Schlagwort-Archive: aus dem Æther

Den taeglich’ Facebookbash gib uns heute…

Wow. Wenn ich nicht zufaellig selbst einen Account bei Facebook haette, ich muesste, angesichts des medialen Shitstorms (z.B. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, ff.) der derzeit tobt, annehmen, dass man nach der Anmeldung bei Facebook mit Schmackes direkt und frontal ins Gesicht getreten wuerde. Und zwar nicht im uebertragenen Sinne, sondern dass jemand direkt nach Klicken auf “Register” ins Zimmer stuermt, den Stiefel hebt und ohne zu zoegern einen Magnum-Abdruck zur Separierung der Gesichtshaelften verwendet. Anschliessend schnappt er sich das Adressbuch des neu-registrierten und klappert jeden einzelnen darin ab – egal ob mit oder ohne Facebook – und richtet dort das gleiche an, direkt nachdem er die Kinder und Welpen im Umkreis von 500 Metern verspeist hat.

f8, Facebooks Mastermind Zuckerberg gibt die Keynotes fuer die mittelfristige Zukunft des weltweit groessten sozialen Netzwerks aus.
Darin heisst es neben viel trivialem auch: Facebook moechte jetzt auch Jahrbuch und Poesiealbum, Ansichtskarte und Kondolenzbuch sein, nicht mehr nur (wie bisher) ein Ort der Begegnung und des reflexartigen ‘likens’.
Das ist nicht verwunderlich und noch weniger vorwurfsfaehig, aber geschaeftstuechtig, innovativ und kreativ – eben genau so wie man Facebook seit Jahr und Tag kennt.

Facebooks wirtschaftlich legitimes und in einer freien Marktwirtschaft auch kaum anfechtbares Ziel ist die Vermehrung der Komplexitaet der Daten seiner Nutzer – denn aus eben dieser Komplexitaet generiert er Advertise-Bandbreite und damit: Cash.
Facebook ist kein FOSS-Spielzeug in dem eine Hundertschaft Nerds sich um die effektivste Art pruegeln, zwei Millionen Zeilen Quellcode mit nur einer Palette Red Bull in einen beliebigen Linuxrechner zu knueppeln – honoriert mit der Nennung in einem beliebigen Blog eines beliebigen Pop-Bloggers. Facebook ist ein Unternehmen, der Verpflichtungen seinen Mitarbeitern gegenueber hat – und alsbald auch seinen Aktionaeren gegenueber. Ergo schuldet Facebook es sich selbst und seinen Vertriebs- und Vertragspartnern, maximale Rendite zu erzeugen.
Seine rund 800.000.000 Nutzer verwenden das Netzwerk und alle seine Features, Apps, Gadgets und Goodies zur Selbstbereicherung im privaten und geschaeftlichen Umfeld. Es ermoeglicht neben der Informationsbereitstellung natuerlich auch den Informationsaustausch und die Informationsbeschaffung.
Fuer Geschaeftstreibende ist es ebenso frei von direkten Kosten wie fuer Private, es bietet Unternehmen also quasi unentgeltliche Moeglichkeiten zu deren Gewinnmaximierung. Und das mit einer potenziellen Reichweite von 800 Millionen Usern weltweit. Privatmenschen widerum nutzen Facebook zuhause, auf der Arbeit, unterwegs um ‘in Kontakt’ zu bleiben, sich auf einen neuen Stand zu bringen, spontan Informationen zu ermitteln uvm. All das ohne Abo, Gebuehren, regelmaessig anfallende Kosten.

Natuerlich gibt’s das nur vordergruendig wirklich kostenfrei, denn Facebook ist als Wirtschaftsunternehmen selbstverstaendlich daran interessiert, mit dem Erreichten zu wirtschaften. Und wie McDonalds daran interessiert ist auch notfalls auf Kosten der Gesundheit aller Kinder dieser Erde moeglichst viel Geld zu scheffeln, so ist Facebook daran interessiert, mit den bereitgestellten Informationen maximalen Reklameertrag zu erwirtschaften.
Also verkaufen sie die Informationen an meisstbietende (mindestens in Form von Effizienzzusagen personalisierter Werbung) und bruesten sich bis zum Boersengang mit der gigantischen Anzahl teilnehmender User.

Nun gehen sie noch einen Schritt weiter und geben dem User die Moeglichkeit, fruehere Fotos, Krankheiten oder auch die Fotos von verstorbenen, geliebten Menschen zu posten. Man bedenke: Es ist eine Moeglichkeit. Niemand wird gezwungen diese neuen Module zu verwenden, jeder traegt sie freiwillig ein.
Facebook ist vor der Registrierung wie ein Vakuum – was man nach der Registrierung nicht reintraegt, ist auch nicht in Facebook. Klar versucht Facebook (nicht ganz lauter) auch an die Daten zu kommen, die ich nicht freiwillig rausruecke. Das ist zu verurteilen und sicher nicht ganz astrein. Nach meinem Ableben ist’s mir allerdings egal, wer Fotos von mir auf die Memory-Boards haengt, mir wird’s egal sein, was dann mit meinen Daten passiert. Bis dahin muss mir mein gesunder Sachverstand sagen: Wenn ich Daten irgendeiner Art Verlustfrei speichern und duplizieren kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder komplett verschwinden, sehr gering. Wenn ich mich also dazu entschliesse Daten in einen Dienst zu kippen, dessen Geschaeftsmodell die Auswertung von Daten ist, weiss ich, dass diese Daten ausgewertet werden. Natuerlich kann ich mir nun auf analoge Gesetze zurueckziehen und erwarten – verlangen – dass diese Daten geloescht werden, wenn ich die einst erteilte Nutzungserlaubnis widerrufe. Dass dann wirklich gruendlich geloescht wird, auch das sagt mir mein gesunder Sachverstand, ist nicht sehr wahrscheinlich. Dafuer gibt’s viele Gruende, und skrupelloses Wirtschaften zaehlt sicher zu den populaersten. Wirklich wundern kann das niemanden: die Natives achten auf ihre Daten, die Unwissenen reagieren auf personal Ads auch nicht anders als auf den Sheba-Spot im Fernsehen. Und die fahrlaessigen, boesen und naiven sind sicher nicht aufzuhalten, indem man Privacy-Settings zwangsverschaerft. Das zu glauben ist so naiv wie zu denken, dass ein Vorhaengeschloss am Fahrrad ein ausreichender Diebstahlschutz ist.

Wer bis hierhin gelesen hat, wird folgendes noch mit auf den Weg nehmen wollen:
Wenn Facebook aus Daten Umsatz generiert, die es von mir zwangsweise einfordert (damit ich den Service weiter nutzen kann) oder indirekt und ueber Umwege von mir erhaelt (comments, likes, cookies, whatever), verurteile ich das aufs Schaerfste.
Aber auch: Wenn Facebook gegen einen monatlichen Unkostenbeitrag verfuegbar waere, und im Gegenzug auf alles verzichten wuerde, wofuer es in Privatsphaeren- und Datensammelwuthinsicht gescholten wird, waere es eine traurige Einoede und niemand wuerd’s nutzen.
Die Menschen bezahlen bereitwillig mit Ihren Daten – insofern sie eine ihrer Meinung nach adaequate Gegenleistung erhalten. Das zu akzeptieren gehoert ebenso zur Entwicklung beim Umgang mit dem Internet und Daten im Allgemeinen, wie zu begreifen, dass man mit Daten auf viele Arten umgehen kann. Nur beides gemeinsam generiert ein hoeheres Verstaendnis vom digitalen Miteinander, von ‘social media’.

Nicht Facebook ist das Problem und nicht Google (oder Diaspora) ist die Loesung – das Problem liegt imho in einer Mischung aus fehlender Uebertragbarkeit der realen Welt in die virtuelle (inkl. des analogen Verstaendnisses von Privatsphaere, dem unveraenderten Anwenden von ‘analogen’ Gesetzen auf die Gegebenheiten im Internet und natuerlich auch der Internationalitaet, die im krassen Gegensatz zur realen Welt im Internet nicht nur ein Buzzword ist, sondern knallharter Fakt) und der fehlenden Bereitschaft der Menschen im Allgemeinen, sich auf diese Veraenderungen einzustellen. Zu gerne werfen die Natives den Politikern vor, mit ihren Forderungen nach Regulierung und Kontrolle des Netzes einfach nur unreflektiert Wahrheiten aus ‘ihrer’ Offlinewelt in die Welt der digitalen Boheme ueberfuehren zu wollen, ohne zu pruefen, ob das Internet fuer diese Wahrheiten ueberhaupt gewappnet ist. Digitale Natives machen genau das gleiche: Sie stuelpen in gluckenhaftem Uebereifer die eigenen Massstaebe ueber ihre Version von einer besseren (Online-)Welt. Das kann funktionieren, muss aber nicht.
Schoen waere ein bisschen konstruktiverer Umgang mit dem Thema. Gerne kritisch, aber betont konstruktiv. Vielleicht viel verlangt, aber dennoch wuenschenswert.

[Urban Legend] – Atomstrom, Oekostrom – ja was denn nun?

Ich will einmal versuchen, mich an dieses schwierige Thema zu wagen. Hintergrund ist, dass ich mich (wie vermutlich jeder) in sehr vielen Debatten zum Thema wiederfinde, und sehr oft nicht recht weiss, ob dass, was ich hoere und wiedergebe, aus einer Propagandaecke stammt, Tatsache oder schlicht Legende ist. Ich unterstelle, so geht’s den meissten, auch wenn nur wenige das zugeben wuerden. Jedenfalls sehe ich mich recht haeufig den ueblichen Verdaechtien – SABVA und der latente “das ist jetzt nicht Dein ernst, oder?”-Blick – gegenueber und es beschleicht mich dieses fiese Gefuehl, hier besser informiert sein zu muessen.
Die sich stets anschliessende, immer halbherzig durchgefuehrte Suche nach weiteren Informationen laeuft muehsam, da nicht wirklich vorurteilsfrei oder gar objektiv ueber das Thema berichtet wird.
Offenbar kann man nicht einfach geteilter Meinung sein bei solchen Themen – dabei waer’s so einfach: Atomstrom ja, bis Oekostrom flaechendeckend und guenstig zur Verfuegung steht. Die Richtung waere damit auch klar: Regenerativ rules, dafuer wird’s wohl grundsaetzlich eher ausschliesslich Zustimmung geben.

Da ich zugegebenermassen nicht recht weiss, wie man in so ein Thema startet, beginne ich mal einfach mit dem, was ich glaube, ueber dieses Thema zu wissen und reflektiere es in lehrbuchmaessiger Pro- und Kontradebatte – weiteres ergibt sich dann gewiss im Nachgang

These 1a: Atomstrom ist billig (fuer den Endverbraucher)
Zunaechst mal ja, in bereits abgeschriebenen Kernkraftwerken kann Strom offenbar guenstig produziert werden (bspw welt.de) – das streitet auch aus der Oekofraktion niemand so wirklich ab.
Gibt man bei beliebigen Strompreisvergleichern im Internet wilde Zahlen ein, erhaelt man zuvorderst bei den guenstigsten Angeboten auch immer Tarife mit vergleichsweise hohem Kernkraft-Anteil. Die Angebote mit 100% “Oekostrom” (wobei hier die Auslegung dieses Begriffs offenbar sehr individuelle Blueten treibt – zwischen “100% aus erneuerbaren Energien” und “minimaler CO2-Ausstoss” gibt’s hier reichtlich Verhandlungsmasse) liegen eigentlich nie vorne.
Wir sprechen hier von Endkundenpreisen, die zuvor getaetigte Subventionen ebensowenig implizieren wie etwaigen Austausch von Zertifikaten zur Erreichung irgendwelcher prozentualen Anteile im Strompaket.
Fazit: nicht von der Hand zu weisen – im direkten Blick auf den Endkundenpreis ist Atomstrom unschlagbar guenstig.

These 1b: Oekostrom ist teuer (fuer den Endverbraucher)
haarig. Haarig, weil ja erstmal klar sein muss, was genau Oekostrom ist.
Nach landlaeufiger Meinung ist es “sauberer Strom” der aus “erneuerbaren Energien”  stammt.
Fuer den Stromanbieter ist “Oekostrom” jeder Strom, den er rausgibt – sofern dieser durch die Zuleitung von Strom aus regenerativen Quellen, Kraft-Waerme-Kopplungs-KW oder wenigstens Oekozertifikaten im Stromsee aufgeht.
Dem Anbieter ist’s demnach egal und jeder Kunde erhaelt ohnehin den gleichen Strom. Unterschieden wird hier am Monatsende, wenn Oekokunden mehr zahlen als Atomkunden.
Der Anteil des verkauften Oekostroms am Gesamtvolumen des verkauften Stroms muss der Stromanbieter dann halt nachweisen – das kann er mittels vorhalten eigener Kraftwerke machen, aber halt auch durch den Zukauf von Zertifikaten oder schlicht die subventionierte Investition in den Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien am Strommarkt.
Wie das bewiesen wird – keine Ahnung. Es wuerde in’s Bild passen, wenn diese Nachweise den geheimen und entscheidungsunfaehigen Gremien des Bundestags muendlich mitgeteilt wird.
Gut moeglich also, dass hier Ueberbuchungen entstehen, die niemand merkt – am allerwenigsten der Kunde, der, aus welchem Antrieb auch immer, Oekostrom bestellt.
In diesem Zusammenhang MUSS man sich die Frage stellen, was passiert, wenn 100% aller Kunden in Deutschland von heute auf morgen Oekostrom ordern – also solchen Strom, der ohne Atomanteil daherkommt. Die Atomindustrie besteht auf den Standpunkt, dass 100% des Strombedarfs gar nicht durch regenerative Energien erzeugt werden kann – wenn sie dann aber muessten…?
Bewaffnet mit diesen Informationen bleibt also noch der flinke Blick in die gleichen Tabellen wie oben – und vielleicht nehmen wir die Randnotiz noch mit, dass ein tapferer Anbieter alles besser machen moechte – und man dort klar sehen kann: Ja, status quo kostet Oekostrom (fuer was auch immer dieser Begriff jeweils steht…) mehr als Atomstrom. Nicht im Einzelnen, das laesst sich fuer Endkunden nicht ermitteln – aber ein Mix mit Atomstrom is guenstiger als einer ohne. Aber auch deren Tarife liegen in meinen Stichproben ueber denen ordinaerer Atomangebote.
Fazit: Ja. Schaut man (wie bei den Atompreisen in 1a) nur auf den Preis, ist Oeko teuer.

Zu 1a und 1b muss man auf jeden Fall noch dazurechnen, dass sekundaerkosten entstehen – der Abbau von Uran ist recht aufwendig, der Neubau von riesigen Offshore-Farmen stark subventioniert – vielleicht geben sich (derzeit) beide in dieser Hinsicht nichts – das nachzupruefen wuerde aber mehr Zeit kosten, als ich aufzubringen bereit bin. Letztlich muessten alle nachweisbaren Kosten gegenuebergestellt werden – und da jeder Hausbesitzer potenziell Strom erzeugen und ins Netz speisen kann ist das eine Fuelle an Informationen, die mir schlicht nicht zugaenglich ist.

These 2: Ohne AKW entsteht derzeit potenziell die sogenannte “Versorgungsluecke”
Tja. Das ist sicherlich der schwierigste aller Punkte. Die Atomler verwenden es als gewichtigstes Argument, die Oekos halten mit einem trotzigen “stimmt ja gar nicht” dagegen.
Kann ich nicht beantworten. Ich vermute aber, dass die Antwort weder Ja noch Nein lautet. Ich denke, Kraftwerke fuer regenerativen Wertstoffe haben Schwierigkeiten bei Erbringung der Grundlast – weil diese eben auch erfuellt werden muss, wenn grad kein laues Lueftchen durch die Uckermark streift.
Und ich denke, dass andere Kraftwerke das durchaus loesen koennten. Kraft-Waerme-Kopplungs-Kraftwerke, Gaskraftwerke, notfalls gar Kohlekraftwerke oder diese Biogasthermen. Alle koennen kontinuierlichen Strom liefern und relativ kurzfristig gedrosselt werden, wenn die Leitungen grade mit Oeokostrom geflutet werden. So muss die finale Antwort wohl lauten “Nein, aber”. Denn diese alternativen Kraftwerke muessten ja auch erstmal gebaut werden.

These 3a: AKW sind gegen Unfaelle versichert
Ganz klares Jein. Ich habe gelesen, es gibt vier moegliche Risikostufen fuer Betriebsstoerungen in Atomkraftwerken. Das reicht von “hier ist ne Schraube locker” bis hin zu “und hier in der Hand halte ich einen 1900°C heissen Brennstab”. Gegen die ersten drei der vier Stoerstufen ist ein AKW imho zwangsversichert, gegen die vierte, den Gau, gar nicht. Liegt wohl daran, dass Versicherungen das nicht anbieten und Versicherungsnehmer dafuer so viel bezahlen muessten, dass es nicht mehr rentabel waere. Klar, die Kosten dafuer wuerden umgelegt und Strom damit ein Luxusgut werden, also schluckt der Staat die Restrisiko-Pille und sozialisiert die Verluste, wo er zuvor die Gewinne privatisiert hat.
Es gibt also definitiv keine Versicherung gegen eine Kernschmelze.
Gegen Folgeerscheinungen von Reaktorpannen wird auch nur rudimentaer versichert, aber das den AKW-Betreibern anzulasten waere zu einfach. Hier sind natuerlich alle Verwerter und deren Versicherungen in der Pflicht. Natuerlich wuerden aber auch in solchen Faellen (Autozulieferer in der Naehe eines AKW kann nach Strahlenkatastrophe nicht mehr fertigen, der Autobauer sanktioniert den Zulieferer, zehntausende werden arbeitslos und alles endet in einer desastroesen Schuldzuweisungssuppe) Schaeden entstehen, die irgendwer bezahlt. Notfalls halt der Staat und damit alle so ein bisschen. Klappt bei Opel, klappt bei Banken – wird auch andernorts klappen. Versicherungen zahlen es jedenfalls nicht.

These 3b: AKW sind sicher
Nein. Siehe Fukushima in Japan im Maerz 2010, aber natuerlich auch das immer wieder genannte Tschernobyl. Atomkraftwerke sind vor allem ein konstantes Risiko.
Natuerlich gibt es ‘Gruende’ fuer beide Katastrophen, und beide Unfaelle werden von Atomkraftbefuerwortern als individuelles Versagen, das nur in diesem einen Kraftwerk haette vorkommen koennen, abgetan.
Fakt ist aber, dass es, folgt man dieser Logik, fuer ausnahmslos jedes Kernkraftwerk ein “individuelles Risiko” gibt, das offenbar nicht beherrschbar ist.
Und in einem sind sich irgendwie alle einige: Fukushima im Besonderen und die Japaner im Allgemeinen sind mit der Technologie zur Sicherung von Atomkraftwerken gegen aeussere Einfluesse deutlich besser vertraut als die Deutschen. Das stimmt mich doch etwas nachdenklich…
Egal wie oft man ein Atomkraftwerk ‘sicher’ nennt – alleine die Tatsache, dass die darin befindliche Kernspaltung an sich schon ein hochriskanter Job ist, laesst ein Restrisiko offen.
Bei meinem Arbeitgeber, einem Forschungszentrum mit Forschungsreaktor, werden seit Fukushima interne Informationsmappen verteilt, in denen leicht verstaendlich der Unterschied zwischen einem Atomkraftwerk und unserem Forschungsreaktor erklaert wird. Nicht, damit wir das wissen, sondern damit wir ggf. auftretende Fragen unserer Verwandten und Freunde sicher beantworten koennen.
In diesen internen Infomappen wird erklaert, wie harmlos unser Forschungsreaktor im Vergleich zu einem Atomkraftwerksreaktor ist, dass eine 4000x geringere Reaktion erzeugt wird, dass eine x-fach geringere Menge Abwaerme erzeugt wird, dass grade einmal ein tausendstel Anteil radioaktiven Materials verbraucht wird um den Reaktor zu betreiben, dass eine Abkuehlung automatisiert werden kann und nur 20 Minuten benoetigt, notfalls durch Betriebsfeuerwehr und diverse Sicherheitsschleusen betreut wird.
Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass eine Abkuehlung eben 20 Minuten braucht. In diesen 20 Minuten scheint also ein Restrisiko von dem radioaktiven Material auszugehen – andernfalls wuerden die Kollegen vom Strahlenschutz das Uran wohl auch als Anhaenger um den Hals tragen.
Wenn nun also klar ist, dass das verwendete Material zur Energieerzeugung in Atomkraftwerken gefaehrlich fuer den Menschen ist, und wenn darueber hinaus klar ist, dass die Umstaende, unter denen es in den AKW behandelt wird, nicht binnen Sekunden, sondern eher binnen Stunden und Tagen auf “normalniveau” heruntergefahren werden koennen, wie kann man dann, angesichts der realen Gefahr herunterstuerzender Jumbojets und beliebiger Marschflugkoerper aus 4000 Kilometer entfernten militanten Laendern davon sprechen, Atomkraftwerke waeren ein berechenbares Risiko mit kalkulierbarer Sicherheit? Vielmehr ist es ein kalkulierbares Risiko mit einer unberechenbaren Schadensgroesse.
Angesichts der Verstrickung der Politiker, die derartige Technologien pushen, mit den jeweiligen Betreibern der AKW erscheint mir die Objektivitaet in solchen Wahlkampfansagen ohnehin eher ein Wunschtraum zu sein.

These 4: Es gibt eine Endloesung fuer nuklearen Restmuell
Daran gibt’s derzeit nichts zu ruetteln: Nein. Der Muell bleibt hier auf der Erde und es gibt offenbar mittelfristig keine Moeglichkeit, ihn nachhaltig zu lagern. Liegt sicher zu grossen Teilen an der Zusammensetzung, der Abfall strahlt wie nix gutes – aber zu Teilen natuerlich auch an der schieren Menge. Eine kleine Bleikiste fuer eine handvoll Klumpen gefaehrlich nachstrahlenden Abfalls waer sicher kein Ding. Die realistischeren hunderttausende oder gar zigmillionen Tonnen radioaktiven Abfalls sind schon etwas schwerer endgueltig wegzusperren. Zu diesen Mengen tragen natuerlich nicht nur AKW bei, sondern alleine beim Uranabbau fallen auffaellige Mengen schwach strahlenden Materials an, die unbrauchbar fuer die Energieversorger, Medizin und Forschung sind und infolgedessen entsorgt werden muessten.
Es ist wohl in der Tat so, dass es weltweit kein geeignetes Endlager gibt. Weder im kleinen, lokalen, noch im grossen, globalen Blickwinkel.
Alle bisherigen Zwischenlager sind als Endlager ungeeignet (ungeeignet sind sie auch als Zwischenlager, aber mangels Alternativen werden sie dennoch genutzt). Insbesondere nahezu ueberall vorkommendes, korrosionsfoerderndes  Wasser, aber auch fehlender Schutz gegen die grossen Einfluesse der Natur machen es unwahrscheinlich, dass es auf der Welt einen Ort gibt, an dem man radioaktiven Muell sicher & endgueltig entsorgen kann – oder wenigstens fuer eine Million Jahre sicher einschliessen kann, ohne befuerchten zu muessen, dass der Kram irgendwann ins Grundwasser gelangt und damit ganze Generationen Menschen nachhaltig schaedigt.
Es gibt theoretische Endloesungen (Erdumlaufbahn, in der Sonne vergluehen), die aber mit dem derzeitigen Stand der Technik teuer und riskant sind. Vielleicht brauchen wir also gar kein Endlager und es genuegt ein Zwischenlager, bis es sicher und finanzierbar ist, den atomaren Restmuell in der Sonne zu entsorgen oder auf den Pluto zu schiessen.

These 5: Atomstrom ist klimafreundlich
Wieder: Ein klares Jein. Nein, denn alleine den radioaktive Abfall kann man schwerlich guten Gewissens “biologisch abbaubar” nennen, selbst wenn er in einigen hundertausend Jahren zerfallen wird. Hinzu kommt die wesentliche Umweltbelastung beim Abbau (wo widerum 80% des radioaktiven Materials noch vor der sinnvollen Verwendung aussortiert werden). Die CO2-Belastung beim Abbau ist auch nicht unerheblich.
Dem gegenueber arbeiten die reinen Kraftwerke in der Tat recht sauber. Da nichts verbrannt wird, entweicht auch nichts giftiges oder schaedliches in die Umwelt. Solange alles normal laeuft jedenfalls.
Insgesamt, also inkl. des Baus der Kraftwerke, und der Lagernotwendigkeit des radioaktiven Abfalls ist die Oekobilanz von Atomkraftwerken also doch deutlich negativ, trotz relativ guter Werte im Betrieb.

These 6: (Nur) AKW sichern die Unabhaengigkeit vom Ausland
Nunja. In Deutschland scheint da etwas dran zu sein. “Das ganze Land” ist ueberzogen mit Windraedern und doch ist das nennenswerteste Projekt fuer Windenregieerzeugung ein Offshore-Projekt in der Ostsee.
Fuer flaechendeckende Solarenergieerzeugung haben wir jahrsuebergreifend zu wenig Sonnenstunden, und offenbar sind die “Akkus” in Deutschland dafuer auch nicht vorbereitet. So etwas wie “Nachtwaermespeicher”, in denen Energie, die tagsueber bei Sonne im Ueberfluss erzeugt wuerde, gespeichert werden koennte, um sie abends und an Regentagen abzurufen, scheint es nicht zu geben.
Zwar haben wir noch Kohle fuer einige Jahrzehnte Oeko-Ausbau, aber wer will schon ernsthaft Kohlekraftwerke.
Bleibt noch Gas, was in Deutschland auch quasi gar nicht existent ist, den dafuer noetigen Rohstoff muesste man also auch umstaendlich importieren.
Wirklich autonom kann man im Sinne dieser Frage nur arbeiten, wenn man nicht auf irgendwie geartete aeussere Einfluesse angewiesen ist – und hier scheinen bestehende Atomreaktoren eine durchaus sinnvolle Antwort auf diese Frage zu sein.
Zwar muss man sich fragen, ob es in einem vereinten Europa noetig ist, vom “Ausland” zu sprechen, von dem man “unabhaengig” sein moechte – aber das steht auf einem anderen Blatt. Wenn die Landesgrenzen den Massstab bilden, muss die Antwort hier im Moment wohl lauten: Ja. Nur Atomkraftwerke gewaehleisten (derzeit) eine Autonomie in Fragen der Energieversorgung.
Allerdings muss man klar anmerken: Auch Uran gibt’s nicht in Deutschland abzubauen. Hier kann man sicherlich groessere Vorkommen Lagern um einen laengere Zeit “zu ueberwintern” – aber unabhaengigkeit von anderen Laendern ist damit nur bedingt gegeben.
Das Argument, dass man lieber Strom von deutschen, ‘sauberen’ und qualitativ hochwertigen Atommeilern akzeptiert, statt andernfalls Strom von ‘schmutzigen” franzoesischen AKW ist allenfalls ein ideologischer – im Worst-Case-Szenario nehmen sich beide Typen nichts.

These 7a: AKW sichern Arbeitsplaetze
unklar

These 7b: AKW gefaehrden Arbeitsplaetze
unklar

These 8: Die derzeitige Zwischenlagerzulieferung erfolgt auf Kosten des Steuerzahlers
Das ist in der Tat so. Sowohl die Bergwerke selbst, deren Erschliessung als auch die Anfahrt und Betreuung der Castor-Behaelter werden vom Steuerzahler getragen.
Die Betreiber der AKW uebernehmen weder die Kosten fuer den Abtransport noch fuer die Sicherung. Inwiefern sie an der Erschliessung neuer Zwischenlager beteiligt sind ist unklar, erscheint mir aber angesichts des grundsaetzlichen Kuschelkurses der deutschen Regierungen der letzten Jahrzehnte mit den relevanten Energieunternehmen nicht wahrscheinlich. 

These 9: Wo Oekostrom draufsteht, ist auch Oekostrom drin
In 1b schon grob angerissen: “Oeko” heisst im liberalen Modell, dem sich der deutsche Markt unterordnet, dass Strom aus regenerativen Ressourcen gewonnen werden muss.
Es ist aber egal, wo dieser Strom produziert wird. Die Schweden etwa verkaufen einen Teil ihres immensen Stromanteils aus regenerativen Energien und kaufen im Gegenzug nicht wenig Atomstrom aus den atomproduzierenden und –exportierenden Laendern.
Wirklich befremdlich an diesem Procedere: Strom laesst sich relativ schlecht transportieren. Statt also Strompipelines zu bauen, wird der Strom “virtualisiert” – er wird auf kleine Scheinchen gedruckt, die dann entweder verfeuert werden – oder verkauft. funktioniert ein bisschen wie der Handel mit Wertpapieren, auf denen auch jede beliebige Zahl stehen kann, deren Wert dieses Papier dann uebernimmt.
Beim Strom kann man sich auf diese Weise also quasi gruen kaufen. Man verkauft fuer wenig Geld diejenigen ‘Zertifikate’, deren Gegenwert als ueberproduzierter Strom freigegeben wird, an andere Laender, die ihn gebrauchen koennen. Im Gegenzug kauft man Zertifikate fuer Atomstrom und drueckt so die lokalen Preise fuer den teuer hergestellten Oekostrom. Fuer die schwedischen Kunden bedeutet das, dass sie fuer Atomstrom bezahlen, obwohl sie keinen erhalten. Umgekehrt zahlen wir in Deutschland demnach teilweise fuer Oekostrom, den niemand liefert.

These 10: Wir haben ein Ueberangebot an Solarstrom
An sonnigen Tagen, offenbar. Jedenfalls macht uns das die Netzagentur glauben, die aufhoert, den privaten Besitzern von Solaranlagen Abschlaege fuer ins Netz eingespeisten Strom zu bezahlen um so die Monatsabrechnungen etwas glimpflicher zu gestalten.
Auf der anderen Seite herrscht in Mitteleuropa ein raues Klima, Solaranlagen sind vielleicht zu zwei Dritteln der Zeit nahezu nutzlos und produzieren dafuer im restlichen Drittel eine Uebermenge. Ein Teil der Argumentation koennte also in der fehlenden Konservierungsmoeglichkeit der Energie liegen.

These 11: Schuld an der Oekoblockade sind nur die schlecht ausgebauten Netze
unklar

These 12: Ist Atomstrom eine Brueckentechnologie?
Eine ‘Bruecke’ sollen Atommeiler vor allem zwischen windigem und windstillem Wetter bilden. Sie sollen also ausgleichen, wo Kraftwerke, die auf unberechenbareschwankende natuerliche Ressourcen angewiesen sind, ihre offenbaren Schwaechen haben: Strom liefern wenn Windraeder keinen Wind sehen.
Von den Betreibern der AKW wird dies gerne auch als ‘Grundlast’ hingestellt, die die nachhaltigen gruenen Kraftwerke nicht zu leisten in der Lage sind.
In diesem Standpunkt finden sich grundsaetzlich auch Atomkraftgegner wieder, das scheint also durchaus ein Problem zu sein.
Ob nun aber Atomkraftwerke, die nicht beliebig wieder heruntergefahren werden koennen, wenn der Wind dann wieder loslegt, sondern technisch bedingt zwangslaeufig immer laufen, also auch, wenn die Windraeder alleine schon mehr Strom liefern, als wir brauchen oder speichern koennten, die richtige Wahl solcher “Grundlasterzeuger” darstellen darf indes bezweifelt werden.
Hier schwoeren die Kritiker auf Gaskraftwerke und natuerlich den neuen Joker, Kraft-Waerme-Kopplung.

 

 

Tja, das ist, was ich ueber AKW zu wissen glaube und was in der einen oder anderen Debatte zum Thema gewiss hilfreich sein koennte.

Und noch das: Ich habe nicht viele Leser, aber vielleicht koennen die zum einen oder anderen Punkt noch was Zielfuehrendes beitragen. Immerhin ist die Urban-Legend-Kategorie der Quotenrenner bei mir, waer ja schon schoen, wenn die Daten darin dann 100%ig stimmig sind Smiley mit geöffnetem Mund

Krieg in Zeiten digitaler Netzwerke

so waechst sie also zusammen, unsere grosse Welt.

Frueher, da war die Information weit weg. Ja, man konnte im Fernsehen und in Zeitungen, aber auch ausfuehrlich in Magazinen und Buechern einen starken Eindruck von der Welt und dem, was ihr zustoesst, gewinnen.

Man konnte ahnen, dass das, was da 10.000 Kilometer entfernt passiert, tatsaechlich real ist. Dass es passiert und Menschen passiert, die unter anderen Umstaenden Deine Bekannten, Freunde, Familien haetten sein koennen.

Man ahnte, dass Menschen in weiten Teilen der Welt an Hunger leiden, an Durst leiden, an Mangel an Medikamenten leiden.

Man ahnt den Schmerz und die Verzweiflung, die einem das Fernsehen in vermeintlich ‘ungeschminkter‘ Wahrheit’ als “Szenen aus dem Krisengebiet” zu erkennen gestatteten.

Man erhaelt eine Ahnung von dem Schmerz und der Verzweiflung, die Menschen uebermannt, die noch die sterblichen Ueberreste ihrer Liebsten in den Armen halten, in die Kamera weinen und anrufen, wen auch immer sie dahinter waehnen.

Ich kann das nicht sehr gut. Den Eindruck gewinne ich jedenfalls in den letzten Tagen und Wochen verstaerkt. Meine empathische Reichweite ist ausgesprochen schlecht ausgepraegt.

Waehrend ich so arbeite, laeuft, natuerlich als reine Projektstudie, Twitter nebenbei, Facebook sowieso.

Meine Neugier treibt mich auch nach #egypt und #libya
Ich wuenschte, ich haette davon die Finger gelassen.
Heute ahne ich, dass die Welt noch wesentlich haesslicher ist, als mir bisher klar war.

Der Krieg – und nichts anderes passiert dort unten, vielleicht nur in kleinen Dosen, aber fragt mal die, die da sind – gewinnt ganz offenbar dann an Format und Substanz, wenn man ihn ungeschoent serviert bekommt.

Ich kann nur ahnen, wie es Menschen dort unten geht, die unter Gefahr fuer das eigene Leben Bilder und Videos aus den Krisengebieten machen, die sie dann in diversen Netzwerken posten und der Welt zugaenglich machen – nicht zuletzt, um die Welt darauf hinweisen, dass es dort unten ganz offenbar an eben einfach allem fehlt – vor allem aber auch an der notwendigen Unterstuetzung gegen den Mord an den Menschen dieser Voelker.

Frueher war ich begeisterter Linkverfolger. Heute habe ich Angst, auf Links zu klicken. Ist selten was gutes drin dieser Tage.

Das gab es vorher nicht zu sehen. Nicht in Nachrichten, nicht in Magazinen. Das ist offenbar das wahre Leben. Grandiose Arbeit, Menschheit.

Hoch hinaus (reloaded)

Kaum ist der aegyptische PharaoPraesident erfolgreich aus dem Land getraellertzwitschert und der zarte Folgeaufstand in Algerien niedergeknueppelt, verschwindet der Glanz der globalenregionalen (thnx @ opalkatze) Revolution dermeiner gebildeten und ideologiebetrunkenen Generation kosmopolitischer Smartphonejuenger – und schaerft stattdessen den Blick fuer den eigenen, verdorbenen Abgrund egomanischer & gesellschaftssuizidaler Bedeutungsschwere.

Ja, Michael Seemann mag durchaus etwas uebertrieben weit ueber dem Erdboden schweben, wenn er mit seiner Vision der ‘Mittelstands-Eliten’ ueber die Distanz der iGen von deren nationalen Wurzeln orakelt, aber so sehr (/sofern) man sich auch der Versuchung zu entziehen versucht, sich nicht selbst zu einer ‘Elite’ zu addieren, kommt man – bei objektiver Ernsthaftigkeit – nicht umhin zu bemerken, dass auch in so platten Selbstueberschaetzungen ein Kernchen Wahrheit liegen moegen.
Klar, es faellt zusehends leichter auf dem Rueckenwind der egozentrischen Ueberschaetzung zu surfen (beispielhaft: 1, 2), eben genau so wie es immer viel leichter ist, die offensichtlichen Schwaechen anderer gegen die eigenen aufzuwiegen.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist es ein fataler Irrglaube, anzunehmen, diese Generation sei ‘wie alle vorherigen’ und das ‘werde sich schon alles relativieren’. Das wird es nicht. Ich wuerde nicht soweit gehen, mich aufgrund des Besitzes eines Smartphones zu einer Elite zu zaehlen, aber ich sehe durchaus auch die Unterschiede zu meinem Umfeld. Und viel amuesanter: Ich sehe reflexartiges Anpassen. Das Ende des 20igsten Jahrhunderts und insbesondere der Start des 21sten Jahrhunderts stehen wie keine andere Epoche der Menschheit fuer rasanten Wandel, unfassbar schnelle Entwicklung, ueberschallartiges an- und abschwellen von Trends und Modeerscheinungen. Diese Geschwindigkeit kann lange nicht jeder gehen – und wo das nicht moeglich ist, wird nach Etablierung von Trends umgehend die Breitentauglichkeit konzipiert und umgesetzt. Klar, auch hier treffen auf einige gute tausende und abertausende schlechter Ideen – der Unterschied ist aber, dass eine Generation von Menschen ueber diese Tauglichkeit entscheidet, die so noch nie in diese Verantwortung genommen wurde – schlicht und einfach, weil sie als erste davon erfaehrt.

Ob sie diejenige ist, die auch am ehesten dazu taugt, Segen von Fluch zu unterscheiden muessen andere entscheiden. Vornehmlich ‘Nachfolger’. Aber das ist an sich auch unerheblich. Es ist der Status quo, der ‘die Welt’ und alle in ihr verfuegbaren Optionen eine anderen Klientel eroeffnet, als dies noch vor 50 Jahren der Fall war.
Davor die Augen zu verschliessen ist toericht und meiner demuetigen Meinung nach fatal. Andererseits obliegt diese Einschaetzung auch nicht nur dieser einen Generation – die Selbstreflektion und die Moeglichkeiten zu deren externer Wahrnehmung alleine genuegen bei weitem nicht, diese Recht exklusiv einzustreichen.

ich jedenfalls bin gespannt, ob und wann meine Nachbarn mich besuchen und mit mir gemeinsam durch die Blogs dieses Landes surfen – so lange kann das ja nicht mehr dauern.

~2ct

 

/Edith spuckte mir grad auf den Teller:
Waehrend ich vorhin so an der Zapfsaeule stand und fuer horrende 1,449€ Super in meinen Tank pladdern lies, schlug mir meine Selbstverliebtheit auf den Kopf und erinnere mich daran, dass ich diese Woche eines nicht tun wollte: Die Augen verschliessen vor Offensichtlichem.
Natuerlich hat Michael Seemann recht. Und wieder nicht. Klar ist er Teil einer elitaeren Bewegung. Das mag letztlich je nach Betrachtungswinkel auch auf Bowler, Kinderriegelkaeufer und Spaziergaenger gelten. Insbesondere aber gilt es fuer Mitlaeufer einer Generation, die zu grossen Teilen nicht zu fassen vermag, welche elementare Rolle sie in der Entwicklung der Spezies Mensch spielt. Das Gejammer in der allmonatlichen NEON ist ja ein recht eindeutiger Hinweis darauf, dass eben noch immer ewig viele aus der Generation glauben, sie koennten’s wie ihre Eltern machen. Nein, koennen sie nicht. Und nein – das macht sie auch zu nix besonderem. Es ist einfach wie die Welt heute funzt. Dazu zaehlt zweifelsohne auch, sich (wenigstens ein Stueck weit) mit den Techniken auseinanderzusetzen, die uns gegeben sind – inklusive aller Verantwortung, die damit einhergeht.

Nein, dafuer habe ich leider ueberhaupt kein Verstaendnis!

Wer kennt das nicht. Man bekommt einen Link zu einem Video auf Youtube, klickt ihn an, und erhalt… nichts. Nur einen der folgenden Hinweise:

„dieses video enthält content von umg. es ist in deinem land nicht verfügbar“
„dieses video enthält content von sony music entertainment. es ist in deinem land nicht verfügbar“
„dieses video ist in deinem land nicht verfügbar“

oder dergleichen.
Dann steht man erstmal da – und wundert sich. Wenn man ein bisschen drum herum sucht findet man ne ganze Menge Beitraege im WWW, die sich mit dem Problem befassen. Einige liefern umgehend die derzeit wohl einzige echte Loesung: Proxyseiten (z. B: http://www.youtubeproxy.org/, http://zend2.com/, http://hidemyass.com/). Diese verschleiern den eigenen Ursprung, geben „Absenderadressen“ irgendwo auf den Cayman Islands oder Tansania als die eigene aus und gaukeln so den Gaengelseiten wie Youtube vor, man waere eben von den Cayman Islands oder aus Tansania. Da von dort aus dieser Content nicht gesperrt ist, hat man auf diese Weise Zugriff auf die besagten Videos. Anno 2011 klappt das auch ganz gut, die Services sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden.

Dieses Verfahren laesst einen ein-, zweimal ueber den Umstand hinwegsehen, dass man, weil man aus Deutschland ist, von der digitalen Welt mal wieder weitgehend abgeschnitten wird. Besonders wenn man „nur mal schnell“ ein Vid gucken moechte ist es also der gangbare Weg.

Wenn man sich mit der Ursache auseinandersetzt, kommt einem hingegen wieder die Wut hoch.
Man wundert sich schon, wieso man ein Vid nicht ansehen darf, weil der Inhalt “in Deinem Land nicht verfuegbar” ist. Man liest dann etwas quer auf den besagten Seiten und erfaehrt, aha, die wissen es also auch nicht. Da wird so manche (zumindest diesmal) unschuldige Verwertungs- oder Gebuehreneintreibungsgesellschaft zu unrecht denunziert und so manche wueste Theorie ueber die Hintermaenner gesponnen. Amuesantes Bashing, aber wenig zielfuehrend.

Der Hintergrund ist im Grunde wirklich simpel: Youtube veroeffentlicht Videos, in den Videos laeuft urheberrechtlich geschuetztes Material – meisst Musik. Dieses Material wird nicht etwa weltweit geschuetzt, nein, man muss sich lokal und regional neu mit dem Schutz dieser Sachen befassen. Das ist wie mit Patenten: Die gelten nicht etwa weltweit – sondern nur regional.
Wenn also jemand aus Finnland einen Song veroeffentlicht, muss er ihn in Finnland, den USA, Deutschland und sonst jedem andern Land extra urheberrechtlich schuetzen. Da dieser Schutz geistigen Eigentums im digitalen, 21sten Jahrhundert eine ganze Industrie befeuert, wird der Nutzen und die Notwendigkeit so hoch gepusht, dass selbst die Kuenstler inzwischen oft glauben, dass das noetig waere – mindestens aber deren Labels, die mit den zustaendigen Verwertungsgesellschaften im Zweifel entsprechende DealsVertraege laufen haben, von denen widerum beide Seiten stets profitieren – stets zu Lasten des Kunden versteht sich.
Nun ist’s so, dass die Welt offenbar sehr unterschiedliche Vorstellungen von Kosten und Wertschaetzung hat. So kostet das Abspielen von urheberrechtlich geschuetzten Songs auf Weihnachtsmaerkten im russischen Hinterland halt nicht ganz so viel wie in bundesdeutschen Grossstaedten. Und auch die grundsaetzlichen Rahmenbedingungen werden unterschiedlich sein: In Russland wird’s heissen: “Hier, zahlste einsfuffzich im Jahr und darfst beliebig oft dudeln”. In BuerokratielandDeutschland gibt’s ne Horde Menschen in einer Reihe Verwertungsgesellschaften, die hauptberuflich dafuer bezahlt werden (und ergo es als ihren Lebensinhalt verstehen), fuer jede noch so abwegige Verwertung Kohle einzusacken. Da werden auch schonmal Kindergaerten boese angeschrieben, die fuer ihre auftragsbehueteten Kids Kopien urheberrechtlich geschuetzter Liedtexte anfertigen wollen – zum gemeinsamen Singen wohlbemerkt, nicht etwa um die zu Hunderttausenden in schicke Einbaende zu pressen und dann netten alten Damen an der Haustuer zu verticken.
Diese Verwertungsgesellschaften sind natuerlich in einem Markt, der dank diverser digitaler Revolutionen (von peer-to-peer ueber bittorrent bis hin zu itunes) mehr und mehr begreift, dass er auf Verwertungsgesellschaften an sich verzichten koennte, darum bemueht, ihre Daseinsberechtigung zu behalten. Ergo stellen sie sich hin und handeln mit den Labels Vertraege aus, die sich in etwa folgendermassen lesen muessen:
Kunde zahlt fuer Musik – anteilig auch an die Verwerter. Multiplikatoren zahlen auch fuer Musik (public viewing, Discotheken, Weihnachtsmaerkte, Kindergaerten, aber eben auch Youtube und jedes dahergelaufene Webradio). Alles wandert in einen Pott und wird (nach Abzug von Verwaltung fuer die Naehrung der Verwertungsgesellschaften versteht sich) nach hochkomplexen Schluesseln an die Labels ausgeschuettet, die ihren Verwaltungsaufwand einbehalten und den Rest vermutlich an die top-5% ihrer Kuenstler ausschuetten.

Das Problem, vor dem die Verwertungsgesellschaften (wie ueberhaupt das ganze Land) stehen, ist, dass sie den Uebergang von analog zu digital nicht begreifen.
Ich erinnere mich noch an die amuesanten Debatten zur “Privatkopie”. Die war zu Zeiten der Musikkassette (manch einer mag sich erinnern…) eine dem Kaeufer zugestandene Moeglichkeit, von gekauften (und verdammt nochmal bezahlten) Kassetten Kopien anzufertigen und diese an Freunde zu verschenken. Schon damals war es verboten, diese Kopien zu verkaufen oder beliebige haeufig unter Menschen zu bringen – aber es galten allgemein gueltige Bagatellgrenzen, aufgrund derer niemand ernsthaft mit Sanktionen zu rechnen hatte, wenn er Kopien (oder Kopien von Kopien) von Kassetten unter die Menschheit brachte. Damals verloren gaengige Kopien mit jeder Stufe an Qualitaet, man konnte nicht endlos neue Kopien erzeugen und Kopien von Kopien schon gar nicht.
Das aenderte sich spaetestens mit der CD, wurde durch MP3s aber geradezu zerbroeselt. Die Verwertungsgesellschaften erkannten, aha, hier kann man verlustfrei Kopien herstellen, und aha, die “Privatkopie” ermoeglicht es den VerbrechernKaeufern unbehelligt 1:1-Kopien der teuren Werke unter’s Volk zu bringen. Also torpedierten sie die Privatkopie, scheiterten aber weitgehend. Beachtlich dabei ist aber vor allem: Die Privatkopie galt zu analogen Zeiten der Kassette noch als Begruendung fuer die Berechtigung einer GEMA-Gebuehr auf (Leer-)Kassetten – als die Technik diese Welt veraendert, aenderte GEMA einfach die Regeln und machte die Privatkopie zum boesen Buben – laesst sich aber dennoch Gebuehren auf Leermedien bezahlen.

Heute zahlt der Kunde fuer vieles GEMA-Gebuehren. Drucker, Kopierer, Leermedien, Festplatten. Auf alles werden anteilige GEMA-Gebuehren faellig. Weil alle theortisch in der Lage sind, digitale Kopien von urheberrechtlich geschuetztem Material anzufertigen. Super.

So, zurueck zu Youtube. Mit denen verhandelt die GEMA irgendwann mal. Youtube sagt “ja klar zahlen wir euch was, is doch kp – hier, pauschal Summe X pro Zeitraum – dafuer duerfen die Leute bei uns veroeffentlichen was sie wollen”. Die GEMA nimmt ihren Job ernst und sagt “aber nein, wir wollen Summe Y fuer jeden verdammten Klick auf ein betroffenes Video. Ihr klaert ab, was da gespielt wird und gebt uns Zugriff auf einfach alle Zahlen, die da so bei euch rumwandern. Wenn nicht, dann: no deal”.
Tja. Da sagt Youtube doch nachvollziehbarerweise: Ja naeh, denn nich. Wir sperren den Zugriff und ihr seht ueberhaupt keine Kohle. Haha.

Das ist das Dilemma. Die GEMA will viel Kohle und, typisch Deutsch, Sonderlocken bei der Abfertigung. Youtube will es moeglichst unkompliziert und natuerlich billig – schliesslich machen die das auch nicht zum Spass.
Deutschland ist sicher ein ganz brauchbarer Markt, aber ganz offenbar nicht interessant genug, als das Firmen, die hinter Youtube oder Facebook stecken sich jeden Kram diktieren lassen. Da lesen sie doch lieber die Absender-IP des Surfers aus und sperren ihn einfach gaenzlich fuer diese oder jene Funktion. DANKE GEMA.
Tja. Wo also liegt die Loesung? Ich haette da ja durchaus Ideen. Abschaffen aller Verwertungsgesellschaften. Die Labels sollen, wenn ueberhaupt, Deals mit Youtube machen. Noch lieber waere mir aber, wenn die Kuenstler endlich ihre Marktmacht ausnutzen und sich selbst promoten. Ich bin der festen Ueberzeugung, Labels sind ein ganz brauchbarer Multiplikator – aber nicht zwingend noetig. Und teures Geld von Youtube zu nehmen, nur weil die Videos spielen, in denen womoeglich Liedschnipsel vorkommen, zu denen irgendwer irgendwo auf der Welt Urheberrechte angemeldet hat, ist echt das Allerletzte. Ich bin mir ziemlich sicher (und man liest es ja auch immer wieder) dass die meissten Bands ueberhaupt kein Problem mit dem Auftauchen in Youtube-Videos haben. Klar, damit KANN man sich den Kram dieser Bands auch anhoeren ohne Geld fuer die Scheibe hinzublaettern. Aber das ist muessig wie die Diskussion um die P2P-Netze einst: Die allermeiste Musik, die nur in solchen Videos gehoert wird, waere ohnehin nie gekauft worden. Wer ernsthaft was anderes glaubt (ich spreche hier nur fuer das Genre Rock – kann und will es fuer andere Genres nicht beurteilen!) hat einfach mal keine Ahnung vom Business. Letztlich ist jedes Auftauchen in jedem Vidoe kostenloses Promoting. Ja, dann laufen die Songs. Aber wie gesagt: Wer sich dann nur 100x das Vid anguckt statt irgendwie die CD zu erstehen, der haette die CD eh nie gekauft – auch dann nicht und insbesondere dann nicht, wenn er es in dem Vid nicht mal irgendwann gesehen haette. Womoeglich waer’ ihm Band und Titel sonst eh nie untergekommen. Ich jedenfalls hoere von den Neuveroeffentlichungen ‘meiner’ Bands nur ueber Facebook oder deren Websites, Rating-Seiten oder last.fm. Ebenso bekomme ich nur von dort neue Inspiration fuer “Musik, die ich mal kaufen sollte”. Keine Ahnung, ob’s ausser den Hoerern der vielbeschworenen 5% der Top-Pop-Elite irgendwem anders geht. Aber von diesem, meinem Standpunkt aus sind Verwertungsgesellschaften nutzlos, schaden sogar eher dem Geschaeft.

Ich jedenfalls werde diesen Verwertungsgesellschaften, die ohne eigene Leistung zu erbringen nur abzocken, keine Chance geben, ueber meinen Zugriff auf irgendwas Einfluss zu nehmen. Lediglich wo ich’s nicht verhindern kann (beim Kauf von Hardware…) ist’s wie es ist. Aber Musik und Videos die ich ansehe, geht die GEMA einen feuchten Kehricht an. Und ich rufe jeden auf, sich aehnlich zu verhalten. Die GEMA (wie andere Verwertungsgesellschaften) sind nur Organe, deren Existensgrundlage obsolet ist, seitdem die Welt durch das Internet zum riesigen Dorf wurde. Und ueberhaupt ist es ein Unding, dass mir als Konsumenten erklaert wird, wie ich meine gekauften Sachen zu handhaben habe. Wenn ich mir einen teuren Fernseher kaufe und den dann vom Tisch werfe, ist das mein Problem. Wenn ich aber Musik kaufe und die meinen Freundin zum reinhoeren kopieren will, dann will da ploetzlich jemand mitbestimmen. Nicht mit mir!

Beitrag ist etwas diffus und sicher leicht ueberzeichnet – liegt halt vor allem daran, dass ich fuer Verwertungsgesellschaften, die ernsthaft keine Leistung erbringen, sondern sich nur als Schmarotzer in die Leistung anderer einklinken, null Verstaendnis habe. Mir ist unklar, wieso der Gesetzgeber in Deutschland sowas rechtfertig. Aber diese Liste ist ja eh etwas laenger.

In einer fernen Welt…

„Kepler“ in Höchstform: Erdähnliche Planeten entdeckt – n-tv.de.

 

Is mir unklar.

Wieso ist „Wasser“ die Grundlage allen Lebens? Wieso ist es auf Planeten nach Meinung von Astronomen „zu heiss“ fuer Leben? Wieso ist alles, was wir ueber das Leben zu glauben wissen, allgemeingueltig fuer das ganze, von uns nichtmal einsehbare Universum? Wieso ist unsere Definition von „Leben“ grundsaetzlich die einzig akzeptable?

Angenommen, wir, die Bewohner dieses Planeten, sind NICHT die einzigen Lebewesen dort draussen. Angenommen, die spektakulaere Geschichte unserer Evolution ist nicht nur genau einmal passiert und nur hier hat sich auf wundersame Weise ein Staubkorn ans andere gekuschelt um Millionen Jahre spaeter auf diese, vor mir liegende Tastatur zu haemmern. Wieso ist es unter diesen Annahmen abwegig, dass auch Leben ohne Wasser existieren kann? Und was genau ist „Leben“ eigentlich? Die einfachste, greifbare und fuer uns irgendwie plausible Version davon ist doch „kann unter den Umstaenden, die auf der Erde vorliegen, existieren“. Klar, wenn man sich daran stur haelt, kann man vermutlich wirklich alles, was nicht die Erde ist, als ungeeignet, Leben zu gestatten, anerkennen. Wieso aber sollten diese fuer uns logischen Grundregeln auch fuer andere gelten?

Selbst wenn wir mal nur die Phantasie der Menschen als Grundlage nehmen: seit Jahrhunderten skizzieren vermeintlich kreative Koepfe Lebensformen, die nicht auf Wasser angewiesen sind um zu existieren. Lebensformen, denen die Umgebungstemperatur scheissegal ist. Lebensformen, die mal mehr und mal weniger Menschen aehnlich sind – oder auch gaenzlich anders sind. Sie alle eint im Grunde vor allem nur eines: Existenz. Sie existieren aber nicht zwangslaeufig in unseren engen Massstaeben, in unserer Vorstellung von den grundsaetzlichen Gegebenheiten dieses Universums.

Alles, was wir ueber die Erde, unser Sonnensystem und das Universum wissen, messen wir doch nur nach dem Massstab, in dem wir uns auskennen – nach Regeln, die wir kennen, deren Grenzwerte klar sind. Das Wasser ist nass, der Himmel ist blau und die Menschen sind das intelligenteste, was im Weltall rummschwirrt (um mal ein etwas angestaubtes Filmzitat zu entlehnen).
Vielleicht gelten fuer andere Existenzen aber andere Regeln? Wieso ist das so schwer zu glauben, dass es Wesen aus Materialien gibt, die wir nicht einmal kennen. Die sich von Dingen ernaehren, die wir ebenfalls nicht kennen. Oder die auf Nahrung ueberhaupt nicht angewiesen sind. Die nur in Form von Strahlung existieren. Oder in Form eines Zustandes, den wir nichtmal kennen. Ja, es gibt nur „Fest“, „Fluessig“ und „Gasfoermig“. Aber ist das nicht vielleicht auch einfach nur eine Limitierung, der wir hier auf der Erde unterliegen? Oder deren Grenzen wir einfach noch nicht erkannt haben, entdeckt haben?

Warum sind alle diese Fragen so gross, so wenig greifbar. Das wird mich beizeiten wahnsinnig machen, das ich das nicht verstehe oder auch nur begreife.

Turbulente Wochen…

Tjo. Seit gestern Nachmittag steht so ein asozialer Penner auf meinem Parkplatz – auf Privatgelaende, im markierten (wenn auch vereisten und daher nicht sichtbaren) Rahmen. Natuerlich weiss er, dass er da falsch steht – er kurvt hier schon seit Wochen rum und parkt mal hier und mal dort – sehr zu meinem Aerger, da er eigentlich immer so stand, dass er mich bei einer irgendwie gearteten “natuerlichen Bewegung” behindert hat. Nun also die Kroenung – statt mich zu stressen nimmt er mir einfach mein bezahltes Recht, auf meinem Stellplatz zu parken. Habe natuerlich instant einen Zettel an die Windschutzscheibe gepappt, aber der ist nicht unbedingt freundlich (aber durchaus angemessen) und wird wohl nicht unbedingt zur Aufloesung dieses schwelenden Konflikts gereichen. Aber mir ging es fuenf Minuten lang besser.
Hat iwer Erfahrungen mit dem Abschleppen von fremden KFZ vom eigenen Stellplatz? Ich weiss so ungefaehr wie’s laeuft – man muss auslegen und sich die Kohle zurueckholen. Verstehe aber nicht, wie ich erfahre, von wem ich die Kohle zurueckholen muss, und ob ich damit genoetigt waere, einen Anwalt damit zu beschaeftigen, das zu besorgen… Dann kann ich die Kohle auch gleich verbrennen…
Ich find’s ja mal wieder typisch deutsch (und nicht unerheblich unnoetig) dass einem Privatemenschen hier nur wenige Moeglichkeiten bleiben. Wenn man so googlet, findet man neben den Rattenfaengeroptionen (“Schreiben Sie uns, wir machen das fuer Sie…”) vor allem halt die rechtlichen Rahmenbedingungen, die da bedeuten: Polizei & Ordnungsamt machen nix, zustellen is nat. keine Loesung und fuers Abschleppen muss man die Kosten vorstrecken – ob man sie zurueckerhaelt is entsprechend ungewiss. Stellt man sich die Frage, wieso das so gehandhabt wird. Natuerlich ist das ein Fall fuer die Polizei. Ich mein, wenn einer in meiner Bude hockt wenn ich nach Feierabend nach Hause komme, ist die doch auch zustaendig. Albernes System.

Ausserdem hab ich mir gestern beim Salat-Schnibbeln eine kleine Mittelfinger-Fleischbeilage dazu geschnitten – ausgerechnet linker Mittelfinger. Kann nun nicht mehr vernuenftig W-A-S-D bedienen – ‘s wird Zeit fuer die neuronalen Spielsteuerungen –.-

Vielleicht bin ich deswegen ueber die Geschehnisse der letzten Wochen noch eine Ecke weniger Happy als ohnehin angemessen waere.

  • Da waere zum einen der unsaegliche Zoff um Gebuehren fuer’s Liedersingenkopieren (ist nur der einpraegsamste Beitrag zum Thema – aktuell wurde es nochmal in der juengeren Vergangenheit) in Kindergaerten (wenngleich das GEMA-Bashing natuerlich etwas relativiert wird, wenn man die Geschichte mal von einer anderen Seite betrachtet ^^). Das fuehrt natuerlich unmittelbar in die etwas fernere Vergangenheit zurueck – zum Weihnachtsmarkt-GEMA-Bashing. Scheissegal, wer hier tatsaechlich Rechteverwerter ist, scheissegal, wer hier tatsaechlich Initiator von erhobener-Zeigefinger-Briefen ist, das ganze Theater beweist ja nur, wie sehr die Welt im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen den Fokus fuer Wesentliches verlieren. Mehr und mehr erwachsen wir zu einer Nation von Kleingeistern – das digitale Zeitalter uebersteigt meiner bescheidenen Meinung nach den Verstand der meissten Menschen. Also schlagen wir uns mit analogen Grundsaetzen durch, bis irgendwann alles im Chaos versinkt. Niggemeiers Versuch, zu schlichtenerklaeren untermauert ja nur die Hilflosigkeit und den stoischen Aktionismus, zu dem sich so viele Menschen genoetigt sehen, um dem Informationszeitalter, in dem Produzieren mehr und mehr dem Multiplizieren weichen muss, gerecht zu werden.
  • Dann war da noch die Sache mit unserem Verkehrsminister. Die deutsche Bahn ist im (schon wieder…) schrecklich spontan einbrechenden Winter zu immerhin einem Fuenftel verlaesslichpuentklich – das laesst hoffen, denn weniger geht ja kaum. Die naechste Statistik wird also vermutlich besser aussehen. Die Berliner S-Bahn spielt derweil den Hampelmann der Nation, streicht Silvester-Sonderzuege und glaenzt zu Jahresbeginn durch PuenktlichkeitPreiserhöhung. Der Flugverkehr lahmt, die Autobahnen werden nicht ordentlich geraeumt und in vielen Staedten ist (schon wieder…) das Salz am Limit (wo waren die Verantwortlichen im letzten Winter?). Der dafuer zustaendige Mensch mit hoechsten Befugnissen im Land ist Verkehrsminister Ramsauer, der sich derweil lautstark dafuer einsetzt, seine zum Amtsantritt angekuendigten Bemuehungen, in seinem Ministerium die guten, deutschen TugendenSprache zu etablieren. So sehr man fuer oder gegen diese Offensive sein kann, so unzweifelhaft ist, dass Herr Ramsauer derzeit wohl besseres zu tun hat, als sich in Interviews damit zu profilieren, dass er die deutsche Sprache zu retten versucht. Aber nach eigener Aussage hat er die “Noete und Sorgen” der Menschen ja durchaus im Blickfeld – insofern ist die Sache mit den Verkehrsmitteln vielleicht auch einfach nur ueberdramatisch in der Presse dargestellt…
  • Toll fand’ ich ja auch Merkels Neujahrsansprache. Davon abgesehen, dass ihr nun auch wirklich der letzte Funke Glamour abhanden gekommen ist, lohnt sich durchaus der Blick hinter die vermeintlichen Fakten, die sie so grosszuegig mit uns teilt. Dabei stellt man dann ernuechtert fest, dass selbst vermeintliche Grundfesten des Landes nur Nebelkerzen zu sein scheinen. Nicht unbedingt ein Grund, an Vertrauen in dieses Land und seine gewaehlten Volksvertreter zu gewinnen…
  • Wenn wir vorhin das GEMA-Bashing angesprochen haben, muessen wir natuerlich unbedingt das GEZ-Bashing noch hinzuziehen. Ab 2013 veraendert sich das Abzockmodell (sigh!) des oeffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die “Rechteverwerter” der GEZ. Ab 2013 wird jeder Haushalt zur Kasse gebeten. War’s bisher schon schwer genug, den Schnuefflern der GEZ auszuweichen, wird das kuenftig zwar unnoetig, dafuer aber auch unmoeglich sein. Ueber den Sinn und Nutzen des OeRR will ich gar nicht reden, das ist aus vielen Blickwinkeln Ansichtssache und die regen Debatten im Internet beweisen, dass hier ein bunter Strauss Argumente zusammengetragen werden kann – fuer beide Seiten. Man geraet im Sog dieser Gebuehrenmodifizierung eindeutig zu schnell in ein “Verbotene Liebe”-Bashing, das ist einigermassen nervig. Ich selbst bin ja ein grosser Fan der Kulturflatrate – die GEZ in allen Haushalten ist ein Schritt in diese Richtung. Zwar wird der falsche Content bezahlt, aber das Gebuehrenmodell, an eine Steuer angelehnt, erscheint mir grundsaetzlich logischer, als einen Apparat wie die GEZ zu beschaeftigen, die wiederum nix anderes tun als Buerger zu gaengeln. So wird sich mittelfristig auch die GEZ selbst subtrahieren, denn der naechste, folgerichtige und konsequente Schritt wird ein Wechsel von OeRR-Gebuehren zur OeRR-Steuer sein. Mal schaun, wann’s soweit ist.
  • Was unbedingt in die GEZ-Debatte gehoert (im krassen Gegensatz zum Inhalte-Geheule) ist der Auftritt der neuen ARD-Intendantin Piel, die sich zum Amtsantritt direkt mal zwischen Groessenwahn (“wir sind bereit fuer Google”) und dem Wunsch, den Menschen noch mehr Kohle aus den Rippen zu leiern (“Tagesschau-App muss kostenpflichtig werden”) verlaeuft – und weil das fuer eine Intendantin der ARD zum Einstieg noch nicht genug Leuchtfeuer ist, wird direkt mal auf den “Geburtsfehler des Internets” hingewiesen – kostenloses. Traumhaft nachzulesen und fuer die Ewigkeit im Herzen und Kopf der Menschen eingebrannt. Wenn solche Sorten Mensch so zentrale Stellen in Deutschlands oeffentlichen Sektoren besetzen duerfen, dann haben wir’s bald geschafft und begeben uns ins digitale Seitenaus. Macht aber auch nix, auf Youtube gibt’s ohnehin nix anstaendiges mehr zu sehen, wenn man aus Deutschland hinsurft und die Pornoseiten werden ja kuenftig sowieso nur noch nachts offen sein (jaja, das Gesetz ist eingefroren – es wird auf die eine oder andere Weise dennoch zurueckkommen, erinnert euch an meine Worte…). Es ist also nur konsequent, die Evolution des digitalen Zeitalters anderen zu ueberlassen.
  • Last but not least kotzt mich derzeit mal wieder dieses latente Terrorgefahr-Gehabe an. Dass wir Deutschen (!) uns ueber Rasterfahnundsartige Selektionen an Check-In-Bereichen auf Flughaefen aufregen, die ja sowieso schon immer vorgenommen wurden (nur bisher schlauerweise, ohne drueber zu reden…), ist nur ein Aspekt. Ja, es gab mal wieder Anschlaege. Ja, es gibt vielleicht viele vereitelte Versuche, Anschlaege zu verueben. Ja, auch in Aegypten schepperts wieder. Ja, die Welt ist ein unruhiger Ort – und ja, das kann einen vollkommen zurecht erschrecken und betroffen machen. Aber ich fuer meinen Teil werde nicht in Angst leben. Diese Entwicklung, die die Menschheit derzeit durchmacht, besorgt mich viel mehr als diese verirrten Seelen, die sich aus welchem Antrieb auch immer mit maximaler Streuwirkung zur Waffe von Extremisten oder extremen Ideen machen. Ich ahne, dass Orwell mit seinen Visionen nicht etwa thematisch daneben liegt – sondern nur zeitlich. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, meiner Frau dafuer zu danken, dass sie, wie ich selbst ja auch, keine Kinder in diese kaputte Welt zu setzen bereit ist. Ich frage mich, welche Sorte Mensch offenen Auges durch’s einundzwanzigste Jahrhundert spaziert und trotzdem Kinder in diese verlorene Welt setzt. Mehr und mehr verliere ich den Glauben an diese Spezies. Und mehr und mehr druecke ich der Natur die Daumen, dass ihre Bemuehungen, die Menschen vom Erdball zu fegen, baldmoeglichst Erfolg haben werden. Moeglichst noch bevor wir irreparablen Schaden anrichten…