Schlagwort-Archive: Aus dem Herzen

Frauenquote? Wirklich? Schwachsinn!

Okay, jetzt mach ich mich vermutlich schrecklich unbeliebt bei einigen und es folgen jetzt einige wilde und unbelegte Thesen, aber auf denen sitze ich und über diese grüble ich jetzt schon ne ganze Weile, daher mal Butter bei die Fische:
Frauenquoten sind einseitig, produktionshemmend, feindselig und ausgesprochen unfair. Frauenquoten haben nicht (und hatten nie) das Ziel, die “männlich dominierten Chefetagen” mit starken, karriereorientierten Frauen zu durchsetzen – sie waren immer nur und konsequent ein Wunsch nach dem “Freihalten von Plätzen” – falls mal eine Frau vorbeirauscht, die da gerne mal gucken will, wie es sich so anfühlt – wenn auch vielleicht nur kurz und nur, um mal zu sehen, wie diese Seite am Buffet aussieht.

Grundsätzlich bestehe ich auf den Standpunkt, Gleichbehandlung zu favorisieren. Ich will weder ein eventuell bestehendes Konstrukt männlicher Dominanz um jeden Preis aufrecht erhalten (das ja auf den ersten Blick durchaus existiert), noch möchte ich, dass jemand, aus welchen spezifischen Gründen auch immer, eine Bevorzugung genießt. Ich bin relativ überzeugt vom Leistungsprinzip und der Ansicht, dass nicht etwa Geschlecht, Konstitution, Herkunft oder Alter entscheidend sind für die Antwort auf die Frage, wer einen Job besonders gut machen kann, sondern einzig die Tatsache, wer einen Job besonders gut machen kann!
Ich kann das relativ guten Gewissens, da ich männlich, gesund und leistungsfähig bin – und weder etwas geschenkt bekomme noch Bevorzugungen irgendeiner Form genieße. Das ist relativ deutlich an meiner finanziellen und beruflichen Situation zu erkennen, in der ich zwar nicht am Hungertuch nage, aber auch relativ weit davon entfernt bin, “Karriere” zu machen. Ich muss mir meine kleinen Schritte hart erarbeiten und ich habe nicht den Eindruck, dass mir jemand etwas in den Arsch bläst. Genug der Verteidigung, auf zum Angriff:

Frauen haben gegenüber Männern einen gravierenden, anatomischen Vorteil: Sie können Kinder gebären. Nach der Besamung sind wir Männer im Grunde raus aus der Gleichung, wenn wir uns dann aus dem Staub machen, wird trotzdem alles seinen Gang gehen. Schwangerschaft, Geburt, Aufzucht – toller Trick. (Von mir) vollkommen unbestritten ist, dass die Frau dadurch eine besondere, enge und nachhaltige Beziehung zum Kind aufbaut. Schon biologisch muss diese Bindung enger sein als alles, was ein Vater für seine Nachfahren empfinden mag.
Das führt NATÜRLICH dazu, dass Frau sich nach der Entbindung und inmitten der Aufzucht um ihre Kinder kümmern möchte und noch 2 bis 30 Jahre die Mutti raushängen lassen will – wen wundert das denn bitte? Diese 2 bis 30 Jahre, finde ich, soll sie auch erhalten. Und zwar in vollem Umfang. Das muss, in einer Gesellschaft wie der unseren, machbar sein. Basta. Wenn Mann das möchte und in Absprache mit der Frau, soll auch Mann das tun dürfen, selbstverständlich und ungefragt – aber bitte mit den selben Konsequenzen.
Denn was nicht machbar sein muss, ist, dass ihr Job in diesen x bis y Jahren unbesetzt bleibt. Dass ihr einstmals erarbeiteter Job, den sie, im besten Fall, aufgrund ihrer Qualifikation erhalten hat, noch immer auf sie wartet. Koste es, was es wolle. Das ist etwas, dass muss man sich halt einfach vor Augen führen: Will ich Kinder? Dann fressen die nunmal Zeit. Mindestens die Zeit, die es braucht, das Kind zu zeugen, zu “züchten” und auszutragen. Danach mag es Optionen geben, und die mag man auch ziehen mögen – aber alles, was in dieser Zeit über den Zeitraum eines Urlaubs hinausgeht, ist einfach ungesund für alle Seiten. Den Arbeitgeber (der ne Stelle bezahlt, deren Arbeitskraft er dennoch ersetzen muss), die Kollegen (die diese Arbeitskraft sind), ja selbst die Frau selbst wird dadurch unter Druck gesetzt und zur Eile gedrängt. Vollkommener Quatsch. Klar, wenn sie dann nach wie viel Zeit auch immer zum Arbeitsplatz zurückkehrt, muss sie halt bei Null anfangen. Genau dort, wo sie begonnen hat, als sie aus der Schule kam (oder aus dem letzten Job oder was auch immer). Woher kommt diese Grundsatzhaltung, dass ein Anspruch darauf besteht, dass alles noch beim Alten ist? Ganz egal, wie viel Zeit und Geld ich mit diesem Wunsch, ein Kind zu machen, verbrannt habe?

So, das is das eine, hat aber natürlich noch nicht sehr viel mit der Frauenquote zu tun. Aber über Umwege dann doch: Mit diesem Wissen bewaffnet, dass Frauen biologische Zeitbomben sind in einem Umfeld, in dem es womöglich auf jede Minute Arbeitskraft ankommt, ist es nur allzu verständlich (aus Unternehmersicht!), diejenigen auf Schlüsselpositionen zu setzen, die absehbar beliebig lange dort verharren können und absehbar immer da sind. Das ist bei Männern eher der Fall – eben weil sie, selbst wenn sie sich mal um die Vollzeiterziehung eines Kindes kümmern wollten, einen ungleich höheren Rückzugsschwung haben. Ihre Biologie schreibt ihnen nicht vor: “Verbring noch etwas mehr Zeit mit dem Kind”. Jaja klar, das kann auch mal ins Auge gehen weil ein Mann halt auch mal einvernehmlich die Vollzeiterziehung übernehmen mag (oder von einem scheiss Bus überfahren werden kann…) – aber in den allermeisten Fällen dürfte die Rechnung hinhauen. Das ist auch der Grund, wieso ich behaupte, dass die vielzitierte "Männerdomäne” eine Mär ist – es ist vielmehr eine Zuverlässigkeitsdomäne. Als Unternehmer verpflichte ich mich meinen Mitarbeitern, aber auch meinem Geldbeutel gegenüber, das Unternehmen möglichst effizient zu führen. Dazu zählt definitiv, die Anzahl der Übergaben durch Mitarbeiterfluktuation gering zu halten.* Und wenn das bedeutet, dass ich mich nur mit jungen, hässlichen Junggesellen umgebe, dann bedeutet es das. Wichtig ist, für den Unternehmer, dass der Laden läuft. Wenn ich dieses Gefühl bei einer Frau habe, und sie nunmal die beste für den Job ist – zeigt mir einen Unternehmer, der dann auf den hässlichen Junggesellen setzt… Blödsinn.

Eine gesetzliche Frauenquote würde demnach bedeuten, dass ich jemanden wegen ihres Geschlechts aber ungeachtet ihrer Qualifikation, ihrer Eignung und ihrer Zuverlässigkeit einen Job anbieten muss, den ich ihr nicht anbieten würde, wenn ich die freie Wahl hätte – und Qualität entscheiden lassen dürfte.

Was mich gleichsam irritiert ist die Tatsache, dass die Frauenquote ja nur bei “Vorstandsposten” und in “Geschäftsführungsetagen” gefordert wird. Natürlich verstehe ich so grundsätzlich, dass “auf dem Bau” und “in der Technik” eher konstitutionelle als ideologische Hürden genommen werden müssen – aber denken wir den Gedanken mal zu Ende: Wenn man es konsequent machen sollte, müsste in einem Unternehmen, dass 2000 Maurer, Tischler, Schreiner und Dachdecker beschäftigt und das mit einem Verwaltungsapparat von 20 Leuten bewerkstelligt eine Geschäftsführung aus beispielsweise 2 Frauen und 2 Männern bestehen. Die 2000 Maurer, Tischler, Schreiner und Dachdecker hingegen dürften ruhig Männer bleiben. Verstehe. Ja, den Spieß kann man auch umdrehen und auf Kindergärten anwenden zum Beispiel. Nur sind meiner Erfahrung nach hier die “Chefetagen” so man sie so nennen mag, eh konsequent mit Frauen besetzt. Beklagt sich ja auch niemand drüber. Oder doch?
Okay, am Ende zu polemisch, is mir klar. Aber so grundsätzlich verstehe ich das mit der Frauenquote echt nicht. Welche Sorte Frau will denn bitte einen zwangsgeräumten Stuhl haben – alleine und ausschließlich aufgrund ihres Geschlechts? Selbst wenn wir mal die paar Damen in die Gleichung mit aufnähmen, die es toll fänden, sich dort aushalten zu lassen – wieso sollten wir das unserer Volkswirtschaft antun wollen? Weil es ein Lernprozess ist? Unsinn: Ich behaupte, eine Frau, die die entsprechende Qualifikation und den Wunsch mitbringt, schafft’s auch ohne Quote in jede beliebige Position. Widerlegen geht nicht. So what?

 

* Ja, es gibt auch Firmen (und Jobs), da spielt das weniger eine Rolle – aber in denen greifen ja auch andere Gesetze und Mechanismen. Und es wird ungleich seltener wegen geschlechtlicher denn wegen menschlicher Ungerechtigkeit gejammert. Anderes Thema demnach.

Und plötzlich denk ich über’s Töten nach…

…und ich frage mich, wer macht so etwas? Wer geht hin und tötet andere Menschen. Wer meldet sich zum Dienst an der Waffe, geht, unter welchem moralischem Vorwand auch immer los, um andere Menschen zu töten? Oft im Bewusstsein, dabei selbst getötet werden zu können? Und welche Sorte Tier tötet gar ohne diese Herausforderung, einem mehr oder weniger ebenbürtigem Gegner gegenüber zu treten? Wer mordet denn? Wer schlachtet seine Mitmenschen? Klar, die kaputten, die kranken, die entmenschlichten. Aber Nein, das stimmt ja so nicht. Ein durchschnittlicher Raubüberfall mit Todesfolge wird eben nicht von einem kranken, sondern nur einem habgierigen oder verzweifelten durchgeführt. Und ja bla, da sind natürlich immer die Umstände schuld und das war nie so geplant. Oder was ist mit Banden? Die gehen los, nieten irgendwen um, der ein feindliches Tattoo trägt. Warum? Überhaupt. Die Motivation? Warum das? Die Gründe, andere Menschen zu töten, sind offenbar so vielfältig wie unglaubwürdig. Aus Vaterlandsliebe. Aus Loyalität. Aus Rache. Aus einer Laune heraus. Aus Langeweile. Aus Habgier. Aus Notwehr.

Gelegentlich träume ich davon, wie ich, um zu wissen wie es sich anfühlt, einem fremden Menschen, gesichtslos und vollkommen anonym, ein Messer in den Bauch steche. Ich sehe dann immer nur meine Hand, wie sie quasi körperlos dieses Messer hält. Filmreif, schwarzer Griff mit silbernen Nieten, lange, spitz zulaufende Klinge. So typisch Küchenmesser halt ^^. Das schieb ich dann in einen Bauch. Ohne mich an weitere Details zu erinnern wache ich auf, schweißüberströmt. Und frage mich, was zur Hölle der Scheiss nun sollte.
Wenn ich mir nun überlege, dass ich darüber hinaus auch noch die Haut meines “Opfers” abschäle, um sie als Regencape zu tragen – wird mir alleine schon beim Gedanken daran übel. Aber es muss ja Leute geben, denen das weniger Kopfschmerz bereitet.

Klar, als ich Anfang des Jahres in den USA war, hab ich mit diversen scharfen Waffen rumgeballert – auf Zielscheiben. Auf einen Menschen schießen? Niemals. Auf ein Tier? Kaum. Ich sauge Spinnen weg, zu mehr langt’s einfach nicht. Aber damit scheine ich ja recht isoliert zu stehen. Andere gehen hin und töten nicht nur einen, sondern viele. Im Krieg beispielsweise – den man sich ja gerne hinlegitimieren kann wie man möchte – ist Töten quasi indiskutable Grundvoraussetzung zum Überleben. Klar, da rennt auch mal n Sani oder n Techniker rum – aber alle wissen, wenn sie einem Gegner gegenüberstehen, aus welchem dummen, zufälligen Grund auch immer, müssen sie töten. Sie fahren in ein Gebiet (oder werden Opfer einer Invasion…), in dem es vom Feinde nur so wimmelt. Da bleibts nicht aus, dass man einander begegnet. Da zuvor auf anderer Ebene beschlossen wurde, dass man einander zu töten hat, tötet man einander. Kranker Scheiss. Wer zögert, verliert. Weil irgendein Arschloch von einem Politiker als Marionette eines Wirtschaftsmagnaten das für ne super Idee hält. Und dann geht der Soldat hin und ballert um sich. Legitimiert den Tod von feindlichen Soldaten, denen er, an anderen Orten und unter anderen Bedingungen, vielleicht ein Bier ausgegeben hätte.

Welcher Sorte Mensch muss man angehören, um das zu tun. Bin ich entweder total emotionslos, wenn ich jemanden töte? Oder besser maximal emotional? Wie legen denn Bandenmitglieder diesen Schalter um? Oder is das eher so eine individuelle Sache? Hat diesen Schalter gar nicht jeder? Besteht die emotionale Barriere, anderen Menschen das Leben zu nehmen, nur bei mir und ein paar anderen? Und der Rest klärt das dann, wenn es eben was zu klären gibt?`

Unfassbar, wie unbegreiflich mir das ist… Und es stimmt mich traurig, einer Gattung anzugehören, der Tiere angehören, denen diese Gedanken selbst dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie töten. Egel warum.

Ode an die Schrulligkeit

Ich weiss ja, man sagt mir gewisse Eigenheiten nach. Ich gelte ungeachtet meines noch recht überschaubaren Alters als exzentrisch, schrullig und „irgendwie seltsam“. Das liegt nicht zuletzt sicherlich an meiner Art, mich mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten auseinanderzusetzen – oder vielmehr, sie zu ignorieren, torpedieren oder ihr wenigstens übel nachzureden.
Tatsächlich empfinde ich’s gar nicht als unhöflich, den Verpflichtungen, die „nun mal so sind“, die mir die Gesellschaft in der ich lebe also aufnötigt, nicht nachzukommen. Ich selbst empfinde es eher als widernatürlich, es doch zu tun. Und es kostet mich nicht nur Überwindung, mich über meine, womöglich eigenwilligen, Empfindungen hinwegzusetzen, es widerstrebt mir geradezu. Es ist also nicht so, dass ich hier auf der Revolutionsschiene fahre – ich beleidige meine Mitmenschen nicht der Beleidigung wegen, ich stoße sie nicht vor den Kopf des Vor-Den-Kopf-Stoßens wegen. Ich folge den auferlegten Regeln nicht aus Gründen des geplanten Ungehorsams. Ich handle einfach nur instinktiv.

Ich folge den Erwartungen meiner Mitmenschen demnach eher aus Gründen des gruppendynamischen Zwangs und um meine Freunde nicht zu blamieren. Wobei mir ja immer etwas unklar ist, wieso es meine Freunde blamiert, wenn ich nicht unwidersprochen jeden Scheiss mitmache nur weil es „schon immer so gemacht wurde“. Aber das ist wohl eher ne andere Geschichte. Nervtötend ist letztlich vor allem, dass mir das gleiche Verständnis nicht entgegengebracht wird. Wenn ich etwas erwarte, was nicht „alle anderen“ auch so erwarten oder automatisch tun, gilt das als exzentrisch. Wenn ich etwas nicht tue, weil es mir zuwider ist, obwohl die Gesellschaft es erwartet (und es halt Usus ist), gilt das als unhöflich – im besten Fall. Es wird hier also mit zweierlei Maß gemessen und vermeintlich demokratisch entschieden, dass Randgruppendynamik zu vernachlässigen und zeitgleich auszugrenzen ist – zugunsten des bestehenden Mehrheitskonsens. In der Folge begegnet man mir mit diesen Ritualen die mich verletzen und auf die ich keinen Wert lege, und erwartet im Umkehrschluss, dass ich das auch tue – worauf ich wieder keinen Wert lege und was mich massive Überwindung kostet.

Leute, entspannt euch mal. Nichts von dem, was ihr als „normalen gesellschaftlichen Umgang“ bezeichnet, ist in Stein gemeißelt. Die meissten Dinge sind gar überholt und einige medizinisch betrachtet sogar gefährlich. Und nur weil ihr euch an so kleinen Dingen festhalten müßt, um nicht den Halt zu verlieren, sind sie nicht minder deplatziert. Nur weil ihr sie unreflektiert und stoisch wiederholt, sind sie nicht minder überholt.

So, bis hierhin werden die meissten nicht wissen, was ich damit eigentlich sagen wollte. Daher hier ein paar Beispiele:

> Jemandem zum Gruß die Hand geben.
– Gesellschaftlich betrachtet unverzichtbar, gilt gar als unhöflich wenn’s nicht angeboten wird, als Affront, wenn’s abgelehnt wird.
* Wenn ich jemanden berühren möchte, berühre ich ihn/sie. In allen anderen Fällen verzichte ich doch lieber darauf. Ich will ja auch nicht, dass mir jeder ins Gesicht langt, nur weil er den Wunsch nach Nähe verspürt. Die Japaner erledigen das mit einer kurzen Verbeugung, na geht doch…

> Jemandem am Telefon / via SMS / via Facebook / via Messenger [zum Geburtstag] gratulieren
– da gibt’s die buntesten Reaktionen drauf, wenn das mal ausbleibt. Es gilt gemeinhin als super unhöflich, nicht am Tag des Ereignisses zu gratulieren
* nnnnnnnnnnnnervt. Ich telefoniere sowieso nur ungern. Und wenn ich’s dann tue, weil ich „muss“, telefoniere ich noch weniger gern. Meinen Geburtstag (und alles andere, was ich so zu feiern habe) darf man getrost ignorieren bis man mir persönlich gegenübersteht. Und wenn es dann nicht erwähnt wird, kann ich damit auch prima umgehen. Ein Gruß am Telefon, eine hingeklierte SMS im Vorbeigehen erzeugen bei mir eher das Gefühl der Ablehnung und der Verärgerung. Kaum vorstellbar, dass meine Mitmenschen wollen, dass ich mit der Ahnung, dass es für andere das gleiche bedeutet, dennoch derartigen Gruß produziere. brrt.

> Folgeerscheinung des fernmündlichen Grußes: der erwartete Rückruf bei Nichterreichen
– da wird lieblos ein Gruß auf einem AB hinterlassen, eine Fire’n’forget-SMS geschickt, an eine Pinnwand gepostet. Und dann wird erwartet, dass das honoriert wird? Mittels Rückruf? Einer Rück-SMS? Einem Comment, Like, Rundum-Nachricht mit dem Gruß an alle Pinnwandposter?
* in anderem Zusammenhang wird sowas als Nötigung gewertet und nach §§wasweissich mit Schlägen auf die nackten Fußsohlen bestraft -.-

> Smalltalk
– oah. Das ist glaube ich der absolute Höhepunkt. Das Wetter? Fussball? Politik an der Oberfläche?
* GRU-SE-LIG. Entweder ich hab was zu sagen, oder nicht. Wenn nicht, dann einfach mal Fresse halten -.- Es ist echt bedauerlich, dass die Menschen dieser Gesellschaft verlernt haben, miteinander zu schweigen. Naja, oder vielleicht konnten sie es nie. Dann ist es bedauerlich, dass sie es nicht ERlernen.

Echt, ich bin, glaube ich, kein unhöflicher Mensch. Ich halte fast jedem fast jede Tür auf, ich grüße herzlich und mit einem Lächeln, ich betreibe Smalltalk wenn er mir aufgezwängt wird (ohne ihn zu initiieren und ohne ihn zu forcieren). Aber das, was als gesellschaftlich unverzichtbare Höflichkeit gilt, ist mir nicht nur oft ein Rätsel, sondern allzuoft auch ein Gräuel.

Gesellschaftsbrechreiz

Es ist soweit. Ich verliere meine Freunde an die Gesellschaft. 15 Jahre Konditionierung auf diesen Moment  waren nicht genug, zu spaet erst begann ich offenbar die akribischen Vorbereitungen auf diesen Zeitpunkt, zu lange ignorierte ich die sich mehrenden Vorzeichen.
Eine ganze Generation Akademiker verlaesst die Universitaeten, im Gepaeck Bafoeg-Schulden aber auch anstaendig dotierte Vertraege und vor allem eines: Neue Leben.
Meine Freunde, viele, sind darunter.
Seit 10 Jahren arbeiten sie stur und strebsam auf diesen Punkt hin. Sie wollen hoch hinaus, haben einen Lebensplan, Traeume, Visionen und unbaendige Kraft fuer 70+-Stunden-Wochen.

Der Fokus wechselt jetzt. Ich sehe ihr vieles Geld und betrachte die Arbeit dahinter als notwendige Investition. Das muss man wissen, das kann man planen – naiv, wer glaubt, dass es anders kommt.
Sie sehen die Arbeit und betrachten das viele Geld als gerechten Ausgleich fuer die Arbeit. jede Nuance neuer Belastung, die sich, wie es typisch ist fuer diese Generation, insbesondere in den ersten Berufsjahren staendig erweitert und veraendert, selten konstant ist und noch seltener an Intensitaet abnimmt, bringt sie neu in Noete – um Zeit, Wuensche, Vorstellungen und ein Stueck weit Lebensqualitaet.
Das ist nebenbei bemerkt unbestritten und durch mich zweifelsfrei anerkannt. Wesentlich ist lediglich, dass es nicht ueberraschend kommt – kommen kann.

Ich beginne mich zu fragen, ob es Neid ist, der mich ueber diese Veraenderung so wuetend werden laesst. Sie veraendern ihre Leben, und manipulieren meines gleich mit. Ploetzlich, das erste mal, sind Freizeitaktivitaeten nicht mehr nur vom “Spassfaktor” abhaengig – nein, jetzt werden Jahresplanungen rund um “Projekte” gelegt.
Ich ertappe mich dabei, dass ich hier falsch reagiere. Ich weiss, wie eine 60-Stunden-Woche aussieht, hatte ich schon. Habe ich hinter mir. Fuer sie beginnt das jetzt erst. Ich weiss, dass man sich daran gewoehnt. Ich weiss auch, dass die Belastung insbesondere von “null auf hundert” enorm ist und viel Disziplin erfordert. Das alles weiss ich, und doch reagiere ich mit Anfeindung und ueberheblicher Arroganz auf diese Veraenderungen. Das aergert mich.

Die letzten Jahre waren spassdominiert. Klar, Studenten haben nicht viel Kohle, aber dafuer reichlich Freizeit und auch mal Ausnahmsweise Gelegenheit fuer Verruecktes. Jetzt hat, natuerlich, der Job Vorrang. Zeit ist relativ, Freizeit nicht existent und wird ohnehin nur auf Bewaehrung gewaehrt. Es sind die anderen Entscheider ueber diese Zeit, die diese Veraenderung so unverrueckbar erscheinen lassen.
Meine Freizeit gestaltet sich nun aber infolgedessen auch um – und das passt mir so ueberhaupt nicht. Ja, das ist egoistisch. Und dennoch: ich habe ein Recht auf diesen Egoismus. Als ich noch 60 Stunden gearbeitet habe, wurde trotzdem gefeiert. Notfalls auch mal ohne mich. Aber als “Ausnahme” in der durchschnittlichen Lebensentwicklung dieser Gemeinschaft ist man das eben auch dann noch, wenn ein beachtlicher Teil einen neuen Lebensabschnitt beginnt: Eine Ausnahme.

Ploetzlich werden eigentlich klare Events, die von Teilen schon traditionell seit 10 Jahren regelmaessig durchgefuehrt werden, in Frage gestellt, weil ein Teil der Gemeinschaft u.U. keinen Urlaub bekommt. Ploetzlich werden woechentliche, traditionelle Events umgeplant, weil auch am Wochenende gearbeitet wird. Ploetzlich veraendern Anforderungen der Arbeitgeber den Alltag und alle sind ueberrascht darueber, ausser mir. Immer haeufiger hoert man die Totschlagargumente “ich bin zu erschoepft dafuer” oder “Wir haben da grad so ein Projekt” und vor allem halt “ja, muessen wir dann mal schauen”. “Mal schauen” kann mich mal –.-

Ich weiss, dass ich dafuer Verstaendnis haben muss, weil auch diese Form von Umgang mit Veraenderung gelernt werden will. Aber es faellt mir einigermassen schwer, eben weil ich mich irgendwann entschlossen habe, nur noch Dinge zu tun, die mir Spass machen – statt Dinge zu tun, die mir womoeglich langfristig nutzen, die aber kurzfristig derart negativ in mein Leben eingreifen, dass sie mich belasten.

Wie geht man damit um, wenn die Menschen, mit denen man bisher seine Freizeit verbracht hat, “ploetzlich” nicht mehr in der Form zur Verfuegung stehen, dafuer aber eines Morgens mit dem Maserati vor der Tuer stehen werden.
Nun, vielleicht beginnt ja jetzt auch fuer mich ein neue Lebensabschnitt, in dem ich herausfinden werde, wie man mit so einer Situation umgeht. Vielleicht ist’s auch hier wieder nur der Balken in meinem Auge, den ich nicht erkenne, weil ich kleinlich, ja pedantisch auf andere Splitter achte. Vielleicht unterscheidet sich meine Reaktion gar nicht so sehr von der ihren. In dem Fall gebe ich kein gutes Vorbild ab muss ich gestehen.

Nunja, auch diese Phase wird vergehen. Ganz sicher. Oder nicht. Auch egal. Wer bin ich, dass ich Kontinuitaet von dieser lieb- und leblosen Gesellschaft erwarte – nur um meine innere Ruhe zu befriedigen. Vielmehr habe ich in ihr zu schwimmen und mich mittragen zu lassen – wohin auch immer die Reise gehen mag.

An meine geschaetzten Freunde, die ihr das womoeglich lesen werden: Dies ist ausdruecklich KEIN Vorwurf, auch wenn’s beizeiten so klingen mag. Es ist nur, wie so oft, loser Funkenflug.

Turbulente Wochen…

Tjo. Seit gestern Nachmittag steht so ein asozialer Penner auf meinem Parkplatz – auf Privatgelaende, im markierten (wenn auch vereisten und daher nicht sichtbaren) Rahmen. Natuerlich weiss er, dass er da falsch steht – er kurvt hier schon seit Wochen rum und parkt mal hier und mal dort – sehr zu meinem Aerger, da er eigentlich immer so stand, dass er mich bei einer irgendwie gearteten “natuerlichen Bewegung” behindert hat. Nun also die Kroenung – statt mich zu stressen nimmt er mir einfach mein bezahltes Recht, auf meinem Stellplatz zu parken. Habe natuerlich instant einen Zettel an die Windschutzscheibe gepappt, aber der ist nicht unbedingt freundlich (aber durchaus angemessen) und wird wohl nicht unbedingt zur Aufloesung dieses schwelenden Konflikts gereichen. Aber mir ging es fuenf Minuten lang besser.
Hat iwer Erfahrungen mit dem Abschleppen von fremden KFZ vom eigenen Stellplatz? Ich weiss so ungefaehr wie’s laeuft – man muss auslegen und sich die Kohle zurueckholen. Verstehe aber nicht, wie ich erfahre, von wem ich die Kohle zurueckholen muss, und ob ich damit genoetigt waere, einen Anwalt damit zu beschaeftigen, das zu besorgen… Dann kann ich die Kohle auch gleich verbrennen…
Ich find’s ja mal wieder typisch deutsch (und nicht unerheblich unnoetig) dass einem Privatemenschen hier nur wenige Moeglichkeiten bleiben. Wenn man so googlet, findet man neben den Rattenfaengeroptionen (“Schreiben Sie uns, wir machen das fuer Sie…”) vor allem halt die rechtlichen Rahmenbedingungen, die da bedeuten: Polizei & Ordnungsamt machen nix, zustellen is nat. keine Loesung und fuers Abschleppen muss man die Kosten vorstrecken – ob man sie zurueckerhaelt is entsprechend ungewiss. Stellt man sich die Frage, wieso das so gehandhabt wird. Natuerlich ist das ein Fall fuer die Polizei. Ich mein, wenn einer in meiner Bude hockt wenn ich nach Feierabend nach Hause komme, ist die doch auch zustaendig. Albernes System.

Ausserdem hab ich mir gestern beim Salat-Schnibbeln eine kleine Mittelfinger-Fleischbeilage dazu geschnitten – ausgerechnet linker Mittelfinger. Kann nun nicht mehr vernuenftig W-A-S-D bedienen – ‘s wird Zeit fuer die neuronalen Spielsteuerungen –.-

Vielleicht bin ich deswegen ueber die Geschehnisse der letzten Wochen noch eine Ecke weniger Happy als ohnehin angemessen waere.

  • Da waere zum einen der unsaegliche Zoff um Gebuehren fuer’s Liedersingenkopieren (ist nur der einpraegsamste Beitrag zum Thema – aktuell wurde es nochmal in der juengeren Vergangenheit) in Kindergaerten (wenngleich das GEMA-Bashing natuerlich etwas relativiert wird, wenn man die Geschichte mal von einer anderen Seite betrachtet ^^). Das fuehrt natuerlich unmittelbar in die etwas fernere Vergangenheit zurueck – zum Weihnachtsmarkt-GEMA-Bashing. Scheissegal, wer hier tatsaechlich Rechteverwerter ist, scheissegal, wer hier tatsaechlich Initiator von erhobener-Zeigefinger-Briefen ist, das ganze Theater beweist ja nur, wie sehr die Welt im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen den Fokus fuer Wesentliches verlieren. Mehr und mehr erwachsen wir zu einer Nation von Kleingeistern – das digitale Zeitalter uebersteigt meiner bescheidenen Meinung nach den Verstand der meissten Menschen. Also schlagen wir uns mit analogen Grundsaetzen durch, bis irgendwann alles im Chaos versinkt. Niggemeiers Versuch, zu schlichtenerklaeren untermauert ja nur die Hilflosigkeit und den stoischen Aktionismus, zu dem sich so viele Menschen genoetigt sehen, um dem Informationszeitalter, in dem Produzieren mehr und mehr dem Multiplizieren weichen muss, gerecht zu werden.
  • Dann war da noch die Sache mit unserem Verkehrsminister. Die deutsche Bahn ist im (schon wieder…) schrecklich spontan einbrechenden Winter zu immerhin einem Fuenftel verlaesslichpuentklich – das laesst hoffen, denn weniger geht ja kaum. Die naechste Statistik wird also vermutlich besser aussehen. Die Berliner S-Bahn spielt derweil den Hampelmann der Nation, streicht Silvester-Sonderzuege und glaenzt zu Jahresbeginn durch PuenktlichkeitPreiserhöhung. Der Flugverkehr lahmt, die Autobahnen werden nicht ordentlich geraeumt und in vielen Staedten ist (schon wieder…) das Salz am Limit (wo waren die Verantwortlichen im letzten Winter?). Der dafuer zustaendige Mensch mit hoechsten Befugnissen im Land ist Verkehrsminister Ramsauer, der sich derweil lautstark dafuer einsetzt, seine zum Amtsantritt angekuendigten Bemuehungen, in seinem Ministerium die guten, deutschen TugendenSprache zu etablieren. So sehr man fuer oder gegen diese Offensive sein kann, so unzweifelhaft ist, dass Herr Ramsauer derzeit wohl besseres zu tun hat, als sich in Interviews damit zu profilieren, dass er die deutsche Sprache zu retten versucht. Aber nach eigener Aussage hat er die “Noete und Sorgen” der Menschen ja durchaus im Blickfeld – insofern ist die Sache mit den Verkehrsmitteln vielleicht auch einfach nur ueberdramatisch in der Presse dargestellt…
  • Toll fand’ ich ja auch Merkels Neujahrsansprache. Davon abgesehen, dass ihr nun auch wirklich der letzte Funke Glamour abhanden gekommen ist, lohnt sich durchaus der Blick hinter die vermeintlichen Fakten, die sie so grosszuegig mit uns teilt. Dabei stellt man dann ernuechtert fest, dass selbst vermeintliche Grundfesten des Landes nur Nebelkerzen zu sein scheinen. Nicht unbedingt ein Grund, an Vertrauen in dieses Land und seine gewaehlten Volksvertreter zu gewinnen…
  • Wenn wir vorhin das GEMA-Bashing angesprochen haben, muessen wir natuerlich unbedingt das GEZ-Bashing noch hinzuziehen. Ab 2013 veraendert sich das Abzockmodell (sigh!) des oeffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die “Rechteverwerter” der GEZ. Ab 2013 wird jeder Haushalt zur Kasse gebeten. War’s bisher schon schwer genug, den Schnuefflern der GEZ auszuweichen, wird das kuenftig zwar unnoetig, dafuer aber auch unmoeglich sein. Ueber den Sinn und Nutzen des OeRR will ich gar nicht reden, das ist aus vielen Blickwinkeln Ansichtssache und die regen Debatten im Internet beweisen, dass hier ein bunter Strauss Argumente zusammengetragen werden kann – fuer beide Seiten. Man geraet im Sog dieser Gebuehrenmodifizierung eindeutig zu schnell in ein “Verbotene Liebe”-Bashing, das ist einigermassen nervig. Ich selbst bin ja ein grosser Fan der Kulturflatrate – die GEZ in allen Haushalten ist ein Schritt in diese Richtung. Zwar wird der falsche Content bezahlt, aber das Gebuehrenmodell, an eine Steuer angelehnt, erscheint mir grundsaetzlich logischer, als einen Apparat wie die GEZ zu beschaeftigen, die wiederum nix anderes tun als Buerger zu gaengeln. So wird sich mittelfristig auch die GEZ selbst subtrahieren, denn der naechste, folgerichtige und konsequente Schritt wird ein Wechsel von OeRR-Gebuehren zur OeRR-Steuer sein. Mal schaun, wann’s soweit ist.
  • Was unbedingt in die GEZ-Debatte gehoert (im krassen Gegensatz zum Inhalte-Geheule) ist der Auftritt der neuen ARD-Intendantin Piel, die sich zum Amtsantritt direkt mal zwischen Groessenwahn (“wir sind bereit fuer Google”) und dem Wunsch, den Menschen noch mehr Kohle aus den Rippen zu leiern (“Tagesschau-App muss kostenpflichtig werden”) verlaeuft – und weil das fuer eine Intendantin der ARD zum Einstieg noch nicht genug Leuchtfeuer ist, wird direkt mal auf den “Geburtsfehler des Internets” hingewiesen – kostenloses. Traumhaft nachzulesen und fuer die Ewigkeit im Herzen und Kopf der Menschen eingebrannt. Wenn solche Sorten Mensch so zentrale Stellen in Deutschlands oeffentlichen Sektoren besetzen duerfen, dann haben wir’s bald geschafft und begeben uns ins digitale Seitenaus. Macht aber auch nix, auf Youtube gibt’s ohnehin nix anstaendiges mehr zu sehen, wenn man aus Deutschland hinsurft und die Pornoseiten werden ja kuenftig sowieso nur noch nachts offen sein (jaja, das Gesetz ist eingefroren – es wird auf die eine oder andere Weise dennoch zurueckkommen, erinnert euch an meine Worte…). Es ist also nur konsequent, die Evolution des digitalen Zeitalters anderen zu ueberlassen.
  • Last but not least kotzt mich derzeit mal wieder dieses latente Terrorgefahr-Gehabe an. Dass wir Deutschen (!) uns ueber Rasterfahnundsartige Selektionen an Check-In-Bereichen auf Flughaefen aufregen, die ja sowieso schon immer vorgenommen wurden (nur bisher schlauerweise, ohne drueber zu reden…), ist nur ein Aspekt. Ja, es gab mal wieder Anschlaege. Ja, es gibt vielleicht viele vereitelte Versuche, Anschlaege zu verueben. Ja, auch in Aegypten schepperts wieder. Ja, die Welt ist ein unruhiger Ort – und ja, das kann einen vollkommen zurecht erschrecken und betroffen machen. Aber ich fuer meinen Teil werde nicht in Angst leben. Diese Entwicklung, die die Menschheit derzeit durchmacht, besorgt mich viel mehr als diese verirrten Seelen, die sich aus welchem Antrieb auch immer mit maximaler Streuwirkung zur Waffe von Extremisten oder extremen Ideen machen. Ich ahne, dass Orwell mit seinen Visionen nicht etwa thematisch daneben liegt – sondern nur zeitlich. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, meiner Frau dafuer zu danken, dass sie, wie ich selbst ja auch, keine Kinder in diese kaputte Welt zu setzen bereit ist. Ich frage mich, welche Sorte Mensch offenen Auges durch’s einundzwanzigste Jahrhundert spaziert und trotzdem Kinder in diese verlorene Welt setzt. Mehr und mehr verliere ich den Glauben an diese Spezies. Und mehr und mehr druecke ich der Natur die Daumen, dass ihre Bemuehungen, die Menschen vom Erdball zu fegen, baldmoeglichst Erfolg haben werden. Moeglichst noch bevor wir irreparablen Schaden anrichten…

Wenn das Chaos sich lichtet…

…bin ich nuechtern oder tot.

Mein Kopf dreht extrarunden um diesen Planeten und es scheint, als wuerde er eher an Fahrt gewinnen denn verlieren. Ist das der Preis fuer ein vermeintliches Mastermind? Die absolute Nichterfuellung des Wunsches nach totalem Frieden? Nach absoluter Ruhe? Einem fehlendem Punkt, in einem selbst, der einem verspricht: Hier ruhst Du in Dir selbst. Naehre Dich davon, es ist Deine ergiebigste, stetige Quelle?
Frueher dachte, ich waere lieber dumm als intelligent. Das gaebe mir das Gefuehl, leichter gluecklich zu sein. Heute denke ich, das war ein Irrtum. In beiden Welten ist man nicht leichter gluecklich als in der anderen. Jedenfalls nicht automatisch. Die Arbeit, die implizit ist, definiert sich nur anders. Sie orientiert sich an anderen Milestones, hat andere Grenzen, andere Ausdehnungen.

Ich glaube heute, dass Glueck, Zufriedenheit und Selbstverstaendnis einzig mit dem Zusammentreffen von Mensch und Bestimmung zu erklaeren ist.

…ich bleibe auf der Suche…

Ich wuenschte, ich haette mehr Zeit gehabt…

Nein, kein Abschied, kein Nachruf – liebe Freunde, die ihr mich auch in RL kennt: Es folgt kein Requiem, kein Abgesang, keine makaberen letzten Worte, nicht die Enthuellung eines schon immer geahnten, doch nie nachweisbaren tennisballgrossen Tumors in meinem Kopf, der auf die Bereiche des Gehirns drueckt, in denen bei den Menschen Empathie, Mitgefuehl, Einfuehlungsvermoegen liegen.

Irgendwann gestern lief mir dieser Spruch ueber den Weg, und ich dachte: Wow, ein deja-vu. Doch weit gefehlt. Ein Deja-vu ist ja mehr als nur das Wiederklingen einer Andeutung eines Gedankens, den ich mal hatte.
Tatsaechlich war’s also wohl nur eine Ahnung von “ja, kenn ich…”
Urploetzlich schlug die groesse der Welt und des Universums auf mich ein, erdrueckte mich in ihrer Absolutheit, seinem unfassbaren, meinen Verstand weit ueberschreitenden Ausmass.
Immer, wenn ich diesen Gedanken habe – eine schoene Abwandlung davon ist auch: “ich wuenschte, ich haette mir die Zeit genommen” – lehne ich mich gedanklich zurueck und erfreue mich insgeheim an der Entscheidung, etwas nicht getan zu haben. Und ich frage mich nun ernsthaft: Wieso zum Henker?
Die beiden Herzen in meiner Brust streiten ja recht haeufig um den Alphaplatz an der Sonne – nicht selten liegt hier der Unterschied nur zwischen “vorm PC hocken” und “aufm Balkon hocken”. Oft liegen aber auch Welten dazwischen. Dann bin ich kurz davor, rein impulsiv Leute anzurufen und zum Sushi einzuladen. Oder auf ein Bierchen in einem Biergarten. Meisstens lass ichs. Und dann, vierzehn Tage spaeter, denke ich mir: haette ich mir mal die Zeit genommen.
Ich glaub ernsthaft, das Leben is zu schade, um es zu zwei Dritteln mit solch banalem Kram wie schlafen und arbeiten zu verbringen. Ich glaube, ich bin langsam an dem Punkt, an dem ich mir als Lehrer ein Sabbat-Jahr genehmigen wuerde. Oder als Student ein Irland-Semester. Oder als Mensch, der ich nicht bin, ein faules Jahr in Neuseeland.
Wird wohl mal Zeit fuer eine Veraenderung, einen Tapetenwechsel… Welch Glueck, dass ich derzeit umziehe ;)