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Wacken 2016 & Brutal Assault 2016

…weil ein Festival halt nicht langt, nech… ;)

So langsam hab ich ja echt die Faxen dicke vom Schlamm. 2015 war schon literweise scheiße, 2016 hat gefühlt noch eins draufgesetzt. Lediglich das Camp war trockener.
Apropos Camp… Gegen 16:00 Uhr erreichen wir Abfahrtschilder vom W:O:A. Diese Zahl bitte merken, sie wird nochmal wichtig. Zuvor sind wir im gewohnten Rhythmus gegen neun zusammengekommen, um gegen halb elf loszufahren. Irgendwas ist halt immer, diesmal kam ein liebestrunkener Buddy, den wir für’s Wacken aus den USA haben einfliegen lassen, nicht schnell genug aus den warmen Federn seiner Liebeshöhle am Ku’Damm und hat sich im Anschluss daran auch noch verfahren. Mit dem Taxi. Details dazu verschweigen wir lieber.Wir machen uns also wie jedes Jahr um halb elf auf den Weg (keine Ahnung, wieso wir uns immer um 9 treffen, vollkommen Point-less. Haha. Das ist ein Insider ;)), halten an rund einem Dutzend Raststätten an, trinken gefühlte vier Millionen Biere unterwegs (also außer die Fahrer. 16:00 Uhr haste noch im Kopf? Recht so…), die wollen schließlich regelmäßig in die Freiheit entlassen werden. Etwas Drama beim Durchqueren von Hamburch – je länger so ein Autokorso wird, desto schwieriger navigiert es sich ohne nützliches Navi durch so eine Großstadt – wieso erfindet da eigentlich niemand was? So eine Brotkrumenbox für temporäres Graffiti auf der Straße oder so? – aber alles halb so dramatisch. Zwischen Hamburch und Wacken noch ein paar Autos an den Korso geschnallt und ab geht’s. Wie gewohnt, wenig später, Leitsystem Wacken. Kennenwa nix, fahrenwa raus. Doofe Idee. Es ist 16:00 Uhr und ab jetzt wird’s lustig. Also. Für die Beifahrer :D
Wir werden einmal im Kreis um’s gesamte Gelände geschickt, kein Feld will uns so recht aufnehmen. Dann stellt man uns auf ner Straße ab, die nächsten zwei Stunden passiert: Gar nix. Gut für uns Beifahrer, im Stehen trinkt es sich viel entspannter. Dann geht’s wieder n bissl voran, wieder vorbei an unzähligen Ordnern vor sichtbar unbefüllten Campingfeldern. Es ist frustrierend. Die Nerven werden angespannter, die Häute dünner, erste wüste Drohungen mit Rechtsbeistand machen die Runde – als wir um 23:45 endlich auf ein Camp gelassen werden. R2 heisst es. Die 2 darin steht für „nicht auf der Map zu finden, Du wirst schon wissen, wie Du nach Hause findest“

Naja, wir haben reichlich Platz für unser Camp (22 Leute oder so? Das ist mal gar nicht soooo leicht abzuschätzen, wieviel Platz die brauchen), bauen gemütlich auf. Bändchen holen am Mittwoch, Biergarten: Fehlanzeige. Also Bierchen im Zelt, Fluchen auf echt hohem Niveau über Wacken’sches Organisationsmismanagement und kuscheliges in-die-Nacht-gleiten auf Zeltplatz R2.
Zeltplatz R2 hat übrigens am Eingang (Gott sei dank…) zwei Ballons hängen. Und ne Gummipuppe.

Donnerstag steht wie gewohnt ganz im Zeichen von: Jägermeister. Und oh mein Gott gibt’s davon viel dieses Jahr. Haben die Leute wohl was wichtiges gelernt letztes Jahr :D
Der Tag dümpelt so vor sich hin, der Regen ist weitgehend verschwunden und wird auch im Laufe des Wochenenendes eher so „immer wieder mal kurz“ auftauchen. Aber: Er war offenbar am Montag da. Und am Dienstag. Und am Mittwoch. Mitbekommen, was das bedeutet, werden wir erst am Donnerstag Nachmittag.
Entspanntes Ziel: Foreigner. Wir laufen sehr großzügig los, ahnen bereits (und haben läuten hören…), dass sowohl die Zugangswege als auch die großen Plätze wieder mal nur aus halbwegs flüssiger Kuhkacke bestehen… Und so ist es auch. Es deutet sich wieder an: Ein langes Wochenende voller steckengebliebener Stiefel, halsbrecherischer Hüpf- und Rutschmanöver und dem konstanten, gar nicht mal wirklich unterschwelligen, aber doch irgendwann wegignorierbarem Geruch enddarmgeprüfter Kuhnahrung… Yay. \o/.
Gut, wie dem auch sei: Festivalbändchen holen, Wacken Full Metal Bag holen und – wegschmeißen. Das war ne ziemlich coole Nummer: Wacken vergibt ja jedes Jahr sone Stofftaschen, ähnlich wie Turnbeutel, mit allerlei Giveaways drin: ’n Kuli, ne Wasserflasche, Werbeprospekte, n One-Way-Regencoat etcetcetc. Dieses Jahr waren Rucksäcke und Taschen aber aufgrund akuter Terroranschlagsbefürchtungen auf dem gesamten Wacken Festivalgelände verboten. Nun muss man von R2 aus, wenn man weiß wo es ist und Glück hat, dass der Klärschlamm einen nicht verschluckt, rund ne halbe Stunde laufen, bis man bei der Bändchenausgabe steht. Diesen Weg müsste man also wieder zurück laufen, um das FMB zum Camp zu bringen. Oder man scheißt drauf und wirft es direkt neben der Ausgabe in den Müll. Kurz das Regencape rausgezuppelt und ab damit in die Tonne. Für unsere Erstlinge geht das natürlich nicht, die haben ihre FMBs in einen Schließfachcontainer vor dem Gelände eingeschlossen. Das, liebes Wacken, war wirklich eine Glanzleistung an Organisation. Geben eine eigentlich manchmal ganz nützliche Tasche mit allerhand Krimskrams aus – und verbieten den Leuten dann damit den Zugang zum zehn Meter entfernten Festivalgelände. Idioten. Muss echt mal gesagt werden. Ich könnte jetzt n Ausflug machen zu „Terror, Prävention, wichtig und so“, mach ich aber nicht. Prävention für Regentage wäre ja auch wichtig, da fällt denen ja auch schon nichts intelligentes zu ein – warum also sollte das bei der Full-Terror-Bag anders sein…
Also rein (anstehen dauert wg. Terror auch länger als sonst) und um Gottes Willen: Männer, stellt eucht NICHT in die Frauenschlange. Und Frauen: Stellt euch NICHT in die Männerschlange. Die Ansage kommt ne gefühlte Stunde, die wir da in der Line stehen, im Minutentakt. Da fragt man sich: Machen das im Minutentakt Menschen falsch, oder ist das auch eher so eine Präventionsmaßnahme? o0
Egal. Foreigner sind Spitze, die ganzen alten Säcke aufm Wacken kennen die Songs natürlich alle und gröhlen mit was das Zeug hält. Nach Foreigner: Whitesnake. Am Wochenende vorher noch gelernt, dass man im beschaulichen Manchester bei Whitesnake-Songs das Wort „love“ durch „knob“ ersetzt. Nun kann man wissen, dass Whitesnake eine Megaschnulzenband ist – praktisch jeder Song handelt von knobs. Das Wochenende ist noch in den Gliedern, also brülle ich aus vollster Lunge regelmäßig Vulgaritäten über’s Wacken Infield. Toll gemacht Luke ;p
Nach Whitesnake dann Iron Maiden – der Headliner. Sie spielen das gleiche Set wie auf der Tour – das macht sie etwas berechenbar, aber das sind Iron Maiden ohnehin. Ich find sie spitze, auch wenn sie hier und da etwas mit dem Sound hadern. Zu „Blood Brothers“ sind wir schon vor dem Infield und wackeln langsam zurück ins Zelt – gemeinsam mit allen anderen das Infield verlassen ist erfahrungsgemäß mühsam…
Nur ein bisschen verlaufen wir uns, laufen einmal um V herum, kommen aber letztlich mit nur wenig Verzögerung sicher im Zelt an. Feierabendbierchen, Abgang.

Freitag. Es ist schon Freitag o0. Ja, wenn der Mittwoch so weggesogen wird vom ewigen dumm-herumstehen, kommt der Freitag immer irgendwie schneller als normal… Freitag also. Geplant: The Haunted. Auftritt? 11:55 Uhr. Ein kurzer Blick auf die Uhr, schallendes Gelächter. Gut, was war danach? Eluveitie. 18:30 Uhr. Ja, DAS ist doch mal was realistisches. Bis dahin gammelt es sich auch super im Camp. Als wir dann zu Eluveitie runtergehen, nehmen wir Manu mit. Der hat bis dato noch kein Festivalbändchen, wir sind ein großer Mob – was kann da schiefgehen? Rund 15 Leute schaffen es, die halbe Stunde durch haarige Schlammgassen hindurch zusammen zu bleiben – nur einer geht verloren… Es hilft alles nichts, Eichhörnchen sind zugegebnermaßen ein adäquates Ablenkungsmanöver. Manu hat sich übrigens an dem Tag durchaus sein Bändchen geholt. Und ist dann ohne aufs Infield zu gehen wieder zurück ins Camp gegangen. Gerüchten zufolge hat er weder am Freitag noch am Samstag einen weiteren Versuch unternommen, im Infield ne Band zu sehen.
Naja. Wir gehen jedenfalls zu Eluveitie aufs Infield – die sind wie immer lustig und machen spaß. Dann teilt es sich – Bullet For My Valentine oder Orphaned Land ist die neue Frage: Wir gehen zu Orphaned Land. Die sind okay, aber jetzt auch nicht übertrieben gut. Aber es ist im Zelt, dort ist die Stimmung im Allgemeinen immer etwas kompakter. Hinterher wieder raus, bei den letzten Klängen von Tarja diffundiert unsere kleine Gruppe fort. Blind Guardian schicken sich an – sie starten für mich ungewöhnlich schlecht, ihre Setlist vermag meine Müdigkeit nicht zu besiegen. So verlasse ich das Infield nach rund fünf Songs bereits und mache mich auf den beschwerlichen Weg ins Camp. Diesmal auf mich gestellt laufe ich auch prompt am Eingang vorbei – extramiles kann man auf dem Wacken leider nicht gutschreiben. Schade, schade. Aber immerhin: Je länger man dafür gelaufen ist, umso glücklicher kommt man dann letztlich im Camp an und ist froh, endlich in seinen gemütlichen Schlafsack auf der gemütlichen Matratze liegen zu können… Natürlich ist aber noch jemand wach im Camp, so zischen wir noch ein, zwei Bierchen, bevor’s in die Heia geht.
Samstag. Wieder so ein frühes, mögliches Konzert: Dragonforce. Wann spielen die? 12:10 Uhr. Wieder schallendes Gelächter. Na gut, aber dann Symphony X. Das klappt auch. Von dort aus wandern wir, ich hab zwei Ersties bei mir, kurz über den Metalmarkt und dann direkt zu Devildriver. Die sind ne bekannte Größe und gewohnt gut, ich bin trotzdem übertrieben müde und mag eigentlich nur noch ins Bett ;)
Nach Devildriver wandern wir etwas übers Wackinger und gehen zu Callejon wieder aufs Infield. Nicht mein Fall und es ist auffällig, dass der Song, der die Massen am ehesten zu bewegen vermag, ein Cover von den Ärzten ist. Ich weiß nicht, wie wohl ich mich dabei fühlen würde, wenn meine Fans zu meinen Coversongs mehr abgehen würden, als zu meinen eigenen. Ich glaub, da hätte ich recht zügig Identitätsprobleme ;)
Nach Callejon zuckeln wir aufs Wackinger, die für mich letzte Band ist angekündigt: Elvenking. Auf die warte ich ehrlich gesagt schon recht lange, hab sie noch nie live gesehen, einige male waren sie für Gigs in Berlin angekündigt, haben (oder wurden?) dann aber abgesagt. Darauf habe ich mich also in der Tat sehr gefreut. Und es hat sich sehr gelohnt – live stehen die ihren Studioaufnahmen in nichts nach. Die Setlist ist recht kurz, die Überlegung, doch noch zu Twisted Sister zu gehen ist sowas von nicht realistisch… also Rückweg, kniehohe Kuhkacke, du wirst mir nicht fehlen…
Der Rest ist gewohnt unspektakulär – bissl Schlafen, bissl Autofahren, Truck austouren, fertig. Es hat schon was routineartiges. Aber: Schön wars. Wie immer. Wacken ist schon was besonderes. Neue Tickets bestellt? Nein. Erstmal abwarten. Aber allgemein ist die Euphorie dafür stark begrenzt, wir denken so in kleineren Grüppchen schon über Veränderungen nach…

Apropos Veränderungen: Mit Ende dreißig ist es wohl an der Zeit, mal den Aufstand zu proben und an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden auf zwei unterschiedlichen Festivals rumzugammeln. Gedacht, getan: Brutal Assault 2016 steckt nun ebenfalls in unseren Knochen. Von den Wackenfahrern hat sich nur eine seeeeeeehr überschaubare Menge von vier Nasen dazu durchringen können, zusätzlich hatte wir einen Festival-Frischling mit in Tschechien. Ach ja Tschechien: Brutal Assault findet statt auf der Burg Josefov in Jaromer – ein kleines Städtchen, rund 150 Kilometer östlich von Prag. Da das Festival tatsächlich IN der Burg stattfindet, hat mich im Vorfeld die Atmosphäre sehr gereizt. Und das kann ich schonmal vorweg nehmen: Das hat sich vollständig bewahrheitet. Die Atmosphäre WAR der Hammer. Doch der Reihe nach. Bereits auf dem Wacken machen wir erste Planungen. Wann abfahren? Dienstag abend schon? Mittwoch um 5? Wann wollen wir da sein? Wie lange fahren wir? Und überhaupt: Wo liegten das?
Letztlich finden wir uns Mittwoch früh, gegen 7:45 Uhr, auf einem Rastplatz an der A13 zusammen und starten in dieses kleine Abenteuer. Nur wenige (ausgewählte) Stops braucht es, bis wir ohne größere Sorgenfalten Jaromer erreichen. In Jaromer deutet zunächst NICHTS auf ein Festival hin. Sieht aus wie ein mehr oder weniger nettes Städtchen in Tschechien. Noch haben wir zwar 400 Meter auf dieser Straße, eine rechts, dann nochmal 300 Meter zu fahren, aber so ein klein wenig sind wir von Wacken aus gewohnt, dass wir bereits vier Orte vorher via Leitsystem auf unsere zugewiesenen Plätze verwiesen werden. Doch nichts. 400m weiter, rechts rum – da endlich taucht etwas auf. Auf einem Plakat an einer Hauswand prangt der Doppelkopf-Adler des Festivals. Und so ganz langsam kommen uns auch die von Metal-Festivals bekannten schwarzgekleideten Kuttenträger entgegen. Wir ahnen schon: Hier sind wir richtig ;)
Da alles recht klein und beschaulich ist finden wir irgendwann auch „unseren“ reservierten Parkplatz, wollen rauffahren…doch Halt. Ein Ordner wirft sich todesmutig zwischen uns und den Parkplatz. Zeigt in die Fahrtrichtung und murmelt etwas auf tschechisch. Vermutlich eine wüste Beschimpfung. Wir fahren also weiter. Irgendwann kommt wieder ein Parken-Schild – fahren wir halt hier rein. Sieht aber mehr so aus, als wäre das kein Parkplatz im engeren Sinne. Hat eher was von Parkstraße. Bezahlt haben wir für was anderes… Also wieder zurück zum Ordner. Der ist amüsiert uns zu sehen., schickt uns wieder in die andere Richtung. „one Kilometer“ sagt erst. Okeeeee, wenn er meint. Fahren wir also wieder hin. Passieren die Parkstraße. Irgendwann tauchen recht unscheinbar zwei Ordner auf der Straße aus. Die machen genau gar keine Anstalten, uns anzuhalten – einen Parkplatz sehen wir indes hier auch nicht. Stutzig fragen wir mal nach. Ist das hier unser Parkplatz? Der arme Kerl spricht nicht nur kein deutsch, nein, der spricht auch kein Englisch… Wie gut, dass wir Ausdrucke unserer Parktickets beihaben. So verständigt man sich mit Hand und Fuß. Wir erhalten Parkkarten. Yay. Mit denen fahren wir wieder zurück wo wir herkamen, über die Brück, erste Rechts – da ist dann „unser“ Parkplatz. Sind wir vorhin dran vorbei gefahren. Das ganze System hat was von Kolonnenbildung – ohne rechte Struktur, wenn ich ehrlich bin… Auf dem Parkplatz gibt’s das erste von vier (sic!) Bändchen an diesem Wochenende: Das Parkenbändchen. Gott sei Dank parken direkt neben uns ein paar Metalheads aus Dresden, die reden uns mal direkt aus, gar nichts mitzunehmen wenn wir unsere Campen-Bändchen abholen wollen. Man erhält die Bändchen und kann dann direkt daneben aufs Camp rollen – wenn man da schon Zelte beihat, kann man die schon aufbauen und alles ist im Fluß… Machen wir also genau so. zu Fuß dauert die Strecke vielleicht 20 Minuten – aber gefühlt sind das Stunden. Das Wetter ist angekündigt mit „bis Samstag Nachmittag ist Regen ist Penner“ – das stimmt so nicht. Wir haben im Gegenteil sogar Glück, können unser Zelt im Trockenen aufbauen. Wir können es zwar dank lehmigem und steinigem Untergrund nicht fixieren, aber es steht. Noch ein paarmal hin zum Auto und zurück, dann steht das Camp. Wir gucken uns mit nicht wenig Neugier um – wir sind praktisch das einzige Camp mit Pavillon. Alle anderen Zelte stehen dicht an dicht. Zwar haben wir den Eindruck, dass wir für den Extra-Platz bezahlt haben, aber wir ahnen schon, dass wir das nochmal werden diskutieren müssen… Und so kommt es auch. Unser Camp ist ein sogenanntes „VIP-Camp“, wir haben ein zweites Bändchen, Zäune, eigene sanitäre Einrichtungen und Ordner. Einer dieser Ordner kommt zwischendurch mal rumgeschlendert und sagt „Das Pavillon geht nicht. Das ist nur erlaubt, wenn ein Zelt drunter steht. Das muss weg“. Wir können die Dame davon überzeugen, dass wir für den Platz bezahlt haben, damit ist das Thema für den Rest des Festivals erledigt. Nachdem alles steht machen wir uns direkt auf zu Devildriver – erste Band auf der Liste am Mittwoch. Zuvor kommt aber natürlich noch Bändchen Nummer 3: Das Festivalbändchen. Heute mit RFID-Chip. Zum Ein- und Ausloggen vom Gelände – aber auch zum Bezahlen. Irgendwie cool. Irgendwie auch wieder nicht. Praktisch halt, weil man nicht permanent mit Cash hantieren muss. Andererseits braucht man das Cash eh, um den Chip aufzuladen – jedenfalls ist das der leichte Weg. Naja. Für dieses Bändchen stehen wir endlich mal auch ne Weile an – rund eine Stunde im Dauerregen. Macht nix – Regencapes und Bier erheitern uns diese Stunde… Direkt vor uns bemerkt einer erst als er dran ist, dass er sein Ticket verloren hat (und neu wird ausdrucken müssen…) – das ist doof gelaufen und echt verschenkte Zeit… Bei uns läuft alles problemlos – Bändchen holen, Geld aufladen, rein und: Devildriver. So wirklich viel bekommt man von der Burg zu dem Zeitpunkt gar nicht mit – ist halt Musik vorne. Die spielen das selbe Set wie aufm Wacken – macht aber nix, war ja n Gutes :D
Es folgt ne Futterschlacht, ein bisschen Kennenlernen der Umgebung, anschließend gibt’s, während Dying Fetus Lärm produzieren, unser viertes und letztes Bändchen: Das Natural Stand Bändchen. Das ist eine echte Besonderheit vom BA: Direkt gegenüber der beiden großen Bühnen ist eine natürliche Erhebung. Vielleicht 6-8 Meter an niedrigster Stelle, nach hinten immer höher wachsend – wie ein natürliches Stadion. Von diesem Stand aus hat man natürlich hervorragende Sicht auf die beiden nebeneinander stehenden Bühnen (und manche Jägermeisterflagge…). Absolut cool gemacht und mit Abstand der Ort, auf dem wir die meiste Zeit verbracht haben während des BA. Zu Mastodon stehen wir da schon ziemlich souverän rum, direkt danach geht’s aber ab ins Bettchen für uns – die Fahrt ist anstrengend gewesen und morgen ist auch noch ein Tag.

Und für den ist abends Dark Tranquillity angekündigt… Wir beginnen aber etws vorher mit The Black Dahlia Murder, gefolgt von Ihsahn. Natürlich beide vom Naturals Stand aus :D Danach möchte Heike gerne zum Meet & Greet von Dark Tranquillity. Machen wir. Stehen am Ende sogar ganz vorne und nehmen verwackelte Fotos mit :D
Noch ein bisschen Hin- und Hergelatsche, dann spielen Dark Tranquillity. Im Zelt. Das ist quasi die drittgrößte Bühne. Und der Bereich vor der Bühne ist so voll, dass die Menschen seitlich unten hinten aus dem Zelt platzen. Versteht keiner, wie die Leute vom BA sich so verschätzen konnten, aber hier war der Bereich vor der Bühne definitiv nicht adäquat bemessen. Macht aber nix – wir sind früh genug da und sehen einen tollen Gig. Also. Ich sehe nicht so viel, ist halt voll :D
Hinterher noch ein klitzekleines bisschen Parkway Drive – nicht mein Fall und so ergebe ich mich meiner Müdigkeit.

Der Freitag beginnt entspannt mit Septicflesh, es folgen komische Bands wie „Raised Fist“ und „Obituary„. Während Terror spielen, machen wir ne Essenspause, um pünktlich zu Coroner wieder auf dem Stand zu stehen. Coroner fackeln ein gewohnt gutes Konzert ab, ich mag die Jungs einfach. Obgleich sie aus der neutralen Schweiz kommen, lassen sie es sich nicht nehmen, die mögliche Präseidentschaft von Trump mit einem „hopefully not“ zu quitieren :D.
Es folgen die psychedelischen Kuschelrocker von Moonspell und die leicht düsteren Satyricon bevor der Headliner des Festivals aufspielt: Arch Enemy. Alyssa kommt meiner Meinung nach langsam an bei Arch Enemy, sie wirkt nicht mehr so ganz wie ne Ein-Frau-Show wie noch zu Beginn ihrer Zeit bei AE. Dadurch wirkt das ganze Konstrukt auch wieder viel stimmiger und ich kann mich langsam dran gewöhnen, die Angela-Songs auch von ihr zu hören. Der neue Kram passt nebenbei bemerkt ganz gut zu ihr, da macht AE schon das Optimum draus, die Kreationen um ihre Sänger zu stricken. Unearth skippen wir, Bierchen, Bierchen, Bettchen.

Am Samstag verlassen uns unsere drei Mitstreiter, wir bleiben aber noch. Wir bauen am frühen Nachmittag das Zeltlager ab, tragen alles zum Auto. Ziel ist, bis Insomium im Infield zu sein und nach Behemoth nach Hause zu fahren. Genau so machen wir das auch – wenngleich Insomnium auf mich die gleiche Wirkung hat wie jedes mal, wenn ich die Live sehe: Plöt! Die Zeiten dazwischen nutzen wir natürlich, um unsere RFID-Chips zu entladen – als Wechselwährung gegen Getränke und Nahrung ;D
Als Kirsche auf der Sahne spielen noch Behemoth auf. Bereits während der vergangenen Tage sind regelmäßig die sogenannten Nazgul auf den hohen Bereichen der Burg rumgerannt: Dunkle Gestalten mit tiefen Kapuzen und Schnabelmasken. Sie geben der gesamten Szenerie etwas unheimliches, mystisches. Zu Behemoth passen sie natürlich noch besser als zu allen anderen… Mit ihnen wirkt das Konzert gleich noch dunkler, satanischer. Behemoth ihrerseits brennen wieder mal alles nieder – ihre Show ist einfach gigantisch und atemberaubend.
Nach Behemoth machen wir uns auf den Rückweg. So etwa 5 Stunden Autobahnfahrt durch die Nacht. ToiToiToi, alles ist gut gegangen.

 

Was bleibt also von diesem seeeeeeehr langen Wochenende auf Wacken und Brutal Assault? Die Erkenntnis, dass man Bands auch mal skippen kann. „Seh ich aufm BA. Sind aufm Schiff. Hab ich aufm Wacken gesehen“. Klappt total super :D
Was wir nächstes Jahr machen? Mal sehen. Wacken wohl nicht. Sicherlich irgendwas Festivalartiges. Vielleicht was mit echtem Bettchen oder so? Vielleicht auch was gemischtes. Breeze ist in der Auswahl. Sicher auch das Force. Metalfest geht irgendwie immer. Mal sehen. Noch ist nichts entschieden. Vielleicht landen wir ja am Ende doch wieder auf dem härtesten Acker der Welt :D

Wacken Open Air 2013 – Man kann es einem aber auch nicht recht machen…

Sonne. Bruthitze. Auf der Suche nach Abkühlung nehme ich jeden kleinen Unterschlupf mit, der, wenngleich nur für den Hauch einer Sekunde, Schatten spendet. Doch es nutzt nichts, die Sonne brennt im selben Maße unbarmherzig auf mich ein wie die sehr vereinzelten Wölkchen lethargisch am Himmel vorüberziehen.

Ich brate zwei volle Tage lang, als sich die obligatorische Wackenwolke ein Herz nimmt und die Hilferufe der 90.000 Besucher des Festivals erhört – sie entlädt sich in einem Schwung, spült Tausende hinfort aus dem Infield. Sie überschwemmt mit einem Mal die Bühne, vor der ich geduldig, summend und hocherfreut einer meiner „muss ich sehen“-Bands dieses Wochenendes begleite. Dann ist es vorbei, und die jetzt viel zahmer wirkende Sonne freundet sich mit Quellwolken an und erfreut uns mit herrlichem Festivalwetter.

Doch der Reihe nach. Wacken 2013 ist in den Knochen und Gliedern, und es begann schon mal großartig: Meine vermutlich einzige Leserin dieser Beiträge (neben mir selbst wenn ich in alten Zeiten schwelge ^^) hat mir ein Geschenk zukommen lassen – einen Flachmann, versehen mit einer Gravur meiner Vornamens-Initiale und gefüllt mit leckerem Glenmorangie Single Malt – vielen Dank dafür an Mama Marc ;). Wir haben uns dann auch nicht nehmen lassen, den Vorabend vor Wacken zusätzlich zu den obligatorischen Auftaktbierchen bei einem (oder waren es zwei? Gar mehr?) Whisky ausklingen zu lassen – standesgemäß eben :D

Am nächsten Morgen, es hilft halt nix, trotzdem früh raus. Die Nacht mies geschlafen (Wacken-Entschlacken und Whisky am Abend sind echt ne unglückliche Mischung), morgens dann Hektik weil mir auffällt, ich hab gar nicht alles gepackt o_0. Schnell die wesentlichen Dinge in den Rucksack geworfen, eine letzte Dusche, ein letzter, halbherziger Versuch, der Keramik zu zeigen, wer Herr im Haus ist, schon stehen die Horden vor der Tür. Ein Muli, 3 PKW versperren meinen lieben Nachbarn die Einfahrt und ihre Parkplätze :D
Wir verschieben ein bissl Gepäck, verstauen ein paar Menschen und sind SchwuppDiWupp hinter Hamburg. NATÜRLICH hinter Hamburg, eine offizielle Stauwarnung für diese Strecke sowie die empfohlenen Ausweichrouten ignorieren Metaller natürlich hartnäckig ;)
Auf gewohntem Parkplatz (vermutlich im Rest des Jahres ein beliebter Swingertreffpunkt ^^) treffen wir unsere Uedemer Freunde um anschließend Schnurstracks auf Campground S im Holy Wacken Land zu rollen. Kurz vor der Campsite noch dieser Schnappschuss:

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Da weiß man direkt – man is bald da… Da bedeutet dieses Jahr: Campground S. Sagte ich schon? Kann man nicht oft genug sagen…Campground S ist:

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(Foto von Ralph Larmann via wacken.com)

Zur Orientierung habe ich die Hauptbühnen auch markiert…
Nun hat jeder Standort seine Vor- und Nachteile, der offensichtliche Nachteil an diesem Standort ist seine Distanz zur Festivalsite – so wurden auch 2013 wieder beträchtliche Kilometer abgespult um vom Campground zu den Bühnen und zurück zu gelangen. Je nach alkoholischem Level wurden auch noch Zusatzkilometer angehangen – doch dazu später mehr

Das Camp ist schnell errichtet, inzwischen arbeiten wir Hand in Hand und mit der Souveränität von hundert Jahren Festivalerfahrung…Die erste gemeinschaftliche Einrichtung sind, wie jedes Jahr, Pavillon > Bierzeltgarnitur > Trichter. Den haben dann auch direkt mal einige eingeweiht – willkommen im Wackenwochenende. Der erste Grill brutzelte auch binnen Minuten die ersten Steaks, die Bierchen wurden zusehends einsamer in ihrer häuslichen Umgebung…

Ich bin mit einer Handvoll Leute noch zur Festivalsite runter, Bändchen holen, zwei, drei Trällerbands anhören, im Biergarten versacken… Es ist Mittwoch aufm W:O:A – ich betrachte das inzwischen als obligatorisch.
Amüsante Begleiterscheinung dieses Jahr ist die Bändchenausgabe, es gibt nur noch eine (statt wie üblich zwei) und sie ist zentral auf dem Wacken Plaza abgestellt. Kurz vor der Bändchenausgabe treffen wir mit einer anderen Gruppe aus unserem Camp zusammen, alles verteilt sich neu, plötzlich bin ich mit Jens isoliert. Mangels lustigerer Ideen stellen wir uns in die erstbeste Schlange und halten von dort aus Ausschau nach unseren Leuten. Aber nichts zu sehen weit und breit.
Während der Campinstallation werden einem erstmals (also bei mir erstmals) kleine Schnipselchen vom Ticket abgerissen, bei mir offenbar auf der falschen Seite. Nach einer gefühlten Stunde in der Wackenschlange erklärt mir die junge Dame von der Bändchenausgabe, dass das deshalb so nix wird, ich solle mich an die Information wenden, ich bräuchte diesen Schnipsel… Ich sehe mich dieses Jahr schon im Camp verbringen, wackel zur Information rüber (liefere mir einen wie gewohnt lustigen Dialog mit einem Secu, in der Form:

Secu: “hey, Du kannst hier nicht durch – Du brauchst n Bändchen”

Icke: “hey, ja, super – bekomm ich nicht, hab n Ticket”

Secu: “jaaa, aber das Ticket bekommste ja auch mit dem Bändchen wieder”

Icke: “na da kann ich jetzt aber auch nix für, ich wurd hierhergeschickt”

Naja, es ist ein warmer Sommertag, er lässt mich dann doch noch durch. Die Dame an der Info regelt das unbürokratisch, stellt mich nach vorne in die Schlange, gibt mir Bändchen und Full Metal Bag und am Job ist ein Häkchen.
Ich wandere wieder zu “meiner” Bändchenausgabe, wo wir inzwischen unsere Leute in der Schlange, etwa ne halbe Stunde hinter uns, stehen sehen – lustige Dialoge sind da vorprogrammiert ;)

Wir gehen uns noch ein paar Bands ansehen (darunter TRALLERY, die richtig gut klingen) und versacken anschließend standesgemäß im Biergarten. Mission accomplished :D

Der Donnerstag bringt tolles Festivalwetter, es stellt sich heraus, dass die Entfernung zum Festivalgelände ihre Sonnenseiten offenbaren kann: Die unmittelbare Nähe zum Nachbarort von Wacken, “Holstenniendorf“. Dort gibt es anständigen Kaffee, anständige WCs und einen ganz brauchbaren Duschpark. Nichts aber kann mit dem Champagner- und Kaviarfrühstück mithalten, dass sich in unserem Camp abspielt:

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Soll nur ja niemand glauben, dass wir keine Kultur hätten o_0

Der Tag plätschert so vor sich hin, ich beginne mit grausamer Musik von MYSTERIOUS PRIESTESS, es folgt der wirklich gute Auftritt von INDUSTRIAL CITY, wieder eine Perle entdeckt ;)
Anschließend bin ich aufs Infield, das erste mal vor die großen Bühnen. ANNIHILATOR haben sich angekündigt, und sie machen dem staubigen Untergrund so richtig die Hölle heiß. Große Show, große Musik. Einfach zum Niederknien.
Damit hat es sich aber leider schon mit musikalischen Highlights. Da ich meine Running Order im Zelt vergesse, verpasse ich den Auftritt von HAGGARD :/
Ich irre, alleine und ziellos, über das Festivalgelände, kleine Abstecher auf die Fressmeile im Wackinger und auf den Metalmarkt erheitern mich aber auch nur temporär. Während DEEP PURPLE noch spielen (und dabei echt gar nicht überzeugen können :/) schlendere ich zur Videoleinwand vor dem Infield, der traditionelle “Place to be” für die Bands am Donnerstag, der “night to remember” auf Wacken.
Hier sind schon diverse Leute aus meinem Camp, vor uns haben es sich zwei Leute auf Campingstühlen gemütlich gemacht. Wir beginnen zu quatschen, haben uns ja schließlich lange nicht gesehen und viel zu erzählen… Zwischendurch lästern wir auch über die grottenschlechten Deep Purple, als einer der beiden Stuhlhocker sich umdreht und loszetert, wenn’s uns nicht gefällt, sollen wir gefälligst woanders hingehen und ihn nicht nerven. Ich verkneif mir die schnippische Bemerkung, dass er hier schließlich aufm Moviefeld hockt, faul und asozial in einem Campingstuhl, und zünd mir stattdessen ne Zigarre an. Wie es das Karma so will, zieht deren Qualm direkt zu den beiden Stuhlsitzern…Nach etwa zehn Minuten eisernem Nach-Vorne-Schauen schnappen sie sich ihre Stühle und fucken andere Leute weiter vorne ab. Auch hier gilt:  Mission erfüllt. Plötzlich ist unser Sichtfeld auf die Leinwand auch viel besser. Doof nur, dass der Sound wieder nicht gut ist – zwischen der Übertragung und der Livemusik von links liegt immer gut ne halbe Sekunde. Klingt gruselig. Nach der Hälfte der Rammsteinshow – also noch vor Heino ^^ – gehe ich, hock mich in die Shisha-Bar und genieße mein persönliches Finish dieses Tages. Nach meiner Heimkehr noch ein, zwei Bierchen, dann ist der Tag gelaufen, unsere Mitternachtssonne wünscht uns ebenfalls eine gute Nacht (wir haben sie am Folgetag dann abgeklebt ^^)…

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Am Freitag wurd’s richtig brutal. Die Sonne war am Donnerstag schon warm und teilweise nervötend, aber Freitag war die Hölle. Ich bin zu spät fit geworden, statt NEAERA gab’s für mich eine späte Dusche (und dafür so etwa 90 Minuten dohv in der Sonne braten…) und irgendwann dann IHSAHN. Die sind leider nicht so spannend, bin dann doch lieber zu UGLY KID JOE getingelt – die kenne ich noch aus längst vergangenen Tagen, das Konzert war auch ganz lustig. Nach UKJ haben auf der Nebenbühne PRETTY MAIDS ihren Auftritt, die Band war mir vorher durch eine lose Bekanntschaft mit dem Keyboarder ein Begriff, gehört hatte ich sie noch nie. Muss aber sagen, live gehen die ganz gut ab. Anschließend SOILWORK, von denen ich mir irgendwie mehr versprochen hatte… Seltsames Konzert. SABATON sehe ich von gaaaaaaaaanz weit hinten, der Sänger ist ganz lustig, macht viele blöde Sprüche und tauscht, offenbar traditionell, seine Weste gegen identische Westen von Fans… Musikalisch können sie mich aber wieder nicht überzeugen. Da die Menge tobte, ist das aber offenbar eine nicht so verbreitete Meinung. Vereinzelt hörte man Unmut über den betrunkenen Zustand des Sängers, davon abgesehen ist es eher Begeisterung bis in die hinteren Reihen, die Sabaton hierzulande erfahren dürfen.

Jetzt wird’s Dunkel, irgendwann im Laufe des Tages mach ich mir ein Airbrush-Tattoo auf den Rücken – dank der fiesen Sonne ist es inzwischen ein Sonnenbrand-Negativ des W O A –Schriftzugs :D
Ich laufe auch nochmal ins Camp zurück, sammle ein paar Kräfte (und Leute) und mache mich zu AMORPHIS wieder zurück in Richtung Festivalsite auf. Amorphis haben einen amüsanten Einstand: Ihre Show ist als “Special Acoustic Set” angekündigt. Und so stellt Tomi Joutsen zu Beginn des Konzerts auch eine Background-Sängerin vor, einen Saxophonisten und andere Unplugged-Musiker. Die Band kommt mit Akustik-Gitarren auf die Bühne. Die ersten fünf Songs sind denn auch sehr gemütlich, von denen ist mir “I of Crimson Blood” noch am ehesten im Gedächtnis – er eignet sich am besten für ein solches Set… Im Anschluss an “Sign from the North Side” nehmen die Jungs sich ihre Gitarren und den Rest des Auftritts läuten sie mit einem grandiosen “Shades of Grey” ein – ab hier brennt die Luft, alle, die dageblieben sind (und es sind EINIGE gegangen), bekommen das meiner Meinung nach beste Konzert des Festivals zu hören. Mit “Hopeless Days” schmettern sie auch ihre neue Hymne von “Circle” – beinahe schon selbstverständlich… Ein wirklich gutes Konzert.
Leider geht mir bei Amorphis der Akku am Telefon aus, weitere Fotos habe ich demnach nicht. Dies hier aber möchte ich euch nicht vorenthalten – Der Beweis, dass wir es uns auf’m Wacken auch mal richtig gut gehen lassen:

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und vielleicht noch dies – auch wenn solche Fotos aus den Medien hinlänglich bekannt sind, die Dimensionen sind schon durchaus bemerkenswert:

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Der Samstag beginnt etwas gruselig, im Nachbarcamp schreit eine junge Dame wie am Spieß. Ihre Leute stehen hilflos im Camp herum, einer von ihnen kommt uns auf unserem Weg zu den Duschen entgegen und fragt nach nem Sanitäter. Als wir vom Duschen zurückkommen ist das Camp geräumt (aber nicht abgebaut) und die Sanitäter verlassen grade den Campground – immerhin mit Blaulicht, so dass nicht unbedingt das schlimmste zu befürchten ist. Dennoch verhagelt es einem den Morgen. Und sicher auch den Leuten aus dem betroffenen Camp.

Auch der Samstag bringt wieder viel Musik, darunter viel Durchschnitt und wenig berauschendes: Etwas FEAR FACTORY, reichlich DIE APOKALYPTISCHEN REITER, gaaaaaaaaaaanz viel SONATA ACRTICA… Während Sonata Arctica spielen (und auf der Nebenbühne LAMB OF GOD) gibt es einen heftigen Regenschauer. Binnen Sekunden ist jeder (der nicht gut vorbereitet ist) bis auf die Knochen nass, das Infield verwandelt sich in Sekunden in eine Schlammlagune. Zwar verschwinden diverse Leute vor den Bühnen, aber selbst Tony Kakko wird von dem Regenguss pladdernass, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und spielt ein tolles Konzert ab. Das ist auch mein persönliches Finale, ich gehe anschließend zurück ins Camp und schließe mich der großen Meute an, die grade auf dem Weg zu TRIVIUM vor die Bühnen wollte. Aber weder Trivium, noch CANDLEMASS vermögen mich noch recht zu motivieren, bis SUIDAKRA um 2 Uhr durchzuhalten…Noch während Candlemass spielen, gehen wir, mit Bogen über’s Wackinger Village (geistige Notiz: Zyklopenspieße!), zurück zum Campground. In großer Gruppe und bei einem oder zwei Bierchen beenden wir Wacken 2013… Am nächsten Morgen stehen die ersten um halb sieben (!!!) bereits im Camp und rollen ihre Zelte zusammen. Totaler Irrsinn!

Unbedingt erwähnenswert sind folgende Geschichten aus zweiter Hand:

> Eines späten Abends gehen L und M zur Pipirinne (das sind vielleicht 30 Meter vom Camp aus) – nur L kehrt zurück. Was ist das los? M bleibt Stunden verschollen. Als er schließlich zurückfindet, ist das Camp bereits im Schlafmodus.

> Ebenfalls eines späten Abends, A und L (der andere ^^) sitzen im Camp. L steht auf und geht, A denkt sich “nuja, der wird wohl schiffen gehen”. L ward Stunden nicht mehr gesehen.

> L (der erste) begeht den fatalen Fehler, tagsüber ins Zelt zu robben und zu schlafen. Als er wach wird, hält er den nächsten Tag für gekommen. Er geht los, kauft Brötchen, kauft Kaffee, begrüßt die Menschen mit “guten Morgen”. Das fällt erst mit der sehr bald einsetzenden Dämmerung auf…

/Ergänzungen:

> Obgleich der Weg vom Festivalgelände zum Camp im Grunde – im Grunde! – ein ziemlich grader Strich ist, der, wenn man ihn einmal gegangen ist, Routenfehler unmittelbar und hart bestraft, ist es eines Abends den Damen und Herren S,W,A,T gelungen, abseits der Pfade über die Dörfer – also die Dörfer… zu wandern. Also…naja, schaut’s euch im Bild oben an, es ist irgendwie selbsterklärend, wo der Fehler ist, wenn man vom Festival zum Camp will und in einem Dorf landet :D

> Es gibt eine wesentliche Neuerung im Bereich „Pimp my Tent“ – seit Wacken 2013 wissen wir, wieso es ne gute Idee ist, ein Vorzelt zu haben. Nur soviel sei dazu gesagt: Der Trichter und Bon Jovi sind unmittelbare Feinde des Vorzelts. Wenn’s nach denen ginge, gäb’s ausschließlich nur Hauptzelte :D

So geht es zu auf Campground S – man geht verloren ;)

Wacken 2014 ist btw ausverkauft. Habe mein Ticket schon. Besser ist das ;)

Impressionen aus der neuen Welt (1/2)

Ohio 2013, Tag 1

"stars spangled banner" ist die Hintergrundbeschallung für den Moment, in dem in der nicht mal zu zwei dritteln besetzten "Q-Hall" (an diesem Abend Heimat der Cleveland Cavaliers und Alptraum der Oklahoma Thunder) nahezu alle Zuschauer stehen und andächtig der zarten Stimme einer mir unbekannten jungen Lady lauschen, die Stolz bei Amerikanern und Gänsehaut bei wahrscheinlich allen anderen erzeugt.
Es ist, ganz offensichtlich, nochmal ein Unterschied, ob man das im Fernsehen sieht oder live dabei ist, wenn rundherum nach der Ankündigung der Hymne alle Menschen stehen, manche sich an die Brust greifen, andere nur still ausharren. Ich weiß nicht, ist es Reflex oder innerer Antrieb – jedenfalls führt es dazu, dass auch ich mich erhebe um der Hymne zu lauschen. Zur gelungenen Intonation gibt es die Anwesenheit eines Army-Mitglieds in Paradeuniform sowie diverse "stars spangled banner" – Fahnen der USA, ein unnötiger Hinweis auf den Ursprung und die Sinnhaftigkeit dieses Moments der Ruhe und inneren Einkehr.

Basketball in der NBA ist von der Stimmung her nicht viel anders als Basketball in der deutschen Bundesliga, zunächst gibt es eher verhaltene Begeisterung für die heimischen Stars. Den größten Applaus ernten bis dahin die dressierten, Frisbee fangenden Hunde in der Halbzeitpause, nicht etwa die, selbst für einen Basketballunwissenden wie mich, ansehnlichen Spielzüge des Heimteams.
Da hier der fünfte irgendeiner Division den ersten irgendeiner aWP_000791nderen Division zu Besuch hat und die Fans des Heimteams das Verlieren gewohnt zu sein scheinen, ist womöglich ein nicht unwesentlicher Teil der Zurückhaltung der Unwahrscheinlichkeit geschuldet, dass die Cleveland Cavaliers heute Abend ein kleines Winterwunder möglich machen werden. Erst als zwei Minuten vor Spielende die Cavs vorne liegen und Oklahoma sich beim Zurückerobern der Führung in diesem Spiel nicht sehr effektiv anstellt, werden die Fans warm. Als das Spiel schließlich beim Spielstand von 105:100 für den Underdog abgepfiffen wird, steht auch der letzte Zuschauer auf dem hintersten Tribünenplatz – nebenbei bemerkt der Ort, wo wir sitzen.

Auf dem Heimweg kehren wir, offenbar ganz traditionell, noch in einer Sportsbar ein, nehmen einen ordentliches Abendvesper zu uns (die teilweise auf Tellern geliefert wird, die um durch die schmalen Küchentüren zu gelangen etwas schräg gehalten werden müssen), genießen Sport im TV und unterhalten uns über, ja richtig, SportWP_000792. Mir ist es am Abend zu anstrengend, noch immer muss ich mühsam jeden Satz, den ich höre, erst übersetzen, bevor ich mich mit dessen Beantwortung befassen kann, ich bin noch weit entfernt von einem Automatismus in diesem Bereich. Am Ende eines langen Tages, in einer vollen Sportsbar, lassen meine entsprechenden Fähigkeiten dann nach und ich entpuppe mich als der unfreundliche Europäer, der einfach keine Ausdauer mehr hat, an Gesprächen in einer nicht sehr vertrauten Fremdsprache teilzuhaben. Ich hoffe, Tim und Tim Jr. (ja, auch dieser Klischee enthält offenbar einen Funken Wahrheit…) verzeihen mir das ;)

Doch eigentlich ist diesem Tag Unrecht getan, wenn ich ihn in der Q-Hall beginnen lasse, denn die Völlerei geht natürlich vorher los: "Red Lobster" ist selbst in deutschen Landen ein Begriff, wenngleich es keinen Ableger der Kette in Europa gibt. Red Lobster macht, der Name verrät es: Hummer. Klar machen sie auch diverse andere Sorten Seafood und theoretisch kann man sich da auch n Burger bestellen, aber Hummer sind ihr Markending und Basis ihres Images. Nichts ist damit vergleichbar: Man entert das Restaurant und bekommt als allererstes zu sehen: Hummer. Sie schwimmen, oder vielmehr treiben, in einem kleinen Aquarium herum, warten darauf, dass jemand daherkommt, ihnen in die Augen sieht und sagt "this one please". Sodann kommt jemand daher, schnappt sich das Tier aus dem Aquarium – es hat keine Chance, seine einzigen Waffen sind aus Gründen der Pietät (wer will schon blutigen Koch auf den Klauen seines Mittagessens haben, die Überreste eines letzten, verzweifelten und aussichtslosen Kampfes auf Leben und Tod…?) verklebt und bewegungsunfähig gemacht – um es dem Koch zu bringen, der es anschließend, so sagt man wenigstens, lebendig in kochendes Wasser wirft, um es wenige Minute2013-02-02 15.01.56n später als Spezialität auf dem Teller eines Gastes zu kredenzen – gemeinsam mit flüssiger Butter, einer Backkartoffel und vielleicht einer kleinen Portion Tagesgemüse.
Als ich den Viechern in ihre leblos wirkenden Augen sehe, verlässt mich der Mut, so etwas etwas zu bestellen. Schätze, ich könnte auch das Lamm nicht töten oder gar ausweiden, dass ich nur allzugerne zu essen bereit bin.
Hummer gibt’s für mich trotzdem, zusammen mit Krabbe und Shrimps – aber bei allen habe ich das gute Gefühl, meinen Gaumenschmaus einer sorgfältig ausgewählten und umfassend kontrollierten Massenproduktion zu verdanken, anstelle der gezielten und individuellen Tötung eines einzelnen Tieres. Und es besteht darüber hinaus die geringe Restchance, dass ich lediglich einer geklonten und / oder im Reagenzglas entstandenen, halbwegs festen Masse aufgesessen bin, die in einen hübschen Krustenpanzer mit leuchtend roter Farbe am Tisch ankam, zuvor aber nie in irgendeinem Wasser lag. An mir ist wirklich kein Jäger verloren gegangen ;)

 

Ohio 2013, Tag 2

Supersunday! Heute findet der Superbowl statt, der spätere Sieger Baltimore besiegt hohen Favoriten aus San Francisco – die Amis lieben Gewinner ;)

WP_000793Zuvor begebe ich mich noch einmal in die kalten Fänge des eisigen Windes am Eriesee, wo ich mit bescheidener Kamera zwei Schnappschüsse mache während mir angesichts der ausufernde Weitläufigkeit des kleineren der großen Seen angemessen bewundernd ein Seufzer entgleitet. Am Ende des Horizonts ist, wohl angeblich selbst unter guten Bedingungen, Land nur zu Erahnen. Bei den widrigen Umständen an diesem Tag ist es nicht mal zu erraten, es ist, als blicke man auf ein Meer. Vielmehr ist der sichtbare Teil des Sees mindestens oberflächlich zugefroren (was dem geneigten Leser vielleicht einen Eindruck über die Wetterverhältnisse vermitteln mag), lediglich am Horizont ist eine Fahrrinne für Tanker freigemacht. Überhaupt hat der Winter Madison, Ohio fest im Griff. An den Fenstern meiner Schlafstatt hängen Eiszapfen in militärischer Präzision so weit hinab dass der Eindruck entsteht, sie sind Teil der Fassade des Hauses. WP_000797Jeder kleine Ausflug muss gut vorbereitet werden (insbesondere von Nichtamerikanern mit, gegen amerikanische Grippeviren praktisch nutzlosen,  nichtamerikanischen Abwehrkräften) und wird entsprechend mehrfach überdacht.

Im Anschluss an den Besuch des wirklich beeindruckenden, aber auch furchtbar unbequemen Eriesee fahren wir noch durch das verschlafene Nest “Gleneva on the lake”. Das Städtchen soll von der Erzählung her so etwa wie Hennigsdorf, Zinnowitz oder Karlshagen auf der Insel Usedom sein. Die kleinen Hotels und Gasthäuser haben privaten Strandzugang, es gibt eine Promenade, touristische Attraktionen wie einen Jahrmarkt und den Verleih von Quads – im Sommer könnte das wirklich ein netter Ort zum Entspannen sein, keine Autostunde von Cleveland und vielleicht 90 Minuten von Pittsburgh entfernt. Im Winter ist es eisig, trostlos und irgendwie wenig gastfreundlich. Überhaupt wirkt Madison, Ohio auf mich ungastlich. Das liegt nicht so sehr an den Menschen und der den Amerikanern eigenen, trivialen aber nicht unfreundlichen Art, miteinander umzugehen. Das liegt ganz sicher an den Umgebungstemperaturen und der Tatsache, dass ich aus dem sonnigen Miami nach Ohio kam – ein Temperaturunterschied von vielleicht 40°C. Madison ist ein flaches Städtchen, weitläufig und lieblos. Der ortseigene Walmart ist neben dem einen oder anderen Kirchturm vielleicht das höchste Gebäude. Die strukturierten Straßen folgen einem durchdachten, geometrischen Prinzip, die Häuser gleichen in den einzelnen Siedlungen einander wie ein Ei dem anderen. Selbst die Autos sind in diesem Teil der Welt der Umgebung angepasst mehr oder weniger identisch – Allrad und Pickup dominieren das Bild. Bei den Abstechern nach Cleveland habe ich das ganz anders wahrgenommen. Dort gibt es womöglich eine organisierte Schneebeseitigung und Verkehrsmittel, denen Eis und Schnee nicht so zuzusetzten vermag wie Straßen und Fahrbahnen. Es ist demnach pragmatisch und folgerichtig, in einem Pickup zu fahren in Madison – und dennoch erzeugen diese monströsen Urgewalten den Beigeschmack von Isolierung und Abgeschiedenheit. Das liegt womöglich an meinem Bild von Pickup-Fahrern, das in weitgehender Ermangelung dieser Gattung Auto hauptsächlich durch Hollywood geprägt ist. Einen Tag, darauf komme ich noch, saß ich auch in einem solchen Truck. Mein Fahrer, Steve, entpuppte sich als waffennärrischer Zyniker – grobschlächtig und strukturiert, aber konsequent freundlich und ausgesprochen geduldig mit mir. So ist es vielleicht wirklich eher einem Klischee geschuldet, dass mir das "”Flachland Ohio” insgesamt eher ungastfreundlich, in sich gekehrt und weitgehend soziophob vorkommt.

Am Tag des Superbowl darf eine standesgemäße Mahlzeit nicht ausbleiben, heute testen wir u.a. “Taco Bells”. Leider kann ich aufgrund eines an diesem Abend heftig zuschlagenden Grippevorläufers der kulinarischen Erfahrung des berühmten Tacoherstellers nicht die notwendige Aufmerksamkeit widmen. Ich werde zwei der Tacos am nächsten Tag ‘nachholen’ und kann sagen, sie sind gut – aber letztlich lieblos. Eben wie wir hier in Deutschland “Fastfood” gewohnt und erwarten.

Der Superbowl vergeht weitgehend ereignislos, es ist viel Fachsimpeln und die Werbespots bewundern, das Spiel selbst ist beinahe lebloser als die zwischenzeitige Pause aufgrund eines Stromausfalls im Stadion.

Die nächsten Tage verbringe ich ‘im Bett’, genieße den amerikanischen Alltag:

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Ohio 2013, Tag 6

dieser Tag soll ein ganz besonderes Highlight vorhalten: Steven, der oben angesprochene Pickupfahrer, hat sich bereit erklärt, mich mit sich auf die Shootingrange ar15seines “Schützenvereins” zu nehmen. Steve ist an sich Immobilienmakler, sammelt in seiner Freizeit aber leidenschaftlich gerne Waffen. Er verfügt über ein beachtliches Arsenal an Feuerwaffen, von denen er mich mit folgenden hat auf Zielscheiben schießen lassen: Glock 30, AR-15, M4 Shotgun sowie eine AK-47. Laut Steve allesamt Waffen, die sich in den vorliegenden “Versionen” auch im Arsenal verschiedener US-Armee-Bestandteile widerfinden würden. Natürlich muss alles seine Richtigkeit haben, ich unterschreibe einen Zettel im Clubhaus, auf dem recht deutlich steht, dass ich im Falle irgendwelcher Verletzungen gefälligst leise und woanders zu sterben habe und hier nicht das Clubhaus vollsauen soll. Außer uns ist niemand auf der range, hinter uns, etwa 50 Meter entfernt, befindet sich ein Highway. Wir können das Geräusch der vorbeifahrenden Autos klar hören und zwischendurch glock30frage ich Steve, ob man denn dann nicht das Geräusch der Waffen auf dem Highway auch hören kann.

“sure they can hear us” antwortet Steve mir. Ob das denn nicht irgendwie gefährlich sei, ob man damit die Leute nicht verunsichere oder erschrecken könnte.

“this is america” sagt Steve und beginn laut zu lachen.

Ich beginne darin ein Muster zu erkennen, den Satz höre ich häufiger im Verlauf meiner Reise. Nach Bearbeitung der Formalien beginne ich mit der AR-15. Ein Präzisionsschnellfeuergewehr, für mich auf Einzelschuss ‘heruntergeregelt’. Während ich durch das Visier blicke, mir vorkomme wie mit einer Sniper Rifle bewaffnet in einem Zombieshooter und schließlich feuere, lacht Steve neben mir – ich höre ihn kaum unter den dicken, schalldämpfenden Ohrschützern.M4_shotgun Im Verlauf des Tages macht Steve ein paar Fotos von mir mit den Waffen und auch einige kleine Videos. Das Lachen entgleitet ihm, als er sieht, wie ich mir ein Grinsen nicht verkneifen kann, nachdem ich den ersten Schuss abgegeben habe.
Ich bediene die AR-15 im Sitzen, das Visier übernimmt die ganze Arbeit, ich brauche nur noch die Hand ruhig zu halten und den Abzug zu betätigen. Jeder Schuss findet in die Nähe des Ziels (das ist überhaupt eine ganz grundsätzliche Erscheinung an diesem Tag, Steves Waffen sind erstklassige Handwerkskunst und so ein wenig scheint mir das Schießen zu liegen ;)). Bei jedem Schuss hämmert der Knall in meinem Kopf, die Waffe macht einen unverschämten Radau. Es hört sich an wie an Silvester, aber die Kraft, die von der Waffe und ihrem Rückstoß ausgeht, lässt mich ahnen, welchen Schaden ein Projektil aus der AR-15 anzurichten in der Lage sein mag – ganz im Gegensatz zu Silvester… Ein wirklich beeindruckendes Gewehr.
Im Anschluss darf ich mit der Glock 30 an die Zielscheibe. Sie wird trotz der ganzen wirklich hochklassigen Waffen an dem Tag mein Liebling bleiben, da sie im Gegensatz zu allen anderen erfordert, dass man sich mit ihr bescak47_2häftigt. Gezielt wird über Kimme und Korn, der Rückstoß ist merklich aber eigentlich nur ein leichtes Ruckeln. Aber die Hand ruhig zu halten, in der Sekunde, in der man den Abzug betätigt, ist schwierig. Wenn dann aber das Projektil genau im Ziel gelandet ist, das geschieht bei der Glock konsequent den ganzen Tag über, entgleitet mir ein kurzes Grinsen während ich zum nächsten Schuss ansetze.
Es folgen noch M4 und die lauteste Waffe in der Auswahl, die AK-47. Die M4 ist beeindruckend präzise, auf die kurze Entfernung zur Zielscheibe überdies unglaublich zerstörerisch. Nach dem ersten Schuss ist die Zielscheibe im Grunde nicht mehr vorhanden, alle weiteren Schüsse zerfetzen das Holz hinter der Scheibe in tausend kleinen Späne. Die AK-47 andererseits ist sehr präzise, fast komplett ohne Rückstoß, aber laut wie keine andere der Waffen. Sicher, unter den Schalldämpfern hören sich alle eher wie dumpfe Böller an, aber die AK-47 unterscheidet sich hier dennoch nochmal von den anderen.
Die Heimfahrt gestaltet sich auch nochmal lustig, Steve ist ein selbstironischer Mann, der meine Vorurteile und die Klischees, die es über Amerikaner außerhalb des Landes gibt sehr gut kennt – und über alle lachen kann.

70.000 Tons of Metal 2013

Aufregung stellt sich im Grunde erst ein, als man in einer Schlange steht, die das Boarding auf das Schiff kanalisiert, rechts und links Menschen, Schwarz in Schwarz und doch, es scheint gibt es kleine Unterschiede zu den sonstigen, derartigen Veranstaltungen; es herrscht nervöse Spannung bei den "Freshmen", die das erste mal dabei sind und entspannte Vorfreude bei den anderen, die das Procedere kennen. In der Warteschlange neben mir taucht Masha von Arkona auf, das erste bekannte Gesicht auf dieser langen Fahrt durch die Karibik. Sie ist nicht weniger überwältigt, mehr als ein schüchternes Lächeln ist ihr nicht zu entlocken (ja gut, mir entflieht auch nur ein hysterisches "aaaaaaaaaah" als ich sie erkenne, darauf würde wohl niemand positiv reagieren :D) – und letztlich ist sie auf diesem Schiff zu diesem Zeitpunkt auch nur jemand, die in der Reihe steht um zum Securitycheck durchgewunken zu werden.

Tags zuvor sind wir im Paradies gelandet, unzählige Stunden Flug beginnen im milden Winter Berlins, machen eine Pause in London Heathrow und enden mit einem Anflug über der inzwischen im Dunkeln liegenden Stadt Miami, Florida. Bei Verlassen des Flugzeugs merkt man direkt, hier ist es wesentlich freundlicher als noch bei Antritt der Reise. Der Temperaturunterschied zwischen Berlin und Miami dürfte etwa bei 30°C liegen, vielleicht etwas darüber, die "cruise capital of the world" empfängt seine Gäste Miami_Palmenmit erfreulichen ~25°C. Das erleichtert die Annäherung mit dem fremden Land merklich – wenngleich es nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass man quasi stundenlang auf dem Flughafengelände in Warteschleifen rumgeschubst wurde, um diverse Tests zur geistigen Stabilität zu durchlaufen. Am Ende ist es aber dann doch alles friedlich und die zur Verfügung stehende Zeit gestattet noch einen kurzen Blick auf die parallel zum Strand verlaufende "Sehen und gesehen werden"-Meile in South Beach, ein Bierchen am Strand (in obligatorischer, brauner Papiertüte :D) und einem kleinen Gespräch mit anderen, die einem an diesem Abend über den Weg laufen. Man beginnt sich zu fragen, ob diese optische Zuordnung bei einer Rentnercruise auch so simpel wäre und wieso es dann so auffällig wenig andere gibt, die man "einer Randgruppe" zuordnen kann – dann aber wird mir erneut klar, dass wir eben nicht auf eine Cruise gehen, sondern auf ein Festival. Natürlich ist die Zuordnung zu einem Festival leicht, und natürlich sind wir "once in a while" das einzige Festival, dass hier abfährt – und nicht zufällig optisch eh zur Miami-Bevölkerung und den übrigen Feriengästen passt.

Sowohl der Helikopter, der mit einem Scheinwerfer den Strand entlang leuchtet als auch die Straßensperre als Folge einer "Hit and Run"-Tötung am nächsten Morgen, die im Grunde genommen den ganzen Tag lang allen Verkehr rund um unser Hotel lahmlegt, passen ins sorgfältig und liebevoll bewahrte Bild von "den Amerikanern". So sind wir also hier, unser erster Schritt auf der Majesty of the seas…

…die erste Begehung des Schiffs ist dann aber doch weniger überwältigend, man kannte schon einige wenige Fotos der letztjährigen Cruise, darunter auch das mächtige Atrium in dem man das Schiff betritt. Einzig die Sorge, ich würde mich bis zum Ende der Cruise nicht wirklich zurechtfinden, umtreibt mich – und damit sollte ich recht behalten…Cruise_Miami_Skyline_Sunset

Da wir unser Gepäck zuvor einem recht zuvorkommenden Kerl in die Hand gedrückt haben, der irgendwie zuversichtlich den Eindruck machte, er würde sich damit nun nicht vom Acker machen sondern es wohlbehalten vor unsere Türe stellen, waren wir in der komfortablen Lage, erstmal was futtern zu gehen und nebenbei das Schiff ein wenig in Augenschein zu nehmen. Natürlich gibt es noch in der Lobby auch das erste Bier angeboten – man wird im Grunde permanent unaufdringlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass man entweder keinen Drink in Händen hält, oder dieser sich bald dem Ende nähert und es wär doch schade drum, wenn man nicht direkt den nächsten Drink ordern würde. Laut den Legenden verdienen die fleißigen Bienchen je Drink 0.50$ extra (tip scheint nicht üblich zu sein), kein Wunder also, dass sie sehr an unser aller Durstlosigkeit interessiert sind.

Ein flotter Blick an Deck, eine kleine Notfallübung, Klamotten in die spärliche Kabine werfen, noch eben, offenbar traditionell, auf jeden Fall aber angemessen, ein vorbeifahrendes Kreuzfahrtschiff mit lauten "your boat sucks"-Rufen in Miami willkommen heißen, dann geht die Jagd nach lauter Musik los… Gespielt werden darf übrigens erst in internationalen Gewässern – jedenfalls von Nicht-Amerikanischen Bands. Die bräuchten ansonsten eine US-Arbeitserlaubnis (MotS Trivia 345 :D). Da die Mehrzahl der spielenden Bands NICHT aus den USA kam, ist es insofern nicht sehr verwunderlich, dass die Spielzeiten quasi selbstverständlich erst auf einen Zeitpunkt verschoben wurden, zu dem man, wenngleich vielleicht noch nicht in internationalen Gewässern, so doch außerhalb des unmittelbaren Zugriffs durch die US-Behörden war.

Apropos Kabine. Angebliche 11qm, ich würde weniger vermuten. Geschlafen wird mehr oder weniger übereinander, es gibt je eine "Koje" links und rechts am hinteren Ende des Raumes (also ziemlich über zwei Drittel der gesamten Länge der Kajüte…), dazu werden noch Kojen in zweiter Ebene von der Wand abgeklappt. Irgendwo in der Kabine versteckt sich auch ne kleine Trittleiter, hätte aber auch ohne viel Spass gemacht nehme ich an ;)

Cruise_BIA2Geschickt implementiert in das Matratzen-Stillleben ist ein Waschraum samt Toilette und vollwertiger Dusche. Dazu gibt es, wie es sich für ein All-Inclusive-Schiff gehört, vollen Zimmerservice. Alles Annehmlichkeiten, die, so minimalistisch sie teilweise auch sein mögen, den Aufenthalt gegenüber einem Besuch eines sonstigen Dixi-Schlamm-Marathons auf den einschlägigen, mehrtätigen Festivals, sehr angenehm, geradezu fürstlich gestalten.

Ein wesentlicher Unterschied zu einem Festival ist zudem, dass selbst in den Leerlaufzeiten zwischen zwei Bands, die man sehen möchte, für vollen Spass gesorgt wird: Man könnte sich, je nach Gusto, an die Kletterwand wagen, auf dem Basketballplatz ein paar Körbe werfen, sich im Spa eine Massage oder ein Peeling verabreichen lassen (Gerüchten zufolge eher ein unterdurchschnittlich genutzter Service zu dieser speziellen Cruise ^^), in den Arcade-Räumen ein paar Dollars verdaddeln, gepflegt an der Bar in der Boleros-Lounge einen Drink nehmen, im Internet-Café teure Dollars für lahmes Web ausgeben, in den Merch- oder Souveniershops rumlaufen (MotS-Trivia 453: das Schiff verschickt auf "Kosten des Hauses" (was überall an Bord bedeutet: Du hast es schon bezahlt, freu Dich, dass sie nicht doppelt kassieren – so werden Fragen nach "how much is it?" mit einem "u already paid for it" beantwortet, statt mit einem "for free"…) Postkarten. Man bekommt auch Postkarten der klassischen Reiseziele der Royal Caribbean International. Ich habe mich also auf die Suche nach einer Karte mit dem Motiv der Turk Islands gemacht, und siehe da, die gibt’s nicht. Auf Nachfragen erklärte mir die Verkäuferin des Shops, dass die Turk Islands von diesem Schiff noch nie zuvor angefahren wurden und sie somit kein übliches Ausflugsziel darstellen. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass sie dafür dann natürlich auch keine Postkarten im Angebot haben. So musste es diesmal eine Standardkarte des Schiffs tun – und wird es wohl auch tun ;o)) oder diversen anderen Aktivitäten nachgehen. Sicherlich extra attraktiv sind Sachen wie Viktoriya Yermolyevas Piano-Interpretationen von Megadeth, Metallica oder System Of A Down zu lauschen oder in der Boleros Bar während der Metal Karaoke den verrückten (oder mutigen?) zu lauschen, die sich ein Herz nehmen und die anderen Anwesenden mit ihren mal mehr und mal weniger ausgeprägten Sangestalenten bespaßen.

Ich will mein Zukunfts-Ich nicht mit Einzelheiten langweilen, kann aber sagen, dass Turisas, Lacuna Coil, Dragonforce und In Flames herausragend waren, Tiamat, die Apokalyptischen Reiter, Ensiferum, Evergrey und Arkona waren erwartet gut und im krassen Gegensatz dazu waren Subway to Sally, Helloween, Delain, 3 Inches of Blood und leider auch Tyr für mich eher enttäuschend. Wirklich entscheidend ist da für mich, dass angesichts des Festivalcharakters der Cruise die Messlatte nicht endlos weit oben liegt (Sound, Setlist, "volles Haus" und damit einhergehende Stimmung eCruise_Turisastc) und Bands dann dennoch zu enttäuschen vermögen. Schade. Besonders bei Helloween ist das bitter, da die nicht nur nicht gut gespielt haben (im Theater, was auf dem Schiff die vielleicht besten Voraussetzungen für ein Konzert bietet), sondern sich zuvor noch fast ne Stunde haben bitten lassen, bevor die Diven es auf die Bühne geschafft haben. Da hätte ich wesentlich mehr erwartet. Gerüchten zufolge sollen sie zwei Tage später auf dem Pooldeck gerockt haben, das habe ich nicht mehr gesehen. Eine Band, die auf einem Festival so verkackt, will ich aber auch kein zweites mal auf dem selben Fest sehen, das ist einfach so ein richtig satter Tritt in die Fresse derjenigen, die ihr sauer erspartes dafür investieren, auf dieses Schiff zu gelangen. Und zumindest soweit ich mit den Leuten gesprochen habe, hat das niemand aus den Ärmeln geschüttelt – selbst die Mitglieder der größeren Bands sind Economy geflogen und haben in den gleichen Hotels gehaust wie die Fans. Hinzu kommt, dass, zumindest soweit ich das sagen kann, von Helloween kein Wort der Entschuldigung zu vernehmen war nach der Pleite. Das ist einfach nur superschwach gewesen.

Witzig waren ausserdem noch "Cryptopsy" – musikalisch so gar nicht mein Fall, aber es hat Spaß gemacht, ne halbe Stunde über diese sehr eigenwillige Definition von "Musik" zu feixen ;o)

Überhaupt, ist "Spaß" zentraler Meilenstein auf der Cruise. Zwar verdunstet jede Erinnerung unter einem seichten Schleier aus Alkohol und mangelndem Schlaf, vermengen sich die Futterpausen (von denen es reichlich gab, Essen war mit ganz wenigen Ausnahmen inklusive und als erprobter Festivalgänger lässt man sich da nicht zweimal bitten ^^) und mögen Details zu Begegnungen etwas fehlinterpretiert oder -erinnert sein – im Großen und Ganzen war es aber eine lange, große Party. Und eine der ganz besonderen Art, denn auf wie vielen Partys kann man zwischendurch mal eben von Bord gehen, sich vor glasklarem Wasser an weißem Strand in einer Waikiki-Bar einen "Perfect Margarita" bringen lassen und dabei Frontsängerinnen von Szenebekannten Bands beim Schwimmen im karibischen Atlantik zusehen (hab ich natürlich nicht getan, aber ich hätte können :D). Es hat etwas von DSC01967einem Luxusproblem, den Krach von eher überschaubar guten Bands an sich abperlen zu lassen, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, auf einer Sonnenliege rumhängend, während man stattdessen die ruhige See beobachtet, wie sie schier endlos um den Schiffskorpus herum zu tanzen scheint. Die endlose See. Das ist ohnehin ein ganz gutes Stichwort. Die Bewegung des Schiffes auf dem Ozean geht alsbald auf das eigene Körpergefühl über, man beginnt sich schon zum Frühstück zu fragen, ob’s das Schiff ist, das schlingert, oder man selbst (in der Regel dürfte es eine Mischung aus beidem gewesen sein). Am Ende der Cruise, nachdem wir das schon hinter uns gelassen haben, schwankte eine Weile lang auch der Rest der Welt, insbesondere in engeren Gängen macht sich dieses Gefühl noch eine ganze Weile lang bemerkbar. So nimmt man die Nachwirkungen einer solchen Tour auch mit von Bord, und mit einem Lächeln beantwortet man dann die Frage abschließend, wer denn nun schlingert.

Ein paar letzte Impressionen:

Cruise_Miami_Sunset

 Cruise_Miami_Skyline

Cruise_Mots1

Cruise_Wasser

Miami_Palmen2

Wacken 2011 – von Osmose und dem Schluckmuskel

Wacken 22 ist Geschichte. Mir liegt der Staub und Schlamm noch im Haar, die Musik noch in den Ohren, Doublebass im Nacken und irgendwie Alkohol im Blut. Ich kann NICHT zurueckblicken auf geistreiche Gespraeche, tiefgruendige Gedanken oder gar den Geistesblitz fuer ein [neues] Buch. Aber dafuer faehrt man ja auch nicht nach Wacken, nech…

Hier also Wacken 2011 aus meiner Feder – und ich werd’ mal ganz untypisch mit “Wacken bei Tag” beginnen:

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Abreise diesmal anders, entspannt und ausgeruht. Hilft aber alles nix, vorm Startschuss entbrennt Hektik weil noch dies fehlt und das fehlt und bla. Aber alles halb so wild. Abmarsch nahezu im Zeitplan. Kurztrip zu Getraenke Hoffmann und dann ab durch die Mitte. Alles toll bis…aeh…ja, weiss gar nicht. Jedenfalls noch ne Ecke weg :). Ploetzlich fliegt aus dem liebevoll Viehtransporter genannten Miet-Kleinbus vor mir ein faustgrosses Stueck Reifen quer ueber die Fahrbahn und knallt gradewegs in den hinterherfahrenden Fiesta, den ich fuhr. Meinen Beifahrer hat der Einschlag ungefaehr 5 Jahre seines Lebens gekostet – aber immerhin pennt der nie wieder als Beifahrer, soviel is klar :D

Also aufn Rastplatz und mit der Vermietung crossflamen. Die schicken uns nach zaehen Verhandlungen zu einer Werkstatt 20 Kilometer ueber die Landstrassen – naja, immerhin, es ist Bewegung drin. Wir nutzen den Moment und ziehen den Fleischkauf aus HH vor. Einsammeln, ab damit. Zurueck zur Autobahn und rein ins schoene Schleswig-Holstein. Dort schnell noch zwei weitere Chaoten aufm Parkplatz abgreifen (!) und weiter gehts. Ab hier laufen die Geschichten etwas diffus auseinander – Fakt ist, dass man Wacken von HH aus via Festland erreicht, wir aber zwei Faehren benutzt haben und ich entgegen der Aussagen meiner lieben Freunde der festen Ueberzeugung bin, dass wir in Daenemark waren. Wo sonst faehrt man denn bitte mit ner Faehre hin? :D
Das hat (natuerlich) die Anreise leicht verzoegert, wir wurden dann irritierenderweise auf Campground R eingewiesen – den vorletzten aller Campgrounds. Gut ausgeschildert is anders aber mit etwas Umdrehen hier und Einfaedeln dort, Durchwurschteln hueben und Reinzwingen drueben geht’s. Auf dem Campground dann unnoetige Diskussionen mit den Ordnern, die unseren 11 Mannen eine Flaeche von vielleicht 4×10 Metern “zuweisen” statt sich mal mit den notwendigen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Wir haben kurz die Moeglichkeit geprueft alle Zelte zu einem zusammenzunaehen und oben ein Ablufloch fuer den Grill-Im-Zelt-Eventmarathon einzurichten, den Gedanken aber kurzerhand verworfen und stattdessen entgegen der Anweisung der Ordner etwas rustikal Platz geschaffen. Flott noch Zelte aufbauen (naja, ein Zelt brauchte eeeeeeeeeeetwas laenger) und Fleisch aufn Grill. Der Mittwoch ist gerettet, Metallerherzen sind eben minimalistisch.
Binnen Minuten werden Biere und totes Tier dem Erdboden gleichgemacht, was bleibt ist wohlige Waerme im Magen und das Gefuehl, dass das Wochenende nun starten kann.

Natuerlich nutzen wir den Mittwoch Abend trotz der spaeten Anreisezeit noch fuer einen kurztrip auf’s Festivalgelaende, Baendchen abholen und Biergarten besuchen – in der Regel der einzige Tag an dem das zuverlaessig klappt. Das tolle am spaeten Anreisen: Beim Anstehen fuer’s Baendchen braucht man nicht selbst zu stehen – fuer die noetige Stabilitaet sorgen die Massen um uns herum o_0

Den Abend beschliessen noch mehr Bier und die ersten tiefsinnigen Gespraeche ueber Koerperausscheidungen in Wacken.

Donnerstag gibt’s was auf die Ohren – planmaessig startet der Tag um 15:45 mit Kvelertak, vorher planen einige wenige noch einen Kurztrip durch’s Dorf. Gesagt, getan – jedenfalls bis ich merke wie schrecklich wenig Platz in einem Zirkuszelt ist, wenn aufstrebende Musiker drinnen feiern. Der Eingang ins Bullhead ist hoffnungslos ueberlaufen, wir hoeren uns ein, zwei Songs von draussen an und schlendern anschliessend kurz ueber den Mittelaltermarkt. Puenktlich zu Severenth sind wir wieder im Zelt und Schwuppdiwupp – das erste hammermaessige Highlight des Festvalwochendes bretzelt uns in die Ohren.
Die Buehne ist zwar ein Witz – vorne gibt’s ne Art Catwalk, davor den Wrestling-Ring – aber da Severenth irgendwie zumindest auf “meiner” Seite der Buehne so ziemlich gar keinen Zuspruch findet hat man ueberall geile Sicht und Severenth rocken so richtig. Eine Impression die nicht ansatzweise einfaengt was da los war – aber ich will halt textauflockernde Bildelemente einflechten, also seht es euch gefaelligst an ;P:

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Ich erhalte (und nutze :D) ausserdem die Moeglichkeit zwei Scheiben direkt von der Band zu kaufen und im Anschluss signieren zu lassen – wie nice ist das denn bitte. Von der Band wird man noch hoeren, da bin ich sehr sicher – ich fuer meinen Teil werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen…

Im Anschluss gibt’s dann auch schon die dicken Brocken – Helloween begeistern mit Stromausfall und in Metallaune, Blind Guardian zimmern so richtig solides Handwerk auf die Wackenbuehnen und Ozzy, ja Ozzy – hat immerhin Gus G. bei sich ;D
Ich muss aber gestehen, dass ich mir Ozzy nichtmal Ansatzweise naeher angesehen habe, einfach weil’s mich echt nicht interessiert hat.
Noch einmal torkeln wir durch’s Wackinger Village und naehren uns, dann geht’s ab zum Zeltlager. Der Weg ist mehr als abenteuerlich, eine Zustandsbeschreibung die fuer mich bis zum letzten Tag gelten wird. Allen denen ich am Wochenende mit meiner Frage auf die Nerven gegangen bin, wo sie verdammt nochmal hier sind, an dieser Stelle meine Entschuldigung. Ich glaube, ebenfalls am Donnerstag bin ich auch indurch dieses Zeltlager gerannt, dass nicht meins war – sorry an die Zeltinhaber, aber lasst es euch eine Lehre sein: Naechstes mal nicht frotzeln sondern Bier ausgeben –.-

Freitag ist pickepackevolles Programm – der Tag beginnt mit Ensiferum – lang erwartet, dann leider nicht so prall. Der Sound war einfach unterirdisch, die unmenschliche Zeit und mein Level an Dehydrierung taten ihr uebriges. Im Anschluss in’s W.E.T., Pussy Sisster lief noch und machten in Tradition von Mötley Crue und Konsorten Glamrock vom Feinsten. Lustig anzuhoeren, aber insgesamt doch eher nicht mein Ding. Anschliessend wollten Skalmöld vorspielen. Haben sie dann auch. Und wie. Hammerharter Gig und die zweite extrem gute Moeglichkeit, die traege Nackenmuskulatur mal ordentlich durchzuwalken. Freue mich schon auf’s Heidenfest wo die auch angesagt sind.
Direkt weiter, As I Lay Dying haben geladen – da stelle ich mich doch mal bequem in’s Infield und lausche den bekehrenden Worten von Tim Lambesis. Wirklich umgehauen hat’s mich nun nicht, aber das war vielleicht zu erwarten. Sie sind halt gut in dem was sie tun, und das ist das wichtigste ;). Wenn ich schonmal im Infield rumluemmel, kann ich mir ja auch Trivium anhoeren – sicher eine der Bands die auf meiner Prioliste ganz weit oben standen. Die enttaeuschen mich auch nichtmal im Ansatz, mir klingeln noch jetzt die Ohren. Selbst von meinem Standpunkt aus (so ungefaehr Reihe 29.041) waer Matt Heafy ohne Mic gut angekommen – mit Mic hat’s mir glatt die Haare gefoent. Absoluter Top-Gig!
Im Anschluss geb ich mir zehn bis zwanzig Minuten Bullet und geniesse das Futter im Wackinger Village ;).
Suidakra sind dran, spielen solide aber nicht ueberragend. Immerhin steigen sie in meiner Gunst mit dem Auftritt. Direkt startet Judas Priest, Rob Halford macht die paar Songs, von denen man glaubt, dass er wirklich singt, zum Niederknien gut. Insgesamt ist mir das Infield aber zu voll, ich verziehe mich noch vor Ende des Konzerts (und leider auch vorm Painkiller :/) vom Infield und damit zum Campground. Naechstes Jahr werf ich einfach ein Safety-Light in die Luft und lass mich einsammeln – dieses Umherirren auf dem Campground geht mir schon gehoerig auf den Kranz –.-

Der Samstag startet leider etwas durchwachsen – eigentlich sind die ersten wichtigen Bands schon “morgens” ab 12 dran, aber ich schulde meinen mueden Knochen offenbar etwas und lasse gleich sechs moegliche Acts aus :(. Zu Shining geht’s dann doch zur Festival-Site – die sind leider derbe enttaeuschend, ich lausche noch zehn Minuten Iced Earth, die oeden mich aber auch an. Also Futtern und zu Sepultura vor die Leinwand – ganz offenbar bin ich an diesem Samstag zu ausgelutscht fuer’s Infield. Vor der Leinwand treffen sich dann fast alle Pandas wieder – das Bild ist etwas frueher aufgenommen worden und in der SHZ veroeffentlicht – danke an dieser Stelle fuer die Aushaendigung und Genehmigung zur Verwendung:

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© SHZ / 2011

Sepultura sind lala, Avantasia im Anschluss aber ganz grosses Kino. Das Konzert ist, so sagt Tobias Sammet jedenfalls waehrend des Auftritts, das letzte Erscheinen von Avantasia, das Projekt ist nun beendet. Insofern freue ich mich umso mehr, dabei gewesen sein zu duerfen bei der finalen Metal Opera. Wenn auch nur vor der Leinwand :D

Von Kreator im Anschluss geb ich mir noch zwei Songs, die sind leider nicht so mein Fall, dann war’s das auch fuer mich. Ich verpasse noch Children of Bodom und Subway to Sally – beide sollen wohl im Samstaeglichen Monsun vor ausgeduennter Kulisse gespielt haben. Da ich diesen Regen auf meinem Zelt spueren konnte bin ich nicht wirklich traurig, nicht dabeigewesen zu sein. Irgendwo sollen auch Motörhead rumgelaufen sein, hab ich allerdings auch nur von Dritten gehoert. Hab mir lieber auf dem Campground noch eine Zigarre gegoennt :D

Abfahrt ist unspektakulaer, daher kann ich Wacken 2011 wohl hiermit auch abschliessen. Als Fazit muss ich sagen, Wackinger Village rockt total, selbst wenn mir dieses Mittelalterzeugs nicht so wirklich nahe geht – aber die Leute dort waren netter als andernorts, das Essen besser.
Electric Hotel macht einen tollen Job, mein Telefon wurde eine Stunde geladen und konnte auf diese Weise (und mit etwas haushalten) das gesamte WE ueber meine Termine verwalten. Zwar waren einige Einstellungen hinterher veraendert, was mir ein etwas mulmiges Gefuehl verschafft (zumal ich wirklich dachte, ich haette das Telefon gelockt abgegeben, habe es aber ungelockt zurueck erhalten), aber das wird ja dann die naechste Telefonrechnung zeigen ;)
Ich bedanke mich natuerlich bei all meinen Mitfahrern, Mittrinkern, gruesse alle, die sich mit mir haben Fotografieren lassen, wuensche dem Dieb meiner Maske dass er an Duennschiss sterben moege und bin ganz sicher 2012 wieder mit von der Partie – was bleibt mir auch, die Karte is schon bestellt. Dann sicher ohne Maske, aber mit ebensoviel Spass dabei ;D
Natuerlich bleiben einige Sachen noch ne Weile haften, wie beispielsweise:

– Osmoooooooooooooose
– Schluckmuskel(-training)
– Reduzierung von “kacken in Wacken” auf nur noch 85% aller Gespraechsinhalte
– Lopi’s lost
– irgendeinen behaemmerten Lachanfall dessen Grundlage mir grad nicht einfallen will
– “Hey, bist Du nackt?” – “Ja” – “Glaub ich nicht – Hey, Du bist ja nackt”

DSC01541Ich hoffe, WOA bringt zu 2012 die Sache mit der Orientierungshilfe auf den Campgrounds in Ordnung und reduziert das Bullhead wieder auf Titten und Muskeln, lasst die Bands woanders auftreten – ansonsten kann’s meinetwegen bleiben wie es ist. Ich verabschiede mich mit Wacken bei Nacht:

In diesem Sinne: Wacken 2012
Rain or Shine

3D? Das Leben ist doch nervtoetend genug –.-

Liebe Filmindustrie,

dieser 3D-Hype muss aufhoeren, wirklich.
Ich war gestern in Transformers 3. Natuerlich 3D. Seit Anfang der 90iger damit meine erste echte 3D-”Erfahrung”, damals hiess das ganze noch “virtual reality” und war ein Erlebnis (die paar Ausnahmen im Kino mal aussen vor gelassen). Bei Thor vor einigen Wochen konnte ich mich noch druecken, zufaellig liegt das einzige Kino in Berlin, dass Thor in 2D angeboten hat, in unmittelbarer Naehe zu meinem Wohnort.

Bei Transformers nun war es eine gruppendynamische Entscheidung und ich nahm es als willkommenen Anlass meine Vorbehalte gegen 3D auszuraeumen, zu bestaetigen oder wenigstens gegen neue einzutauschen.

Also sass ich dann mit dieser albernen Shutterbrille im Kino. Vorneweg: die paar armseligen 3D-Effekte haette man sich schenken koennen, das wertet den Film beim besten Willen nicht auf. Die Brille selbst war halt so ein “one size fits all”-Modell, entsprechend unkomfortabel war sie (Druck auf der Nase, zu lange Buegel).
Viel schlimmer aber ist: Da Shutterbrillen eben technologisch so funktionieren, dass sie wechselweise abgedunkelt werden, kann man genau das auch “sehen”: Es flackert. Und zwar nervtoetende 150 Minuten lang (inklusive Pause, die offenbar ebenso wie 3D-Brillen wieder in Mode kommen – frage mich, wieso keine Werbespots gezeigt wurden sondern nur ein Standbild eines Sportartikelherstellers…).
Die paar 3D-Momente die sich gelohnt haetten wurden mit Unschaerfe (jedenfalls mir gelingt es nur schwer zu fokussieren hinter dieser Brille) und Flackern getruebt, die gesamte Zeit ueber war es total anstrengend durch diese Brille zu gucken und diese Unschaerfe zu ignorieren. Hinterher war ich total ausgelutscht (was allerdings auch am vorabendbedingten Wasserentzug liegen koennte ^^) und muss sagen: Das is wie Anfang der 90iger, keine Veraenderung zu den 3D-Sachen von damals. Ja gut, ein bissl mehr wird schon gemacht als damals – aber dann wird’s halt auch oft wieder uebertrieben. Einige Szenen und Einstellungen vermitteln den unbedingten Eindruck, nur gedreht und geschnitten worden zu sein, um dieses 3D-Erlebnis zu pushen. Total unnoetige Kamerafahrten wurden in den letzten 20 Jahren einfach weggelassen, man nahm sich Zeit fuer’s Wesentliche. Heute werden sie wieder eingefrickelt um etwas raeumliche Tiefe zu erzeugen und dem Kunden so das Gefuehl zu geben, in einem echten dreidimensionalen Event zu sitzen. Als Ausgleich verlaengert man den Film und kann Pausen einbauen (Standbild hin oder her, ein Spot wurde gezeigt und beides zusammen wird’s sicher nicht kostenfrei geben..) und Ueberlaengeueberschlag einstreichen.

Und das alles fuer 14€. 14€ fuer einen Kinofilm mit Unterbrechung, der gewollt unscharf ist und ueber die gesamte Laufzeit flackert…Grandios.

Das war auf jeden Fall mein letzter 3D-Film. Alleine das Flackern ist zum aus der Haut fahren, aber in Verbindung mit der Unschaerfe und dem Preis ist das definitiv ein Grund, diesen Hype wie schon vor 20 Jahren einfach vorueberziehen zu lassen. Und ich freue mich auf Transformers auf BluRay – diesmal in 2D und ohne Pause…

Naja mal schaun, vielleicht schaue ich ihn mir auch vorher noch auf irgendeinem Downloadportal an – ich finde, fuer 14€ habe ich das Recht erkauft, ihn wenigstens einmal auch “richtig” sehen zu koennen…

Bei 14 € fuer einen Film duerft ihr euch nebenbei bemerkt nicht wundern, wenn die Leute den Kram lieber downloaden als regelmaessig zu bezahlen. Das ist einfach zu viel. Zumal wenn man hinterher sieht, wie gross die Diskrepanz zwischen Produktion und Erloes ausfaellt. Etwas mehr Fairness waer mal nett…

Way to Wacken – ein postapokalyptischer Rückblick

Ein zarter Kuss im vorbeifliegen, dann ist sie zur Tür raus. Ein letzter Appell: “Pass auf Dich auf” – und natürlich: “und viel Spaß”

Mittwochmorgen, 6:15 – Der Countdown läuft. Kaffee ist aufgebrüht und schmeckt wie eine Henkersmahlzeit – das Aroma ist der mit Abstand betörenste Duft dem ich, für etwa eine Woche, erliege. Im Flur und im Arbeitszimmer türmen sich Taschen, Kunststoffsäcke und kleinere Kartons. Zelte, Schlafsäcke, obligatorische Sitzgelegenheiten und Reisetaschen. Ich gehe zum sicher hundertsten Male meine Checklisten durch. Zunächst im Kopf, zähle die Taschen, forsche in den Abstellkammern nach Übersehenem. Wenn ich hier etwas vergesse, gibt’s kein Zurück mehr – niemand warnt einen hier, dass muss intuitiv beim ersten Mal direkt sitzen.
Ich hole die Checklisten auf Papier zur Hilfe. Fein säuberlich unterteilt in “Unterkunft”, “Verpflegung”, “Kleidung”, “Hygiene” und “Medizin”. Auf diesem Stück Papier herrscht eine Ordnung und ein System, bei dem mir beim Gedanken an gänzlich unmöglichen “Zufall” flau im Magen wird. So funktioniert mein Hirn eigentlich nicht, hier obsiegt der kleine, verwundbare Junge in mir, der auf keinen Fall in der Pampa stehen möchte und dem dort einfällt, dass es sinnvoll gewesen wäre, Klopapier mitzunehmen – und das nur vergessen wurde, weil ich, wie gewöhnlich und fast alles, was ich beginne, den Einpackvorgang mit Spontanität und Zufall nährte.
Überall ein Häkchen dran, selbst beim Zusatzpunkt “Bier”, angesiedelt unter “Sonstiges”. Gefährlich, denn eben das ist zwar – natürlich – schon gekauft, aber noch nicht bei den abzutransportierenden Dingen sondern liegt bei +4°C im Kühlschrank und feiert eine Privatparty.
ich lerne über mich, dass ich lieber gut vorbereitet als unschön überrascht bin. Und ich lerne über mich, dass ich offenbar penibel bin, wenn ich Vorbereitungen treffe. Das sagt man ja über Männer im Allgemeinen – dass sie die Dinge, die sie anfangen, gar nicht oder gründlich zu Ende bringen.

In den letzten Monaten habe ich quasi meinen Hausstand verdoppelt. Ich kann nun theoretisch eine Weile in die Wüste ziehen und müsste nur auf wenig Komfort verzichten. Boots, BDU-Hosen, Regenklamotten, Zelt, Luftmatratze, Klappstuhl, Isomatte, Zeltleuchten, Schlafsack – fast alles jüngst erstanden um gewappnet und bestmöglich vorbereitet zu sein auf – einfach alles. Kaum ein Gedanke ist erschreckender als die Vorstellung, eines Morgens in einem Zelt aufzuwachen und festzustellen, dass man (lebens-)Notwendiges vergessen hat.

Geschwind’ nochmal aufs Klo – Numero dos, der Kaffee entfaltet seine volle Wirkung. Zwischen heute morgen und einem Zeitraum soweit in der Zukunft, dass er derzeit noch unrealistisch fern ist, liegen unangenehme Stunden voller Druck, Völlegefühl, generellem Unwohlsein. Das paart sich, soviel lässt sich absehen, mit fettigem Essen und natürlich dem Hauptnahrungsmittel: Bier. Ein vermutlich letztes mal Duschen für eine lange Zeit – obwohl ich mir der Bedeutung bewusst bin, beschäftigt sich mein Kopf nicht mit der wohltuenden Wirkung konstant warm fließenden Wassers, sondern ist ununterbrochen bei der Checkliste. Fehlt etwas? Ich gehe meinen Alltag nochmal durch, überfliege im Zeitraffer einige Wochen urbanen Lebens. Es fehlt nichts. Ich bin augenscheinlich gut vorbereitet.

Abmarsch. Planänderungen werden heute nicht mehr diskutiert sondern durchgeführt, sie behindern den Prozess nicht. 8 Personen lümmeln teils in meiner Wohnung, teils auf dem Parkplatz hinterm Haus rum, während ich versuche, dem Viehtransport (geliehener VW-Bus aus der Kategorie “ich war schon in Woodstock – ihr Noobs”) musikalisch unter die Arme zu greifen indem ich sie wild auf diverse Medien kopiere. Der Anblick aus meinem Küchenfenster ist wirklich nicht mit Gold aufzuwiegen. 8 Schwermetaller, ungefähr 50 Taschen, Tüten, Kartons – das macht sicher einen erheiternden Eindruck auf meine Nachbarn ;)
Kurzer Abstecher zu Getränke Hoffmann, alle noch so winzigen Lücken im Muli (mein Nissan) und dem Viehtransport  mit Bier zuschmeißen, dann geht’s schon auf die Autobahn – hinter mir die Zivilisation, vor mir zunächst Sonne, Sonne und noch mehr Sonne – und ein kleines bisschen Euphorie macht sich breit. Es ist ‘ne entspannte Fahrt, in Hamburg wird noch Grillfleisch addiert und wenige Kilometer hinter Hamburg sammeln wir noch weitere Mit-Camper aus dem fernen Kleve ein, und Schwupps sind wir schon auf dem Campground K.
Noch während des Einparkmanövers – was natürlich auch nicht “wild und unkoordiniert” geschieht sondern ganz bestimmten Regeln und Gesetzen folgt, denen ich mich bemüht anzupassen versuche – springen meine Leute wie ne Horde Teenager beim Ed-Hardy-Ausverkauf aus dem Van und werfen in hohem Bogen Schlafsäcke und Zelttaschen quer über’s Grün, um unser “Gebiet zu markieren”. Als, dank kompetenter Unterstützung der Profis (die bitter nötig ist, denn wie es scheint, habe ich ein nicht unbedingt geringes Defizit im Bereich ‘Campen’ und einfach allem, was damit zusammenhängt – inkl. dem simplen Aufbau eines simplen Zeltes), alles aufgebaut ist beginnt der gemütliche Teil des Wochenendes auch für mich – rumlümmeln und ein Bierchen zischen, wo fast alle schon einigen Vorsprung haben.
Ab hier verschwimmen meine Erinnerungen für diesen ersten Tag etwas. Ich weiß noch von Grillen, Platzregen (so genannte “Wackenwolke”), Bändchen abholen und reichlich Bier – nicht wenig davon in strömendem Regen im Biergarten. Mein Erster Schritt aufs “Holy Wacken Land” ist demnach historisch nicht belegbar – sei’s drum. Am nächsten morgen werde ich das begehrte Bändchen erkennen und die Gelegenheit haben, mich neu einzukleiden, damit meine Klamotten trocknen können. Das sind gute Nachrichten, und sie lassen mich ausgelassen feiern ;)

Der Donnerstag startet munter – mein Kater ist störrisch, aber ich bin auch nicht sehr gastfreundlich. Kurz nach dem Frühstück (welches offenbar Wackentypisch aus Keksen, Waffeln und Nutellatoast besteht) einigen wir uns auf eine vorübergehende Waffenruhe. Der Tag startet also mit dem – scheinbar je Wackenwochende obligatorischen – Catwalk durch das Dorf Wacken. Einmal Schaulaufen bis zum Edeka am andern Ende des Örtchens – Fleischreserven-Upgrade und es gibt Ficken zu kaufen – das führt bei den Einkaufenden zu maximaler Erheiterung als es eingebongt wird und zu minimaler Gesichtsentgleisung bei der Kassiererin. Ich weiß nicht recht, wieso ich den schlussendlich in die Hand gedrückt bekomme – offenbar habe ich einen Ruf als Vernichter seltsamer Getränke zu verteidigen :D
Im Laufe des Wochenendes werden sich so ungefähr 4.000 – mehr oder weniger kreative und mehr oder weniger abgedroschene – Spruchkonstruktionen um den Drink, dessen Einnahmeoptionen und natürlich die Möglichkeit, auf den Drink angesprochen und/oder eingeladen zu werden, finden. Großes Kino in einer kleinen Welt.

Vorm neuerlichen Run auf die Festival-Site gibt’s noch stark erhitztes, totes Tier und wie gewöhnlich reichlich Bier.
Meine Wacken-Historie und Wacken 2010 für mich beginnt also im Grunde bei Svartsot auf der Wackinger Stage – einer von drei Acts, die ich gar nicht kenne aber aufgrund der musikalischen Spartenzugehörigkeit (grobe Richtung Pagan) auf meiner “running order” hatte. Sie sind auch direkt mal das erste Highlight, denn die Musik is eingängig und passt wie die Faust aufs Auge auf die Wackinger-Stage.
Ich fühle mich wohl, die zuvor unangenehm wirkende Masse Menschen (ungefähr 250.000.000 Menschen sind auf dem Festivalgelände wird man Sauerland hinterher schätzen hören) gewinnt vor der Bühne der Wackinger Stage eine romantische Form von Familienbildnis – tausende wippender Köpfe und regelmäßig erhobene ‘Horns’ – ja doch, so könnt’ ich’s ne Weile aushalten.
Nach Svartsot geht’s erstmal zum Shopping. Nach ungefähr 2 kompletten Durchgängen im Metalmarkt findet sich, zur sichtlichen Erleichterung meiner Mitshoppenden, endlich ein Dark Tranquillity-Zipper als Ersatz für das komplett nasse Manticora-Edelstück. Der Metalmarkt ist reichlich groß – aber wenn man nicht grad Größe XL (Default!) hat, gibt’s an sich kaum was zu holen – so ist’s für jemanden meiner Statur in der Tat eher mühsam, Brauchbares (und überdies nicht zweitklassiges oder notgedrungenes) zu finden.
Anschließend düsen wir mehr oder weniger geordnet zu Iron Maiden – ich mach’s mir mit einigen andern draußen vor einer Videoleinwand gemütlich und wir genießen die entspannte Beinfreiheit auf der Wiese während im Infield gefühlte 500.000.000 Menschen versuchen, einen Blick auf die Altrocker zu werfen. Maiden war okay, auch wenn sie für meinen Geschmack – wie ja vorher angekündigt und daher zu befürchten war – zu wenig Klassiker gebracht haben. Ausgerechnet die vorgestellte Dekade ist leider nicht so mein Fall. Aber die Stimmung war gut und bei “Fear of the dark” gibt’s das erste mal Gänsehaut am Wochenende ;)
Abends das gewohnte Bild – maximale Druckbetankung, 2,0 im Turm sind konstantes und erwartetes Mindestmaß.

Freitag is da schon stressiger – aber mich verschont der Kater, worüber ich nicht unglücklich bin. Amorphis – oder vielmehr die früh aufgestandenen Fans in diesem Fall – sorgen mit “House of sleep” für die zweite Welle Gänsehaut – das Konzert ist allgemein eines der echten Highlights an dem Wochenende. Mir fehlt sicher etwas die Objektivität, aber Amorphis sind einfach mal ne Hammer-Liveband. Wir haben zudem maximales Glück mit dem Wetter – es ist sonnig, trocken und warm und während eines beachtlichen Zeitraums des Konzerts schiebt sich eine friedliche Wolke vor die Sonne und verhindert so den alkoholgeförderten Kollaps.
Astral Doors beweisen im Anschluss, dass selbst gestandene Musiker nur so gut sind, wie die “Profis” am Mischpult. Das Konzert ist leider hoffnungslos zu laut für das kleine W.E.T.-Zelt. Von draußen ist es erträglicher, aber es nimmt dem ganzen natürlich schon etwas die Magie, wenn man zu “Time to Rock” nur von draußen mitwippen und –grölen kann.
Ich nutze die folgende Pause für meinen ersten Wiki-Burger ever – der haut mich zwar nicht vom Hocker, ist aber durchaus gangbares Futtermittel und eindeutig “Heavy Metal” – und er besteht zur Hälfte aus saugfähigem Weißbrot – ausgesprochen wichtig für die weitere Bieraufnahme ;o)
Der nächste nennenswerte Act ist Kamelot. Die sind einfach zu cool. Sie spielen live mit einer Sängerin und haben perfekt abgestimmtes Bühnenszenario. Sehr oldschool, mit Flammen und einstudiert wirkenden Laufwegen bei den Soli. Musikalisch aber indiskutabel – Kamelot sind nicht zu unrecht ganz oben in der Hierarchie der Power-Metal-Bands gelistet.
Das Hetzen zur letzten Instanz spare ich mir, im Nachhinein höre ich, dass ohnehin kein Zugang mehr zu finden war und die letzte Instanz überdies schlecht performt haben und schlecht geklungen haben soll.
Bedauerlicherweise habe ich aber auch den dann folgenden Burner Arch Enemy nicht mitbekommen. Ich hatte kurz zuvor noch ein Horn im Markt erstanden, konnte das aber mangels funktionierender Schließfächer nicht mehr einbunkern. Also haben sich meine Leute solidarisiert und wir haben es uns weit draußen vor den Eingängen gemütlich gemacht – dort wurden wir leider von der Seite mit Mambo Kurt und dessen Faxen oder irgendeiner Karaoke beschallt. Sehr ärgerlich, auf Arch Enemy hatte ich mich sehr gefreut. Soweit man sehen konnte waren die Massen vor der Bühne jedenfalls begeistert – wie zu erwarten war.
Den Rückweg zur Wackinger-Stage hätten wir uns sparen können – Equilibriums Jünger haben die Bühne und vor allem den Zuschauerbereich vor der Bühne, und damit den gesamten Mittelaltermarkt, überschwemmt. Zwischenzeitlich haben die Jungs zudem ihren Auftritt unterbrochen – ob aus Gründen der Sicherheit und Wiederherstellung der Ordnung oder der Technik ist etwas unklar. So oder so: Wir kamen mit vernünftigem Aufwand nicht mehr aufs Gelände und sind demnach recht verdrossen zum Campground zurück.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Zustände und Verhältnisse an der Wackinger Stage generell skandalös waren – aber das wird derzeit in der “Wacken Community” bis ins kleinste Detail ausdiskutiert, da will ich nun gar groß weiter drauf eingehen. Resümierend kann man aber festhalten, dass die Bühne zu klein und zu niedrig, das Feld davor unterdimensioniert und die Bands teilweise einfach zu groß waren.
Es folgt also die übliche Betankung, diesmal mach ich das Stil-echt mit Ficken und Met :D

Am Sonnabend bin ich wieder früh los, Nightmare waren zu Besuch im W.E.T. Die Show war richtig Klasse, Nightmare sind einfach lässig. Ein “Holy Diver”-Cover gibt überdies Gelegenheit, noch einmal in sich zu gehen und einem der Großväter des Rock weiteren Tribut zu zollen. Auch Nightmare erhalten trotz fehlenden Publikums ‘standing horns’ – nach einem ausgezeichneten Auftritt auch zurecht.
Ich versuche mein Glück beim zweiten von drei Blindflügen: Caliban. Angeblich Metalcore und angesichts der Masse an Shirts, die man auf dem Wacken so gesehen hat, eine mit einem großen Fanaufgebot.
Ich muss denen leider allen unterstellen, dass sie an Geschmacksverirrung leiden oder blind dem Gepose einer Luschenband folgen. Caliban hatten zwar zunächst Pech mit dem Sound (zuviel Bass, maßlos übersteuert, im Grunde nicht-existente Gitarren etc.), aber viel schlimmer wiegt, dass der Sänger einfach ma nicht shouten kann. Das war so etwa das schlechteste, was ich jemals jemanden in ein Mikrofon habe Quäken hören. Caliban sind nach dieser peinlichen Vorstellung definitiv von meiner “muss ich mal reinhoeren”-Liste gestrichen. Zumal die gesamte Band, das Bühnenbild und allgemein das Bild, das man von Caliban verkauft bekommt, dem Versuch gleicht, mit maximaler Blendung zu überzeugen. Angesichts der Qualitäten des Sängers ist das aber auch logisch. Derbe Enttäuschung jedenfalls, da hört man auf Berliner Band-Contests besseren Metalcore. Auf Degradead warten wir dann auch nicht mehr und lümmeln zurück ins Camp. 15, 20 Minuten harter Marsch bei Mittagssonne und etwa 30°C in der Sonne – die Entscheidung fällt uns nicht leicht ;)
Zum dritten “unbekannten” Act Metsatöll geht’s wieder auf das Festivalgelände zurück – estnischer Pagan, das klingt interessant. Musikalisch einwandfrei und ein wirklich guter Act. CDs sind quasi schon bestellt ;)
W.A.S.P. hören wir uns fünf Minuten an und gehen dann enttäuscht – wirklich interessant wird das Konzert nach Studium der Setlist auch erst zum Schluss – soviel Durchhaltevermögen hätten wir angesichts einer miesen Show und miesen Sounds eh nicht bewiesen. Stratovarius liegt leider im zeitlichen Clinch mit Týr. Also machen wir es uns frühzeitig vor der Wackinger Stage gemütlich, wohl wissend, dass wir, wenn wir “pünktlich” kommen, eh nicht mehr aufs Gelände kommen. Das Konzert ist für mich auch so lala. Nette Setlist, aber insgesamt zu voll und ne bescheidene Bühne. So habe ich quasi die gesamte Stunde auf die Scheinwerfer am oberen Ende der Bühne gelinst. Headbangen mit kurzen Haaren is auch so superspannend nicht, also blieb nur friedliches lauschen. Nunja ;)
Wir lauschen noch ein wenig Edguy aus der Ferne, dann geht’s wieder aufs Infield, Robert Lowe dabei zuschauen, wie er breit über die Bühne wankt. Wir glauben ja, die gesamte Band war höllisch breit. Sehr lustig dennoch – und ein schön doomiges Konzert. Mein Überlebensinstinkt hält mich davon ab, Wacken 2010 mit Tiamat zu beenden – Candlemass sind definitiv genug Emo für ein Jahr.

Musikalisch endet mein Wacken nach 9 Konzerten in Festivallänge – das ist, wenn man sich so umhört, ein ganz ordentlicher Mittelwert.

Ein Resümee zu ziehen fällt mir relativ leicht, ich hab’ mich dazu entschlossen es als Widmung für meine Mitfeiernden zu tun:
Liebe Wackenmitfeiernden, danke für:

> Ein durch und durch progressives Wacken
> Reichlich Alkohol
> eine gesunde 80%-Quote “kacken” als zentrales Gesprächsthema am langen WE
> solidarisches draußen bleiben bei Arch Enemy
> solidarisches Mitten-In-Der-Nacht-Zu-Nightmare-Und-Amorphis-Mitkommen
> solidarisches Mitlaufen über den Metalmarkt – auch wenn ich weiß, dass ihr das nur gemacht habt, weil ihr den Met so geil fandet ^^
> IMBA-Raviolidosen
> Nutellatoast
> Ficken!

X-Mas-Ticket für 20102011 ist schon bestellt und ich wär schwer begeistert, wenn sich diese Truppe wiederträfe.

In diesem Sinne – \../,