorweihnachtszeit daran zu erinnern, wie gut es uns geht. Aber dann doch nicht groß genug um Millionen und Abermillionen auf die Straßen zu locken, dabei Schilder hochhaltend, die suggerierten, sie wären pakistanische Kinder. Und dass der Anschlag es überhaupt in die Medien geschafft hat kann man relativ getrost der Tatsache überlassen, dass er der IS zugerechnet wird – also dem erklärten Feind des Friedens und der Freiheit der westlichen Welt. Also. Einem der Feinde halt. Die sind ja inzwischen zahlreich. Jedenfalls spielt er den selbsterklärten „Prinzen gegen den Terror“ direkt in die Hände – verdeutlicht er doch kurz vor Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Vielsamkeit und Ruhe, Eintracht und der Gemeinschaft, worum es bei aller Liebe zur Freiheit zu gehen hat für uns: Tod dem Widerstand.

Oder erinnert sich noch jemand an die NSA? Guantanamo und so? Foltern von Gefangenen? An Dick Cheney (der war mal zweitgefährlichster Mann der Erde zweiter Heerführer der gefährlichsten Armee der Welt), wie er sagt, er sorge sich mehr um die entlassenen „bad guys“ als um die, die sein Regime gefoltert hat, obwohl sie sich hinterher als nachweislich unschuldig und nutzlos für die Informationsbeschaffung erwiesen haben? Nein? Ja klar, ein paar Randgruppenberichterstattungen erinnern sich. Aber im Big Picture? Nicht mehr? Aber wer Weltfussballer ist, das weisste, ne?

Sommerloch? Am Arsch. Es regiert das Medienloch. Was nicht gefällt, wird nicht berichtet. Was entweder gänzlich trivial ist oder ganz offenbar politisches Potenzial hat, weitere Persönlichkeitsrechte zu beschneiden oder weitere Grundrechte einzuschränken um die Kontrolle über die Konsumierenden zu behalten, wird großflächig bedient. Klar, Pressefreiheit und so, alles wichtig, will ich gar nicht abstreiten. Ob’s im Namen der Pressefreiheit nun aber Vorratsdatenspeicherung braucht? Kaum. Was es braucht ist Aufklärung. Objektive Berichterstattung darüber, dass nicht jeder, der dem Islam zugehörig ist, automatisch ein Terrorist ist. Der Islam ist eine Religion wie andere auch (egal wie man jetzt zu einer  konkret stehen mag…), und es gibt innerhalb dieser religiösen Mauern eben auch Systemfeinde und Schädlinge, die im Namen dieser Religion und im irre geführten Aberglauben gegen ihre Feindbilder antreten. Diese Sorte Fundamentalist gibt’s aber in jeder Religion (und jeder anderen Organisation dieser Größenordnung)… Damit will ich nicht sagen, dass es keine dem Islam angehörigen (Selbstmord-)Attentäter gibt. Die gibt es. Es gibt aber auch katholische Kinderficker. Und es gibt jüdische Auftragsmörder. Und es gibt atheistische Serienmörder. Alles eine Suppe. Die Zugehörigkeit zu einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft von Glaubensbrüdern und -schwestern substantiiert für niemanden die zu erfahrene Gerechtigkeit im Falle von Aktionen die gegen die Menschlichkeit im Allgemeinen geht.

Und wie um das zu unterstreichen melden sich just zum medienwirksamen Händchenhalten gegen den Terrorismus die Außenminister und Vertreter von Ländern, die in ihren eigenen Ländern Pressefreheit eher als Angebot verstehen und den Grad der erlaubten Kritik an der eigenen Regierung oder deren Handeln als Verhandlungsmasse. Und auch hier gilt, dass nicht etwa ein schwarzes Schaf darunter ist – nein, man muss eher nach den Perlen suchen.
Nun ist die Welt ein schlechter Ort und Politik nunmal ein schmutziges Geschäft. Das alleine stimmt mich nicht mehr nachdenklich, zu hoch ist die Frequenz der Ausreisser in dieser Farce des Märchenlandes, zu abgestumpft ist man inzwischen als mittelmäßig situierter Mittelstandsbürger des westlichen Kapitalismus. Was mich nachdenklich stimmt ist die Frequenz, mit der wir, als Gesellschaft, in diese futuristischen Modelle gezwungen werden. Unbequeme Gesetze werden inzwischen nur noch während Fussballgroßereignissen durchgewunken. Auf unangenehme Enthüllungsgeschichten geheimen Regierungsmaterials folgen lokale Sensationen für die Medien. Heute noch lemmingen wir unseren Twittervorbildern ein „#nobärgida“ nach, morgen schon wird irgendwo ein zweiköpfiger Eisbär geboren. Es ist eine Formel der Trivialität, die sich unsere allzu menschliche Eigenschaft der Bequemlichkeit zunutze macht.
Hast Du Dich niemals gefragt, wie mächtige Politiker mächtige Politiker werden? Oder wieso sich die Welt praktisch gänzlich in der Hand von vielleicht einem Dutzend Familien und Firmen befinden kann? Wie(so) Modelle existieren, die international agierenden Firmen die Gelegenheit einräumen, praktisch ohne nennenswerte Einbußen der in Milliardenhöhe liegenden Gewinne keinerlei Steuern zu bezahlen, wo doch jeder von euch meine lieben Leser, gezwungen ist, einen beachtlichen Anteil des erarbeiteten Geldes an den Staat abzuführen? Die Dimensionen sind dabei ungefähr so dramatisch wie es die Einzigartigkeit der Erde im Vergleich zu den hunderten Millionen Galaxien mit abermillionen anderer Sterne und Planeten da draußen ist. Unser Kopf kann das gar nicht fassen. Weder das eine noch die andere. Klar, wenn wir ein Parkticket für 25€ bekommen, wissen wir, das sind 25€, die sind weg. Bekämen wir eine Steuerbefreiung in Höhe von 500 Mrd. €, könnten wir uns diese Zahl nichtmal vorstellen, geschweige denn in eine ordentliche Relation setzen.

Terrorismus ist kein deutsches Problem. Er ist nicht mal ein europäisches Problem. Ja nicht mal das Problem der Welt. Er ist das Problem von Entscheidern, von Machern und von In-Die-Wege-Leitern. Von Leuten, die sich bedroht fühlen von jedem, der nicht an ihren Schnüren zappelt – von Leuten also, denen man etwas wegnehmen kann. Letztlich ist er ja auch nur der Beissreflex von reaktionären Systemen auf eben diese Kontrollfreaks, die in ihrem Streben nach Macht und Einfluss beliebig über moralische und ethische Grenzen hinwegsetzen. Klar, einige wenige sind auch einfach nur kranke und verwirrte, die ganz anderen Motiven folgen als dem Kampf gegen den Kontrollwahn westlicher Regierungen. Aber gefühlt ist das die Ausnahme.
Terrorismus hat seit 2001 zu rund 250 Gesetzen in der EU geführt, die sich dem „Kampf gegen den Terrorismus“ zum Gegenstand machen. Jetzt mal Butter bei die Fische: Niemand, der in der „freien Welt“ lebt, möchte terrorisiert werden. Das ist schon klar. Niemand möchte Angst haben – auch nicht vor Terror. Und niemand möchte sich in seinem Tun und Treiben einschränken lassen. Da dieser ausgesprochen Ich-bezogene Denkansatz in einer Welt mit knapp sieben Milliarden Menschen nicht funktionieren KANN, gibt’s halt Gesetze. Aber das Durchjagen von persönlichkeitsrechtsfeindlichen und kontrollorganbegünstigenden Gesetzen unter dem dogmatischen Deckmantel des „Kampf gegen den Terrorismus“ ist nichts anderes als Terrorismus – er findet nur auf einer anderen Ebene statt und wird von innen aus geführt. Am Ende führen beide in vergleichbare Käfige aus Furcht und Gefolgschaft – der Unterschied ist vor allem die Sichtbarkeit dieser Symptome.

 

/update: jetzt mit Kommentar

Hier ist der Kunde noch Kö…ach nee

Oktober. Der obligatorische Reifenwechsel bei Lucy steht an. Als urbaner Städter macht man (ich!) das nicht selbst sondern beauftragt handwerklich begabtere und werkstattlich besser ausgerüstete Unternehmen mit diesem Unterfangen. Nach einigen Jahren wechselnder Werkstätten, Räderschleppen, befreundeter Schrauberbuden, tagelangem umherfahren ungesicherter Reifen im Kofferraum und rastloser Suche nach der optimalen Lösung habe ich vor rund 18 Monaten die Suche nach dem Paradies aufgegeben und etwas naheliegendes zum Hauptargument meiner Auswahl gemacht: Es muss stattfinden, wo ich ohnehin regelmäßig vorbeikomme. Was liegt da näher als die Einflugschneise zu meinem Arbeitgeber. Auf dem Weg gibt’s durchaus einige die dafür in Frage kämen – wirklich hervorgetan hat sich aber die Firma Pitstop. Nicht etwa durch ihren guten Ruf oder dergleichen, sondern vielmehr durch die Möglichkeit, Termine recht umfassend auch online einrichten zu können. Das ist bei Werkstätten, die nicht eben dafür bekannt sind, permanent das Telefon besetzt zu haben, ein echtes Killerargument. Zudem ist Pitstop eine Werkstattkette – wenn ich also mal irgendwann nicht mehr an dieser einen Filiale vorbeikomme, transferieren die sicherlich meine Räder einfach in die neue Filiale. Sollte man jedenfalls meinen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre und jetzt jüngst der letzten fünf Minuten zweifle ich da aber langsam dran…

Schon beim ersten Kontakt mit dieser Pitstopfiliale spüre ich, woher der Wind weht. Es ist damals noch eine Anfrage zu einem Preis von Felgen samt Reifen. Fachlich holt mich der Werkstattleiter gut ab, mein sehr beschränktes Wissen zu meinem Auto weiß er recht schnell einzuschätzen und stellt fortan die richtigen Fragen. Als er alle meine Wünsche und Vorschläge zu einem entsprechenden Angebot geschnürt hat und ich ihn bitte, mir das auszudrucken und mitzugeben ist die direkte Antwort des Mannes: “ja, und dann gehen Sie damit 200 Meter weiter zu A.T.U. und fragen dort an oder was?”. Zugegeben, es ist ne Weile her und meine Erinnerung mag mich hier trügen – aber wirklich freundlich und zuvorkommend wie noch zu optimistischerer Zeit 5 Minuten vorher wirkte das nicht mehr ;)

Aber Monate später auf der Suche nach einer Werkstatt zur Einlagerung meiner Reifen _UND_ für den halbjährlichen Wechsel selbiger siegte die Bequemlichkeit. So buchte ich damals online einen Termin – als Soforttermin (Fertigstellung des Auftrags binnen 30 Minuten hieß es damals – er beinhaltete den Radwechsel, Auffüllen der Scheibenwischeranlage mit irgendeinem Eisschreckzeug und das Einlagern der abmontierten Räder). Am Tage und zur Stunde des Termins wunderte man sich vor Ort, wer ich sei und was ich wolle. Offenbar hat man meinen Termin nicht auf dem Schirm. Wir dröseln das gemeinsam auf, ich zeige meine Terminbestätigung (sowie die Bestätigung meiner ausgeführten Zahlung), der Mechaniker zeigt auf seinen Klappkalender auf dem Schreibtisch und sagt, da seien ganz andere Termin drin… Anschließend klickt der Pitstopler sich durchs “System” und siehe da – da findet er mich. Einer Schimpftirade auf Technik im Allgemeinen, seine zentralen Befehlsvorsteher im Besonderen und der Ungerechtigkeit seines Seins folgt die ernüchternde Ansage an mich: Kann n bisschen dauern – sind ja noch andere mit Termin dran. Und überhaupt wäre es besser, ich würde das nächste mal anrufen. Das mit dem Internet, das ist halt nicht so gut. Sehe ich alles nicht so ganz ein, akzeptiere ich aber natürlich – auf eine halbe Stunde kommt’s am Ende echt nicht an und überhaupt ist das Wetter ganz nett – ich setze mich also draußen an die anliegende Tankstelle und genieße den Duft des Benzols ins der Luft. Zum Ende des Termins erhalte ich einen Schrieb mit den erledigten Arbeiten, den Hinweis dass meine Bremsen echt übel aussehen und mal erneuert werden müssten und einen Aufkleber mit einer 8-stelligen Nummer darauf – meine Räderpassnummer, die man zur späteren Identifikation meiner Räder benötigt. Der Aufkleber wirkt als wäre das ein übliches Procedere und hinterlässt das gute Gefühl, dass man sich hier mit dem Einlagern von Rädern auskennt. Selbstverständlich gerät der Aufkleber und dessen Nutzen im folgenden halben Jahr in Vergessenheit…

Ca. Sechs Monate später buche ich erneut. Wieder online. Diesmal habe ich den vormals angelegten Account zur Verfügung – die Website weiß also, wie mein Auto aussieht und in welcher Filiale ich zuletzt einen Termin hatte. Ich klicke mich wild durch den Terminkalender, lege noch eine Gasfüllung und das Auswuchten der Räder in den Einkaufswagen, bezahle, logge mich aus und freue mich auf meinen Termin. Der wird mir gar per .ics angeboten, ich erhalte diverse Mails mit Bestätigungen zur Entgegennahme meiner Zahlung und Terminbestätigungen und AGB und so weiter. Ich mache einen gedanklichen Haken kann. Wenige Tage später, kurz vor dem Termin, entdecke ich in meinen Unterlagen das Schreiben von der initialen Radeinlagerung. Und auf dem Schreiben den Aufkleber mit meiner Räderpassnummer. Ich frage mich spontan, ob meine Filiale anhand des Termins mit meinen Daten diese Räderpassnummer zuordnen kann. Spontan erinnere ich mich auch daran, wie das damals war, mit dem Termin und so. Also rufe ich an, ja, hier sei mein Termin bekannt, die Räderpassnummer hat man indes nicht. Ich gebe sie telefonisch durch und erhalte auf diesem Weg auch eine Bestätigung des Termins. Anzurufen hat mich ganz locker 30 Minuten meines Lebens gekostet – hauptsächlich weil da nie einer ans Telefon geht. Verstehe ich sogar – wenn man grad unter einem PKW liegt ist halt schlecht mit Telefonieren… Aber alles ist geklärt und der Termin verläuft ereignislos. Am Ende erhalte ich eine neue Räderpassnummer, meine alte ist demnach ausrangiert…

Heute ist es wieder so weit. Mein sechster Sinn warnt mich bei der Auswahl des Termins, dass ich die Räderpassnummer irgendwo angeben muss. Nur wo? Der gesamte Bestelldialog (der nebenbei bemerkt immer unterschiedlich ist, je nachdem von wo ich einsteige…) enthält nur dann ein Freitextfeld für die Kontaktaufnahme, wenn ich quasi als Neukunde bestelle – zur Eingabe meiner Daten habe ich aber keine Lust. Also klicke ich mich ein paarmal durch den Dialog, markiere Termine, Einkaufsoptionen etc. Ab und zu springe ich nochmal zurück auf der Suche nach einem Freitextfeld. Fehlanzeige. Sehr wohl darf ich zwischendurch die Frage beantworten, ob meine Reifen eingelagert sind. Aber wenn ich das bestätige, erhalte ich keine Abfrage zur Räderpassnummer. Seltsam. Darüber hinaus: Jedes mal wenn ich den Dialog “Termin auswählen” aus welchen Gründen auch immer wiederhole, ist der zuvor eingegebene (meinetwegen reservierte, aber nie aktivierte) Termin nicht mehr verfügbar. Da ich gedanklich bei was anderem bin komme ich einige male an dem Punkt vorbei, bis mir klar wird, dass es langsam knapp wird mit einem günstigen Termin, da alle vorherigen Auswahlen ja als reserviert nicht mehr verfügbar sind…Irgendwann klicke ich mich halt fertig, schnappe mir das Telefon, rufe in der Filiale an und erhalte – ein Freizeichen. Natürlich. Ich warte einige Zeit bevor mir klar wird, da geht jetzt erstmal keiner ran. Ein wenig ungehalten über diesen Prozess surfe ich zum Mutterschiff der Pitstop-Filialen um dort eine Service-Rufnummer oder etwas derartiges zu finden. Ich finde keine Mailadressen oder Feedback-Formulare – durchaus aber eine 0800 Rufnummer. Nach einigem Abwägen rufe ich an – und erhalte von Band die Ansagt, dass im Moment leider alle am Plaudern sind und ich solle mich später nochmal melden…Na wer’s glaubt…So hat Pitstop meine Räderpassnummer noch immer nicht. Und ich erreiche niemanden. Ich überlege derzeit, ob’s nicht mal an der Zeit wäre, dass zu eskalieren und zu schauen, wie schnell sie die Räder aus dem Archiv ans Sonnenlicht zerren werden, wenn’s dann hart auf hart kommt…

Also liebe Leute von Pitstop: Website mit Terminvereinbarung ist Top. Muss aber dann die Filiale auch von erfahren. Accountmanagement ist Top. Warum kann ich in diesem Account meine Räderpassnummer nicht hinterlegen? Kostenfreie Hotline ist Top. Warum nur ist die nicht besetzt?

Luft nach oben…

Wacken 2014 – long story short…

…dieses Jahr WOA war leider eher enttäuschend für mich. Mittwoch Abend habe ich mich noch traditionell vom diesmal exorbitant großen Widerstand im Camp, zwischen all den das Wochenende prägenden “Kuemmerling, Kuemmerling, gute Freunde trinken gerne Kuemmerling”-Rufen und der wilden, aber lauten, Vorstellung, dass man Mittwochs nicht sein Festivalbändchen holt, loslösen können, die anschließende Suche nach Verbündeten im Biergarten war aber leider vergleichbar mit dem Durchhaltevermögen bei Bands an dem Abend: Es endete demnach im Camp, bei, was soll ich sagen, Kuemmerling (Merke: Kuemmerling wird in einem 19-Personen-Camp auch merklich dezimiert, wenn man nicht in der Nähe ist…)…

Das war btw ein Vorhaben, das vorher von einer Splittergruppe von 10-Jahres-Jubilaren zum offiziellen 25-jährigen Wacken ausgerufen haben: 5 olympische Ringe an Kuemmerlingen möge das Camp vorzugsweise am ersten Abend, definitiv aber im Verlaufe des Festivals zerlegen. Für jeden Ring braucht es ~65 Kümmerlinge, wir hatten vorsichtshalber ungefähr ~500 mit. Lange nicht jede/r im Camp trinkt diesen Kram, also bleibt natürlich mehr für alle anderen ;o)
Und ich kann mit Sicherheit sagen, dass auch Dosenstechen und Biertrichter dieses Jahr von Minute 1 an zum Alltag zählen. Nicht für mich, soweit sollten meine Erfahrungen Konsistenz aufweisen, aber im Camp. Ich kann für 2014 erstmals Rangeleien und das permanente Gefühl addieren, im unmittelbarer Nachbarschaft (und ja, auch für mein Zelt) das “oh mein Gott hoffentlich krachen die nicht besoffen in unser Camp”-Gefühl addieren – nicht jeder hat diese Stoßgebete gesprochen, also wurde auch nicht jeder erhört…)
Ich würde das sehr gerne mit einer Aussage eines Mitreisenden umschreiben, die mir dafür sehr gut gefällt: “Wacken ist ein Urlaub für die Seele”. Ich unterstreiche das mit jeder Faser meines Seins, es ist in der Tat genau das: Maximales Befreien von Konventionen, an die wir uns die restlichen 360 Tage im Jahr gebunden fühlen. Daher erfolgt das Gefühl, das diesjährige Asi-Camp in der Umgebung zu sein, wertfrei: Ich bin definitiv lieber in diesem Camp als in jedem anderen. Egal, welche Qualität es hat ;o)

Donnerstag hatte noch einige Highlights. darunter definitiv das rumhängen im Wackinger, eher belastend als erheiternd waren die enttäuschenden Bandbegehungen von Hammerfall und Steelpanther – ich bin relativ sicher, ich war abends dann noch in der Shishabar, ich erinnere mich dunkel am Met und Zigarren und so – aber ansonsten ist dort viel Dunkelheit, wo Feuer sein sollte.

Das ist bedauerlicherweise die direkte Überleitung zu Freitag, der super startete (sieht man mal vom 4-Stunden-Wartemarathin im Dorf nebenan ab, der eigentlich als Suche nach ner Dusche und nem WC begann, aber ehrlicherweise eher als Frühshoppen in brütender Hitze mit Gruselgeschichten vom Wirt, der vom am Vorabend von einem Taxi erfassten Dorfbewohner zu berichten wusste, endete), aber bitter endete: Nachdem ich mich den ganzen an der festlichen Tafel im Camp gelabt habe (und derweil diverse geplante Bands mit dekadentem Durchwinken nicht besucht habe), spürte ich abends, auf dem Weg zu den wenigen, für mich wirklich wichtigen Bands, ein nicht nur leichtes, sondern merklich bedrohliches Unbehagen in der Magengegend. Wir standen noch ein paar Minuten bei Hell rum, am Ende blieb mir leider nichts übrig, ich musste, mich Kräutertee bewaffnet (Mama Marc, Dein Sohn ist echt ein feiner Kerl, das hast Du sehr gut gemacht!!), den Rückweg ins Camp antreten. Die Nacht war entsprechend unerfreulich, der sich anschließende Samstag leider im Ganzen genauso: diverse Bands vom ohnehin eher unterdurchschnittlichen Line-Up habe ich nicht gesehen, habe mir stattdessen im Camp den Bauch gekrault. Abends habe ich mich nochmal ins Infield gezwungen – und hey, es gab dort immer noch Tee, voll super – aber außer einem ganz lustigen, aber nicht überragenden Auftritt von Amon Amarth (lustig vor allem, weil der 2,50m-Hüne von Sänger so ungefähr 2,8 im Turm hatte, was verstärkt durch die Bühnenkonstruktion und das Wetter zu sehr lustigen Effekten führte) war ich nicht mehr in der Lage, weitere Zeit auf einem superanstrengen Wacken zu verbringen.

So bin ich noch am Abend mit meinen Hinfahrern zurück nach Berlin gedüst – absolut unüblich und am Ende natürlich auch sehr anstrengend, aber durch meine Magenprobleme (und nein, das war kein Kater…) definitiv die richtige Entscheidung.

Diese Erfahrung hat mich einiges gelehrt, immerhin resultiert sie aus einer Reihe von vielleicht nicht, vielleicht doch, zusammenhängenden Ereignissen, auf jeden Fall aber legt sie mir viele Verhaltensweisen nahe, die ich im nächsten Jahr verändern sollte und werde. Klar, dann wird wieder alles anders und so, aber es ist, abgesehen vom Rookie-Jahr, das Jahr mit den wichtigsten Erfahrungen. Insofern schaue ich ich trotz weinenden Auges mit einem Lächeln zurück, denn es gab abseits meiner persönlichen Schwächen echte Lustmomente im Camp und im Rest der Erfahrung Wacken – dazu zählen sicher die “Wer schwankt, hat mehr vom Weg”-Parolen auch viel Einheit und Brüderlichkeit in einem solch großen Camp. “Klar” gab es auch Geraufe, Gepöbel, in’s Camp Gereihere – aber es ist ausgesprochen Schön, einem solchen Camp und Freundeskreis anzugehören. Ich hoffe inständig, jede/n Einzelne/n nächstes Jahr wieder zu sehen, und verspreche mich in besserer Verfassung zu präsentieren.

Wacken – Rain or Shine.

\m/

Kurz und knapp – keine Kommentare mehr in diesem Blog…

wenn wir schon ins freiheitliche Mittelalter reisen, dann doch nicht auf meine Kosten. Mehr dazu hier:

http://www.sueddeutsche.de/digital/europaeischer-gerichtshof-fuer-menschenrechte-internetportal-fuer-boesartige-kommentare-verantwortlich-1.1792322

Alte Kommentare verbleiben natürlich. Neues gibt’s halt nicht. Redet mit mir auf Twitter oder Facebook ;)

Frauenquote? Wirklich? Schwachsinn!

Okay, jetzt mach ich mich vermutlich schrecklich unbeliebt bei einigen und es folgen jetzt einige wilde und unbelegte Thesen, aber auf denen sitze ich und über diese grüble ich jetzt schon ne ganze Weile, daher mal Butter bei die Fische:
Frauenquoten sind einseitig, produktionshemmend, feindselig und ausgesprochen unfair. Frauenquoten haben nicht (und hatten nie) das Ziel, die “männlich dominierten Chefetagen” mit starken, karriereorientierten Frauen zu durchsetzen – sie waren immer nur und konsequent ein Wunsch nach dem “Freihalten von Plätzen” – falls mal eine Frau vorbeirauscht, die da gerne mal gucken will, wie es sich so anfühlt – wenn auch vielleicht nur kurz und nur, um mal zu sehen, wie diese Seite am Buffet aussieht.

Grundsätzlich bestehe ich auf den Standpunkt, Gleichbehandlung zu favorisieren. Ich will weder ein eventuell bestehendes Konstrukt männlicher Dominanz um jeden Preis aufrecht erhalten (das ja auf den ersten Blick durchaus existiert), noch möchte ich, dass jemand, aus welchen spezifischen Gründen auch immer, eine Bevorzugung genießt. Ich bin relativ überzeugt vom Leistungsprinzip und der Ansicht, dass nicht etwa Geschlecht, Konstitution, Herkunft oder Alter entscheidend sind für die Antwort auf die Frage, wer einen Job besonders gut machen kann, sondern einzig die Tatsache, wer einen Job besonders gut machen kann!
Ich kann das relativ guten Gewissens, da ich männlich, gesund und leistungsfähig bin – und weder etwas geschenkt bekomme noch Bevorzugungen irgendeiner Form genieße. Das ist relativ deutlich an meiner finanziellen und beruflichen Situation zu erkennen, in der ich zwar nicht am Hungertuch nage, aber auch relativ weit davon entfernt bin, “Karriere” zu machen. Ich muss mir meine kleinen Schritte hart erarbeiten und ich habe nicht den Eindruck, dass mir jemand etwas in den Arsch bläst. Genug der Verteidigung, auf zum Angriff:

Frauen haben gegenüber Männern einen gravierenden, anatomischen Vorteil: Sie können Kinder gebären. Nach der Besamung sind wir Männer im Grunde raus aus der Gleichung, wenn wir uns dann aus dem Staub machen, wird trotzdem alles seinen Gang gehen. Schwangerschaft, Geburt, Aufzucht – toller Trick. (Von mir) vollkommen unbestritten ist, dass die Frau dadurch eine besondere, enge und nachhaltige Beziehung zum Kind aufbaut. Schon biologisch muss diese Bindung enger sein als alles, was ein Vater für seine Nachfahren empfinden mag.
Das führt NATÜRLICH dazu, dass Frau sich nach der Entbindung und inmitten der Aufzucht um ihre Kinder kümmern möchte und noch 2 bis 30 Jahre die Mutti raushängen lassen will – wen wundert das denn bitte? Diese 2 bis 30 Jahre, finde ich, soll sie auch erhalten. Und zwar in vollem Umfang. Das muss, in einer Gesellschaft wie der unseren, machbar sein. Basta. Wenn Mann das möchte und in Absprache mit der Frau, soll auch Mann das tun dürfen, selbstverständlich und ungefragt – aber bitte mit den selben Konsequenzen.
Denn was nicht machbar sein muss, ist, dass ihr Job in diesen x bis y Jahren unbesetzt bleibt. Dass ihr einstmals erarbeiteter Job, den sie, im besten Fall, aufgrund ihrer Qualifikation erhalten hat, noch immer auf sie wartet. Koste es, was es wolle. Das ist etwas, dass muss man sich halt einfach vor Augen führen: Will ich Kinder? Dann fressen die nunmal Zeit. Mindestens die Zeit, die es braucht, das Kind zu zeugen, zu “züchten” und auszutragen. Danach mag es Optionen geben, und die mag man auch ziehen mögen – aber alles, was in dieser Zeit über den Zeitraum eines Urlaubs hinausgeht, ist einfach ungesund für alle Seiten. Den Arbeitgeber (der ne Stelle bezahlt, deren Arbeitskraft er dennoch ersetzen muss), die Kollegen (die diese Arbeitskraft sind), ja selbst die Frau selbst wird dadurch unter Druck gesetzt und zur Eile gedrängt. Vollkommener Quatsch. Klar, wenn sie dann nach wie viel Zeit auch immer zum Arbeitsplatz zurückkehrt, muss sie halt bei Null anfangen. Genau dort, wo sie begonnen hat, als sie aus der Schule kam (oder aus dem letzten Job oder was auch immer). Woher kommt diese Grundsatzhaltung, dass ein Anspruch darauf besteht, dass alles noch beim Alten ist? Ganz egal, wie viel Zeit und Geld ich mit diesem Wunsch, ein Kind zu machen, verbrannt habe?

So, das is das eine, hat aber natürlich noch nicht sehr viel mit der Frauenquote zu tun. Aber über Umwege dann doch: Mit diesem Wissen bewaffnet, dass Frauen biologische Zeitbomben sind in einem Umfeld, in dem es womöglich auf jede Minute Arbeitskraft ankommt, ist es nur allzu verständlich (aus Unternehmersicht!), diejenigen auf Schlüsselpositionen zu setzen, die absehbar beliebig lange dort verharren können und absehbar immer da sind. Das ist bei Männern eher der Fall – eben weil sie, selbst wenn sie sich mal um die Vollzeiterziehung eines Kindes kümmern wollten, einen ungleich höheren Rückzugsschwung haben. Ihre Biologie schreibt ihnen nicht vor: “Verbring noch etwas mehr Zeit mit dem Kind”. Jaja klar, das kann auch mal ins Auge gehen weil ein Mann halt auch mal einvernehmlich die Vollzeiterziehung übernehmen mag (oder von einem scheiss Bus überfahren werden kann…) – aber in den allermeisten Fällen dürfte die Rechnung hinhauen. Das ist auch der Grund, wieso ich behaupte, dass die vielzitierte "Männerdomäne” eine Mär ist – es ist vielmehr eine Zuverlässigkeitsdomäne. Als Unternehmer verpflichte ich mich meinen Mitarbeitern, aber auch meinem Geldbeutel gegenüber, das Unternehmen möglichst effizient zu führen. Dazu zählt definitiv, die Anzahl der Übergaben durch Mitarbeiterfluktuation gering zu halten.* Und wenn das bedeutet, dass ich mich nur mit jungen, hässlichen Junggesellen umgebe, dann bedeutet es das. Wichtig ist, für den Unternehmer, dass der Laden läuft. Wenn ich dieses Gefühl bei einer Frau habe, und sie nunmal die beste für den Job ist – zeigt mir einen Unternehmer, der dann auf den hässlichen Junggesellen setzt… Blödsinn.

Eine gesetzliche Frauenquote würde demnach bedeuten, dass ich jemanden wegen ihres Geschlechts aber ungeachtet ihrer Qualifikation, ihrer Eignung und ihrer Zuverlässigkeit einen Job anbieten muss, den ich ihr nicht anbieten würde, wenn ich die freie Wahl hätte – und Qualität entscheiden lassen dürfte.

Was mich gleichsam irritiert ist die Tatsache, dass die Frauenquote ja nur bei “Vorstandsposten” und in “Geschäftsführungsetagen” gefordert wird. Natürlich verstehe ich so grundsätzlich, dass “auf dem Bau” und “in der Technik” eher konstitutionelle als ideologische Hürden genommen werden müssen – aber denken wir den Gedanken mal zu Ende: Wenn man es konsequent machen sollte, müsste in einem Unternehmen, dass 2000 Maurer, Tischler, Schreiner und Dachdecker beschäftigt und das mit einem Verwaltungsapparat von 20 Leuten bewerkstelligt eine Geschäftsführung aus beispielsweise 2 Frauen und 2 Männern bestehen. Die 2000 Maurer, Tischler, Schreiner und Dachdecker hingegen dürften ruhig Männer bleiben. Verstehe. Ja, den Spieß kann man auch umdrehen und auf Kindergärten anwenden zum Beispiel. Nur sind meiner Erfahrung nach hier die “Chefetagen” so man sie so nennen mag, eh konsequent mit Frauen besetzt. Beklagt sich ja auch niemand drüber. Oder doch?
Okay, am Ende zu polemisch, is mir klar. Aber so grundsätzlich verstehe ich das mit der Frauenquote echt nicht. Welche Sorte Frau will denn bitte einen zwangsgeräumten Stuhl haben – alleine und ausschließlich aufgrund ihres Geschlechts? Selbst wenn wir mal die paar Damen in die Gleichung mit aufnähmen, die es toll fänden, sich dort aushalten zu lassen – wieso sollten wir das unserer Volkswirtschaft antun wollen? Weil es ein Lernprozess ist? Unsinn: Ich behaupte, eine Frau, die die entsprechende Qualifikation und den Wunsch mitbringt, schafft’s auch ohne Quote in jede beliebige Position. Widerlegen geht nicht. So what?

 

* Ja, es gibt auch Firmen (und Jobs), da spielt das weniger eine Rolle – aber in denen greifen ja auch andere Gesetze und Mechanismen. Und es wird ungleich seltener wegen geschlechtlicher denn wegen menschlicher Ungerechtigkeit gejammert. Anderes Thema demnach.