Schlagwort-Archive: Aus der Firmenzentrale

Hier ist der Kunde noch Kö…ach nee

Oktober. Der obligatorische Reifenwechsel bei Lucy steht an. Als urbaner Städter macht man (ich!) das nicht selbst sondern beauftragt handwerklich begabtere und werkstattlich besser ausgerüstete Unternehmen mit diesem Unterfangen. Nach einigen Jahren wechselnder Werkstätten, Räderschleppen, befreundeter Schrauberbuden, tagelangem umherfahren ungesicherter Reifen im Kofferraum und rastloser Suche nach der optimalen Lösung habe ich vor rund 18 Monaten die Suche nach dem Paradies aufgegeben und etwas naheliegendes zum Hauptargument meiner Auswahl gemacht: Es muss stattfinden, wo ich ohnehin regelmäßig vorbeikomme. Was liegt da näher als die Einflugschneise zu meinem Arbeitgeber. Auf dem Weg gibt’s durchaus einige die dafür in Frage kämen – wirklich hervorgetan hat sich aber die Firma Pitstop. Nicht etwa durch ihren guten Ruf oder dergleichen, sondern vielmehr durch die Möglichkeit, Termine recht umfassend auch online einrichten zu können. Das ist bei Werkstätten, die nicht eben dafür bekannt sind, permanent das Telefon besetzt zu haben, ein echtes Killerargument. Zudem ist Pitstop eine Werkstattkette – wenn ich also mal irgendwann nicht mehr an dieser einen Filiale vorbeikomme, transferieren die sicherlich meine Räder einfach in die neue Filiale. Sollte man jedenfalls meinen. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre und jetzt jüngst der letzten fünf Minuten zweifle ich da aber langsam dran…

Schon beim ersten Kontakt mit dieser Pitstopfiliale spüre ich, woher der Wind weht. Es ist damals noch eine Anfrage zu einem Preis von Felgen samt Reifen. Fachlich holt mich der Werkstattleiter gut ab, mein sehr beschränktes Wissen zu meinem Auto weiß er recht schnell einzuschätzen und stellt fortan die richtigen Fragen. Als er alle meine Wünsche und Vorschläge zu einem entsprechenden Angebot geschnürt hat und ich ihn bitte, mir das auszudrucken und mitzugeben ist die direkte Antwort des Mannes: “ja, und dann gehen Sie damit 200 Meter weiter zu A.T.U. und fragen dort an oder was?”. Zugegeben, es ist ne Weile her und meine Erinnerung mag mich hier trügen – aber wirklich freundlich und zuvorkommend wie noch zu optimistischerer Zeit 5 Minuten vorher wirkte das nicht mehr ;)

Aber Monate später auf der Suche nach einer Werkstatt zur Einlagerung meiner Reifen _UND_ für den halbjährlichen Wechsel selbiger siegte die Bequemlichkeit. So buchte ich damals online einen Termin – als Soforttermin (Fertigstellung des Auftrags binnen 30 Minuten hieß es damals – er beinhaltete den Radwechsel, Auffüllen der Scheibenwischeranlage mit irgendeinem Eisschreckzeug und das Einlagern der abmontierten Räder). Am Tage und zur Stunde des Termins wunderte man sich vor Ort, wer ich sei und was ich wolle. Offenbar hat man meinen Termin nicht auf dem Schirm. Wir dröseln das gemeinsam auf, ich zeige meine Terminbestätigung (sowie die Bestätigung meiner ausgeführten Zahlung), der Mechaniker zeigt auf seinen Klappkalender auf dem Schreibtisch und sagt, da seien ganz andere Termin drin… Anschließend klickt der Pitstopler sich durchs “System” und siehe da – da findet er mich. Einer Schimpftirade auf Technik im Allgemeinen, seine zentralen Befehlsvorsteher im Besonderen und der Ungerechtigkeit seines Seins folgt die ernüchternde Ansage an mich: Kann n bisschen dauern – sind ja noch andere mit Termin dran. Und überhaupt wäre es besser, ich würde das nächste mal anrufen. Das mit dem Internet, das ist halt nicht so gut. Sehe ich alles nicht so ganz ein, akzeptiere ich aber natürlich – auf eine halbe Stunde kommt’s am Ende echt nicht an und überhaupt ist das Wetter ganz nett – ich setze mich also draußen an die anliegende Tankstelle und genieße den Duft des Benzols ins der Luft. Zum Ende des Termins erhalte ich einen Schrieb mit den erledigten Arbeiten, den Hinweis dass meine Bremsen echt übel aussehen und mal erneuert werden müssten und einen Aufkleber mit einer 8-stelligen Nummer darauf – meine Räderpassnummer, die man zur späteren Identifikation meiner Räder benötigt. Der Aufkleber wirkt als wäre das ein übliches Procedere und hinterlässt das gute Gefühl, dass man sich hier mit dem Einlagern von Rädern auskennt. Selbstverständlich gerät der Aufkleber und dessen Nutzen im folgenden halben Jahr in Vergessenheit…

Ca. Sechs Monate später buche ich erneut. Wieder online. Diesmal habe ich den vormals angelegten Account zur Verfügung – die Website weiß also, wie mein Auto aussieht und in welcher Filiale ich zuletzt einen Termin hatte. Ich klicke mich wild durch den Terminkalender, lege noch eine Gasfüllung und das Auswuchten der Räder in den Einkaufswagen, bezahle, logge mich aus und freue mich auf meinen Termin. Der wird mir gar per .ics angeboten, ich erhalte diverse Mails mit Bestätigungen zur Entgegennahme meiner Zahlung und Terminbestätigungen und AGB und so weiter. Ich mache einen gedanklichen Haken kann. Wenige Tage später, kurz vor dem Termin, entdecke ich in meinen Unterlagen das Schreiben von der initialen Radeinlagerung. Und auf dem Schreiben den Aufkleber mit meiner Räderpassnummer. Ich frage mich spontan, ob meine Filiale anhand des Termins mit meinen Daten diese Räderpassnummer zuordnen kann. Spontan erinnere ich mich auch daran, wie das damals war, mit dem Termin und so. Also rufe ich an, ja, hier sei mein Termin bekannt, die Räderpassnummer hat man indes nicht. Ich gebe sie telefonisch durch und erhalte auf diesem Weg auch eine Bestätigung des Termins. Anzurufen hat mich ganz locker 30 Minuten meines Lebens gekostet – hauptsächlich weil da nie einer ans Telefon geht. Verstehe ich sogar – wenn man grad unter einem PKW liegt ist halt schlecht mit Telefonieren… Aber alles ist geklärt und der Termin verläuft ereignislos. Am Ende erhalte ich eine neue Räderpassnummer, meine alte ist demnach ausrangiert…

Heute ist es wieder so weit. Mein sechster Sinn warnt mich bei der Auswahl des Termins, dass ich die Räderpassnummer irgendwo angeben muss. Nur wo? Der gesamte Bestelldialog (der nebenbei bemerkt immer unterschiedlich ist, je nachdem von wo ich einsteige…) enthält nur dann ein Freitextfeld für die Kontaktaufnahme, wenn ich quasi als Neukunde bestelle – zur Eingabe meiner Daten habe ich aber keine Lust. Also klicke ich mich ein paarmal durch den Dialog, markiere Termine, Einkaufsoptionen etc. Ab und zu springe ich nochmal zurück auf der Suche nach einem Freitextfeld. Fehlanzeige. Sehr wohl darf ich zwischendurch die Frage beantworten, ob meine Reifen eingelagert sind. Aber wenn ich das bestätige, erhalte ich keine Abfrage zur Räderpassnummer. Seltsam. Darüber hinaus: Jedes mal wenn ich den Dialog “Termin auswählen” aus welchen Gründen auch immer wiederhole, ist der zuvor eingegebene (meinetwegen reservierte, aber nie aktivierte) Termin nicht mehr verfügbar. Da ich gedanklich bei was anderem bin komme ich einige male an dem Punkt vorbei, bis mir klar wird, dass es langsam knapp wird mit einem günstigen Termin, da alle vorherigen Auswahlen ja als reserviert nicht mehr verfügbar sind…Irgendwann klicke ich mich halt fertig, schnappe mir das Telefon, rufe in der Filiale an und erhalte – ein Freizeichen. Natürlich. Ich warte einige Zeit bevor mir klar wird, da geht jetzt erstmal keiner ran. Ein wenig ungehalten über diesen Prozess surfe ich zum Mutterschiff der Pitstop-Filialen um dort eine Service-Rufnummer oder etwas derartiges zu finden. Ich finde keine Mailadressen oder Feedback-Formulare – durchaus aber eine 0800 Rufnummer. Nach einigem Abwägen rufe ich an – und erhalte von Band die Ansagt, dass im Moment leider alle am Plaudern sind und ich solle mich später nochmal melden…Na wer’s glaubt…So hat Pitstop meine Räderpassnummer noch immer nicht. Und ich erreiche niemanden. Ich überlege derzeit, ob’s nicht mal an der Zeit wäre, dass zu eskalieren und zu schauen, wie schnell sie die Räder aus dem Archiv ans Sonnenlicht zerren werden, wenn’s dann hart auf hart kommt…

Also liebe Leute von Pitstop: Website mit Terminvereinbarung ist Top. Muss aber dann die Filiale auch von erfahren. Accountmanagement ist Top. Warum kann ich in diesem Account meine Räderpassnummer nicht hinterlegen? Kostenfreie Hotline ist Top. Warum nur ist die nicht besetzt?

Luft nach oben…

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Pfand-Desaster

Hat das Prinzip “Pfand” eigentlich einer von euch wirklich nachvollziehbar verstanden (und könnte es seiner Großmutter gleichfalls nachvollziehbar erklären, quasi als Beweis des Verstehens?)? Deutschland ist Weltmeister im Mülltrennen, da sollte doch so ein läppisches Pfandsystem der reinste Ponyhof sein!

Flaschenpfand, Dosenpfand, Pfand für Mehrweg, Pfand für Einweg, ausnahmsweise auch mal gar kein Pfand. Welcher Händler muss welche Arten von Pfandverpackung annehmen, was braucht nur zurückgenommen werden? Was entscheidet hier, dir Form der Verpackung? Der Strichcode? Das Material? Was ist mit ausländischen Verpackungen identischer Machart (betrifft natürlich nur Dosen & Einweg) – müssen die abgenommen werden?
Wieso gibt’s die Unterscheidung „Mehrweg“ und „Einweg“, woran erkennt man die beiden möglichst kurzfristig? Wem dient der Zirkus und wer profitiert davon? Gibt’s eine menschenwürdige Möglichkeit, die Abnahme von abnahmepflichtigen Artikeln zu ermöglichen (statt einen Automaten zu beschimpfen, die Flaschen (Egal ob Ein- oder Mehrweg…), die nachweislich im Geschäft gekauft wurden, gefälligst anzunehmen und dann nach einem zuständigen Mitarbeiter zu suchen, die zufällig immer alle grade zur Pause sind)?
Wieso gibt’s zu jeder Regelung ne Ausnahme (Einwegpfand muss jeder Händler zurücknehmen. Aber nur, wenn er: [x] Auch Einweg verkauft, [x] der verkaufte Kram aus dem gleichen Material ist (äh ja is klar), [x] der Strichcode noch am Behältnis ist und [x] der Strichcode noch maschinell oder wenigstens manuell lesbar ist (was ja mal gaaaaaar keine Definitionssache ist – versucht mal morgens um zwei mit dem türkischen Betreiber einer Dönerbude zu feilschen, ob die Dose nun zu kaputt ist oder nicht – und zwar OHNE dass ihr dafür ne Bestellung aufgebt…).

Habe neulich mal wieder ne halbe Stunde mit sonem Automaten verbracht, ihm meine Flaschen und Dosen und Kästen in den dunklen Rachen gedrückt. Bei etwas über zehn Euro (und gefühlten vier Stunden vor dem Alte-Biere-Mief, der einem immer aus den Flaschenöffnungen ins Gesicht pustet, jedenfalls wenn man zufällig meine Körperhöhe hat) hatte ich nur noch einige „Red Bull“-Dosen im Wagen. Ich schiebe eine Dose rein, er sagt, das Produkt würde hier im Laden nicht verkauft werden. Bei der Fehlerquote für solche Ansagen lohnt es sich, noch zwei bis zwölf neue Versuche zu unternehmen. Das ist natürlich wenig Stimmungsfördernd, weder für mich noch für die ungeduldig hinter mir wartenden Leute, die schon ihre Fingernägel in ihre PETs geschlagen haben.
Das Gerät weigert sich beharrlich, die Dose anzunehmen. Ich untersuche sie etwas genauer und stelle fest, ja, scheisse, ist aus Dänemark. Habe ich wohl bei einem kleinen Städtetrip mit nach Deutschland überführt. Ich blicke mich eben um, ob ein jemand „vom Fach“ in der Nähe ist und resigniere dann umgehend. Die Dose fliegt also in den Müll, die 0,25€ (oder sicherlich ein vergleichbarer Betrag in dänischen Krönchen) schreibe ich ab.
Der Mülleimer ist ein paar Meter weg, ich habe an dem Tag aber überdurchschnittlich soziale Laune und lasse die Dose daher nicht einfach vor dem Automaten fallen sondern bringe sie zum Mülleimer. Anschließend gehe ich einkaufen um an der Kasse zu merken, dass ich bei aller Wut über die Weigerung des Automaten, meine dänische Red-Bull-Dose anzunehmen, vergessen habe, diesen kleinen Schnipsel auszudrucken und mitzunehmen, der meinen Stundenlohn für die 15 Minuten Arbeit vor dem Automaten auswies. Das waren zu dem Zeitpunkt, wie gesagt, etwas über zehn Euro. Ein überflüssiger Blick zu den in Sichtweite stehenden Automaten bestätigt, von dem Geld wird sich jetzt jemand sein Mittagessen gönnen.

Jaja klar, das ist natürlich meine Schuld und natürlich hätte ich an ganz vielen Punkten dieser Geschehnisse das Unglück aufhalten können. Wenn man es aber auf die tatsächliche Ursache runterbricht, hat das Einweg-Pfandsystem diesen Bon auf dem Gewissen.

Auch gut fand ich das Gespräch einer Dame, die genervt war von der scheinbaren Willkür des Automaten, manche Flaschen anzunehmen um bei anderen die Zusammenarbeit zu verweigern, mit einem Mitarbeiter des Geschäfts (den sie wohl im Pausenraum abgeholt haben muss!). Ich habe nicht viel mitbekommen, aber in der Quintessenz beantwortete der Mitarbeiter die simple Frage „wieso nehmen Sie diese Flaschen zurück, die hier aber nicht?“ wie folgt: „Nun, dies hier sind Mehrwegflaschen, die nehmen wir nur zurück, wenn wir sie auch verkaufen – was wir nicht tun. Das hier sind Einwegflaschen, die nehmen wir auf jeden Fall zurück.“
Das ist sicherlich inhaltlich (zunächst) korrekt. Aber nicht die Realität. Denn
1. werden permanent auch Flaschen, die nachweislich in dem Geschäft geführt werden (und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dort gekauft wurden, es gibt nicht viele nomadische Pfandtauscher…), abgewiesen. Der Gegenwert der Flaschen ist mir immer nicht hoch genug, um den Aufwand zu rechtfertigen, einen Mitarbeiter dafür bei der Pause zu stören. Mal ganz davon abgesehen, dass man für derartigen Aufriss ja auch immer noch zusätzlich die mitleidigen Blicke der Mitarbeiter ertragen muss, die nun für eine 8-Cent-Flasche den weiten Weg vom Pausenraum in die Schaltzentrale hinter den monströsen, flaschenschluckenden Apparat auf sich nehmen müssen. Das muss man dann schon aus Prinzip machen…
2. werden alle Flaschen nur erkannt und akzeptiert, wenn der Strichcode drauf ist. Das ist insofern bemerkenswert, als dass dies in den gesetzlichen Regelungen nur für Einwegpfandflaschen vorgeschrieben ist. Für Mehrwegpfandflaschen kann der jeweilige Händler die Regeln im Grund selbst festlegen. Ja, auch hier kann man dann wegen 8 Cent rumdiskutieren…
2a. 2 gilt nicht, wenn die Flaschen ohne Etikett in einem Kasten daherkommen. Nee is klar…
3. werden Flaschen und (vorzugsweise!) Dosen nicht zurückgenommen, deren Strichcode nicht mehr lesbar ist. Zwar kann man bei einer nicht allzu schweren Deformierung (was auch immer die Definition DAVON nun wieder sein soll) drauf bestehen, dass die Dosen manuell eingebongt werden – aber wer will das schon? Und wieso erst diskutieren müssen?

Früher, als alles besser war, konnte ich Mehrwegflaschen zum Händler bringen und Einwegflaschen und -Dosen dem Müll überantworten. Der Händler hat die damals noch von Hand eingebongt (und sicherlich dabei auch allzu gerne Fehler produziert) und alle waren happy.
Einwegflaschen und -Dosen werden auch heute umgehend der Wertstofftrennung zugeführt (sprich: weggeschmissen im großen Stil), allerdings behält der Händler, der mir das Pfand abgeknöpft hat, die 25ct. Zwar gibt es ein Ausgleichssystem, dass jene Händler, die immer nur Pfand rausgeben, aber nie welches einnehmen, entschädigt. Für Kunden, die immer Pfandgeld hinterlegen, aber allzuoft keines erstattet bekommen (aus welchen Gründen auch immer), gibt’s sowas natürlich nicht. Stellt sich unweigerlich die Frage: Wohin verschwinden diese zigtausenden 25ct-Beträge, die auf diese Weise sicherlich täglich in der Republik anfallen?
Wieso ist es in diesem Land der Regeln so schwer, ein einfaches, transparentes Pfandsystem zu designen (dessen Nutzen ich btw nie abgestritten habe!)? Einfache Ansage: Händler, der Flaschen oder Dosen verkauft, muss Flaschen und Dosen annehmen. Jede Flasche und jede Dose, jedes Glas wird gegen einen Pfand von 10€c abgegeben. Keine Ausnahmen. Ist es aus Glas, PET oder Blech und ist ne Flüssigkeit drin, kommt Pfand drauf. Wenn kein Pfand draufkommt, weil’s nicht wirklich flüssig ist (Joghurt im Glas bspw.), kommt ein simples “kein Pfand” in erzwungener Größe und Farbe aufs Etikett. Einheitlich, simpel, nachvollziehbar.

Damit wäre die Industrie in der Notwendigkeit, sich dafür elegante Mechanismen einfallen zu lassen, wie sie den Kram auseinanderfriemeln und Millionen Kunden wären nicht mehr gezwungen, sich über Pfand ne Platte zu machen.
Warum passiert das nicht? Ja richtig, aus den gleichen Gründen, aus denen die deutschen Abgeordneten die Korruptionsgesetze nicht unterschreiben wollen…

Kopf > Wand

Nachträgliche Rekonstruktion eines weiteren, hilflosen Hinweises darauf, dass nicht ich hier der Seltsame bin…:

Zunächst die Fakten: ich habe auf dem Grundstück meiner Mietwohnung einen Privatparkplatz angemietet – wie etliche andere Mieter auch. Dieser Parkplatz wird parallel zur Haustür auf die Straße geführt. An dieser Straße finden derzeit irgendwelche ominösen Bauarbeiten statt – ein Radweg wird versetzt, Bordsteine werden neu gelegt, eine Busspur neu geteert und irgendwas wurde verbuddelt. Bislang wurde die Ausfahrt provisorisch (und beim besten Willen nicht optimal!) bereitgestellt, meistens indem man einfach beim verlegen der kleinen Pflastersteine das Arbeiten eingestellt hat und die Autos so zwingt, über ein wackeliges Kopfsteinpflaster aus Pflastersteinen zu hüppeln. Sei’s drum.
Am Mittwoch, 08.08.2012, fahre ich zur Arbeit. 7:15 etwa. Hinter der automatischen Tür erwarten mich drei Männer, offenbar alles Profis vom Projekt Bau. Einer spricht mich an und sagt:

“am nächsten Montag machen wir hier zu. Kein rein und kein raus”.

Okay, der Tag musste kommen, ich bin also entspannt und frage zurück: “kann ich denn morgens noch raus und seid ihr bis abends fertig?” Ich erhalte als Antwort etwas in der Art:

“Jaja, wir machen erst dahinten, das is kein Problem. Wir hängen zwar auch noch was aus, aber wennde jemanden kennst, den das betrifft, gib ihm bescheid.”

So einigen wir uns und ich fahre von dannen.
Ich habe diesen Parkplatz angemietet, weil die Parksituation in meiner Straße der blanke Horror ist. Also habe ich ein berechtigtes Interesse daran, insbesondere wenn durch Bauarbeiten weitere Parkplätze wegfallen, einen möglichst präzisen Zeitplan zu haben. Ich organisiere mir also einen Platz, wo mein Auto notfalls Montag Nacht stehen wird (nicht auf dem Firmengelände, weil da mal irgendein egoistisches Arschloch sein Auto unberechtigt übers Wochenende hat stehen lassen um im Anschluss an das Wochenende einen Kratzer zu finden und die Firma daraufhin um Schadensersatz zu bitten – seither gilt (vollkommen verständlich wie ich finde) generelles Übernachtungsverbot für private PKW auf dem Gelände) und ich organisiere mir eine Mitfahrgelegenheit.
Ich bin, auch wenn man das kaum glauben mag, ein ganz netter Kerl dem man offenbar ganz gerne in solcher Situation unter die Arme greift. Meine etwas vage Ankündigung, dass das “sicherlich nur einen Tag” nötig sein wird übergeht man großzügig. Ihr könnt euch jedoch vorstellen, dass sich diejenigen, die sich hierfür umstellen müssen, über möglichst präzise Angaben zurecht freuen würden. Wie auch immer.

Ab Donnerstag bis einschließlich Montag früh suche ich die versprochenen Aushänge, doch Fehlanzeige. Ich denke mir also, ich habe exklusive Informationen und halte mich da mal lieber dran, vielleicht haben sie nur vergessen, auszuhängen.

Am Montag, den 13.08.2012 schaffe ich den Wagen also vom Hof, jedenfalls dachte ich das. Direkt vor mir tut sich ein Bauzaun auf. Es ist 7:15. Ich denke mir “wtf?” und sprinte los, nachforschen ob ich denn heute noch hier wegkomme. Ich suche mir einen der wenigen Arbeiter (links von meiner Ausfahrt!), frage ihn, ob was dagegen spricht, wenn ich den Bauzaun da mal wegräume. Er zuckt mit den Schultern, verweist mich auf einen, der noch weiter links steht. Der zuckt auch mit den Schultern und verweist mich an einen, der ganz weit rechts von meiner Ausfahrt steht. Da schwinden fünf Minuten meines Lebens, die ich nie wiedersehe.
An benannter Stelle finde ich den Kerl, der mir das Montagsmärchen erzählt hat. Ich frage ihn, ob der Bauzaun da nochmal weg kann. Er sagt “klar, machste weg. Dann geht’s aber nicht mehr rein oder raus”. Ich blicke an mir herab, mein nicht ganz günstiger Anzug überzeugt ihn nicht, mir zuvorkommend anzubieten, den Bauzaun selbst wegzuräumen (wer hätte das gedacht…)
Ich versuche etwas präziser zu erfahren, wann genau am Abend denn wieder geöffnet wird, und erhalte die Antwort:

“Nee, heute abend kannste vergessen. Das dauert sicher drei Tage”

Ich gehe kommentarlos, da habe ich eh keine Argumente gegen. Ich hebe den Bauzaun weg, fahre raus, stelle den Wagen ab und organisiere mir meine Heimreise anders – die Geduld meiner Kollegen ist belastbar, dennoch liegen die jetzt noch unpräziseren Angaben natürlich auf der Kontra-Seite meiner Zuverlässigkeitsskala. Sei’s drum.
Unter der Woche bemerke ich täglich, dass die Einfahrt frei ist – freier als am Montag morgen jedenfalls. Kein Bauzaun, keine Arbeiten, keine Sperrung. Ich akzeptiere das, ich kann es eh nicht ändern und denke mir, vielleicht dauern die Arbeiten nur ein paar Stunden, aber der Arbeiter ist nicht kalkulierbar. Ist ja beim Anknipsen eines Telefonanschlusses oder der Zustellung eines Pakets nicht besser.
Gestern, Mittwoch, mein Auto steht noch immer im schönen Wannsee, sehe ich das erste mal Aushänge an meiner Einfahrt.

“Samstag, 7:00 Uhr – 12:00 Uhr ist diese Ausfahrt gesperrt”

…?

Was mag da wohl los sein? Ich meine – ist ja nicht so, dass ich die Herren gebeten hätte, mir zu sagen, wann diese Ausfahrt gesperrt wird. Diese Information drängten sie mir förmlich auf. Offenbar aber eher aus einem Wunsch des Redens heraus als auf der Basis von Fakten.

Bin gespannt wie es weitergeht. Oder ob es weitergeht. Bleibt sicher spannend.

Liebe GEMA, es reicht, wirklich!

Ernsthaft GEMA. Das Fass ist längst übergelaufen, das Ende der Fahnenstange erreicht, der Drops gelutscht, der Gaul zu Tode geritten. Es geht schlicht und ergreifend echt nicht an, dass ihr diese bockige Blockerposse weiter durchzieht.

Euch ist etwas gelungen, was echt bemerkenswert ist: Mir ist eure Haltung inzwischen echt scheissegal. Mir ist auch die Haltung derjenigen egal, die sich von euch noch gut vertreten glauben (die armen Irren!). Mir ist egal, was eure Argumente sind. Ich erwarte von euch, dass ihr euch mit Google einigt. Ich will die Videos sehen, die man überall auf der Welt sehen kann. Und ich will sie zu den gleichen Bedingungen sehen, wie jeder Franzose, Kanadier, Bolivianer oder Kenianer das kann. Euer Job ist einfach: Einigt euch mit Google. Ja, akzeptiert meinetwegen nicht ihr erstes Angebot, ist mir an sich lala. Die Artisten, die von euch wirklich profitieren, höre ich eh nicht, mir also egal, auf welchem Level ihr euch einigt. Also sei euch die Verhandlungsposition zugestanden, schließlich habt ihr für die paar fetten Verdiener ne Verantwortung übernommen. Feilscht etwas, das ist okay. Aber EINIGT EUCH!
Ich habe heute das gefühlt viermillionste Video auf Youtube angeklickt, auf dem mir erklärt wurde, dieses Video sei in meinem Land nicht verfügbar. Mir ist egal, ob sie das aus Kalkül machen um Druck auf euch aufzubauen. Mir ist auch egal, ob ihr diese Videos wirklich habt sperren lassen. Mir ist sogar egal, was die Künstler drüber denken.
Auf der ganzen Welt konnte sich Google mit den Rechtvertretern und –verwertern einigen. Nur hier nicht.
Euer Argument ist, dass Google, die Arschgeigen die sie sind, mit den Inhalten von anderen (denen, die ihr zu vertreten behauptet) Werbeeinnahmen generieren und sich inzwischen die Eier auf Hängematten aus reiner Seide schaukeln. Ich verrate euch mal etwas: Google hat ein Konzept zur Generierung von Einnahmen entwickelt, das funktioniert. Als die angefangen haben habt ihr noch müde gelächelt und in euren Hinterzimmern gedacht, “das Internet – pah, das setzt sich niemals durch…”.
Jahre später hat Google vielleicht den größten Rechnerpark der Welt und dominiert quasi das Internet. Jetzt erkennt ihr, dass sie nicht nur rumspielen sondern Einnahmen generieren. Jetzt wollt ihr auch an die Goldtöpfe, wisst aber, ihr seid zu spät (und speziell ihr seid zu unfähig hier kreativ und aktiv eine Gegenströmung aufzuziehen.
Klar, typisch deutsch halt: Wenn jemand anderes ne bessere Idee hat als ich, kann ich sie ihm ja immer noch verbieten oder ihn zwingen, mich zum Anteilseigner zu machen.

Google kann also aus “euren” Inhalten Werbeeinnahmen generieren. Das ist schon deshalb lustig, weil Google selbst die Videos ja nicht dreht. Google bietet den Usern nur den Platz an, die Videos zu hinterlegen. Die User sind es, die das Portal mit Leben füllen, Videos hochladen und die virale Verbreitung anschieben. Was ihr wollt, ist, euch an den Einnahmen von Google fett zu schmarotzen. Jaja, “eure” Künstler werden hier betrogen. Selbst wenn. Wenn Google die Vertriebskanäle, die technischen Voraussetzungen und die ideologische Basis schafft, haben sie auch das Recht auf die höchsten Margen. Ganz einfach. Die Mondzahlen, die ihr angeblich aufgerufen habt, habt ihr nicht verdient, so einfach ist das.

Ich will dabei gar nicht mal näher drauf eingehen, dass ihr die dort eingenomme Kohle eh nur wieder unfair an ein paar Dutzend Köpfe verteilen würdet, statt sie gerecht denen zukommen zu lassen, die sie, grade in einem randgruppenforcierenden Netzwerk wie Youtube, generieren.

Also liebe GEMA, beendet dieses peinliche Schauspiel endlich. Wenn Google eure Mondpreise nicht bezahlt, akzeptiert halt kleinere Ausschüttungen. Punkt, Ende, Aus. Zu kompliziert? Dann macht den Laden dicht und fertig! Die Künstler kommen auch ohne euch klar, ihr werdet sehen…

Und liebe Politiker: Seid ihr allen Ernstes der Meinung, eine Rechtevertretung mit den Strukturen und der Denkgeschwindigkeit eines Amtes aus den späten 1980er Jahren ist der richtige Ansatz um im 21. Jahrhundert über die digitale Verwertung von Eigentum zu urteilen? Ändert das. Wieso erhält die GEMA von euch diese Rückendeckung? Schon wieder Lobbyisten am Werk? Wieder Bestechungen geflossen? Verdient ihr zu wenig? Ja? Gebt mal euer Amt ab, gebt eure “Nebenbeschäftigungen” ab, holt euch Stütze vom Amt… Lernt mal wieder das Volk zu vertreten, das eure Scheiß Häuser und Autos und Reisen in die Karibik bezahlt!

Verwertungswahn!

Die ZPÜ will Mobiltelefone teurer machen. Sie will bis zu 36€ Abgaben auf Mobiltelefone erheben – 12€ für die billigen mit den großen Knöpfen und 16 bis 36 Euro für beliebige Smartphones unterschiedlicher Speichergröße (alle Preise zzgl. Umsatzsteuer von 7%).
Die ZPÜ will damit die auf diesen Geräten offenbar vermuteten Privatkopien urheberrechtlich geschützten Bild-, und Videomaterials (wundersamerweise sind nur die VG Wort und die VG Bild und Kunst hier im Boot – VG Mucke weilte wohl grad zur Betriebsfeier auf ner Insel im Südpazifik) zugunsten der Käufer der Geräte pauschal abgelten. Die derart beim Kauf abgeführten Gebühren würden entsprechend anteilig…ach nee, das geht weder aus der Pressemitteilung der BITKOM noch aus der Pressemitteilung der ZPÜ hervor, in welchen dunklen Kanälen die Kohle letztlich versacken soll, nach welchen Kriterien welche Urheberrechteinhaber bedient werden sollen. Vermutlich nach dem selben Schlüssel wie alles bei den Verwertern: Erst mal die 2,6 Millionen Mitarbeiter der VGs bezahlen, ne Extrarunde Urlaubsgeld, dann noch zwei Managerabfindungen, dann was neues ausdenken weil die Kohle weg ist.
Wertfrei bemerkenswert an der Stelle das Datum der Veröffentlichung der Pressemitteilung der ZPÜ (07.07.2010), das im Tarifschreiben angegebene Datum des Beginns der Gültigkeit für diese Abgabe (01.01.2011), der letzten Änderung im Dokument (22.07.2011, offenbar nachträglich, also NACH Geltungsbeginn?) sowie das Datum der Pressemittelung der BITKOM (28.10.2011 zu einem Zeitpunkt also, zu dem bereits fast ein Jahr lang derartige Abgaben fällig sind…?).
Wer die ZPÜ ist fragt ihr euch? Ist doch klar – die ‘Zentralstelle für private Überspielungsrechte’. Habt ihr noch nie gehört? Ist n Ding. Ich auch nicht.
Laut GEMA ist es die “älteste […] und aus wirtschaftlicher Sicht bedeutendste Form der Zusammenarbeit der deutschen Verwertungsgesellschaften”ein Sammelbecken unterschiedlichster Schmarotzergesellschaften, die sich am Erfolg anderer fett reiben wollen also, ein Zusammenschluss verschiedener Verwertungsgesellschaften die sich mit der Vergütung von Bagatellabgaben auf diverse Leermedien (sie selbst nennen es ‘Vergütung für private Vervielfältigung’ und berufen sich dabei auf die §§ 54 und 54a im Urheberrechtsgesetz der Bundesrepublik Deutschland) befassen – und entsprechend aufmerksam beobachten, auf welch innovativen und kreativen Arten die wirtschaftlich orientierten Tech-Unternehmen dem Markt Funktionen zuführen, mit denen User urheberrechtlich geschützten Scheiß kopieren können, um anschließend, im Namen der Vertretenden, die Hand aufzuhalten.

Ich bin in dem Thema nun sicher kein Insider und kein intimer Kenner der Verwerterszene, bilde mir aber doch ein, so grundlegen die Struktur zu verstehen: Seit anno zopp verlangen Verwerter von Urheberrechten von Herstellern von Kopiergeräten gleich welcher Art – also bspw Druckern, Kopiergeräten, Faxe, MP3-Player, Festplatten, CD-, DVD- und BluRay-Brennern, USB-Sticks, DVD-, und CD-Rohlingen und so weiter und so fort – Abgaben zur Abgeltung von mit den Geräten erzeugten Privatkopien. Entgegen der von Urheberrechtsvertretern gerne verbreiteten Ansicht sind diese nämlich nach wie vor erlaubt, legal und ja ohnehin bereits abgegolten. Da je Medium eine individuelle Vergütungshöhe anfällt sollte man auch meinen, die Abgeltung erfolgte angemessen.
Nun stelle ich mir grade vor, ich kauf mir irgendein Grabbelsmartphone ausm Aldi, dazu ne passende micro-SDHC-Karte, stöpsel das daheim an meinen PC und überspiele einen zuvor bei Amazon gekauften Song von meiner Festplatte auf das Telefon, nachdem es bereits mit meinem MP3-Player synchronisiert wurde.
Auf diese Weise zahle ich für die geduldete (und nicht unbedingt gern gesehene) mehrfache Verwendung ein und desselben Stückes Binärcode vielfach: Der Song selbst kostet Geld. Auf die Geräte (PC), Festplatte, MP3-Player entfallen Gebühren. Die Smartcard hat ebenfalls einen Anteil Privatkopiegestattungsgebühr implizit. Nun noch das Mobiltelefon. Auf diese Weise kostet mich ein Song im Worst Case – ich kaufe und kopiere nur einen einzigen Song – 100€ und mehr. Für den Preis bekomme ich auch ein Album, müsste dann aber noch Kosten für den Download und das Ausdrucken des Covers addieren, Urheberrechtsabgaben für den Drucker natürlich auch (Kopierpapier auch? Weiß ich nicht, wundern tät’s mich nicht)

Ich verstehe ja, liebe Urheber, euren Antrieb. Ihr wollt an dem, was ihr da so urhebt, Geld verdienen. Einige mehr, andere weniger (wollen, nicht Geld). Gar nichts ist den meisten zu wenig (Geld, nicht wollen).
Mir ist klar, dass es schwierig bis unmöglich ist, zu überwachen oder gar zu kontrollieren oder zu sanktionieren, wo welche Form von Kopie eurer Werke rumgeistert. Mir ist klar, dass ihr darüber hinaus gerne andere Arbeiten lasst, damit ihr in Ruhe weiter urheben könnt. Aber das hier ist einfach Irrsinn.
Hier wuchert ein Gestrüpp aus Verwertungsgesellschaften rund um eure Werke, ernährt sich durch euren Erfolg und verunglimpft letztlich euch. Wann immer jemand bei der GEMA vorfühlt und drauf hinweist, dass sie dreiste, schmarotzende Abzocker sind, verweisen die an euch und sagen, sie würden nur euch und eure Interessen vertreten. Ihr müsst unbedingt die Hoheit eurer Werke zurück erlangen. Ich weiß, es bricht sich nicht so leicht mit alten, liebgewonnen Gewohnheiten, zumal mit jenen, die einen so weich betten und vermeintlich Einnahmen einspülen, die man andernfalls mühsam selbst generieren müsste. Aber die hier führt in die falsche Richtung.

OK2013 setzt sich unbedingt dafür ein, Verwertungsgesellschaften zu entwerten und möglichst mittelfristig komplett aufzulösen. Diese staatlich geförderte Beschäftigungstherapie samt Kundenabzocke ist einer marktwirtschaftlichen Demokratie ausgesprochen unwürdig. Da muss es andere Möglichkeiten geben – und auch wenn der Gaul schon totgeritten ist: Die Kulturflatrate wäre so eine Möglichkeit…

Fachkraeftemangel? Schwachsinn!

Soso. Die ‘deutsche Wirtschaft’ sucht also nach wie vor ‘haenderingend’ nach Fachkraeften – weil’s hier angeblich keine mehr gibt.
~4.000.000 Arbeitslose (zusaetzlich zu den Niedrigloehnern und den in irgendwelchen zwielichtigen Weiterbildungsmassnahmen haengenden) und die Wirtschaft beklagt sich ueber fehlende Fachkraefte? Dem kontinuierlichen Rueckgang der dualen Ausbildung in allen Bereichen steht (bei insgesamt gleichzeitig abfallenden Schulabgaengern) der konstante Anstieg an Hochschulabsolventen und Studenten gegenueber, hinzu kommen die dramatischen Zahlen der Jugendarbeitslosen – alles passt irgendwie nicht zusammen in ein Bild.
Schuldige gibt’s natuerlich auch (immerhin eine Auswahl): der demografischer Wandel, die abwerbenden Hochlohn- bzw Niedrigsteuerlaender, Neuseeland mit seiner zum verhexen schoenen Landschaft, das schlechte Bildungssystem, die dummen Bewerber, der klamme Staat der einfach nicht bereit ist die Betriebe noch staerker im Bereich Ausbildung zu subventionieren, die fiese IHK, die die Barrieren fuer die Zulassung zum Ausbilder so unendlich hoch ansetzt.
Stattdessen uebernimmt der Staat die Kosten fuer Studenten (jaja, weint doch ueber Studiengebuehren ihr Studierenden – macht euch lieber ernsthaft Gedanken darueber was eure Ausbildung kostet und wer’s mitfinanziert) und entlaesst gut gebildete, aber lebensfremde Menschen in den ersten Arbeitsmarkt, in dem sie dann Luecken stopfen die es nicht gibt und Jobs annehmen die das Land nur historisch bedingt aufrechterhaelt (Steuerberater…). Ja, hier schwingt etwas Subjektivitaet mit und ja, mir ist klar, dass es rein technisch durchaus moeglich waere auf die Haelfte der Arbeiter im produzierenden Sektor zu verzichten, wenn man die Ablaeufe und Wegstrecken optimieren wuerde. Es gibt also auch in anderen Bereichen Potenzial zur Optimierung, nicht nur bei den Uniabsolventen.

Besonders populaer ist der Bedarf an “Ingenieuren” und das Fehlen der “IT-Fachleute” – beides so wischiwaschi dass ich’s Kotzen bekomme wenn ich das hoere. Ich selbst bin IT-Fachmann und Ausbilder in meinem Beruf. Ich kann also auf mehreren Ebenen mit Fug und Recht behaupten, dass “Fachkraeftemangel” eine urbane Legende ist.
Richtig ist ganz gewiss, dass die Anzahl der ‘brauchbaren’ Anwaerter auf eine Stelle abnimmt. Das gilt nicht nur (aber auch) im Bereich der Nachwuchsrekrutierung, in diesem Segment kann ich’s selbst beobachten. Aber das ist auch ganz natuerlich – schliesslich ist der demographische Wandel ja keine Fiktion – wenn im Durchschnitt 100% fuer einen Job in Frage kommen sind das bei absoluten 1.000 Schulabgaengern eben immer noch 200 mehr als bei absoluten 800 Schulabgaengern. 
Dennoch ist auch in diesem Bereich noch ausreichend Potenzial fuer eine angemessene Ausbildung. Aber da die meissten Betriebe ja ohnehin glauben, dass “Ausbildung” ein anderes Wort ist fuer “guenstige Hilfskraft mit geringstmoeglichem Impact fuer die regulaeren, unterbezahlten Mitarbeiter”, ist man womoeglich gar nicht an der Ausbildung (und damit der ‘Aufzucht’ von Nachwuchskraeften) interessiert – sondern vielmehr an der Abschoepfung von fertigen Wollmilchsaeuen vom Markt. Sei’s drum. Passiert ja auch nicht. Ausbildung ist Ruecklaeufig und infolgedessen konstatieren die Betriebe dem Arbeitsmarkt quasi als Quittung die Handlungsunfaehigkeit – gaenzlich ungeachtet der realen Umstaende…

Eine Zeitlang habe ich nicht verstanden, was es dem Arbeitgeber nutzt, diese Maer aufrechtzuerhalten. Eine suggerierte Mangelerscheinung an Fachkraeften muesste doch zwangslaeufig eine Erhoehung der Loehne zur Folge haben – hatte es aber nicht – jedenfalls ist es nicht auf meinem Konto messbar.

Heute aber ergibt alles einen Sinn. Natuerlich kann man im angeschlagenen Europa diejenigen Fachkraefte einsammeln, die daheim auf noch desolatere Zustaende schauen als sie es hier im Land der Fluesse aus Milch und Honig wuerden. Polen hat nach Oeffnung der Grenzen mit einem herablassenden Laecheln abgewunken (fuer den Hungerlohn koenne man auch daheim arbeiten), also muss man seine Fuehler eben nach Griechenland, Spanien, Italien und Portugal ausstrecken. Da wird’s auch trotz der Mutmaszung unserer Kanzlerin durchaus den einen oder anderen nicht komplett arbeitsfaulen geben – wenn man den erwischt steht ja einer Bilderbuchkarriere samt Sarranzinkonformer Integrations-Mustergeschichte nichts mehr im Wege. Die gleiche Story verkauft man vermutlich auch den ungarischen Maedels wenn man sie in deutsche Puffs verschleppt…
Sei’s drum. Ich find’s einigermassen erschreckend was derzeit in Deutschland passiert. Lohndumping wird hier als Schutzschild gegen Verantwortung und Entwicklung verwendet – alles auf dem Ruecken der “Exportnation” und natuerlich der Wirtschaftskrise – jedenfalls jetzt. Mal sehen was in fuenf Jahren als Primaerargument herhalten muss, keine Deutschen zu angemessenen Loehnen einstellen zu muessen…

Die nackte Wut –.-

Ich tanke kein “e10”. Das liegt nicht so sehr daran, dass ich mich dem Ethanol-Bloedsinn verweigere (was ich dessen ungeachtet tun wuerde, haette ich die ECHTE Wahl), das liegt eher daran, dass mein inzwischen von aelteren Damen mit Kindheitserinnerungen verbundener und von Kindern auf der Strasse als “antik” bezeichneter Stadtflitzer das (angeblich…) nicht tanken darf, da er sonst die Hufe hochreisst und ich S-Bahn fahren muesste. Waer ja noch schoener.
Natuerlich, sind wir mal ehrlich, werden die einfach nicht getestet haben. Wie auch – mein Wagen ist ne Raritaet :D

Ergo beobachte ich seit ~Mitte Januar, wie sich die Tankstellen auf meinem Weg zur Arbeit und zurueck diesbezueglich verhalten, da dieses Verhalten nachhaltigen Einfluss auf meine kuenftigen Kaufentscheidung haben wird.
Vorher las man ueberall (auch von den zustaendigen Verbaenden!), dass es kuenftig an Tankstellen natuerlich weiterhin auch Super geben wird, dass e10 wohl um 3 – 5 €c billiger sein wuerde als Super (obgleich es in der Produktion teurer ist als Super – aber es wertet die Oekobilanz der Tankstellen auf, was widerum gegenueber dem Gesetzgeber noetig ist, weil die widerum der EU gegenueber damit angeben, dass man damit ganz toll co2 einspart, was mindestens fragwuerdig, wahrscheinlich aber sogar grober Unfug ist). Zwar ginge das auch mit einer Super-/Gas-Mischung, aber dafuer ist der Markt einfach (noch) zu klein, ergo quersubventionieren die Super-Kunden einfach das gepantsche, weil sonst kauft’s ja niemand, was dann widerum die Oekobilanz nicht aufwertet, was dann… na ihr wisst schon).

Tatsaechlich zeichnet sich ein etwas anderer Trend ab – wer haette das gedacht:

Hin:
> Total (E10, Super +5, Super Plus +10) 
> Aral (E10, +10, +10)
> Star (E10, +10, +10)
> Shell (10, +5, +10)

Zurueck:
> Aral (s.o.)
> Sprint (E10, +5, +10)
> Agip (E10, +5, +10)

Und noch einige andere, deren Preisanschlaege aber etwas versteckter sind.
Ergaenzend muss man dazu sagen, dass bei denjenigen Tankstellen, von denen ich’s weiss (weil mit eigenen Augen gesehen habe) die E10-Zapfsaeulen noch “inaktiv” sind – hier wird noch gearbeitet. Oder gewartet. Vllt fuer immer – ist doch toll, im allerbesten Fall tanken die Leute dann das Superplus, oder, noch besser, Super zum Preis von Superplus. Ach nee, dann ist es subventionierendes Super, was dann halt ganz zufaellig den Preis von SuperPlus hat.

Was mich nun besonders abfuckt ist eigentlich offensichtlich, aber dennoch offenbar mal wieder (typisch deutsch) bereits gesellschaftlich abgetan mit einem “kann-man-ja-eh-nix-tun”: Ich fahre meinen Wagen, der einen geregelten Kat hat und im krassen Gegensatz zu so manch wesentlich neuerem Wagen eine gruene Umweltplakette ohne Murren bekommt, einen Verbrauch hat, der so etwa um zwei Drittel unter denen aktueller SUVs liegen duerfte und damit zwangslaeufig auch eine CO2-Bilanz auffaehrt, die um laengen besser ist als die dieser Perversitaeten, ja nicht etwa, weil ich auf Frost auf Innenscheiben stehe, manuell zu kurbelnde Scheiben (die ich mind. 2x taeglich benutzen muss um Tueren zu oeffnen…) oder knacksende Monoanlagen toll finde und mich der Nervenkitzel bei der regelmaessigen HU am Leben haelt – sondern schlicht und einfach, weil ich mir keinen anderen leisten kann.
Die von der Bundesregierung phantasierten 10% meiner Leidensgenossen (na gut, die Bundesregierung hat die anderen 90% phantasiert, und meinte damit Autos, die e10 tanken KOENNTEN) werden ganz aehnliche Beweggruende haben, nicht spaetestens letztes Jahr beim Abwracken zugegriffen zu haben. Ergo wird hier von denen, die ohnehin schon am Limit arbeiten muessen mit ihren Autos, verlangt, kuenftig den Preis von SuperPlus zu bezahlen – oder entsprechende Umwege in Kauf zu nehmen (was auch wieder Benzin kostet). Das trifft ja, mal wieder, genau die richtige Zielgruppe…

Wieso in Dreiteufelsnamen wird so ein Mist in diesem Land abgenickt? Wieso gibt’s fuer sowas keine Ausschuesse, Gremien, Ministerkonferenzen, die VOR dem Abnicken mal drauf hinweisen, dass es sich womoeglich nicht auszahlt, dass die Oekobilanz dadurch nicht aufgewertet wird, dass man damit die scheiss Welt nicht vor dem Untergang bewahrt?

Ach ja richtig, ich weiss, an all diesem Desaster verdienen ja in der Tat zwei Gruppen gleichermassen – Staat (Steuern) und die ‘Mineraloelindustrie’ – aber naeh, Lobbyismus muss in Deutschland nicht bekaempft werden.

Ich bin echt wuetend. So sehr, dass ich solche trivialen Kram auf meinen Blog bringe –.-