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Wacken 2016 & Brutal Assault 2016

…weil ein Festival halt nicht langt, nech… ;)

So langsam hab ich ja echt die Faxen dicke vom Schlamm. 2015 war schon literweise scheiße, 2016 hat gefühlt noch eins draufgesetzt. Lediglich das Camp war trockener.
Apropos Camp… Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Abfahrtschilder vom W:O:A. Diese Zahl bitte merken, sie wird nochmal wichtig. Zuvor sind wir im gewohnten Rhythmus gegen neun zusammengekommen, um gegen halb elf loszufahren. Irgendwas ist halt immer, diesmal kam ein liebestrunkener Buddy, den wir für’s Wacken aus den USA haben einfliegen lassen, nicht schnell genug aus den warmen Federn seiner Liebeshöhle am Ku’Damm und hat sich im Anschluss daran auch noch verfahren. Mit dem Taxi. Details dazu verschweigen wir lieber.Wir machen uns also wie jedes Jahr um halb elf auf den Weg (keine Ahnung, wieso wir uns immer um 9 treffen, vollkommen Point-less. Haha. Das ist ein Insider ;)), halten an rund einem Dutzend Raststätten an, trinken gefühlte vier Millionen Biere unterwegs (also außer die Fahrer. 16:00 Uhr haste noch im Kopf? Recht so…), die wollen schließlich regelmäßig in die Freiheit entlassen werden. Etwas Drama beim Durchqueren von Hamburch – je länger so ein Autokorso wird, desto schwieriger navigiert es sich ohne nützliches Navi durch so eine Großstadt – wieso erfindet da eigentlich niemand was? So eine Brotkrumenbox für temporäres Graffiti auf der Straße oder so? – aber alles halb so dramatisch. Zwischen Hamburch und Wacken noch ein paar Autos an den Korso geschnallt und ab geht’s. Wie gewohnt, wenig später, Leitsystem Wacken. Kennenwa nix, fahrenwa raus. Doofe Idee. Es ist 16:00 Uhr und ab jetzt wird’s lustig. Also. Für die Beifahrer :D
Wir werden einmal im Kreis um’s gesamte Gelände geschickt, kein Feld will uns so recht aufnehmen. Dann stellt man uns auf ner Straße ab, die nächsten zwei Stunden passiert: Gar nix. Gut für uns Beifahrer, im Stehen trinkt es sich viel entspannter. Dann geht’s wieder n bissl voran, wieder vorbei an unzähligen Ordnern vor sichtbar unbefüllten Campingfeldern. Es ist frustrierend. Die Nerven werden angespannter, die Häute dünner, erste wüste Drohungen mit Rechtsbeistand machen die Runde – als wir um 23:45 endlich auf ein Camp gelassen werden. R2 heisst es. Die 2 darin steht für „nicht auf der Map zu finden, Du wirst schon wissen, wie Du nach Hause findest“

Naja, wir haben reichlich Platz für unser Camp (22 Leute oder so? Das ist mal gar nicht soooo leicht abzuschätzen, wieviel Platz die brauchen), bauen gemütlich auf. Bändchen holen am Mittwoch, Biergarten: Fehlanzeige. Also Bierchen im Zelt, Fluchen auf echt hohem Niveau über Wacken’sches Organisationsmismanagement und kuscheliges in-die-Nacht-gleiten auf Zeltplatz R2.
Zeltplatz R2 hat übrigens am Eingang (Gott sei dank…) zwei Ballons hängen. Und ne Gummipuppe.

Donnerstag steht wie gewohnt ganz im Zeichen von: Jägermeister. Und oh mein Gott gibt’s davon viel dieses Jahr. Haben die Leute wohl was wichtiges gelernt letztes Jahr :D
Der Tag dümpelt so vor sich hin, der Regen ist weitgehend verschwunden und wird auch im Laufe des Wochenenendes eher so „immer wieder mal kurz“ auftauchen. Aber: Er war offenbar am Montag da. Und am Dienstag. Und am Mittwoch. Mitbekommen, was das bedeutet, werden wir erst am Donnerstag Nachmittag.
Entspanntes Ziel: Foreigner. Wir laufen sehr großzügig los, ahnen bereits (und haben läuten hören…), dass sowohl die Zugangswege als auch die großen Plätze wieder mal nur aus halbwegs flüssiger Kuhkacke bestehen… Und so ist es auch. Es deutet sich wieder an: Ein langes Wochenende voller steckengebliebener Stiefel, halsbrecherischer Hüpf- und Rutschmanöver und dem konstanten, gar nicht mal wirklich unterschwelligen, aber doch irgendwann wegignorierbarem Geruch enddarmgeprüfter Kuhnahrung… Yay. \o/.
Gut, wie dem auch sei: Festivalbändchen holen, Wacken Full Metal Bag holen und – wegschmeißen. Das war ne ziemlich coole Nummer: Wacken vergibt ja jedes Jahr sone Stofftaschen, ähnlich wie Turnbeutel, mit allerlei Giveaways drin: ’n Kuli, ne Wasserflasche, Werbeprospekte, n One-Way-Regencoat etcetcetc. Dieses Jahr waren Rucksäcke und Taschen aber aufgrund akuter Terroranschlagsbefürchtungen auf dem gesamten Wacken Festivalgelände verboten. Nun muss man von R2 aus, wenn man weiß wo es ist und Glück hat, dass der Klärschlamm einen nicht verschluckt, rund ne halbe Stunde laufen, bis man bei der Bändchenausgabe steht. Diesen Weg müsste man also wieder zurück laufen, um das FMB zum Camp zu bringen. Oder man scheißt drauf und wirft es direkt neben der Ausgabe in den Müll. Kurz das Regencape rausgezuppelt und ab damit in die Tonne. Für unsere Erstlinge geht das natürlich nicht, die haben ihre FMBs in einen Schließfachcontainer vor dem Gelände eingeschlossen. Das, liebes Wacken, war wirklich eine Glanzleistung an Organisation. Geben eine eigentlich manchmal ganz nützliche Tasche mit allerhand Krimskrams aus – und verbieten den Leuten dann damit den Zugang zum zehn Meter entfernten Festivalgelände. Idioten. Muss echt mal gesagt werden. Ich könnte jetzt n Ausflug machen zu „Terror, Prävention, wichtig und so“, mach ich aber nicht. Prävention für Regentage wäre ja auch wichtig, da fällt denen ja auch schon nichts intelligentes zu ein – warum also sollte das bei der Full-Terror-Bag anders sein…
Also rein (anstehen dauert wg. Terror auch länger als sonst) und um Gottes Willen: Männer, stellt eucht NICHT in die Frauenschlange. Und Frauen: Stellt euch NICHT in die Männerschlange. Die Ansage kommt ne gefühlte Stunde, die wir da in der Line stehen, im Minutentakt. Da fragt man sich: Machen das im Minutentakt Menschen falsch, oder ist das auch eher so eine Präventionsmaßnahme? o0
Egal. Foreigner sind Spitze, die ganzen alten Säcke aufm Wacken kennen die Songs natürlich alle und gröhlen mit was das Zeug hält. Nach Foreigner: Whitesnake. Am Wochenende vorher noch gelernt, dass man im beschaulichen Manchester bei Whitesnake-Songs das Wort „love“ durch „knob“ ersetzt. Nun kann man wissen, dass Whitesnake eine Megaschnulzenband ist – praktisch jeder Song handelt von knobs. Das Wochenende ist noch in den Gliedern, also brülle ich aus vollster Lunge regelmäßig Vulgaritäten über’s Wacken Infield. Toll gemacht Luke ;p
Nach Whitesnake dann Iron Maiden – der Headliner. Sie spielen das gleiche Set wie auf der Tour – das macht sie etwas berechenbar, aber das sind Iron Maiden ohnehin. Ich find sie spitze, auch wenn sie hier und da etwas mit dem Sound hadern. Zu „Blood Brothers“ sind wir schon vor dem Infield und wackeln langsam zurück ins Zelt – gemeinsam mit allen anderen das Infield verlassen ist erfahrungsgemäß mühsam…
Nur ein bisschen verlaufen wir uns, laufen einmal um V herum, kommen aber letztlich mit nur wenig Verzögerung sicher im Zelt an. Feierabendbierchen, Abgang.

Freitag. Es ist schon Freitag o0. Ja, wenn der Mittwoch so weggesogen wird vom ewigen dumm-herumstehen, kommt der Freitag immer irgendwie schneller als normal… Freitag also. Geplant: The Haunted. Auftritt? 11:55 Uhr. Ein kurzer Blick auf die Uhr, schallendes Gelächter. Gut, was war danach? Eluveitie. 18:30 Uhr. Ja, DAS ist doch mal was realistisches. Bis dahin gammelt es sich auch super im Camp. Als wir dann zu Eluveitie runtergehen, nehmen wir Manu mit. Der hat bis dato noch kein Festivalbändchen, wir sind ein großer Mob – was kann da schiefgehen? Rund 15 Leute schaffen es, die halbe Stunde durch haarige Schlammgassen hindurch zusammen zu bleiben – nur einer geht verloren… Es hilft alles nichts, Eichhörnchen sind zugegebnermaßen ein adäquates Ablenkungsmanöver. Manu hat sich übrigens an dem Tag durchaus sein Bändchen geholt. Und ist dann ohne aufs Infield zu gehen wieder zurück ins Camp gegangen. Gerüchten zufolge hat er weder am Freitag noch am Samstag einen weiteren Versuch unternommen, im Infield ne Band zu sehen.
Naja. Wir gehen jedenfalls zu Eluveitie aufs Infield – die sind wie immer lustig und machen spaß. Dann teilt es sich – Bullet For My Valentine oder Orphaned Land ist die neue Frage: Wir gehen zu Orphaned Land. Die sind okay, aber jetzt auch nicht übertrieben gut. Aber es ist im Zelt, dort ist die Stimmung im Allgemeinen immer etwas kompakter. Hinterher wieder raus, bei den letzten Klängen von Tarja diffundiert unsere kleine Gruppe fort. Blind Guardian schicken sich an – sie starten für mich ungewöhnlich schlecht, ihre Setlist vermag meine Müdigkeit nicht zu besiegen. So verlasse ich das Infield nach rund fünf Songs bereits und mache mich auf den beschwerlichen Weg ins Camp. Diesmal auf mich gestellt laufe ich auch prompt am Eingang vorbei – extramiles kann man auf dem Wacken leider nicht gutschreiben. Schade, schade. Aber immerhin: Je länger man dafür gelaufen ist, umso glücklicher kommt man dann letztlich im Camp an und ist froh, endlich in seinen gemütlichen Schlafsack auf der gemütlichen Matratze liegen zu können… Natürlich ist aber noch jemand wach im Camp, so zischen wir noch ein, zwei Bierchen, bevor’s in die Heia geht.
Samstag. Wieder so ein frühes, mögliches Konzert: Dragonforce. Wann spielen die? 12:10 Uhr. Wieder schallendes Gelächter. Na gut, aber dann Symphony X. Das klappt auch. Von dort aus wandern wir, ich hab zwei Ersties bei mir, kurz über den Metalmarkt und dann direkt zu Devildriver. Die sind ne bekannte Größe und gewohnt gut, ich bin trotzdem übertrieben müde und mag eigentlich nur noch ins Bett ;)
Nach Devildriver wandern wir etwas übers Wackinger und gehen zu Callejon wieder aufs Infield. Nicht mein Fall und es ist auffällig, dass der Song, der die Massen am ehesten zu bewegen vermag, ein Cover von den Ärzten ist. Ich weiß nicht, wie wohl ich mich dabei fühlen würde, wenn meine Fans zu meinen Coversongs mehr abgehen würden, als zu meinen eigenen. Ich glaub, da hätte ich recht zügig Identitätsprobleme ;)
Nach Callejon zuckeln wir aufs Wackinger, die für mich letzte Band ist angekündigt: Elvenking. Auf die warte ich ehrlich gesagt schon recht lange, hab sie noch nie live gesehen, einige male waren sie für Gigs in Berlin angekündigt, haben (oder wurden?) dann aber abgesagt. Darauf habe ich mich also in der Tat sehr gefreut. Und es hat sich sehr gelohnt – live stehen die ihren Studioaufnahmen in nichts nach. Die Setlist ist recht kurz, die Überlegung, doch noch zu Twisted Sister zu gehen ist sowas von nicht realistisch… also Rückweg, kniehohe Kuhkacke, du wirst mir nicht fehlen…
Der Rest ist gewohnt unspektakulär – bissl Schlafen, bissl Autofahren, Truck austouren, fertig. Es hat schon was routineartiges. Aber: Schön wars. Wie immer. Wacken ist schon was besonderes. Neue Tickets bestellt? Nein. Erstmal abwarten. Aber allgemein ist die Euphorie dafür stark begrenzt, wir denken so in kleineren Grüppchen schon über Veränderungen nach…

Apropos Veränderungen: Mit Ende dreißig ist es wohl an der Zeit, mal den Aufstand zu proben und an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden auf zwei unterschiedlichen Festivals rumzugammeln. Gedacht, getan: Brutal Assault 2016 steckt nun ebenfalls in unseren Knochen. Von den Wackenfahrern hat sich nur eine seeeeeeehr überschaubare Menge von vier Nasen dazu durchringen können, zusätzlich hatte wir einen Festival-Frischling mit in Tschechien. Ach ja Tschechien: Brutal Assault findet statt auf der Burg Josefov in Jaromer – ein kleines Städtchen, rund 150 Kilometer östlich von Prag. Da das Festival tatsächlich IN der Burg stattfindet, hat mich im Vorfeld die Atmosphäre sehr gereizt. Und das kann ich schonmal vorweg nehmen: Das hat sich vollständig bewahrheitet. Die Atmosphäre WAR der Hammer. Doch der Reihe nach. Bereits auf dem Wacken machen wir erste Planungen. Wann abfahren? Dienstag abend schon? Mittwoch um 5? Wann wollen wir da sein? Wie lange fahren wir? Und überhaupt: Wo liegten das?
Letztlich finden wir uns Mittwoch früh, gegen 7:45 Uhr, auf einem Rastplatz an der A13 zusammen und starten in dieses kleine Abenteuer. Nur wenige (ausgewählte) Stops braucht es, bis wir ohne größere Sorgenfalten Jaromer erreichen. In Jaromer deutet zunächst NICHTS auf ein Festival hin. Sieht aus wie ein mehr oder weniger nettes Städtchen in Tschechien. Noch haben wir zwar 400 Meter auf dieser Straße, eine rechts, dann nochmal 300 Meter zu fahren, aber so ein klein wenig sind wir von Wacken aus gewohnt, dass wir bereits vier Orte vorher via Leitsystem auf unsere zugewiesenen Plätze verwiesen werden. Doch nichts. 400m weiter, rechts rum – da endlich taucht etwas auf. Auf einem Plakat an einer Hauswand prangt der Doppelkopf-Adler des Festivals. Und so ganz langsam kommen uns auch die von Metal-Festivals bekannten schwarzgekleideten Kuttenträger entgegen. Wir ahnen schon: Hier sind wir richtig ;)
Da alles recht klein und beschaulich ist finden wir irgendwann auch „unseren“ reservierten Parkplatz, wollen rauffahren…doch Halt. Ein Ordner wirft sich todesmutig zwischen uns und den Parkplatz. Zeigt in die Fahrtrichtung und murmelt etwas auf tschechisch. Vermutlich eine wüste Beschimpfung. Wir fahren also weiter. Irgendwann kommt wieder ein Parken-Schild – fahren wir halt hier rein. Sieht aber mehr so aus, als wäre das kein Parkplatz im engeren Sinne. Hat eher was von Parkstraße. Bezahlt haben wir für was anderes… Also wieder zurück zum Ordner. Der ist amüsiert uns zu sehen., schickt uns wieder in die andere Richtung. „one Kilometer“ sagt erst. Okeeeee, wenn er meint. Fahren wir also wieder hin. Passieren die Parkstraße. Irgendwann tauchen recht unscheinbar zwei Ordner auf der Straße aus. Die machen genau gar keine Anstalten, uns anzuhalten – einen Parkplatz sehen wir indes hier auch nicht. Stutzig fragen wir mal nach. Ist das hier unser Parkplatz? Der arme Kerl spricht nicht nur kein deutsch, nein, der spricht auch kein Englisch… Wie gut, dass wir Ausdrucke unserer Parktickets beihaben. So verständigt man sich mit Hand und Fuß. Wir erhalten Parkkarten. Yay. Mit denen fahren wir wieder zurück wo wir herkamen, über die Brück, erste Rechts – da ist dann „unser“ Parkplatz. Sind wir vorhin dran vorbei gefahren. Das ganze System hat was von Kolonnenbildung – ohne rechte Struktur, wenn ich ehrlich bin… Auf dem Parkplatz gibt’s das erste von vier (sic!) Bändchen an diesem Wochenende: Das Parkenbändchen. Gott sei Dank parken direkt neben uns ein paar Metalheads aus Dresden, die reden uns mal direkt aus, gar nichts mitzunehmen wenn wir unsere Campen-Bändchen abholen wollen. Man erhält die Bändchen und kann dann direkt daneben aufs Camp rollen – wenn man da schon Zelte beihat, kann man die schon aufbauen und alles ist im Fluß… Machen wir also genau so. zu Fuß dauert die Strecke vielleicht 20 Minuten – aber gefühlt sind das Stunden. Das Wetter ist angekündigt mit „bis Samstag Nachmittag ist Regen ist Penner“ – das stimmt so nicht. Wir haben im Gegenteil sogar Glück, können unser Zelt im Trockenen aufbauen. Wir können es zwar dank lehmigem und steinigem Untergrund nicht fixieren, aber es steht. Noch ein paarmal hin zum Auto und zurück, dann steht das Camp. Wir gucken uns mit nicht wenig Neugier um – wir sind praktisch das einzige Camp mit Pavillon. Alle anderen Zelte stehen dicht an dicht. Zwar haben wir den Eindruck, dass wir für den Extra-Platz bezahlt haben, aber wir ahnen schon, dass wir das nochmal werden diskutieren müssen… Und so kommt es auch. Unser Camp ist ein sogenanntes „VIP-Camp“, wir haben ein zweites Bändchen, Zäune, eigene sanitäre Einrichtungen und Ordner. Einer dieser Ordner kommt zwischendurch mal rumgeschlendert und sagt „Das Pavillon geht nicht. Das ist nur erlaubt, wenn ein Zelt drunter steht. Das muss weg“. Wir können die Dame davon überzeugen, dass wir für den Platz bezahlt haben, damit ist das Thema für den Rest des Festivals erledigt. Nachdem alles steht machen wir uns direkt auf zu Devildriver – erste Band auf der Liste am Mittwoch. Zuvor kommt aber natürlich noch Bändchen Nummer 3: Das Festivalbändchen. Heute mit RFID-Chip. Zum Ein- und Ausloggen vom Gelände – aber auch zum Bezahlen. Irgendwie cool. Irgendwie auch wieder nicht. Praktisch halt, weil man nicht permanent mit Cash hantieren muss. Andererseits braucht man das Cash eh, um den Chip aufzuladen – jedenfalls ist das der leichte Weg. Naja. Für dieses Bändchen stehen wir endlich mal auch ne Weile an – rund eine Stunde im Dauerregen. Macht nix – Regencapes und Bier erheitern uns diese Stunde… Direkt vor uns bemerkt einer erst als er dran ist, dass er sein Ticket verloren hat (und neu wird ausdrucken müssen…) – das ist doof gelaufen und echt verschenkte Zeit… Bei uns läuft alles problemlos – Bändchen holen, Geld aufladen, rein und: Devildriver. So wirklich viel bekommt man von der Burg zu dem Zeitpunkt gar nicht mit – ist halt Musik vorne. Die spielen das selbe Set wie aufm Wacken – macht aber nix, war ja n Gutes :D
Es folgt ne Futterschlacht, ein bisschen Kennenlernen der Umgebung, anschließend gibt’s, während Dying Fetus Lärm produzieren, unser viertes und letztes Bändchen: Das Natural Stand Bändchen. Das ist eine echte Besonderheit vom BA: Direkt gegenüber der beiden großen Bühnen ist eine natürliche Erhebung. Vielleicht 6-8 Meter an niedrigster Stelle, nach hinten immer höher wachsend – wie ein natürliches Stadion. Von diesem Stand aus hat man natürlich hervorragende Sicht auf die beiden nebeneinander stehenden Bühnen (und manche Jägermeisterflagge…). Absolut cool gemacht und mit Abstand der Ort, auf dem wir die meiste Zeit verbracht haben während des BA. Zu Mastodon stehen wir da schon ziemlich souverän rum, direkt danach geht’s aber ab ins Bettchen für uns – die Fahrt ist anstrengend gewesen und morgen ist auch noch ein Tag.

Und für den ist abends Dark Tranquillity angekündigt… Wir beginnen aber etws vorher mit The Black Dahlia Murder, gefolgt von Ihsahn. Natürlich beide vom Naturals Stand aus :D Danach möchte Heike gerne zum Meet & Greet von Dark Tranquillity. Machen wir. Stehen am Ende sogar ganz vorne und nehmen verwackelte Fotos mit :D
Noch ein bisschen Hin- und Hergelatsche, dann spielen Dark Tranquillity. Im Zelt. Das ist quasi die drittgrößte Bühne. Und der Bereich vor der Bühne ist so voll, dass die Menschen seitlich unten hinten aus dem Zelt platzen. Versteht keiner, wie die Leute vom BA sich so verschätzen konnten, aber hier war der Bereich vor der Bühne definitiv nicht adäquat bemessen. Macht aber nix – wir sind früh genug da und sehen einen tollen Gig. Also. Ich sehe nicht so viel, ist halt voll :D
Hinterher noch ein klitzekleines bisschen Parkway Drive – nicht mein Fall und so ergebe ich mich meiner Müdigkeit.

Der Freitag beginnt entspannt mit Septicflesh, es folgen komische Bands wie „Raised Fist“ und „Obituary„. Während Terror spielen, machen wir ne Essenspause, um pünktlich zu Coroner wieder auf dem Stand zu stehen. Coroner fackeln ein gewohnt gutes Konzert ab, ich mag die Jungs einfach. Obgleich sie aus der neutralen Schweiz kommen, lassen sie es sich nicht nehmen, die mögliche Präseidentschaft von Trump mit einem „hopefully not“ zu quitieren :D.
Es folgen die psychedelischen Kuschelrocker von Moonspell und die leicht düsteren Satyricon bevor der Headliner des Festivals aufspielt: Arch Enemy. Alyssa kommt meiner Meinung nach langsam an bei Arch Enemy, sie wirkt nicht mehr so ganz wie ne Ein-Frau-Show wie noch zu Beginn ihrer Zeit bei AE. Dadurch wirkt das ganze Konstrukt auch wieder viel stimmiger und ich kann mich langsam dran gewöhnen, die Angela-Songs auch von ihr zu hören. Der neue Kram passt nebenbei bemerkt ganz gut zu ihr, da macht AE schon das Optimum draus, die Kreationen um ihre Sänger zu stricken. Unearth skippen wir, Bierchen, Bierchen, Bettchen.

Am Samstag verlassen uns unsere drei Mitstreiter, wir bleiben aber noch. Wir bauen am frühen Nachmittag das Zeltlager ab, tragen alles zum Auto. Ziel ist, bis Insomium im Infield zu sein und nach Behemoth nach Hause zu fahren. Genau so machen wir das auch – wenngleich Insomnium auf mich die gleiche Wirkung hat wie jedes mal, wenn ich die Live sehe: Plöt! Die Zeiten dazwischen nutzen wir natürlich, um unsere RFID-Chips zu entladen – als Wechselwährung gegen Getränke und Nahrung ;D
Als Kirsche auf der Sahne spielen noch Behemoth auf. Bereits während der vergangenen Tage sind regelmäßig die sogenannten Nazgul auf den hohen Bereichen der Burg rumgerannt: Dunkle Gestalten mit tiefen Kapuzen und Schnabelmasken. Sie geben der gesamten Szenerie etwas unheimliches, mystisches. Zu Behemoth passen sie natürlich noch besser als zu allen anderen… Mit ihnen wirkt das Konzert gleich noch dunkler, satanischer. Behemoth ihrerseits brennen wieder mal alles nieder – ihre Show ist einfach gigantisch und atemberaubend.
Nach Behemoth machen wir uns auf den Rückweg. So etwa 5 Stunden Autobahnfahrt durch die Nacht. ToiToiToi, alles ist gut gegangen.

 

Was bleibt also von diesem seeeeeeehr langen Wochenende auf Wacken und Brutal Assault? Die Erkenntnis, dass man Bands auch mal skippen kann. „Seh ich aufm BA. Sind aufm Schiff. Hab ich aufm Wacken gesehen“. Klappt total super :D
Was wir nächstes Jahr machen? Mal sehen. Wacken wohl nicht. Sicherlich irgendwas Festivalartiges. Vielleicht was mit echtem Bettchen oder so? Vielleicht auch was gemischtes. Breeze ist in der Auswahl. Sicher auch das Force. Metalfest geht irgendwie immer. Mal sehen. Noch ist nichts entschieden. Vielleicht landen wir ja am Ende doch wieder auf dem härtesten Acker der Welt :D

Wacken 2015 – Von Monsunen und zurückgelassener Unterwäsche

Uiuiui. 2012 Gab’s in Wacken schonmal Regen – aber zumindest wurden wir zum Zeitpunkt des Aufbauens davon verschont. Nicht so dieses Jahr. Wacken 2015 liegt nun also hinter mir und uns, und es ist aus vielen Gründen ein außergewöhnliches Wacken gewesen – allem voran deshalb, weil ich das erste mal mit meiner Herzdame Heike nach Wacken gefahren bin. Das an sich ist eher nicht spektakulär werdet ihr nun denken – aber wenn man etwas “schon immer so gemacht hat” ist es durchaus eine Veränderung, die gewisse Justierungen erfordert, wenn sich die Bedingungen ändern.

Doch beginnen wir ruhig ganz einfach an Tag –170 oder so, dann sehen wir ja, wohin uns das hier führt. Tag –170 ist so etwa der Zeitraum, an dem wir uns ein neues Zelt aussuchen, in dem wir dann geplant gemeinsam nächtigen wollen. Die Entscheidung fällt uns nicht wirklich leicht, letztlich nehmen wir ein günstiges mit viel Platz und einem ordentlichen Gesamteindruck – wobei Amazon-Rezensionen der Maßstab sind. Außerdem bestellen wir noch n Duschzelt (!), eine elektrische Pumpe samt Duschkopf und so weiter, und so fort. Samt und Sonders werden wir am letzten Tag vor der Abfahrt so rund zwanzig Gepäckstücke haben – Schlafsäcke, Matratzen, Zelte, Stühle, Tische, Taschen und so weiter, und so fort. Als das Muli am Vortag der Abfahrt rumkommt und alles einlädt, sind vier gestandene Männer und Frauen ne Stunde damit beschäftigt, den Kram aus der Wohnung in den Mietlaster zu bringen… Auch dabei ist der filler für die diesjährig geplante Spirituose für Marc und mich: Relentless für den Jäggimeister (von dem ich in Summe genau einen Drink abbekomme – liebe Mitreisenden: IHR WOLLTET DEN KRAM NICHT HABEN! Schaweine! Nächstes mal legen wir vorher zusammen und bringen hinterher mehr mit, dann passt das auch. Und Wenn zufällig wieder jemand Geburtstag hat, passt das dann sogar doppelt und dreifach :D).
Meine persönliche Wackenplanung wird jedes Jahr souveräner, inzwischen lasse ich praktisch alles zuhause, von dem ich genau weiß: selbst wenn ich’s mithabe und benötige, würde ich’s nicht verwenden. Das erspart irre viel Gepäck und verkürzt die Packzeit erheblich.

Abfahrt erfolgt wie gewohnt am Mittwoch morgen – wir sind schon beim Aufstehen spät dran (bzw verschlafen ^^), aber alles im akademischen Rahmen. Bei mir gepennt hat Marc, auf unserem Weg zum Muli sammeln wir Lopi (meine künftigen Erwartungen an “ich bring kurz den Müll noch raus” haben sich seither massiv verändert) und später Heike ein.
Letztlich sind wir nichtmal die letzten beim Muli, man sammelt sich, dann machen sich 5 Autos und ein Transporter auf den Weg zu…mir… Hab meine Kutte vergessen – das geht natürlich nicht :D
Also nochmal kurz zu mir, von dort auf die Autobahn und ab nach Wacken. Es dauert wie gewohnt keine Stunde, da klinkt sich der 15-Minuten-Pipi-Rhythmus in unsere Fahrt ein. Ein Autokorso mit insgesamt sechs Autos hat zudem weitere Tücken, so dass wir diesmal in Hamburg getrennt fahren und uns dann also doch auf nem Parkplatz treffen. Wieso sagt ich “also doch”? Da die Üdemer überwiegend keine Karten hatten, hat sich Lukas am Wochenende zuvor alleine nach Berlin aufgemacht (via Fernbus – das erwähne ich vor allem, um die daraus resultierende Gepäcksparsamkeit mal vor Augen zu führen), damit sollte der Stop am Parkplatz entsprechend ausfallen. Durch dann aber doch sehr unterschiedliche Numero-Uno-Bedürfnisse haben wir uns halt doch aufm Parkplatz getroffen. Von da an los nach Wacken, die letzten paar Kilometer dauern ja für gewöhnlich nicht so lange…

Diesmal durchaus…

Wir wussten um Wetterwarnungen – noch während unserer Anfahrt gab’s Bitten seitens der Wackenverantwortlichen, wir mögen doch bitte heute nicht mehr Anreisen sondern in nem Parkhaus in Itzehoe übernachten. Haben wir natürlich ignoriert – wir wissen ja, die sind immer arg hysterisch und so… Ach je, hätten wir doch mal besser drauf gehört…

So rund 10-15 Kilometer vor Wacken stellen wir uns ans Ende irgendeiner Schlange, von der wir zumindest mal hoffen, dass sie zum Leitsystem Richtung Wacken gehört. Ab hier ist es Stop and Go. Anfahren, Anhalten, Handbremse rein (ja, habe ich einmal vergessen, gsd hat Heike aber gut reagiert und statt Lucy mit nem BMW nur den Fahrersitz mit Bier besudelt. Nichts, was nicht vorher schon passiert wäre :D). Alle raus, es ist warm, dann ist es kalt, mal ist Regen, dann wieder Sonne. Alle Aussteigen, rauchen. Kaum ist die Kippe an, geht’s weiter. Das Stück laufen? Zu riskant. Beim nächsten Stop einfach mal keine Rauchen? Keine Option. Alleine auf diesem Teilstück nach Wacken sind viele, viele Zigarettenbäume gepflanzt worden. Kurz vor kurz vor kurz vorm Ende dann noch der Aufreger schlechthin: Es stellt sich raus, dass die Schiebetür eines Sprinters und Finger einer Hand zwar eine gewisse Anziehung aufeinander haben mögen – die Verbindung sollte aber tunlichst vermieden werden… Es gab auch früher schon Verletzungen bei uns auf dem Wacken – aber soweit ich mich erinnere noch nicht auf der Hinfahrt. Yeah – wir haben noch “erste Male” – das ist doch was :D

Irgendwann werden wir reingeleitet, Campground X diesmal. Wieder eher so am Ende, in Richtung nächstes Kackdorf in der Nähe von Wacken. Wacken hatte zuvor schon angekündigt, dass sie den Leuten kaum Platz einrichten würden, Pavillons aufbauen sollte vermieden werden und alle müssen zusammenrücken, da diverse Campingflächen überhaupt gar nicht bewohnbar seien. Wir sind natürlich geschlossen zu abgekocht dafür und machen so in etwa das Gegenteil: Sobald die Einweiser mal ne Sekunde nicht hingucken, bauen wir die Pavillons einfach doch auf. So rückblickend betrachtet denke ich, das war ne doofe Idee :D
Wir bauen unsere Zelt in etwas, das schon zu diesem Zeitpunkt wie das Wattenmeer aussieht – aber was soll man machen, die Ordner haben gesprochen…
Zum ersten Mal in meiner Wackenzeit bauen wir im Regen auf – lästig und schädlich für einfach alles, was wir so bei haben – weil einfach alles nass wird. Wir, die Zelte innen wie außen, draußen liegen gelassene und vergessene Gegenstände… Das Zelt steht, ist innen pladdernass und bleibt das auch, nachdem wir es trockenlegen. Liegt ganz einfach daran, dass es undicht ist. Sowohl die Zeltmembran selbst als auch die Nähte und Klebestellen osmosen (klar ist das n Verb, hab’s doch grad aufgeschrieben!) Wasser von innen nach außen… Entsprechend züchten wir eher ein Feuchtbiotop als das innere eines Zeltes zu begehen… Es hilft alles nix, Wacken muss weitergehen. Wir bauen fertig, besuchen unsere Leute im etwas abseits gelegenen Pavillon und hauen uns teilweise mariniertes Fleisch auf den Grill… Noch während wir da in Knöchelhohen Pfützen waten und uns für die kommende Nacht Mut antrinken fliegen uns die Pavillons regelmäßig fast weg – nur festhalten an allen Ecken hält sie davon ab, uns einfach pladdernass im Regen zurück zu lassen… Der Abend endet flott – statt wie üblich abends noch das Bändchen zu holen und ein paar Rumpelbands zu hören rufen Schlafsack und Wasserbett…

Die Pavillonecke ist am nächsten Morgen nicht mehr zu gebrauchen – sie steht gänzlich unter Wasser, die Pavillons sind Schrott (das ändert sich auch nicht durch die diversen Tapeversuche diverser Mitreisender) und es regnet. Wie nervig.
Heike und ich sind sehr früh wach, wir machen uns also spontan los zum Infield – Bändchen holen. Das Festivalgelände ist noch geschlossen, aber die Bändchenausgabe schiebt 24-Stunden-Schichten…
Der Weg dorthin ist vergleichbar mit einem Spaziergang im Watt – etwa 30 Minuten, nachdem das Meer zurück ist… Wir waten während ununterbrochenem Regen durch dreißig Zentimeter tiefe Pfützen aus Kuhkacke \o/

Mit dem Bändchen bewaffnet gehen wir noch was frühstücken und wieder zurück aufs Campground – ausharren bis Dark Tranquillity als Überleitung für Savatage. Die ganzen anderen, (hauptsächlich Newcomer) Bands auf meiner Liste vertröste ich auf den Moment, wo sie populär sind und so – is mir zu kalt und zu nass.
Gegen Mittag ziehen wir das Zelt um, da wir inzwischen Gefahr laufen, komplett abzusaufen. Also alles aus dem Zelt räumen und irgendwie trocken verwahren, alle Heringe ziehen und das Zelt am Stück an einen trockeneren Ort tragen. Eine echte Herausforderung und offenbar nicht ganz ohne Verluste wie sich heute, wieder daheim angekommen, herausstellt. Doof. Die Neue Position ist wenigstens am Boden trocken – vom Himmel nach wie vor nicht und entsprechend bleibt es im Zelt feucht bis nass. Ich kann schon vorweg nehmen: Das Innenzelt – also der Bereich, in dem wir geschlafen haben – blieb trocken bis zum Ende. Wenigstens das.
Dann gibt’s Absinth-Cocktails zum Gegen-Das-WasserWetter-Antrinken. Ich habe den überwiegenden Rest des Nachmittags im Auto verbracht – mit hervorragender Sicht auf die Pavillon-Taper und unser Geburtstagskind, dass es sich nicht nehmen liess, mit reichlich Drinks immer und immer wieder bei uns im Auto vorbeizuschauen. Das kann auch mal schiefgehen… Und ging es auch. Immerhin: Am nächsten Morgen erinnert er sich an nix, und gemäß gängiger Gesetzmäßigkeiten bedeutet das bei uns: Es ist nie passiert.
Abends dann Wie gesagt Dark Tranquillity – Top Set, Sound finde ich nicht so prall, bin aber auch genervt vom Tag. Aber Dark Tranquillity kann ich immer hören, egal wie mies ich drauf bin.
Das Wetter fordert nicht nur bei mir seinen Tribut sondern bei der gesamten Gruppe – viele Absprachen und Verabredungen funktionieren nur noch bedingt, alle sind etwas gestresster als sie es sein sollten, Menschen gehen verloren und werden spät erst wieder entdeckt. Wacken im Regen halt – es ist anstrengend und kräftezehrend.
Im Anschluss geht’s zu Savatage – die spielen zeitgleich mit dem Trans-Siberian Orchestra und überhaupt das erste Konzert seit so 12 Jahren oder so… Es ist zudem eine Premiere für das WOA – das erste mal werden Black- und Truestage zeitgleich bespielt. Jon Oliva gibt sich große Mühe beim Marathon von einer zur anderen Bühne nicht außer Atem zu gelangen – das Konzert insgesamt ist phänomenal und ein echtes Highlight des (diesjährigen) WOA.
Im Anschluss ins Zelt und in die Heia.

Freitag testet Heike das Duschzelt (offenbar ein voller Erfolg!), was nicht ohne eine gewisse Dauerbelustigung der anderen funktioniert, aber das kommt mit Ansage. Inzwischen ist der Regen weitgehend weg, es ist eher permanent diesig aber weitgehend trocken. Das Zelt funzt übrigens überraschend gut, kann man so machen.
Ich begebe mich zu Falconer vor die Bühne (letzte Möglichkeit für mich, die mal live zu sehen, da sie angekündigt haben, künftig nicht mehr auftreten zu wollen). Die Show ist super, die gesamte Stimmung halt mies. Zwischendurch fällt der Bass aus und während die Techniker das fixen spricht der Gitarrist mit uns und bedauert uns Fans, dass wir da unten in der Scheisse stehen müssen, während sie da oben stehen und nicht spielen können. Tja. Wo er recht hat, hat er halt recht :D
Im Anschluss lass ich sehr viel ausfallen, dafür laufen wir nach Wacken Dorf. Der Marsch ist spektakulär und bedingt durch die chaotischen Wetterverhältnisse nicht unwesentlich beschwerlich. Da mein Equipment mit den Witterungsbedingungen gut klarkommt, kann ich vermutlich den überwiegenden Teil des wütenden Mobs, der mich begleitet, nicht angemessen würdigen. Das verstärkt sich auf dem Rückweg, auf dem wir statt den gleichen Weg über die Felder zu nehmen, mit dem Taxi “über außen” fahren. Gefühlt sind wir dadurch am Ende nicht weniger gelaufen – aber immerhin fast gänzlich auf befestigtem Boden. Wie gesagt, für meine Stiefel kein Unterschied…
Wacken selbst ist halt Wacken – voll, skurril. Der Supermarkt hat neues Grillfleisch für uns und wir finden ernsthaft noch Gummistiefel im Dorf – und einige von uns schlagen direkt zu.
Nach ausgiebigem Fleischupgrade geht’s wieder aufs Infield – In Flames sind angekündigt. Deren Show ist durchwachsen – das Setup ist nicht mein Fall, der Sänger hat Mühe mit seiner Stimme, es ist kalt und ih baba. Aber letztlich ist es halt In Flames ;)
Ich bleibe danach noch zu Running Wild – steht auf der Liste “muss man mal gesehen haben” – nach vier Songs ziehen wir aber ab – es ist bitterkalt (gefühlt nah am Gefrierpunkt) und die Band vermag nicht, uns die Wärme aus den Knochen zu schütteln. Ein kurzer Umweg über das Wackinger zu diesem legendären Kaffee- und Teestand, dann ist auch dieser Tag musiktechnisch besiegelt. Wir trinken im Camp noch ein Bierchen, dann ab in die Heia.
Eine Lektion dieses Tages ist noch: Wenn man nicht auf jemanden wartet, der grade vor einem ins Dixie gerannt ist, bekommt man dafür als Belohnung einen Pavillon. Das muss man wissen, das ist elementar. Diesen neuen Pavillon bauen wir an dritter Stelle auf, da die ersten beiden beinahe gänzlich unter MüllWasser stehen. Eigentlich ein Wunder, dass wir noch freie Flächen dafür finden, und doch…

/edith sagt: Den neuen Pavillon gab’s schon Donnerstag abend. Sachen gibt’s o0

Samstag ist dann so der Tag des gemeinsamen Rumhängens vor der Bühnen. Viele sind bei Avatar, viele bei Amorphis. Avatar sind sehr gut, mit der kleinen Einschränkung, dass der Sänger halt jemand ist, der sich viel und gerne mal die Zeit nimmt, mit den an seinen Lippen hängenden Fans zu plaudern, statt Musik zu machen. Von dem ohnehin kurzen Set gehen auf die Weise mal so locker eine Songlänge dafür drauf, dass er uns fragt, ob’s uns gut geht. Es ist nicht wirklich stimmungstötend, aber mMn kann er sich das gerne schenken. Amorphis spielen wieder das Set zu ihrem Debütalbum – es ist nicht wirklich mein Lieblingsalbum von ihnen und ich hab die Show inzwischen das vierte mal gesehen – wir vertreiben uns also die Zeit mit Bierchen trinken und Faxen machen :D
Amorphis sind für Heike und mich dann auch die letzte Band auf dem Wacken. Zwar gehen wir hinterher nochmal aufs Wackinger – aber eher zum Shoppen (und wie!) und weniger zum Musik hören. Seither bin ich stolzer (zweitverwertender) Besitzer eines Schulterpanzers aus schwarzem, massivem Stahl (Danke Marc!). Oder so. Kann auch einfach Alu sein, was weiss ich. Ein bissl in der Shisha-Bar rumhängen gehört halt doch zum Wacken dazu ;)
Und was wäre Wacken in diesen Jahren ohne vorzeitige Abfahrer… Bereits Donnerstag hatten wir einen Heimfahrer, am Samstag Nachmittag folgten drei weitere. Skandalös wenn ihr mich fragt!

Abfahrt nach Berlin erfolgt wieder zu quasi nachtschlafender Zeit – und während sich der große Teil des Autokorsos direkt nach Berlin aufmacht (die herrenlose Unterhose blieb im Matsch – gemeinsam mit einer rekordverdächtigen Anzahl an Zelten und dem Rest vom Asicamp 2015 auf X), bleiben Lucy und ihre Mitstreiter noch in der Nähe (Frühstück bei Mecces und so – letztlich waren wir bei BKing weil is-doch-eh-wurscht :D). Das holen wir schon wieder auf, ist doch klar. Letztlich sogar sehr souverän – wir sind am Ende Netto rund drei Stunden vor dem Korso in Berlin.
Das war Wacken 2015. 2016 ist schon ausverkauft – wir sind wieder dabei. Rain or Shine. Aber gerne mal wieder shine ;)

P.S. I: Radler KANN man mitbringen nach Wacken – is aber pointless
P.S. II: Absinth und Relentless funktioniert tadellos. Vermutlich funktioniert auch Rattengift mit Relentless :D

Leicht verspätet noch ein paar Impressionen:

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Wacken 2012 – Postmonsun-Ära

Wacken 2012 liegt hinter mir, ich blicke bereits versöhnt zurück und bereits aufgeregt nach vorne – denn nach Wacken ist vor Wacken. Aber der Reihe nach und allem voran: Anstrengend war’s…:

Dieses Jahr haben wir die Klamotten alle am Vortag in einen Sprinter gekippt und sind parallel dazu mit zwei PKW von Berlin aus aufgebrochen. Planmäßiger Treffpunkt Mittwoch morgen, 8:00 Uhr in meinem Garten. Schon das klappte nicht wirklich, aber annähernd. Abmarsch dann etwas später, anschließend Tanken, natürlich. Rauf auf die Autobahn, unterwegs vierzehn Pipistops (alle wegen Marc!). Kurz vor Hamburg noch einen weiteren Truck in die Kolonne einfädeln, in Hamburg kurz totes Tier nachladen – und natürlich Pipi machen ^^.

Hinter Hamburg die ersten shocking Moments, Stau soweit das Auge blickt. Die Armageddon-Szenarien werden besprochen, aber total freie Wahl haben wir nicht, wir müssen noch ein weiteres Auto in den Konvoi mit aufnehmen. Gesagt, getan, die Wartezeiten sind erstaunlich fast nicht vorhanden, beinahe alle, die nicht fahren müssen sind schon in einem sehr glücklichen Zustand – die pralle Sonne bei 23 Pipistops trägt das ihrige dazu bei.
Im Konvoi von 5 Autos und 22 Personen geht’s dann durch Wacken-Dorf, offenbar sind wir die allerletzten die ankommen, denn das Dorf hat schon wieder die metallische Dichte eines Sacks Osmium. Wir werden ein paar Meter über’s Grün gelotst, dabei geht mal direkt Lopi verloren, verabschiedet sich mit einem “Ich geh hier mal schiffen” und verpasst den Augenblick, als wir weiterfahren können und müssen. Naja, er kennt das ;)
Zeltplatz liegt auf einem Hang, unweit vom Dorf, unweit der Festivalsite, weit genug weg vom nächsten Sani und der nächsten Dixiinsel. Der optimale Zeltplatz also, und es wird sich noch herausstellen, dass er noch an Awesomeness gewinnen kann…

Nach der obligatorischen Zickerei mit den Ordnern wird hektisch aufgebaut. Dabei geht ein Stuhl verloren, es gibt also auch erste Zickereien im Zeltlager. Anyway, da ich gefahren bin ist dies der Moment meines ersten Bieres dieses Tages, und es schmeckt richtig gut. Der Mittwoch vergeht wie Mittwochs halt so vergehen – Bändchen abholen, Biergarten suchen, Lichter aus.

Donnerstag fällt das aufstehen schwer, aber es muss ja eh passieren. Also Konterbier und dann recht zeitnah zu Faanjefell aufs Gelände – vorher noch Bändchen holen mit denen, die Mittwoch nich wollten. bei Faanjefell stellen wir dann fest, dass sie sich anhören wie Danko Jones, aussehen wir Danko Jones und auf der Bühne sind, auf der eigentlich zuvor Danko Jones seine “spoken words” aufführen sollte. Nach diversen Hinweisen hilft ein Blick auf die Uhr und wir wissen, wir sind ne Stunde zu früh dran. Nunja. Peinliche Nummer ;)

Faanjefell spielen dann halt irgendwann, haben mich aber weder interessiert noch beeindruckt. Exuviated waren da schon besser, aber das war auch zu erwarten, die standen hoch im Kurs bei mir. Gelungener Einstand in den Donnerstag morgen also.
Danach ‘n Haufen Kram, an den ich mich nicht mehr erinnere. Das nächste wichtige Konzert wird von Amaranthe performt, die sind mal außerordentlich gut – aber das wusste ich vorher. Anschließend noch mehr Zeugs das niemand hören muss. Dann schlendern wir erstmal ins Zeltlager, wir haben’s ja nicht weit. Anschließend sind die Erinnerungen etwas konfus, offenbar hab ich aber zumindest noch Circle II Circle gesehen – die scheinen aber eher überschaubar toll gewesen zu sein. Um dem Abend die verdiente Krönung zu verabreichen habe ich noch Ordnern an zwei (!!) Mainstage-Eingängen die Meinung gegeigt, weil die das Infield gesperrt hatten, auf dem Volbeat spielten, und vor dem noch diverse Leute auf Einlass warteten. Liebe Wackenverantwortliche: Das war mal wieder nix. An jedem Abend habt ihr das Infield gesperrt, das ist echt ultrahochnervtötend. Wenn zu klein ist, baut es größer. Ihr verkauft Trillionen Tickets und werbt mit 120 Bands – und wenn man sich dann die Mühe macht, ein paar mehr davon auf verteilten Bühnen zu sehen, wird man zum Lohn nicht mehr zu den Headlinern ins Infield gelassen. Epic Fail. Und nein, ich wollte Volbeat nicht sehen, ich hab den Ordnern aus Prinzip meine Meinung gegeigt. Also Zeltlager, Bierchen, Feierabend, Lichter aus.

Freitag ist widerum etwas diffus. Es beginnt wohl mit Crimes of Passion, Darkest Hour und Black Dahlia Murder nehmen wir auch noch mit. Alles nicht sehr beeindruckend, Darkest Hour mag sich hier vielleicht noch abgehoben haben. Anschließend gemütlich zur Partystage, Coroner spielen auf. Und wie sie spielen. Grandioses Konzert, sicher das Beste, dass ich dieses Jahr gesehen habe. Obwohl sie gegen Monsunartigen Regen antreten blasen sie den Zuschauern die Ohren aus den Köpfen – groß.
Im Anschluss eine kleine Pause, dann etwas Dummi Borgir und natürlich In Flames. In Flames sind toll, leider bin ich viiiiel zu wenig nüchtern für das Konzert und muss abbrechen. Die wichtigsten Songs nehme ich noch mit, manch im Infield, manche davor. Gut zu wissen, dass ich sie auf der “Majesty of the Seas” wiedersehen werde ;)
Augenzeugenberichten zufolge soll ich noch Insomnium und Ghost Brigade gesehen habe. Unter Eid würde ich das aber abstreiten.

Samstag startet früüüüüh mit Agro, vor allem aber mit dem für mich wichtigsten Auftritt von Manticora. Die sind, obwohl sie “meine” Songs nicht spielen, erwartet gut und ich bereue nicht, ihretwegen so früh aufgestanden zu sein. Anschließend zu Paradise Lost, beim Warten auf die Band ein kurzer Plausch mit einem Schweden, der lustige Sachen zu erzählen hatte – die meissten drehten sich um lange An- und Abreisen und dass er Montag morgen wieder arbeiten muss. Awesome!
Das kann man von Paradise Lost leider nicht sagen, die sind einfach nur langweilig. Also zurück ins weltgrößte Zirkuszelt, warten auf Weto. Die sind leider auch eher mau. Aber immer noch besser als die anschließenden Kylesa, die vielleicht das schlechteste sind, dass ich aufm Wacken dies’ Jahr gehört habe. Anschließend wieder Zeltplatz, abends nochmal zu Sylosis (Groß!) und drei Songs von Amon Amarth (natürlich VOR dem Eingang zu den Stages…), dann war’s das.

Den Abend beschließt der heftigste Regenschauer des Wochenendes, die perfekte Einleitung in das Parallelthema dieses Jahr: Regen, Schlamm, Matsch.
Schon Tage vorher hat es in Wacken geregnet. Es gab Anreisewarnungen der Veranstalter, die allergrößte Mühe hatten, wenigstens einen Teil des Geländes trocken zu legen. Weder im Infield, noch auf dem Plaza oder auf den Hauptverkehrsstraßen ist ihnen das ernsthaft gelungen. Das ist kein Vorwurf, denn es war halt scheissviel Wasser und eben sehr viele Menschen und Autos, die über die immer gleichen Wege fuhren und gingen. So steckte man quasi das gesamte Wochenende knöcheltief im Schlamm, der je nach Position mal mehr und mal weniger die Duftnote einer Durchfallerkrankung bei Neugeborenen hatte. Das vermittelte auch das heimelige Gefühl, man würde nicht durch nassen Sand, sondern durch nassen Dung waten. Ist wahrscheinlich auch so.
Die Wege zwischen Zeltplatz und Festivalsite waren superanstrengend, auch wenn sie für uns sehr kurz waren. Aber jeder Schritt kostet Kraft. Auf dem Plaza und vor den Bühnen bot sich nur wenig anderes. Ich hatte dieses Jahr recht viele Bands im Bullhead Circus, dem angeblich weltgrößten Zirkuszelt. Das war eine gute Entscheidung, denn im Zelt waren die Bedingungen um Längen besser. Zwar wurde auch hier der Boden irgendwann komplett durchweicht, aber nicht annähernd so schlimm wie draußen. Und neuen Regen haben wir fast gar nicht bemerkt, erst wenn man mal wieder den Standort wechselt war der Unterschied zu erkennen – aber noch tieferen Morast vor dem Zelt.
Samstag morgen haben die ersten Besucher Versuche Unternommen, vom Zeltplatz abzufahren, nicht wenige von ihnen sind dabei im Schlamm stecken geblieben. Einige mussten zehn Stunden auf Hilfe durch die ortsansässigen Bauern warten, die mit ihren Traktoren über das bisschen Schlamm nur müde lächeln konnten.
Komplette Zelte waren voller Schlamm, hier hatten wir dank des Hangs echt Glück, dass das Wasser und der Schlamm quasi an uns vorbeifließen konnte. Andere Zelte hatten da weniger Glück.
Es war demnach permanent nass und matschig. Wenn es grad mal nicht regnete, schien die Sonne unbarmherzig und brannte direkt auf Armen und Nacken. Wettertechnisch echt ätzend. Aber: Wenn man sich erst mal damit abfindet, ist’s am Ende des Abends auch egal. Gute Schuhe und wetterfeste Kleidung und dann geht das. Doof nur, dass mir an der Regenjacke am Freitag der Reißverschluss abgerissen ist. Naja. Das gibt’s :D
Auch bei der Abreise am Sonntag hatten wir dank unserer Zeltplatzes das Glück, dass wir fast problemlos “vom Acker” kamen. Das Leitsystem funktionierte etwas seltsam, aber zuverlässig. Ein bisschen finales Gezicke um Kaffeepausen und schnelle Heimfahrt bekommt man auch noch in den Griff, dann ist Wacken 2012 Geschichte.
Als Resümee kann ich sagen, ich habe wieder unglaublich viel Zeit im Wackinger Village verbracht und die mit Abstand meisten Bands auf den kleinen Bühnen im Bullhead Circus gesehen. Auf diese Weise ist Wacken tatsächlich ausgesprochen entspannend. Und wenn die Wege zwischen Zelt und Bühne so kurz sind wie dieses Jahr, spielt es auch keine Rolle, dass einem permanent der Geruch von Kuhfladen um die Nase wedelt. Ist vermutlich auch am Samstagabend eines rein sonnigen Wackens nicht anders :D

Zu guter Letzt noch ein paar Impressionen, denn Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte…:

Ach und P.S.:

…der naechste, der “Scar Symmetry” einen schwachen Abklatsch von “Soilwork” schimpft, bekommt von mir auf die (notfalls virtuelle) Nuss!

[Review] Wuthering Heights – Far from the madding crowd / The shadow cabinet

Nils Patrik Johansson. Die Stimme. Zugegeben: Ich kannte Astral Doors bevor ich Wuthering Heights gefunden habe. Insofern war ich „vorgewarnt“. Allerdings habe ich nicht gut recherchiert, ich wusste nicht, dass Johansson bei WH mitmischt. Die Alben, in die ich zuvor reingehoert hatte, waren auch nicht mit ihm aufgenommen.
Umso ueberraschter war ich, als ich die beiden Longplayer „Far from the madding crowd“ und „the shadow cabinet“ auf dem Teller rotieren liess und es mir in den Kopf schoss, dass es so eine Stimme niemals zweimal geben kann…

Meiner bescheidenen und musik-wissenschaftlich gewiss fragwuerdigen Meinung nach hat dieser Junge die interessanteste Stimme im gesamten Musikbusiness. Selbst wenn man – wie ich – die Astral Doors eher langweilig findet und einem – anders als mir – WH auch nicht zusagen, kann ich nur empfehlen, dieser Stimme zumindest mal einen Song lang zu lauschen.
Ja, es gibt parallelen zu einem gewissen rjDio… Aber dem und dessen musikalischer Begleitung fehlt fuer meinen persoenlichen Geschmack immer das gewisse Etwas.

Anyway. Warum also stelle ich diese beiden Alben vor?
Beginnen wir mit ‚Far from the madding crowd‘.
Folkelemente die Richie Blackmore nicht gekonnter vortragen kann driften uebergaengslos in ungewitterartige Gitarrenelemente ab, die selbst die Fetischisten von Dragonforce neidvoll erblassen lassen. Episch anmutente ‚chorus‘ wechseln sich mit Theme-artigen Erzaehlungen ab.
Man denkt, man hat alles gehoert – dann schlaegt einem mit „bad hobbits die hard“ (ja, nu wird klar, dass es ein Mottoalbum ist) der progressive Teil dieses Albums mitten in die Eingeweide. Ich kenne wenige Songs, die so sehr das Gefuehl einer Achterbahnfahrt verursachen wie dieser. Ist btw rein instrumental…
Das Album verabschiedet sich ungewoehnlich ruhig mir „Lament for Lorien“ – und man ist gewillt, den Ring sofort herzugeben, wenn man nochmal von vorne beginnen duerfte…

Klarer Anspieltip in diesem Album ist das vom Evil Masquerade-Gitarrenfrickler Flyman intonierte „bad hobbits die hard“ – und ich verspreche, mit einem angemessenen Tonspur klingt das noch um Welten besser:

Zwei Jahre spaeter, offenbar bewusst ein ganzes Album an Erfahrungen und Vorstellungen hinter sich lassend, bringen WH dann „the shadow cabinet“ auf den Markt.
Die Band – sichtlich „verstaerkt“ mit Vollzeit-Bassisten Teddy Moeller, der die Funktionskrake Ravn an diesem Instrument aushebelt und Manticora-Gitarristen Martin Arendal lassen sie sowohl Tolkien als auch Folk hinter sich (eine Violine findet sich hier und da noch als Ueberbleibsel und immerhin „faith“ laesst gegen Ende aufblitzen, dass man nicht gewillt ist, diese belebenden Elemente gaenzlich wegzulassen.) und konzentrieren sich auf das, was man von einer Daenisch-Schwedischen Prog-Power-Band prinzipiell erwartet: ordentlich Wumms auf die Boxen, abgeschmeckt mit prog-Elementen, eingaengigen Songs mit viel Herz und Seele. Ohne das musikalisch gleichsetzen zu wollen erinnert mich diese Entwicklung an Blind Guardians „night at the opera“. Womoeglich muss das so sein, und womoeglich war „Far from the madding crowd“ auch genau so geplant – als Konzeptalbum fuer zwischendurch. Da ich die Alben von WH, in denen Johansson nicht mitgewirkt hat, nicht kenne, entzieht es sich meiner Kenntnis, wo WH herkamen.
‚The shadow cabinet‘ ist wesentlich druckvoller und imposanter als es ‚fftmc‘ gewesen ist – natuerlich. Es hat mit „if you can not win the day – seize the night“ ausserdem auf jeden Fall die nachhaltigere Message – zumal die Tolkien-Mitfahrgelegenheit schon zu Zeiten von ‚fftmc‘ schon eher auf der Regionalstrecke fuhr…
Das Album ist demnach weniger Folk, dafuer umso mehr Power.

Anspieltip ist natuerlich „carpe noctem“ – zeigt es doch, dass sich epischer Chorus nicht nur in MTV-Pop wiederfinden darf…

Beide Alben sind sehr unterschiedlich, wenngleich sie aus gleicher Feder kommen und mit nahezu gleichem Equipment vorgetragen werden. Ich koennte unter Androhung von Gewalt nicht sagen, welche mich mehr mitreisst. Beide tragen ein Stueck zum Mosaik meines „Soundtrack des Lebens“ bei.

[Review] Stormwarrior – Heading Northe

Stormwarrior war sicherlich diejenige Band auf meiner Liste der ‚must-haves‘, in die ich die hoechsten Erwartungen gesetzt habe – nicht zuletzt, weil’s von Kai Hansen produziert wurde.

Tja, was soll ich sagen – es ist so lala geworden. Die Erwartungshaltung war gross, sie konnten ja nur enttaeuschen. Stormwarrior spielen schnell (fruehe Helloween, Manowar, fruehe Blind Guardian), die Riffs sind simpel und nachvollziehbar. Es ist alles eingaengig, Lars Ramckes Gesang ist langweilig aber solide. Die Epic-Elemente – oder sollte ich sie „Viking-Elemente“ nennen? – sind uebertrieben und phantasielos, die Texte belanglos.
Die Soli klingen alle exzellent, alles extrem alte Schule, wenig Mut zum Risiko – aber hiermit dann auch wenig Chancen, ordentlich daneben zu liegen. Das duerfte live aeusserst interessant sein.

Ansonsten besticht die Band vor allem durch solide Arbeit. Trotz aller Kritik klingt Heading Northe gut, macht Spass zu hoeren. Erinnert halt stark an „die alten Zeiten“ – sowas wird heute nicht mehr produziert. Kai Hansen sehnt sich zurueck? ;oD

Anspieltip hamwa nich – das Album ist wie eingegossen. In jedem Fall gut investiertes Geld.

[Review] Galloglass – Heavenseeker

Interessantes Projekt.

Die in Deutschland entstandene einstige Band „Gallowglass“ heisst nun Galloglass und hat u.a. Heavenseeker released. Sie spielen ziemlich klaren, sehr melodioesen Power Metal, der einem den Feierabend-Drink gradezu in die Haende treibt – man moechte sie zuruecklehnen und bei eisiger Winterkaelte das Treiben von Schneeflocken vor dem Fenster betrachten.
Zwischendurch ueberraschen sie mit Harsh-Vocal-Bereichen die sparsam aber gezielt eingesetzt werden – ein wesentliches Element und hier sogar Alleinstellungsmerkmal soweit meine Erfahrung das zu sagen vermag.

Die Songs liegen klanglich irgendwo zwischen Blind Guardian und Heavenly, bringen durch progressive Geschwindigkeitsveraenderungen etwas Labyrinth und durch die angesprochenen Harsh- sowie Epic-Vocals ein wenig Mercenary mit ins Spiel.

Die Stimme von Andrew McDermott laedt ein zum Mitsummen, laesst aber leider etwas Vielfalt vermissen. Dennoch verzichtet er auf uebliche Power-Metal-Einlagen in Hochtonigem Bereich undkonzentriert sich auf klare Stimme, deutliche Vocals. Dadurch fehlt es natuerlich auch an Emotion. Das wird hingegen durch Gitarren und Violinen (?!) ganz gut aufgefangen, die die Band in die Epic-Bereich ziehen, wo die Gefuehlstiefe des Vokalisten ohnehin nachrangig ist.

Ein Klasse Album und gegenueber dem Klasse Vorlaeufer „Legends from now and nevermore“ sogar noch eine Verbesserung. Wir koennen gespannt bleiben, ob da noch mehr folgt, die Band ist derzeit offenbar in einem eingefrorenem Zustand. Ich wuerde mich jedenfalls freuen, denn Galloglass ist inmitten der Suppe „Einheitsbrei Power-Met“ eine ausgesprochen angenehme Abwechslung.

Anspieltip ist ganz eindeutig „Banished from eternity“: